Nicht aufs Glatteis führen lassen

Ab dem späten Nachmittag bzw. frühen Abend des gestrigen Freitags kam es in einem breiten Streifen in etwa von der Elbmündung über Hamburg nach Berlin und weiter Richtung Frankfurt (Oder) zu einer tückischen Kombination. Aus einer tiefen, aber nicht besonders mächtigen Wolkendecke fiel Sprühregen bei Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt.

Exemplarisch für die meteorologische Situation in den untersten hundert Metern der Troposphäre soll der Radiosondenaufstieg von Lindenberg, südöstlich von Berlin vom Samstag, den 27.12.2025 um 7 Uhr stehen. Sehr ähnliche Bedingungen gab es in der Nacht auch weiter nördlich und nordwestlich in dem angesprochenen Streifen. Der Radiosondenaufstieg zeigt am Boden eine Temperatur von etwa -2 Grad, bis etwa 570 m Höhe nimmt diese auf rund -4 Grad ab, bei praktisch vollständig gesättigter Luft (Taupunkt=Temperatur). Ein völlig anderes Bild ergibt sich in 710 Meter Höhe, dort war die Luft etwa +5 Grad „warm“ zugleich war die Luft zwar absolut feuchter, relativ gesehen deutlich trockener als in tieferen Schichten. Dies zeigt sich an der Differenz von Taupunkt und Temperatur, die deutlich zugenommen hat und in höheren Luftschichten noch markanter wird. An dieser Grenzschicht bzw. Inversion zwischen 600 und 700 Meter lag die Obergrenze der Wolken. Die Niederschlagsbildung fand also darunter statt.

 Nicht aufs Glatteis fuehren lassen

Radiosondenaufstieg von Lindenberg vom 27.12.2025 07 Uhr 

Bei Temperaturen unter -10 Grad finden sich in Wolken in aller Regel unterkühlte Wassertröpfchen und erst bei niedrigeren Temperaturen findet allmählich ein Übergang zu Eiskristallen statt. Im betrachteten Fall gab es nur unterkühlte Wassertröpfchen. Diese werden aber erst zum Problem, wenn diese auch aus der Wolke herausfallen und den kalten Boden erreichen. Dies war ab dem Freitagabend der Fall. Wahrscheinlich, weil die feuchte Schicht nun besonders feucht und ausreichend dick war, um Tröpfchen zu generieren, die schwer genug waren herauszufallen. Am Boden bildete sich als Folge eine dünne Eisschicht, Glatteis.

Der Meteorologe kann das Potenzial für Glatteis aus den Daten der Wettermodelle und aktuellen Messungen abschätzen. Die konkrete Glättesituation vor Ort bei Entstehen des Glatteises ist dann aus der Entfernung häufig schwierig zu beurteilen. Denn für Glatteis reichen geringste Mengen an Niederschlag, teilweise zu wenig, um von den Messstationen detektiert zu werden. Zudem ist bei Temperaturen um 0 Grad am Boden die Grenze zwischen gefrierendem Sprühregen und „normalem“ Sprühregen sehr eng. 

 

Hilfreich sind für uns die Meldungen der Nutzer der WarnWetter-App. Diese können den Wetterzustand und auch mögliche Glätte melden. Besonders hilfreich sind mit Bildern versehene Glätte-Meldungen, damit wir uns im wahrsten Sinne des Wortes ein Bild von der Lage machen können. In der folgenden Animation erkennt man den Verlauf der Meldungen vom 26.12.2025 16 Uhr bis zum 27.12.2025 10 Uhr. Pro Bild sind jeweils die Meldungen der vergangenen 60 Minuten dargestellt. Zu beachten ist, dass die Dichte der Meldungen stark abhängig von der Bevölkerungsdichte ist und somit Hamburg und Berlin besonders hervorstechen, die Gebiete dazwischen, aber nicht weniger von Glätte betroffen sein müssen. Auch ein Tagesgang der Meldungen wird sichtbar. Leicht verständlich gehen um 3 Uhr in der Nacht weniger Meldungen ein als um 9 Uhr am Vormittag.
 

Nicht aufs Glatteis fuehren lassen 2

Glätte-Meldungen der Nutzer der WarnWetter-App 

Doch genug des Rückblicks wenden wir uns der Wetterprognose zu. Heute tagsüber hat sich die Glättesituation entspannt, dennoch kann es örtlich zur Kombination von Sprühregen und Temperaturen unter dem Gefrierpunkt kommen. Kritischer wird es in der Nacht zum Sonntag. Dann bestehen in einem Streifen von der Eifel über den nördlichen und zentralen Mittelgebirgsraum bis nach Sachsen und Südbrandenburg ähnliche Bedingungen wie in der vergangenen Nacht im Norden. Besonders in der östlichen Mitte muss mit gefrierenden Sprühregen und in der Folge mit Glatteis gerechnet werden. Die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes werden für die am meisten gefährdetsten Regionen entsprechende Warnungen vor Glätte herausgeben. Erfahrungsgemäß werden im Laufe der Nacht aber Anpassungen nötig werden. Neben Messwerten werden dann auch die von Ihnen abgegebenen Meldungen genutzt. Vielen Dank dafür! 

Nicht aufs Glatteis fuehren lassen 3 

Gebiete in orange mit erhöhter Wahrscheinlichkeit für Glatteis in der Nacht zum 28.12.2025 

M.Sc. Meteorologe Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.12.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Kleines meteorologisches Weihnachtsgedicht 

Weihnachten 2025 war fast überall gefühlt wie immer,
von Schnee an Weihnachten hat die Generation Alpha quasi keinen Schimmer.
Das letzte Weihnachtfest mit einer Schneedecke war Zweitausendzehn,
da muss man in den Geschichtsbüchern schon ganze 15 Jahre zurückgehn. 

Zumindest im Süden tanzten an Heiligabend Schneeflocken vor dem Fenster,
da dachte so mancher: „Mensch sehe ich etwa kleine Gespenster?“
Aber für mehr als eine kleine „Anzuckerung“ hat es nicht gereicht,
liegt das etwa am Klimawandel? – Naja, vielleicht. 

Doch immerhin war das Weihnachtsfest ziemlich frisch,
da rentierten sich Schal, Mütze und Handschuhe auf dem Gabentisch.
Dem Weihnachtsmann war es bestimmt zwischendurch auch mal kalt,
da lohnte sich zu Plätzchen und Wein sicherlich ein kurzer Zwischenhalt. 

Doch wie geht das Jahr 2025 wettertechnisch nun zu Ende?
Da reiben wir Meteorologen uns noch die Hände.
Polarluft flutet bis Dienstag das ganze Land,
doch trägt der Winter dann ein weißes Gewand? 

Im Bergland ist nächste Woche Schnee sicher,
im Flachland hingegen ist es fraglicher.
Die Chancen dafür stehen jedoch gar nicht so schlecht,
den Kindern und Schneeliebhabern wäre dies sicherlich recht. 

Doch wie ist es so oft im Meteorologenleben,
eine hundertprozentige Vorhersage wird es nie geben. 

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.12.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Kaltes Hochdruckwetter prägt Weihnachten 

Das Wetter rund um Weihnachten zeigt sich in weiten Teilen Deutschlands von seiner ruhigen winterlichen Seite. Verantwortlich dafür sind gleich zwei Hochdruckgebiete, die derzeit Mittel- und Nordwesteuropa dominieren. Hoch HELLA liegt über Schottland, Hoch INKA über der Ukraine. Dazwischen strömt aus Osten kalte Festlandsluft nach Deutschland. 

Diese Luftmasse bringt in den kommenden Tagen eisige Temperaturen. Nach leichten Schneefällen am gestrigen Mittwoch in Teilen Süddeutschlands, die örtlich für eine dünne Schneedecke gesorgt haben, bleibt es zunächst überwiegend trocken. Neue Niederschläge sind vorerst kaum zu erwarten. 

Kaltes Hochdruckwetter praegt Weihnachten 

Bodenanalyse mit Fronten und Luftdruck, Donnerstag den 25.12.2025 12 UTC. Quelle: DWD 

Am heutigen Donnerstag, dem Ersten Weihnachtstag, steigen die Temperaturen tagsüber meist nicht über -6 bis 0 Grad. Nur an den Küsten, im Westen und Südwesten sowie entlang der unteren Donau sind vereinzelt leichte Plusgrade möglich. Der teils kräftige Ostwind verstärkt jedoch das Kältegefühl deutlich. 

Kaltes Hochdruckwetter praegt Weihnachten 2

Wetter- und Temperaturkarte, am Donnerstag 25.12.2025. Quelle: DWD 

Viele Regionen dürfen sich über Sonnenschein freuen. Lediglich zwischen Sachsen und Thüringen sowie im Südwesten halten sich gebietsweise zähe Hochnebelfelder. In der Nacht zum Freitag wird es verbreitet frostig. Die Temperaturen sinken auf -1 bis -9 Grad, im Osten lokal sogar bis -12 Grad. 

Kaltes Hochdruckwetter praegt Weihnachten 3

Wetter- und Temperaturkarte, in der Nacht zum Freitag 25./26.12.2025. Quelle: DWD 

Ab dem Zweiten Weihnachtstag verlagern sich die Hochdruckgebiete allmählich in Richtung der Britischen Inseln und des Nordostatlantiks. Dadurch ändert sich die Strömung über Deutschland langsam. Am Wochenende kommt die Luft häufiger aus nördlichen Richtungen und bringt in den unteren Schichten mehr Feuchtigkeit mit sich. 

Während die Mitte und der Süden noch längere Zeit von trockener Luft profitieren und sich bei Sonnenschein auch letzte Nebelfelder auflösen, breiten sich im Norden zunehmend dichte Wolken aus. Diese erreichen in der Nacht zum Sonntag auch die Landesmitte. Lokal kann es zu leichtem Sprühregen kommen. Besonders in den Mittelgebirgen besteht dabei stellenweise Glatteisgefahr, da die Temperaturen dort unter dem Gefrierpunkt bleiben. Tagsüber liegen die Werte sonst meist knapp über null, die Nächte bleiben weiterhin frostig. 

Zum Start in die neue Woche zeichnet sich schließlich eine allmähliche Wetterumstellung ab. Das Hochdruckgebiet verlagert sich über den Nordatlantik zwischen die Britischen Inseln und Island. Gleichzeitig sorgen Tiefdruckgebiete über Skandinavien und Osteuropa dafür, dass kalte Polarluft nach Deutschland vordringen kann. 

Mit dieser Kaltluft nehmen auch die Niederschläge zu und sie könnten zunehmend bis in tiefe Lagen als Schnee fallen. Pünktlich zum Jahreswechsel ist daher ein deutlicher Wintereinbruch durchaus möglich. 

Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.12.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Weihnachten vor 15 Jahren: „Scarlett“ schneite den Süden Deutschlands ein 

Jedes Jahr erreichen uns bereits im Herbst die ersten Anfragen, ob sich denn in diesem Jahr die vielfach ersehnten „weißen Weihnachten“ einstellen. Dabei sind die Chancen auf eine flächige Schneedecke von mindestens einem Zentimeter über die Weihnachtsfeiertage in weiten Teilen Deutschlands alles andere als hoch. In vielen Regionen liegen die Wahrscheinlichkeiten unter 20 Prozent, teilweise sogar unter 10 Prozent, das heißt nicht mal alle 10 Jahre stellt sich ein „weißes Weihnachtsfest“ ein. Im Bergland und vor allem in Gipfellagen stehen die Chancen hingegen etwas besser. 

Weihnachten vor 15 Jahren 22Scarlett22 schneite den Sueden Deutschlands ein 

Die Karte zeigt, wie wahrscheinlich regional weiße Weihnachten mit einer Schneedecke an allen drei Tagen vom 24. bis 26. Dezember in der Referenzperiode 1991-2020 waren. 

Wann gab es nun zuletzt verbreitet „weiße Weihnachten“? 

Dazu müssen wir 15 Jahre zurückschauen in den Dezember 2010. Dieser verlief in großen Teilen West- und Mitteleuropas hochwinterlich. Mit einer über den gesamten Monat und über die gesamte Fläche Deutschlands gemittelten Temperatur von -3,7 °C avancierte er zum viertkältesten seit Beginn der kontinuierlichen Messungen im Jahr 1881. In der Nordhälfte des Landes, die mit nur kurzen Unterbrechungen die meiste Zeit im Bereich polarer bzw. arktischer Luftmassen verblieb, betrug die negative Abweichung zum Mittel der Jahre 1961 bis 1990 verbreitet 5 bis 6 Kelvin (entspricht betragsmäßig °C). In den Süden drang dagegen immer mal wieder mildere Luft vor, so dass die zeitweilig vorhandene Schneedecke insbesondere in den Niederungen des Südwestens wiederholt dem Tauwetter zum Opfer fiel.

Einen Tag vor Heiligabend stellte sich die Situation wie folgt dar: In weiten Teilen Deutschlands lag eine 10 bis 20, im Norden und in den Mittelgebirgen auch weit über 30 cm mächtige Schneedecke, während die tiefen Lagen Baden-Württembergs und Bayerisch-Schwabens weitgehend schneefrei waren. Doch dann kam „Scarlett“. 

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Satellitenbilder von Mitteleuropa vom 24. (links), 25. (Mitte) und 26. Dezember 2010 (rechts). 

Tief „Scarlett“ wurde bereits am 19. Dezember 2010 zum ersten Mal auf den Bodenwetterkarten analysiert, zu diesem Zeitpunkt noch als unscheinbar flaches Gebilde etwas südwestlich der Azoren. Es verlagerte sich zunächst nur langsam ostwärts und lenkte auf seiner Vorderseite mit südlicher Strömung milde Luft nach Mitteleuropa. In Verbindung mit der Warmfront des Tiefs kamen zum 23. von Südwesten her großflächig Niederschläge auf, die in den südlichen und mittleren Teilen Deutschlands erst noch als Regen oder gefrierender Regen fielen. 

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DWD-Bodendruckanalyse vom 23. (links) und 24. Dezember 2010 (rechts) jeweils um 00 UTC mit eingezeichneten Fronten und Namen der Druckgebilde.  

Über die Weihnachtstage verlagerte sich „Scarlett“ über Südfrankreich und das westliche Mittelmeer nach Norditalien, zudem bildete sich ein Teiltief über Osteuropa. Die Warmfront, die immer mehr als quasistationäre Luftmassengrenze in Erscheinung trat, lag fortan eingebettet in einer vom eigentlichen Tiefzentrum ausgehenden und sich bogenförmig über Mittel- bis zu dem Teiltief nach Osteuropa erstreckenden Tiefdruckrinne. Auf der Rückseite des gesamten Tiefdrucksystems kam bodennah eine kräftige Nordostströmung in Gang, mit der polare Kaltluft im Laufe des Heiligabends bis zu den Alpen vorstieß. 

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DWD-Bodendruckanalyse vom 25. (links) und 26. Dezember 2010 (rechts) jeweils um 00 UTC mit eingezeichneten Fronten und Namen der Druckgebilde. 

Der Nordostströmung am Boden überlagert war eine südwestliche Höhenströmung vorderseitig eines Langwellentroges über Westeuropa. Diese Konstellation induzierte eine klassische Gegenstromlage mit anhaltender Warmluftadvektion vor allem in den mittleren Schichten der Troposphäre und hatte großräumige Hebungsprozesse zur Folge.

Während die feste Niederschlagsphase am 23. zunächst auf den Norden und Nordwesten Deutschlands beschränkt blieb, gingen die Niederschläge mit Einfließen der hochreichend kalten Luft pünktlich zu Heiligabend (24. Dezember) auch im Süden immer mehr in Schnee über. Zur Bescherung am Abend fiel überall Schnee. Vielerorts hatte sich bis dahin schon eine stattliche Neuschneedecke ausgebildet (z. B. Niederstetten 20 cm). Bis zum Morgen des ersten Feiertages (25. Dezember) summierten sich in einem breiten Streifen von Baden-Württemberg über Nordbayern bis nach Thüringen, Sachsen und in den Süden Brandenburgs zweistellige Neuschneemengen, selbst die ansonsten mit wenig Schnee bedachten Regionen am Oberrhein verwandelten sich in ein weißes Winterwunderland (z. B. Rheinstetten 20 cm, Lahr 18 cm, Mannheim 15 cm). Die Schneefälle hielten bis zum Nachmittag an und zogen sich dann unter Abschwächung nach Südosten zurück. 

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Niederschlagsradar Deutschland vom 24. Dezember 2010 um 00:00, 06:00, 12:00 und 18:00 Uhr MEZ (oben) und vom 25. Dezember 2010 um 00:15, 06:00, 12:00 und 18:00 Uhr MEZ (unten). 

Die größten Schneehöhen wurden zum Mittags- und Abendtermin des 25. respektive am Morgen des zweiten Weihnachtsfeiertages gemessen. In Rheinstetten konnten 23 – maximal sogar 24 – cm verzeichnet werden; die höchste Schneedecke im Raum Karlsruhe seit dem 4. Januar 1985. Aber auch andernorts geriet man ob der teilweise enormen Schneemengen ins Staunen: Aachen 37, Öhringen 32 oder Düsseldorf 27 cm, um nur eine kleine Auswahl zu nennen. Nie zuvor lag Deutschland an Weihnachten flächendeckend unter einer solch dicken Schneedecke. Relativ schneearm verliefen die Feiertage hingegen ausgerechnet im vergleichsweise schneereichen Süden Bayerns. München konnte beispielsweise nur mit rund 5 cm aufwarten.

Hier sind einige Stationen mit Schneehöhen in Zentimeter (cm) aufgelistet, die zwischen dem 24. und 26. Dezember 2010 gemessen wurden:

 

Ort / Station  Bundesland  Schneehöhen 
Berlin-Dahlem  Berlin  33 cm 
Helgoland  Schleswig-Holstein  11 cm 
Hamburg-Fuhlsbüttel  Hamburg  20 cm 
Hannover-Flughafen  Niedersachsen  28 cm 
Brocken  Sachsen-Anhalt  160 cm 
Aachen  Nordrhein-Westfalen  37 cm 
Bielefeld-Deppendorf  Nordrhein-Westfalen  44 cm 
Neuhaus am Rennweg  Thüringen  110 cm 
Gera-Leumnitz  Thüringen  70 cm 
Rheinstetten  Baden-Württemberg  24 cm 
Stuttgart-Flughafen  Baden-Württemberg  16 cm 
Lahr  Baden-Württemberg  19 cm 
Freiburg-Flugplatz  Baden-Württemberg  15 cm 
Kempten  Bayern  21 cm 
Oberstdorf  Bayern  31 cm 
Garmisch-Partenkirchen  Bayern  27 cm 

Nach dem Schnee kam die große Kälte: Die frisch eingeflossene Polarluft, der viele Neuschnee und ein aufklarender Himmel kurz nach dem astronomischen Sonnentiefststand schufen ideale Voraussetzungen für strenge Fröste auch im Südwesten der Bundesrepublik: In Mannheim (-18,3 °C) und Lahr (-17,9 °C) wurden in der Nacht zum zweiten Weihnachtsfeiertag neue Dezemberrekorde registriert, in Pforzheim sank die Temperatur gar auf -22,1 °C. Die kälteste Station im Messnetz des DWD war Bad Königshofen in Nordbayern mit -24,0 °C. Verbreitet zeigten die Thermometer in dieser Nacht zweistellige Minusgrade an. 

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Fotos aus Rheinstetten bei Karlsruhe am 25. und 26. Dezember 2010. 

Und wie sieht es in diesem Jahr aus?

Im Jahr 2025 wird es in weiten Teilen Deutschlands, wie schon in den Jahren zuvor, wieder nichts mit einer „weißen Weihnacht“. Einzig stellenweise im süddeutschen Raum sowie in den östlichen und südöstlichen Bergländern fällt am heutigen Heiligabend geringfügiger Neuschnee. Selbst die Zugspitze ist mit derzeit 96 Zentimetern eher am unteren Ende der Statistik zu finden. Im letzten Jahr registrierte die Wetterstation dort etwa die doppelte Schneehöhe. Die Temperaturen können ebenfalls nicht ganz mit dem Weihnachtsfest 2010 mithalten. In den östlichen Landesteilen sinkt das Thermometer in den kommenden Nächten zwar in den strengen Frostbereich bis -12 °C. Allerdings fehlt dort die „Schneeunterlage“ für noch tiefere Temperaturen. Auch wenn das diesjährige Weihnachtsfest vielerorts wieder einmal schneelos ausfällt, wünscht Ihnen das DWD-Team dennoch ein ruhiges und gesegnetes Weihnachtsfest. 

Dipl.-Met. Christian Ehmann und
M.Sc.-Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.12.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Wie lange hält das hochdruckdominierte Wetter an? 

Nebel, Hochnebel und teilweise auch etwas Sonnenschein. So gestaltete sich das Wetter in diesem Dezember häufig. Grund dafür waren immer wiederkehrende Hochdrucklagen. Auch über die Weihnachtstage erwartet uns ruhiges Winterwetter. Hoher Luftdruck erstreckt sich über weite Teile von Nord- und Mitteleuropa. Auf der Südseite stellt sich eine östliche bis nordöstliche Strömung ein, wodurch zumindest die Temperaturen schrittweise zurückgehen werden. An Heiligabend verlagert sich ein schwach ausgeprägter Kaltlufttropfen über die Mitte und den Süden Deutschlands nach Westen. Dieser sorgt im Süden für ein Zustrom von feuchten Luftmassen sowie für leichte Hebungsimpulse, wodurch vor allem vom Bayerwald bis zum Schwarzwald regional leichte Schneefälle wenigstens für eine angezuckerte Landschaft sorgen werden.
In den folgenden Tagen etabliert sich der Hochdruckschwerpunkt über Nordwesteuropa. Zudem erstreckt sich ein Ableger bis nach Zentraleuropa, sodass sich das ruhige Winterwetter bei uns fortsetzt. Nennenswerter Niederschlag ist somit vorerst kein Thema. Im weiteren Verlauf stellt sich voraussichtlich zwischen einem Hoch über Nordwesteuropa und tiefem Luftdruck im Bereich des Baltikums eine nordöstliche bis nördliche Strömung ein.

Wie lange haelt das hochdruckdominierte Wetter an

Analysekarte für Freitag, den 26.12.2025 um 12 UTC. Ein Ableger eines kräftigen Hochdruckgebietes über Nordwesteuropa erstreckt sich bis nach Zentraleuropa. 

Da es sowohl bezüglich der Position als auch der Intensität der Druckgebilde noch größere Unsicherheiten gibt, ist der Wettercharakter zum Jahreswechsel noch völlig offen. Etabliert sich das angedeutete Hochdruckgebiet über Nordwesteuropa etwas weiter im Nordwesten, könnte eine nördliche bis nordöstliche Strömung in Verbindung mit kleineren von Nord nach Süd wandernden Tiefs für eine weiße Überraschung bis ins Flachland sorgen. Dieses Szenario ist nach jetzigem Stand das wahrscheinlichste. Befindet sich der Hochdruckschwerpunkt dagegen weiter im Südosten, würde sich das ruhige und niederschlagsarme Wetter der letzten Wochen fortsetzen.
Eine weitere Lösung ist zum Start in das neue Jahr eine Änderung der Großwetterlage zu einer zyklonal geprägten Nordwestlage. Dadurch würden zumindest im Bergland ganz zur Freude aller Wintersportliebhaber die Chancen für Schnee ansteigen. Für das Flachland würde dies aber weniger winterliches Wetter bedeuten. Häufig wäre es dort dann nasskalt und für einen nachhaltigen Wintereinbruch mit einer Schneedecke zu mild. Ein Blick auf die Mittelfrist zeigt also Anzeichen für eine zyklonal geprägte Nord- bis Nordwestlage. Damit nehmen auch die Niederschlagssignale zu. In der Vorhersage der großräumigen Struktur des Geopotentials über der Nordhemisphäre zeigt sich diese Entwicklung (Bild2). Unter zunehmender Vorhersageunsicherheit deutet sich eine retrograde Verlagerung der Druckgebilde an. Dies zeigt eine blockierende Wetterlage mit einer Verlagerung der Druckgebilde nach Westen. Demnach würde in Deutschland der Tiefdruckeinfluss ab dem Jahreswechsel zunehmen und uns eine wechselhaftere und teils auch winterlichere Wetterphase mit Schnee bevorstehen. Es steht also für alle Winterliebhaber eine sehr spannende Zeit ins Haus!
 

Wie lange haelt das hochdruckdominierte Wetter an 2 

Bild 2: Hovmöller Diagramm für das Geopotential in 500 hPa für die Nordhemisphäre. Tiefes Geopotential verlagert seinen Schwerpunkt nach Westen. Dadurch nimmt die Hochdruckaktivität voraussichtlich ab. 

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.12.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Angeweißte Weihnachten 2025

Seit nun mehr über 2 Wochen präsentiert sich das Wetter über Deutschland von einer meist drögen Seite und so war und ist die tägliche Frage, ob und wo es Hochnebel gibt. Pünktlich zum anstehenden Weihnachtsfest tut sich aber was in der Wetterküche: Zwar findet keine Neuerfindung des (Winter-) Wetters statt, aber ein paar entscheidende Stellschrauben werden gedreht, um ein winterliches Fest zu garantieren.

Die erste Stellschraube ist dabei die Verlagerung der Hochdruckzone in Richtung Skandinavien, und hier kann sich ein veritables Hochdruckgebiet mit zwei Schwerpunkten (HELLA und INKA) manifestieren, an dessen Südostflanke wir in Deutschland nun geraten werden. Damit dreht die Strömung von einer leicht südlich angehauchten Richtung auf Ost, womit zuerst bodennah der Weg für Kaltluft zu uns frei wird. Dann kommt als zweite Stellschraube noch ein kleines Höhentief (Kaltlufttropfen) aus Polen herangezogen, das zumindest regional ganz leichte Niederschläge auslöst, die häufig als Schnee oder Schneegriesel fallen werden.

Angeweisste Weihnachten 2025

Bei der Großwetterlage dominiert in den kommenden Weihnachtsfeiertagen der Einfluss eines sich über Skandinavien kräftigenden Hochs, das eine bodennahe Ostströmung und die Zufuhr kalter Luft in Gang kommen lässt. 

Fangen wir aber von vorne an: Der morgige Dienstag (23.12.) wird noch einigermaßen mild mit 2 Grad im Süden und Osten und bis zu 7 Grad im Westen, häufig aber hochnebelartig bedeckt. Sonnenschein gibt es höchstens in einem Streifen von der Deutschen Bucht bis zur Uckermark und im Hochschwarzwald. Dazu kann es bevorzugt im östlichen Bergland etwas Sprühregen oder in höheren Lagen Schneegriesel geben. Der Wind lebt hier bereits böig auf und weht im Bergland teils stürmisch um Ost bis Nordost.

Dann ist er da, der Heilige Abend: Von Osten verstärkt sich die Kaltluftzufuhr weiter und auch weiterhin werden schwache Niederschläge ausgelöst. Vor allem von der Rhön ostwärts über den Thüringer Wald bis ans Erzgebirge kann es etwas flöckeln, sonst ist Schnee nur die Ausnahme. Mit maximal 1 cm Neuschnee sind die Mengen aber auch mehr als überschaubar. Etwas spannender wird die Lage schon ausgangs der Nacht im Süden. Hier gibt es häufiger Sprühregen, und das teils bei um oder unter 0 Grad, weshalb es zu Glätte kommen kann. Tagsüber gehen die regionalen Niederschläge dort durch die Kaltluft dann verbreitet in leichten Schneefall über und so sind vor allem an der Schwäbischen Alb und im Alpenvorland auch 1-2, lokal um 3 cm Neuschnee möglich. Im großen Rest des Landes bleibt es trocken, im Nordosten auch aufgelockert, aber sehr windig, ab der Mittelgebirgsschwelle südwärts im Bergland auch stürmisch. Noch ein Satz zu den Temperaturen, jedoch ist hier tagsüber bei 0 bis 4 Grad schon Schluss, nachts gibt es häufig mäßigen Frost bis -9 Grad.
Angeweisste Weihnachten 2025 2 

Der Blick auf die von ICON-NEST prognostizierte Gesamtschneehöhe um Mitternacht (25.12.) zeigt insbesondere im Süden die Chance auf etwas weiße Weihnachten. 

Am ersten Weihnachtsfeiertag ist der Niederschlag schon wieder Schnee von gestern und trockene Kaltluft flutet ganz Deutschland. Damit geht auch verbreitet eine Wolkenauflösung einher, weshalb die Sonnenscheinanteile vor allem im Norden und der Mitte sehr hoch sein werden. Nicht so hoch jedoch sind die Temperaturen, denn in Teilen des Nordens und insbesondere des Ostens ist leichter Dauerfrost angesagt. Dies fühlt sich durch den weiterhin lebhaften Ost- bis Nordostwind noch wesentlich kälter an. Die Nacht auf den Freitag wird dann ebenso kalt wie die Vornacht, möglicherweise reicht es sogar an der ein oder anderen Stelle für Tiefstwerte unter -10 Grad.

Angeweisste Weihnachten 2025 3 

Die Höchst- und Tiefstwerte für den 25.12. und die Nacht auf den 26.12. verdeutlichen das kalte Potential der einfließenden Luftmasse mit der regionalen Option auf Dauerfrost. 

Am zweiten Weihnachtsfeiertag ändert sich sowohl an der Großwetterlage, als auch an der Witterung bei uns wenig bis nichts. Den Nordosten erreicht schon wieder ein Schwall etwas höhenmilderer Luft samt Bewölkung, ansonsten gibt es von der nördlichen Mitte bis in den Süden weiterhin viel Sonne. Nur örtlich, etwa entlang der Donau, kann sich ganztägig Nebel halten. Dazu wird es nur unwesentlich wärmer mit meist 0 bis 4 Grad, an der Küste bis 6 Grad. Auch der Wind weht weiterhin stark, aber nicht mehr ganz so kräftig aus östlichen Richtungen.
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Die Aussichten in der Wochenfrist zeigen ein leichtes Ansteigen der Temperaturen zum kommenden Wochenende, allerdings bleiben die Nächte weiterhin frostig. 

In den Folgetagen dominiert wieder etwas wolkenreichere Luft die Zeit „zwischen den Jahren“, ohne dass vom Wetter aber eine größere Gefahr ausgehen wird. Nachts bleibt es dabei frostig kalt, tagsüber gibt es meist zarte Plusgrade.

In diesem Sinne wünscht der Verfasser dieser Zeilen allen Leserinnen und Lesern ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest 2025! Haben Sie eine tolle Zeit!

M.Sc.-Met. Oliver Reuter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.12.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Schnee an Heiligabend?

Eine ausgeprägte Hochdruckzone erstreckt sich vom Nordmeer bis nach Zentraleuropa. In Verbindung mit einer Tiefdruckzone über Westeuropa werden unter Hochdruckeinfluss mit einer schwachen Strömung milde Luftmassen aus dem Mittelmeerraum zu uns geführt. Das bedeutet für unser Wetter im Frühwinter viel Grau und wenig Blau. Vor allem in den Niederungen hält sich auch am heutigen 4. Advent teilweise wieder zäher Nebel und Hochnebel. Am besten stehen die Chancen auf etwas Sonnenschein in den Hochlagen, sowie im Lee einiger Mittelgebirge. Da der oftmals noch schwache bis mäßige Wind am heutigen Sonntag aus östlichen Richtungen kommt, ist das am ehesten auf der Westseite der Mittelgebirge der Fall. So sind heute in Nordrhein-Westfalen im Lee des Rothaargebirges und des Bergischen Landes mit leichter Föhnunterstützung sogar Spitzenwerte von bis zu 14 Grad möglich. 

Schnee an Heiligabend

Analysekarte für Sonntag, den 21.12.2025 um 12 UTC. Hoher Luftdruck erstreckt sich vom Nordmeer über Zentral- bis nach Osteuropa. 

Dies ändert sich aber in der kommenden Woche. Das abgeschnürte Tiefdrucksystem über Westeuropa verlagert sich in den Mittelmeerraum. Gleichzeitig setzt sich über Skandinavien hoher Luftdruck durch. Damit dreht die Strömung vermehrt auf nordöstliche Richtung, sodass zunehmend deutlich kältere Luftmassen einströmen. Da Deutschland sich nach wie vor unter Hochdruckeinfluss befindet, fällt allerdings kaum Niederschlag. Lediglich zur Wochenmitte führt ein kleines Höhentief feuchte Luftmassen heran und sorgt durch schwache Hebungsprozesse im Süden und Osten gebietsweise für schwache Niederschläge. Aufgrund der deutlich zurückgehenden Temperaturen fällt dieser vor allem in etwas höheren Lagen als Schnee. 

Schnee an Heiligabend 2

Modellvergleich der Großwetterlage für Mittwoch, den 24.12.2025 um 12 UTC. Es existieren immer noch kleinere räumliche und zeitliche Unterschiede in der Zugbahn des Höhentiefs. Zudem wird auch die Intensität noch unterschiedlich berechnet. 

Die großen Schneemengen werden dabei aber nicht erwartet. Meist sind im Süden und Osten 1 bis 3 cm Neuschnee möglich, sodass dort zumindest über weiße Weihnacht (light) gesprochen werden kann. Nach Norden hin ist davon aber nichts zu spüren. Dort gibt es an Heiligabend immerhin zumindest zeitweise etwas Sonnenschein. Zudem werden die Nächte sehr kalt. Bei längerem Aufklaren ist verbreitet mäßiger Frost zu erwarten. Örtlich sind auch Tiefstwerte von um oder unter -10 Grad möglich. 

Eine genaue räumliche und zeitliche Eingrenzung ist aktuell noch nicht möglich. Welche Gebiete von den leichten Schneefällen getroffen werden, hängt letztendlich von der exakten Zugbahn des Höhentiefs ab. Nach jetzigem Stand schaut es danach aus, dass bereits in der Nacht zu Heiligabend die östlichen Mittelgebirge und der Alpenraum betroffen sind. Tagsüber dehnen sich die Niederschläge dann nach Westen aus und begrenzen sich vom östlichen Alpenraum über Oberbayern bis zum Schwarzwald. 

Bereits in der Nacht zum ersten Weihnachtsfeiertag klingen die Niederschläge rasch ab, sodass tagsüber sich das ruhige, aber auch kältere Winterwetter fortsetzt. Dann stehen auch zumindest nach Norden hin die Chancen auf etwas Sonnenschein besser. Damit bleibt uns abgesehen von einer kleinen Störung zu Beginn des Weihnachtsfestes das ruhige Winterwetter erhalten! 

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.12.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Gefühlt kälter in der Weihnachtswoche

Derzeit befindet sich Deutschland noch im Zustrom von milden Luftmassen aus Südwesteuropa. Der Luftdruckgradient ist dabei über Deutschland nur sehr schwach ausgeprägt und Wind daher kein Thema. Doch sowohl die Anströmung als auch der Gradient werden sich in der kommenden Weihnachtswoche deutlich ändern. Zwischen hohem Luftdruck über Nordeuropa und tiefem Luftdruck über Südeuropa liegt Deutschland dann in einer lebhaften östlichen Strömung.
Gefuehlt kaelter in der Weihnachtswoche

Vorhersagekarte für die Druckverteilung und die Lage der Frontensysteme am Mittwoch (Heiligabend), den 24.12.2025 um 12 UTC

Es fließt aus Osteuropa eine mäßig kalte Luftmasse ein. Durch die fehlende flächige Schneebedeckung über Osteuropa wird dieser Luftmasse allerdings etwas der Zahn gezogen. Dennoch liegen die Höchstwerte ab Dienstag nur noch im niedrigen einstelligen Bereich bzw. um den Gefrierpunkt. Allerdings werden sich diese Temperaturen deutlich kälter anfühlen, als sie tatsächlich sind. Doch warum ist das so und gibt es eine logische Erklärung dafür?

Um diese Fragestellung zu klären, muss man mehrere Faktoren betrachten. Der Mensch reagiert nicht nur auf die Lufttemperatur, sondern das menschliche Empfinden hängt auch von der Windgeschwindigkeit, der Luftfeuchtigkeit, der Sonnenstrahlung und der Wärmestrahlung der Atmosphäre ab. Die größte Rolle spielt dabei sicherlich der Wind. Hierfür wird der Windchill-Effekt (siehe „Weitere Informationen zum Thema“) betrachtet, denn durch erhöhte Windgeschwindigkeiten gibt der Körper schneller und mehr Wärme ab, als bei windschwachen Bedingungen. Beispielsweise liegt die Windchill-Temperatur, also die Lufttemperatur die ohne Wind den gleichen Abkühlungseffekt hätte, bei einer Windgeschwindigkeit von 25 km/h und einer gemessenen Lufttemperatur von -5 Grad, bei etwa -12 Grad. Treten steife Böen (Bft 7) um 50 km/h auf, liegt die Windchill-Temperatur bei derselben Lufttemperatur von -5 Grad bereits bei -15 Grad. Es drohen daher also viel schneller Erfrierungen und man muss sich entsprechend schützen.

Genau das ist ab kommender Woche ein wichtiger Punkt, denn der Ostwind lebt deutlich auf. Am Dienstag sind im Norden und der Mitte bereits Böen bis 40 km/h möglich und am Mittwoch (Heiligabend) legt der Wind noch einen Zahn zu und verbreitet liegen die Böen, mit Ausnahme des äußersten Südens, zwischen 40 und 60 km/h. Im Bergland und an den Küsten werden auch stürmische Böen um 70 km/h erwartet. Die tatsächlichen Höchstwerte liegen zwischen 0 und 5 Grad, werden sich also anfühlen, wie -1 bis -10 Grad. Nachts liegen die Tiefstwerte zwischen 0 und -7 Grad, was bei den angesprochenen Windgeschwindigkeiten einer gefühlten Temperatur unter -15 Grad entspricht.
Gefuehlt kaelter in der Weihnachtswoche 2

Tabelle mit Temperatur, Windgeschwindigkeiten und gefühlter Temperatur

Es gibt unter https://rechneronline.de/barometer/gefuehlte-temperatur.php (siehe „Weitere Informationen zum Thema) einen Rechner für die gefühlte Temperatur bzw. den Windchill.

Beim Deutschen Wetterdienst wird aber, um die gefühlte Temperatur zu ermitteln, nicht nur die Windgeschwindigkeit herangezogen, sondern man beruft sich auf das Klima-Michel-Modell (siehe „Weitere Informationen zum Thema“). Dies ist ein Wärmehaushaltsmodell für den Menschen, das zur Bewertung der thermischen Umgebungsbedingungen benutzt wird.

Die gefühlte Temperatur nutzt man nun, um das thermische Empfinden und die thermophysiologische Beanspruchung darzustellen. Beispielsweise löst eine gefühlte Temperatur zwischen 0 und -13 Grad schwachen Kältestress beim Menschen aus. Je größer die Abweichungen vom „Behaglichkeits- bzw. Komfortbereich“ abweichen, der bei einer gefühlten Temperatur zwischen 0 und +20 Grad angesiedelt ist, umso mehr nimmt der Kältestress oder die Wärmebelastung zu.
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Gefühlte Temperatur, thermisches Empfinden und thermophysiologische Beanspruchung auf Basis der VDI-Richtlinie 3782 Blatt 2

Dabei entsteht unter Umständen eine zunehmende Belastung für Herz, Kreislauf und periphere Gefäße. Beispielsweise können auch Asthmapatienten bei anstrengenden Tätigkeiten im Winter (z.B. Schneeschaufeln, wenn denn mal welcher liegt) Beschwerden und Probleme bekommen.

Doch trotz kalter gefühlter Temperaturen sollte man den Gang ins Freie nicht meiden, denn frische Luft kurbelt den Stoffwechsel an und stärkt das Immunsystem. Schal, Mütze und eine dicke Jacke sollten jedoch unbedingt zum Repertoire gehören.

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.12.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Die pazifische Taifunsaison 2025 – Ein Rückblick

Spricht man von einem pazifischen Taifun, so ist die Rede von einem tropischen Wirbelsturm, der sich in einem Bereich nördlich des Äquators sowie zwischen 100 und 180 Grad östlicher Länge bewegt. Während die Benennung von Hurrikanen (tropische Wirbelstürme über dem Nordatlantik und Ostpazifik) allein dem National Hurricane Center (NHC) in Miami obliegt, können die Namen pazifischer Stürme – je nach genauem Entstehungsgebiet beziehungsweise genauer „Wirbelzone“ – von zwei Einrichtungen vergeben werden: der Japan Meteorological Agency (JMA) und der Philippine Atmospheric, Geophysical and Astronomical Services Administration (PAGASA). Dadurch kann es durchaus vorkommen, dass ein und derselbe Sturm zwei Namen führt, was dieses Jahr auch hin und wieder vorkam. 

Benannt werden von der JMA dabei alle Stürme die eine zehnminütige mittlere Windgeschwindigkeit von 65 km/h überschreiten. Die PAGASA vergibt bereits ab einem Zehnminutenmittel von 39 km/h einen Namen, allerdings nur, wenn sich der Wirbel innerhalb des philippinischen Verantwortungsbereich zwischen 115 ° und 135 ° östlicher Länge sowie 5 ° und 25 ° nördlicher Breite aufhält. PAGASA benennt im Gegensatz zu JMA damit also auch tropische Tiefs. Von einem Taifun spricht man übrigens ab einem zehnminütigen (!) Geschwindigkeitsmittel von 118 km/h und von einem schweren Taifun (auch Supertaifun genannt) ab 185 km/h (Definition nach PAGASA ). Rein von der Geschwindigkeit her würde das der Kategorie 3 auf der fünfteiligen Saffir-Simpson-Skala entsprechen, die für die Klassifizierung von Hurrikanen, also den Vertretern tropischer Wirbelstürme im Atlantik und Ostpazifik, herangezogen wird. Allerdings bezieht sich diese Skala auf einminütige Mittelwerte und nicht auf zehnminütige wie bei Taifunen. Eine 1:1-Übertragung ist also nicht möglich, sondern der Bezugszeitraum muss zwingend berücksichtigt werden. 

Auch wenn sich Taifune das ganze Jahr über bilden können, gibt es dennoch einen Hauptaktivitätszeitraum, der sich von Juli bis November erstreckt. Das wäre es dann jetzt aber endgültig zum Hintergrundwissen. 

Blicken wir nun einmal auf die Prognosen, die im Vorfeld der Hauptsaison erstellt wurden. Das englische Tropical Storm Risk Konsortium (TSR) prognostizierte im Mai 2025 eine leicht unterdurchschnittliche Saison mit 25 Tropischen Stürmen, von denen sich 15 zu Taifunen und davon wiederum 8 zu schweren Taifunen entwickeln sollten. Als Begründung wurde unter anderem eine neutrale Phase der sogenannten El Nino-Southern Oscillation (kurz ENSO) aufgeführt. Dabei handelt es sich grob gesagt um ein großräumiges Zirkulationsmuster über dem Pazifik. Anfang August reduzierte das TSR die Anzahl schwerer Taifune auf 7, was nicht zuletzt auch daran lag, dass die Aktivität im Juni und Juli hinter den Erwartungen zurückblieb. PAGASA sagte im Januar 2025 für das erste Halbjahr 2 bis 8 tropische Systeme voraus (inkl. tropischer Tiefs, die beim TSR nicht berücksichtigt wurden) und im Juli 11 bis 19 Systeme für das zweite Halbjahr voraus. Das sind insgesamt also 13 bis 27 tropische Entwicklungen – wohlgemerkt nur in der vergleichsweise kleinen Region, für die sich PAGASA verantwortlich zeigt. 

Im Mittel (1991-2020) treten übrigens 25,5 tropische Stürme über dem westlichen Nordpazifik auf, davon 16 Taifune und davon wiederum 9,3 schwere Taifune. Tatsächlich wurden bisher 27 Tropenstürme registriert, von denen 14 zu Taifunen heranreiften. Davon wiederum schafften es mit „Ragasa“ und „Neoguri“ zwei Exemplare in die Liga der schweren Taifune aufzusteigen und das mehr oder weniger gleichzeitig (dazu gleich mehr). Die Zugbahnen aller Stürme sind in Abbildung 1 aufgeführt. Damit verlief 2025 zumindest was die Anzahl der Taifune angeht, tatsächlich etwas, was die Anzahl schwerer Taifune betrifft sogar deutlich unterdurchschnittlich. 

Die pazifische Taifunsaison 2025 Ein Rueckblick

Zugbahnen und Intensität der tropischen Wirbelstürme über dem westlichen Nordpazifik 2025 (Stand: 18.12.2025). (Quelle:https://en.wikipedia.org/wiki/2025_Pacific_typhoon_season) 

Der erste benannte Sturm war Tropensturm „Wutip“ am 11.06., was den fünftspätesten Erstbenennungszeitpunkt seit Beginn der dortigen Wetteraufzeichnungen darstellt. 

„Ragasa“, den PAGASA „Nando“ getauft hatte, entstand am 17.09. und erreichte 21.09. den Status eines Supertaifuns mit einem zehnminütigen Mittelwind von 205 km/h. Das höchste einminütige Geschwindigkeitsmittel wurde auf 270 km/h geschätzt, was der höchsten Kategroie 5 auf der Saffir-Simpson-Skala entspricht. Der Sturm zog knapp nördlich an den Philippinen vorbei und erreichte am 24.09. knapp westlich von Hong Kong die chinesische Küste. Im Anschluss löste er sich rasch auf. Die traurige Bilanz waren rund 30 Todesopfer und hunderte Verletzte. 

„Neoguri“ entwickelte sich ebenfalls am 17.09., allerdings deutlich weiter draußen auf dem Pazifik. Auch im weiteren Verlauf zog er seine Kreise brav fernab jeglicher Landmassen. Mit 195 km/h (10-Min.-Mittel) und 230 km/h (1-Min.-Mittel) schaffte er es in die Kategorie 4 der Saffir-Simpson-Skala und das sogar zweimal! Nachdem sich der Sturm vorübergehend deutlich abgeschwächt hatte und am 24.09. sogar zu einem Tropensturm degradiert wurde, drückte er am 27.09. nochmal richtig aufs Gaspedal und erreichte erneut Kategorie-4-Stärke – und das nahe von 40 Grad nördlicher Breite. Damit ist „Neoguri“ einer der stärksten Taifune, die jemals soweit nördlich beobachtet wurden. 

Die pazifische Taifunsaison 2025 Ein Rueckblick 2

Satellitenbild vom 20.09.2025. Darauf zu sehen die Taifune „Ragasa“ und „Neoguri“ über dem westlichen Nordpazifik. (Quelle:NASA) 

Schlagzeilen verursachte auch Taifun „Halong“, das aber nicht nur im asiatischen Raum, sondern auch in Alaska. Nachdem sich „Halong“ (10-Min.-Mittel: 185 km/h) Anfang Oktober als (umgerechneter) Kategorie-4-Taifun Japan näherte, bog er zum Glück noch rechtzeitig nach Nordosten ab und blieb über Wasser. Auf seinem Weg über den Nordpazifik wandelte er sich in einen außertropischen Sturm um und erreichte schließlich den Westen Alaskas. Gemessene Windgeschwindigkeiten von bis zu 170 km/h und schwere Überflutungen richteten dort einiges an Zerstörung an und forderten leider auch Todesopfer. 

Zwei weitere sehr starke Taifune waren „Kalmaegi“ („Tino“, 175 km/h, 31.10.-07.11.) und „Fung-wong“ („Uwan“, 155 km/h, 03.11.-13.11.). In Klammern stehen jeweils der von PAGASA vergebene Name, das maximale 10-Min.-Mittel und die „Lebenszeit“. Während „Kalmaegi“ über die Mitte der Philippinen westwärts hinwegzog und später in Vietnam an Land ging, suchte „Fung-wong“ zunächst den Norden der Philippinen und nachfolgend als Tropensturm noch Taiwan heim. Letzterer erreichte dabei vorübergehend 1-Min.-Mittelwinde von 215 km/h! Am Ende fielen „Kalmaegi“ allein auf den Philippinen über 250 Menschen zum Opfer, „Fung-wong“ dagegen „nur“ rund 30. 

In die traurige Gesamtbilanz dieses Jahr fließen über 700 Tote und Schäden in Höhe von mehr als 10 Milliarden US-Dollar ein. Dass 2025 damit bei weitem nicht so tödlich und kostspielig wie das vergangene Jahr war (über 1200 Tote, rund 26 Milliarden US-Dollar Schaden), ist für die Betroffenen sicherlich ein allenfalls nur schwacher Trost. 

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.12.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Schneeflöckchen, Weißröckchen

„Schneeflöckchen, Weißröckchen
Wann kommst du geschneit?
Du kommst aus den Wolken
Dein Weg ist so weit.“ 

Dieses Lied erschallt jedes Jahr, sobald die winterliche Jahreszeit herannaht. Heute, am 18. Dezember, ist der Ehrentag der Schneeflocke. Daher wollen wir uns mit diesem faszinierenden Phänomen befassen. 

Wie im Liedtext richtig beschrieben, legen Schneeflocken einen nicht zu unterschätzenden Weg zurück bis wir sie bewundern können. Zuerst muss Wasserdampf in den festen Zustand übergehen. Dazu sind mehrere Zutaten von entscheidender Wichtigkeit. Einerseits wird natürlich Wasserdampf benötigt, damit sich überhaupt Eis bilden kann. Andererseits muss die Temperatur tief genug sein, um zu verhindern, dass das Wasser nicht flüssig bleibt. Damit Wassertröpfchen ohne Hilfe anfangen zu gefrieren, werden Temperaturen unter -35 °C benötigt (homogene Nukleation). Die sogenannte heterogene Nukleation ist der deutlich prominentere Weg zur Bildung von Eisteilchen. Hierbei lagert sich das Eis schon ab etwa -10 °C an einem winzigen Partikel an. 

Je nachdem welche Umgebungstemperatur und -feuchtigkeit herrscht entstehen unterschiedliche Formen von Eisteilchen. So weisen Eiskristalle bevorzugt eine plättchen- oder prismaartige Struktur auf, wenn wenig Wasserdampf vorhanden und es sehr kalt ist. Sogenannte Dendriten entstehen dadurch, dass sich Feuchtigkeit aus ihrer unmittelbaren Umgebung an den Eisteilchen anlagert. Die grundlegende Symmetrie in den Formen ist einer Eigenart des Wassermoleküls zuzuschreiben, das einen ganz speziellen Öffnungswinkel von 120 Grad aufweist. 

Schneefloeckchen Weissroeckchen

Abb. 1: Bild einer Dendritenstruktur (Quelle: wikipedia.de) 

Während des Bildungsprozesses dieser Eiskristalle darf jedoch nicht vergessen werden, dass diese Teilchen herumgewirbelt werden und sich die Umgebungsbedingungen andauernd verändern. Sie können teilweise wieder schmelzen und neu gefrieren oder mal sowohl Plättchen- als auch Dendritenanteile haben. Außerdem können sie auf ihrem Weg miteinander kollidieren und wachsen weiter an. Bis sie nach diesem Chaos bei uns am Boden ankommen, entstehen individuelle Formen, sodass keine Schneeflocke der anderen gleicht. Besonders akribisch mit Schneeflocken befasst, hat sich Wilson Alwyn Bentley. Ihm gelang es, ab 1885 Schneekristalle mithilfe eines Mikroskops zu fotografieren. Insgesamt über 5000(!) Exemplare untersuchte er und keines glich dabei dem anderen. 

Schneefloeckchen Weissroeckchen 2

Abb. 2: Fotos von Schneeflocken von Wilson Bentley (Quelle: wikipedia.de) 

Und was ist nun mit der entscheidenden Frage aus dem Liedtext am Anfang: Wann kommst du geschneit? 

Bei der jetzigen Wetterlage stellt sich eher die Frage: Schneit es überhaupt? Die vorherrschende Luftmasse ist viel zu mild, als dass Schnee entstehen könnte, geschweige denn den Boden erreicht. Gleichzeitig lässt der Höhenrücken mit dem dazugehörigen Bodenhoch FRIEDA über Südosteuropa die atlantischen Tiefdruckgebiete abprallen, sodass wir nur schwache Ausläufer abbekommen. 

Nach diesen ernüchternden Aussichten wagt man kaum einen ersten Blick auf die Feiertage zu werfen. Naturgemäß sind die Modellunterschiede noch groß, doch es scheint sich abzuzeichnen, dass wir zunehmend unter den Einfluss einer Ostströmung geraten und damit kältere Luft herangeführt wird. Die gute Nachricht für Schneeliebhaber, 10 Grad an Heiligabend sind demnach unwahrscheinlich! Zudem geben die Modelle erste vorsichtige Anzeichen, dass zumindest in den höheren Lagen etwas Schnee fallen könnte. Es heißt also: Gespannt bleiben und die Hoffnung stirbt zuletzt. 

M.Sc. Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.12.2025
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