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Geschichte der Meteorologie – Teil 11: Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts (b) und um 1800

27. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Im letzten Thema des Tages zur Geschichte der Meteorologie wurde die Entwicklung der Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts beschrieben. Zeitlich rücken wir kaum vor. Neben weiteren Beiträgen zur allgemeinen Meteorologie richtet sich der Blick auf meteorologische Erkenntnisse aus verschiedenen Expeditionsreisen sowie allgemeinen frühen Wetterbeobachtungen.

Starten wir zunächst mit einem Nachtrag. Der preußische Theologe und Naturforscher Gottlob Burchard Genzmer (1716–1771) wurde 1764 Augenzeuge eines verheerenden Tornados in der Region Woldegk im Südosten von Mecklenburg. Er beschrieb dessen Auswirkungen in seiner 1765 erschienenen Publikation „Umständliche und zuverläßige Beschreibung des Orcans, welcher den 29ten Jun. 1764. einen Strich von etlichen Meilen im Stargardischen Kreise des Herzogthums Mecklenburg gewaltig verwüstet hat.“

Titelblatt des Buchs Umständliche und zuverläßige Beschreibung des Orcans, welcher den 29ten Jun. 1764. einen Strich von etlichen Meilen im Stargardischen Kreise des Herzogthums Mecklenburg gewaltig verwüstet hat (Tornado von Woldegk), 1765, Quelle: Digitalisierungszentrum der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, über Wikimedia Commons

Nachfolgend werden die meteorologischen Erkenntnissen aus verschiedenen Expeditionsreisen geschildert.

Der britische Seefahrer, Kartograph und Entdecker James Cook (1728–1779) unternahm Reisen in den Pazifischen Ozean. Er führte Beobachtungen in einer Vielzahl wissenschaftlicher Disziplinen von der Ethnologie und Anthropologie über die Botanik und Biologie bis hin zur Glaziologie und Meteorologie durch. Cooks Schiffe machten 1773 die ersten dokumentierten Beobachtungen der Aurora australis.

Der französische Offizier und Entdecker Louis-Antoine de Bougainville (1729–1811) leitete von 1766 bis 1769 die erste französische Weltumsegelung mit zwei Schiffen, der Boudeuse und der Étoile. Die Expedition war eine der ersten großen See-Expeditionen, die eine wissenschaftliche Komponente aufwies. Die Logbücher seiner Weltumsegelung enthielten astronomische, meteorologische, hydrographische und navigatorische Aufzeichnungen, beispielsweise während seines Aufenthalts in der Magellanstraße, die Feuerland vom südamerikanischen Festland trennt.

Der britische Mathematiker und Astronom William Wales (um 1734–1798) führte vor und während einer Astronomie-Expedition 1768 bis 1769 bei Churchill an der Küste der Hudson Bay im Winter meteorologische Aufzeichnungen durch. Er war der erste Wissenschaftler im Winter an der Hudson Bay und der Erste, der regelmäßige Wetterbeobachtungen in Kanada leistete.

Der Naturforscher und Ethnologe Georg Forster (1754–1794) aus Polnisch-Preußen war Teilnehmer der zweiten Expedition von Cook von 1772 bis 1775. Die Expedition besuchte Australien, dessen Klima Forster 1786 in seinem Buch „Neuholland und die britische Kolonie in Botany Bay“ beschrieb und mit dem Südafrikas verglich: „Aus den oben genannten Breitengraden lässt sich ersehen, dass dieses Land in günstigen Klimazonen liegt. Seine nördlichen Gebiete, die 12 Grad innerhalb der Tropen liegen und somit den direkten Sonnenstrahlen ausgesetzt sind, leiden gelegentlich unter übermäßiger Hitze; doch jenseits des südlichen Wendekreises bis zum 43. südlichen Breitengrad ist das Klima gemäßigt und lässt sich beispielsweise mit dem Kap der Guten Hoffnung vergleichen. Selbst der südlichste Punkt von Van-Diemen-Land [Tasmanien], der ganze 9 Grad weiter südlich liegt als das afrikanische Kap, scheint in gleichem Maße begünstigt zu sein, wahrscheinlich weil es dort keine schneebedeckten Berge gibt wie jene, die nördlich des Kaps liegen und die die Atmosphäre abkühlen und dem Wind eine durchdringende Schärfe verleihen.“ Forster wies zudem auf die allgemeinen klimatologischen Grundsätze hin, wonach die westlichen Grenzen der Kontinente in den gemäßigten Breiten stets wärmer sind als die entsprechenden Breitengrade ihrer östlichen Grenzen, und dass die Temperaturen in Meeresnähe milder sind als im Inneren der Kontinente.

Relief Gedenktafel für Georg Forster an seinem Wohnhaus in Mainz, Irmgard Biernath (1905-1998), Quelle: Dierk Schaefer, über Wikimedia Commons

Der französische Mathematiker und Physiker Gaspard Monge (1746–1818) untersuchte während der Teilnahme an einem Feldzug in Unterägypten 1798 die physikalischen Ursachen einer Fata Morgana, einer Luftspiegelung, in der Wüste. Er erklärte, dass diese mit der Schicht überhitzter Luft nahe der Wüstenoberfläche zusammenhingen: Die Grenze zwischen dieser Luft und der kühleren, dichteren Luft direkt darüber bewirkt, dass sich die Lichtstrahlen vom Himmel nach oben und in das Auge des Betrachters krümmen, anstatt sich geradlinig fortzubewegen und auf den Sand zu treffen. Dies erzeugt die Illusion von Wasser in der Ferne (der Betrachter interpretiert das Licht als Wasser auf dem Sand). Monges Abhandlung, in der er dieses Phänomen erklärte, erschien 1800 in den „Mémoires sur l’Égypte“ des Ägyptischen Instituts.

Neben Expeditionen wurden Wetterbeobachtungen wichtiger.

Der erste US-amerikanische Präsident George Washington (1732–1799) aus der Kolonie Virginia hinterließ ein gewaltiges Werk von 36 Tagebuchbänden. Diese enthalten zahlreiche Wetterbeobachtungen und Kommentare zum Wetter – ein Thema, das ihn offenbar faszinierte, wahrscheinlich aufgrund seines ländlichen Hintergrunds aus der Landwirtschaft.

Die Royal Society begann 1774 mit zweimal täglichen Beobachtungen, die von dem britischen Theologen und Bischof Samuel Horsley (1733–1806) zusammengestellt wurden. Ziel der Beobachtungen war die Untersuchung der Einflüsse von Winden und des Mondes auf die Barometerwerte.

Die beiden Gründerväter und Präsidenten der Vereinigten Staaten Thomas Jefferson (1743–1826) und James Madison (1751–1836), beide aus der Kolonie Virginia, interessierten sich für die Meteorologie. Ihr Interesse war auch auf ihren Antrieb zurückzuführen, die vom französischen Naturforscher Buffon veröffentlichte Behauptung zu widerlegen, die amerikanische Natur sei der europäischen aufgrund eines angeblich minderwertigen Klimas in gewisser Weise unterlegen (siehe Teil 9 der Serie Geschichte der Meteorologie). Von 1772 bis 1778 führte Jefferson in seinem Haus in Monticello regelmäßig Wetterbeobachtungen durch. In den Jahren 1777 und 1778 arbeiteten Jefferson und Madison zusammen und führten die ersten bekannten gleichzeitigen Wetterbeobachtungen in Amerika durch. Jefferson interessierte sich auch dafür, wie das Wetter, und insbesondere extreme Wetterereignisse, das Leben der Menschen und die Gesellschaft beeinflussen könnten.

Die nachfolgenden Persönlichkeiten lieferten allgemeine Beiträge zur Meteorologie.

Der kurhannöversch-britische Astronom Friedrich Wilhelm Herschel oder William Herschel (1738–1822) interessierte sich auch für das Klima. Er stellte Hypothesen über physikalische Prozesse auf, die das Klima beeinflussen könnten, wie beispielsweise eine Abkühlung durch Vulkan- oder Meteoritenstaubschleier in der Atmosphäre oder eine Erwärmung durch erhöhte Sonnenaktivität. Herschel legte seinen Fokus auf die Auswirkungen der Sonne und stellte fest, dass in Jahren, in denen viele Sonnenflecken auf der Sonnenoberfläche auftraten, oft reichhaltige Weizenernten zu verzeichnen waren. Herschel veröffentlichte zwischen 1780 und 1801 einige Artikel über mögliche Auswirkungen der Sonne auf das Klima in den „Philosophical Transactions of the Royal Society“. Der Artikel von 1801 warf die Frage auf, ob ein Zusammenhang zwischen der Sonnenaktivität (dargestellt durch das Auftreten von Sonnenflecken) und dem Getreidepreis festgestellt werden könne. Herschel konnte allerdings darauf keine schlüssige Antwort geben. In der Astronomie ist Herschel als Entdecker des Planeten Uranus bekannt.

Der Naturforscher und Bergsteiger Horace Bénédict de Saussure (1740–1799) aus der Alten Eidgenossenschaft untersuchte eingehend die Geologie, Chemie und Meteorologie der Alpen. Er war der Ansicht, dass Wetterbeobachtungen in großen Höhen in den Bergen für die Meteorologie von großer Bedeutung sein könnten, und führte sorgfältige Messungen von Luftdruck, Temperatur und Luftfeuchtigkeit in verschiedenen Höhen durch. Er nahm sogar Barometer und Thermometer mit auf einige Berggipfel. Auf dem Gipfel des Mont Blanc stellte er beispielsweise 1787 fest, dass der Luftdruck einen Wert von „16 Zoll und eine Linie“ aufwies. Er maß zudem die Zusammensetzung und Transparenz der Luft in verschiedenen Höhen sowie die Stärke der Sonneneinstrahlung. De Saussure entwickelte viele der Instrumente, die er für seine Beobachtungen verwendete. Er baute ein Cyanometer zur Messung des Blauanteils des Himmels und ein Diaphanometer zur Beurteilung der Klarheit der Atmosphäre. Er tüftelte an Windmessern herum und passte Thermometer an, um andere Temperaturen als die übliche Lufttemperatur zu messen. Beispielsweise steckte er den Thermometerkolben in ein Stück nassen Schwamm und schwang das Thermometer dann schnell hin und her, sodass es sich im Kreis drehte. In der modernen Terminologie ist dieses Instrument als Feuchtkugelthermometer oder Psychrometer bekannt. Es misst die Feuchtkugeltemperatur, die in Kombination mit der Trockenkugeltemperatur (der üblichen Lufttemperaturmessung mit einem Thermometer, dessen Kugel nicht befeuchtet ist) zur Berechnung der relativen Luftfeuchtigkeit und des Taupunkts der Luft verwendet werden kann. De Saussure maß auch Temperaturwerte im Boden bis zu den größten Tiefen, in die er seine Thermometerstäbe treiben konnte. Er zeigte, dass die Sommerhitze sechs Monate brauchte, um eine Tiefe von 30 Fuß (9 m) im Boden zu erreichen. Er maß auch Wassertemperaturen und zeigte, dass das Wasser am Grund tiefer Seen kalt ist und sich seine Temperatur im Laufe der vier Jahreszeiten kaum verändert. Diese Messungen wurden durch eine neuartige Erfindung ermöglicht: Er verwendete Thermometer, die in isolierendes Material eingewickelt waren, sodass sich der im Boden oder See gemessene Wert kaum veränderte, wenn das Instrument an die Oberfläche gehoben wurde. De Saussure befasste sich auch mit Niederschlägen und schätzte deren Auswirkungen auf Bäche, Flüsse, Seen und Gletscher. Aufgrund seiner Arbeiten auf dem Gebiet der Hygrometrie war de Saussure der Erste, der nachwies, dass sich Luft bei steigendem Feuchtigkeitsgehalt ausdehnt und ihre Dichte abnimmt. Er experimentierte nicht nur mit einem Feuchtthermometer, sondern testete auch verschiedene Arten von Hygrometern. Diese Forschungen gipfelten um 1775 in seiner Erfindung des Haarhygrometers. In seinem 1783 veröffentlichten Buch „Essais sur l’Hygrométrie“ erörterte er die allgemeinen Prinzipien der Hygrometrie, stellte die Ergebnisse seiner Experimente mit verschiedenen Hygrometern vor und beschrieb sein Haarhygrometer.

Haarhygrometer nach Horace Bénédict de Saussure, 19. Jahrhundert, Quelle: Wikimedia Commons

Außerdem ging er auf die Prinzipien der Verdunstung ein und stellte einige meteorologische Anwendungen seiner Forschung vor. De Saussure experimentierte zudem mit einem isolierten Kasten, der mit drei Glasschichten abgedeckt war, und stellte fest, dass die durch das Glas einfallende Sonnenenergie den Kasten erwärmte. Damit entwickelte er einen frühen Solarofen. De Saussure beschäftigte sich auch mit der atmosphärischen Elektrizität. Anhand von Messungen, die zwischen 1785 und 1788 durchgeführt wurden, stellte er tageszeitliche Schwankungen der atmosphärischen Elektrizität fest.

Der Wissenschaftler Georg Christoph Lichtenberg (1742–1799) aus Hessen lehrte der an der Universität Göttingen und entwickelte sich zu einem führenden Experten der deutschen Staaten auf vielen wissenschaftlichen Gebieten, darunter Chemie, Geodäsie, Geologie, Physik, Meteorologie und Astronomie. In der Meteorologie beschäftigte er sich mit der Gewitterelektrizität.

Der französische Botaniker, Zoologe und Naturwissenschaftler Jean-Baptiste de Lamarck (1744–1829) war der Ansicht, dass das Klima zwangsläufig das Tierleben beeinflusse und daher einer der wichtigsten Umweltfaktoren im Evolutionsprozess sein müsse. Er vermutete, dass Veränderungen in der Atmosphäre auf atmosphärische Gezeiteneffekte zurückzuführen seien, die von Sonne und Mond verursacht würden. Er glaubte, dass die Gesamttiefe der Atmosphäre im Bereich von 66 bis 80 km lag, und stellte fest, dass Wolken, Winde, Regen, Gewitter, Nebel, Hagel und alle anderen gewöhnlichen Wetterphänomene auf den untersten Teil der Atmosphäre beschränkt waren (eine Schicht, deren Tiefe er auf etwa 10 km schätzte, die „Troposphäre“ in der heutigen Terminologie). Lamarck stellte 1802 in Band 3 im „Annuaire météorologique“ und in einem Aufsatz mit dem Titel „Über Wolkenformen“ das erste System zur Wolkenklassifikation vor. Er schlug zunächst fünf Wolkentypen vor, die „mit allgemein feststellbaren Ursachen zusammenhängen“: dunstige Wolken (en forme de voile); zusammengeballte Wolken (attroupés); fleckige Wolken (pommelés); besenartige Wolken (en balayeurs); gruppierte Wolken (groupés). Im „Annuaire“ von 1805 schlug er eine detailliertere Klassifizierung vor: 12 verschiedene Kategorien und insgesamt 20 verschiedene Wolkentypen. Im „Annuaire“ von 1807 schlug Lamarck die Einrichtung eines französischen zentralen Wetterdienstes vor, der Daten von verschiedenen Observatorien sammeln und diese zur Erstellung von Wettervorhersagen nutzen sollte.

Der Bergkommissarius Gottfried Erich Rosenthal (1745–1813) aus der Freien Reichsstadt Nordhausen (heute Thüringen) war ein Pionier der Meteorologie. 1780 erstieg er den Gipfel des Brocken, um mit einem Barometer Experimente durchführen zu können. Er erkannte die Möglichkeiten der barometrischen Höhenmessung und verbesserte so Landkarten und Nivellierpläne ausgewählter Orte.

Der Dichter, Politiker und Naturforscher Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) aus der Freien Reichsstadt Frankfurt interessierte sich auch für Meteorologie. Er richtete 1775 eine erste Wetterstation im Herzogtum Weimar ein. Auf seinen Reisen durch Europa entdeckte Goethe ein einfaches Wasserbarometer, das als Wetterglas bekannt war, und führte es in den deutschsprachigen Ländern ein. Durch seine Förderung wurde das Instrument mit ihm in Verbindung gebracht und in Europa als Goethe-Barometer bekannt. Goethe war auch fasziniert von Wolken. Sein Gedicht „Ehrengedächtnis“ besteht aus den Strophen „Stratus“, „Cumulus“, „Cirrus“ und „Nimbus“, welche Bezeichnungen der heute gültigen Wolkenklassifikation darstellen.

Der Name des französischen Mathematikers und Astronomen Pierre-Simon Laplace (1749–1827) steht für eine bestimmte mathematische Funktion, die heute in der Meteorologie weit verbreitet ist: den „Laplace-Operator“. Laplace leitete aus Messungen verschiedener Ballonaufstiege eine hypsometrische Gleichung ab (eine Gleichung, die den Luftdruck mit der geometrischen Höhe in Beziehung setzt, wobei die Profile der Lufttemperatur und Luftfeuchtigkeit bekannt sind).

Der Lexikograph und Publizist Noah Webster (1758–1843) aus Neuengland kritisierte in seinem Aufsatz „On the Supposed Change in the Temperature of Winter“ (Über die vermeintliche Veränderung der Wintertemperatur) aus dem Jahr 1799 die damals in Amerika und Europa verbreitete Meinung, dass das Klima, insbesondere im Winter, wärmer geworden sei. Er argumentierte, dass „wir keinen Grund haben anzunehmen, dass sich die Neigung der Erdachse zur Ebene ihrer Umlaufbahn jemals verändert hat; es gibt jedoch starke Beweise für das Gegenteil. Wenn diese Neigung immer gleich geblieben ist, folgt daraus, dass die Menge der Sonnenstrahlen, die jährlich auf das jeweilige Land fällt, immer gleich gewesen sein muss. Würden wir diese Daten akzeptieren, müssten wir zu dem Schluss kommen, dass die allgemeine Temperatur jedes Klimas seit der Schöpfung bis zum heutigen Tag gleich geblieben ist, abgesehen von kleinen jährlichen Schwankungen, die auf die Positionen der Planeten im Verhältnis zur Erde oder auf die Wirkungen des Elements Feuer im Erdball und seiner Atmosphäre zurückzuführen sind“. Webster konnte nicht wissen, dass Schwankungen der Umlaufbahnparameter der Erde, die mit Klimaveränderungen zusammenhängen, tatsächlich über verschiedene Zeitskalen hinweg auftreten. Webster war jedoch der Ansicht, dass das Klima zumindest unbeständiger geworden sei und sich insbesondere als Reaktion auf landwirtschaftliche Bewirtschaftung verändern könne.

Der britische Naturforscher und Chemiker John Dalton (1766–1844) entwickelte um 1803 die erste brauchbare Atomtheorie der Materie. Er war schon früh von der Meteorologie fasziniert, führte Wetterbeobachtungen durch und legte sein ganzes Leben lang ein meteorologisches Tagebuch an. Am Ende seines Lebens umfasste dieses rund 200.000 Beobachtungen. Dalton hielt Vorträge vor der Manchester Literary and Philosophical Society zu Themen wie allgemeiner Meteorologie (z. B. Niederschlag, Tau, Verdunstung, Wolkenbildung, Verteilung und Beschaffenheit der Luftfeuchtigkeit, das Konzept des Taupunkts), der Aurora borealis und meteorologischen Instrumenten (Barometer, Thermometer und Hygrometer). In einem dieser Vorträge skizzierte Dalton 1799 den zunehmend verbreiteten Einsatz von Regenmessern in England und präsentierte Niederschlagsdaten für verschiedene Orte, wobei er darauf achtete, die Grafschaften in Binnen- und Küstengebiete zu unterteilen. Er kam zu dem Schluss, dass die Binnenlandgrafschaften weniger Regen haben als diejenigen in Meeresnähe, insbesondere im Westen Englands. Er schätzte zudem die jährliche Wassermenge, die aus den Flüssen Englands und Wales ins Meer fließt, sowie die Menge an Tau, die sich auf dem Boden absetzt. Daltons Interesse an der Meteorologie förderte seine Arbeit an Gasen. Im Jahr 1801 formulierte er sein Gesetz der Partialdrücke, das als „Dalton-Gesetz“ bekannt wurde: Der Gesamtdruck, den ein Gasgemisch ausübt, ist gleich der Summe der Drücke, die die einzelnen Gase ausüben würden, wenn sie dasselbe Volumen einnehmen würden. Er veröffentlichte dieses Ergebnis in einer Abhandlung 1802. In diesem Artikel stellte er auch einen Zusammenhang zwischen Dampfdruck und Temperatur her. Schon in seiner Jugend war Dalton von der Aurora borealis fasziniert, die er als Junge erstmals in den Regionen Kendal und Keswick in England beobachtete. In einem Buch mit dem Titel „Meteorological Observations and Essays“ fasste er seine Beobachtungen der Aurora aus den Jahren 1786 bis 1793 zusammen, einschließlich Details zu deren Erscheinungsbild, Helligkeit und Bewegung. Er kam zu dem Schluss, dass es einen Zusammenhang zwischen der Aurora und dem Erdmagnetfeld geben müsse.

Titelblatt eines Exemplars von John Daltons „Meteorological Observations and Essays“ aus dem Jahr 1793, Quelle: Archiv des American Institute of Physics, College Park, Maryland, Vereinigte Staaten, über Wikimedia Commons.

Das nächste Thema des Tages wird sich mit meteorologischen Entwicklungen um 1800 und zu Beginn des 19. Jahrhunderts auseinandersetzen. Freuen Sie sich auf weitere meteorologische Erkenntnisse spannender Entdeckungsreisen, die Grundlage der Klassifikation von Wolken und Wind sowie Fortschritte in der Feuchtigkeitsmessung.

Dipl.- Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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Tag der Seenotrettung

26. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Am 29. Mai 1865 wurde die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) gegründet. Sie hat ihren Sitz in Bremen und ist ein rechtsfähiger Verein, der an Nord- und Ostsee hoheitlich (1965 im Gesetz festgeschrieben) die Suche und Rettung in Not geratener Menschen durchführt. Dabei sind sie rund um die Uhr einsatzbereit und rücken oft dann aus, wenn andere das Meer lieber verlassen.

Neben der Rettung aus Seenot, der Koordinierung aller Maßnahmen im Seenotfall sowie der Überwachung der Notfallkanäle im UKW-Bereich stellen sie unter anderem die medizinische Erstversorgung, Hilfe bei der Befreiung in Seenot geratener Besatzungen, Transport von Verletzten und Unterstützung deutscher Schiffe und Besatzungen bei Notfällen im Ausland sicher. Das Einsatzgebiet umfasst rund 3660 Kilometer Küstenlinie – von Borkum bis Usedom. Auf der Strecke gibt es 53 Stationen mit etwa 60 Seenotrettungskreuzern und -booten sowie 1000 Seenotretter, wovon die meisten ehrenamtlich tätig sind.

Seit 1999 steht der dritte Sonntag im Juli im Zeichen der Seenotretter, auf eigene Initiative. An diesem Tag finden in vielen Stationen Führungen, Vorträge und Vorführungen statt. Man kann den Rettern über die Schulter schauen, sich über Arbeit und Material informieren und bei spannenden Übungen den Arbeitsablauf live verfolgen. Immer unter der Voraussetzung, dass kein Notfall reinkommt. Die Rettung in Not geratener Menschen auf See hat immer Vorrang.

Der heutige Sonntag gestaltet sich an Nord- und Ostsee recht wechselhaft. Es gibt viele Wolken und immer wieder Regen, vereinzelt sind auch Blitz und Donner möglich. Dabei weht ein mäßiger bis frischer Wind aus westlichen Richtungen. Auch der Montag ist an den deutschen Küsten wechselhaft mit ein paar sonnigen Abschnitten und meist nur schwachen Schauern, aber teils stürmischem Wind an der Ostseeküste. Mit Höchstwerten um 20 Grad fühlt es sich nicht gerade sommerlich an.

In den Folgetagen lässt der Wind nach, die Sonnenanteile nehmen zu und auch die Temperatur steigt deutlich. Zu Wochenmitte sind um 30 Grad möglich, auch die zweite Wochenhälfte ist sommerlich warm, wenngleich wieder mehr Wolken auftauchen und einzelne Schauer möglich sind.

Diplom Meteorologin Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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Gebietsweise anhaltende Trockenheit und neue Hitze

25. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Am heutigen Samstag verlagert sich Hoch NORBERT allmählich nach Südosteuropa und macht damit den Ausläufern der Tiefdruckgebiete EVELINE und FLOORA, die über Nordeuropa hinwegziehen, Platz. Damit hält vor allem in der Nordhälfte des Landes im Laufe des Wochenendes wechselhaftes Sommerwetter Einzug. In der neuen Woche bahnt sich dann eine neue Hitzewelle an. An der Südwestflanke eines umfangreichen Hochdruckgebietes mit Schwerpunkt über Südosteuropa kann eine heiße Luftmasse, die ihren Ursprung im Süden Spaniens hat, nach Mitteleuropa transportiert werden. Die Intensität und Andauer der Hitzewelle ich noch mit ein paar Fragezeichen zu versehen.

Vorhersagekarte für die Druckverteilung und die Lage der Frontensysteme am Mittwoch, den 29.07.2026 um 12 UTC (Quelle:DWD)

Die teils verbreitet propagierten Höchstwerte von über 40 Grad in Deutschland zeichnen sich jedoch nicht ab. Hier schießt nach wie vor das amerikanische GFS-Modell mit in der Südhälfte flächendeckend um 40, punktuell bis 44 Grad, den Vogel ab. Diese Prognosen sind in die Welt der Fabeln zu verweisen, denn kein weiteres bekanntes Wettermodell berechnet diese Spitzenwerte in der kommenden Woche. Nach derzeitigen Prognosen werden der Donnerstag und der Freitag die heißesten Tage der Woche mit Maxima zwischen 34 und 38, lokal um 39 Grad in der Südhälfte und 28 bis 34 Grad in der Nordhälfte.

Prognose des Temperaturverlaufs von Samstag, den 25.07.2026 bis Freitag, den 31.07.2026 für den Südwesten, die Mitte und den Nordosten (Quelle:DWD)

In puncto Niederschlag schaut der Südwesten weiterhin in die Röhre. In der Nordhälfte fällt vor allem am Sonntag zeitweise schauerartiger und mitunter gewittrig durchsetzter Regen und auch vom Südschwarzwald bis zum Alpenrand gibt es an diesem Wochenende einzelne Schauer und Gewitter. Zum Start in die neue Woche fallen vor allem quer über der Mitte und am Alpenrand noch einzelne Schauer. Im weiteren Wochenverlauf tröpfelt es allenfalls im Norden noch ein wenig, während es sonst zunächst meist trocken bleibt. Erst in der zweiten Wochenhälfte stehen örtlich kräftige Hitzegewitter auf der Agenda. Flächendeckender Regen bleibt jedoch aus, sodass sich insbesondere im Südwesten und äußersten Westen die Trockenheit weiter verschärft.

Akkumulierter Niederschlag von Samstagmorgen, den 25.07.2026 bis Samstagmorgen, den 01.08.2026 (Quelle:DWD)

Beispielsweise fielen vom Niederrhein bis ins Rhein-Main-Gebiet seit Monatsbeginn in der Fläche nur zwischen 1 und 10 l/qm und bis Monatsende zeichnen sich nur wenige weitere Liter pro Quadratmeter ab. Normalerweise summiert sich der Niederschlag dort im gesamten Juli auf 50 bis 70 l/qm.

Die ausbleibenden Niederschläge in Verbindung mit der zunehmenden Hitze und der sich damit verstärkenden Verdunstung sorgen dafür, dass die Waldbrandgefahr (Link Waldbrandgefahrenindex) in der Südhälfte wieder deutlich zunimmt und am Mittwoch bereits flächendeckend die Stufe 4 erreicht.

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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Von Hunden und Erfrischungen

24. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Gemäß vielen Kalendern und Büchern befinden wir uns seit dem gestrigen Donnerstag in der Zeit der sogenannten „Hundstage“. Die Hundstage gehören zu den Singularitäten, also den Witterungsregelfällen in der Meteorologie. Andere bekannte Beispiele für solche Singularitäten sind die Eisheiligen, die Schafskälte, der Siebenschläfertag, der Altweibersommer oder das Weihnachtstauwetter. Die Hundstage erstrecken sich dabei vom 23. Juli bis zum 23. August. Namensgebend ist das Sternbild „Großer Hund“, dessen Hauptstern „Sirius“ zu Beginn dieses Zeitraums seinen heliakischen Aufgang hat. Der Begriff der Hundstage dient im allgemeinen Sprachgebrauch der Benennung der heißesten Tage des Jahres.

Passend dazu wurde am gestrigen Donnerstag in den USA der „Tag der Erfrischungen“ gefeiert. Dieser Aktionstag hat allerdings kein festes Datum, sondern fällt immer auf den vierten Donnerstag im Juli. Er wurde 2015 vom Getränkehersteller Traveller Beer Company und vom Webportal nationaldaycalendar.com ins Leben gerufen und war Teil einer Marketingkampagne für Bier-Mix-Getränke. In Deutschland wurde am gestrigen Donnerstag hingegen zum ersten Mal der „Tag der Schorle“ begangen. Dieser geht auf eine Initiative von C. Rasmus und G. Sigmundczyk aus Mannheim zurück. Sie nannten bei der Wahl des Datums mehrere Gründe, die für den 23. Juli sprachen. Zum einen wäre da die Überschneidung mit dem amerikanischen „Tag der Erfrischungen“. Zum anderen laden lange Sommerabende und die laufende Weinfestsaison dazu ein, diesen Aktionstag mitzufeiern.

Daneben gab es am gestrigen Donnerstag (wie in jedem Jahr am 23. Juli) in den USA den „Tag des Vanilleeis“, der dort bereits seit den 1990er-Jahren bekannt ist. Vanille zählt zu den beliebtesten Geschmacksrichtungen beim Eis. Zudem kann Vanilleeis auf eine mehr als 200-jährige Geschichte zurückblicken. Manche Quellen besagen, dass Vanilleeis sogar in den USA eingeführt wurde. Damit ist ein entsprechender Aktionstag dort gar nicht mal so unberechtigt. Und wie wäre es, sich ein großes Eis zu gönnen und dieses noch mit ein paar Zuckerstreuseln zu verzieren? Passend dazu wurde am gestrigen Donnerstag in den USA sowie in Kanada der „Zuckerstreusel-Tag“ begangen. Dieser wurde 2017 von der Kanadierin Rosie Alyea ins Leben gerufen. Der 23. Juli ist dabei auch ihr Geburtstag. Auch dieser Aktionstag lässt sich als Teil einer Marketingkampagne verstehen, denn die Initiatorin vertreibt über ihr Unternehmen unter anderem Zuckerstreusel.

Am heutigen Freitag gibt es hingegen keine „erfrischenden“ Aktionstage. Manche mögen an dieser Stelle womöglich widersprechen, zumindest diejenigen, die einen Tequila als erfrischend wahrnehmen. Anders sieht es hingegen am morgigen Samstag und am Sonntag aus. Vielleicht nicht direkt erfrischend, aber durchaus passend für einen lauen Sommerabend gibt es am morgigen Samstag in den USA den „Käse-und-Wein-Tag“. Erfrischender wird es da schon am Sonntag, am „Tag des Kaffee-Milchshakes“.
Doch wie präsentiert sich das Wetter über das Wochenende? Werden tatsächlich Erfrischungen gebraucht?

Prognosekarte Bodendruck und Lage der Fronten mit Namen der steuernden Hoch- und Tiefdruckgebiete für den heutigen Freitag, den 24.07.2026 12 UTC

Hoch NORBERT beschert uns momentan recht freundliches und ruhiges Wetter. So sorgt er auch am morgigen Samstag in weiten Teilen des Landes für viel Sonnenschein. Bei Höchsttemperaturen zwischen 25 und 33 Grad wird es zudem sommerlich warm bis heiß. Im Südwesten und am Alpenrand ist zum Nachmittag und Abend allerdings mit einzelnen Schauern und Gewittern zu rechnen. Ganz im Norden ziehen hingegen zeitweise Wolkenfelder durch und einzelne Schauer sind möglich. Die Höchsttemperaturen liegen dort zwischen 21 und 25 Grad.

Wettervorhersage sowie Vorhersage der Tageshöchsttemperaturen in Deutschland am morgigen Samstag, den 25.07.2026

Auch am Sonntag treten südlich der Donau einzelne, direkt am Alpenrand wiederholt Schauer und Gewitter auf. Zudem kommt im Norden Deutschlands schauerartiger, teils gewittriger Regen auf, der sich im Tagesverlauf süd-/südostwärts ausweitet und zum Abend in etwa eine Linie von Main und Mosel erreicht. Nur in einem Streifen von Baden-Württemberg bis zum Erzgebirge bekommt man die Sonne auch etwas länger zu Gesicht und Schauer und Gewitter treten weniger häufig auf. Allerdings kann der Westwind insbesondere im Südwesten zeitweise böig auffrischen. Im Norden und Nordwesten liegen die Höchsttemperaturen zwischen 20 und 24, sonst zwischen 24 und 31 Grad.

Die neue Woche beginnt zunächst unbeständig und die Höchsttemperaturen verbleiben vorübergehend unter der 30-Grad-Marke. Ab Dienstag nehmen die längeren Sonnenanteile von Südwesten her aber rasch wieder zu und auch Höchsttemperaturen von 30 Grad und mehr werden bereits am Mittwoch in weiten Teilen des Landes wieder erreicht.

Zusammengefasst kann man sich also insbesondere am morgigen Samstag eine Erfrischung gönnen. Ab Dienstag scheinen Erfrischungen jeglicher Art dann hingegen tatsächlich gebraucht zu werden.

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Von-Hunden-und-Erfrischungen-1.jpg 910 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-24 13:40:112026-07-28 17:20:54Von Hunden und Erfrischungen

Wetter-Apps für Segler und Outdoor-Sportler

24. Juli 2026/in Allgemein, Wetter/von WINDINFO

Laut einer Boot Online Umfrage nutzen bereits 36% der Bootfahrer regelmäßig Wetter-Apps auf mobilen Geräten. Wer bei Wind und Welle unterwegs ist, ob als Segler, Kitesurfer oder Wanderer, braucht verlässliche Wetterinformationen. Kein Bauchgefühl der Welt ersetzt eine gute App mit aktuellen Modelldaten.

Warum Wetter-Apps für Segler und Wassersportler unverzichtbar sind

Der klassische Seewetterbericht im Radio gehört der Vergangenheit an. 52 Jahre lang strahlte das Deutschlandradio täglich Wind- und Warnmeldungen aus, langsam und deutlich vorgelesen, damit Skipper problemlos mitschreiben konnten. Ende 2015 schaltete der Sender zunächst die Mittelwellensender ab, was das Ende der Frequenz 1269 kHz bedeutete. Seit März 2016 ist der Seewetterbericht im Radio Geschichte. Wer ihn vermisst, findet auf NDR Info Spezial noch zweimal täglich einen Seewetterbericht, um 8.30 Uhr und um 23.03 Uhr, plus einen Podcast zum Abonnieren.

Dieser Wandel zeigt, wohin die Reise geht. Wetter-Apps liefern heute mehr Daten, schneller und präziser als jede Radiosendung es je konnte. Ähnlich wie Nutzer bei der Wahl eines seriöses Online Casino Schweiz auf verlässliche Informationen und transparente Bewertungen achten, sind auch auf dem Wasser aktuelle und zuverlässige Wetterdaten unverzichtbar. Für Segler, die auf Ankerplatz-Suche sind, spielt das Wetter beim Ankern eine zentrale Rolle. Wind aus der falschen Richtung, eine unerwartete Dünung oder eine Gewitterfront – das sind keine akademischen Probleme. Das sind Situationen, die über Sicherheit oder Havarie entscheiden.

Wer also noch auf „Gut Glück“ losfährt, handelt fahrlässig. Zum Glück bietet der Markt heute eine Vielzahl spezialisierter Wetter- und Wind-Apps, die den Bordalltag erheblich erleichtern, und das zu überraschend moderaten Preisen.

Die besten Wetter-Apps für Segler, Kitesurfer und Outdoor-Sportler

Hier sind die wichtigsten Anwendungen, nach Profil und Anwendungsfall geordnet :

  1. Windy: animierte Wetterkarten, Sturmentwicklungen in Echtzeit, Wetterberichte weltweit abrufbar. Die Basis-Version ist kostenlos, die Premium-Version kostet 21 Euro pro Jahr.
  2. PredictWind: mehrere Vorhersagemodelle, GRIB-Daten-Integration, ideal für Langstreckensegler. Kostenlose Basisversion verfügbar, Mitgliedschaft ab 35 Euro pro Jahr.
  3. Weather4D: Wettervorhersage kombiniert mit Routenanpassung in Echtzeit, für 29,99 Euro pro Jahr.
  4. Windfinder: Daten von über 160.000 Stationen weltweit, besonders bei Surfern und Kitesurfern beliebt. Basis kostenlos, Pro-Version für einmalig 10 Euro.
  5. Seewetter Pro: spezialisiert auf Nordsee, Ostsee und Mittelmeer, mit 6-Tage-Gezeitenvorhersage, 3-Tages-Seewettervorschau, animierten Meeresströmungskarten und einer Notfall-Funktion für Seenotrufe per Funk und Telefon.
  6. WeatherPro: mehrfacher Testsieger unter allgemeinen Wetter-Apps, bietet eine 7-Tage-Vorhersage in 3-Stunden-Intervallen mit Windrichtung, Luftdruck und Temperatur. Mit Premium-Upgrade steigen die Vorhersagewerte auf bis zu 14 Tage.
  7. ADAC Skipper App: hochauflösende Wettermodelle, stündliche Darstellungen zu Wind, Welle und Niederschlag. 19,99 Euro jährlich für ADAC-Mitglieder, 24,99 Euro für Nicht-Mitglieder.

Windfinder Pro verdient dabei besondere Erwähnung : Messwerte von über 17.000 Wetterstationen weltweit fließen ins Superforecast-Modell ein, das stündliche Werte für Europa, Ägypten und Nordamerika liefert. Für Kitesurfer, die auf einen bestimmten Windkorridor warten, ist das Gold wert.

Die besten Apps für Ankerplätze, Häfen und Liegeplätze

Wetterplanung ist die eine Seite. Die andere ist das Finden des richtigen Platzes zum Übernachten. Drei Apps dominieren diesen Bereich klar.

Navily sticht durch seine Community-Stärke hervor: Nutzerbewertungen, Fotos und Erfahrungsberichte machen das Ankern planen so konkret wie ein Gespräch mit einem Segelkollegen. Navionics punktet dagegen mit technischer Tiefe, denn die detaillierten Seekarten mit Sonardaten liefern Informationen, die kein Papieratlas je abbilden konnte.

Dockwa löst ein alltägliches Problem elegant. Wer kennt nicht das lästige Durchklingeln von Marinas am späten Nachmittag ? Die App ermöglicht Liegeplatz-Buchungen direkt ohne Telefonat, schnell und zuverlässig. Kostenlos dazu, was will man mehr.

So wählst du die richtige Wind-App für deinen Sport

Nicht jede App passt zu jedem Profil. Langstreckensegler brauchen GRIB-Daten und Routenplanung. Kitesurfer wollen präzise Windvorhersagen für kurze Zeitfenster. Wanderer und Mountainbiker benötigen vor allem zuverlässige Kurzfristvorhersagen mit Niederschlagsradar.

Ich empfehle grundsätzlich, mindestens zwei Apps parallel zu nutzen : eine für die allgemeine Wetterplanung und eine für spezifische Sportbedingungen. Eine Kombination aus einer kostenlosen Basisversion und einer gezielten Premium-App bleibt meist unter 40 Euro im Jahr, ein Betrag, der gemessen am Sicherheitsgewinn lächerlich gering ist.

Bild: AdobeStock_474217751 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/AdobeStock_474217751-scaled.jpeg 1423 2560 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-24 09:59:312026-07-25 11:16:05Wetter-Apps für Segler und Outdoor-Sportler

Kühle Meeresbrise oder die „Land-Seewind-Zirkulation“

23. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Die räumliche Verteilung steuernder Hoch- und Tiefdruckgebiete, die man gewöhnlich auf Wetterkarten findet, sind für die großräumigen Strömungsverhältnisse verantwortlich – sie entscheiden also, aus welcher Richtung und mit welcher Stärke der Wind weht. Aber auch lokale Gegebenheiten wie Berge und Täler oder Küstenlinien können bei bestimmten Wetterlagen ihre „eigenen“ kleinräumigen Windsysteme entstehen lassen, die einen großen Einfluss auf das dortige Klima haben. Ein bekanntes Beispiel ist die „Land-Seewind-Zirkulation“, die wir heute erläutern.

Jeder Nord- und Ostseeurlauber kennt es: Während an heißen Sommertagen die zuhause Gebliebenen schwitzen, ist zur gleichen Zeit im schattigen Strandkorb von Hitze keine Spur und weniger Hartgesottene greifen im kühlen Wind sogar zum Pulli. Auch in den kommenden Tagen ist dies wieder eindrucksvoll in den Vorhersagen zu sehen. Der Grund für diesen kühlen, vom Meer kommende Wind an der Küste und auf den Inseln liegt im Seewind, einem Teil der Land-Seewind-Zirkulation.

Schematische Darstellung der Land-Seewind-Zirkulation im Verlauf eines Tages. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Druckunterschiede werden durch Wind auszugleichen. Nehmen wir als Ausgangsbedingung an, dass am Morgen keine horizontalen Druckunterschiede vorliegen und daher auch kein Wind weht. In Bild 1 (oben links) ist dies durch horizontale Isobaren (Linien gleichen Luftdrucks) verdeutlicht. Nach Sonnenaufgang wird am Vormittag die Landoberfläche und die darüber liegende Luft erwärmt, während sich die Wassertemperatur (und die Luft darüber) wegen der größeren Wärmekapazität des Meerwassers kaum ändert. Da wärmere Luft eine geringere Dichte und damit ein größeres Volumen als kältere Luft besitzt, dehnt sich die Luft über Land vertikal aus. Weil sich zwischen zwei Druckflächen weiterhin die gleiche Luftmasse befindet, werden dadurch die Isobaren gehoben (Bild 2). Folglich entsteht in der Höhe ein horizontaler Druckunterschied. Auf gleichem Höhenniveau (gestrichelte Linien) ist der Luftdruck über dem Land höher als über dem Meer, es entsteht also in der Höhe über dem Land ein kleinräumiges Hoch (H) und über der See ein Tief (T).

Da die Atmosphäre stets bestrebt ist, derartige Druckunterschiede abzubauen, entsteht in der Höhe eine Ausgleichsströmung vom Land Richtung Meer (grüner Pfeil in Bild 2), also vom hohen zum tieferen Luftdruck. Der gleiche Vorgang passiert im Kleinen bei einem aufgepumpten Fahrradschlauch, bei dem man das Ventil öffnet. Die Luft entweicht vom Reifen (hoher Luftdruck) nach draußen. Die Ausgleichsströmung transportiert LuftMASSE Richtung Meer. Dadurch sammelt sich über der See die Masse an, die über Land in der Höhe abfließt. Ein Massegewinn in der Luftsäule über dem Meer bedeutet nichts Anderes als dass der Druck, der am Boden auf einem lastet, ansteigt. Im Gegenzug sinkt an Land der Druck am Boden. Im Gegensatz zur Höhe entsteht so direkt über dem Meer ein lokales Hoch und über Land ein Tief (Bild 3).

Am Boden passiert nun das gleiche wie zuvor in der Höhe. Es kommt eine Ausgleichströmung vom Hoch zum Tief in Gang, also von der See Richtung Land. Diesen Wind bezeichnet man seiner Herkunft nach als „Seewind“, der die kühle Meeresluft Richtung Küste transportiert. Abschließend entsteht eine geschlossene Zirkulation, indem über Land aufgrund der in der Höhe abfließenden Luftmasse Luft von unten nachströmt und über der See Luft nach unten absinkt. In der Fachsprache wird diese als „thermisch direkte Zirkulation“ bezeichnet.

In der Nacht drehen sich die Strömungsverhältnisse um. Nach Sonnenuntergang kühlt der Erdboden und die darüber liegende Luft stärker ab als über dem Meer. Die kühlere Luft schrumpft und es entsteht in der Höhe über Land ein Tief, sodass als Ausgleichströmung dort die Luft von der See Richtung Land weht. Durch diese im Vergleich zu tagsüber gegensätzlichen Masseumverteilungen bildet sich über dem Boden der sogenannte „Landwind“ aus, der Richtung Meer weht (Bild 4).

Die Land-Seewind-Zirkulation besitzt in unseren Breiten eine horizontale Ausdehnung von 10 bis 20 Kilometern, sodass schon einige Kilometer von den Küsten entfernt kaum noch eine Abkühlung zu spüren ist. Der Seewind weht meist mit 3 bis 4 Beaufort (schwacher bis mäßiger Wind) und tritt an sämtlichen Küstenverläufen auf. Auch an größeren Seen wie dem Bodensee kann man die Land-Seewind-Zirkulation beobachten. Windmessungen belegen, dass der Wind in Friedrichshafen, auf der Nordseite des Bodensees gelegen, im Sommer morgens am häufigsten aus Nord bis Nordost (also in Richtung Bodensee) und nachmittags aus Süd bis Südwest (vom See kommend) weht.

Mittlere Häufigkeit der Windrichtung in Friedrichshafen im Juli. Die Abbildung zeigt das Auftreten der Windrichtungen (S, SO, O, NO, N, NW, W, SW) morgen um 6 Uhr und mittags um 12 Uhr. Die Länge der Linien ist ein Maß für die Häufigkeit der Windrichtung zu diesem Zeitpunkt. Quelle: Häckel, H. (1999) – Meteorologie, Verlag Eugen Ulmer Stuttgart (nachbearbeitet)

In der Realität ist die Land-Seewind-Zirkulation natürlich der großräumigen Windströmung überlagert und tritt auf, solange der großräumige Wind schwach und der Himmel nicht durch Wolkenfelder bedeckt ist. Der Seewind führt in dieser Situation dazu, dass sich der Wind bis zum Nachmittag verstärkt und Richtung Land dreht.

Die Land-Seewind-Zirkulation ist der Grund, warum es an heißen Sommertagen an Nord- und Ostsee am Nachmittag und frühen Abend teils über 10, manchmal sogar bis zu 15 Grad kühler ist als im großen Rest Deutschlands. In Folge des Seewinds bleiben die Temperaturen beispielsweise auf Sylt an den meisten Tagen unter 25 Grad, Temperaturen über 30 Grad bleiben die absolute Ausnahme.

Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Kuehle-Meeresbrise-oder-die-„Land-Seewind-Zirkulation.png 934 1029 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-23 16:34:582026-07-28 17:20:40Kühle Meeresbrise oder die „Land-Seewind-Zirkulation“

Nordströmung hält die Hitze auf Abstand

22. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Deutschland liegt derzeit zwischen zwei wetterbestimmenden Systemen: dem weit nach Norden ausgedehnten Azorenhoch und mehreren Tiefdruckgebieten über Skandinavien und Osteuropa. Aus dieser Konstellation resultiert eine nördliche Strömung, mit der vergleichsweise kühle Meeresluft nach Deutschland gelangt. Während weite Teile Süd- und Südwesteuropas unter anhaltender Hitze leiden, bleibt Deutschland dadurch verschont.

Bodenanalyse mit Fronten und Luftdruck, Mittwoch den 22.07.2026 12 UTC. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Am heutigen Mittwoch sorgt Tief DEBORAH vor allem im Norden für viele Wolken, Schauer und einzelne kurze Gewitter. Zudem weht dort ein lebhafter Wind, an den Küsten sind auch stürmische Böen möglich. Ganz anders präsentiert sich das Wetter im Süden. Dort scheint häufig die Sonne und die Temperaturen steigen auf bis zu 28 Grad. Im übrigen Land werden 19 bis 23 Grad erreicht. In der Nacht zum Donnerstag zieht das Tief weiter nach Osten ab, während sich der Einfluss des Hochdrucks langsam bemerkbar macht. Dadurch klingen die Schauer von Westen her nach und nach ab. Lediglich im Osten treten noch einzelne Schauer auf. Die Tiefstwerte liegen zwischen 15 und 8 Grad.

Wetter- und Temperaturkarte, am Mittwoch 22.07.2026. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Auch am Donnerstag bleibt das Wetter zweigeteilt. Im Osten bestimmen weiterhin Tiefdruckeinfluss mit vielen Wolken, Schauern und kurzen Gewittern das Wettergeschehen. Im äußersten Südwesten sorgt dagegen ein Ableger des Azorenhochs für überwiegend sonniges Wetter. Die Temperaturen steigen auf 19 Grad im Nordosten und bis zu 27 Grad im Südwesten. Der Wind weht mäßig, im Norden zeitweise frisch aus nördlichen Richtungen. In der Nacht zum Freitag verabschieden sich schließlich auch im Osten die letzten Schauer. Danach zeigt sich der Himmel meist gering bewölkt oder klar. Örtlich können sich flache Nebelfelder bilden. Die Tiefstwerte liegen zwischen 15 und 6 Grad.

Wetter- und Temperaturkarte, am Donnerstag 23.07.2026. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Am Freitag setzt sich der Hochdruckeinfluss weiter durch. Im Norden halten sich zwar häufig noch dichte Wolken, in der Mitte und im Süden scheint dagegen überwiegend die Sonne. Dort wird regional wieder die 30-Grad-Marke überschritten, während es im Norden nur mäßig warm bleibt. Der Wind weht schwach aus unterschiedlichen Richtungen.

Am Samstag erreicht von Norden eine Kaltfront Deutschland und bringt dort ab den Abendstunden schauerartigen Regen. Gleichzeitig nimmt im Süden ab dem Nachmittag das Gewitterrisiko deutlich zu. Nur in der Landesmitte bleibt es bis zum Abend überwiegend trocken. Mit Höchstwerten zwischen 25 und 30 Grad, im Südwesten örtlich bis 33 Grad, wird der Samstag der wärmste Tag der Woche. Kühler bleibt es lediglich an den Küsten. Am Sonntag dominieren schließlich vielerorts Wolken mit Schauern und Gewittern. Im Süden kann es zeitweise auch länger anhaltend regnen. Überwiegend trocken bleibt es voraussichtlich nur im Nordwesten.

Aussichten vom Freitag, den 24.07.2026 bis Sonntag, den 26.07.2026. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Was vielerorts weiterhin fehlt, ist flächiger Regen. Trotz einzelner Schauer und Gewitter bleibt die Niederschlagsbilanz in vielen Regionen deutlich zu gering. Solange die großräumige nördliche Strömung bestehen bleibt, ist bis zum Monatsende keine Hitzewelle zu erwarten.

Ein Blick auf die großräumige Wetterentwicklung zeigt jedoch, dass sich die Lage zum Monatswechsel ändern könnte. Im Mittelmeerraum hält sich die außergewöhnliche bis extreme Hitze weiterhin. Sollte die Strömung auf südliche Richtungen drehen, könnte diese sehr warme Luft Deutschland innerhalb kurzer Zeit wieder erreichen. Die Hitze wäre dann rasch zurück.

Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Nordstroemung-haelt-die-Hitze-auf-Abstand-1.png 914 1282 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-22 16:01:052026-07-24 16:09:53Nordströmung hält die Hitze auf Abstand

Zwischen Physik und Künstlicher Intelligenz – Wie KI die Wettervorhersage verändert

21. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

KI-basierte Vorhersagemodelle sorgten damals für Schlagzeilen wie „GraphCast: Google-KI sagt Wetter besser vorher als aktuelle Modelle“. Im Gegensatz zu klassischen physikalischen Wettermodellen, die den zukünftigen Zustand der Atmosphäre aus Beobachtungen, Datenassimilation und der numerischen Lösung physikalischer Gleichungen berechnen, lernen KI-Modelle atmosphärische Entwicklungen aus großen Mengen historischer Wetterdaten. Mithilfe neuronaler Netzwerke erkennen sie typische Muster und Zusammenhänge, die anschließend für neue Vorhersagen genutzt werden können.

Modelle wie GraphCast oder Pangu-Weather haben erstmals gezeigt, dass neuronale Netze in vielen Bereichen mit klassischen numerischen Wettermodellen konkurrieren können. Damals lautete die zentrale Frage: „Wird Künstliche Intelligenz die Wettervorhersage revolutionieren?” Heute lässt sich diese Frage differenzierter beantworten. KI verändert die Wettervorhersage zwar grundlegend, jedoch nicht durch den Ersatz klassischer Modelle, sondern durch ihre Integration in die gesamte Vorhersagekette. (siehe Thema des Tages vom 19.11.2023)

Inzwischen wurden zahlreiche weitere globale KI-Modelle entwickelt, darunter das AIFS des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF), das operationell eingesetzt wird. Ein großer Vorteil von KI-Modellen gegenüber klassischen numerischen Modellen ist ihre hohe Geschwindigkeit. So benötigt die Berechnung einer Vorhersage nur einen Bruchteil der Rechenleistung und kann teilweise sogar auf handelsüblicher Hardware erfolgen.

Eine Herausforderung für die erste Generation von KI-Wettermodellen war die Erstellung leistungsfähiger (siehe Thema des Tages vom 09.06.2020), um die Vorhersageunsicherheit abschätzen zu können. Während klassische Wettermodelle bereits seit Jahrzehnten Ensemblevorhersagen mit vielen leicht unterschiedlichen Modellläufen erzeugen, standen solche Verfahren bei KI-Modellen zunächst weniger im Fokus. Auch hier hat sich mittlerweile viel getan. So können bei KI-basierten Wettermodellen beispielsweise Ensembles erzeugt werden, indem mehrere leicht unterschiedliche Anfangszustände der Atmosphäre in das Modell eingespeist werden. Zusätzlich können stochastische Verfahren oder unterschiedliche Modellvarianten genutzt werden, um die Unsicherheit der Prognose abzubilden. Aus der Streuung der vielen Vorhersagen lässt sich anschließend die Wahrscheinlichkeit verschiedener Wetterentwicklungen ableiten. Die Grundidee entspricht damit der von klassischen Ensembles, allerdings können die einzelnen Vorhersagen deutlich schneller berechnet werden.

Auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) arbeitet mit AICON an einem eigenen KI-basierten Wettermodell, um die Möglichkeiten künstlicher Intelligenz für die operationelle Wettervorhersage zu nutzen. Dabei stehen insbesondere die Anforderungen europäischer Wetterlagen im Mittelpunkt. AICON soll das bestehende ICON-System nicht ersetzen, sondern es ergänzen. Bereits heute wird es als zusätzliches Werkzeug zur Bewertung der Wetterentwicklung eingesetzt.

Mit einer Auflösung von derzeit etwa 13 km ist ICON jedoch noch zu grob, um kleinräumige Prozesse wie einzelne Gewitter, lokale Starkregenereignisse oder regionale Windsysteme detailliert abzubilden. In der Kurzfristvorhersage bis etwa zwei Tage kommen deshalb hochaufgelöste Regionalmodelle wie ICON-D2 mit einer Gitterweite von rund zwei Kilometern zum Einsatz. Diese können beispielsweise Gewitterzellen explizit berechnen und werden in einem schnellen Aktualisierungszyklus stündlich neu gerechnet.

Eine wichtige zukünftige Herausforderung ist daher die Entwicklung hochaufgelöster KI-basierter Wettermodelle für die konvektive Skala. Von solchen Systemen erwartet man schnellere Vorhersagen mit höherer Detailgenauigkeit und verbesserten Wahrscheinlichkeitsinformationen. Dies ist insbesondere für die Vorhersage von Gewittern, Starkregen und lokalen Windsystemen von Bedeutung.

Doch nicht nur die Wettervorhersage selbst profitiert von KI. Jede Prognose beginnt mit einer Analyse des aktuellen Zustands der Atmosphäre. Diese ist äußerst rechen- und zeitaufwendig, da Milliarden von Beobachtungen verarbeitet werden müssen. KI-Ansätze bieten hier neue Möglichkeiten: Sie ermöglichen eine effizientere Nutzung heterogener Daten, beschleunigen Verarbeitungsprozesse und helfen dabei, Beobachtungsfehler besser zu erkennen.

Schema KI

Einen wichtigen Meilenstein erreichte der DWD mit AI-VAR, einem der weltweit ersten vollständig KI-basierten Verfahren zur Datenassimilation. Dabei werden Beobachtungsdaten mithilfe eines neuronalen Netzes direkt in einen Analysezustand der Atmosphäre überführt. Dies eröffnet neue Möglichkeiten für sogenannte hybride Modelle, bei denen KI-gestützte Analyseverfahren mit physikalischen Wettermodellen kombiniert werden.

Auch im Bereich des Nowcastings, also der kurzfristigen Vorhersage für die kommenden Minuten bis Stunden, findet KI zunehmend Anwendung. Beispiele hierfür sind die Ableitung flächiger Niederschlagsinformationen aus Satelliten- und Radardaten oder die automatische Erkennung der Niederschlagsart – beispielsweise Regen, Schnee oder Hagel – aus Radarbeobachtungen. Durch die Kombination verschiedener Datenquellen kann KI dabei helfen, kurzfristige Wetterentwicklungen noch präziser zu erfassen.

Trotz aller Fortschritte bleibt die Wettervorhersage aufgrund der chaotischen Natur der Atmosphäre begrenzt. KI-Modelle müssen physikalisch konsistent bleiben und können die grundlegende Unsicherheit der atmosphärischen Entwicklung nicht aufheben. KI-Ensemblevorhersagen wirken derzeit noch zu glatt und decken nicht alle Vorhersagemöglichkeiten ab. Zudem lernt KI aus Daten vergangener Wetterlagen. Die Prognose seltener Extremereignisse bereitet nach wie vor Schwierigkeiten. Die Interpretation und Bewertung der Ergebnisse durch Meteorologinnen und Meteorologen ist daher weiterhin ein entscheidender Bestandteil der Vorhersage.

Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt, dass künstliche Intelligenz die klassische Wettervorhersage nicht ersetzt, sondern ihre Möglichkeiten erweitert. Die Wettermodelle der Zukunft werden die Stärken beider Ansätze vereinen: die physikalische Beschreibung der Atmosphäre und die Fähigkeit der KI, komplexe Muster in großen Datenmengen zu erkennen.

KI wird für Meteorologinnen und Meteorologen damit zu einem immer leistungsfähigeren Werkzeug, das neue Möglichkeiten bei Analyse, Prognose und Warnung eröffnet.

Diplom-Meteorologe Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.07.2026
(c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Zwischen-Physik-und-Kuenstlicher-Intelligenz-–-Wie-KI-die-Wettervorhersage-veraendert.png 1024 1536 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-21 16:37:482026-07-24 16:09:39Zwischen Physik und Künstlicher Intelligenz – Wie KI die Wettervorhersage verändert

Spanien – Olé

20. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Spanien ist Fußballweltmeister! Gratulation dazu auch von dieser Stelle. Es ist anzunehmen, dass in den kommenden Tagen zwischen den Pyrenäen und Galicien im Norden sowie Andalusien im Süden noch die eine oder andere Party gefeiert wird, z. B. beim Empfang am Flughafen, wenn die so erfolgreichen spanischen Kicker aus den USA zurückkommen.

Wenn gefeiert wird, dann schwingt immer die Hoffnung mit, das Wetter möge doch bitte mitspielen. Meist ist damit gemeint, dass es trocken bleiben soll. Und für Spanien und die SpanierInnen sieht es diesbezüglich ziemlich gut aus.

Die Abbildung 1 zeigt auf der linken Seite das Geopotential (Linien) und damit salopp gesagt die Druckverteilung in 500 hPa (entspricht etwa 5,5 km Höhe). Darüber hinaus wird die tiefe Bewölkung dargestellt, beides nach dem DWD-Modell ICON für den morgigen Dienstag um 12 UTC (14 MESZ). Es zeigen sich nur recht kleine Gebiete mit nennenswerter tiefer Bewölkung, beispielsweise von der Region Valencia bis zu den Balearen oder auch an den nordwestlichen Küstenabschnitten. Ansonsten fehlen über Spanien die tiefen Wolken und die durchaus vorhandenen mittelhohen und hohen Wolken trüben den Wettercharakter kaum. Einen Faktor für das sonnige Wetter findet man im Geopotential. Zwar dreht sich westlich der Iberischen Halbinsel ein Höhentief, aber über dem Norden Algeriens ist ein Höhenhoch auszumachen, und von dort erstreckt sich ein Höhenrücken, sozusagen eine Geopotentialbeule, über Spanien hinweg bis zur Biskaya. Im Bereich dieses Höhenrückens kommt es zu Absinken und Wolkenauflösung, was den tiefen Wolken den Garaus macht.

Wetterinformationen Spanien für den morgigen Dienstag; links: Geopotential 500 hPa (Linien) und tiefe Bewölkung (Flächen), rechts: Temperaturmaxima (Zahlen) und 12-stündiger Niederschlag (Flächen)

Damit bleibt es am Dienstag auch weitgehend trocken, sieht man einmal von leichten Hinweisen des Modells auf Niederschläge an den Pyrenäen und unweit des Mittelmeeres ab (Abbildung 1, rechts). Dabei gilt, dass lokal in Schauern und Gewittern durchaus mehr fallen kann als die hier in der Spitze vorhergesagten 5 mm (l/qm) in den Pyrenäen. Abgesehen von diesen nicht gänzlich ausgeschlossenen punktuellen Niederschlagsspitzen müssen die feierfreudigen SpanierInnen vor allem auf die Temperaturen aufpassen. Im Süden sollen die Höchstwerte auf bis zu 43°C ansteigen, verbreitet werden es 35 bis 40°C. Lediglich der Norden präsentiert sich kühler.

Akkumulierter Niederschlag bis in die Nacht zum Samstag (02:00 MESZ) rund ums Mittelmeer. Basis: ICON-EU Lauf 20.07.2026, 00 UTC

Wer sich die Niederschlagsakkumulation über die Woche hinweg bis in die Nacht zum Samstag anschaut (Abbildung 2) der erkennt, dass Spanien auch im weiteren Wochenverlauf nicht übermäßig auf Regenschutz achten muss. Lediglich im Nordwesten macht sich das o. e. Höhentief mit etwas Regen bemerkbar. Anders dagegen die Situation von Italien bis weit in die Türkei hinein. In Italien, wo inzwischen die Tränen über die erfolglose Qualifikation zur Fußball-WM getrocknet sein dürften (dabei gilt: Wer sich gar nicht erst qualifiziert, der erspart sich natürlich die mögliche Blamage eines frühen Ausscheidens), zeigen sich die kommenden Tage wechselhaft und immer mal wieder regnerisch. Nochmal deutlich mehr Niederschlag als in Italien soll sich vom Balkan und der Ägäis bis zur Ukraine akkumulieren. Die dort erwarteten lokalen Spitzen von 100 mm liegen etwa dreimal so hoch wie die Regenmaxima in Italien.

Animation der Gewitterzellen des heutigen Vormittages über Norditalien und der nördlichen Adria

Das sind natürlich Informationen, die auch für Urlauber vor Ort nicht uninteressant sind. Je nach Tagesplanung lohnt sich also ein Blick in die Wetter-App – und eventuell lohnt es sich auch, die Tagesplanung anzupassen. Denn wie kräftig die Gewitterentwicklungen mitunter sein können, das konnte man schon heute Vormittag über Norditalien und der nördlichen Adria beobachten. Die beigefügte Animation fasst 8,5 Stunden der Gewitterentwicklung zusammen. Die kräftigen Zellen bildeten sich in den italienischen Alpen und in der Poebene und verlagerten sich nach Kroatien und Bosnien-Herzegowina. In der Animation ploppt auch kurz eine Zahl auf. Es ist die der beobachteten Regenmengen in Brescia – 21 mm wurden dort gemessen.

Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Spanien-Ole-1.png 561 928 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-20 13:29:372026-07-24 15:37:08Spanien – Olé

Deutliches Nordost-Südwestgefälle bei der Temperatur

19. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Die Wetterlage hat sich an diesem Wochenende grundlegend umgestellt. Nachdem in den ersten Juliwochen insbesondere in der Südwesthälfte öfters Hochdruckeinfluss herrschte und die kräftige Julisonne die Höchstwerte über die 30-Grad-Marke trieb, bleibt ganz Deutschland nun von einer weiteren Hitzewelle verschont. Verantwortlich dafür ist zum einen das Hoch MORITZ mit Schwerpunkt über dem Nordostatlantik und zum anderen Tief CERRY mit mehreren Tiefdruckkernen über dem östlichen Skandinavien. Gemeinsam sorgen diese beiden Druckgebilde dafür, dass verhältnismäßig kühle Luft aus nordwestlicher Richtung nach Deutschland einfließen kann.

Vorhersagekarte für die Druckverteilung und die Lage der Frontensysteme am Montag, den 20.07.2026 um 12 UTC

An dieser Grundkonstellation mit hohem Luftdruck westlich von Deutschland und tiefem Luftdruck nördlich und östlich des Landes wird sich auch mindestens bis zum nächsten Wochenende nichts ändern. Bei den Temperaturen ergibt sich dabei ein deutliches Nordost-Südwestgefälle. Während in der Südwesthälfte zumindest regional Sommertage mit Höchstwerten über 25 Grad auf der Agenda stehen, bewegen sich die Höchstwerte in der Nordosthälfte meist zwischen 19 und 23 Grad. An den Küsten bleibt es bei auflandigem Wind noch frischer, sodass dort mitunter ein eher frühherbstlicher Wettercharakter herrscht. Ein teils strammer Nordwestwind tut sein Übriges dafür.

Temperaturkarten mit den Höchstwerten von Sonntag, den 19.07.2026 bis Mittwoch, den 22.07.2026

Bisher war der Juli deutlich wärmer als das vieljährige Mittel. Derzeit (Stand: 19.07.2026 09 MESZ) liegt die Mitteltemperatur bei 20,1 °C (ausgenommen Bergstationen oberhalb von 920 m NHN). Der Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990 (16,9 °C) wird damit derzeit um 3,2 Grad überschritten. Auch im Vergleich mit der aktuellen und wärmeren Periode 1991 bis 2020 (18,3 °C) fällt der Temperaturüberschuss mit 1,8 Grad noch deutlich aus. Von einem rekordwarmen Juli ist man mit diesem Wert aber weit entfernt, denn im Jahr 2006 wurde in Verbindung mit dem Sommermärchen, von dem wir Deutschen fußballerisch derzeit meilenweit entfernt sind, ein Temperaturmittel von 22,0 °C registriert. Mit dem derzeitigen Wert würde zum Monatsende ein sechster Platz zu Buche stehen, aber die Prognosen deuten an, dass sich der Wert der Monatsmitteltemperatur noch um etwa ein Grad verringert.

Am meisten Heiße Tage mit einem Höchstwert von über 30 °C gab es entlang des Oberrheins (12 bis 15 Tage), während im Norden die 30-Grad-Marke nur ganz vereinzelt geknackt wurde. Spitzenreiter ist Rheinfelden (Baden-Württemberg) mit 15 Heißen Tagen. Auch das bisherige Deutschlandmaximum wurde mit 36,6 °C am 11.7. in Rheinfelden gemessen. Gegenüber dem Juni waren Tropennächte (Tiefstwert nicht unter 20 °C) im bisherigen Juli eher Mangelware. Nur von der Pfalz bis zum Rhein-Main-Gebiet wurden ein bis drei, an der Station Bad Bergzabern (Rheinland-Pfalz) sechs Tropennächte registriert. In der nachfolgenden Tabelle (Stand: 19.07.2026 09 MESZ) sind einige Stationen mit der Anzahl an Heißen Tagen, Sommertagen (Maxima mindestens 25 °C) und Tropennächten aufgelistet.

Station Heiße Tage Sommertage Tropennächte
Rheinstetten (BW) 12 18 1
Stuttgart-Schnarrenberg (BW) 7 18 3
Frankfurt-Flughafen (HE) 10 18 5
Düsseldorf (NRW) 5 14 0
München-Stadt (BY) 3 16 0
Dresden-Klotzsche (SN) 0 11 1
Hannover (NI) 0 9 0
Hamburg-Fuhlsbüttel (HH) 0 8 0
Berlin-Tempelhof (BE) 3 12 0
Rostock-Warnemünde (MW) 0 3 0

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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