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Geschichte der Meteorologie − Teil 18: Aerologie im 18. und 19. Jahrhundert

10. Oktober 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Das heutige Thema des Tages widmet sich der meteorologischen Erforschung der höheren Atmosphärenschichten. Dabei kamen im 18. und 19. Jahrhundert neben Drachen Ballone zum Einsatz.

Nach den letzten Themen des Tages zur Geschichte der Meteorologie, die sich der Bildung nationaler meteorologischer Institutionen in ausgewählten Ländern widmeten, wird im heutigen Teil der Serie die Entwicklung der Meteorologie in höheren Atmosphärenschichten im 18. und 19. Jahrhundert beleuchtet.

Erste Messungen mit Drachen und Ballons

Erste wissenschaftliche Messungen mit Drachen wurden 1749 in Camlachie bei Glasgow in Schottland durchgeführt. Der britische Pharmazeut, Astronom und Mathematiker Alexander Wilson (1714−1786) und der britische Physiker und Naturphilosoph Thomas Melvill oder Thomas Melville (1726−1753) untersuchten mittels eines Drachengespanns und verschiedener Thermometer die Temperatur in Höhenbereichen bis 1000 Meter oberhalb der Erdoberfläche.

1752 folgte der berühmte Drachenaufstieg von Benjamin Franklin (1706−1790), Naturwissenschaftler, Erfinder und Staatsmann aus Neuengland, der im Teil 9 der Serie „Geschichte der Meteorologie“ beschrieben ist. Dadurch sah er seine Hypothese über die Luftelektrizität bestätigt.

Nach den viel älteren Fesseldrachen, die teils auch bemannt waren, gilt der Heißluftballon als ältestes Luftfahrzeug. Als Erfinder gelten die Brüder Montgolfier, die beiden französischen Erfinder Joseph Montgolfier (1740−1810) und Étienne Montgolfier (1745−1799). Daher werden Heißluftballone auch Montgolfière genannt. Die ersten Ballonfahrten fanden 1783 bei Paris statt: Die erste war unbemannt, die zweite mit Tieren, die dritte schließlich bemannt.

Der Arzt und Luftfahrtpionier John Jeffries (1744−1819) aus Neuengland und der französische Ballonfahrer Jean-Pierre Blanchard (1753−1809) machten während eines gemeinsamen Ballonaufstiegs 1784 Beobachtungen zur Atmosphäre. Sie stellten fest, dass die Temperatur mit zunehmender Höhe abnahm: von 11 °C am Boden auf −2 °C in 9000 Fuß, also etwa 2750 Metern, Höhe. Außerdem verzeichneten sie einen stetigen Druckabfall mit zunehmender Höhe und große Schwankungen der Luftfeuchtigkeit während des Aufstiegs. Jeffries hatte zuvor 1774 begonnen, in Boston regelmäßige Wetterbeobachtungen durchzuführen.

Der französische Physiker und Luftfahrer Jacques Alexandre César Charles (1746−1823) führte 1783 die ersten beiden bemannten Aufstiege in einem Wasserstoffballon, einer nach ihm benannten Charlière, durch. Beim zweiten Aufstieg führte er Messungen durch. Sein Barometer fiel um etwa 23 Zentimeter, und die Temperatur sank von 10 °C am Boden auf −7 °C in der höchsten erreichten Höhe von etwa 3450 Metern. Im Jahr 1787 erkannte Charles den Zusammenhang zwischen dem Volumen eines Gases und seiner Temperatur: Bei konstantem Druck ist das Volumen einer festen Gasmenge proportional zur absoluten Temperatur. Er veröffentlichte diese Arbeit jedoch nie.

Wissenschaftliche Ballonfahrten zu Beginn des 19. Jahrhunderts

Der russische Chemiker und Luftfahrtpionier Jakow Dmitrijewitsch Sacharow oder Yakov Zakharov (1765−1836) führte 1804 den von der Kaiserlich-Russischen Akademie der Wissenschaften organisierten weltweit ersten wissenschaftlichen Flug mit einem Forschungsprogramm durch – eine Ballonfahrt. Der Zweck bestand darin, den Zustand der Atmosphäre in Abhängigkeit von der Höhe zu untersuchen. Sacharow entnahm Luftproben und untersuchte die Schallausbreitung, die Aufladung von Gegenständen und das Verhalten einer Magnetnadel. Im Vergleich zu Bodenmessungen stellte er dabei keine Unterschiede fest. Darüber hinaus wurden die üblichen meteorologischen Eigenschaften der Luft gemessen. Er beobachtete, dass sich der Nordostwind in Bodennähe in einer bestimmten Höhe allmählich in Ostwind verwandelte. Dies steht im Einklang mit dem erst viel später abgeleiteten Gesetz über die Änderung der Windrichtung mit der Höhe in der Grenzschicht der Atmosphäre.

Der französische Chemiker, Physiker und Aeronaut Joseph Louis Gay-Lussac (1778−1850) leitete 1802 unter Bezugnahme auf ältere Arbeiten die Beziehung zwischen dem Volumen eines Gases und seiner Temperatur neu her und veröffentlichte sie. Bei konstantem Druck ist das Volumen proportional zur absoluten Temperatur; dieser Zusammenhang wird im Deutschen häufig als Gesetz von Gay-Lussac und international oft als Charles’s Law bezeichnet. Davon zu unterscheiden ist der Druck-Temperatur-Zusammenhang bei konstantem Volumen.

1804 sicherte die französische Akademie der Wissenschaften die Finanzierung eines Ballonflugs zu, bei dem atmosphärische Messungen durchgeführt werden sollten, um festzustellen, wie sich die Zusammensetzung der Atmosphäre mit der Höhe verändert. Am 24. August desselben Jahres stiegen Gay-Lussac und der französische Physiker und Mathematiker Jean-Baptiste Biot (1774−1862) in einem Ballon über Paris auf etwa 4000 Meter Höhe. Das Hauptziel war festzustellen, ob das Erdmagnetfeld mit der Höhe abnimmt. Sie bemerkten keine offensichtlichen Veränderungen im Magnetfeld, während der Ballon aufstieg. Außerdem stellten sie fest, dass die Luft mit zunehmender Höhe trockener wurde und die Temperatur sank.

Am 6. September desselben Jahres stieg Gay-Lussac allein auf fast 7000 Meter. Luftproben aus dieser Höhe wiesen bei der späteren Analyse denselben Sauerstoffanteil auf wie die Luft an der Erdoberfläche. Die Temperatur betrug am Boden 28 °C und in 7000 Metern Höhe nur noch −10 °C. Gay-Lussac bemerkte, dass sich am höchsten Punkt des Fluges noch immer Wolken über ihm befanden. Ende 1804 formulierte er zudem einen Zusammenhang, der als Gay-Lussacs Gesetz der Volumenverhältnisse bekannt wurde. Es besagt, dass bei der Verbindung von Gasen zu anderen Gasen das Verhältnis der Volumina der Ausgangsgase zu denen der Produkte als ganze Zahlen ausgedrückt werden kann, sofern alle Volumina bei gleicher Temperatur und gleichem Druck gemessen werden.

Rekordfahrten und systematische Messprogramme

Der britische Aeronaut Charles Green (1785−1870) unternahm etwa 500 Aufstiege in verschiedenen Ballons. In den frühen 1830er-Jahren bemerkte er bei einigen Fahrten einen scheinbar beständigen Westwind in rund 10.000 Fuß, etwa 3050 Metern, Höhe. Ihm wurde klar, dass ein solcher Wind einen Ballon bis zum europäischen Festland tragen könnte. Um diese Idee zu testen, startete er am 7. November 1836 mit zwei Passagieren an Bord seines Ballons „Royal Vauxhall“ von London aus. Der erfolgreiche Flug legte etwa 770 Kilometer zurück und endete nach 18 Stunden in Weilburg im damaligen Hessen-Nassau. Für die damalige Zeit war dies ein Rekordballonflug.

Auf Beschluss des Observatoriums Kew von 1852 sollten die meteorologischen und physikalischen Eigenschaften der oberen Atmosphäre durch Ballonfahrten untersucht werden, bei denen Beobachter und Instrumente in die Höhe befördert wurden. Green stellte dafür seinen umbenannten Ballon „Nassau“, die frühere „Royal Vauxhall“, bereit. Der britische Meteorologe John Welsh (1824−1859) vom Observatorium Kew wurde als Beobachter ausgewählt.

Zum Instrumentarium gehörten ein Barometer, Trocken- und Feuchtthermometer mit und ohne Luftzufuhr sowie ein Regnault-Hygrometer. Die Thermometer mit Luftzufuhr stammten aus Welshs eigener Konstruktion und gehörten zu den frühesten Instrumenten dieser Art. Green und Welsh unternahmen vier Aufstiege, zwei im August sowie je einen im Oktober und November 1852. Die geschätzten Höchsthöhen betrugen 19.510, 19.100, 12.640 beziehungsweise 22.930 Fuß, also maximal etwa 7000 Meter. Die beobachteten Mindesttemperaturen lagen bei 8,7, 12,4, 16,4 und 10,5 Grad Fahrenheit.

In den oberen Schichten entnahmen sie Luftproben und verglichen sie später mit bodennaher Luft. Dabei blieben die relativen Anteile von Stickstoff und Sauerstoff von der Oberfläche bis in die Höhe unverändert. Insgesamt nahm die Temperatur mit zunehmender Höhe ab, obwohl sie in einigen Fällen in einer relativ dünnen, 2000 bis 3000 Fuß beziehungsweise 600 bis 1000 Meter mächtigen Schicht konstant blieb oder sogar anstieg.

Der britische Marineoffizier und Polarforscher Sir William Edward Parry (1790−1855) unternahm mehrere Arktis-Expeditionen auf der Suche nach der Nordwestpassage. Während seiner zweiten Expedition von 1821 bis 1823 musste er im Norden der Hudson Bay zweimal überwintern. Bei der zweiten Überwinterung auf der Insel Iglulik befestigte er ein Thermometer an einem Drachen, um die Temperatur in der Höhe zu messen.

Wise, Glaisher und Coxwell: Forschung unter Extrembedingungen

Der US-amerikanische Aeronaut John Wise (1808−1879) unternahm etwa 470 Ballonfahrten zur Erforschung der Atmosphäre. Bei einem Flug im Juni 1843 geriet er in ein Gewitter. Unter einer großen, dunklen Wolke wurde er von einem aufsteigenden Wirbel erfasst, der den Ballon heftig drehen und schwanken ließ. Die Kälte nahm zu, an der Takelage bildete sich Eis, und der unkontrollierte Aufstieg setzte sich fort. Der Ballon wurde schließlich aus der Aufwindströmung herausgeschleudert und fiel rasch ab, geriet danach aber erneut in den Aufwind. Wise stieg und sank auf diese Weise mehrmals.

Seine Beobachtungen aus zahlreichen Flügen ließen ihn auf eine regelmäßige Luftströmung von Westen nach Osten in den oberen Atmosphärenschichten schließen. Er schätzte deren Geschwindigkeit auf 20 bis 60 Meilen pro Stunde, abhängig von der Höhe, und hielt eine Atlantiküberquerung mit einem von dieser Strömung getragenen Ballon für möglich. Wise wird außerdem die erste Beförderung von Luftpost zugeschrieben: 1859 soll er im US-Bundesstaat Indiana Briefe und Postwurfsendungen per Ballon befördert haben.

Der britische Meteorologe und Aeronaut James Glaisher (1809−1903) wurde vor allem durch seine wissenschaftlichen Ballonfahrten von 1862 bis 1866 bekannt. Er leitete die Abteilung für Magnetismus und Meteorologie am Greenwich-Observatorium und etablierte dort regelmäßige Wetterbeobachtungen. 1845 veröffentlichte er Taupunkttabellen zur Messung der Luftfeuchtigkeit. Danach sammelte er für die Londoner „Daily News“ Wetterdaten aus ganz Großbritannien und baute dafür ein Netzwerk von Amateur-Wetterbeobachtern auf. Ab dem 31. August 1848 erschienen daraus hervorgegangene Wetterberichte im „Daily Weather Report“. 1851 veröffentlichte Glaisher die ersten britischen Wetterkarten auf Grundlage von Meldungen über das neue Telegraphensystem.

Die British Association for the Advancement of Science beschloss 1859, wissenschaftliche Beobachtungen in den oberen Atmosphärenschichten mit Ballonaufstiegen zu erproben. Der zuständige Ausschuss schloss 1861 einen Vertrag mit dem britischen Aeronauten Henry Coxwell (1819−1900), der Ballon und Pilotendienste bereitstellte. Glaisher wirkte als Beobachter mit. Die Hauptziele waren Temperatur- und Feuchtigkeitsprofile bis in größtmögliche Höhen. Weitere Aufgaben umfassten den Vergleich unterschiedlicher Barometer und Hygrometer, Messungen zum elektrischen Zustand und Sauerstoffgehalt der Luft, magnetische Beobachtungen, Luftproben, Windströmungen, Wolken und Schall.

Der erste Aufstieg erfolgte am 17. Juli 1862 vom Gaswerk in Wolverhampton. Glaisher und Coxwell unternahmen insgesamt 28 Aufstiege, den letzten am 26. Mai 1866. Sieben davon waren Höhenflüge. Bei der berühmten Fahrt am 5. September 1862 stiegen sie auf mindestens 28.000 Fuß, etwa 8800 Meter. Glaisher verlor durch Sauerstoffmangel das Bewusstsein. Coxwells Hände waren durch die Kälte unbrauchbar geworden; er konnte das Wasserstoffventil schließlich mit den Zähnen betätigen und so den Abstieg einleiten. Der Flug stellte einen Höhenrekord auf.

James Glaisher und Henry Coxwell bei einer wissenschaftlichen Ballonfahrt, historische Fotografie um 1864.
James Glaisher und Henry Coxwell im Ballon, ca. 1864. Quelle: Rijksmuseum, Amsterdam, über Wikimedia Commons; CC0 1.0. DWD-Abbildung lokal gespeichert; für die Darstellung skaliert, Inhalt unverändert.

Weitere Pioniere in den USA und Russland

Der US-amerikanische Aeronaut Thaddeus Lowe (1832−1913) führte während seiner Ballonfahrten Wetterbeobachtungen durch. Wie sein Landsmann Wise war Lowe davon überzeugt, dass ein transatlantischer Ballonflug aufgrund beständiger Westwinde in der oberen Atmosphäre möglich sei. Die Richtung aus West war jedoch nicht so regelmäßig wie angenommen. Im April 1861, kurz nach Ausbruch des Amerikanischen Bürgerkriegs, stieg Lowe in Cincinnati im Bundesstaat Ohio auf und hoffte, irgendwo im Osten an der US-Ostküste anzukommen. Tatsächlich trugen ihn die Winde nach Südosten bis nach South Carolina, damals Teil der Konföderierten Staaten. Dort wurde er als Spion der Union verhaftet, aber bald wieder freigelassen.

Der russische Chemiker Dmitri Iwanowitsch Mendelejew oder Dmitrij Ivanovič Mendeleev (1834−1907) ist als „Vater“ des Periodensystems bekannt. Er war zudem wissenschaftlicher Berater der russischen Regierung und leitete von 1892 bis zu seinem Lebensende das russische Amt für Maße und Gewichte. Mendelejew beschäftigte sich auch mit Meteorologie. Ab 1871 untersuchte er Gase und hoffte, durch detaillierte Studien ihrer Kompressibilität und Ausdehnbarkeit die Existenz eines universellen Äthers nachzuweisen. Er nahm an, atmosphärische Gase würden sich ab einer bestimmten Höhe nicht weiter ausdehnen und dort die Grenze zwischen Atmosphäre und Äther markieren. Diese Experimente blieben erfolglos.

Anschließend untersuchte Mendelejew Gase im „natürlichen Labor“ der Erdatmosphäre. Er vermutete eine Wärmequelle in der oberen Atmosphäre und hielt die Temperaturänderung in verschiedenen Luftschichten für entscheidend zum Verständnis des Wetters. Da direkte Beobachtungen vom Boden aus nicht möglich waren, plante er wissenschaftliche Ballonflüge, erhielt zunächst aber keine Finanzierung. In der 1880 gegründeten Sektion für Aerostatik der Russischen Technischen Gesellschaft konnte er schließlich an Ballonflügen teilnehmen. 1887 führte er während einer Sonnenfinsternis Messungen von einem Ballon aus durch. Der Ballon startete in Klin bei Moskau und erreichte 3350 Meter Höhe.

Der russische Meteorologe Michail Alexandrowitsch Rykatschew (1841−1919) führte am Zentralen Geophysikalischen Observatorium in Sankt Petersburg aerologische Messungen mit einem Ballon durch. Er verwendete ein Thermometer mit spiralförmigem Behälter, das schneller auf die Umgebungstemperatur reagierte. Seinen ersten Flug unternahm er am 21. Mai 1868.

Besonders interessant war der Flug vom 1. Juni 1873. Der Ballon startete von einer Wiese nahe der Militärschule Pawlow in Sankt Petersburg und erreichte 4046 Meter über dem Meeresspiegel; dort betrug die Temperatur −8 °C. Zunächst wurde der Ballon nach Westen getragen und kehrte dann nach Südosten zurück. Aufgrund dieser Umkehr blieb er in Stadtnähe und konnte mit Theodoliten aus Pulkowo, Kronstadt und Sankt Petersburg verfolgt werden. Dadurch ließen sich Flughöhe und Windgeschwindigkeit berechnen sowie Rykatschews visuelle Geschwindigkeitsbestimmungen überprüfen.

Rykatschew arbeitete außerdem an der Neuorganisation des Netzes lokaler Wetterbeobachtungsstationen. 1876 wurde er für Sturmwarnungen zuständig, 1896 zum Direktor des Zentralen Geophysikalischen Observatoriums ernannt. Neben der Meteorologie befasste er sich mit Hydrologie und führte 1897 das erste öffentliche Warnsystem an der Newa ein, besonders wichtig für Sankt Petersburg. Er verfeinerte die hypsometrische Gleichung von Laplace, die den Zusammenhang zwischen atmosphärischem Druck und geometrischer Höhe beschreibt. 1904 und 1905 nutzte er Drachen, um Instrumente für Messungen in Pawlowsk bei Sankt Petersburg in die Höhe zu bringen.

Flammarion und Tissandier

Der französische Astronom Camille Flammarion (1842−1925) befasste sich auch mit Klimatologie und Meteorologie. Er untersuchte den Einfluss der Sonne auf die Erde und den elfjährigen Sonnenzyklus. 1867 und 1868 unternahm er mit dem bekannten französischen Aeronauten Eugène Godard (1827−1890) acht wissenschaftliche Ballonfahrten über Paris. Er sammelte ähnliche Beobachtungen wie Glaisher, obwohl der Ballon nur geringe Höhen erreichte. In seinem Buch „L’Atmosphère“ veröffentlichte Flammarion eine Sammlung von 50 Berichten über Kugelblitze. Das Werk behandelte verschiedene Themen der Atmosphäre in journalistischem und populärwissenschaftlichem Stil. Glaisher gab die englische Fassung heraus, die 1873 in London erschien.

Das große Interesse an der Meteorologie veranlasste den französischen Chemiker und Meteorologen Gaston Tissandier (1843−1899), Ballonfahrer zu werden. Bei seiner ersten Fahrt 1868 von Calais aus trieb er zunächst über das Meer, geriet dann aber in eine gegenläufige Luftströmung, die ihn zurück an Land brachte. In den 1870er-Jahren unternahm er zahlreiche Aufstiege mit seinem Ballon „Zénith“.

Vom 23. bis 24. März 1875 stiegen Tissandier, sein Bruder, der französische Architekt und Luftschiffer Albert Tissandier (1839−1906), und mehrere Kollegen auf. Sie wollten meteorologische Beobachtungen durchführen und führten Thermometer, Barometer und Taupunkt-Hygrometer mit. Luftdruck, Temperatur und Wetter entlang der Flugbahn wurden auf Formularen notiert, die man über Bord warf – in der Hoffnung, sie würden geborgen und nach Paris weitergeleitet. Während des Fluges erreichte der Ballon 1100 Meter Höhe.

Am 15. April 1875 kam es zur Katastrophe: Gaston Tissandier stieg mit zwei Kollegen bis auf 8600 Meter auf. Seine Kollegen starben in der dünnen Luft, Tissandier überlebte, wurde infolge des Fluges jedoch taub. Er publizierte mehrere Berichte über seine Ballonfahrten und gründete das wissenschaftliche Magazin „La Nature“, das er bis 1896 herausgab. Während einer Fahrt 1873 beobachtete er das optische Phänomen der „Glorie“ und veröffentlichte eine Zeichnung davon in seinem 1887 erschienenen Buch „Histoire de mes ascensions“. Anfang der 1880er-Jahre wandten sich die Brüder Tissandier steuerbaren Luftschiffen mit einem von einem kleinen Elektromotor angetriebenen Propeller zu. 1883 gelang ihnen ein erfolgreicher Flug mit einem solchen Elektroluftschiff.

Die Serie „Geschichte der Meteorologie“ wird fortgesetzt. Der nächste Teil widmet sich unter anderem der Entwicklung der Telegraphie, mit der meteorologische Beobachtungen und Daten erstmals rasch über große Distanzen verbreitet werden konnten.

Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.10.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Quelle: Deutscher Wetterdienst – Thema des Tages vom 10.10.2026. DWD-Text unter CC BY 4.0, redaktionell bearbeitet: Zwischenüberschriften und Absätze ergänzt, Schreibweise vereinheitlicht und Formulierungen gestrafft; den Zusammenhang von Gasvolumen und Temperatur bei konstantem Druck fachlich präzisiert; das Datum der bekannten Höhenfahrt von Glaisher und Coxwell anhand des Met Office von Juli auf den 5. September 1862 korrigiert. Eine historische DWD-Abbildung aus einer gemeinfreien Rijksmuseum-Vorlage lokal gespeichert und skaliert; vollständiger Bildnachweis an der Abbildung.

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/10/James-Glaisher-und-Henry-Coxwell-im-Ballon-ca.-1864.jpg 1021 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-10-10 12:00:002026-10-10 19:12:41Geschichte der Meteorologie − Teil 18: Aerologie im 18. und 19. Jahrhundert

Herbstgewitter über der Nordsee – Das Meer als Gewittermotor

9. Oktober 2026/0 Kommentare/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Heute und am Wochenende kommt es vor allem im Nordseeumfeld zu Gewittern, auch nachts. Über dem Festland hingegen sind nur ganz vereinzelt Gewitter zu erwarten, die zum Abend hin abklingen. Das ist vor allem im Herbst ein typisches Phänomen. Aber warum ist das so?

Für die Entstehung von Gewittern sind drei Zutaten wichtig: Labilität, Feuchtigkeit und Hebung. In einer labil geschichteten Atmosphäre kann angehobene Luft wärmer und damit weniger dicht sein als ihre Umgebung. Sie steigt dann aufgrund ihres Auftriebs weiter auf. Ein großer Temperaturunterschied zwischen den unteren und oberen Luftschichten kann diese Labilität begünstigen. Damit steigt auch das Potenzial für kräftige konvektive Aufwinde und eine energiereiche Gewitterentwicklung, siehe beispielsweise das Thema des Tages vom 13.08.2026.

Warme Nordsee und kühle Polarluft

Der Herbst zeigt sich in Mitteleuropa von unterschiedlichen Seiten. Da ist zum einen der goldene Herbst mit Hochdruckwetter, viel Sonnenschein, kalten Nächten und angenehm warmen Tagen. Im weiteren Herbstverlauf, wenn die Nächte immer länger werden, dominieren unter Hochdruckeinfluss dagegen häufig Dauergrau, Nebel und Hochnebel. Doch der Herbst hat noch eine andere Seite: die Herbststürme.

Aktuell befindet sich Sturmtief GABRIELA bei Island. Das zugehörige Frontensystem hat den Nordwesten Deutschlands bereits erfasst und verlagert sich im weiteren Verlauf südostwärts in Richtung Alpen. Rückseitig der Kaltfront, die heute Abend die Nordseeküste erreicht, strömt mit kräftigem Wind kühle Polarluft ein. Über der vergleichsweise warmen Nordsee wird diese Luftmasse von unten erwärmt. Die bodennahen Luftschichten werden dadurch zunehmend labilisiert – die erste wichtige Zutat für kräftige Schauer und Gewitter ist vorhanden.

Die zweite Zutat, die Feuchtigkeit, scheint über dem Meer zunächst selbstverständlich. Doch gerade im Herbst kann die Nordsee besonders viel Feuchtigkeit an die Atmosphäre abgeben. Im Laufe des Frühjahrs und Sommers erwärmt sich das Wasser durch die Sonneneinstrahlung. Da Wasser eine hohe Wärmekapazität besitzt, speichert es die Wärme lange und gibt sie nur langsam wieder ab. So bleibt das Meer auch dann noch warm, wenn die Lufttemperaturen bereits deutlich zurückgehen. Im September 2026 lagen die mittleren Meeresoberflächentemperaturen der Nordsee nach den im DWD-Original gezeigten BSH-Auswertungen regional etwa 1 bis 4 Grad über dem klimatologischen Mittel.

Küstenkonvergenz als Auslöser für Gewitter

Zu guter Letzt braucht es noch einen Auslöser, der die feuchtwarme Luft zum Aufsteigen bringt. Diese Hebung kann auf unterschiedliche Weise entstehen. Zum einen sorgen dynamische Prozesse in der Atmosphäre für aufsteigende Luftbewegungen. So kann beispielsweise vor einem Höhentrog durch Divergenz in der Höhenströmung Hebung ausgelöst werden. Zum anderen können bodennahe Prozesse eine wichtige Rolle spielen. Im Zusammenhang mit Gewittern über dem Meer ist hier insbesondere die Küstenkonvergenz zu nennen, siehe auch das Thema des Tages vom 08.12.2020.

Bei einer Konvergenz strömt Luft am Boden zusammen und wird dadurch zum Aufsteigen gezwungen. Auch bei Reibungsstau spricht man von Konvergenz. Dabei müssen Luftmassen nicht aus entgegengesetzten Richtungen zusammenströmen: Es trifft schnellere Luft auf langsamere. Über Land wird der Wind durch die größere Bodenreibung stärker abgebremst als über der vergleichsweise glatten Meeresoberfläche. Strömt die Luft vom Meer auf die Küste zu, kann sie sich deshalb im Küstenbereich stauen. Es entsteht eine Konvergenzlinie, die häufig parallel zum Küstenverlauf ausgerichtet ist. Besonders ausgeprägt kann dieser Effekt an Steilküsten sein, die direkt vom Wind angeströmt werden. Die erzwungene Hebung kann dort die Entwicklung von Schauern und Gewittern begünstigen.

Warum Herbstgewitter auch nachts aktiv bleiben

Doch warum bleiben Gewitter über dem Meer auch nachts aktiv, während Gewitterzellen über Land nach Sonnenuntergang häufig an Intensität verlieren? Über Land kühlt die Erdoberfläche bei klarem Himmel rasch ab. Dadurch wird auch die bodennahe Luft kälter, und die Atmosphäre kann sich stabilisieren. Häufig bildet sich eine Bodeninversion, bei der die Temperatur mit der Höhe zunächst zunimmt. Die für kräftige Aufwinde notwendige bodennahe Labilität nimmt ab – eine wichtige Voraussetzung für die Gewitterentwicklung geht verloren.

Über dem Meer sieht das anders aus. Die Wasseroberfläche kühlt nachts deutlich langsamer ab als das Land. Ist die einströmende Luft kälter als das Meer, wird sie weiterhin von unten erwärmt. Die bodennahe Labilität bleibt erhalten, sodass sich auch nach Einbruch der Dunkelheit neue Schauer und Gewitter entwickeln können. Das ist in der kommenden Nacht zu erwarten. Die prognostizierten Temperatur- und Taupunktprofile für die Deutsche Bucht und Schleswig verdeutlichen den Unterschied zwischen dem maritim beeinflussten Standort und dem Festland. Es handelt sich um Modellprognosen, nicht um gemessene Radiosondenaufstiege.

Prognostizierte Temperatur- und Taupunktprofile für die Deutsche Bucht und Schleswig: Vergleich der nächtlichen Schichtung im Nordseeumfeld und über dem Festland.
Prognostizierter vertikaler Verlauf von Temperatur und Taupunkt für die Deutsche Bucht und Schleswig. Quelle: Deutscher Wetterdienst, CC BY 4.0. Für die lokale Darstellung skaliert; Inhalt unverändert.

In der kommenden Nacht zum Samstag und auch noch weiter am Wochenende sind alle Voraussetzungen für Herbstgewitter über der Nordsee gegeben. Die durch das Sturmtief bei Island bedingten kräftigen Winde werden durch die Gewitteraktivität zusätzlich verstärkt, sodass in der Umgebung von Gewittern Sturmböen bis 85 Kilometer pro Stunde auftreten können. Nachts verlagert sich die Gewitteraktivität von küstennahen Gebieten über dem Festland weiter in Richtung Inseln und offene See. Dann lässt sich am nächtlichen Himmel mit Blick von der Küste zur See Wetterleuchten beobachten.

ICON-D2-Prognose des signifikanten Wetters für den 10. Oktober 2026 um 00 und 04 Uhr MESZ mit Schauern und Gewittern im Nordseeumfeld.
Prognose des signifikanten Wetters des ICON-D2-Modells für den 10.10.2026 um 00 und 04 Uhr MESZ. Modelllauf: 09.10.2026, 09 UTC. Quelle: Deutscher Wetterdienst, CC BY 4.0. Für die lokale Darstellung skaliert; Inhalt unverändert.

MSc Sonja Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.10.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Quelle: Deutscher Wetterdienst – Thema des Tages vom 09.10.2026. Text redaktionell bearbeitet: Zwischenüberschriften und Absätze ergänzt, Grammatik korrigiert, die Beschreibung der Labilität präzisiert, regionale Meerestemperaturabweichungen klar bezeichnet, die Standortbezeichnung an die Profilgrafik angepasst und Modellprofile von gemessenen Radiosondenaufstiegen unterschieden. Zwei DWD-Prognosegrafiken lokal gespeichert und skaliert. Die KI-Illustration und die BSH-Grafik des Originals sind nicht übernommen. Lizenz: CC BY 4.0.

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/10/DWD-Herbstgewitter-Nordsee-ICON-D2-Prognose-10-Oktober-2026-scaled.png 1337 2560 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-10-09 12:00:002026-10-09 19:12:36Herbstgewitter über der Nordsee – Das Meer als Gewittermotor

Endlich Regen!

8. Oktober 2026/0 Kommentare/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Wann haben Sie sich denn zuletzt über Regen gefreut? „Felicia“ sorgt derzeit für dringend benötigte Niederschläge und einen markanten Wetterumschwung. Auf Regen folgen Wind und deutlich kühlere Luft. Auf den höchsten Alpengipfeln fallen sogar Schneeflocken.

Das Geräusch von prasselndem Regen ist selten geworden in den letzten Wochen und Monaten. Lange hat er auf sich warten lassen. Selbst der Start in den Herbst fiel trocken und deutlich zu warm aus. Nun öffnet der Himmel vielerorts endlich wieder seine Schleusen. Verantwortlich dafür ist Tief „Felicia“, das von Dänemark kommend über die Ostsee zieht und Deutschland dabei einen ordentlichen Wetterumschwung beschert.

Bodendruck und Fronten über Europa am 8. Oktober 2026, 12 UTC: Tief Felicia und der Zustrom maritimer Polarluft nach Deutschland.
DWD-Vorhersagekarte für Bodendruck und Luftmassengrenzen am Donnerstag, 08.10.2026, 12 UTC, auf Basis des ICON-Modelllaufs vom 07.10.2026, 00 UTC. Der blaue Pfeil zeigt den Zustrom maritimer Polarluft.
Quelle: Deutscher Wetterdienst, CC BY 4.0. Unverändert übernommen, Darstellung responsiv angepasst.

Regen nach den trockenen Wochen

Bereits in der vergangenen Nacht zum Donnerstag (08.10.2026) griff der Ausläufer von „Felicia“ auf die Nordwesthälfte Deutschlands mit länger anhaltendem, teils kräftigem Regen über. Dabei kamen von der Eifel bis zum Teutoburger Wald gebietsweise 20 bis 30 Liter pro Quadratmeter in 12 Stunden zusammen. An der Station Essen-Bredeney wurden durch wiederholt kräftige Schauer sogar 40 Liter pro Quadratmeter registriert.

DWD-Radaranimation des Regengebiets über Deutschland vom 7. Oktober 2026, 18 Uhr, bis 8. Oktober 2026, 12 Uhr MESZ.
Deutschland-Radarfilm von Mittwoch, 07.10.2026, 18 Uhr, bis Donnerstag, 08.10.2026, 12 Uhr MESZ.
Quelle: Deutscher Wetterdienst, CC BY 4.0. Unverändert übernommen, Darstellung responsiv angepasst.

Im heutigen Tagesverlauf zieht das Regengebiet dann weiter ost- bis südostwärts. Besonders am Alpenrand kann dabei erneut einiges zusammenkommen: Von Donnerstagmittag bis in die Nacht zum Freitag sind dort verbreitet 30 bis 40 Liter Regen pro Quadratmeter möglich, in Staulagen sogar um 50 Liter. Auch im Schwarzwald werden tagsüber voraussichtlich die DWD-Warnschwellen für Dauerregen erreicht, wenngleich die Mengen etwas geringer ausfallen als am Alpenrand. Allerdings bietet der fallende Regen wohl eher Grund zur Freude, lindert er doch die weiterhin gebietsweise vorherrschende große Trockenheit ein wenig.

DWD-Warnkarte vom 8. Oktober 2026 mit Dauerregen im Schwarzwald und an den Alpen sowie Wind- und Sturmwarnungen an Küsten und in Mittelgebirgen.
DWD-Warnkarte vom 08.10.2026: Dauerregen im Schwarzwald und an den Alpen sowie Wind- und Sturmwarnungen an Küsten und in Mittelgebirgen. Die Karte dokumentiert den Stand zum Veröffentlichungszeitpunkt des DWD-Artikels.
Quelle: Deutscher Wetterdienst, CC BY 4.0. Unverändert übernommen, Darstellung responsiv angepasst.

Wind, kühlere Luft und Schnee auf den Alpengipfeln

Doch „Felicia“ hat noch mehr im Gepäck. Hinter ihrem Ausläufer strömt deutlich kühlere Luft nach Deutschland. Während es an der Neiße heute noch einmal bis zu 22 Grad warm werden kann, liegen die Höchstwerte im Westen und Norden nur noch zwischen 12 und 16 Grad. Binnen eines Tages geht es also teilweise um fast zehn Kelvin, also um fast zehn Grad Temperaturunterschied, bergab. Der Herbst zeigt damit ziemlich eindrucksvoll, dass er nicht nur auf dem Kalender angekommen ist.

Mit der kühleren Luft frischt außerdem der Wind auf. Zwischen dem Tief über der Ostsee und höherem Luftdruck vor der Iberischen Halbinsel entsteht über Deutschland ein signifikantes Luftdruckgefälle. An den Küsten und im höheren Bergland sind deshalb stürmische Böen, vereinzelt sogar Sturmböen möglich. Im Binnenland fällt der Wind meist etwas schwächer aus, aber auch dort können in Schauernähe einzelne steife Böen auftreten.

Und was passiert mit dem Regen? Von Nordwesten her geht er zunehmend in Schauer über, örtlich sind auch Gewitter dabei. In der Nacht zum Freitag beruhigt sich das Wetter dann allmählich. Die Niederschläge lassen vielerorts nach, der Wind nimmt ab und örtlich kann sich Nebel bilden.

An den Alpen bleibt es dagegen nass. Dort sinkt die Schneefallgrenze mit der einströmenden maritimen Polarluft auf etwa 1800 Meter. Auf den höchsten Gipfeln kann deshalb Schnee fallen. Während es im Tal also noch regnet, könnte sich die Landschaft auf den Gipfeln schon in winterliches Weiß verwandeln.

DWD-Vorhersagekarte für Bodendruck und Fronten über Europa am 10. Oktober 2026, 12 UTC, mit Tief Gabriela.
DWD-Vorhersagekarte für Bodendruck und Luftmassengrenzen am Samstag, 10.10.2026, 12 UTC, auf Basis des ICON-Modelllaufs vom 08.10.2026, 00 UTC.
Quelle: Deutscher Wetterdienst, CC BY 4.0. Unverändert übernommen, Darstellung responsiv angepasst.

Tief „Gabriela“ bringt am Wochenende weiteren Regen

Doch mit „Felicia“ ist die wechselhafte Witterung nicht vorbei. Das nächste Tief steht bereits in den Startlöchern: Bei Grönland macht sich „Gabriela“ auf den Weg. Am Samstag zieht es in den Süden Skandinaviens, am Sonntag weiter zur Ostsee. Sein Frontensystem erreicht Deutschland bereits ab Freitag und bringt erneut Regen, Wind und vor allem im Küstenumfeld auch Gewitter.

Erst im Laufe des Sonntags deutet sich von Südwesten her eine Wetterberuhigung an. Dann lässt der Wind nach, die Niederschläge werden weniger und der Luftdruck steigt. Doch Hochdruck bedeutet im Herbst nicht automatisch strahlenden Sonnenschein. Wenn die Nächte länger werden und die Sonne tiefer steht, kann sich bei schwachem Wind leicht Nebel bilden. Dieser kann sich dann hartnäckig halten und mancherorts sogar bis in die Mittagsstunden bestehen bleiben.

Temperaturmäßig bleibt es zunächst herbstlich: Die Höchstwerte liegen meist zwischen 12 und 18 Grad, nachts werden überwiegend einstellige Plusgrade erreicht. In der Nacht zum Dienstag könnte es im Süden bei Aufklaren sogar örtlich für leichten Frost in Bodennähe reichen.

So bringt „Felicia“ heute also gleich mehrere Zutaten für einen echten Wetterumschwung: Regen, Wind, kühlere Luft und auf den Alpen sogar Schneeflocken. Nach den ungewöhnlich warmen und trockenen Wochen dürfte das Prasseln des Regens heute vielerorts deshalb vor allem eines sein: ein willkommenes Geräusch.

M.Sc. Met. Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.10.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Quelle: Deutscher Wetterdienst – Thema des Tages vom 08.10.2026. Text redaktionell bearbeitet: Zwischenüberschriften ergänzt, Grammatik und die Erläuterung des Temperaturunterschieds korrigiert; die unbelegte Einordnung als erster Schnee der Saison entfällt. Die Warnkarte ist als historische Momentaufnahme gekennzeichnet. DWD-Grafiken unverändert übernommen, lokal gespeichert und responsiv dargestellt. Lizenz: CC BY 4.0.

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/10/DWD-Wetterkarte-Tief-Felicia-8-Oktober-2026.png 720 1012 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-10-08 12:00:002026-10-08 15:53:00Endlich Regen!

Ist der Himmel wirklich blau?

7. Oktober 2026/0 Kommentare/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Wenn wir in den Himmel blicken, sehen wir ein strahlendes Blau, dabei ist unsere Atmosphäre eigentlich farblos. Und auch das Sonnenlicht erscheint weiß. Woher kommt also die blaue Farbe?

Unser Sonnenlicht besteht eigentlich aus verschiedenen Farben, den sogenannten Spektralfarben. Bei einem Regenbogen können wir diese sehen: Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau und Violett. Alle diese Farben haben unterschiedliche Wellenlängen, die von Rot zu Violett abnehmen. Rotes Licht hat also eine lange, violettes Licht eine kurze Wellenlänge.

Auf dem Weg durch die Atmosphäre trifft das Sonnenlicht auf die Luftmoleküle und wird gestreut. Diese sogenannte Rayleigh-Streuung ist abhängig von der Wellenlänge des Lichts. Die kurzwellige blaue Strahlung wird rund 16-mal stärker gestreut als das langwellige rote Licht. Durch die stärkere Streuung verteilt sich der blaue Anteil des Lichts in alle Richtungen und erreicht unser Auge aus nahezu jeder Blickrichtung. Deshalb sieht der Himmel für uns blau aus. Ohne Atmosphäre wäre er selbst am Tag schwarz. Wenn die Sonne dann untergeht, muss das Licht einen viel längeren Weg durch die Atmosphäre zurücklegen. Dabei wird der blaue Anteil bereits zu Beginn des Weges durch die Atmosphäre so stark gestreut, dass nur noch der rote und orangene Lichtanteil unser Auge erreicht und der Abendhimmel erscheint für uns rot-orange.

Auf den DWD-Webcam-Bildern aus Schmücke lässt sich das beobachten. Am Dienstag um 10 Uhr war der Himmel tiefblau, während er sich am Sonntag zum Sonnenuntergang rot-orange zeigte.

Strahlend tiefblauer Himmel an der Wetterstation Schmücke am 06.10.2026

Abendrot am 04.10.2026 an der Wetterstation Schmücke


Die Rayleigh-Streuung erklärt also, warum der Himmel mal tiefblau und mal leuchtend rot aussieht. Doch die Webcam zeigt auch Bilder, auf denen der Himmel milchig wirkt. Obwohl es sich um den gleichen Standort und in etwa die gleiche Tageszeit handelt, sah der Himmel hier am 12. Juli doch ganz anders aus als am vergangenen Dienstag. Was hat sich verändert, dass der Himmel nicht gleich blau ist?

Verantwortlich ist die Zusammensetzung der Atmosphäre. Auf seinem Weg durch die Atmosphäre wird Licht nämlich nicht nur an Molekülen, sondern auch an größeren Partikeln wie Wassertropfen oder Staub gestreut. Die hier auftretende Streuung nennt sich Mie-Streuung. Im Gegensatz zur Rayleigh-Streuung ist sie aber weitgehend wellenlängenunabhängig. Jeder Farbanteil des Lichts wird also zu ähnlichen Anteilen gestreut. Es kommen alle Wellenlängen an unserem Auge an und überlagern sich dort, sodass wir den Himmel weiß wahrnehmen. Deshalb ist die Farbe auf dem Webcam-Bild weiß und hellblau.

milchiger Himmel auf Grund der Mie-Streuung am 12.07.2026 an der Wetterstation Schmücke


Die Farbe des Himmels zeigt also den Zustand der Atmosphäre an. Bei einer sehr trockenen Atmosphäre gibt es kaum Wassertropfen oder andere große Partikel, an denen die Mie-Streuung auftreten kann, die Rayleigh-Streuung dominiert und der Himmel ist tiefblau. Je höher aber der Wassergehalt der Luft wird, desto mehr Wassertropfen befinden sich in der Atmosphäre. Das Licht wird gleichmäßig gestreut und der Himmel erscheint milchig.

Vor allem wenn jetzt dann im Herbst und Winter kalte, trockene Luftmassen zu uns kommen, können wir den strahlend blauen Himmel bewundern. In den nächsten Tagen werden wir davon nichts zu sehen bekommen, denn dank Tief FELICIA ziehenden Wolken, Schauer und feuchten Luftmassen auf, die uns den Blick auf einen blauen Himmel versperren.

Lea Friedel / M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.10.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/10/Ist-der-Himmel-wirklich-blau-1.jpg 675 1200 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-10-07 12:00:122026-10-07 16:58:14Ist der Himmel wirklich blau?

Niederschlagsdefizit – Was bringt der Wetterwechsel

6. Oktober 2026/0 Kommentare/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Seit dem Frühling gibt es in der Mitte und im Süden des Landes ein enormes Niederschlagsdefizit. Der bevorstehende unbeständige Wetterabschnitt ist allenfalls der erste Schritt zu einer möglichen Normalisierung.

Das derzeitige Niederschlagsdefizit im Süden und Südwesten des Landes ist immens. Bereits seit dem Frühling fehlen dort Monat für Monat Niederschläge. Gleichzeitig war die Verdunstung in dem heißen und sonnigen Sommer überdurchschnittlich hoch. Die Karten der „Klimatischen Wasserbilanz“ zeigen das Defizit für den Frühling und den Sommer. Im Süden und Südwesten betrug das Defizit im Frühling verbreitet 50 bis 250 Millimeter. Im Sommer fehlten verbreitet 125 bis 250 Millimeter, am Alpenrand und im Schwarzwald war das Defizit sogar noch größer. Summiert beträgt das Defizit gebietsweise 200 bis 500 Millimeter oder anders ausgedrückt: Es fehlen mehrere Monate Niederschlag.

Klimatische Wasserbilanz für Frühling und Sommer 2026 mit großen Wasserdefiziten im Süden und Südwesten Deutschlands. Quelle: Deutscher Wetterdienst.
Klimatische Wasserbilanz für Frühling und Sommer 2026.
Quelle: Deutscher Wetterdienst, CC BY 4.0. Unverändert übernommen, Darstellung responsiv angepasst.

Die Folgen zeigen sich an vielen Stellen. Wenig überraschend herrscht seit Längerem in großen Teilen des Südens, aber auch in anderen Regionen Deutschlands Trockenstress für die Vegetation. Die Böden sind teils bis in große Tiefe ausgetrocknet. Vor allem im Saarland, in Rheinland-Pfalz, Südhessen und Baden-Württemberg sowie in Bayern ist der Trockenstress teilweise extrem. Anschaulich zeigt dies die Flächendarstellung der Bodenfeuchte unter Gras in 20 bis 30 Zentimeter Tiefe.

Bodenfeuchte unter Gras in 20 bis 30 Zentimeter Tiefe am 4. Oktober 2026 mit teils extremem Trockenstress im Süden und Südwesten Deutschlands. Quelle: Deutscher Wetterdienst.
Bodenfeuchte unter Gras in 20 bis 30 Zentimeter Tiefe am 04.10.2026.
Quelle: Deutscher Wetterdienst, CC BY 4.0. Unverändert übernommen, Darstellung responsiv angepasst.

Exemplarisch zeigt die folgende Grafik die Entwicklung der Bodenfeuchte unter Gras für Lahr im Oberrheingraben und Augsburg in Bayern. Die Kurve seit Jahresbeginn zeigt für beide Stationen einen ähnlichen Verlauf. Zuletzt wurde im März eine überdurchschnittliche Feuchte gemessen. Seitdem ist der Boden trockener als im Mittel. Häufig bewegte sich die Feuchte nahe am Minimum für den Vergleichszeitraum von 1991–2020. Aktuell wird erneut beziehungsweise immer noch eine sehr niedrige Feuchte verzeichnet.

Verlauf der Bodenfeuchte unter Gras im Jahr 2026 an den Stationen Lahr und Augsburg. Quelle: Deutscher Wetterdienst.
Verlauf der Bodenfeuchte unter Gras 2026 in Lahr und Augsburg.
Quelle: Deutscher Wetterdienst, CC BY 4.0. Unverändert übernommen, Darstellung responsiv angepasst.

Eine weitere Folge der ausbleibenden Niederschläge sind tiefe Grundwasserstände. Die Grundwasserstände sinken seit dem Frühjahr – abgesehen von kurzen Unterbrechungen durch Schauer oder Gewitter – meist kontinuierlich und haben in den besonders trockenen Regionen teils neue Tiefststände erreicht. Ein Beispiel hierfür ist Riedheim nahe der Donau zwischen Ulm und Donauwörth in Bayern.

Auch führen die großen Flüsse in Deutschland weiterhin Niedrigwasser, teils werden neue Rekordtiefststände für die Jahreszeit gemessen. Auf dem Bodensee musste wegen des tiefen Pegels gebietsweise die Schifffahrt eingestellt werden. Etwa einen Meter niedriger als zu dieser Jahreszeit üblich liegt der Seespiegel. Den niedrigsten Stand erreicht der Bodensee normalerweise erst im Februar oder März, kurz vor Beginn der Schneeschmelze in den Alpen.

Der Blick auf die zukünftigen Wetteraussichten zeigt eine Umstellung zur Wochenmitte. Statt Hochdruckeinfluss setzt sich von Westen zunehmend Tiefdruckeinfluss durch. Ein kräftiges Tief zieht von Frankreich nach Schweden und bringt landesweit unbeständiges Wetter. Beginnend ab Mittwochabend breiten sich im Westen Regen und auch einzelne Gewitter ostwärts aus. Bis Ende der Woche bleibt es unbeständig und zudem deutlich kälter als aktuell. Die Niederschläge werden aber wenig überraschend nicht gleichmäßig verteilt sein. Besonders nass wird es im Nordseeumfeld, wo das vergleichsweise warme Wasser die Konvektion verstärkt. Ein weiterer Schwerpunkt wird sehr wahrscheinlich der Alpenrand sein; dort verhilft der Anstau zu höheren Niederschlagsmengen. Ansonsten gilt als grobe Regel: Je weiter westlich, desto mehr Niederschlag.

Simulierte Niederschlagssummen bis zur Nacht auf den 12. Oktober 2026 mit Schwerpunkten an Nordsee und Alpenrand. Quelle: Deutscher Wetterdienst.
Simulierte Niederschläge bis zur Nacht auf Montag, 12.10.2026.
Quelle: Deutscher Wetterdienst, CC BY 4.0. Unverändert übernommen, Darstellung responsiv angepasst.

Bis Ende der Woche simulieren die verschiedenen Modelle an Nordsee und Alpenrand 40 bis 60 Liter pro Quadratmeter, lokal um 80 Liter pro Quadratmeter, ansonsten im Westen 15 bis 40 Liter pro Quadratmeter und im Osten 3 bis 20 Liter pro Quadratmeter. Das vorhandene Defizit wird dadurch bei Weitem nicht ausgeglichen. Zumindest ein erster Schritt ist damit aber getan.

M.Sc. Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.10.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Weitere Informationen:
Klimatische Wasserbilanz
Bodenfeuchte-Viewer
Grundwasser Bayern

Quelle: Deutscher Wetterdienst – Thema des Tages vom 06.10.2026. Text redaktionell bearbeitet: Abbildungsbezüge und Abkürzungen für die Webdarstellung angepasst; die Fremdgrafik des Bayerischen Landesamts für Umwelt wurde mangels separat belegter Lizenz nicht übernommen. Verwendete DWD-Grafiken unverändert übernommen, lokal gespeichert und responsiv dargestellt. Lizenz: CC BY 4.0.

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/10/DWD-Klimatische-Wasserbilanz-Fruehjahr-und-Sommer-2026.png 570 781 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-10-06 12:00:002026-10-06 19:11:14Niederschlagsdefizit – Was bringt der Wetterwechsel

Wetterentwicklung

5. Oktober 2026/0 Kommentare/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Aktuell gestaltet sich das Wetter durch doch recht ausgedehnte Frühnebelfelder leicht herbstlich. Im Einflussbereich einer Hochdruckzone namens DIETER dominiert nach deren Auflösung aber häufig freundliches bis sonniges Wetter. Bemerkenswert sind dabei die noch sehr milden Temperaturen mit Tageshöchstwerten oftmals um 20, vor allem im Süden teils bis 24 Grad.

Am heutigen Montag hat zunächst ein Tief in höheren Luftschichten im Süden für mehr Bewölkung und bis in die Mittagsstunden auch noch für Schauer oder schauerartigen Regen gesorgt. Nachfolgend setzt sich auch dort erst einmal das freundliche Herbstwetter durch. Nachts bildet sich Nebel. Das angesprochene Tief in höheren Luftschichten kann aber am Dienstagnachmittag und -abend im Südosten und insbesondere im Alpenraum erneut für Quellwolken und einzelne Schauer oder vereinzelte Gewitter sorgen. Auch im Norden ist das Herbstwetter meist nicht ganz so freundlich. Dort schleifen Frontensysteme mit häufig stärkerer Bewölkung und zeitweise etwas Regen.

Die interessanteste Wetterentwicklung dieser Woche steht uns in der zweiten Wochenhälfte ins Haus. Dann bildet sich an einem langgezogenen Frontensystem über der südlichen Nordsee ein Tiefdruckgebiet, das sich zum Donnerstag noch etwas verstärken kann und ostwärts Richtung Ostsee zieht. Die dazugehörende Kaltfront überquert Deutschland ab Mittwochabend von Nordwest nach Südost. Der Alpenrand wird voraussichtlich Donnerstag früh oder am Vormittag erreicht. Im Vorfeld der Front können Mittwochabend im Westen und Südwesten bereits Schauer und einzelne Gewitter auftreten.

Insgesamt regnet es an der Front in der Nacht zum Donnerstag und am Donnerstag verbreitet, teils schauerartig verstärkt, anfangs lokal gewittrig und insbesondere am Alpenrand auch anhaltender bis in den Freitag. Zudem fließt frontrückseitig mit einer nördlichen bis nordwestlichen Strömung deutlich kühlere Luft ein. Damit ist dann ab Donnerstag Schluss mit den sehr milden Temperaturen. Wir bewegen uns dann in einem der Jahreszeit eher entsprechenden Bereich meist zwischen 13 und 16 Grad. Außerdem sorgt die Abkühlung bei anhaltenden Niederschlägen in der Nacht zum Freitag wahrscheinlich auch für ein Absinken der Schneefallgrenze in den Alpen auf Werte um 1500 Meter.

DWD-Vorhersage der Bodenwetterkarte für den 7. Oktober 2026 um 12 UTC: Tief über der südlichen Nordsee und Frontensystem über Mitteleuropa.
Vorhersage der Bodenwetterkarte für Mittwoch, 07.10.2026, 12 UTC (14 Uhr MESZ). 60-stündige Vorhersage vom 05.10.2026, 00 UTC.
Quelle: Deutscher Wetterdienst, CC BY 4.0. Unverändert übernommen, Darstellung responsiv angepasst.

Auch im weiteren Verlauf am kommenden Wochenende gestaltet sich das Wetter voraussichtlich eher wechselhaft. Die Temperaturen bewegen sich weiterhin etwa im jahreszeitlich normalen Rahmen.

Diplom-Meteorologin Sabine Krüger
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.10.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Quelle: Deutscher Wetterdienst – Thema des Tages vom 05.10.2026. Text redaktionell bearbeitet: Rechtschreibung und Satzgliederung angepasst, Absätze für die Lesbarkeit aufgeteilt. DWD-Grafik unverändert übernommen und responsiv dargestellt. Lizenz: CC BY 4.0.

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-10-05 12:00:002026-10-05 19:13:46Wetterentwicklung

Der dritte im Bunde – MTG-I2

4. Oktober 2026/0 Kommentare/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Am Abend des 27. August 2026 um 22:11 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit startete die europäische Ariane 6 Rakete vom Raumfahrtzentrum in Französisch-Guayana, an Bord der zweite sogenannte Imager Satellit MTG-I2 und damit der dritte und letzte Satellit im aktuellen MTG Satellitenverbund. Nach erfolgreichem Start der Ariane 6 Trägerrakete wurde MTG-I2 bei rund 2800 km Höhe in seine stark elliptische Transferumlaufbahn entlassen, um in den darauffolgenden Tagen mit eigenständigen Orbitalmanövern seinen geostationären Orbit bei knapp 36.000 km Höhe zu erreichen.

MTG-I2 folgt damit zum einen MTG-I1, welcher bereits im Dezember 2022 in Orbit gebracht wurde und zwei Jahre später vollständigen operationellen Betrieb aufnahm, einhergehend mit einer Umbenennung von MTG-I1 zu Meteosat-12. Zum anderen erfolgte der Start von MTG-I2 etwas mehr als ein Jahr nach dem erfolgreichen MTG-S1-Launch, über den Windinfo bereits berichtete. MTG-S1 hat vor zwei Monaten seine Inbetriebnahmephase abgeschlossen und befindet sich in seinem operationellen Orbit bei 2° Ost über dem Äquator, erste präoperationelle Datensätze sind bereits verfügbar. Mit seinem auf Interferometrie basierenden Hyperspektral-Infrarotsensor erfasst MTG-S1 vertikale Informationen über Temperatur und Feuchte sowie weitere atmosphärische Parameter und generiert so durch das Abtasten seines Blickfeldes dreidimensionale Scans der Atmosphäre. Ergänzt wird dies durch das Sentinel-4 UVN-Spektrometer, wobei UVN für Ultraviolett, sichtbares Licht (visible) und nahes Infrarot steht. Sentinel-4 liefert hochaufgelöste stündliche Messungen von wichtigen Spurengasen und Aerosolen und ermöglicht damit unter anderem eine detaillierte Beobachtung der Luftqualität und ihrer zeitlichen Entwicklung.

Illustration der drei Wettersatelliten MTG-I1, MTG-I2 und MTG-S1 mit Solarpaneelen und Messinstrumenten über der Erde.
Illustration der drei Meteosat-Satelliten der dritten Generation. Bild: ESA/Mlabspace; unverändert übernommen, responsiv dargestellt. Lizenz: CC BY-SA 3.0 IGO.

Sowohl Meteosat-12 als auch MTG-I2 befinden sich auf einer geostationären Umlaufbahn über dem Äquator. Meteosat-12 ist dabei auf dem Nullmeridian bei 0° Länge positioniert, während MTG-I2 im operationellen Betrieb bei 9,5° östlicher Länge stationiert sein wird. Das erste der beiden zentralen Messinstrumente an Bord von Meteosat-12 und MTG-I2 ist der „Flexible Combined Imager“ (FCI), eine Art Kamera, die in 16 Spektralkanälen Aufnahmen der ihr zugewandten Erdhemisphäre macht. Der FCI tastet sein Blickfeld dabei in einem alternierenden West-Ost und Ost-West-Muster ab und erfasst so innerhalb von 10 Minuten die gesamte Erdscheibe in allen 16 Spektralkanälen – vom sichtbaren Licht bis ins Infrarot.

Aus den einzelnen Spektralkanälen sowie aus geschickten Kombinationen mehrerer Kanäle lassen sich vielfältige Informationen insbesondere über Wolken, deren Struktur, Temperatur, Höhe und Zusammensetzung ableiten. Meteosat-12 liefert diese 10-minütigen Scans („Full Scan Disc Service – FSDS“) bereits seit 2024. Der FCI von MTG-I2 wird komplementär dazu im sogenannten „Rapid Scanning Service“ (RSS) alle 2,5 Minuten den europäischen Raum und angrenzende Gebiete abtasten, in manchen spektralen Kanälen auch mit einer höheren räumlichen Auflösung. Dadurch lassen sich beispielsweise Gewitterzellen in frühen Entwicklungsstadien detaillierter verfolgen und deren Lebenszyklen nahezu lückenlos aus dem Weltraum beobachten. Das zweite zentrale Messinstrument an Bord der beiden Satelliten ist der „Lightning Imager“ (LI), der mit seinen 4 Kameras quasi kontinuierlich die optischen Signale von Blitzentladungen registriert. Der FCI liefert somit Informationen über die physikalische Entwicklung der Gewitterwolke, während die vom LI gemessene Blitzaktivität Hinweise auf die Stärke und Entwicklung der darin ablaufenden Konvektion gibt. Selbstverständlich gibt es abgesehen von diesem Fokus auf das konvektive Wettergeschehen eine Vielzahl weiterer Anwendungsmöglichkeiten der umfangreichen Messungen der beiden Satelliten.

Dr. Thorsten Kaluza (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.10.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Weitere Informationen: DWD-Thema des Tages vom 06.07.2025 zum Start von MTG-S1.

Quelle: Deutscher Wetterdienst – Thema des Tages vom 04.10.2026, Dr. Thorsten Kaluza. Text unter CC BY 4.0, redaktionell bearbeitet: Schreibweise und Absatzstruktur angepasst; Startzeit nach ESA-Startmeldung auf 22:11 Uhr MESZ korrigiert. Die EUMETSAT-Animation wurde mangels belegter Nutzungsfreigabe nicht übernommen. Die ESA-Illustration unterliegt der gesondert angegebenen Bildlizenz.

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/10/MTG-Satellitenkonstellation-–-ESAMlabspace.jpg 1081 1920 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-10-04 15:02:452026-10-04 19:14:23Der dritte im Bunde – MTG-I2

Schmutzwasserpumpe für große Wassermengen richtig dimensionieren

3. Oktober 2026/in Tipps & Tricks, Wetter/von Cathy
Überflutete Straße bei Windsor in Australien mit einer Absperrung im Wasser
Symbolbild: Überschwemmte Straße bei Windsor, Australien, Juli 2022. Foto: Wes Warren / Unsplash.

Nach Starkregen, bei einem vollgelaufenen Keller oder beim Leerpumpen eines Beckens zählt nicht nur die Motorleistung. Entscheidend ist, wie viel Wasser innerhalb einer bestimmten Zeit gefördert werden muss und welche Höhe dabei zu überwinden ist. Eine zu kleine Pumpe verlängert den Einsatz unnötig. Ein überdimensioniertes Modell kann dagegen unnötige Anschaffungs- und Betriebskosten verursachen.

Wer für solche Arbeiten eine Schmutzwasserpumpe auswählt, sollte Fördermenge, Förderhöhe und die Beschaffenheit des Wassers gemeinsam betrachten. Erst aus diesen Angaben ergibt sich, welche Leistung für den konkreten Einsatz sinnvoll ist.

Rote und schwarze Schmutzwasserpumpe mit gelb-blauem Schwimmerschalter und Anschlusskabel
Schmutzwasserpumpe mit Schwimmerschalter.
Bild: bereitgestellt von Netpeak.

Fördermenge anhand der Wassermenge bestimmen

Die Fördermenge wird meist in Litern pro Stunde angegeben. Für einen kleinen Pumpensumpf reichen andere Werte als für einen überfluteten Keller mit mehreren Kubikmetern Wasser. Ein Kubikmeter entspricht 1.000 Litern.

Bei 10.000 Litern Wasser und einer gewünschten Entleerungszeit von zwei Stunden wird rechnerisch eine tatsächliche Förderleistung von mindestens 5.000 Litern pro Stunde benötigt. Dieser Wert muss unter den Bedingungen am Einsatzort erreicht werden. Schlauchlänge, Höhenunterschiede und Leitungswiderstände reduzieren die Fördermenge gegenüber dem angegebenen Maximalwert. Fließt weiterhin Wasser nach, muss die Pumpe zusätzlich diesen Zufluss bewältigen.

Vor dem Kauf lassen sich einige Daten direkt am Einsatzort erfassen:

  • Wassermenge oder ungefähres Volumen des zu entleerenden Bereichs bestimmen;
  • Höhenunterschied zwischen Wasseroberfläche und Auslaufstelle messen;
  • erforderliche Schlauchlänge festlegen;
  • Schlauchdurchmesser und Pumpenanschluss miteinander abstimmen;
  • gewünschte Dauer für das Abpumpen festlegen.

Diese Werte grenzen die passende Leistungsklasse deutlich ein. Eine hohe Fördermenge auf dem Datenblatt allein sagt noch nicht, wie viel Wasser unter realen Bedingungen am Schlauchende ankommt.

Förderhöhe und Höhenunterschied richtig einschätzen

Die Förderhöhe beschreibt die von der Pumpe erzeugte Druckhöhe. Sie muss sowohl den Höhenunterschied als auch die Druckverluste im Schlauchsystem abdecken. Die angegebene maximale Förderhöhe wird bei Kreiselpumpen praktisch ohne Durchfluss erreicht und ist daher kein geeigneter Betriebspunkt zum Abpumpen.

Muss das Wasser beispielsweise aus einem Keller auf Straßenniveau gepumpt werden, entsteht bereits durch den Höhenunterschied ein Leistungsbedarf. Lange Schläuche erhöhen zusätzlich den Widerstand. Auch enge Leitungen, Winkelstücke und Kupplungen beeinflussen den Durchfluss. Liegt die maximale Förderhöhe einer Pumpe nur knapp über dem tatsächlichen Höhenunterschied, kann die Fördermenge stark sinken.

Für größere Entfernungen ist deshalb ein Modell mit ausreichender Leistungsreserve sinnvoll. Die Förderkennlinie des Herstellers zeigt, welche Wassermenge bei einer bestimmten Förderhöhe erreicht wird. Die Verluste des verwendeten Schlauchsystems müssen bei der Auswahl mit berücksichtigt werden.

Korngröße des Schmutzwassers prüfen

Große Wassermengen bedeuten nicht automatisch sauberes Wasser. Nach einer Überschwemmung können Sand, kleine Steine, Laub oder andere Feststoffe enthalten sein. Die Pumpe muss für diese Bestandteile geeignet sein. Der angegebene Korndurchlass allein garantiert nicht, dass faseriges Material oder Laub ohne Verstopfung gefördert werden.

Bei Shopping-Kobolde finden Käufer Pumpentechnik und Zubehör für unterschiedliche Anwendungen rund um Haus, Grundstück und Wasserversorgung. Für Schmutzwasser sollte die zulässige Korngröße immer mit den Bedingungen am Einsatzort verglichen werden. Maßgeblich sind die Freigaben und Betriebshinweise des jeweiligen Herstellers.

Schlauchdurchmesser an die Leistung anpassen

Eine leistungsstarke Pumpe benötigt einen ausreichend großen Druckschlauch. Ein kleiner Querschnitt begrenzt den Durchfluss und erhöht den Widerstand. Bei großen Fördermengen kann ein größerer Schlauchdurchmesser die vorhandene Pumpenleistung deutlich besser nutzen.

Auch Anschlüsse und Kupplungen sollten den vorgesehenen Durchmesser unterstützen. Reduzierstücke sind zwar praktisch, können bei hohen Wassermengen jedoch zum Engpass werden.

Leistungsdaten passend zum Einsatz auswählen

Für gelegentliches Abpumpen kleiner Flächen gelten andere Anforderungen als für regelmäßig anfallende große Wassermengen. Förderleistung, Förderhöhe, Korndurchlass und Schlauchsystem sollten deshalb als zusammengehörige technische Daten betrachtet werden.

Das Sortiment von Shopping-Kobolde umfasst Schmutzwasser-, Entwässerungs- und Gartenpumpen sowie Zubehör wie Schläuche, Steuerungen und Kupplungen. Bei der Zusammenstellung eines Systems sollten die technischen Daten der Komponenten aufeinander abgestimmt werden. Für die Auswahl zählen die Anforderungen am Einsatzort und die Herstellerangaben zur Eignung und Leistung.

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/10/Ueberschwemmte-Strasse-bei-Windsor.jpg 720 1280 Cathy https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png Cathy2026-10-03 20:51:052026-10-04 19:35:37Schmutzwasserpumpe für große Wassermengen richtig dimensionieren

Navier-Stokes – ein (un)lösbares Problem?

3. Oktober 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Die Millennium-Preis-Probleme sind sieben ursprünglich ungelöste, komplexe mathematische Probleme, für deren Lösung das Clay Mathematics Institute jeweils eine Million Dollar Preisgeld vergibt. Anfang September sorgte das KI-Unternehmen OpenAI mit einer Nachricht für Aufsehen. Das Unternehmen veröffentlichte einen von einem internen KI-System erzeugten Beweis, der nach eigener Darstellung das Navier-Stokes-Millennium-Problem löst. Doch warum findet dieses mathematische Problem hier überhaupt Erwähnung, obwohl es doch um Meteorologie gehen soll? Was genau sind eigentlich die Navier-Stokes-Gleichungen?

Als erstes sei gesagt, ohne die Navier-Stokes-Gleichungen wäre unsere heutige Wettervorhersage nicht möglich. Sie bilden eine der zentralen mathematischen Grundlagen der modernen Meteorologie. Deshalb soll es im Folgenden darum gehen, was diese Gleichungen beschreiben, wie sie genutzt werden und warum sie überhaupt ein Millennium-Problem sind.

Die Gleichungen gehen bereits auf das 19. Jahrhundert zurück. Sie wurden zwischen 1822 und 1845 von gleich vier Mathematikern und Physikern unabhängig voneinander formuliert: den Franzosen Claude Louis Marie Henri Navier (1785-1836), Siméon Denis Poisson (1781–1840) und Adhémar Jean Claude Barré de Saint-Venant (1797–1886), sowie dem Iren Sir George Gabriel Stokes (1819-1903). Auch wenn sie alle als „Entwickler“ gelten, hat sich letztendlich der Name Navier-Stokes-Gleichungen durchgesetzt.

Vereinfacht gesagt beschreiben sie, wie sich Fluide, wie zum Beispiel Luft oder Wasser, unter dem Einfluss von Trägheit, Druck, Viskosität (also Reibung) und äußeren Kräften bewegen. Sie beschreiben also einen der zentralen Prozesse in der Meteorologie, nämlich wie sich Luft bewegt, wenn Faktoren wie Reibungseffekte, die Corioliskraft oder die Schwerkraft berücksichtig werden. Damit sind die Navier-Stokes-Gleichungen die Grundlage unserer heutigen Wettermodelle wie ICON, IFS oder GFS. Für die Modelle werden die Gleichungen von Hochleistungsrechnern numerisch auf Millionen von Gitterpunkten gelöst. Für einen vorgegebenen Startwert gibt es also Lösungen, die wir tagtäglich verwenden.

Das Millennium-Problem liegt aber gar nicht in dieser numerischen Lösung, sondern in der Frage, ob es im Dreidimensionalen Raum immer, also bei jeglicher Art von Anfangsbedingungen eine global glatte Lösung gibt. Für den zweidimensionalen Raum ist die Antwort bekannt, dort gibt es solche global glatten Lösungen. Für den dreidimensionalen Raum hat OpenAI am 8. September 2026 einen KI-generierten Beweis angekündigt. Er beschreibt eine zunächst glatte Strömung unter einer glatten äußeren Kraft, die in endlicher Zeit eine Singularität entwickelt. Ob der Beweis das Millennium-Problem abschließend löst, wird noch geprüft.

Am besten lässt sich bildlich beschreiben, was eine Singularität und ein Blow-up überhaupt sind. Dafür stellen wir uns einen Wind vor. Mit der Zeit nimmt seine Geschwindigkeit zu. Nach einer Minute hat er eine Geschwindigkeit von 8 m/s. Nach zwei Minuten weht er schon mit 40 m/s. Nach fünf Minuten hat er dann plötzlich eine unendlich hohe Geschwindigkeit. In der Mathematik wäre das nun das Blow-up unserer Lösung. In einer endlichen Zeit ist die Lösung unendlich groß geworden, ohne dass sich die Anfangsbedingungen verändert haben. Die Singularität beschreibt den Zeitpunkt, an dem dies geschieht, in unserem Beispiel also bei Minute fünf.

Die KI-Agenten haben nach Angaben von OpenAI eine solche Singularität gefunden und damit gezeigt, dass unter den entsprechenden Bedingungen eine zunächst glatte Lösung in endlicher Zeit ihre Glattheit verlieren kann. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Navier-Stokes-Gleichungen „ungültig“ sind.

Die Wettermodelle bleiben davon dennoch unberührt. Das mathematische Millennium-Problem fragt danach, ob bestimmte dreidimensionale Lösungen für alle Zeiten glatt bleiben. Eine numerische Wettervorhersage betrachtet dagegen einen konkreten Anfangszustand und einen begrenzten Zeitraum. Dass sich mit diesen Gleichungssystemen konkrete Wetterentwicklungen für einige Tage numerisch berechnen lassen, steht daher nicht im Widerspruch zum Millennium-Problem. Die Singularität tritt zudem nicht in den üblichen Wettervorhersagen auf, sondern in einer speziell konstruierten mathematischen Lösung. Vergleichbar ist das mit einer Landkarte. Die ganze Karte bildet Deutschland richtig ab, nur ganz am Rand ist der Gipfel der Zugspitze unendlich hoch. Dennoch bleibt die restliche Karte gültig und es kann mit ihr navigiert werden. Nur für diesen einen speziellen Punkt muss nachgeforscht werden, um für ihn eine „richtige“ Lösung zu finden. Und weil es nun mal keine unendlichen Windgeschwindigkeiten gibt, ist diese theoretische Schwäche der Mathematik für die Vorhersage nicht relevant.

Die angekündigte mathematische Konstruktion stellt die praktische Wettervorhersage nicht grundsätzlich infrage. Eine Anerkennung durch das Clay Mathematics Institute ist damit noch nicht verbunden. Dafür gelten dessen Regeln zur Veröffentlichung, unabhängigen Prüfung und allgemeinen Akzeptanz; ein bestimmter Anerkennungstermin steht nicht fest. Das Institut hat die Ankündigung am 11. September 2026 begrüßt und auf die noch ausstehende Bewertung verwiesen.

Lea Friedel und M.Sc.- Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 03.10.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Ergänzende Prüfung: OpenAI-Veröffentlichung vom 8. September 2026; Stellungnahme des Clay Mathematics Institute vom 11. September 2026.

Quelle: Deutscher Wetterdienst – Thema des Tages vom 03.10.2026. Text redaktionell bearbeitet; verwendete DWD-Grafiken skaliert und komprimiert. Lizenz: CC BY 4.0. Bildquellen stehen jeweils an den Abbildungen.

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Deutschlandwetter im September 2026

2. Oktober 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im September 2026*

Platz

Station

Bundesland

durchschnittliche
Temperatur

Abweichung
1 Bad Bergzabern Rheinland-Pfalz 19,4 °C +4,5 Grad
2 Waghäusel-Kirrlach Baden-Württemberg 18,8 °C +3,5 Grad
3 Ohlsbach Baden-Württemberg 18,8 °C +4,0 Grad

Vergleichsweise kühle Orte im September 2026*

Platz

Station

Bundesland

durchschnittliche
Temperatur

Abweichung
1 Carlsfeld Sachsen 11,8 °C +2,0 Grad
2 Zinnwald-Georgenfeld Sachsen 11,9 °C +2,2 Grad
3 Deutschneudorf-Brüderwiese Sachsen 12,2 °C +0,9 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im September 2026**

Platz Station Bundesland

Niederschlags-
menge

Anteil
1 Cadenberge Niedersachsen 142,2 l/m² 179 %
2 Joldelund Schleswig-Holstein 138,9 l/m² 151 %
3 Groß Wittensee Schleswig-Holstein 134,6 l/m² 169 %

Besonders trockene Orte im September 2026**

Platz

Station

Bundesland

Niederschlags-
menge

Anteil
1 Henschtal Rheinland-Pfalz 0,8 l/m² 1 %
2 Losheim-Niederlosheim Saarland 0,8 l/m² 1 %
3 Merzig Saarland 1,1 l/m² 2 %

Besonders sonnenscheinreiche Orte im September 2026**

Platz Station Bundesland

Sonnenschein-
dauer

Anteil
1 Rheinfelden Baden-Württemberg 268 h 155 %
2 Emmendingen-Mundingen Baden-Württemberg 268 h 150 %
3 Freiburg Baden-Württemberg 266 h 149 %

Vergleichsweise sonnenscheinarme Orte im September 2026**

Platz Station Bundesland

Sonnenschein-
dauer

Anteil
1 Glücksburg-Meierwik Schleswig-Holstein 121 h 90 %
2 Leck Schleswig-Holstein 122 h 87 %
3 Hohn Schleswig-Holstein 123 h 83 %

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.

* Monatsmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt
(int. Referenzperiode 1961-1990).

** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen Monatsmittelwertes
zum vieljährigen Monatsmittelwert der jeweiligen Station (int. Referenzperiode,
normal = 100 Prozent).

Die Sonnenscheindauer wird seit August 2024 teilweise aus Satellitendaten abgeleitet.

Hinweis: Einen ausführlichen Monatsrückblick für ganz Deutschland und alle
Bundesländer finden Sie im Internet unter www.dwd.de/presse.

Meteorologe Denny Karran

Deutscher Wetterdienst
Offenbach, den 02.10.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Quelle: Deutscher Wetterdienst – Thema des Tages vom 02.10.2026. Text redaktionell bearbeitet; verwendete DWD-Grafiken skaliert und komprimiert. Lizenz: CC BY 4.0. Bildquellen stehen jeweils an den Abbildungen.

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-10-02 12:00:002026-10-03 21:33:51Deutschlandwetter im September 2026
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