Sturmtiefs im Doppelpack
Vier Namen, zwei Sturmtiefs und allerhand Warnungen: Turbulente Tage stehen bevor. Doch nicht nur der Sturm ist ein Thema, auch kräftige Niederschläge sind mit von der Partie.
Warum die beiden Sturmtiefs jeweils zwei Namen haben
Die Freie Universität Berlin benennt Druckgebiete, die für Deutschland relevant sind. Im jährlichen Wechsel tragen Tiefs männliche und Hochs weibliche Namen oder umgekehrt. Das Sturmtief über Westeuropa am 23. Oktober 2026 heißt bei der FU Berlin LUISE. In der westeuropäischen Sturmbenennung trägt es den Namen AUSTEN. Ein weiteres Sturmtief zieht am Wochenende über Schottland zum Nordteil der Nordsee. Es heißt bei der FU Berlin MANJA und international BOELO.
Die internationale Benennung erfolgt in regionalen europäischen Gruppen. Für Großbritannien, Irland und die Niederlande arbeiten Met Office, Met Éireann und KNMI zusammen. Sie vergeben Namen aus einer gemeinsamen Liste, wenn ein Sturm voraussichtlich mittlere oder hohe Auswirkungen haben wird. Neben Wind können auch erhebliche Auswirkungen durch Regen oder Schnee ausschlaggebend sein. Nach Angaben des DWD benannte der britische Wetterdienst AUSTEN am Dienstag, 20. Oktober, und BOELO am Donnerstag, 22. Oktober.

AUSTEN bringt am Freitag Sturm in den Westen
Im Folgenden werden die internationalen Namen verwendet. AUSTEN zieht am Freitag, 23. Oktober, vom Ärmelkanal in Richtung Niederlande und erreicht bis Samstagfrüh das Seegebiet bei Helgoland. Der größte Druckgradient besteht an der Südflanke des Tiefs. Entsprechend treten dort die höchsten Windgeschwindigkeiten auf.
Am stärksten waren die Böen am Freitagmorgen in der Bretagne. In diesen Stunden hatte AUSTEN noch einen Kerndruck von unter 980 Hektopascal. Nach Angaben des DWD erreichten die Böen an der Küste 102 bis 140 Kilometer pro Stunde, lokal sogar 160 Kilometer pro Stunde. Diese Spanne reicht von schweren Sturmböen über orkanartige Böen bis zu Orkanböen. Orkanböen beginnen nach der Beaufort-Einteilung bei 118 Kilometern pro Stunde.
Auf seinem Weg nach Osten schwächt sich AUSTEN ab und soll bei Helgoland einen Kerndruck von etwas mehr als 990 Hektopascal aufweisen. In Deutschland fallen die Böen entsprechend deutlich schwächer aus. In der Westhälfte reicht es am Freitagnachmittag und Abend für stürmische Böen oder Sturmböen der Stärke 8 bis 9 Beaufort. Vereinzelt sind schwere Sturmböen um 90 Kilometer pro Stunde, entsprechend Stärke 10 Beaufort, möglich. In Hoch- und Gipfellagen werden ähnliche oder höhere Windgeschwindigkeiten erwartet.
Weniger windig ist es allgemein in der Osthälfte Deutschlands. Der Sturmhöhepunkt wird am Freitagabend im Westen erreicht. Bis Samstagmittag bleibt es in der Nordhälfte allerdings windig bis stürmisch. Danach lässt der Wind nach, doch die Ruhe währt nur kurz.

BOELO sorgt am Sonntag für die nächste Sturmphase
Das zweite Sturmtief BOELO erreicht am Sonntag, 25. Oktober, den Nordteil der Nordsee. Ähnlich wie bei AUSTEN werden die stärksten Böen außerhalb Deutschlands erwartet, dennoch reicht das Sturmfeld bis zu uns. Bereits in der Nacht zum Sonntag frischt der südliche Wind von Westen her rasch wieder deutlich auf. Gleichzeitig setzt mäßiger, in Weststaulagen teils kräftiger Regen ein.
Am Sonntag wird es verbreitet windig bis stürmisch. Etwas ausgenommen davon ist der äußerste Südosten Deutschlands. Die höchsten Windgeschwindigkeiten werden dagegen im Nordwesten erwartet. Besonders stürmisch wird es an der Nordsee. Dort erreicht der auf West drehende Wind in Böen Stärke 10 oder 11 Beaufort, also schwere Sturmböen oder orkanartige Böen. Neben Sturm fällt vor allem im Süden und dort besonders im Schwarzwald Regen. Im übrigen Land gibt es Schauer und einzelne Gewitter.

Erhöhte Wasserstände an der Nordsee
Weststurm kann an der deutschen Nordseeküste Wasser aufstauen und Sturmfluten begünstigen. Der DWD verweist auf eine Vorabinformation des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie. Demnach ist von Sonntag bis Montag, 25. bis 26. Oktober, mit deutlich erhöhten Wasserständen an der deutschen Nordseeküste sowie im Weser- und Elbegebiet zu rechnen. Die jeweils aktuellen amtlichen Angaben veröffentlicht das BSH in seiner Wasserstandsvorhersage.
Ausblick auf die kommende Woche
Nach dem Vorhersagestand vom 23. Oktober folgt auf die beiden Sturmtiefs in der kommenden Woche kein drittes Sturmtief. Der Nordwesten bleibt zwar eher tiefdruckbeeinflusst, windig bis stürmisch wird es jedoch hauptsächlich an der Küste und auf einem für die Jahreszeit üblichen Niveau. In Richtung Südosten dominiert zunehmend Hochdruckeinfluss.
An der milden Witterung ändert sich kaum etwas. Am Dienstag, 27. Oktober, könnte es sogar besonders mild werden. Im Breisgau sind dann noch einmal bis zu 20 Grad möglich.
M.Sc.-Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.10.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
Quelle: Deutscher Wetterdienst – Thema des Tages vom 23.10.2026. Text redaktionell gegliedert und sprachlich bearbeitet; relative Zeitangaben wurden durch konkrete Daten ergänzt. Die Sturmbenennung wurde anhand der Met-Office-Dokumentation präzisiert, die Einordnung der Böengeschwindigkeiten anhand der DWD-Beaufort-Skala berichtigt. Die drei DWD-Abbildungen wurden unverändert lokal gespeichert und responsiv eingebunden. Die im Original enthaltene BSH-Pegelgrafik wurde nicht übernommen. Lizenz für DWD-Text und DWD-Abbildungen: CC BY 4.0. Bildquellen stehen jeweils an den Abbildungen.




























