Wie wahrscheinlich ist die Hitzewelle im Westen der USA?

Je weiter eine Wettervorhersage in die Zukunft reicht, desto stärker verlässt sie den Bereich der konkreten Einzelprognose und bewegt sich in Richtung statistischer Abschätzung möglicher Entwicklungen. Der Grund dafür liegt in der chaotischen Natur der Atmosphäre: Schon kleine Unsicherheiten in den Anfangsbedingungen können im Laufe der Zeit zu deutlich unterschiedlichen Wetterverläufen führen. Um diese Unsicherheit abzubilden, werden in der modernen Wettervorhersage sogenannte Ensembles verwendet. Dabei wird ein numerisches Wettermodell viele Male mit leicht veränderten Anfangsbedingungen gerechnet. Interessiert man sich dann zum Beispiel für die Wetterentwicklung über Europa in einer Woche, wäre der unmittelbarste Ansatz, sich jeden einzelnen Modelllauf des Ensembles anzuschauen.

Wie wahrscheinlich ist die Hitzewelle im Westen der USA 1

Auf Meeresniveau reduzierter Luftdruck und Temperatur auf 850 hPa der einzelnen Ensemble-Member des europäischen IFS Modells, für Europa und den 19. März 2026.( Quelle : ECMWF)

Während dieser Ansatz sämtliche Information der einzelnen Ensemble-Member erhält, ist er in der Praxis generell weder intuitiv noch übersichtlich. Zusätzlich zeigt Abbildung 1 nur einen Zeitpunkt pro Ensemble-Member. Um sich einen Überblick zu verschaffen ist es also wichtig den Output der vielen Modellläufe zu verdichten, um relevante Informationen über die mögliche Variabilität der Wetterentwicklung herauszufiltern – ein zentraler Aspekt in der heutigen Wettervorhersage.

Ein möglicher Ansatz, der direkt aus Abbildung 1 folgt, ist die sogenannte Cluster-Analyse. Dabei werden die Ensemble-Mitglieder anhand bestimmter Fehlermetriken nach ähnlichen Mustern (hier im 500 hPa Geopotenzial) gruppiert, sodass typische Szenarien in der Wetterentwicklung sichtbar werden. Abbildung 2 zeigt, dass für die Tage um den 19. März 2026 die Reichweite der möglichen Entwicklungen vergleichsweise übersichtlich ist, da sich vier repräsentative Cluster aus den einzelnen Ensemble-Mitgliedern ergeben. Diese Cluster fassen die wesentlichen Varianten der prognostizierten Wetterentwicklung zusammen und erleichtern damit die Interpretation des Ensembles erheblich.

Wie wahrscheinlich ist die Hitzewelle im Westen der USA 2

Cluster-Analyse der Ensemble-Member, aufgeteilt auf vier ähnliche Lösungen der Großwetterlage, basierend auf der Variabilität des Geopotenzials auf 500 hPa. Dargestellt sind je drei Zeitschritte der Entwicklung pro Cluster. (Quelle: ECMWF)

Eine weitere Möglichkeit, die Informationen eines Ensembles zu verdichten, besteht darin, gezielt auf Extremwerte einzelner meteorologischer Parameter zu schauen. Einen solchen Ansatz verfolgt der sogenannte Extreme Forecast Index (EFI) des ECMWF. Der EFI fasst die Ensemble-Informationen zu einem bestimmten Parameter, beispielsweise der Temperatur oder des Niederschlags, in einem einzigen Wert zusammen. Er gibt Aufschluss darüber, wie ungewöhnlich ein wahrscheinlich bevorstehender Wert im Vergleich zur klimatologischen Verteilung ist.

Der EFI wird berechnet, indem die Wahrscheinlichkeitsverteilung der Ensemble-Mitglieder für einen bestimmten Zeitpunkt und Ort mit der entsprechenden Klimaverteilung verglichen wird. Je stärker und konsistenter sich die Vorhersagen des Ensembles von der Klimaverteilung entfernt, desto näher liegt der EFI bei Werten von plus oder minus 1:

– EFI nahe 0: Die prognostizierten Bedingungen liegen im Bereich des für die Jahreszeit üblichen Modellklimas.
– EFI deutlich positiv (z. B. > 0,7): Ein großer Teil der Ensemble-Vorhersagen liegt im oberen Extrembereich oder jenseits der klimatologischen Verteilung – ein Hinweis auf ungewöhnlich hohe Werte.
– EFI deutlich negativ: Die Prognose bewegt sich im unteren Extrembereich, etwa bei ungewöhnlicher Kälte oder sehr niedrigen Werten.

Wie wahrscheinlich ist die Hitzewelle im Westen der USA 3

Extreme Forecast Index (EFI) des ECMWF IFS Ensembles für die 2 m Lufttemperatur über Zentraleuropa. Die rechte Abbildung zeigt zusätzlich den Median der Modellklimatologie der vergangenen 20 Jahre, repräsentativ für den mittleren Zustand in dieser Periode. (Quelle: ECMWF)

Der Vollständigkeit halber zeigt Abbildung 3 den EFI für die Temperatur über Zentral-Europa um den 19. März. Das Signal ist hier insgesamt nicht stark ausgeprägt, was bedeutet, dass die prognostizierten Temperaturen größtenteils im normalen Rahmen für die Jahreszeit liegen. Positive Werte über dem Ärmelkanal und der Biskaya deuten auf höhere Wahrscheinlichkeiten für lokal ungewöhnlich warme Bedingungen hin.

Wie wahrscheinlich ist die Hitzewelle im Westen der USA 4

Extreme Forecast Index (EFI) des ECMWF IFS Ensembles für die 2 m Lufttemperatur über Nordamerika. Die rechte Abbildung zeigt zusätzlich den Median der Modellklimatologie der vergangenen 20 Jahre, repräsentativ für den mittleren Zustand in dieser Periode. (Quelle: ECMWF)

Während über Zentral-Europa um den 19. März nur ein schwaches EFI-Signal für außergewöhnliche Temperaturen sichtbar ist, zeigt sich über dem Westen der USA im selben Zeitraum ein deutlich ausgeprägteres Signal. Der EFI weist hier verbreitet Werte um 1 auf, was auf hohe Wahrscheinlichkeiten für das Auftreten außergewöhnlich warmer Temperaturen für diese Jahreszeit hinweist. Nachdem das robuste Signal mithilfe der abstrakten EFI-Kenngröße identifiziert wurde, lohnt es sich, die zugehörige Wetterlage und konkrete Temperaturen zu betrachten. Das identifizierte Signal hängt mit einem ausgeprägten stationären Höhenrücken zusammen, der sich Ende kommender Woche über dem westlichen Nordamerika etabliert hat (Abbildung 5). Für Los Angeles in Kalifornien werden über mehrere Tage hinweg Temperaturen über 30 Grad erwartet, in Phoenix (Arizona) sogar über 36 Grad. Für weite Regionen im Westen der USA ist das gleichbedeutend mit einer mehrtägigen Abweichung vom klimatologischen Temperaturmittel um mehr als 10 Grad!

Wie wahrscheinlich ist die Hitzewelle im Westen der USA 5

Die Strömung in der mittleren Troposphäre anhand des 500 hPa Geopotenzials, sowie die Temperatur auf 850 hPa, über Nordamerika für den 19. März 2026 um 00 Uhr UTC. (Quelle: ECMWF)

Dr. rer. nat. Thorsten Kaluza (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Luftmassen

Für die Idee, heute mal einen Blick auf Luftmassen zu werfen, gibt es natürlich einen Anlass. Zu sehen ist dieser auf der Fronten- und Bodendruckvorhersagekarte für den heutigen Donnerstag um 12 UTC (entspricht 13 MEZ) in Abbildung 1. Diese basiert auf dem Modelllauf unseres DWD-Modells ICON aus der vorvergangenen Nacht (11.03.2026, 00 UTC). Sehr schön ist zu erkennen, dass das steuernde Zentraltief FRITAUN Luft aus dem Bereich der Labradorsee und der Baffin Bay „anzapft“ und diese einmal quer über den Nordatlantik in Richtung Europa führt (blaue Pfeile).

Luftmassen 1

Fronten- und Bodendruckvorhersage für heute, Donnerstag, 12.03.2026 (Basis: ICON-Modelllauf vom 11.03.2026, 00 UTC)

Einerseits bedeutet dies, dass die Luft aus einer subpolaren Region zu uns kommt. Andererseits verlaufen die Isobaren, also die Linien gleichen Druckes, über dem gesamten Nordatlantik recht gradlinig. Sie schlängeln oder kräuseln sich nicht, auch sind in die Strömung keine weiteren Druckgebilde eingelagert, die zu einer kräftigeren, auch vertikalen Durchmischung der Luft führen könnten. Diese beiden Faktoren sind schon ganz zentral für die Definition einer Luftmasse. Denn laut ebendieser Definition ist eine Luftmasse ein größerer Bereich der Atmosphäre, in dem die Luft gleichbleibende Eigenschaften aufweist. Dies können recht naheliegende Eigenschaften wie z. B. die Temperatur oder die Feuchte, aber auch weniger offensichtliche wie z. B. die Labilität sein.

Da Luft aus unterschiedlichen geografischen Breiten verschiedene Eigenschaften aufweist, ist im Umkehrschluss die geografische Breite eine gute Größe um Luftmassen zu unterscheiden. Das war auch schon den Wissenschaftlern an der Universität Bergen klar, die zu Beginn der 1920er Jahre erstmals versuchten Luftmassen festzulegen. Sie unterschieden dabei – nach einer anfänglich etwas gröberen Unterteilung – äquatoriale (E), tropische (T) subtropische (S) sowie subpolare (P) und arktische (A) Luft. Nach dieser Logik erhält „unsere“ aktuelle Luftmasse aus der Baffin Bay bzw. der Labradorsee als subpolare Luftmasse ein „P“.

Die Luft wird auf ihrem Weg zu uns, wie oben schon angedeutet, nicht vermischt. Das bedeutet aber nicht, dass sie nicht durchaus verändert wird. Hier sei einerseits die Erwärmung von arktischer oder polarer Luft genannt, beispielsweise durch solare Einstrahlung, aber auch durch warme Oberflächen (etwa Meeresoberflächen). Dieser Erwärmungsprozess wird bei der Luftmassenklassifikation mit einem angefügten „s“ gekennzeichnet. Andererseits wird, je nachdem ob die Luftmasse über Festland oder Meeresoberflächen strömt, weniger oder mehr Feuchte in die Luftmasse eingetragen. Deshalb unterscheidet man durch ein vorgestelltes „c“ oder „m“, ob es sich um eine kontinental oder maritim beeinflusste Luftmasse handelt.

Für die letztgenannte Unterscheidung kann man sich z. B. arktische Luftmassen aus der Region um den Nordpol vorstellen. Strömen diese über Skandinavien zu uns, dann handelt es sich um „cA“, also kontinentale Arktikluft. Macht die Luft aber einen kleinen Bogen und strömt westlich an Norwegen vorbei über das Nordmeer, dann wird von „mA“, also von maritimer Arktikluft gesprochen. Mit fast dem gesamten Nordatlantik überströmt auch „unsere“ aktuelle Luftmasse mehrheitlich Meer, sie bekommt damit auch ein „m“ verpasst und nennt sich folglich „mP“ für maritime Polarluft.

Sehr schön strukturiert erhält man diese Informationen auch im DWD-Lexikon oder im Thema des Tages meines Kollegen Adrian Leyser vom 06.01.2021 , insbesondere auch eine Tabelle mit allen gängigen Luftmassenbezeichnungen. Dort werden auch die letzten noch offenen Fragen geklärt, nämlich die nach der Luftmasse „Sp“ (für die mittleren Breiten) und das Präfix „“x“ bei Luftmassen, die nicht eindeutig maritim oder kontinental sind.

Luftmassen 2

Akkumulierter Niederschlag bis in die Nacht zum Dienstag nach ICON-EU (links) sowie IFS (rechts), Modellläufe jeweils 12.03.2026, 00 UTC

Das Wetterlexikon wartet darüber hinaus mit den typischen Eigenschaften der verschiedenen Luftmassen auf, grob unterschieden nach Sommer und Winter. Die Luftmasse „mP“ präsentiert sich im Winter demzufolge nasskalt mit Regen, im Bergland auch mit Schnee. Und genau so könnte eine grobe Wettervorhersage für die nächsten Tage tatsächlich aussehen. Um diesbezüglich etwas präziser zu werden, ist in Abbildung 2 der akkumulierte Niederschlag bis in die Nacht zum Dienstag dargestellt, einmal nach dem DWD-Modell ICON-EU, einmal nach dem europäischen Modell IFS. Der avisierte Regen soll sich bis dahin laut der Modelle im Westen und an den Alpen auf um die 30 l/m2 akkumulieren.

Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Wetterumstellung ante portas!

Während man heute in der Osthälfte Deutschlands noch eifrig Vitamin D tanken kann, hat sich der Himmel im Westen schon ordentlich zugezogen und es hat heute Vormittag angefangen, leicht zu regnen. Über der östlichen Mitte kündigen ein paar Schauer ebenso die nahende Umstellung an, wobei dies durch Schauer und einzelne Gewitter bereits am gestrigen Dienstag erkennbar war. Diese Gewitter kann es am heutigen Mittwoch auch über Bayern und dem Osten Baden-Württembergs geben, da vorderseitig der heranziehenden Kaltfrontokklusion (okkludierte Front mit Kaltfrontcharakter) noch ein Rest feuchterer und labil geschichteter Luft liegt. Auch die Temperaturen zeugen von einer deutlichen Umstellung, denn so liegen sie im Osten häufig noch bei 17 bis 18 Grad, im Westen dagegen ist bei 11 bis 13 Grad meistens Schluss. Böiger Südwestwind lässt das ganze nochmals etwas kühler wirken.
Wetterumstellung ante portas 1

Während es im Westen schon regnet, scheint über dem Osten noch verbreitet die Sonne. Über dem Süden haben sich derweil erste Gewitter entwickelt.

In der Nacht überquert die Front unter stetiger Abschwächung dann weite Teile des Landes und erreicht den Osten und Südosten, um sich hier aber zusehends aufzulösen. An den Alpen kann es oberhalb von 1000-1200 m sogar wieder etwas schneien.

Wetterumstellung ante portas 2

Auf der Karte dargestellt ist die Großwetterlage am heutigen Mittwochmittag. Gut zu erkennen ist die von Nordwesten heranziehende Okklusionsfront, die die Wetterumstellung einleitet.

Ansonsten ist nach dem teils ungeständigen Mittwoch am morgigen Donnerstag erstmal wieder Durchschnaufen angesagt. Mit einem Ableger des umfangreichen Azorenhochs namens LUKAS herrscht landesweit ruhiges, teils sonniges Wetter vor mit Temperaturen von 12 bis 14, gelegentlich auch um 15 oder bis knapp 16 Grad. Der Wind spielt eine nur untergeordnete Rolle.

Wie für ein Zwischenhoch aber so üblich hat auch das nicht lange Bestand. Denn am Atlantik tut sich was, weil das umfangreiche Tief FRITAUN Verstärkung von GINA bekommt, woraus sich ein großräumiges Tiefdrucksystem entwickelt. Davon ausgehend greift eine langsam ziehende, teils sogar wellende Kaltfront am Freitag wieder auf den Westen/Nordwesten über und bringt Regenfälle, die mitunter etwas kräftiger ausfallen können.

Wetterumstellung ante portas 3

Am Freitag sorgt eine langgestreckte, teils wellende Kaltfront für erneutes Regenwetter und ordentlich Wind.

Aufgrund der trockenen Vorgeschichte ist der Regen mehr Segen als Fluch für die Natur. Die Regenfälle liegen am Freitagmittag quer über der Nordwesthälfte, um abends und nachts auch den Osten und Südosten zu erreichen. Vorderseitig wird es einerseits nochmals mild mit bis zu 18 Grad, andererseits weht aber auch ein böiger Süd- bis Südwestwind. Rückseitig strömt dann Meereskaltluft ein, was die Schneefallgrenze kurz vor dem Abklingen der Niederschläge wieder herunterdrückt und Schneefall in einigen Gipfellagen der Mittelgebirge ermöglicht.

Am Samstag geht das Wechselspiel munter weiter, denn wieder ist es Zwischenhocheinfluss, der für meist ruhiges, wenn auch kühleres Wetter sorgt bei Höchstwerten um 7 bis 12 Grad.
Und am Sonntag? Natürlich wieder die umgekehrte Welt mit einem weiteren heranziehenden Frontensystem und neuen Niederschlägen von Nordwesten her.

Wetterumstellung ante portas 4

Im Trend für Wiesbaden wird deutlich, dass es erstmal vergleichsweise mild bleibt mit meistens über 10, teils um 15 Grad, vor allem ab der kommenden Woche. Dazu gibt es bis einschließlich Montag immer wieder Regen, bevor es tendenziell trockener wird.

Kurz noch zum Trend für die neue Woche, der aber noch mit größeren Unsicherheiten behaftet ist: Nach einem noch unbeständigen Montag tendiert das Wetter ab Dienstag wieder mehr zu Hochdruck, womit eine „Wetterrückstellung“ bevorstehen könnte. Wie lange dieser anhält und ob die Temperaturen an die der vergangenen Tage heranreichen, ist noch mehr als ungewiss.

M.Sc.-Meteorologe Oliver Reuter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 11.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Frag doch mal die Maus

Am vergangenen Samstag, den 07. März, feierte die Maus aus der vom WDR produzierten „Sendung mit der Maus“ ihren 55. Geburtstag. Die von der Illustratorin Isolde Schmitt-Menzel erfundene Zeichentrickfigur hatte am 07. März 1971 ihren ersten Fernsehauftritt. Seither hilft die Maus Generationen von Kindern und junggebliebenen Erwachsenen bei der Beantwortung jeglicher Fragen. Ein kleiner Funfact: Obwohl die Sendung hauptsächlich für Kinder konzipiert ist, liegt das Durchschnittsalter der ZuschauerInnen bei knapp 40 Jahren.

Die orangefarbene Maus mit ihren braunen Ohren und ihrem charakteristischen Augenklimpern hat sich über die Jahrzehnte im Wesentlichen nicht verändert. Seit dem 05. Januar 1975 wird sie vom blauen Elefanten und seit dem 11. Januar 1987 auch von der gelben Ente begleitet. Treue Maus-Fans kennen zudem die verschiedenen Moderatoren. Die drei Dienstältesten dabei sind: Armin Maiwald (seit 1971, also von Beginn an), Christoph Biermann (seit 1983) und Ralph Caspers (seit 1999).

Der Hauptsendetermin der 30 Minuten dauernden Sendung ist in der ARD in der Regel sonntags um 09:30 Uhr, im KiKA erfolgt die Ausstrahlung sonntags um 11:30 Uhr, was der ursprünglichen Sendezeit entspricht. Inzwischen wurden mehr als 2.500 Sendungen produziert. Das Konzept ist einfach und doch genial. Bereits der Vorspann macht deutlich, um was es geht: Lach- und Sachgeschichten. Lachgeschichten sollen unterhaltsam sein, Sachgeschichten wiederum dienen der Wissensvermittlung. Getrennt werden die Elemente durch kurze Clips mit der Maus.

Bei den Sachgeschichten wird die Herstellung oder Funktionsweise von Gegenständen erläutert oder es wird erklärt, warum etwas so ist, wie es ist. Daneben werden Zuschauerfragen aufgegriffen und beantwortet. Durch die Aktion „Frag doch mal die Maus“ entwickelte sich eine separate Quizshow, die seit 2005 mehrmals im Jahr am Samstagabend zur Primetime um 20:15 Uhr in der ARD ausgestrahlt wird.

Bekannte Fragen hierbei sind: „Wie kommen die Löcher in den Käse?“ „Und wie die Streifen in die Zahnpasta?“ Natürlich wurden auch schon meteorologische Themen behandelt. So wurde beispielsweise die Frage beantwortet, warum der Himmel blau ist (Video zur Frage „Warum ist der Himmel blau?“).

Treuen Zuschauerinnen und Zuschauern wird insbesondere in Erinnerung geblieben sein, wie die Maus (bei einer weiteren Weltraummission auch der Elefant) Alexander Gerst zur Internationalen Raumstation begleiten durfte. Daneben war besonders der Bau und die Inbetriebnahme des Flugzeugs Airbus A321 D-AIRY „Flensburg“ eindrücklich, was 2003 in neun Episoden ausgestrahlt wurde. Im Jahr 2015 war Christoph auch hier bei uns im Deutschen Wetterdienst zu Besuch mit der Frage, wie der Wetterbericht funktioniert (Video zur Frage „Wie funktioniert der Wetterbericht?“).

Interessant waren auch immer wieder die Sommerreisen oder Sommer-Sachgeschichten, bei denen über mehrere Wochen pro Sendung eine Episode ausgestrahlt wurde. Im Jahr 2022 wurde in sechs Teilen das Klima, der Klimawandel und klimafreundliches Handeln thematisiert (Beitrag mit Videos zu Klima, Klimawandel und klimafreundlichem Handeln).

Wenig verwunderlich ist, dass die Maus auch in Büchern jedweder Art vertreten ist: Von Gute-Nacht-Geschichten und Wimmelbüchern über Kochbücher bis hin zu den wissensvermittelnden Büchern der Reihe „Frag doch mal …“. Ein Band ist hierbei dem Klima und dem Wetter gewidmet. In diesem werden beispielsweise die Fragen beantwortet, was der Unterschied zwischen Wetter und Klima ist und warum es im Sommer warm und im Winter kalt ist.

Es ließe sich nun endlos weiter ausführen, was in der „Sendung mit der Maus“ alles schon erklärt wurde. Je nach Interesse wird man durch Recherche fündig. Und falls nicht: Frag doch mal die Maus! In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch, liebe Maus und auf mindestens weitere 55 Jahre!

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Ozeanische Strömungen

Luftströme in der Atmosphäre sind Alltag für uns Meteorologen im Vorhersagedienst. Auch in den Themen des Tages wird des Öfteren beispielsweise eine kalte Nordströmung oder eine feuchtwarme Südwestströmung erwähnt. Heute wollen wir ein Stockwerk tiefer gehen und uns die Ozeane anschauen.

Auch im Meerwasser gibt es Mechanismen, die der Atmosphäre ähneln. Die grundlegenden physikalischen Prinzipien und (Bewegungs-) Gleichungen sind sogar dieselben. Wie die Luft in der Atmosphäre hat kaltes Wasser eine höhere Dichte als warmes Wasser und sinkt somit in größere Tiefen hinab. Der ein oder andere hat hier bestimmt gestutzt – und das zurecht. Denn es gibt einen kleinen aber feinen Unterschied. Wasser weist im Temperaturbereich von +4 bis 0 °C eine Dichteanomalie auf. Das heißt in diesem Intervall ist die Dichteänderung genau umgekehrt: 0 °C kaltes Wasser ist leichter als +4 °C „warmes“ Wasser.

Im Gegensatz zu Luft muss für Wasser nicht nur die Temperatur, sondern zusätzlich der Salzgehalt (auch Salinität genannt) berücksichtigt werden. Hier gilt: Je salziger das Wasser ist, desto höher ist die Dichte. Durch diese beiden Bausteine wird eine weltumspannende Zirkulation in den Tiefen der Ozeane in Gang gesetzt, die thermohaline Zirkulation genannt wird.

Ozeanische Stroemungen 1

Abbildung 1: Skizze der thermohalinen Zirkulation, blau: Tiefsee, rot: Oberfläche. Salzgehalt des Meeres farbig hinterlegt. Markiert sind Übergangspunkte, an denen das Wasser absinkt. Quelle: Webb, Paul: „Introduction to Oceanography“, Kapitel 9 (Von Robert Simmon, NASA. Via Wikimedia Commons https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)

In Abbildung 1 ist der Kreislauf skizziert. Beginnen wir an den Punkten, die mit „deep water formation“ (deutsch: Tiefenwasserbildung) gekennzeichnet sind. Diese liegen einerseits auf hohen geographischen Breiten in der Nähe der Antarktis und der Arktis. Dort kühlt das Wasser an der Meeresoberfläche ab. Wie oben beschrieben, steigt dadurch die Dichte. Gleichzeitig finden dort noch andere Prozesse statt. Teile des Meerwassers gefrieren und bilden Eis, zusätzlich spielt die Wasserverdunstung auch eine Rolle. In beiden Prozessen bleibt das Salz im Meer „übrig“, dadurch steigt der Salzgehalt und somit auch die Dichte. In Abbildung 2 ist die Verteilung der Dichte an der Meeresoberfläche dargestellt. Die angesprochenen Regionen stechen durch ihre rot eingefärbten Werte hervor.

Ozeanische Stroemungen 2

Abbildung 2: Verteilung der jährlich gemittelten Seewasserdichte an der Meeresoberfläche. Tendenziell ist die Dichte im Bereich der Pole erhöht und am Äquator niedriger. Quelle: Webb, Paul: „Introduction to Oceanography“, Kapitel 6 (Von Plumbago via Wikimedia Commons https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)

Das kalte und salzige Meerwasser sinkt nun in die tieferen Ozeanschichten. In diesen Tiefen wird es dann auf verschiedenen Wegen in fast alle sieben Weltmeere transportiert (blaue Linien). Nach und nach mischt es sich mit wärmeren Wassermassen und steigt langsam an die Oberfläche. Das passiert vor allem im Pazifischen und im Indischen Ozean. Von dort tritt es seinen Rückweg an (rote Linien). Der uns wohl bekannteste Zweig dieses Systems ist der Golfstrom, der warmes Wasser von der Karibik in Richtung Europa bringt und dadurch das Klima in Nordwesteuropa milder gestaltet. Aber auch der Agulhasstrom an der Südspitze Afrikas oder der Kuroshio bei Japan gehören zu diesem System dazu.

Stellen wir uns vor wir würden uns heute ein Wasserpaket „aussuchen“ und es nachverfolgen. Um diese Weltreise zu durchlaufen würde ein Menschenleben nicht ansatzweise ausreichen. Über 1000 Jahre ist das Wasser quer durch die Ozeane unterwegs, bevor es wieder am Ausgangspunkt angelangt.
Doch auch diese Zirkulation ist äußeren Einflüssen unterworfen. Die IPCC-Berichte sammeln eine immense Menge an Informationen und wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Klimaveränderungen. Im letzten Bericht (siehe Link 1) aus dem Jahr 2021 wird beschrieben, dass die globale Erwärmung in Folge des Klimawandels es sehr wahrscheinlich macht, dass sich der nordatlantische Teil der Zirkulation in diesem Jahrhundert verlangsamen wird. Ein Grund dafür ist, dass die Eisschmelze Frischwasser in die Bereiche führt, in denen das Wasser absinkt. Das wirkt dem Dichteanstieg entgegen und verlangsamt das System. Die Stärke dieser Abschwächung ist dabei jedoch sehr ungewiss. Ein plötzlicher Kollaps der Zirkulation tritt jedoch mit mittlerer Konfidenz nicht ein. Der komplette Stopp der Warmwasserzufuhr und ein Katastrophenszenario wie es beispielsweise im Film „The Day After Tomorrow“ thematisiert wird, ist also nicht wahrscheinlich. Trotzdem ist das Klima schützenswert, denn die Vorgänge sind komplex und mögliche Folgen oft schwer zu durchschauen.

M.Sc. (Meteorologe) Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Gewitter und Saharastaub

Hoch KONRAD und sein Mitspieler JANNIS bestimmen das Wettergeschehen in weiten Teilen von Mitteleuropa. Auf der Rückseite des Hochs werden dabei sehr milde Luftmassen nach Deutschland geführt. Gleichzeitig beeinflusst ein Höhentief den südwestlichen Mittelmeerraum sowie Teile Nordafrikas. Dort kommt es über Nordafrika und der Sahara zu Schauern und Gewittern, wodurch Saharastaub aufgewirbelt und weit nach Norden bis nach Mitteleuropa transportiert wird.

Trotz Hochdruckeinfluss präsentiert sich der Himmel am heutigen Sonntag daher vielerorts nicht völlig klar. Sichtbar wird der Saharastaub durch eine milchig-weiße bis leicht gelbliche Einfärbung des Himmels. Diese entsteht durch die Streuung des Sonnenlichts an den Staubpartikeln in der Atmosphäre.

Die Staubaerosole wirken zudem als Eiskeime und können dadurch die Wolkenbildung beeinflussen. Bei solchen Wetterlagen bilden sich daher häufig hohe Schleierwolken, die die Sonneneinstrahlung dämpfen. Dadurch kann auch die Temperaturentwicklung etwas geringer ausfallen als ursprünglich prognostiziert.

Gewitter und Saharastaub 1

Analysekarte für Sonntag, den 08.03.2026 um 12 UTC. Weiterhin bestimmt hoher Luftdruck das Wettergeschehen in weiten Teilen Mitteleuropas. (Quelle: DWD)

Gewitter und Saharastaub 2

Vorhersage der Staubkonzentration über Europa für Montag, den 09.03.2026 um 06 UTC. Erhöhte Staubkonzentrationen befinden sich vor allem über Südwest- und Westdeutschland. (Quelle: DWD)

Doch welchen Einfluss haben solche Staubausbrüche auf die Gewitterbildung?

Gelangen größere Mengen Saharastaub in höhere Schichten der Troposphäre, kann dies die atmosphärische Stabilität verändern. Staubpartikel absorbieren einen Teil der kurzwelligen einfallenden Sonnenstrahlung, wodurch sich in der Höhe eine relativ warme Luftschicht bildet. Diese wirkt wie eine Art Deckel und kann die Entwicklung von Schauern und Gewittern zunächst hemmen.

Gleichzeitig agieren Staubpartikel jedoch auch als Kondensations- und Eiskeime. Eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigt, dass Hagelereignisse bei erhöhter Staubbelastung über Mitteleuropa häufiger auftreten können. In den untersuchten Fällen lag die Staubkonzentration an Tagen mit Hagel im Durchschnitt etwa 1,8-mal höher als an Tagen ohne Hagel.

Durch die erhöhte Anzahl an Aerosolen in der Troposphäre verzögert sich häufig der Niederschlagsbeginn. Dadurch können sich mehr unterkühlte Wassertröpfchen bilden – ein entscheidender Prozess für die Entstehung von Hagel.

Allerdings zeigt sich dieser Effekt vor allem bei moderaten Staubmengen. Bei sehr hohen Staubkonzentrationen überwiegt die stabilisierende Wirkung der erwärmten Luftschicht. In diesem Fall werden Aufwinde abgeschwächt und die Entwicklung kräftiger Gewitter kann teilweise unterdrückt werden.

Betrachtet man verschiedene Gewittertypen, zeigt sich ein differenziertes Bild: Schwache Einzelzellengewitter werden durch Saharastaub häufig eher gehemmt. Multi- und Superzellengewitter können hingegen unter bestimmten Bedingungen sogar begünstigt werden. Durch die größere Anzahl an Aerosolen entstehen mehr unterkühlte Wassertröpfchen und der Niederschlagsbeginn verzögert sich. Dies kann langlebige Gewitterzellen fördern.

Zudem kann bei solchen Gewittern auch eine erhöhte Blitzaktivität auftreten. Durch die größere Anzahl an Eispartikeln in der Gewitterwolke kommt es verstärkt zu Ladungstrennungen – ein wichtiger Prozess für die Blitzentstehung. Besonders Wolkenblitze können dadurch häufiger auftreten.

Aktuell ist vor allem im Südwesten des Landes eine erhöhte Staubkonzentration erkennbar. Dazu sind bereits Morgen über dem südwestlichen Bergland einzelne Gewitter nicht ausgeschlossen. Am Dienstag und vor allem am Mittwoch treten dann voraussichtlich etwas häufiger Gewitter auf. Da es sich dabei meist um schwache Einzelzellengewitter handeln dürfte, könnte die erhöhte Konzentration an Saharastaub in der Troposphäre einen hemmenden Einfluss auf deren Entwicklung nehmen.

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Radaranalyse an einem Gewittertag: Ein kleiner Einblick

Keine Frage, beim Thema der Gewittervorhersage fließen unzählige Informationen in die Entscheidungsfindung ein, und es kommen einige Fragen auf. Welche Begleiterscheinungen wie Hagel, Starkregen oder Böen werden mit den Gewittern bevorzugt auftreten? Darf sich der Warnmeteorologe/die Warnmeteorologin im Dienst (und letztendlich auch die Bevölkerung) nur auf kurzlebige Gewitter einstellen, die hier und da einen Regenguss mit etwas Wind bringen, oder fördern die Bedingungen langlebige Konvektion, die mit allen Schikanen einhergeht und über Stunden durch die Landschaft zieht? Diese Art der Vorhersage wird u.a. mit Hilfe der „Zutatenmethode“ durchgeführt und zielt auf eine rechtzeitige Abschätzung des Gewitterpotenzials teils mehrere Tage im Voraus ab (Link 1).

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in der Folge im Text verallgemeinernd das generische Maskulinum verwendet. Diese Formulierungen umfassen gleichermaßen weibliche, männliche und diverse Personen, sodass alle Personen damit selbstverständlich gleichberechtigt angesprochen werden.

Heute interessiert uns aber nicht der Zeitraum vor der Entwicklung von Gewittern, sondern wir schauen uns die Ausgangslage an, wo sich die Gewitter bereits entwickelt haben, und zwar aus dem Blickwinkel eines Warnmeteorologen. Ein Warnmeteorologe ist dafür zuständig, Warnungen rechtzeitig zu erstellen und diese zeitnah an die Kunden zu verschicken. Dafür ist er beim Deutschen Wetterdienst in der glücklichen Position, unzählige Werkzeuge zur Hand zu haben, mit denen er die Gewitterzellen genau verfolgen und ggf. korrigierend ins Warnwesen eingreifen kann. Eines dieser Werkzeuge ist das Wetterradar.

Die Analyse von Radarbildern stellt eine sehr komplexe und äußerst umfangreiche Aufgabe dar, weshalb wir uns heute der Übersicht wegen nur auf einen sehr kleinen Teilaspekt der Radarsignaturerkennung fokussieren. Bei der Gewitteranalyse mit Hilfe eines Wetterradars steht besonders die Frage im Raum, wie organisiert (und folglich auch schadensträchtig) das Gewitter in Echtzeit ist. Auch das heftigste Gewitter fängt mal klein und schwach an, kann jedoch unter bestimmten Bedingungen (siehe „Zutatenmethode“) innerhalb kürzester Zeit an Intensität und somit auch an Gefahrenpotenzial gewinnen. Der Meteorologe muss daher die zahlreichen Hinweise und Signaturen im Radar erkennen und richtig deuten.

Bei einem organisierten Gewitter, das eine hohe Lebenserwartung hat und nicht selten mit unwetterartigen Begleiterscheinungen einhergeht, kann man z.B. im Radar einen rotierenden Aufwind erkennen. Wie ein Wetterradar solche Bewegungen erkennt, wurde u.a. im Thema des Tages vom 25. August 2021 beschrieben und kann dort gerne nachgelesen werden (Link 2). Wieso ist es von Interesse, ob ein Aufwind innerhalb eines Gewitters rotiert oder nicht? Wenn es zur Rotation kommt, dann sind die Ausgangsbedingungen für sogenannte Superzellen gegeben, die grob gesagt sehr dynamische Gewitter darstellen und meist mit den heftigsten Begleiterscheinungen einhergehen. Auch dazu gab es bereits diverse Themen des Tages, wie z.B. vom 28.07.2023 (Link 3) und auch mit beeindruckenden Bildern u.a. vom 29. August 2025 (Link 4).

Von großer Bedeutung bei der Analyse von Radarbildern ist die Information, wo sich das Radar im Vergleich zur analysierten Gewitterzelle befindet, denn nur dann kann man die Daten richtig interpretieren. Mit diesem Wissen kann man abschätzen, ob eine Bewegung auf den Radarstandort zu oder von diesem weg stattfindet. Bewegungen zum Radar werden z.B. mit grüner Farbe dargestellt, Bewegungen vom Radar weg in roter Einfärbung. Wichtig ist auch zu wissen, in welcher Höhe das Radargerät misst, denn der ausgesandte Radarstrahl gewinnt dank der Erdkrümmung zum Erdboden stetig an Höhe. Ob eine Rotation z.B. in 5 km über Grund oder bodennah vorhanden ist, hat natürlich für die aktuelle Erstellung von Gewitterwarnungen eine große Bedeutung.

Nehmen wir nun mal einen fiktiven Sommertag an. Die Sonne scheint, die Luftmasse ist drückend schwül und die Tage zuvor wurde bereits von den Meteorologen darauf hingewiesen, dass die Ausgangsbedingungen für Superzellen am heutigen (fiktiven) Tag sehr gut sind: hohe Windscherung, also eine Änderung der Windgeschwindigkeit und Windrichtung mit der Höhe und eine feuchte sowie energiereiche Luftmasse überlagern sich. Dass die Hebung ausreicht, ist beim Blick auf das Wetterradar ersichtlich, denn es haben sich soeben die ersten Gewitter entwickelt, die vom Warnmeteorologen argwöhnisch beobachtet werden. Dabei richtet sich der Blick rasch auf die Information vom Wetterradar, die uns die Bewegungskomponente der Niederschlagsteilchen anzeigt. Dabei sieht er, wie bei einem Gewitter die rote Farbe (Bewegung weg vom Radar) und die grüne Farbe (Bewegung zum Radar hin) sehr nahe beieinander liegen. Als visuelles Beispiel dienen die Fälle vom 15. September 2025 bei Fürstenwalde/Spree (BB) sowie vom 25. Mai 2025 in der Nähe von Güstrow (MV).

Radaranalyse an einem Gewittertag 1

Bild 1: Radarbild (Geschwindigkeitsfeld) vom 15. September (1a bis 1d) sowie vom 25. Mai 2025 (1e)

An beiden Tagen handelte es sich in der Tat jeweils um einen rotierenden Aufwind. Für den 15. September wurde die Herangehensweise gezeigt, wie man (gedanklich) nachweist, dass es sich in der Tat um eine reine Rotation gehandelt hat. Die Bilder 1b bis 1d heben im Zoom direkt die Rotation mit nahe beieinander liegenden Windmaxima hervor, die vom Radar weg (rot) und auf den Radarstandort zu zeigen (grün). In 1d wurde in gelber Farbe ein fiktiver Radarstrahl eingezeichnet (durchgezogene Linie). Liegen die beiden Windmaxima normal und nahezu in demselben Abstand zu der gelben Linie (gestrichelt), dann liegt eine reine Rotation vor (mit ähnlicher Signatur eines Rankine-Wirbels). Mit dieser Erkenntnis lassen sich nun Rückschlüsse treffen, wie sich das Windböen- und/oder Tornadopotenzial zeitnah entwickelt.

Von Bedeutung ist auch, wie fokussiert die Rotation im Wetterradar erscheint. Während diese bei Fürstenwalde (15. September) sehr kompakt ausfällt, sieht sie am 25. Mai (Bild 1e) deutlich diffuser und schwächer aus. Sollten zahlreiche weitere Umgebungsbedingungen günstig sein, dann muss man bei beiden Signalen auf jeden Fall mit einer erhöhten Gefahr vor Windböen rechnen. Besonders bei der Rotation nördlich von Fürstenwalde kann aber auch ein Tornado nicht ausgeschlossen werden, wobei aber dieser vor allem in dieser Entfernung nicht direkt vom Radar erfasst wird.

Man darf nicht vergessen: Dies ist nur ein Höhenbereich (eine Radarelevation), der hier betrachtet wurde. In Echtzeit muss der Warnmeteorologe noch alle anderen Radarelevationen anschauen und analysieren, wie hochreichend die Rotation ist, ob es Intensivierungs- oder Abschwächungshinweise beim Aufwind gibt und vieles, vieles mehr.

Doch wie so oft in der Natur gibt es nicht nur das Eine (eine reine Rotation), sondern auch zahlreiche Mischformen. Dies wird versucht in der folgenden Skizze hervorzuheben.

Radaranalyse an einem Gewittertag 2

Bild 2: Skizze der Rotation und Vergenzen, die von einem Radar dargestellt werden.

Nun wird es noch spannender, aber auch komplexer bei der Interpretationsfindung, denn jetzt ergeben sich versetzte Maxima der Bewegungsfelder, die zudem auch nicht die gleiche Entfernung zum Radarstandort aufweisen. Dabei handelt es sich also nicht mehr um eine reine Rotation, sondern eher um eine die Rotation überlagernde Konvergenz (Zusammenströmen) oder Divergenz (Auseinanderströmen). Dieser Aspekt ist wichtig, denn im Falle einer zyklonalen Konvergenz (gegen den Uhrzeigersind) befindet sich z.B. ein rotierender Aufwind in der Intensivierungsphase und bietet dadurch dem Warnmeteorologen etwas Vorlauf, um Intensitätsänderungen der Gewitter abschätzen zu können. Als Beispiel dient der 15. Juli 2025 (Bild 3).

Radaranalyse an einem Gewittertag 3

Bild 3: Radarbild vom 15. Juli 2025 um 11 UTC (3a bis 3c) sowie um 11:15 UTC (3d bis 3f).

Die gelbe Linie stellt einen fiktiven Radarstrahl dar und das Plus- und Minuszeichen jeweils die stärkste Bewegung zum Radar hin bzw. vom Radar weg. In 3c) erkennt man, dass die beiden Vorzeichen keinen Dipol in gleicher Entfernung zum Radar bilden, der Meteorologe hier aber eine zyklonale Konvergenz ausmachen kann (die rote Farbe liegt näher am Radar, hebt also eine Bewegung weg vom Radar hervor, während die Bewegung zum Radar mit der grünen Farbe links davon liegt und die zyklonale Natur der vorhandenen (kleinräumigen) Rotation anzeigt, eingebettet in umfangreicher Konvergenz). Der Warnmeteorologe weiß also, dass man auf diese Gewitterzelle besonders Acht geben muss und dass die Warnung ggf. zeitnah verschärft werden muss. Nur 15 Minuten später (Bild 3d bis 3f) liegen beide Vorzeichen in gleicher Entfernung zum Radar und bilden einen fokussierten Dipol. Zu dem Zeitpunkt kann man (bei günstigen Umgebungsbedingungen) auch die Bildung eines Tornados nicht ausschließen. Mit der Analyse vom Radar ergibt das eine Vorlaufzeit von zumindest 10 min, was bei der Gewittervorhersage viel (und wertvolle) Zeit darstellt.

Diese Gegensätze der Bewegung enden jedoch nicht bei einer Rotation, sondern können auch in einer Linie auftreten.

Radaranalyse an einem Gewittertag 4

Bild 4: Radarbild vom 26. Juni 2025 sowie vom 15. Juli 2025 (4a und 4b: oben Reflektivität, unten Geschwindigkeitsfeld).

Dabei kann ein Warnmeteorologe z.B. einen Bereich herausarbeiten, wo ein zeitnah auftretendes und sehr lokales Windmaximum auftreten kann (Abwind, engl. „downburst“), das je nach Intensität auch mit Orkanböen für Furore sorgt (Bild 4 a, Reflektivität oben und Geschwindigkeitsfeld unten). Man erkennt hier, dass die grüne Einfärbung näher am Radarstandort zu finden ist als die rote Einfärbung und somit ein bodennahes Ausfließen dargestellt wird. Im Beispielbild erkennt man, wie lokal so ein Ereignis ausfallen kann.
In Bild 4b sind die Vorzeichen verkehrt und hier erkennt der Warnmeteorologe starke Konvergenz, also Zusammenströmen der Luftmassen. Dies ist ein Anzeichen, dass die Konvektionslinie sehr kräftig ist und entsprechende Begleiterscheinungen wie starke Böen wahrscheinlich sind. Auch bei dieser linienhaften Anordnung der Farben muss man sehr genau darauf achten, ob nicht irgendwo lokal die Rotation an Dominanz gewinnt, sodass wir z.B. wieder in den Bereich einer zyklonalen/antizyklonalen Konvergenz gelangen. Dies würde bedeuten, dass z.B. das Tornadopotenzial zeitnah/vorübergehend zunimmt.

Behält man nun auch noch im Hinterkopf, wie störanfällig ein Radarsignal sein kann (durch meteorologische oder andere Faktoren), so wird schnell klar, wie komplex und umfangreich die Radaranalyse ist, die vom Warnmeteorologen während einer Gewitterlage über Stunden durchgeführt werden muss. Natürlich findet eine gewisse Unterstützung von automatischen Verfahren statt, die jedoch nicht alles erkennen und ebenfalls der Störanfälligkeit beim Radar unterworfen sind.

An dieser Stelle soll nun aber der kurze Ausflug in die Interpretation von Radardaten beendet werden. Auch wenn die vergangenen Tage beim Blick aufs Radar sehr ruhig ausfielen, so hatten die Warnmeteorologen des Deutschen Wetterdienstes bereits Ende Februar dieses Jahres die ersten rotierende Aufwinde auf dem Bildschirm (Bild 5) – ein dezenter Hinweis, dass die Gewittersaison nun wirklich in den Startlöchern steht. Vielleicht können ja auch Sie das gewonnene Wissen bald bei der eigenen Gewitteranalyse anwenden.

Radaranalyse an einem Gewittertag 5

Bild 5: Radarbild vom 23. Februar 2026 (links Reflektivität, rechts Geschwindigkeitsfeld)

Diplom-Meteorologe Helge Tuschy
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Die Omegawetterlage

Bisher sorgte anhaltendes Hochdruckwetter für einen trockenen und ungewöhnlich warmen Start in den März. Ursache ist eine sogenannte Omegawetterlage. Diese stellte sich Ende Februar ein, als es im Nordosten Kanadas zu einem kräftigen Kaltlufteinbruch kam. Dabei fließt die Kaltluft über dem vergleichsweise warmen Atlantik aus und sorgt dort für Tiefdruckbildung. Somit liegt über dem Nordatlantik ein sich immer wieder regenerierendes Höhentief, also ein Tiefdruckgebiet in höheren Luftschichten zwischen etwa 4 und 9 km Höhe.

Auf dessen Ostseite gelangt mit südlicher Strömung sehr warme Luft aus Nordafrika nach West- und Mitteleuropa. Dadurch hat sich ein kräftiges Hochdruckgebiet über Mitteleuropa aufgebaut. Dieses kann jedoch nicht nach Osten abziehen, da sich über Westrussland ein weiteres Höhentief befindet. Eingekeilt zwischen diesen beiden Höhentiefs bleibt die Lage des Hochdruckgebietes relativ stabil, sodass solche Wetterlagen meist über einen längeren Zeitraum hinweg bestehen bleiben.

Bei einer Omegalage nimmt die Höhenströmung die Form des griechischen Buchstabens Ω an, daher der Name. Solche blockierenden Wetterlagen entstehen, wenn der Jetstream stark gewellt ist und ein kräftiges Hochdruckgebiet zwischen zwei Tiefdruckgebieten festliegt. Dadurch wird der Westwindstrom umgelenkt oder unterbrochen und das Muster bleibt über längere Zeit nahezu stationär.

Zusätzlich wirkt der sogenannte Beta-Effekt: Er beschreibt, dass die Corioliskraft (scheinbare Ablenkung durch die Erdrotation) mit zunehmender geografischer Breite stärker wird und dadurch die Dynamik großräumiger Wellen im Jetstream beeinflusst. In ausgeprägten Wellenlagen trägt dieser Effekt dazu bei, dass sich das Muster nur langsam weiter verlagert und länger bestehen bleibt. In einer Omegalage unterstützt er somit die typische Wellenform der Höhenströmung und die Stabilität der Lage.

Die Omegawetterlage 1

Die Karte zeigt die Höhenwetterkarte auf der 500-hPa-Niveaufläche (in etwa 5 km Höhe) am Freitagmittag. Es zeigt ein kräftiges Höhenhoch über Mitteleuropa, flankiert von Tiefdruckgebieten. Die Höhenströmung nimmt dabei die Form eines Omegas an.

Die Omegawetterlage 2

Das Meteosat Third Generation Echtfarbenbild vom 06.03.2026 Freitagmittag zeigt ein wolkenfreies Gebiet über Mitteleuropa, dass mit dem angesprochenen Höhenhoch zusammenhängt. Eine südliche Strömung führt dabei Luft aus Nordafrika heran, die mit Saharastaub beladen ist.

In den vergangenen Jahren häuften sich solche Omegalagen im Frühling, sodass es oft zu trockenen und warmen Phasen kam.

Auch am Wochenende bleibt die warme Luft aus Nordafrika wirksam und sorgt im Westen für Höchsttemperaturen von über 20 °C. Die Nächte bleiben jedoch weiterhin relativ frisch, teils sogar frostig. Verantwortlich dafür ist die vergleichsweise lange nächtliche Ausstrahlung in den meist klaren Nächten zu dieser Jahreszeit.

Ab Beginn der nächsten Woche wird die Omegalage dann allmählich abgebaut. Das Hoch verlagert sich ostwärts Richtung Russland und macht Platz für atlantische Tiefausläufer. Diese gestalten das Wetter vor allem im Westen zunehmend wechselhaft, besonders ab Mitte der nächsten Woche. Trotz einer leichten Abkühlung bleibt das Temperaturniveau dabei weiterhin über dem für Anfang März üblichen klimatologischen Mittel.

Die Omegawetterlage 3

Die Höhenwetterkarte auf der 500-hPa-Niveaufläche für Mittwoch, den 11.03.2026 zeigt, dass sich das Omegahoch weitestgehend abgebaut hat. Die Strömung verläuft nun glatter von West nach Ost.

Christian Herold

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Saharastaub – Herkunft, Transport und Bedeutung eines globalen Naturphänomens

Mehrmals pro Jahr erreicht mineralischer Staub aus Nordafrika auch Mitteleuropa. In der Atmosphäre äußert sich das durch eine diffuse Trübung des Himmels, verringerte Fernsicht und bei Niederschlag durch rötliche Ablagerungen auf Oberflächen. Diese Ereignisse entstehen, wenn Luftmassen aus der Sahara in höhere Atmosphärenschichten gelangen und mit der großräumigen Strömung über Tausende Kilometer transportiert werden. Saharastaub gehört zu den wichtigsten natürlichen Aerosolen der Erde und beeinflusst atmosphärische Prozesse, Ökosysteme und Strahlungsbilanzen weit über den afrikanischen Kontinent hinaus.

Die Sahara als größte Staubquelle der Erde

Die Sahara ist mit rund neun Millionen Quadratkilometern die größte heiße Wüste der Erde. Sie erstreckt sich über große Teile Nordafrikas vom Atlantik bis zum Roten Meer. Entgegen dem verbreiteten Bild besteht die Wüste nur zu einem kleineren Teil aus Sanddünen. Etwa fünfzehn Prozent der Fläche sind Dünenfelder, während große Bereiche aus Fels und Schotterflächen sowie aus ehemaligen Seebecken bestehen.

Gerade diese Regionen liefern den größten Anteil des atmosphärischen Staubs. Feinkörnige Sedimente können dort leicht mobilisiert werden, da Vegetation fehlt und Böden häufig ungeschützt der Erosion ausgesetzt sind. Die Sahara gilt daher als wichtigste Quelle mineralischer Aerosole weltweit.

Schätzungen gehen davon aus, dass jährlich zwischen etwa hundert Millionen und rund einer Milliarde Tonnen Staub aus Nordafrika in die Atmosphäre gelangen. Damit stammen etwa fünfzig bis siebzig Prozent der globalen Staubemissionen aus dieser Region.

Geologie und Zusammensetzung des Saharastaubs

Saharastaub besteht überwiegend aus mineralischen Partikeln, die aus der Verwitterung von Gesteinen und Böden stammen. Typische Bestandteile sind Quarz, Feldspäte, Tonminerale, Glimmer sowie verschiedene Carbonate. Viele dieser Mineralien enthalten Eisenverbindungen.

Die mineralische Zusammensetzung wirkt wie ein geologischer Fingerabdruck. Verschiedene Regionen der Sahara besitzen unterschiedliche Gesteinsarten und Sedimente. Dadurch lassen sich Staubproben häufig bestimmten Herkunftsgebieten zuordnen.

Eisenhaltige Minerale wie Magnetit oder Hämatit können dazu führen, dass Staubpartikel schwach magnetische Eigenschaften besitzen. Diese Eigenschaften sind eine direkte Folge der natürlichen Mineralogie der Ausgangsgesteine.

Entstehung des Staubs durch Verwitterung und Erosion

Der mineralische Staub entsteht durch langfristige geologische Prozesse. Mechanische Verwitterung durch starke Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht führt zur Zerkleinerung von Gesteinen. Zusätzlich wirken chemische Prozesse sowie gelegentliche Wasserumlagerungen während seltener Niederschläge.

Über lange Zeiträume entstehen dadurch feine Sedimente, die an der Oberfläche der Wüste liegen. Diese Sedimente werden ständig neu gebildet, da Verwitterung und Erosion fortlaufend Material aus dem Untergrund freilegen.

Physikalische Prozesse der Staubmobilisierung

Starke Winde können diese feinen Sedimente vom Boden lösen. Ein zentraler Prozess ist die sogenannte Saltation. Größere Sandkörner springen durch den Wind über die Oberfläche und schlagen beim Auftreffen kleinere Partikel aus dem Boden heraus.

Während die groben Sandkörner meist in Bodennähe bleiben, gelangen die feineren Staubpartikel in die Atmosphäre. Besonders effektiv geschieht dies bei Staubstürmen oder in Wetterlagen mit starken Druckgradienten.

Vertikaler Transport in die Atmosphäre

Damit Saharastaub über große Entfernungen transportiert werden kann, muss er zunächst mehrere Kilometer hoch in die Atmosphäre gelangen. Das geschieht durch turbulente Durchmischung der unteren Atmosphäre, durch konvektive Aufwinde und durch dynamische Hebungsprozesse in synoptischen Wetterlagen.

Vertikale Luftbewegungen können große Höhen erreichen. Thermische Aufwinde reichen häufig mehrere Kilometer hoch. In Gebirgsregionen können Aufwindsysteme sogar Höhen von über sechstausend Metern erreichen. In solchen Höhen wird der Staub von großräumigen Strömungen erfasst und über Kontinente hinweg transportiert.

Großräumige Transportwege in der Atmosphäre

Sobald Staub in höheren Atmosphärenschichten angekommen ist, kann er Tausende Kilometer weit transportiert werden. Ein bedeutender Teil des Staubs wird über den Atlantik transportiert und erreicht regelmäßig die Karibik sowie Teile Mittel und Südamerikas.

Ein anderer Transportpfad führt über das Mittelmeer nach Südeuropa und Mitteleuropa. In einzelnen Fällen gelangen Staubpartikel sogar bis in hohe Breiten der Nordhalbkugel.

Die Verweildauer solcher Aerosole in der Atmosphäre beträgt häufig ein bis zwei Wochen. Während dieser Zeit können sich Staubfahnen über sehr große Entfernungen ausbreiten.

Saharastaub in Europa

In Europa treten Saharastaubereignisse mehrmals pro Jahr auf. Typisch sind mehrere Episoden jährlich, bei denen Staub aus Nordafrika mit südlichen oder südwestlichen Luftströmungen über das Mittelmeer transportiert wird.

In der Atmosphäre verursacht der Staub häufig eine diffuse Trübung und eine gelblich bis rötlich gefärbte Luft. Bei Niederschlägen wird der Staub ausgewaschen und lagert sich auf Oberflächen ab. Dieses Phänomen wird umgangssprachlich als Blutregen bezeichnet.

Solche Ereignisse können auch kurzfristig die gemessenen Feinstaubkonzentrationen erhöhen und die Sichtweite deutlich reduzieren.

DWD Saharastaub-Statistik Anzahl der Tage

DWD Saharastaub-Statistik Anzahl der Tage

Globale ökologische Bedeutung

Saharastaub ist ein wichtiger Bestandteil globaler Stoffkreisläufe. Ein großer Teil der Partikel lagert sich über dem Atlantik ab. Dort liefert der Staub Mineralstoffe wie Eisen und Phosphor, die für das Wachstum von Phytoplankton wichtig sind.

Phytoplankton bildet die Grundlage vieler mariner Nahrungsketten und spielt eine zentrale Rolle im globalen Kohlenstoffkreislauf.

Auch der Amazonasregenwald profitiert vom Staubeintrag aus Afrika. In tropischen Regionen werden Nährstoffe durch starke Niederschläge kontinuierlich aus den Böden ausgewaschen. Der Eintrag von Mineralien aus Saharastaub trägt dazu bei, diese Verluste teilweise auszugleichen.

Einfluss auf Schnee und Eis

Saharastaub kann bis in hohe Breiten transportiert werden und sich dort auf Schnee und Eis ablagern. Dunkle Partikel absorbieren mehr Sonnenstrahlung als helle Oberflächen. Dadurch kann die Schmelze lokal verstärkt werden, insbesondere während sonniger Perioden.

Historische Beobachtungen

Berichte über rötlich gefärbten Regen finden sich bereits in antiken Texten und später in mittelalterlichen Chroniken. Damals wurde das Phänomen häufig als ungewöhnliches Naturereignis interpretiert.

Erst im 19 Jahrhundert begann eine systematische wissenschaftliche Untersuchung. Während der Reise der HMS Beagle sammelte Charles Darwin Staubproben auf den Kapverdischen Inseln und erkannte, dass das Material vom afrikanischen Kontinent stammen musste.

Auch um die Wende zum 20 Jahrhundert existieren wissenschaftliche Veröffentlichungen über Staubtransporte aus Nordafrika nach Europa. Damit ist das Phänomen seit mehr als einem Jahrhundert dokumentiert.

Moderne Messmethoden und Beobachtungssysteme

Heute wird Saharastaub mit einer Vielzahl moderner Messmethoden untersucht. Satelliten liefern globale Bilder von Staubfahnen und zeigen ihre Ausdehnung über Kontinente und Ozeane hinweg.

Am Boden messen Aerosolstationen kontinuierlich die Konzentration von Partikeln in der Atmosphäre. Lidar Systeme senden Laserimpulse in die Atmosphäre und bestimmen daraus Höhe und Dichte von Staubschichten.

Zusätzlich werden Staubproben im Labor analysiert. Die mineralische Zusammensetzung ermöglicht Rückschlüsse auf die Herkunftsregion innerhalb der Sahara.

Vorhersage von Staubereignissen

Moderne Wettermodelle und Aerosolmodelle erlauben heute eine relativ genaue Vorhersage von Staubtransporten. Satellitendaten, atmosphärische Messungen und numerische Modelle werden kombiniert, um Transportwege und Konzentrationen zu berechnen.

Dadurch lassen sich Staubereignisse in Europa oft mehrere Tage im Voraus prognostizieren.

Bedeutung für Wetter Klima und Luftqualität

Aerosole wie Saharastaub beeinflussen mehrere Prozesse in der Atmosphäre. Sie können als Kondensationskerne für Wolkentröpfchen dienen und damit indirekt die Wolkenbildung beeinflussen.

Darüber hinaus wirken Staubpartikel auf die Strahlungsbilanz der Atmosphäre, da sie einfallende Sonnenstrahlung streuen oder absorbieren. Während intensiver Staubereignisse können sie auch kurzfristig die Luftqualität beeinflussen.

Quellen und weiterführende Informationen

https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2024/2/29.html
https://www.dwd.de/DE/forschung/atmosphaerenbeob/zusammensetzung_atmosphaere/aerosol/inh_nav/saharastaub_node.html
https://www.planet-schule.de/mm/die-erde/Barrierefrei/pages/Warum_ist_die_Erde_ueberhaupt_magnetisch.html
https://www.weltderphysik.de/gebiet/erde/erde/erdmagnetfeld/
https://books.google.de/books?id=4JHKBgAAQBAJ&pg=PA48

Aerosolmessungen Sonnblick Observatorium
Am Sonnblick Observatorium in den Hohen Tauern werden seit vielen Jahren hochalpine Aerosolmessungen durchgeführt. Die Station liegt auf etwa 3100 Metern Höhe und ist deshalb ideal geeignet, um Staub aus der freien Atmosphäre zu messen, der nicht direkt aus lokalen Quellen stammt. Während Saharastaubereignissen lassen sich dort deutliche Anstiege der mineralischen Aerosole nachweisen. Die Daten liefern wichtige Informationen über Transporthöhe, Partikelkonzentrationen und Herkunft der Staubmassen.
https://bit.ly/4r5fodV

Wüstenstaub Vorhersage und aktuelle Staubmodelle
Diese Seite zeigt eine modellbasierte Vorhersage für Wüstenstaubtransporte aus der Sahara. Atmosphärische Modelle berechnen dort die erwartete Staubkonzentration in verschiedenen Höhen der Atmosphäre und die räumliche Ausbreitung der Staubwolken. Solche Vorhersagen werden genutzt, um Staubereignisse über Europa mehrere Tage im Voraus zu erkennen und deren Intensität abzuschätzen.
https://bit.ly/4u5zmYG

Grüße aus der Sahara

In den letzten Tagen herrschte in weiten Teilen des Landes frühlingshaft mildes und meist sonniges Wetter. Nur vereinzelt hielten sich Nebelfelder länger. Grund dafür ist Hochdruckgebiet JANNIS, das sich über Mittel- und Südosteuropa ausgedehnt hat. Es lenkt trockene Luft zu uns und hält Tiefdruckgebiete mit feuchter Luft fern. Dadurch können sich kaum Wolken bilden. Nur in der Nähe größerer Flüsse und in engen Tälern, wo die Feuchtigkeit sich nachts nicht wegbewegen kann, bilden sich immer wieder Nebelfelder, die sich tagsüber meist aber auflösen.

Gruesse aus der Sahara 1

Karte Europa und Nordatlantik mit der Analyse von Wetter und Isobaren vom 05.03.2026 00 UTC

Wer sich die obige Analysekarte genau ansieht, der entdeckt ein umfangreiches, wenn auch nicht besonders stark ausgeprägtes Tiefdruckgebiet über Nordafrika. Es „saugt“ bereits seit ein paar Tagen Saharastaub an und führt es in größere Höhen entgegen dem Uhrzeigersinn nordwärts. Inzwischen hat es der Staub bis nach Spanien und Frankreich geschafft und lässt sich schon im Satellitenbild erkennen.

Gruesse aus der Sahara 2

Ausschnitt Mittel-/Westeuropa mit Satellitenbild vom 05.03.2026 12 UTC

Aktuell verlagert sich das Tief langsam nach Südwesteuropa, wo es vom Hoch über Mitteleuropa und einem Hoch über dem Atlantik in die Mangel genommen wird. Dabei dehnt es sich leicht nordwärts bis nach Südengland aus, füllt sich aber am Wochenende allmählich auf und zerfällt.

Gruesse aus der Sahara 3

Karte Europa und Nordatlantik mit Vorhersage der Isobaren und Druckzentren für Freitag, 06.03.2026 mittags

Die Ausdehnung sorgt für eine weit nach Norden reichende Verteilung der staubbelasteten Luft. Die wiederum wird vom Hoch über Mittel- und Osteuropa angezapft und so schließlich auch zu uns geführt.

Gruesse aus der Sahara 4

Ausschnitt Europa und Nordafrika mit der Vorhersage der Staubbelastung aus dem ICON-ART Modell für Freitag, 06.03.2026 06 UTC

In der unten angefügten Animation sieht man die Verlagerung der stärksten Staubgebiete (je roter, umso höher ist die Staubkonzentration) erst in den Westen Europas und dann am morgigen Freitag mit sich etwas ostwärts zurückziehendem Hoch auch zu uns.

5 Bild5

Animation der Vorhersage der Staubkonzentration aus dem ICON-ART Modell, Lauf vom 05.03.2026 00 UTC

Dabei kann der Staub Konvektion und somit Wolkenbildung auslösen. Zumindest aber wird er den Himmel etwas eintrüben, sodass der Sonnenschein milchig oder trüb erscheinen kann.

Am Wochenende bleibt die mit Staub angereicherte Luft über uns liegen, wenngleich die Konzentration aufgrund der horizontalen Verteilung und dem versiegenden Zustrom langsam abnimmt. Am Samstag sind im äußersten Norden und Nordosten im Zuge eines kleinräumigen Höhentiefs über Südschweden und dadurch leicht angefeuchteter Luft auch Regenfälle möglich. Diese können den Staub auswaschen, was zu sichtbaren Spuren auf Gegenständen führen sollte.

Diplom-Meteorologin Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst