Auswirkungen eines El Nino auf die tropische Wirbelsturmaktivität

Die atlantische Hurrikan-Saison beginnt offiziell am 01. Juni. Auch im Nordpazifik, im Ostpazifik und im Indischen Ozean reicht die Hauptaktivität meist von Mai bis November, wobei regionale Unterschiede bestehen. Aktuell befinden wir uns noch in einer neutralen Phase der ENSO (EL Nino-Southern Oszillation). Für die nächsten Monate gilt allerdings der Übergang zu einem El-Nino-Ereignis als sehr wahrscheinlich. El Nino hat weitreichende Auswirkungen auf die tropische und subtropische Zirkulation und damit auch auf die Entstehung und Intensivierung von tropischen Wirbelstürmen. Dabei ergeben sich je nach Ozeanbecken unterschiedliche Effekte.

Auswirkungen eines El Nino auf die tropische Wirbelsturmaktivitaet 1

Modellvorhersage der Stärke eines ENSO Ereignisses. Das Einsetzen von El Nino ist sehr wahrscheinlich. Allerdings gibt es noch Unsicherheiten bezüglich der Stärke des Ereignisses. (Quelle:NOAA)

Nordwestlicher Pazifik

Während eines EL-Nino-Ereignisses verschiebt sich die Walker-Zirkulation nach Osten und schwächt sich teilweise ab. Damit verlagert sich auch die konvektiv aktivste Region vom westlichen in den zentralen Pazifik. In der Folge verschiebt sich häufig auch die Hauptentstehungsregion tropischer Wirbelstürme weiter nach Osten. Gleichzeitig verändert sich die großräumige atmosphärische Zirkulation: In Teilen des westlichen Nordpazifiks kann die vertikale Windscherung zunehmen, was die Entwicklung tropischer Wirbelstürme regional erschwert. Allerdings bedeutet dies nicht zwangsläufig eine deutlich geringere Gesamtzahl an Taifunen. Vielmehr verschieben sich Entstehungsgebiete und typische Zugbahnen. So treten während eines El Nino häufig weniger Landfälle in Teilen Südostasiens auf. Dafür nimmt die Wahrscheinlichkeit für langlebige und teils sehr intensive Taifune, die weiter östlich entstehen und später Richtung Japan oder Zentralpazifik ziehen zu. Neben ENSO beeinflussen noch weitere Faktoren die Wirbelsturmaktivität im westlichen Nordpazifik, darunter die Madden-Julian-Oszillation (MJO), subtropische Rossby-Wellen sowie regionale Meeresoberflächentemperaturen. Letztere sind während eines El Niño regional zwar teils etwas niedriger, bleiben jedoch weiterhin hoch genug, um starke Taifune zu ermöglichen.

Nordöstlicher Pazifik

Im östlichen Nordpazifik zeigt sich meist ein gegenteiliger Effekt. Aufgrund der Verlagerung der Warmwasseranomalie nach Osten wandert auch die konvektiv aktivste Region nach Osten in Richtung zentraler Pazifik. Außerdem ist die Windscherung in Teilen dieser Region geringer als bei einer neutralen Phase oder La Nina. Dadurch können sich mehr und vor allem kräftigere und langlebigere Stürme ausbilden. Besonders betroffen davon ist die Tropeninsel Hawaii, aber auch die Pazifikküste von Mexiko. Ein bekanntes Beispiel dafür ist der Rekord-Hurrikan Patricia, welcher während des sehr starken El Nino Ereignisses 2015 entstand. Patricia profitierte damals von einem sehr warmen bis heißen Ozean mit einer Wassertemperatur von teils über 30 Grad, einem hohen Wärmeinhalt des Ozeans und geringer Windscherung. Allerdings war das sehr starke EL-Nino-Ereignis damals nicht die einzige Erklärung für die Entwicklung des beeindruckenden Hurrikans mit Spitzenwinden von bis zu 345 Kilometer pro Stunde.

Nördlicher Indischer Ozean

Auf die Zyklonen-Aktivität im nördlichen indischen Ozean hat El Nino nur indirekt einen Einfluss. Durch die Verschiebung der Walker Zirkulation ist der Druckgradient über Südasien und damit auch der Südwestmonsun schwächer ausgeprägt. Dies kann regional die Bedingungen für tropische Wirbelstürme beeinflussen. Der Zusammenhang ist jedoch deutlich komplexer als in anderen Ozeanbecken. Die Auswirkungen unterscheiden sich je nach Region und Jahreszeit. Während manche Studien eine geringere Aktivität über der Bucht von Bengalen nahelegen, zeigen andere nur schwache oder saisonabhängige Zusammenhänge. Entscheidender für die Auftrittshäufigkeit von Zyklonen ist die Phase des Indischen Ozeanischen Dipols (IOD). Außerdem beeinflusst auch die Madden-Julian-Oszillation (MJO) sowohl die konvektive Aktivität als auch die regionale Verteilung der Meeresoberflächentemperaturen in diesem Ozeanbecken. Somit ist El Nino in diesem Gebiet eher ein Hintergrundrauschen als die primäre Ursache für die Entwicklung von Zyklonen.

Nördlicher Atlantik

Über dem nördlichen Atlantik entwickeln sich vorwiegend über der Karibik aufgrund von Veränderungen des subtropischen Jetstreams stärkere Westwinde. Dadurch wird hauptsächlich in dieser Region die Entstehung von atlantischen Hurrikans unterdrückt. Im Vergleich zum nordwestlichen Pazifik hat der nördliche Atlantik häufig zusätzlich trockenere Luftmassen und geringere Wassertemperaturen. Darum sind Wirbelstürme in diesem Ozean sensitiver gegenüber höherer Windscherung. Allerdings zeigte beispielsweise die Saison 2023, dass dieser hemmende Effekt teilweise durch außergewöhnlich hohe Ozeantemperaturen kompensiert werden kann. In solchen Fällen kann die Hurrikanaktivität trotz El Niño höher ausfallen als klimatologisch erwartet.

Auswirkungen eines El Nino auf die tropische Wirbelsturmaktivitaet 2

Anzahl an atlantischen Stürmen in Abhängigkeit von La Nina und El Nino im Zeitraum von 1980-2023. Die Anzahl an Stürmen während El Nino ist deutlich geringer. (Quelle:NOAA)

Zusammenfassend hat ein El Nino Ereignis unterschiedliche Einflüsse auf das Auftreten von tropischen Wirbelstürmen auf der Nordhemisphäre. Während im östlichen Teil des Pazifiks Hurrikane häufiger und auch mehr starke tropische Wirbelstürme entstehen können, nimmt deren Aktivität im westlichen Teil des Ozeanbeckens und im Atlantik generell ab. Im Indischen Ozean überlagern andere Effekte die Auswirkungen von El Nino. Zudem gleicht in der Ausprägung auch nicht jedes EL-Nino-Ereignis dem anderen. Neben dem klassischen El Nino gibt es auch den Zentralpazifik El Nino (El Nino Modoki), bei dem die stärkste Erwärmung des Ozeans im zentralen Pazifik stattfindet und die Walker Zirkulation vergleichsweise etwas stärker ausgeprägt ist. In diesem Fall wären die Auswirkungen vor allem auf den Atlantik auch nicht so prägnant. Zuletzt ist es auch nicht ausgeschlossen, dass es im Laufe des Jahres zu einer Ausbildung eines Super-El-Nino kommen kann. In diesem Fall könnten die Auswirkungen auf globale Wetterlagen und auch auf die tropische Wirbelsturmaktivität deutlich ausgeprägter sein. Noch bleibt jedoch abzuwarten, wie stark sich das kommende EL-Nino-Ereignis tatsächlich entwickelt.

Auswirkungen eines El Nino auf die tropische Wirbelsturmaktivitaet 3

Anzahl der beobachteten Stürme zwischen 1980 und 2021 in den verschiedenen Ozeanen bei der neutralen Phase, El Nino und La Nina. Deutliche Unterschiede sind vor allem im Atlantik erkennbar. (Quelle:https://www.nature.com/articles/s41597-025-05018-4)

M.Sc.Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.05.2026
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Blick nach vorne – Sommerwetter?

Für all diejenigen, die auf Wärme und freundliches Wetter hoffen, gibt es Licht am Ende des Tunnels. Nach einer „durchwachsenen“ ersten Wochenhälfte macht sich vom Südwesten Europas hoher Luftdruck auf den Weg zu uns. Doch noch sind die Unsicherheiten für das Wetter zu Pfingsten groß.

Blick nach vorne Sommerwetter 1

Bodendruckkarte mit Fronten für den 21.05.2026. Piktogramme zur Veranschaulichung.

Zuvor heißt es aber auf jeden Fall nochmal Regenjacke und Regenschirm bereithalten. Am Montag wird es vor allem im Westen und in der Mitte Deutschlands gebietsweise nass. Die Sonne zeigt sich dort meist nur kurz und es gibt einige Schauer und örtlich auch Gewitter, lokal kann es vorübergehend kräftig regnen. Im Osten sorgt Hoch YGGLEV dagegen für freundliches Wetter.
Von Dienstag bis Donnerstag kommt es dann verbreitet zu Schauern und lokalen Gewittern. Die Höchstwerte liegen meist zwischen 16 und 22 Grad. Ein Fingerzeig auf die weitere Entwicklung gibt es am Donnerstag im Südwesten des Landes. Dort setzt sich immer mehr die Sonne durch und Schauer sind seltener. Zugleich geht es mit den Temperaturen besonders entlang des Oberrheins nach oben. Örtlich kommt man dort wahrscheinlich in die Nähe des Schwellwerts für einen Sommertag von 25 Grad. Letztmalig wurden am 10. dieses Monats mindestens 25 Grad irgendwo in Deutschland erreicht.

Der Auslöser für die Änderung der Großwetterlage liegt weit entfernt von Mitteleuropa. Statt eines Hochs über den Azoren liegt ein Tief nördlich der Inselgruppe. Über dem Atlantik stößt so zur Wochenmitte Kaltluft weit nach Süden vor. Als Ausgleichsbewegung strömt weiter östlich warme Luft nach Norden. Diese Warmluft stützt sowohl am Boden als auch in höheren Luftschichten ein Hoch über Frankreich. Die Kombination aus einem Hoch sowohl in der Höhe als auch am Boden führt dazu, dass dieses Hoch keine Eintagsfliege ist – was vom sogenannten Zwischenhoch unterscheidet. Für uns in Deutschland wird entscheidend sein, wie weit nach Osten das Hoch an Einfluss gewinnt und ob an der Nordostflanke ein Tief in der Höhe nach Süden rutschen kann und uns so „in die Suppe spuckt“.

Blick nach vorne Sommerwetter

Animation des Geopotenzials in 500 Hektopascal für Donnerstag bis Pfingstsamstag.

Je nachdem wo, das Hoch mit seinem Schwerpunkt zu liegen kommt, liegt Deutschland auf der „kalten“ Ostflanke des Hochs oder nahe seinem Zentrum. Ostflanke heißt, die Strömung kommt mehrheitlich aus nördlichen Richtungen. Zentrumsnah bedeutet, dass sich die Luft durch die kräftige Einstrahlung bis auf sommerliche Werte erwärmen kann. Je weiter westlich bzw. südwestlich in Deutschland gelegen, desto höher sind die Chancen auf Wärme. Besonders für den Osten und Nordosten lässt sich noch keine Aussage treffen.

Blick nach vorne Sommerwetter 2

Ensembles des Models IFS, Startdatum 17.05.2026. Gitterpunkt für Berlin und Freiburg.

Fazit: Für das Wetter am langen Pfingstwochenende sind damit noch viele Lose im Topf. Im Lostopf für den Westen und Südwesten Deutschlands sind dabei allerdings deutlich mehr Sonnenlose als im Lostopf für den Osten und Nordosten des Landes. Mehr Klarheit bringen die nächsten Tage. Bildlich gesprochen sorgen neue Modellsimulationen für weniger Lose in den Töpfen bis am Ende nur noch eines übrig bleibt.

Master of Science in Meteorologie Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.05.2026
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Geschichte der Meteorologie – Teil 6: Meteorologie im Zeitalter der Renaissance und Anfänge der quantitativen Meteorologie

Im letzten Thema des Tages zur Geschichte der Meteorologie wurde die Zeit vom Spätmittelalter bis zur Frührenaissance beschrieben. Blicken wir nun auf wesentliche Entwicklungen in der Meteorologie in der Renaissance.

Johannes Lichtenberger (um 1426–1503) war ein Astrologe aus der Pfalz. 1488 veröffentlichte er die erste Fassung seiner „Prognosticatio“, in der er Wettervorhersagen mit Astrologie verknüpfte. Dieses Paradigma wurde erst Jahrhunderte später in Frage gestellt.

Der ruthenische Philosoph und Astronom Jurij Drohobytsch oder Jurij Kotermak (1450–1494) veröffentlichte in Rom seine „Prognostische Schätzung für das Jahr 1483“, in der er sich mit Wettervorhersagen befasste und darauf hinwies, dass die klimatischen Bedingungen vom Breitengrad abhängen. Drohobytsch gilt zudem als Verfasser des ersten gedruckten kyrillischen Buches.

Der Künstler, Anatom, Ingenieur und Naturphilosoph Leonardo da Vinci (1452–1519) aus der Toskana gilt als herausragende Persönlichkeit der Kunst und Wissenschaft der Renaissance. Er erfand bzw. entwickelte zwischen 1478 und 1486 meteorologische Messinstrumente weiter, darunter ein Hygrometer, ein Gerät zur Messung der Luftfeuchtigkeit auf Basis des hydrostatischen Gleichgewichts, ein Platten-Anemometer, ein Instrument zur Messung der Windgeschwindigkeit und ein Anemoskop, eine Art Windfahne. In Bezug auf seine Hygrometer merkte da Vinci an, dass sie dazu dienten, um anzuzeigen, wann sich das Wetter verschlechtert. Seine Zeichnungen, Skizzen und Notizen gingen von seinem Schüler Francesco Melzi (um 1492–um 1570) auf den Kunstsammler Pompeo Leoni (1533–1608) über, der sie in einem „Codex Atlanticus“ genannten Werk zusammenfasste.

Geschichte der Meteorologie – Teil 6

Zeichnungen von Leonardo da Vinci im Codex Atlanticus, Russische Staatliche Universität für Geisteswissenschaften, Moskau, und Veneranda Biblioteca Ambrosiana, Mailand, Quelle: Maltalper und OWK über Wikimedia Commons

Im Heiligen Römischen Reich kam es zur Ausweitung, wenn nicht gar zum Beginn einer systematischen Aufzeichnung meteorologischer Beobachtungen, die für Ephemeriden verwendet wurden. Der Philosoph Giovanni Pico della Mirandola (1463–1494) aus der Romagna berichtete, er habe das Wetter 130 Tage lang beobachtet und dabei festgestellt, dass dessen Veränderungen offenbar nicht mit dem übereinstimmten, was Astrologen angeblich als normal lehrten. Folglich plädierte er dafür, die natürlichen, nicht-himmlischen Formen der Wettervorhersage zu nutzen, über die Landwirte, Seeleute und Ärzte verfügten, um empirisches Wissen zu entwickeln, das zu genaueren Vorhersagen führen könnte.

Auf seiner zweiten Reise geriet der genuesische Seefahrer Christoph Kolumbus (um 1451–1506) im Jahr 1494 südlich von Kuba in einen tropischen Wirbelsturm, was zur ersten schriftlichen europäischen Schilderung eines Hurrikans führte. Dieses Ereignis lehrte ihn, die Zeichen am Meer und am Himmel zu deuten, die auf diese herannahenden „Huracan“-Stürme hindeuteten. Am 30. Juni 1502 suchten Christoph Kolumbus und seine Flotte während seiner vierten Reise in die Neue Welt Schutz vor einem Hurrikan in der Kolonie Santo Domingo auf Hispaniola. Während seine Flotte die Katastrophe überstand, erging es einer spanischen Flotte, die sich von dort auf den Heimweg machte, weitaus schlechter, da der Gouverneur Kolumbus‘ Warnungen vor fantastischen Sturmgeschichten keinen Glauben schenkte und diese nicht an die abreisende Flotte weiterleitete. Von 30 Schiffen sanken 25, vier mussten beschädigt umkehren und nur eines, die Aguja, erreichte Spanien.

Der osmanische Admiral, Geograph und Kartograph Piri Reis (um 1470–1554) verfasste 1521 das „Kitab-ı Bahriye“, das Buch der Navigation. In diesem sind atmosphärische Bedingungen des Mittelmeeres, des Persischen Golfs, des Indischen und des Atlantischen Ozeans beschrieben. Besonderes Augenmerk liegen dabei auf den häufigen Stürmen und den starken Regenfällen im Bereich des Indischen Ozeans.

Der Astronom Leonhard Reynmann aus Franken, der um 1500 lebte, veröffentlichte erstmals 1505 das Wetterbüchlein „Wetter biechlin Von warer erkan[n]tnuß des weters“, eine Sammlung von Wetterweisheiten. Es ist das erste Verzeichnis von Wetterregeln, welches sich nicht ausschließlich auf die Wetterkunde aus antiken und mittelalterlichen Quellen stützt, sondern durch Beobachtungen ergänzt wurde.
Geschichte der Meteorologie – Teil 6 2

Wetterbüchlein, Titelseite einer Ausgabe von 1511, Leonhard Reynmann, Universitätsbibliothek Mannheim, Quelle: Stefan Weil über Wikimedia Commons

Der aus der Alten Eidgenossenschaft stammende Arzt und Naturphilosoph Theophrastus Bombast von Hohenheim, genannt Paracelsus (1493–1541), befasste sich mit den Zusammenhängen zwischen Klima, Wetter und Medizin. Er schrieb, dass jeder, der sich mit Winden, Blitzen und dem Wetter beschäftige, verstehen würde, was Krankheiten verursachte.

Die erste Abschätzung der Windgeschwindigkeit unternahm der lombardische Arzt, Philosoph und Mathematiker Girolamo Cardano (1501–1576). Er nahm an, dass während starker Stürme der Wind eine Geschwindigkeit von 45 m/s aufweist.

Der französische Visionär und Astrologe Nostradamus (1503–1566) stellte viele Vorhersagen über zukünftige Ereignisse auf, doch ihre wahre Bedeutung ist unklar und Auslegungssache. Als er beispielsweise nach dem Wetter von morgen gefragt wurde, schrieb er: „In der Zeit der Monde wird ein Mann sein, der über Wolken und tobende Stürme nachsinnt. Nicht um der Philosophie willen, sondern vielmehr, weil ein bewölktes Gehirn die Norm ist.“ Daraus lässt sich schließen, dass er der Beschäftigung mit dem Wetter kritisch gegenüberstand und nur ungern Wettervorhersagen traf. Die Königin von Frankreich war besonders an seinen meteorologischen Fähigkeiten interessiert und bat ihn jeden Abend inständig um eine Vorhersage, damit sie wüsste, „was sie am nächsten Tag anziehen sollte“. Nach einigen dieser Vorhersagen lehnte er schließlich ab.

Der französische Astronom und Mediziner Antonio Mizauld (1510–1578) veröffentlichte 1547 „Le miroueer du temps, autrement dit, éphémérides perpétuelles de l’air par lesquelles sont tous les jours donez vrais signes de touts changements de temps, seulement par choses qui à tous apparoissent au cien, en l’air, sur terre & en l’eau. Le tout par petits aphorismes, & breves sentences diligemment compris“ (übersetzt: Der Wetterbeobachter, oder anders gesagt: eine ewige Wetterkalender, durch den täglich verlässliche Anzeichen für alle Wetterveränderungen gegeben werden, und zwar allein anhand von Dingen, die allen sichtbar sind – in der Luft, auf der Erde und im Wasser. Das Ganze in Form von kleinen Aphorismen und kurzen, sorgfältig formulierten Sätzen) in Paris mit Schwerpunkten der Vorhersagen von Wetter, Kometen und Erdbeben.

Der Theologe Wolfgang Haller (1525–1601) aus der Alten Eidgenossenschaft tätigte zwischen 1545 und 1576 in Zürich regelmäßig erste meteorologische Aufzeichnungen, die einzigartig für die Witterungsgeschichte der Schweiz sind.

Der spanische Jesuitenmissionar und Naturforscher José de Acosta (1540–1600) war in Südamerika tätig. Er beschäftigte sich mit Erdbeben, Vulkanen, Gezeiten, Meeresströmungen, magnetischen Deklinationen und meteorologischen Phänomenen. In seinem 1590 veröffentlichten Werk „Historia Natural y Moral de las Indias“ lieferte er eine Erklärung für die vorherrschenden Winde in den subtropischen und mittleren Breiten. Er führte die regelmäßigen Ostwinde der Subtropen (die Passatwinde) auf die Bewegung der Himmelskörper um eine unbewegliche Erde zurück. Seiner Vorstellung nach führte ein Teil dieser Bewegung, übertragen auf die Tropen, zur Entstehung der Passatwinde. Acosta versuchte zudem, die in den mittleren Breiten vorherrschenden West- oder Südwestwinde als Folge aufsteigender oder absteigender Strömungen in der Atmosphäre zu erklären. Diese Vorstellung enthält einen Hinweis auf das, was heute als allgemeine Zirkulation der Atmosphäre bekannt ist. Acosta war der erste Abendländer, der sich mit der Höhenkrankheit befasste, und gilt daher als Pionier der Flugmedizin. In seinem Werk „Natur- und Sittengeschichte der Indias“ (1590) stellte er die These auf, dass die amerikanischen Ureinwohner über eine Landbrücke aus Asien kamen, mehr als ein Jahrhundert vor der Entdeckung der Beringstraße.

Der dänische Astronom Tycho Brahe (1546–1601) glaubte, dass sich das Wetter mithilfe astronomischer und astrologischer Methoden vorhersagen lasse. Bereits 1564 arbeitete Brahe daran, seinen astrometeorologischen Ideen eine empirische Grundlage zu verschaffen. In jenem Jahr beobachtete er den Himmel während der zwölf Weihnachtstage, um seine Theorie zu überprüfen, dass sich das Wetter des kommenden Jahres anhand dieser Beobachtungen vorhersagen lasse. In seinem Werk „De nova stella“ von 1573 legte er seine Überzeugung dar, dass sich das voraussichtliche Wetter für jeden Tag anhand der Konstellationen am Himmel vorhersagen lasse, und stellte seine Grundsätze für die Erstellung astrometeorologischer Almanache vor. In seiner Theorie maß er dem Mond aufgrund seiner Nähe zur Erde den größten Einfluss auf die Schwankungen des vom Sonnenzyklus bestimmten Klimas bei. Er warnte seine Leser jedoch davor, zu hohe Erwartungen an seine Wettervorhersagen zu stellen. Er empfahl, systematisch das Wetter zu beobachten, damit Vorhersagen in Zukunft auf eine solidere Grundlage gestellt werden könnten. Tatsächlich tat er genau das vom 1. Oktober 1582 bis zum 21. April 1597: Er führte täglich Aufzeichnungen über das Wetter auf der Insel Hven im Öresund durch und veröffentlichte 1585 unter dem Namen eines seiner Schüler einen astrometeorologischen Kalender für das kommende Jahr, der auf diesen Beobachtungen basierte.

Im Sommer 1588 versuchte die spanische Armada, England vom Ärmelkanal aus einzunehmen. Dem stellte sich die englische Flotte entgegen, in dem sie in der Seeschlacht von Gravelines (Gravelingen) die spanische Armada entscheidend schwächte. Die spanische Armada entschied sich zur Flucht nach Den Haag. Vom Ostatlantik zog ein Sturmtief auf Westeuropa zu. Vorherrschende Süd- bis Südwestwinde erschwerten der spanischen Armada eine Durchquerung des Ärmelkanals, so dass sich diese entschloss, England und Schottland über die Nordsee zum umsegeln. Bereits in der Nordsee geriet die spanische Armada in Ausläufer des Sturms und verlor weitere Schiffe. Auf ihrem weiteren Westkurs um Schottland traten wenige Tage später erneut heftige Winde aus West bis Nordwest auf, welche weitere Schiffe der spanischen Armada an die irische Küste trieben. Damit waren weitere spanische Invasionsversuche gänzlich ausgeschlossen. Dieses Beispiel verdeutlicht, wie meteorologische Systeme einen wesentlichen Einfluss auf historische geopolitische Ereignisse genommen haben.

Der englische Naturphilosoph Francis Bacon (1561–1626) war der Ansicht, dass man im wissenschaftlichen Bereich die Dinge selbst anfassen, ertasten und vermessen sollte. Als solcher war er einer der frühesten Vertreter der wissenschaftlichen Methode und trug so dazu bei, eine neue Ära für die Wissenschaft einzuläuten. Bacon hatte eine unstillbare Neugier auf alle Naturphänomene. In seinem 1620 verfassten Werk „Preparative toward a Natural and Experimental History“ (übersetzt: „Vorbereitung für eine natürliche und experimentelle Geschichte“) stellte er eine Vielzahl von Bereichen („Geschichten“) vor, in denen er „die Natur selbst untersuchen“ wollte, darunter die folgenden, die sich auf das Wetter beziehen:

– Geschichte der Blitze, Donnerschläge, Gewitter und Lichterscheinungen
– Geschichte der Winde, plötzlichen Windböen und Luftschwankungen
– Geschichte der Regenbogen
– Geschichte der Wolken, wie sie von oben gesehen werden
– Geschichte des blauen Horizonts, der Dämmerung, der Scheinsonnen, Scheinmonde, Halos, der verschiedenen Farben der Sonne, sowie aller durch das Medium hervorgerufenen Erscheinungsformen des Himmels
– Geschichte der Regenfälle, der gewöhnlichen, der stürmischen und der außergewöhnlichen; sowie der Wasserhosen (wie man sie nennt) und dergleichen
– Geschichte von Hagel, Schnee, Frost, Raureif, Nebel, Tau und dergleichen – Geschichte aller anderen Dinge, die von oben herabfallen oder herabkommen und die in der oberen Region entstehen
– Geschichte der Geräusche in der oberen Region (sofern es welche gibt), abgesehen vom Donner
– Geschichte der Luft im Allgemeinen oder in ihrer Verteilung auf der Erde – Geschichte der Jahreszeiten oder der Jahrestemperaturen, sowohl im Hinblick auf die Unterschiede zwischen den Regionen als auch im Hinblick auf die Schwankungen im Laufe der Zeit und der Jahreszeiten
– Geschichte von Überschwemmungen, Hitzewellen, Dürren und Ähnlichem.

Im Jahr 1620 stellte Bacon die Ähnlichkeiten in den Umrissen der Kontinente Westafrikas und dem Ostteil Südamerikas fest und machte darauf aufmerksam. Dies war der erste vage Hinweis auf die Theorie der Kontinentalverschiebung.

Der Astronom, Mathematiker, Physiker und Philosoph Galileo Galilei (1564–1642) aus der Toskana zählt zu den Pionieren der modernen wissenschaftlichen Methoden. Er war der Überzeugung, dass sich die Naturgesetze mathematisch ausdrücken ließen. Dieser Ansatz veranlasste Galileo dazu, viele der Schlussfolgerungen zu widerlegen, die Aristoteles in seinem Werk „Meteorologica“ aufgestellt hatte. Galileo erfand um 1596 das Thermoskop, einen Vorläufer des Thermometers. Während seiner Zeit in Padua wollte er Wärme und Kälte messen. Sein Thermoskop bestand aus einem hohlen Glaskolben von etwa der Größe eines Eies mit einem langen, dünnen Glashals, der an seinem Ende offen war. Die Kugel wurde mit den Händen erwärmt, das Gerät wurde umgedreht und die Halsöffnung in ein Gefäß mit Wasser getaucht. Als die Zeiger aus der Kugel gezogen wurden, stieg das Wasser im Hals bis zu einer bestimmten Höhe über den Wasserstand im Gefäß. Diese Höhe hing von der Lufttemperatur ab: Je kälter die Luft, desto höher stieg das Wasser. Dieses Instrument verfügte über keine Temperaturskala. Galileo prägte um das Jahr 1619 den Begriff „Aurora borealis“ (nördliche Morgenröte), um das Nordlicht zu beschreiben. Gegen Ende seines Lebens beschäftigte sich Galileo mit der Frage, warum Wasser nicht höher als 32 Fuß (10 m) über den Pegel eines Wasserbeckens gepumpt werden konnte. Einer seiner Schüler führte diese Arbeiten weiter, daraus entstand dann das Quecksilberbarometer. Mehr dazu lesen Sie im nächsten Teil der Serie zur Geschichte der Meteorologie.

Geschichte der Meteorologie – Teil 6 3

Thermoskop von Sanctorius, 1612, Evolution of the Thermometers 1592-1743, Henry Carrington Bolton, Quelle: Popocatomar über Wikimedia Commons

Nach Galileo Galilei entwickelten andere Erfinder unabhängig voneinander Thermoskope. Der Mediziner und Erfinder Santorio oder latinisiert Sanctorius (1561-1636) aus Istrien hatte die Idee, Galileos Thermoskop so umzugestalten, dass es als Instrument zur Temperaturmessung bei Kranken dienen konnte. Es besteht aus einer kleinen Glaskugel, die eine konstante Luftmenge enthält und auf einem langen, schmalen, offenen Rohr sitzt, das in ein mit Wasser gefülltes Gefäß eintaucht. Der Kranke nimmt die Kugel in die Hand oder in den Mund. Unter dem Einfluss der Temperatur führt die Volumenänderung der Luft zu einer Verschiebung des Wasserstands im Rohr. Santorio verwendete zwei feste Bezugspunkte: die Temperatur des Schnees und die einer Kerzenflamme, zwischen denen er seinem Luftthermoskop um 1612 eine gleichmäßige Dezimalskala versah. Damit stellt sein Luftthermoskop einen Vorläufer zu einem Thermometer dar.

Der württembergische Astronom und Mathematiker Johannes Kepler (1571-1630) verfasste neben seinen vielen anderen wissenschaftlichen Werken 1611 eine Abhandlung über Schneeflocken: „Strena Seu de Nive Sexangula“, übersetzt „Ein Neujahrsgeschenk oder Die sechseckige Schneeflocke“, in der er den „Grund für die sechseckige Form der Schneekristalle“ (d.h. Schneeflocken) und „die Formen und Symmetrien in der Natur“ erörterte. Dieses Werk ist die erste bekannte wissenschaftliche Erwähnung von Schneeflocken und Schneekristallen. Kepler glaubte, dass die Wetterverhältnisse auf der Erde mit den geometrischen Beziehungen zwischen der Erde und den Planeten zusammenhingen. So dachte er beispielsweise, dass die Konjunktion von Saturn und Sonne kaltes Wetter hervorrufen könnte. Da die Positionen der Erde und der Planeten im Voraus berechnet werden konnten, ließ sich nach dieser Vorstellung auch das Wetter vorhersagen. Kepler erstellte daher die ersten bekannten Langzeit-Wettervorhersagen, darunter eine für einen bitterkalten Winter in Deutschland im Jahr 1593, welche sich tatsächlich als richtig herausstellte. Im Jahr 1593 begann Kepler in Graz, täglich das Wetter aufzuzeichnen, in der Hoffnung, den Einfluss der Sterne auf das Wetter zu ergründen. Im Jahr 1604 nahm er ähnliche Beobachtungen in Prag auf. Auch zwischen 1617 und 1620 notierte er tägliche Wetteraufzeichnungen, ebenso im Jahr 1628 im schlesischen Sagan.

Der lombardische Naturwissenschaftler Benedetto Castelli (1577-1643), ein Schüler von Galileo, entwickelte einen einfachen Regenmesser, nachdem er einen Anstieg des Wasserstandes am abflusslosen Trasimenischen See nach einem heftigen Regen beobachtete. Er begann 1639, die Menge des Niederschlags in Perugia zu messen.

Das Werk „Opera Didactica Omnia“ des mährischen Philosophen, Schriftstellers und Pädagogen Johann Amos Comenius oder tschechisch Jan Amos Komenský (1592-1670) enthielt eine Abhandlung über wetterbezogene Themen.

Die Geschichte der Meteorologie geht weiter. Der nächsten Teil der Serie wird die Entwicklung der Meteorologie im Übergang der Spätrenaissance ins Zeitalter der Aufklärung behandeln. Meteorologische Messgeräte werden dabei verbessert und die quantitative Meteorologie verfeinert.

Diplom-Meteorologe Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.05.2026
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König Fußball und das Wetter

„Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei!“ So lautet ein bekanntes Sprichwort. Für alle Fußballbegeisterten steht am morgigen Samstag der letzte Spieltag in der dritten Liga sowie in der Bundesliga der Männer an, bevor dann am Sonntag das Finale in der zweiten Bundesliga der Männer sowie in den höchsten beiden Ligen der Frauen folgt. Sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen steht bereits seit geraumer Zeit fest, wer Deutscher Meister wird. Beide Titel gehen in die bayerische Hauptstadt München.

Die neun Partien in der Bundesliga der Männer finden in allen Himmelsrichtungen Deutschlands statt; von den nördlichsten Austragungsorten in Bremen und bei St. Pauli bis zu den südlichsten in Freiburg, Heidenheim und München sowie von den westlichsten in Mönchengladbach und Leverkusen bis zum östlichsten bei Union Berlin. Der Vollständigkeit halber wird zudem in Frankfurt gespielt. Die meteorologischen Bedingungen für diese Partien sind durchaus ähnlich, dennoch werfen wir einmal einen Blick auf jeden Austragungsort. Zum Beispiel soll die Frage beantwortet werden, ob man den Taschenschirm auf dem Weg ins Stadion brauchen könnte oder ob die Jacke ähnlich dick sein sollte wie in den vergangenen Tagen.

Spannung ist auf jeden Fall bei der Partie St. Pauli gegen den VfL Wolfsburg geboten, denn es geht um nichts Geringeres als den Verbleib in der Bundesliga. Der Verlierer muss definitiv den Gang in die zweite Liga antreten. Bei Punkteteilung bzw. selbst der Sieger dieser Partie muss auf die Ostalb nach Heidenheim schielen, die ihr Heimspiel gegen Mainz 05 bestreiten müssen, für die es wiederum um nichts mehr geht. St. Pauli, Wolfsburg und Heidenheim können nur noch auf den Relegationsplatz 16 hoffen, der rettende 15. Platz ist nicht mehr erreichbar.

Auch bei den Tabellenplätzen, die sich für das europäische Geschäft aus Champions League, Europa League und Conference League qualifizieren, bleibt es am letzten Spieltag ebenfalls noch spannend. Die Top 3 Bayern München, Borussia Dortmund und RB Leipzig haben sich bereits für die Champions League qualifiziert. Der designierte Meister Bayern München bestreitet sein Heimspiel gegen die Geißböcke des 1. FC Köln, für die es um nichts mehr geht. Sie könnten allerdings den Favoriten des Spiels bei ihrer Meisterfeier ärgern. Die Dortmunder Borussen reisen für ihr letztes Saisonspiel zu Werder Bremen. Für beide geht es um nichts mehr, was aber nicht zwangsläufig bedeutet, dass das Spiel langweilig werden wird.

RB Leipzig muss auswärts gegen den SC Freiburg antreten. Für Freiburg geht es um einiges. Aktuell stehen sie auf dem siebten Tabellenplatz, der sie zur Qualifikation für die Conference League berechtigen würde. Am Mittwoch, den 20. Mai, bestreiten sie dann das Finale der Europa League gegen Aston Villa. Der Sieger dieses Spiels qualifiziert sich wiederum für die Champions League in der kommenden Saison. Verliert Freiburg beide Spiele, stünden sie allerdings mit leeren Händen da.

Viel Spannung ist auch bei der Partie der Frankfurter Eintracht gegen den VfB Stuttgart geboten. Für Stuttgart entscheidet es sich, ob sie in der nächsten Saison Champions League (der aktuelle vierte Tabellenplatz berechtigt dazu) oder Europa League spielen. Frankfurt könnte wiederum auf Schützenhilfe von RB Leipzig hoffen und gegebenenfalls Freiburg überholen. Ganz Außer-Acht-lassen sollte man allerdings auch den FC Augsburg nicht, der aus den letzten fünf Spielen elf Punkte holte. Sollten Freiburg und Frankfurt patzen, bestünde noch die Chance, sich an beiden vorbeizumogeln, um in der kommenden Saison möglicherweise international zu spielen. Augsburg bestreitet sein letztes Saisonspiel bei den Eisernen von Union Berlin, für die es wiederum um nichts mehr geht.

Neben Stuttgart konkurrieren auch Bayer Leverkusen und die TSG Hoffenheim um den begehrten vierten Tabellenplatz. Fans dieser drei Mannschaften verfolgen also sicherlich, was in den Stadien der anderen so passiert. Bayer Leverkusens Gegner ist der Hamburger SV und die TSG Hoffenheim tritt ihr Auswärtsspiel bei den Borussen aus Mönchengladbach an. Weder für Hamburg noch für Gladbach geht es noch um etwas. Seit dem 32. Spieltag haben beide die Gewissheit, auch in der nächsten Saison im deutschen Oberhaus des Fußballs zu spielen.

Wettertechnisch lässt sich zusammenfassen, dass ein Taschenschirm sicherlich nicht verkehrt wäre, insofern man diesen ins jeweilige Stadion mitnehmen darf. Gebietsweise treten Schauer oder einzelne Graupelgewitter auf. Zwischendurch kann sich aber auch immer mal wieder die Sonne zeigen. Die größten Chancen auf etwas mehr Sonnenschein bestehen bei der Partie Union Berlin gegen den FC Augsburg. Bei den Heimspielen der Kiezkicker gegen den VfL Wolfsburg sowie von Werder Bremen gegen Borussia Dortmund muss hingegen zeitweise mit böigem Wind aus westlichen Richtungen gerechnet werden. Die Höchsttemperaturen liegen meist zwischen 11 und 16 Grad, wobei die Heimspiele von Leverkusen, Gladbach, Frankfurt und Berlin hierbei die Nase vorn haben dürften. Ausgestattet mit einer etwas dickeren Jacke sollte also einem spannenden Fußballnachmittag nichts im Wege stehen. Natürlich kann man die Spiele auch ganz gemütlich am heimischen Fernseh- oder Radiogerät verfolgen.

Koenig Fussball und das Wetter

Wettervorhersage sowie Vorhersage der Tageshöchsttemperaturen in Deutschland am morgigen Samstag, den 16.05.2026

Trotz aller Wehmütigkeit bezüglich des Saisonendes 2025/26 sei allen Fußballbegeisterten hiermit ein Hoffnungsschimmer mitgegeben. In diesem Jahr hält sich die Fußball-Abstinenz während der Sommerpause in Grenzen. Wie in jedem Jahr werden noch die Relegationsspiele ausgetragen, zudem gibt es die Finalspiele beim DFB-Pokal (mit dem Südderby Bayern München gegen den VfB Stuttgart ein echter Klassiker) sowie bei den europäischen Wettbewerben. Am 11. Juni wird dann die Weltmeisterschaft der Männer in Kanada, den USA und Mexiko mit dem ersten Spiel Mexiko gegen Südafrika angepfiffen.

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.05.2026
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Kühles „Aprilwetter“ an den Eisheiligen

Tief „Doreen“ liegt aktuell über dem Süden Norwegens. Mit einer meist nördlichen Strömung fließt dabei kühle Luft aus polaren Breiten zu uns, die auf ihrem Weg über das Meer Feuchtigkeit aufnehmen kann. Wird diese Luftmasse nun über Land von der Sonne im Tagesverlauf erwärmt, entsteht ein Temperaturgefälle zwischen der Luft am Boden und der deutlich kälteren Luft in höheren Atmosphärenschichten über Deutschland. Dabei spricht man unter Meteorologen von einer Labilisierung der Atmosphäre. Diese hat zur Folge, dass sich insbesondere tagsüber zahlreiche Schauer und Graupelgewitter ausbilden können. Zwischen den Schauern und Gewittern kommt aber immer wieder auch die Sonne zum Vorschein. Mit der einen oder anderen starken bis stürmischen Böe muss in Schauer- und Gewitternähe ebenfalls gerechnet werden.

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Bodendruckverteilung in Europa: Tief „DOREEN“ liegt über dem Süden Skandinaviens. An seiner Westflanke wird kühle Polarluft nach Deutschland geführt. (Quelle: DWD)

Da die Luft auch in höheren Luftschichten vergleichsweise kühl ausfällt, sinkt die Schneefallgrenze auf 1000 bis 1500 m ab, sodass die höchsten Mittelgebirgsgipfel, aber vor allem die Alpen etwas Neuschnee sehen. Insbesondere in höher gelegenen Staulagen des Allgäus und des Berchtesgadener Landes können bis Sonntag auch über 40 Zentimeter Schnee niedergehen. Für Outdoor-Fans ist in diesen Regionen also passende Kleidung mitunter lebensnotwendig.

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Webcamfoto von der Wetterwarte Zugspitze vom 14. Mai 2026 um 06:20 Uhr. (Quelle: www.foto-webcam.eu)

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Minimumtemperatur in 5 cm über dem Boden für die Nacht zum Freitag, den 15. Mai 2026. (Quelle: DWD)

Wenn die Schauer und Gewitter nachts dann etwas nachlassen (meist aber nicht ganz abklingen), kann die Bewölkung etwas auflockern. Dadurch kühlt die bodennahe Luft rasch aus, sodass gebietsweise leichter Frost in Bodennähe auftritt. Insbesondere in höher gelegenen Tallagen der Mittelgebirge sowie der Alpen ist auch leichter Luftfrost möglich. Für einige Pflanzen kann dies problematisch sein, da empfindliche Triebe und Blüten durch Frost geschädigt werden können.

Pünktlich zu den Gedenktagen der Eisheiligen Mamertus (11. Mai), Pankratius (12. Mai), Servatius (13. Mai), Bonifatius (14. Mai) und Sophia (15. Mai) stellt sich also bei uns durch den derzeitigen Kaltlufteinbruch eine kühle Witterung ein.

Das „Aprilwetter“ betrifft am heutigen Vatertag, dem 14. Mai 2026 (Christi Himmelfahrt) in der Tat nahezu ganz Deutschland. Packen Sie also besser mal eine Regenjacke in den Bollerwagen. Am morgigen Freitag ist zumindest der östliche Teil der Norddeutschen Tiefebene meist trocken. Dort zeigt sich dann sogar längere Zeit wieder die Sonne.

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Animation des Wetterradars in Deutschland von Donnerstag, dem 14. Mai zwischen 4 und 12 Uhr. (Quelle: DWD)

Am Wochenende kann sich die eingeflossene kühle Polarluft etwas erwärmen. Gleichzeitig lässt die Schauertätigkeit im Laufe des Wochenendes etwas nach und die Sonne zeigt sich wieder häufiger. Nur an den Alpen fällt bei dichter Bewölkung längere Zeit Regen, der ab etwa 1500 m in Schnee übergeht.

Zum Start in die neue Woche schwächt sich „Doreen“ ab und ein Atlantiktief übernimmt die Wetterregie. Dadurch gelangt Deutschland in eine südwestliche Strömung, mit der zunehmend mildere Luftmassen zu uns gelangen. Entsprechend steigen die Höchstwerte im Laufe der nächsten Woche allmählich wieder an. Auch die Sonnenanteile nehmen etwas zu, wenngleich sich verbreitet sonniges Hochdruckwetter zunächst nicht abzeichnet. Am Montag sorgt ein Tiefausläufer in der Westhälfte für Schauer und Gewitter. Und auch in den Folgetagen bleibt es leicht wechselhaft – nur eben auf höherem Temperaturniveau.

M.Sc.-Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.05.2026
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Wo ist der Polarjet hin?

In vielen vergangenen Themen des Tages wurde das starke Westwindband, das die Arktis in etwa 5 km Höhe umläuft, erwähnt. Die Rede ist vom Polarjetstream. Er hat einen immensen Einfluss auf unser Wetter in Deutschland und lenkt es gewissermaßen von oben. Heute wollen wir uns ein wenig mit ihm beschäftigen.

Grundsätzlich entsteht er durch die großen Temperaturunterschiede nördlich und südlich von ihm. Dort wo die kalten polaren und die wärmeren Luftmassen aus den mittleren Breiten aufeinandertreffen, bildet sich in der Höhe dieser starke (West-)Windstrom.

Nun wollen wir uns eine zugegebenermaßen schon etwas in die Jahre gekommene Grafik anschauen.

Darstellung des zeitlich und räumlich gemittelten zonalen Windes über verschiedene Zeiträume. (angepasst) (Quelle Peixoto, J.P.; Oort, A.H., 1992: Physics of climate, chapter 7, figure 7.15 (angepasst))

Diagramme des gemittelten Windes (nur Ost/Westrichtung!) aufgetragen über die geographische Breite (x-Achse) und der Höhe (y-Achse). Über das ganze Jahr gemittelt (oberes Diagramm), nur über die Wintermonate (mittleres Diagramm) und die Sommermonate (unteres Diagramm). (angepasst)

Hier sehen wir auf der x-Achse die geographische Breite. Die linke Hälfte ist die Südhalbkugel und die rechte die Nordhalbkugel. Auf der y-Achse ist die Höhe aufgetragen. Die Höhenangabe ist etwas gewöhnungsbedürftig in 100-hPa-Schritten angegeben. Das heißt, es fängt bei 1000 hPa (etwa Bodenniveau) an und geht hinauf bis über 200 hPa (~12 km). Die beschrifteten Linien geben den gemittelten zonalen Wind an. Hier ist wichtig zu beachten, dass nur(!) der zonale Anteil – also der Anteil des Windes, der in Ost-/Westrichtung zeigt – betrachtet wird. Durchgezogene Linien stehen für Westwinde (positive Zahlenbeschriftung) und gestrichelte für Ostwinde (negative Zahlenbeschriftung) und sind mit Werten in Metern pro Sekunde versehen. Soweit so gut, jetzt fehlt nur noch die Erklärung, warum drei dieser Diagramme direkt untereinander zu sehen sind. Das ist eine Einteilung in verschiede Zeiträume. Das oberste Diagramm betrachtet das Mittel über ein ganzes Jahr. Das mittlere Diagramm verwendet dagegen nur die Wintermonate und das unterste Diagramm nur die Sommermonate. So kann eine jahreszeitliche Veränderung der Winde untersucht werden.

Betrachten wir mit diesem Wissen die Diagramme, werden Windmaxima wunderbar ersichtlich. Dort wo sich die eingezeichneten Linien mit der höchsten Zahl (= Windgeschwindigkeit) befinden, liegt augenscheinlich ein Jetstream. Beschränken wir uns einfachheitshalber nur auf die Nordhalbkugel. Das Windmaximum von 25 m/s im jährlichen Mittel findet sich ungefähr zwischen 30 und 35 °N und auf einer Höhe von etwa 200 hPa. Wenn nur der Winter betrachtet wird, liegt das Maximum etwas weiter südlich und ist deutlich stärker. Das passt zu unserem Verständnis, denn im Winter sind die Temperaturunterschiede zwischen Nord und Süd größer und daher auch der resultierende Jetstream. Im Sommer dagegen verschiebt sich das Ganze Gebilde nach Norden und schwächt sich ab.

Jetzt könnte dieses Thema des Tages zum Ende kommen, doch dem aufmerksamen Leser wird vielleicht etwas spanisch vorkommen. Im ersten Absatz steht doch, dass der Jet in einer Höhe von 5 km und nicht in 12 km zu finden ist. Außerdem liegt der 30. Breitengrad in den Subtropen. Länder wie China, Ägypten, Algerien, Marokko oder Mexiko befinden sich dort, aber Europa liegt viel weiter nördlich. Die einzige Erklärung ist: Wir haben den falschen Jet identifiziert. Tatsächlich ist das so schön ersichtliche Starkwindband der sogenannte Subtropenjet, der dadurch entsteht, dass Luft in großer Höhe vom Äquator wegströmt und abgelenkt wird.

Jetzt bleibt nur noch die Frage zu klären, was wir mit unserem verschwundenen Polarjet machen. Die Krux liegt darin, dass in den Diagrammen nur die zonalen Winde betrachtet werden. Wir wissen jedoch, dass unser Jetstream dazu neigt, komplizierte Wellenmuster zu bilden und dadurch oft in Nord-/Südrichtung zeigt. Das führt dazu, dass er in diesen gemittelten Grafiken nicht zu sehen ist. Wenn alle Windrichtungen miteinbezogen werden würden, müsste er sich zwischen 40 und 60 °N auf einer Höhe von etwa 500 hPa befinden.

Wer eine schöne Animation der weltumspannenden Strömungen in unterschiedlichen Höhen anschauen will, dem sei die Internetseite https://earth.nullschool.net/ ans Herz gelegt. Dort kann man sich durch verschiedene Höhen und Parameter klicken und ansprechend animiert die Ergebnisse betrachten.

M.Sc. Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.05.2026
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Der Geruch von Regen

Nach einem trockenen Tag setzt Regen ein und plötzlich liegt ein ganz besonderer Duft in der Luft. Dieser Geruch wird oft als frisch, erdig oder beruhigend beschrieben. Er fällt besonders nach längeren Trockenphasen deutlich auf. Doch woher kommt dieser typische „Regengeruch“ eigentlich?

Dieser besondere Duft, der entsteht, wenn Regen auf trockenen Boden fällt, wurde von Wissenschaftlern in den 60er-Jahren Petrichor genannt. Petrichor stammt aus dem Griechischen und setzt sich aus den Worten „Petra” (Stein) und „Ichor” (die Flüssigkeit in den Adern der Götter) zusammen.

Der Geruch setzt sich aus Pflanzenölen zusammen, die von Pflanzen in Trockenphasen ausgeschieden und vom Boden sowie Gestein aufgenommen werden. Bei Regen lösen sich diese Öle und werden freigesetzt. Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist das sogenannte Geosmin, das für den erdigen Anteil des Dufts verantwortlich ist. Es gehört zur Stoffgruppe der bizyklischen tertiären Alkohole und wird von bestimmten Bodenbakterien gebildet. Geosmin ist so intensiv, dass Menschen es selbst in sehr niedriger Konzentration erkennen können. Forscher vermuten, dass diese hohe Sensibilität den Menschen früher dabei half, lebensnotwendige Wasserquellen in trockenen Gebieten aufzuspüren. Gerade nach längerer Trockenheit sammelt sich der Stoff verstärkt im Boden an und wird besonders durch die ersten Regentropfen freigesetzt.

Der genaue Mechanismus, durch den diese Duftstoffe freigesetzt werden, wurde erst im Jahr 2015 von Forschern des Massachusetts Institute of Technology mithilfe von Hochgeschwindigkeitskameras erforscht. Beim Aufprall von Regentropfen auf porösem Boden schließen die Tropfen kleine Luftblasen ein. Diese steigen innerhalb des Regentropfens nach oben und platzen anschließend an der Oberfläche, ähnlich wie Champagnerblasen. Dabei schleudern sie winzige Aerosole in die Luft, die die Duftstoffe enthalten.

Besonders viel Aerosol entsteht bei leichtem bis mäßigem Regen. Bei starkem Regen entstehen deutlich weniger, da die Tropfen zu schnell aufprallen und sich somit weniger Luftblasen bilden können.

Wärme verstärkt die Verdunstung und damit auch die Verteilung der Duftstoffe in der Luft. Deshalb wird der Geruch an warmen Tagen häufig als besonders intensiv wahrgenommen.
Allerdings entsteht nicht immer der gleiche Eindruck. In Städten mischen sich beispielsweise Gerüche von Asphalt, Pflanzen, Staub oder Abgasen mit der feuchten Luft. Auf dem Land dominieren dagegen häufig Gerüche von Erde, Grasflächen oder Wäldern. Dadurch kann Regenluft regional sehr unterschiedlich wahrgenommen werden.

Der Geruch von Regen

Ein Sommergewitter bringt nach längerer Trockenheit Regen.

Dipl.- Met. Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.05.2026
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Turbulente und kühle Maitage

Tief DOREEN prägt derzeit das Wettergeschehen in Deutschland und sorgt für einen markanten Wetterumschwung. Bereits am gestrigen Sonntag entwickelten sich vor allem im Süden von Rheinland-Pfalz und im Saarland kräftige Gewitter mit teils unwetterartigem Starkregen. Besonders betroffen war die Region um Pirmasens: Dort registrierte die Wetterstation innerhalb einer Stunde 31 Liter Niederschlag pro Quadratmeter, binnen sechs Stunden summierten sich sogar knapp 48 Liter. Im weiteren Verlauf zogen die Gewitter unter allmählicher Abschwächung nordostwärts und gingen in der Nacht zunehmend in teils gewittrigen Starkregen über.

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Vorhersagekarte für Montag, den 11.05.2026 um 12 UTC. Tief DOREEN befindet sich über dem Nordosten Deutschlands. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Am heutigen Montag erstreckt sich die Kaltfront von Tief DOREEN quer über Deutschland und verlagert sich zunächst nur langsam ostwärts. Entlang eines Streifens von Nordrhein-Westfalen bis zur Ostsee treten länger anhaltende Niederschläge auf. Südöstlich davon bleibt die Luftmasse feucht und labil geschichtet, sodass sich im Tagesverlauf erneut kräftige Schauer und Gewitter entwickeln können. Dabei sind örtlich Starkregen sowie stürmische Böen möglich. Im weiteren Tagesverlauf kommt die Kaltfront auch südwärts voran und erreicht schließlich die Alpenregion. Im Vorfeld der Front frischt der Wind spürbar auf. Vor allem in Alpennähe können durch den sogenannten Leitplankeneffekt stürmische Böen auftreten.

Rückseitig der Front strömt deutlich kältere maritime Arktikluft nach Deutschland ein. Dadurch sinkt die Schneefallgrenze in der Nacht zum Dienstag deutlich ab. In den zentralen Mittelgebirgen liegt sie bis zum Morgen bei rund 600 Metern, in den Alpen fällt oberhalb von etwa 800 Metern Schnee. In den Mittelgebirgen dürfte aufgrund der bereits erwärmten Böden jedoch kaum etwas liegen bleiben. Dennoch sinken die Temperaturen in höher gelegenen Tallagen örtlich unter den Gefrierpunkt. Besonders in den südwestdeutschen sowie zentralen Mittelgebirgen ist am Dienstagmorgen vereinzelt Frost möglich.

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Tiefsttemperaturen für Dienstagfrüh und Mittwochfrüh in Deutschland. Vor allem in den Mittelgebirgen im Süden gibt ist örtlich leichter Frost wahrscheinlich. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Der Dienstag gestaltet sich insgesamt wechselhaft und erinnert vielerorts an typisches Aprilwetter. Besonders in den mittleren Landesteilen ziehen wiederholt Schauer durch, lokal begleitet von kurzen Gewittern. Die Temperaturen bleiben für die Jahreszeit ungewöhnlich niedrig und erreichen am Nachmittag meist nur 8 bis 14 Grad. Etwas milder könnte es lediglich entlang des Oberrheins werden.

In der Nacht zum Mittwoch lockert die Bewölkung vor allem im Süden zeitweise stärker auf. In der eingeflossenen Kaltluft sinken die Temperaturen bei schwachem Wind verbreitet auf Werte unter 5 Grad. In ungünstigen Lagen ist leichter Frost bis etwa -2 Grad möglich. Empfindliche Pflanzen sollten daher vorsorglich geschützt werden.

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Abweichungen des Geopotentials für die 2. Maiwoche über Europa. Tiefes Geopotential sorgt für wechselhaftes Wetter in weiten Teilen von Zentral – und Westeuropa. Quelle: Europäisches Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage

Auch im weiteren Wochenverlauf bleibt die Wetterlage unbeständig und für Mitte Mai ungewöhnlich kühl. Verantwortlich dafür ist ein über Mitteleuropa liegender Höhentrog mit eingeflossener Kaltluft, der sich wiederholt regeneriert und damit weiterhin Schauer sowie zeitweise windiges Wetter verursacht. Nach dem überwiegend trockenen bis sehr trockenen April sind die Niederschläge vielerorts jedoch willkommen. In den Nordalpen fällt in höheren Lagen weiterhin Schnee, wodurch die dortigen Gletscher vor Beginn des Sommers nochmals etwas an Masse gewinnen können. Das spätwinterlich anmutende Wetter hat somit durchaus auch positive Seiten.

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 11.05.2026
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Pannekoek in der Kalahari – wenn die Savanne wieder zum Leben erwacht

Naturliebhaber und Abenteuerurlauber entdeckten in den vergangenen Jahren besonders ein südafrikanisches Land wieder für sich: Namibia. Die ehemalige deutsche Kolonie liegt südlich des Äquators, in etwa auf der Höhe des südlichen Wendekreises. Daher beginnt deren (Süd-) Sommer, exakt gegensätzlich zu Europa, im Dezember und endet im März. Während dieser Zeit kommt es dort zu spannenden meteorologischen Vorgängen, die das dortige landwirtschaftliche Leben stark prägen.

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Typisches Himmelsbild während der Regenzeit in der Kalahari: Chaotischer Himmel mit mehrschichtiger Bewölkung, bevor starke Schauer und Gewitter entstehen. Quelle: Stefan Hahn

Nach einer sehr langen Trockenperiode setzt im November und Dezember üblicherweise eine erste Regenzeit ein, die zunächst als „kleine Regenzeit“ beschrieben wird. Die Sonne erreicht in diesen Monaten zunehmend den südlichen Wendekreis, ihre südlichste Position schließlich zum astronomischen Sommerbeginn Ende Dezember. Die wichtigste Folge davon ist, dass dem Sonnenstand die teils sehr regenintensive innertropische Konvergenzzone (ITC) nach Süden folgt. Zusätzlich entwickeln sich Tiefdrucksysteme über dem südlichen Afrika, welche feucht-warme Luftmassen vom Indischen Ozean heranführen. Sowohl die Menschen, als auch die sehr diverse Pflanzen- und Tierwelt erwarten diesen Regen nach langer Trockenheit schon sehnsüchtig.

Durch die sich in weiterer Folge verstärkende ITC und das permanente Zuführen von feuchter Luft setzt im Januar und Februar die zweite, aber deutlich intensivere Regenzeit ein. Dabei regnet es aber nicht wie der Begriff vermuten lässt durchgehend, die Tage sind vielmehr durch sehr kräftige Schauer und Gewitter geprägt. Das Leben der einheimischen Farmer ist ganz entscheidend von diesen saisonalen und intensiven Regenfällen abhängig. Immerhin entscheiden diese über ein erfolgreiches landwirtschaftliches Jahr. Aus diesem Grund widmen sich die Farmer auch intensiv meteorologischen Beobachtungen, die sie akribisch dokumentieren und nachfolgend interpretieren. Von ganz besonderem Interesse ist dabei natürlich die Niederschlagsverteilung auf ihren gigantisch großen Anwesen. Dafür werden auf dem gesamten Gelände sogar verschiedene Messpunkte betreut.

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Regenmesser in verschiedener Ausführung auf dem Farmgelände. Quelle: Stefan Hahn

Als Messgerät werden vielfach trichterförmige Behältnisse mit definierter horizontaler Auffangfläche benutzt. Hiesigen Wetterbeobachtern oder häufigen Lesern unserer Themen des Tages werden die Ähnlichkeiten zu einem im Deutschen Wetterdienst bekannten Niederschlagsmessgerät ins Auge stechen: dem sogenannten „Hellmann“ in der DWD-Ausführung. In regelmäßigen Abständen (im Normalfall täglich) werden nun die festgelegten Messpunkte angefahren und die Niederschlagsmenge mit einem Messgefäß abgelesen. Direkt am Farmhaus befindet sich außerdem noch eine sogenannte „Referenzstation“.

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Aufzeichnungsbücher des namibischen Wetterdienstes für Wetterbeobachtungen. Auf dem Deckblatt sind detaillierte Anweisungen für korrekte Messung und Dokumentation abgedruckt. Quelle: Stefan Hahn

Die Farmer vergessen aber nicht, ihre Wetterbeobachtungen mit dem staatlichen Wetterdienst zu teilen. Dafür tragen diese die gewonnenen Daten in ein gelbes, sogenanntes „Niederschlagsbuch“ ein, das der staatliche Wetterdienst zur Verfügung stellt. Nach Abschluss des Monats wird der Durchschlag der Eintragungen nach Windhoek in die Zentrale der Wetterbehörde geschickt. Die Expertinnen und Experten werten dort die gewonnenen Daten aus und erstellen unter anderem vielfältige Klimastatistiken. Aber auch für die Wettervorhersage haben die gemessenen Beobachtungen einen hohen Mehrwert. Die wenigen offiziellen Wetterstationen werden durch die ehrenamtlichen Niederschlagsmesspunkte der Farmen gewinnbringend ergänzt. Dadurch können die Wettermodelle besser verifiziert und statistische Vorhersageverfahren mit noch mehr Daten gefüttert werden – schlussendlich auch zum Vorteil der globalen Wettervorhersage.

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Traditionelle „Pannekoek“ in ausreichender Menge. Quelle: Stefan Hahn.

Regen ist jenes Wetterelement, welches für die Namibianerinnen und Namibianer den höchsten Stellenwert innehat. Die Freude über den ersten Regen nach der langen winterlichen Trockenzeit reicht so weit, dass sich diese sogar bis auf das kulinarische Angebot auswirkt. Auf vielen Farmen wird während dieser Wochen in der Pfanne die leckeren „Pannekoek“ zubereitet. Entweder man isst sie deftig mit Hackfleisch und Gemüse oder süß mit Zucker und Zimt. Es ist auf jeden Fall ein Symbol der Dankbarkeit und Wertschätzung für das feuchtere Wetter.

Zum Schluss noch ein persönlicher Tipp: Wer gerne dieses saftige Grün und kräftige Gewitter mag, der sollte unbedingt von Februar bis April nach Namibia reisen. Sowohl die Kalahari, wie auch in den anderen Regionen bietet sich den Besucherinnen und Besuchern eine traumhafte und einzigartige Landschaft, die bleibende Eindrücke hinterlässt.

Dipl.-VBW (FH) Stefan Hahn, Regionale Wetterberatung Ost
in Zusammenarbeit mit
Mag.rer.nat. Florian Bilgeri, Vorhersage- und Beratungszentrale
Deutscher Wetterdienst
Offenbach, den 10.05.2026
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Die Eisheiligen: Nur ein Mythos?

Wenn es nach den ersten warmen Frühlingstagen im Mai zu einem plötzlichen Kälterückfall kommt mit Nachtfrösten oder gar Schnee, wird das gerne den sogenannten „Eisheiligen“ zugeschrieben. Zu den Eisheiligen, die gerne auch „Gestrenge Herren“ oder „Eismänner“ genannt werden, zählen die fünf katholischen Heiligen Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia, die nach dem julianischen Kalender zwischen dem 11. und 15. Mai ihren Namenstag haben. Mehreren Bauernregeln zufolge sollen sich in diesem Zeitraum späte Frostnächte häufen. Um es vorweg zu nehmen: Die Eisheiligen haben, im Gegensatz zu einigen anderen sogenannten „Witterungsregelfällen“ wie dem „Siebenschläfer“ oder dem „Weihnachtstauwetter“, keine große Aussagekraft. Warum sie als meteorologische Singularität deswegen umstritten sind, soll in der Folge erläutert werden.

Ein grundlegendes Problem ergibt sich schon alleine aus der Tatsache, dass sich die Namenstage auf den julianischen Kalender beziehen. Im Zuge der gregorianischen Kalenderreform im Jahre 1582 müsste man die Regel eigentlich eine gute Woche später anwenden. Doch selbst unter Berücksichtigung der Verschiebung sucht man in historischen Wetterdaten vergeblich nach einer statistisch auffälligen Häufung von Kaltlufteinbrüchen und Nachtfrösten während der Eisheiligen. Vielmehr treten Kaltlufteinbrüche und Nachfröste im Mai eher zufällig auf, wobei deren Wahrscheinlichkeit mit fortschreitender Jahreszeit sukzessive abnimmt (siehe Abbildung 1 als Beispiel).

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Verlauf von Höchst-, Mittel- und Tiefsttemperatur sowie die Anzahl der Tage mit Tiefsttemperaturen unter 3 °C im Mai in Frankfurt/Main, gemittelt über den Zeitraum von 1961 bis 2020. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Betrachtet man die letzten 50 Jahre und setzt als Kriterium für Eisheilige eine Tiefsttemperatur von höchstens 3 °C an, dann trafen sie im Schnitt nur in einem Drittel der Fälle zu, was sehr wenig ist für einen Witterungsregelfall. Das Weihnachtstauwetter zum Beispiel tritt in mehr als zwei Drittel der Fälle ein.

Tatsächlich scheinen die Eisheiligen als meteorologische Singularität also eher ein Mythos zu sein, der auf regionalen Sondererfahrungen aus dem Mittelalter fußt und keinesfalls Allgemeingültigkeit besitzt.

Davon losgelöst haben späte Kaltlufteinbrüche im Mai aber sehr wohl eine herausragende Bedeutung, insbesondere für die Landwirtschaft. Frostschäden sind trotz oder gerade wegen des Klimawandels ein großes Thema und können zu erheblichen Ernteeinbußen führen. Die Klimaerwärmung sorgt tendenziell für einen immer früheren Vegetationsbeginn, gleichzeitig nimmt die Gefahr später Kaltlufteinbrüche aber dennoch nicht signifikant ab. Ausgerechnet der Mai ist nämlich der Monat mit dem klimawandelbedingt geringsten Temperaturanstieg (siehe Abbildung 2).

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Abweichungen der Temperaturen vom Referenzzeitraum 1961-1990 im Mai in Deutschland. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Die Eisheiligen haben zumindest als mystischer Platzhalter für die generelle Spätfrostgefahr im Mai ihre Daseinsberechtigung. Aber: Nicht der Mythos selbst entscheidet darüber, wie das Wetter wird, sondern das Wetter selbst.

Dipl.-Met. Adrian Leyser Sturm
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.05.2026
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