Geschichte der Meteorologie – Teil 23: Meteorologie im 19. Jahrhundert (c)
Wetterhütten, Wolkenklassifikation und die Dynamik der Atmosphäre prägten die Meteorologie im 19. Jahrhundert. Teil 23 der DWD-Serie stellt Forschende aus Asien, Europa und Amerika sowie ihre Beiträge vor.
Wir beginnen mit einem Wissenschaftler aus Asien, der besonders prägend für die Meteorologie auf dem indischen Subkontinent war. Nachfolgend werden Forscher aus Europa und Amerika vorgestellt.
Radhanath Sikdar und regelmäßige Wetterbeobachtungen in Indien
Der indische Mathematiker Radhanath Sikdar (1813−1870) aus Bengalen war von 1852 bis 1862 Leiter der Wetterwarte in Kalkutta (Kolkata). Seine erste Aufgabe bestand darin, eine Tabelle zur Umrechnung barometrischer Beobachtungen auf eine Standardtemperatur von 32 °F (0 °C) zu erstellen. Dazu entwickelte er die erforderliche Formel, basierend auf der bekannten thermischen Ausdehnung und Kontraktion der Messingskala des Barometers und des Quecksilbers selbst in Abhängigkeit von der Temperatur. Dies war notwendig, um den Vergleich von bei unterschiedlichen Temperaturen gemessenen Druckwerten zu ermöglichen. Vor 1852 hatte das Observatorium nur unregelmäßige Beobachtungen durchgeführt. Sikdar richtete umgehend ein Programm regelmäßiger stündlicher Wetterbeobachtungen ein, welches die Anwendung der notwendigen Korrekturen hinsichtlich der Instrumentenleistung umfasste. Er wurde 1853 Mitglied der Asiatic Society of Bengal und hatte bereits (ab Dezember 1852) die regelmäßige Veröffentlichung der stündlichen Beobachtungen seines Observatoriums sowie verschiedener Tages- und Monatsmittelwerte in den „Proceedings and Journal“ der Gesellschaft veranlasst. Dieses Veröffentlichungsprogramm wurde bis 1877 fortgesetzt.
Darüber hinaus gelang ihm, in Dienste der Großen Trigonometrischen Vermessung stehend, 1852 per Triangulation auch die erste Höhenbestimmung von Peak XV im Himalaya. Er stellte fest, dass dieser wahrscheinlich der höchste Berg der Welt sei (später nach dem Leiter der Großen Trigonometrischen Vermessung Mount Everest genannt).
Émilien Renou und das Klima von Paris
Der französische Meteorologe Émilien Renou (1815−1902) widmete sich zunächst der Geologie und der Geographie in den nordafrikanischen Regionen Algerien und Marokko. 1852 gründete er mit Charles Joseph Sainte-Claire Deville (1814–1876) die Société Météorologique de France, deren Sekretär er in insgesamt elf Jahren war. Dabei hatte er viermal das einjährige Amt des Präsidenten inne. Er führte 1855 die Kategorien Altocumulus und Altostratus in die Wolkenklassifikation nach Howard (siehe Teil 12 der Serie zur Geschichte der Meteorologie) ein und etablierte damit das mittlere Wolkenstockwerk. Ab 1872 war er bis zu seinem Tod Direktor im Parc Saint-Maur, von wo aus meteorologische Untersuchungen angestellt wurden, die insbesondere das Klima von Paris betrafen. In seinen Arbeiten über das Klima von Paris diagnostizierte er unter anderem die urbane Wärme-Insel.
William Ferrel und die Wirkung der Erdrotation
Der US-amerikanische Meteorologe William Ferrel (1817−1891) wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf und eignete sich einen großen Teil seines Wissens im Selbststudium an. Um das Jahr 1850 stieß er zufällig auf eine Abhandlung über die Gezeiten und entdeckte, dass Laplace (siehe Teil 11 der Serie zur Geschichte der Meteorologie) in seiner berühmten Abhandlung zur Himmelsmechanik ein Fehler unterlaufen sein müsse: die Wirkung von Sonne und Mond auf die Tiden auf der Erde muss die Erddrehung langsam abbremsen. Laplace hatte den Effekt der Reibung nicht berücksichtigt.
1856 erschien sein Artikel „An essay on the winds and currents of the ocean“, in dem er als Erster eine plausible Erklärung für die Windzirkulation in den mittleren Breiten der Erde vorlegte (planetarische oder planetare Zirkulation). 1858 veröffentlichte er den Artikel „The influence of the Earth’s rotation upon the relative motion of bodies near its surface“. Er stellte hierin fest, dass ein Gegenstand, der sich auf der Erde bewegt, infolge der Erddrehung auf der Nordhalbkugel nach rechts und auf der Südhemisphäre nach links abgelenkt wird. Nahezu gleichzeitig und unabhängig davon gelang dies auch Buys Ballot (siehe Teil 20 der Serie zur Geschichte der Meteorologie) mit dem Barischen Windgesetz. Er veröffentlichte noch weitere Arbeiten zur Meteorologie und zur Hydrodynamik.
William Blasius und frühe Sturmtheorien
Der preußisch-US-amerikanische Meteorologe Heinrich Wilhelm Blasius oder William Blasius (1818−1899) entwickelte 1852 eine frühe Theorie über die Entstehung von Stürmen („New theory of storms“), die einzelne Gedanken der späteren Polarfronttheorie vorwegnahm und in wesentlichen Punkten die Lehre von Dove (siehe Teil 21 der Serie zur Geschichte der Meteorologie) ergänzte. Er fand jedoch wenig Unterstützer, weil er seine eigene Terminologie schuf und es versäumte, seine Theorien zu begründen. Seine Thesen gerieten bald weitgehend in Vergessenheit.
Thomas Stevenson und die Wetterhütte
Der britische Ingenieur Thomas Stevenson (1818−1887) aus Schottland erfand die Wetterhütte oder Thermometerhütte, die im Englischen als „Stevenson screen“ bekannt wurde. Die Erfindung wurde 1864 veröffentlicht. Diese Wetterhütte ist im Wesentlichen ein belüfteter Kasten, der die Messgeräte umschließt. Diese sind vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt, während gleichzeitig die Luft ungehindert um sie herum zirkulieren kann. Das charakteristischste Merkmal dieser Wetterhütte sind ihre mit Lamellen versehenen Seitenwände. Die Lamellen sind so geneigt, dass sie das Innere des Kastens beschatten, während gleichzeitig die Zwischenräume zwischen den Lamellen die Luftzirkulation durch den Schutz ermöglichen. Der Schutz ist weiß lackiert, da eine dunkle Farbe dazu führen würde, dass der Schutz Sonnenenergie absorbiert und sich dadurch erwärmt und durch eine solche Erwärmung die Messgeräte Werte anzeigen, die nicht repräsentativ für die Temperatur und Luftfeuchtigkeit sind.
Diese Wetterhütte enthält in der Regel mindestens ein Trockenthermometer zur Messung der Lufttemperatur und ein Feuchtthermometer zur Messung der Luftfeuchtigkeit. Oft sind auch Thermometer für Höchst- und Tiefsttemperaturen enthalten, und es können zudem Aufzeichnungsgeräte für Temperatur und Luftfeuchtigkeit vorhanden sein.
Hippolyte Marié-Davy und Isobarenkarten
Der französische Physiker, Erfinder und Meteorologe Hippolyte Marié-Davy (1822−1911) untersuchte rotierende Tiefdruckgebiete. Er erkannte, dass mitteleuropäische Stürme und Sturmtiefs, von ihm als „bourrasques“ bezeichnet, ebenso wie tropische Zyklonen rotierende Tiefdrucksysteme sind. Ihre Energiequellen und ihre thermische Struktur unterscheiden sich jedoch wesentlich. Um seine Theorie zu beweisen und Zyklone sichtbar zu machen, führte er als einer der Ersten tägliche synoptische Wetterkarten ein, die Linien gleichen Luftdrucks (Isobaren) zeigten. Im September 1863 veröffentlichte er im offiziellen Bulletin die erste überlieferte Wetterkarte dieser Art in Frankreich. Marié-Davys Zyklonentheorie und seine herausragende Arbeit mit Isobaren-Wetterkarten erlaubten es dem Pariser Observatorium erstmals, heranziehende Stürme telegraphisch an die französischen Seehäfen zu melden und so den modernen Sturmwarndienst im Atlantik zu begründen. Seine Erkenntnisse wurden im Werk „Météorologie, les mouvements de l’atmosphère et des mers“ (übersetzt „Meteorologie, Bewegungen in der Atmosphäre und in den Meeren“) 1866 publiziert. Marié-Davy war darüber hinaus auch auf dem Gebiet der Elektrochemie tätig, er erfand die nach ihm benannte Marié-Davy-Batterie.
Francis Galton und die kartografische Wetteranalyse
Der britische Naturforscher und Schriftsteller Sir Francis Galton (1822−1911) war in vielen verschiedenen Disziplinen wie Geographie, Afrikaforschung und der Vererbungslehre tätig, er prägte dort den Begriff Eugenik. Im Bereich der wissenschaftlichen Meteorologie war Galton der Erste, der die Antizyklone, das Hochdruckgebiet, im Gegensatz zur Zyklone, dem Tiefdruckgebiet, identifizierte. Er trug maßgeblich zur kartografischen Darstellung und Interpretation von Luftdruck- und Windfeldern bei. Sein Buch „Meteorographica“ von 1863 war der erste systematische Versuch, Wetterdaten auf kontinentaler Ebene zu sammeln, graphisch darzustellen und zu interpretieren. Es wurde so zu einem grundlegenden Werk der modernen wissenschaftlichen Meteorologie. Seine Aktivitäten im Bereich der Datenerfassung und Datendarstellung, sowohl hier als auch für die Geographische Gesellschaft und deren Suche nach der Nilquelle, führten ihn schließlich zu den statistischen Innovationen, die für seine quantitative Erforschung der Vererbung erforderlich waren.
Galton erstellte die erste Wetterkarte, die in der Zeitung „The Times“ veröffentlicht wurde (am 1. April 1875; sie zeigte die synoptische Situation des Vortags, des 31. März 1875). Wetterkarten entwickelten sich in der Folge weltweit zu einem festen Bestandteil von Zeitungen.
Paul-Jean Coulier und Kondensationskeime
Der französische Mediziner und Chemiker Paul-Jean Coulier (1824−1890) zeigte experimentell die wichtige Rolle von Aerosolpartikeln als Kondensationskeimen bei der Bildung von Wolken- und Nebeltröpfchen. Coulier goss in seinem Flaschenexperiment 1875 eine kleine Menge warmes Wasser in eine Glasflasche, sodass die Luft darin mit Wasserdampf gesättigt war. Nach Erhöhung des Drucks in der Flasche und anschließender schlagartiger Entweichung dessen (adiabatische Expansion), kühlte sich die Luft ab und es bildete sich augenblicklich ein künstlicher, dichter Nebel (eine Miniaturwolke) im Gefäß.
Als Coulier das Experiment wiederholte, die einströmende Luft jedoch zuvor gründlich durch Baumwolle filterte, geschah etwas Überraschendes: Trotz der schnellen Druckentlastung und Abkühlung blieb die Luft absolut klar, es bildete sich kein Nebel. Er folgerte korrekt, dass nicht die Luft oder der Wasserdampf allein für die Wolkenbildung verantwortlich sind, sondern winzige, unsichtbare Schwebeteilchen (Staub) in der normalen Umgebungsluft. Unter den üblichen atmosphärischen Bedingungen kondensiert Wasserdampf an geeigneten Aerosolpartikeln. Dabei handelt es sich nicht ausschließlich um festen Staub, sondern beispielsweise auch um lösliche Salzpartikel. Die Aussage gilt nicht als grundsätzliches Verbot homogener Keimbildung bei sehr hoher Übersättigung. Couliers Entdeckung wurde in einer pharmazeutischen Fachzeitschrift (Journal de Pharmacie et de Chimie) veröffentlicht und blieb in meteorologischen Kreisen weitgehend unbeachtet.
George Goyder und die Grenzen des Getreideanbaus
Der britisch-australische Geodät George Goyder (1826−1898) wurde 1856 zum stellvertretenden Generalvermesser in der Kolonie Südaustralien und 1861 dort zum Generalvermesser ernannt. Australien ist ein weitgehend trockenes Land. Die Niederschlagsmengen schwanken stark, und es kommt zu Dürren. In der regenreichen Zeit der 1850er und frühen 1860er Jahre wurden in Südaustralien immer weiter nördlich von der Küste neue Farmen gegründet. Ein trockenes Jahr im Jahr 1864 brachte eine Katastrophe mit sich: Ernten verdorrten, Vieh verendete und Farmen wurden aufgegeben. Goyder wurde beauftragt, festzustellen, wo die Ernten ausfielen und wo nicht.
Im Jahr 1865 legte er die „Goyder-Niederschlagslinie“ oder einfach „Goyder-Linie“ fest: die Linie, an der der durchschnittliche jährliche Niederschlag etwa 300 mm (bzw. Liter pro Quadratmeter) betrug (einige Quellen sprechen von einer Grenze von 250 mm). Er empfahl, nördlich dieser Linie, wo die Bedingungen im Durchschnitt zu trocken waren, keinen Versuch zu unternehmen, Getreide anzubauen. Selbst Schafzucht und Weidewirtschaft wären in diesen Gebieten riskant. Seine Empfehlung wurde von einigen Australiern verspottet, doch nachfolgende Dürren bewiesen, dass sie tatsächlich durchaus vernünftig war. Die Linie wurde als Richtwert dafür akzeptiert, wie weit landeinwärts die Landwirtschaft über einen Zeitraum hinweg, der sowohl trockene als auch feuchte Phasen umfassen konnte, eine vernünftige Aussicht auf Erfolg hatte. Die Goyder-Linie ist auch an der natürlichen Vegetation der Region erkennbar: Nördlich davon überwiegt der Salzstrauch. In einigen Gebieten ist sie dort noch heute durch Gedenktafeln gekennzeichnet. Goyder legte später eine ähnliche Linie im heutigen Northern Territory in Australien fest.
Alexander Buchan und die Entwicklung von Zyklonen
Der britische Meteorologe Alexander Buchan (1829−1907) aus Schottland erlangte durch seine konvektive Zyklonentheorie Bekanntheit. In dieser historischen Vorstellung standen die Erwärmung und das Aufsteigen von Luft sowie die Freisetzung latenter Wärme bei der Kondensation im Mittelpunkt. Buchan untersuchte außerdem die Zugbahnen von Stürmen und zeichnete 1868 einen Sturmzug über den Nordatlantik anhand von Luftdruck- und Isobarenkarten nach.
Die historische Theorie ist von der heutigen Erklärung zu unterscheiden. Außertropische Tiefdruckgebiete beziehen ihre Energie vor allem aus horizontalen Temperaturgegensätzen und der damit verbundenen baroklinen Entwicklung. Die Freisetzung von Kondensationswärme kann sie zusätzlich verstärken. Tropische Wirbelstürme werden dagegen wesentlich durch Wärme- und Feuchtenachschub über warmem Meerwasser angetrieben. Aufsteigende Luft erzeugt dabei kein Vakuum; entscheidend für die Luftdruckentwicklung ist die Massenbilanz der Luftsäule.
Camilo Carrillo und El Niño
Der peruanische Marineoffizier und Politiker Camilo Carrillo (1830−1901) verfasste 1892 den ersten offiziellen wissenschaftlichen Bericht über das Phänomen „El Niño“. Vor der Geographischen Gesellschaft von Lima hielt er einen wegweisenden Vortrag, in dem er das jahrhundertealte Wissen der peruanischen Fischer wissenschaftlich dokumentierte. Carrillo hielt schriftlich fest, dass die Fischer nahe Paita im Norden Perus eine periodisch auftretende, ungewöhnlich warme Meeresströmung „El Niño“ nannten. Da diese Erwärmung meist um die Weihnachtszeit ihren Höhepunkt erreichte, benannten die Fischer sie nach dem Christkind. Er beschrieb, dass die warme Strömung die typischen Kaltwasserfische wie Sardellen vertrieb und die Fischerei zum Erliegen brachte. Gleichzeitig führte sie in den sonst extrem trockenen Küstenwüsten zu heftigen Regenfällen, die von den Landwirten für die Agrarwirtschaft genutzt wurden. Durch Carrillos Bericht gelangte der Begriff „El Niño“ von der mündlichen Überlieferung lokaler Fischer in die internationale Wissenschaft, wo er später als weltweites Klimaphänomen erforscht wurde.
Gustave Eiffel und meteorologische Messungen
Der französische Ingenieur Gustave Eiffel (1832−1923) errichtete Brücken und andere Großbauwerke. Er entwarf den großen Turm aus Eisen, der von 1887 bis 1889 in Paris gebaut wurde und seinen Namen erhielt und seinerzeit das höchste Bauwerk der Welt war. Der Turm diente bereits 1889 meteorologischen Messungen. Funkversuche folgten 1898; die Rundfunknutzung setzte später ein. Eiffel nutzte den Turm zudem für Experimente zur Windwiderstandsfähigkeit und Aerodynamik. Eiffel ließ an verschiedenen Stellen im Turm meteorologische Instrumente anbringen, und 1889 ermächtigte er das Zentrale Meteorologische Büro Paris, auf der Turmspitze in 300 m Höhe über dem Boden eine Wetterstation einzurichten.
Eiffel entwarf Gehäuse für seine Thermometer und andere Instrumente, die diese schützten und gleichzeitig einen freien Luftstrom um sie herum ermöglichten. Außerdem baute er ein privates Wetterbeobachtungsnetzwerk mit 25 Stationen auf (darunter eine in Algier). Die von ihm gesammelten Daten wurden in Wetteratlanten zusammengefasst, die von 1903 bis 1912 veröffentlicht wurden. Der Eiffelturm wurde zudem genutzt, um atmosphärische elektrische Messungen auf verschiedenen Höhen bis hinauf zur Spitze durchzuführen, die wiederum zur Untersuchung der vertikalen Profile der Rauchpartikelkonzentration in der Grenzschicht dienten. Dies war eine der frühesten Untersuchungen zur Luftverschmutzung in Paris.
Philip Weilbach und die Wolkengattung Cumulonimbus
Der dänische Bibliothekar, Kunsthistoriker und Amateur-Meteorologe Philip Weilbach (1834−1900) schlug 1880 dem Ständigen Ausschuss der Internationalen Meteorologischen Organisation (IMO), einem Vorläufer der heutigen Weltorganisation für Meteorologie (WMO), die Bezeichnung eines neuen, frei konvektiven, vertikalen oder mehrstufigen Wolkentyps vor, nämlich „Cumulonimbus“ (aufgetürmte Regenwolke), was vom Ausschuss angenommen wurde. Dieser würde sich von Cumulus und Nimbus unterscheiden und wäre an seiner oft sehr komplexen Struktur sowie an seiner Fähigkeit, Gewitter zu erzeugen, zu erkennen. Die internationale Wolkenklassifikation wurde in den folgenden Jahren weiter vereinheitlicht; 1896 erschien der erste Internationale Wolkenatlas.
Henrik Mohn und der Ascheregen von 1875
Der norwegische Meteorologe und Ozeanograph Henrik Mohn (1835−1916) wurde 1866 zum ersten Professor für Meteorologie am neu eingerichteten Institut für Meteorologie an der Universität Christiania (Oslo) berufen. 1870 veröffentlichte er einen Sturmatlas, 1872 das Werk „Om Vind og Veir. Meteorologiens Hovedresultater“ (übersetzt „Grundzüge der Meteorologie. Die Lehre von Wind und Wetter nach den neuesten Forschungen gemeinfasslich dargestellt“). Bei der Eruption des isländischen Vulkans Askja Ende März 1875 wurden gewaltige Mengen feiner Vulkanasche in die Atmosphäre geschleudert. Die Aschewolke zog über das Europäische Nordmeer direkt nach Skandinavien, wo es in weiten Teilen Norwegens und Schwedens zu spürbarem Ascheregen kam. Mohn nutzte das meteorologische Stationsnetz, um die genauen Zeitpunkte und Orte des Aschefalls systematisch zu erfassen. 1877 veröffentlichte er eine meteorologische Karte unter dem Titel „Askeregnen“ (norwegisch für „Der Ascheregen“).

Mohn bewies als einer der ersten Wissenschaftler weltweit, dass vulkanische Partikel durch atmosphärische Strömungen über große Entfernungen hinweg transportiert werden können. Seine präzisen meteorologischen Analysen halfen dabei zu verstehen, wie Höhenwinde, die oberen Luftströmungen, Partikel rund um den Globus tragen. Diese Erkenntnisse bilden bis heute die Grundlage für moderne Schadstoffausbreitungsmodelle, wie sie etwa bei Vulkanausbrüchen für die Luftfahrtsicherheit genutzt werden.
Mohn leitete zusammen mit dem norwegischen Zoologen Georg Ossian Sars (1837−1927) die Norwegische Nordmeerexpedition mit dem Dampfschiff „Vøringen“ zwischen 1876 und 1878, auf der neben ozeanographischen Messungen meteorologische Beobachtungen durchgeführt und die Wanderungsbewegungen von Fischen untersucht wurden. Mohn gewann neue Einblicke in die Dynamik der Wechselwirkung zwischen Ozean und Atmosphäre. Das half ihm bei der Entwicklung seiner Zyklonentheorie. Als einer der Ersten verstand er die Beziehung zwischen der Dichteverteilung des Meerwassers, den Meeresströmungen und der Erdrotation. Bereits 1880 erklärte Mohn die Bildung von Tiefenwasser im Europäischen Nordmeer. Mohn war 1879 Gründungsmitglied der Internationalen Polarkommission und sorgte dafür, dass Norwegen eines der ersten Länder war, die die Finanzierung einer Forschungsstation (Bossekop, heute ein Stadtteil von Alta in Nordnorwegen) für das Erste Internationale Polarjahr von 1882/83 zusicherten.
Mohn leistete in den 1890er Jahren Pionierarbeit bei der Erforschung von Wolken in der Stratosphäre. Er gilt als der Erste, der die schillernden polaren Stratosphärenwolken (PSC) wissenschaftlich untersuchte und gab ihnen im Jahr 1893 den treffenden Namen Perlmuttwolken (norwegisch: perlemorskyer). Mohn veröffentlichte 1893 eine umfassende Arbeit über diese „irisierenden Wolken“. Er beschrieb fasziniert ihre einzigartigen optischen Effekte und leuchtenden Farben, die nach Sonnenuntergang am Polarhimmel sichtbar werden. Mohn erkannte sofort, dass sich diese Wolken weit oberhalb der normalen Wetterschicht befinden mussten. Allerdings überschätzte er ihre Höhe massiv und berechnete sie auf über 100 Kilometer. Rund 40 Jahre später fand man heraus, dass sie real in der unteren Stratosphäre in 20 bis 30 km Höhe liegen. Mohn sah in den polaren Stratosphärenwolken vor allem ein faszinierendes optisches Naturphänomen.
Heute weiß die moderne Atmosphärenphysik, dass diese stratosphärischen Wolken eine Schlüsselrolle beim Ozonabbau spielen: Polare Stratosphärenwolken können aus Wassereis, festen Salpetersäurehydraten oder flüssigen Mischungen aus Wasser, Salpeter- und Schwefelsäure bestehen. An ihren Partikeloberflächen werden Chlorreservoirverbindungen in photochemisch aktivierbare Formen überführt. Nach Rückkehr des Sonnenlichts entstehen daraus reaktive Chlorverbindungen, die den katalytischen Ozonabbau ermöglichen. Mohn gilt als Begründer der Meteorologie und Ozeanographie in Norwegen.
Wilhelm von Bezold und die potentielle Temperatur
Der bayerische Physiker und Meteorologe Wilhelm von Bezold (1837−1907) wurde 1878 zum Direktor der Bayerischen Meteorologischen Zentralstation in München ernannt. Ab 1879 gab er ein meteorologisches Jahrbuch und ab 1881 einen täglichen Wetterbericht der Zentralstation heraus. 1885 wechselte er als Direktor des Meteorologischen Instituts an die Universität Berlin, wo er bis 1907 tätig war. Er machte sich um den Aufbau des Netzes meteorologischer Stationen in Preußen und Bayern verdient. Maßgeblich auf seine Initiative hin wurden die Höhenwetterstationen auf dem Brocken und nachfolgend auf dem höchsten preußischen Berg, der Schneekoppe im Riesengebirge in Schlesien, geschaffen. Letztere nahm ihren Messbetrieb im Juni 1900 auf. Von Bezold führte viele Untersuchungen auf dem Gebiet der Elektrizitätslehre durch sowie über physiologische Optik. Seine meteorologischen Arbeiten betreffen die Dämmerung, die Lehre vom Gewitter, den Erdmagnetismus und die Thermodynamik der Erdatmosphäre.
Er führte 1888 in der Arbeit „Zur Thermodynamik der Atmosphäre“ den Begriff der potentiellen Temperatur, einer thermodynamischen Zustandsgröße, ein. Die potentielle Temperatur ist die Temperatur, die ein Luftpaket annehmen würde, wenn man es trockenadiabatisch (also ohne Wärmeaustausch mit der Umgebung) von seinem aktuellen Druckniveau auf einen festgelegten Referenzdruck bringt (in der Meteorologie standardmäßig 1000 hPa, was in etwa dem Luftdruck auf Meereshöhe entspricht). Da Luft beim Absinken komprimiert wird und sich erwärmt bzw. beim Aufsteigen expandiert und abkühlt, macht die potentielle Temperatur Luftmassen auf unterschiedlichen Höhen thermodynamisch direkt miteinander vergleichbar.
Für ungesättigte Luft lässt sich die statische Stabilität anhand der vertikalen Änderung der potentiellen Temperatur beurteilen. Nimmt sie mit der Höhe zu, ist die Schichtung trockenstabil; nimmt sie ab, ist sie trockenlabil. Bleibt sie konstant, liegt eine trockenadiabatische, neutrale Schichtung vor. Für gesättigte Luft müssen zusätzlich die Effekte von Kondensation und latenter Wärme berücksichtigt werden. Eine trockenlabile Schichtung allein bedeutet noch nicht, dass ein Gewitter entsteht.

Die Serie Geschichte der Meteorologie wird fortgesetzt. Der nächste Teil wird Persönlichkeiten vorstellen, die Beiträge zur Chemie und auf dem Gebiet der Messtechnik im 19. Jahrhundert leisteten, die für die Meteorologie bedeutsam waren.
Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 31.10.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
Quelle: Deutscher Wetterdienst – Thema des Tages vom 31.10.2026. Text: Dipl.-Met. Markus Eifried, Deutscher Wetterdienst, Lizenz CC BY 4.0. Redaktionelle Bearbeitung durch WINDINFO: Einleitung, Zwischenüberschriften und Absatzgliederung ergänzt, Schreibfehler korrigiert; historische Prioritätsaussagen eingegrenzt; Zyklonenentwicklung, Kondensationskeime, Zusammensetzung und Ozonwirkung polarer Stratosphärenwolken sowie die Gültigkeit des Stabilitätskriteriums der potentiellen Temperatur präzisiert. Die Funknutzung des Eiffelturms und die Entwicklung des Internationalen Wolkenatlas zeitlich berichtigt. Zwei nachweislich gemeinfreie Originalabbildungen wurden lokal übernommen und responsiv eingebunden; die übrigen Fremdbilder wurden nicht übernommen.
Ergänzende Fachquellen: NOAA/NWS zur Energiequelle außertropischer Zyklonen; DMI zu polaren Stratosphärenwolken; Eiffelturm und Wissenschaft; WMO zur Geschichte des Internationalen Wolkenatlas.





























