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Wie lange hält die hochsommerliche Hitze an?

13. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Viel Sonne und hochsommerliche Temperaturen – so präsentierte sich der gestrige Sonntag in weiten Teilen Deutschlands. Verbreitet lagen die Temperaturen am Nachmittag bei um oder über 30 Grad. Damit herrschte wieder einmal bestes Badewetter. Auch die dritte Juliwoche startet vor allem in der Südwesthälfte des Landes hochsommerlich heiß und sonnig.

Grund dafür ist Hoch LAURENT, dessen Einflussbereich sich bis nach Mitteleuropa erstreckt. Somit dominiert auch am heutigen Montag erneut häufig die Sonne. Ganz störungsfrei verläuft der Tag jedoch nicht überall. Ein Blick auf die Höhenwetterkarte zeigt über Norddeutschland ein kleines Höhentief. Dadurch wird die Luftmasse dort im Tagesverlauf leicht instabil, sodass vereinzelte aber teils kräftige Schauer und Gewitter möglich sind. Am wahrscheinlichsten ist dies von Nordrhein-Westfalen bis nach Schleswig-Holstein. Lokal eng begrenzt ist bei diesen Gewittern heftiger Starkregen möglich.

In der Nacht auf Dienstag und am Dienstag macht sich dann zusätzlich im Süden eine schwach ausgeprägte Tiefdruckrinne bemerkbar. Damit sind bereits in der Nacht im äußersten Süden gewittrige Regenfälle möglich. Im Norden und der Mitte sind ebenfalls weiterhin vereinzelte Gewitter möglich. Tagsüber entwickeln sich dann im Süden und der Mitte des Landes in der zunehmend schwülheißen Luftmasse vornehmlich über dem Bergland teils kräftige Schauer und Gewitter. Dabei besteht lokal Unwettergefahr durch heftigen Starkregen! Im Norden ist die Gewitterneigung aufgrund einer vergleichsweisen recht trockenen Luftmasse deutlich geringer. Vereinzelte Entwicklungen können aber auch hier nicht ausgeschlossen werden.

Vorhersagekarte mit den Druckgebilden und Frontensystemen für Dienstag, den 14.07.2026 um 12 UTC. In den Süden gelangt schwülheiße gewitterträchtige Luft. Auf der Rückseite des umfangreichen Hochs erreicht dagegen kühlere Luft den Nordosten Deutschlands. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Die Höchsttemperaturen erreichen am Dienstag in der Südwesthälfte 30 bis 35 Grad. Aufgrund der höheren Luftfeuchtigkeit wird die Hitze allerdings noch belastender empfunden. Nach Osten hin fallen die Temperaturen etwas niedriger aus, dennoch wird es auch dort verbreitet hochsommerlich warm bis heiß.

Am Mittwoch setzt sich von Nordwesten her wieder häufiger die Sonne durch. Im Süden und Osten treten in der weiterhin schwülwarmen bis heißen Luftmasse erneut Schauer und Gewitter auf. Gleichzeitig gehen die Temperaturen in der Südwesthälfte etwas zurück. Mit der Zufuhr trockenerer Luft aus Nordwesten nimmt dort zudem die Wärmebelastung voraussichtlich etwas ab.

Am Donnerstag verlagert sich der Schwerpunkt des Höhentiefs etwas nach Nordwesten. Gleichzeitig nimmt es Verbindung auf mit einem Höhentrog über Westeuropa. Damit gelangen in den Südwesten erneut wieder etwas heißere Luftmassen, sodass dort am Donnerstag wiederholt Höchstwerte von bis zu 34 Grad erreicht werden können.

Synoptische Übersicht für Samstag, den 18.07.2026 um 12 UTC. Ein Höhentrog befindet sich über Mitteleuropa. Allerdings gibt es noch Unsicherheiten bezüglich der Lage und Ausdehnung. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Am Freitag und zum Wochenende hin verlagert sich der Höhentrog nach Mitteleuropa. Damit nimmt nicht nur die Schauer und Gewittergefahr deutlich zu, sondern es gehen auch die Temperaturen sukzessive zurück. Wie stark die Abkühlung ausfällt ist allerdings noch mit einigen Unsicherheiten verbunden. Während einige Modellösungen einen deutlichen Rückgang der Temperatur sehen, zeigen andere lediglich eine moderate Abkühlung. Entscheidend ist dabei die genau Lage und Ausdehnung des Höhentrogs über Mitteleuropa. Eines zeichnet sich jedoch bereits jetzt deutlich ab: Die langanhaltende, teils auch große Hitze im Südwesten des Landes ist ab dem kommenden Wochenende erst einmal vorbei!

Ensemblevorhersage der Temperatur in 850 Hektopascal, des Niederschlags und des Geopotentials in 500 Hektopascal für Freiburg im Breisgau und Berlin. Zum Wochenende hin ist eine Abkühlung erkennbar. Allerdings gibt es noch größere Unsicherheiten darüber wie stark diese ausfällt. Quelle: Europäisches Zentrum für mittelfristige Wettervorhersagen

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Wie-lange-haelt-die-hochsommerliche-Hitze-an-1.png 854 1199 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-13 18:55:122026-07-14 00:04:51Wie lange hält die hochsommerliche Hitze an?

Geschichte der Meteorologie – Teil 10: Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts (a)

12. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Im letzten Thema des Tages zur Geschichte der Meteorologie wurde die Entwicklung der Meteorologie um das Jahr 1750 beschrieben. In diesem Teil der Serie kommen wir in der Geschichte nur langsam vorwärts. Der Fokus liegt nun in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Neben Beiträgen zur allgemeinen Meteorologie richtet sich der Blick auf das erste größere meteorologische Messnetz sowie auf die Entdeckung der Stoffe in bzw. der stofflichen Zusammensetzung der Luft.

Der kroatische Mathematiker, Naturphilosoph und jesuitische Priester Rugjer Josip Bošković (1711–1787) aus der Republik Ragusa (heute Dubrovnik) verfasste rund 70 Abhandlungen zu zahlreichen Themen, darunter Optik, Astronomie, Gravitation, Meteorologie, Trigonometrie, Geodäsie und Baustatik. Er zählt zu den letzten Universalgelehrten. Bošković führte Beobachtungen der Aurora borealis durch und schätzte die Höhe der Aurora auf etwa 1000 km. Darüber hinaus stellte er einige Hypothesen über die Ursachen der Aurora auf.

Der französische Philosoph und Schriftsteller Denis Diderot (1713–1784) lieferte in der „Encyclopédie, ou Dictionnaire raisonné des Sciences, des Arts et des Métiers“ eine der frühesten Definitionen der modernen Meteorologie. Er schrieb: „Aus der mit den Sinnen durchgeführten Untersuchung von Wind, Regen, Hagel, Donner usw. ging die Betrachtung zur Ermittlung ihrer Ursprünge, Ursachen, Auswirkungen usw. über und brachte die Wissenschaft hervor, die als Meteorologie bezeichnet wird.“ Diderot erörterte auch „Meteore“ (Météores, comme vents, pluies, tempêtes, tonnerres, aurores boréales usw. – „Meteore“, wie Winde, Regen, Stürme, Donner, Nordlichter usw.). In der Sprache jener Zeit bezeichnete der Begriff „Meteor“ allgemein „einen Körper oder das Erscheinen eines Körpers in der Atmosphäre, der aus dort schwebenden Stoffen gebildet wird“. Das heutige Wort „Meteorologie“ hat seinen Ursprung in diesem Sinne des Wortes „Meteor“.

Der französischer Mathematiker Jean-Baptiste le Rond d’Alembert (1717–1783) leistete Pionierarbeit bei der Anwendung partieller Differentialgleichungen in der Erforschung von Strömungsbewegungen. Seine Arbeiten zu diesem Thema erschienen erstmals in einer Studie über Winde mit dem Titel „Réflexions sur la cause générale des vents“ (Überlegungen zur allgemeinen Ursache der Winde), die er 1747 der Berliner Akademie vorlegte. Darin ging d’Alembert davon aus, dass die Winde durch Gezeiteneinflüsse auf die Atmosphäre entstehen und dass die Erwärmung nur eine untergeordnete Rolle spielt. Heute weiß man, dass die Erwärmung durch die Sonne der entscheidende Antrieb für die atmosphärische Zirkulation und die Winde ist. Dennoch war d’Alemberts Arbeit mathematisch fundiert und stellte erstmals die Bewegungsgleichungen einer inkompressiblen Flüssigkeit auf der zweidimensionalen Erdoberfläche dar, dargestellt in sphärischen Koordinaten.

Der preußische Philosoph Immanuel Kant (1724–1804) aus Königsberg gilt als der größte Philosoph der Neuzeit. Er interessierte sich auch für Naturwissenschaften. Er veröffentlichte Werke zur Ästhetik und Ethik sowie zu einer Vielzahl wissenschaftlicher Gebiete, darunter Physik, Astronomie, Geologie, Meteorologie, Anthropologie und Psychologie. In seinem Werk „Logik, Physische Geographie, Pädagogik“ beschreibt er Prinzipien ozeanischer und atmosphärischer Strömungen.

Der kurpfälzische Kurfürst Karl Theodor (1724–1799) gründete 1780 das erste internationale Netzwerk von Wetterbeobachtern, bekannt als „Societas Meteorologica Palatina“ oder „Mannheimer Meteorologische Gesellschaft“ als dritte Klasse der Kurpfälzischen Akademie der Wissenschaften in Mannheim. In der Gründungsurkunde heißt es: „Die Wissenschaften, die einen unmittelbaren Einfluss auf des Menschen Leben und seine tägliche Beschäftigung haben, verdienen eine besondere Beachtung, Aufmerksamkeit und Fürsorge. Aus diesen Gründen haben Seine Kurfürstliche Durchlaucht die Witterungslehre ihres höchsten Schutzes gewürdigt und Anstalten treffen lassen, dass an mehreren wichtigen Orten der kurfürstlichen Erblanden, auch in anderen Gegenden Europas und der übrigen Weltteile künftig mit gleichartigen Instrumenten tägliche Beobachtungen gemacht und eingesammelt werden.“ Erster Sekretär wurde der kurpfälzische Meteorologe, Physiker und Sprachwissenschaftler Johann Jakob Hemmer (1733–1790).

Gründungscharta und Stationen des Messnetzes 1781–1792 der Societas Meteorologica Palatina, Quelle: Peter Winkler, The early meteorological network of the Societas Meteorologica Palatina (1781–1792): foundation, organization, and reception, Hist. Geo Space. Sci., 14, 93–120 (History of Geo- and Space Sciences), 2023

Sämtliche Beobachter wurden auswärtige Mitglieder der Kurpfälzischen Akademie der Wissenschaften. Jeder Beobachter erhielt auf kurfürstliche Kosten einheitliche Messinstrumente, Beobachtungsanleitungen und Formulare zur Erfassung der Daten, um eine Vergleichbarkeit der Messergebnisse zu gewährleisten. Die von Mannheim aus unentgeltlich zur Verfügung gestellten Messinstrumente waren zwei Thermometer, ein Barometer, ein Hygrometer und eine von Hemmer in Mannheim geeichte Deklinationsnadel. Weitere Messinstrumente wie Elektrometer zur Messung der Luftelektrizität, Windmesser, Regenmesser und Verdunstungsmesser sollten vor Ort an den Messstationen selbst hergestellt werden. Sämtliche Messungen sollten zu bestimmten Uhrzeiten erfolgen, täglich um 7, 14 und 21 Uhr, die als sogenannte Mannheimer Stunden bekannt wurden. Darüber hinaus waren phänologische und nosologische Beobachtungen vorgesehen (Austrieb, Blüte und Fruchtzeiten von Pflanzen, Ankunft und Abflug von Zugvögeln, Veränderungen und Krankheiten bei der Bevölkerung). Den Transport der Pakete und Briefe übernahm die kurpfälzische Diplomatenpost. Insgesamt wurden 39 Stationen eingerichtet, die meisten in Mitteleuropa. Die westlichsten Station waren in Bradford und Cambridge (beide Massachusetts) in den Vereinigten Staaten sowie in Godthåb (Nuuk) auf Grönland. Die östlichste Station war in Pyschminsk (in der heutigen Region Swerdlowsk) im Uralgebirge im Russischen Reich. Das Projekt scheiterte 1795.

Der Mathematiker, Physiker, Astronom und Philosoph Johann Heinrich Lambert (1728–1777) aus dem damals zur Alten Eidgenossenschaft gehörenden Mülhausen im Elsass vertrat die Auffassung, dass man in der Meteorologie wie auch schon in der Astronomie zunächst periodische Phänomene beobachten und dann versuchen sollte, ihre Gesetzmäßigkeiten abzuleiten. Nachfolgend sollte schließlich schrittweise die Theorie erweitert werden. Um mehr und bessere meteorologische Daten zu erhalten, schlug Lambert 1771 vor, ein weltweites Netz von Wetterstationen aufzubauen, in denen die verschiedenen Wetterbedingungen (Regen, Bewölkung, Trockenheit …) erfasst werden sollten. Diese Methoden finden bis heute Anwendung. Er widmete sich zudem der Verbesserung der Messinstrumente und der Entwicklung präziser Konzepte für den Fortschritt der Meteorologie. Dies führte zu seinen 1769 und 1771 veröffentlichten Werken über Hygrometrie und Hygrometer.

Der Mathematiker, Astronom und Abolitionist Benjamin Banneker (1731–1806) aus der Provinz Maryland gilt als erster afroamerikanischer Wissenschaftler. Er eignete sich seine naturwissenschaftlichen Fähigkeiten weitestgehend selbst an. Seinem astronomischen Interesse folgend, nutzte er seine mathematischen Fähigkeiten, um alle für einen Almanach notwendigen Berechnungen anzustellen. In seinem ersten Almanach 1792 fanden sich Informationen über Sonnenfinsternisse sowie Sonnenauf- und -untergangszeiten, dazu Wettervorhersagen, erwartete jahreszeitliche Wetterveränderungen und Vorschläge zu wetterbezogenen Themen wie dem Anbau von Nutzpflanzen. Sein Almanach wurde in Nordamerika sehr beliebt und war sogar in England und Frankreich bekannt. Banneker veröffentlichte ihn über einen Zeitraum von zehn Jahren jährlich.

Benjamin Banneker auf seinem Almanach aus dem Jahr 1795, Quelle: Public Broadcasting Service (PBS), Arlington, Virginia, Vereinigte Staaten, über Wikimedia Commons

Der britische Wissenschaftler James Six (1731–1791) ist bekannt für seine Erfindung des Six-Thermometers im Jahr 1780, das allgemein als Maximal-Minimal-Thermometer bekannt ist. Er führte gemeinsam mit dem britischen Geistlichen Sir John Cullum (1733–1785) eine Reihe von thermometrischen Messungen an der Kathedrale von Canterbury durch. Diese Experimente zeigten, dass die Temperatur in Bodennähe nachts, insbesondere in klaren Nächten, kälter wurde als die Luft darüber – ein Phänomen, das heute als Strahlungskühlung des Bodens bekannt ist und das Six als „außergewöhnlich“ bezeichnete.

Der Name des Mathematikers Joseph-Louis Lagrange oder Giuseppe Luigi Lagrangia (1736–1813) aus dem Piemont steht in Verbindung mit einem gängigen Bezugssystem, das in der Strömungsmechanik und der Atmosphärenforschung verwendet wird und als Lagrange-Bezugssystem bekannt ist. In diesem System werden Messungen entlang der Strömungsbewegung vorgenommen, und die Bewegungsgleichungen werden in Bezug auf einen Punkt geschrieben, der sich mit der Strömung bewegt. In der modernen Meteorologie hat sich der Lagrange-Ansatz in Modellen der Atmosphäre im Bereich der numerische Wettervorhersage als sehr nützlich erwiesen.

Die folgenden beschriebenen Wissenschaftler leisteten einen erheblichen Beitrag zum allgemeinen Verständnis des Aufbaus der Luft, wenn auch die erste breit aufgestellte Theorie des Phlogistons sich im Nachgang als Irrtum erwies.

Der britische Physiker und Chemiker Joseph Black (1728–1799) fand 1761 heraus, dass Eis beim Schmelzen Wärme aufnimmt, ohne dabei seine Temperatur zu verändern. Einige Jahre zuvor entdeckte er beim Erhitzen von Kalkstein Kohlendioxid („fixe Luft“) und erkannte, dass es schwerer als Luft war, die Verbrennungsflamme löschte, bei der Atmung entstand und Tiere tötete.

Der britische Physiker und Chemiker Henry Cavendish (1731–1810) aus Nizza Henry Cavendish war ein englischer Physiker und Chemiker. Er führte zahlreiche Experimente mit Gasen durch und war der Erste, der eine grobe Zusammensetzung der Atmosphäre ermittelte: etwa 4/5 „phlogistische Luft“ (nach heutigem Verständnis hauptsächlich Stickstoff) und 1/5 „dephlogistische Luft“ (Sauerstoff). Cavendish zeigte außerdem, dass Wasser aus „entzündbarer Luft“ (Wasserstoff) und dephlogistisierter Luft besteht (Hinweis: zur Phlogiston-Theorie siehe Teil 8 der Serie Geschichte der Meteorologie). Cavendish interessierte sich für angewandte Wissenschaften, darunter verschiedene Aspekte der Meteorologie. Mitte der 1770er Jahre führte er Untersuchungen zur Wärme durch. Unter Verwendung der meteorologischen Instrumente der Royal Society entwickelte er Korrekturen für Thermometeranzeigen, um diese genauer zu machen. 1783 veröffentlichte er eine Methode zur Bestimmung des Gefrierpunkts von Quecksilber (das unter sehr kalten Bedingungen gefrieren kann, wodurch Quecksilberthermometer bei diesen Temperaturen unbrauchbar werden). Bei einem Ballonaufstieg am 30. November 1784 in London wurden mehrere atmosphärische Messungen durchgeführt und zudem Luftproben in verschiedenen Höhen entnommen. Cavendish führte eine chemische Analyse der Proben durch, um die Zusammensetzung der Luft in diesen verschiedenen Höhen zu bestimmen. Cavendish entwickelte eine Theorie der Partialdrücke, veröffentlichte diese jedoch nie. In einer 1790 veröffentlichten Arbeit schätzte er die Höhe der Aurora mithilfe der Triangulation auf 80–112 km. Ihm gelang es 1797 als erstem, in einem Experiment mittels einer Gravitationswaage mit zwei Körpern bekannter Masse ihre gegenseitige Anziehung zu beobachten, aus dem später die Gravitationskonstante bestimmt werden konnte. Indirekt konnte so auch auf die Masse der Erde geschlossen werden.

Der britische Theologe, Philosoph, Chemiker und Physiker Joseph Priestley (1733–1804) untersuchte die Eigenschaften von Gasen und entdeckte mehrere neue Gase, darunter 1774 eines, das er „dephlogistisierte Luft“ nannte. Er war der Ansicht, dass es sich dabei in gewisser Weise um eine besonders reine Form von Luft handelte, untersuchte dessen Eigenschaften jedoch nicht weiter. Heute ist es als Sauerstoff bekannt und damit gilt Priestley als der Entdecker von Sauerstoff.

Der Apotheker und Chemiker Carl Wilhelm Scheele (1742–1786) aus Schwedisch-Pommern führte in einer Apotheke in Uppsala ab 1770 chemische Experimente durch. Ein Jahr nach und unabhängig von Priestley entdeckte er dabei den Sauerstoff und als erster Wissenschaftler Stickstoff als Bestandteile der Luft. Seine Entdeckung veröffentlichte er 1777 in seinem einzigen Buch „Chemische Abhandlung von der Luft und dem Feuer“.

Der französische Chemiker Antoine Laurent de Lavoisier (1743–1794) wird oft als „Vater der modernen Chemie“ bezeichnet. Vorangegangene Experimente mit Luft durch Priestley und Cavendish führten zu der Feststellung, dass Luft zu etwa 80 % aus „phlogistischer Luft“ und zu 20 % aus „dephlogistischer Luft“ besteht (siehe Teil 10 der Serie Geschichte der Meteorologie). Lavoisier wiederum untersuchte einige Eigenschaften dieser beiden Gase: Das eine unterstützt Verbrennung und Oxidation (dephlogistische Luft, die er „Oxygène“, Sauerstoff, nannte), während das andere inert (träge) ist (phlogistische Luft, welche er mit „Azote“, Stickstoff, bezeichnete). Lavoisier führte auch Experimente mit Wasser durch und kam 1782 zu dem Schluss, dass es aus Wasserstoff (Cavendishs „entzündbare Luft“) und Sauerstoff besteht. Er entwickelte zwischen 1777 und 1789 seine Theorie der Sauerstoffverbrennung, nach der bei einer Verbrennung nicht Phlogiston entweicht, sondern Sauerstoff gebunden wird und widerlegte damit die Phlogistontheorie. Lavoisiers zweite wissenschaftliche Leidenschaft galt der Meteorologie. Im Alter von 20 Jahren begann er, in seinem Haus barometrische Beobachtungen durchzuführen, und erweiterte diese Arbeit später um Messungen von Luftdruck, Temperatur, Luftfeuchtigkeit sowie Windgeschwindigkeit und -richtung. Mit einer Idee, die ihrer Zeit weit voraus war, setzte er sich für die Schaffung eines weltweiten Netzwerks von Wetterstationen ein und war an der Gründung eines informellen Netzwerks von Wetterkorrespondenten in Frankreich und anderen Teilen Europas beteiligt. Dieses Netzwerk versorgte das „Journal de Paris“ mit Wetterbeobachtungen, die es ab 1777 zu veröffentlichen begann. „Mit all diesen Informationen“, schrieb Lavoisier, „ist es fast immer möglich, ein oder zwei Tage im Voraus mit einer recht hohen Wahrscheinlichkeit vorherzusagen, wie das Wetter werden wird. Man geht sogar davon aus, dass es nicht unmöglich sein wird, tägliche Vorhersagen zu veröffentlichen, was für die Gesellschaft sehr nützlich wäre“ (Œuvres, 3, 771, veröffentlicht 1865). 1776 stellte Lavoisier fest, dass einige Temperaturwerte, die das 1732 entwickelte Réaumur-Thermometer anzeigte, nicht mit denen übereinstimmten, die mit neueren Instrumenten ermittelt wurden. Er legte daher genaue Regeln für die Herstellung und Skalierung von Thermometern fest und übergab der Akademie der Wissenschaften zwölf Standardmodelle. Lavoisier beschäftigte sich auch mit der atmosphärischen Elektrizität und der Entstehung von Gewittern und wies 1781 mit Kollegen, unter anderem Volta, nach, dass Wasserstoff, Stickstoffmonoxid, Kohlendioxid und Wasserdampf beim Übergang vom flüssigen in den gasförmigen Zustand elektrische Ladungen abgeben, die mit einem Elektrometer gemessen werden können.

Antoine-Laurent Lavoisier, Kupferstich von Louis Jean Désiré Delaistre (1800-1871) nach einer Vorlage von Julien Léopold Boilly (1796-1874), Quelle: „Le Plutarque français“, Band 6, Paris (Langlois et Leclercq) 1847, S. 47, über Wikimedia Commons

Der Physiker Alessandro Volta (1745–1827) aus der Lombardei leistete wichtige Beiträge zur Meteorologie und zur Erforschung von Gasen, insbesondere durch seine Entdeckung des Methans. Im Jahr 1783 zeigte Volta, dass sich Luft bei steigender Temperatur mit konstanter Geschwindigkeit ausdehnt. Er veröffentlichte dieses Ergebnis, doch seine Arbeit wurde ignoriert und geriet in Vergessenheit. Volta ist vor allem bekannt für die Erfindung der Voltaschen Säule, der ersten funktionierenden Batterie. Im Rahmen seiner Forschungen zu Batterien entwickelte Volta mehrere neue Geräte, unter anderem ein Elektrometer zur Messung der atmosphärischen Elektrizität.

Der britische Chemiker und Botaniker Daniel Rutherford (1749–1819) bestätigte 1772 Scheeles Entdeckung von Stickstoff. Mehrere Versuche mit abgeschlossener Luft zeigten, dass diese nach einer erfolgten Verbrennung keine weitere mehr zuließ. Nach seiner Darstellung wurde Phlogiston in die Luft abgegeben, wobei Kohlendioxid gebildet wurde. Sobald das Kohlendioxid später absorbiert war, war die Luft immer noch erfüllt von Phlogiston. Tatsächlich war die Luft nach ihrer Auffassung gesättigt, so dass Objekte nicht mehr brennen konnten. Aufgrund dieser Theorie nannte Rutherford das neu isolierte Gas „phlogistische Luft“. Heute ist es als Stickstoff bekannt.

Das nächste Thema des Tages wird den zweiten Abschnitt zur Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts behandeln.

Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Geschichte-der-Meteorologie-–-Teil-10-1.png 824 619 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-12 16:48:352026-07-14 00:04:44Geschichte der Meteorologie – Teil 10: Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts (a)

Supertaifun BAVI

11. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Bereits Ende Juni wurde auf Satellitenbildern die Entwicklung einer Störung über den Marshallinseln erkannt. Zunächst handelte es sich um ein normales Tiefdruckgebiet, das sich erst nordwärts und später westwärts verlagerte. Dabei entwickelte sich aus dem tropischen Tiefdruckgebiet westlich der Marshallinseln rasch ein tropischer Sturm. Anfang Juli wurde das Tief von der japanischen meteorologischen Agentur (JMA) auf den Namen BAVI getauft. Bei niedriger Windscherung (um 15 Kilometer pro Stunde) und hoher Wassertemperatur (knapp 30 Grad) konnte sich das Tief rasch zu einem Taifun und schließlich Supertaifun (Windgeschwindigkeiten über 252 km/h) entwickeln. BAVI ist nach SINLAKU der zweite heftige Taifun der laufenden Saison.

BAVI: bisherige Zugbahn von der Störung bis zum Taifun, erstellt mit Daten des JTWC in google earth (Quelle:JTWC+google earth)

BAVI traf am 05. Juli auf den nördlichen Teil der Insel Rota (zugehörig zu den Marianeninseln) und zog west-nordwestwärts weiter. Die JMA schätzte bei einem Kerndruck von 910 Hektopascal (hPa) die Windgeschwindigkeiten auf 205 Kilometer pro Stunde (km/h). Das Joint Typhoon Warning Center (JTWC) ging hingegen von Windgeschwindigkeiten um 285 km/h und einem Kerndruck von 901 hPa aus. Damit wäre BAVI einer der stärksten Taifune, der auf den Nördlichen Marianen je verzeichnet wurde.

Vom 07. auf den 08. Juli erreichte BAVI philippinisches Hoheitsgebiet und bekam den Namen INDAY. Zunehmende Windscherung und kühleres Wasser sorgten für die Abschwächung des Systems. Ein subtropischer Rücken lenkte es zudem nordwärts ab, sodass die Philippinen nicht getroffen wurden.

Aktuell (11.07.2026, 11 Uhr MESZ) trifft BAVI mit einem Kerndruck unter 984 hPa als Taifun der Kategorie 1 etwa 200 Kilometer südlich der Stadt Hangzhou auf den Südosten Chinas. Die Behörden vor Ort haben schon vor Tagen vor dem Taifun gewarnt. Innerhalb von 24 Stunden ist mit Regensummen zwischen 150 und 250 Liter pro Quadratmeter (l/m²) zu rechnen. Laut einiger Lokalmodelle sind sogar Regensummen um 300 l/m² möglich. Die Windgeschwindigkeiten werden nach Auftreffen auf Land zwar rasch abnehmen, anfangs sind aber vor allem im Küstenbereich Ostchinas Böen bis 220 km/h möglich.

Vorhersage der weiteren Zugbahn des Taifun BAVI, Stand: 11.07.2026 9 UTC (Quelle:JTWC)

Beim Überqueren der südlichen Inseln der japanischen Präfektur Okinawa in den vergangenen 24 Stunden wurden Windböen bis zu 135 km/h registriert. Außerdem fielen an der Station Miyakojima bis Samstagmorgen (mitteleuropäischer Zeit) 157 l/m² an der Station Iriomotejima 123 l/m² in 24 Stunden.

Diplom-Meteorologin Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 11.07.2026
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https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Supertaifun-BAVI-1.png 890 1911 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-11 15:39:142026-07-14 00:04:38Supertaifun BAVI

Trockenheit im Südwesten Deutschlands

10. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Der Südwesten Deutschlands erlebt derzeit eine ausgeprägte Trockenphase. Bereits im Frühjahr sorgten häufige Hochdruckwetterlagen für ein deutliches Niederschlagsdefizit. Zwar folgte auf die erste Hitzewelle Ende Mai vorübergehend eine kühlere und wechselhaftere Witterungsphase mit zahlreichen Schauern und einzelnen Gewittern, die gefallenen Niederschläge reichten jedoch bei weitem nicht aus, um das zuvor entstandene Defizit auszugleichen.

Während der anschließenden außergewöhnlich intensiven Hitzewelle Ende Juni blieb nennenswerter Regen erneut weitgehend aus. Abgesehen von einzelnen, im Flächenmittel wenig ergiebigen Gewittern fiel kaum Niederschlag. Gleichzeitig stieg bei Höchsttemperaturen von örtlich über 40 °C die Verdunstung auf ein sehr hohes Niveau. Mit dem Ende der Hitzewelle zogen zwar größere Gewitterkomplexe über Teile des Südwestens hinweg und brachten regional kräftige Regenfälle. Ein Blick auf die Bodenfeuchte zeigt jedoch, dass das Wasser vielerorts nur die obersten Bodenschichten erreichte und somit lediglich vorübergehend für Entlastung sorgte. Die tieferen Bodenschichten blieben dagegen weiterhin deutlich zu trocken.

Seit einigen Tagen hat sich über Frankreich erneut eine ausgeprägte Hitzeglocke etabliert. Während der Nordosten Deutschlands unter dem Einfluss vergleichsweise kühler Meeresluft wiederholt von Schauern und Gewittern profitierte, blieb es im Südwesten am Rand des Hochdruckgebietes bislang trocken. Die Kombination aus hohen Temperaturen, niedriger Luftfeuchtigkeit und zeitweise lebhaftem Wind ließ die Verdunstung weiter ansteigen und trocknete insbesondere den Oberboden innerhalb kurzer Zeit erneut deutlich aus.

Der Bodenfeuchtemonitor zeigt einen ausgetrockneten Oberboden (0-10 cm) im Südwesten.

Ursache der wiederkehrenden Trockenphasen ist die großräumige Zirkulation über Europa. Seit dem Frühjahr etablierten sich immer wieder blockierende Hochdruckgebiete über West- und Mitteleuropa. Diese unterbrechen oder verlagern die für Mitteleuropa typische West-Ost-Zugbahn der Tiefdruckgebiete, sodass niederschlagsbringende Frontensysteme häufig nach Norden oder Süden abgelenkt werden. Zwischenzeitlich gelangten zwar mit westlichen Strömungen etwas kühlere und feuchtere Luftmassen nach Deutschland, diese gingen jedoch meist nur mit schauerartigem Regen einher und brachten kaum flächendeckende, ergiebige Niederschläge. Auch großräumige Gewitterkomplexe, die im Sommer häufig für eine nachhaltigere Wasserversorgung sorgen, traten bislang nur selten auf.

Auch wenn die derzeitige Wetterlage durchaus Parallelen zum Dürresommer 2018 aufweist, ist die Situation nach aktuellem Stand noch nicht vergleichbar. Dennoch zeigen sich bereits deutliche Auswirkungen der anhaltenden Trockenheit. Viele Pflanzen leiden unter Trockenstress, die Wasserstände zahlreicher Flüsse gehen zurück und die Waldbrandgefahr ist in weiten Teilen des Südwestens hoch.

Der Waldbrandgefahrenindex zeigt fast überall eine hohe Waldbrandgefahr in den nächsten Tagen.

Auch in den kommenden Tagen zeichnet sich zunächst keine grundlegende Änderung der Wetterlage ab. Es ist trocken und im Südwesten auch hochsommerlich heiß. Erst zum Ende der kommenden Woche deuten die Wettermodelle auf zunehmenden Tiefdruckeinfluss hin. Damit würde feuchtere und zunehmend schwüle Luft nach Deutschland gelangen, wodurch das Potenzial für kräftige Schauer und Gewitter ansteigt. Im weiteren Verlauf deutet sich aus heutiger Sicht eine Rückkehr zu einer gemäßigt temperierten Westwetterlage mit zeitweiligen Niederschlägen an, sodass die Trockenheit ab dann voraussichtlich gelindert wird.

Diplom Meteorologe Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
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https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Neue-Hitze-im-Suedwesten-1.jpg 1049 1488 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-10 13:33:272026-07-14 00:05:12Trockenheit im Südwesten Deutschlands

Neue Hitze im Südwesten

9. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Nach der massiven Hitzewelle Ende Juni waren die Temperaturen zuletzt deutlich gesunken, wobei die Abkühlung im Norden stärker als im Süden ausfiel. Während es im Norden gebietsweise mehrere Tage mit Höchstwerten unter 20 Grad gab, blieb es im Südwesten deutlich wärmer. Doch auch dort lagen die Höchstwerte zumindest für wenige Tage unter 30 Grad.

Seit ein paar Tagen werden in den tiefen Lagen Südwestdeutschlands allerdings wieder Hitzetage verzeichnet. In Rheinfelden gab es beispielsweise seit dem 17. Juni 19 Hitzetage, nur an den ersten drei Julitagen blieb die Temperatur, wenn auch teils nur knapp, unter der 30-Grad-Marke.

Anzahl der Hitzetage im Juni und Juli bis einschließlich 08.07.2026

Hitzeschwerpunkt ist aktuell erneut – bzw. man kann auch sagen immer noch – Frankreich. Dort wurden am gestrigen Mittwoch an der Mittelmeerküste mehr als 40 Grad gemessen. In Marseille wurde beispielsweise mit 40,5 Grad ein neuer Allzeitrekord aufgestellt. Noch nie zuvor stieg die Lufttemperatur dort auf mehr als 40 Grad.

Die größte Hitze gibt es in den nächsten Tagen zwar weiterhin in Frankreich. Doch auch in Deutschland steigen die Temperaturen jeden Tag etwas an. Damit werden peu à peu mehr und mehr Regionen in den „Genuss“ von 30 Grad oder mehr gelangen. Im äußersten Südwesten werden am Wochenende auch 35 oder 36 Grad erreicht. Die Luft wird zwar zumindest zunächst nicht so feucht sein wie in der Hitzewelle Ende Juni. Die Wärmebelastung ist gerade im Südwesten in den kommenden Tagen dennoch stark. Dazu tragen auch die allmählich wärmeren Nächte bei. Am Wochenende werden die Tiefstwerte in Ballungsräumen im Südwesten um 20 Grad liegen.

Prognostizierte Tagesmaxima und -minima. Daten: MOS

Mit dem Beginn der neuerlichen Hitze stellt sich für viele sicherlich die Frage, ob denn ein Ende der Hitze schon absehbar ist. Um eine fundiertere Aussage treffen zu können, schauen wir uns nicht nur einen Modelllauf, sondern ein sogenanntes Ensemble an, Abb. 3. Ein und dasselbe Modell wird für denselben Prognosezeitraum dutzende Male gestartet. Der Unterschied ist jeweils ein leicht variierter Anfangszustand. Aus der Vielzahl an Ergebnissen lassen sich statistische Aussagen treffen, die mehr Aussagekraft haben als ein einzelner Modelllauf. Am Beispiel für Frankfurt am Main erkennen wir bei geringer Streuung (hohe Prognosesicherheit) eine Zunahme der Temperatur bis Dienstag oder Mittwoch kommender Woche. Danach zeigt sich bei deutlicher Zunahme der Streuung (abnehmende Prognosesicherheit) ein Rückgang der Temperatur. Zeitgleich nehmen die Niederschlagssignale (grüne Balken) zu, was für eine feuchtere Luftmasse spricht.

Ensemble des ECMWF, Modellauf 09.07.2026 00 UTC. Gitterpunkt für Frankfurt am Main.

Kurz und bündig: Bis Mitte kommender Woche zunehmende Hitze, danach bei steigendem Schauer- und Gewitterrisiko Tendenz zur Abkühlung.

M.Sc .Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.07.2026
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https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Neue-Hitze-im-Suedwesten-1.jpg 1049 1488 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-09 14:26:092026-07-14 00:04:34Neue Hitze im Südwesten

Sommersturm an der Ostsee

8. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Das Sturmtief BERNADETTE ist in der Nacht zum Mittwoch von Schweden über die Zentrale Ostsee zum Baltikum gezogen. Der Kerndruck von BERNADETTE fiel dabei auf Werte nahe 985 Hektopascal. An der Süd- und Südwestflanke des Sturmtiefs, also in Richtung des hohen Luftdrucks über Südwesteuropa, gab es die stärkste Drängung der Isobaren. Dort war der Luftdruckunterschied auf kleinem Raum am größten. Das Sturmfeld zog von Südschweden über den Zentral- und Südteil der Ostsee nach Polen und zur russischen Exklave Kaliningrad. Besonders hohe Windgeschwindigkeiten wurden auf Gotland mit Werten bis 110 km/h (Spitzenreiter: Ostergarnsholm) gemessen. Dies entspricht Windstärke 11. Als Folge des Sturms bildete sich über der südöstlichen Ostsee ein Seegang von 4 bis 6 Metern aus.

Animation des Bodendrucks und der Satelliten- sowie Radarbilder vom 08.07.2026 0 bis 10 Uhr MESZ.

Für den Winter wären diese Werte kaum eine Meldung wert, aber im Sommer ist solch ein Ereignis sehr ungewöhnlich. Dies zeigen auch statistische Verfahren, die vom ECWMF (Europäische Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage) angewandt werden, um die Ungewöhnlichkeit von Wetterlagen und Wettererscheinungen abzubilden. Das Ereignis über der südöstlichen Ostsee war demnach ein Ereignis, das zu dieser Jahreszeit außerhalb der üblichen Variabilität lag.

Extreme forecast index und Shift of Tails für Windböen am 08.07.2026

Deutschland war von dem Sturm- bzw. Windfeld von BERNADETTE nur am Rand betroffen. Die stärksten Böen wurden am Dienstag und in der Nacht zum Mittwoch an der Ostsee mit 70 bis 85 km/h (Windstärke 8 bis 9) gemessen. Aber auch im Rest des Landes war es am Dienstag windig, verbreitet wurden Windgeschwindigkeiten zwischen 45 und 60 km/h (Windstärke 6 bis 7) erreicht.

Am heutigen Mittwoch treten nur noch an der Küste und auf den höchsten Gipfeln der Mittelgebirge Windböen und stürmische Böen um 60 km/h auf. Stärker als beim Wind macht sich BERNADETTE heute bei der Temperaturverteilung bemerkbar. Die Höchstwerte liegen zwischen 20 Grad nahe den Küsten und bis zu 31 Grad am südlichen Oberrhein. Eine unterschiedliche Sonnenscheinausbeute kann dafür nicht verantwortlich gemacht werden. Diese ist im Norden und im äußersten Südwesten gleichermaßen gut. Verantwortlich dafür ist das Einfließen mäßig warmer Meeresluft rückseitig einer Kaltfront in den Norden und Nordosten. Den Südwesten Deutschlands erreicht die Kaltfront und damit auch die kühlere Luft nicht. Noch größer waren die Gegensätze am gestrigen Dienstag. Maximal 17 Grad wurden in Flensburg und schweißtreibende 35 Grad in Freiburg erreicht.

Analysekarte vom 08.07.2026 06 UTC, Bodendruck und Fronten

In den kommenden Tagen ist Wind dann gänzlich kein Thema mehr. Stattdessen rückt die Hitze wieder in den Vordergrund. Von Südwesten erreichen die Tagesmaxima allmählich in mehr und mehr Regionen die 30-Grad-Marke. Am Oberrhein werden womöglich ab Freitag, spätestens ab Samstag wieder 35 Grad erreicht. Mehr dazu sicherlich in einem Thema des Tages Ende der Woche.

Master of Science Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.07.2026
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Zwischen Sommerhoch und Tiefdruckeinfluss – Deutschland bleibt von der großen Hitze verschont

7. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Während in weiten Teilen Südwesteuropas weiterhin eine außergewöhnliche Hitzewelle das Wetter bestimmt, präsentiert sich Deutschland in den kommenden Tagen von seiner vergleichsweise angenehmen Sommerseite. Verantwortlich dafür ist eine großräumige Wetterlage mit Hoch JOCHEN im Westen und einer Tiefdruckzone über Nordeuropa. Wer seinen Urlaub derzeit auf Sizilien verbringt, kann neben hochsommerlichen Temperaturen sogar ein besonderes Naturschauspiel erleben: Der Ätna zeigt sich erneut aktiv und sorgt mit seiner Eruption für beeindruckende Bilder.

Ätna-Ausbruch vom 06.07.2026. Quelle: Alessandro Micalizzi

Die Zweiteilung des Wettergeschehens über Deutschland bleibt zunächst bestehen. Während sich Hoch JOCHEN von Südwesten her zunehmend bemerkbar macht, befindet sich der Norden und Nordosten des Landes noch im Einflussbereich von Tief BERNADETTE, das von Südnorwegen zum Baltikum zieht und sich dort mit Tief AUSYNJA vereinigt. Zum Wochenende setzt sich der Hochdruckeinfluss immer mehr durch und bleibt voraussichtlich auch darüber hinaus wetterbestimmend.

Da sich der Schwerpunkt des Hochs über den Britischen Inseln befindet, gelangt zwar warme, aber keine extrem heiße Luft nach Deutschland. Anders sieht die Lage in Frankreich und Spanien aus: Dort sorgt die eingeflossene Heißluft erneut für Spitzenwerte von über 40 Grad und eine erhebliche Wärmebelastung.

Am heutigen Dienstag zeigt sich der Himmel vor allem im Norden und Osten häufig wolkig bis stark bewölkt. Gebietsweise fällt dort auch etwas Regen. Im übrigen Land wechseln sich Sonne und Wolken ab. Die Temperaturen erreichen im Nordosten lediglich 18 bis 25 Grad, während sonst 28 bis 32 Grad und am Oberrhein örtlich bis zu 35 Grad gemessen werden. Dazu weht besonders im Norden und Osten ein frischer Nordwestwind mit starken bis stürmischen Böen. Im Küstenumfeld sowie im Bergland sind vereinzelt auch Sturmböen möglich.

Wetter- und Temperaturkarte, am Dienstag 07.07.2026. Quelle: Deutscher Wetterdienst.

Am Mittwoch ziehen zunächst noch zahlreiche Wolkenfelder über Deutschland hinweg. Von Westen lockert die Bewölkung jedoch zunehmend auf. Regen bleibt die Ausnahme und fällt höchstens noch vereinzelt an den östlichen Alpen. Die Temperaturen ändern sich im Norden und Osten kaum, während im Südwesten mit 27 bis 32 Grad die große Hitze des Vortages bereits etwas gedämpft wird. Im Nordosten macht sich der Nordwestwind weiterhin mit starken bis stürmischen Böen bemerkbar.

Wetter- und Temperaturkarte, am Mittwoch 08.07.2026. Quelle: Deutscher Wetterdienst.

Am Donnerstag gewinnt Hoch JOCHEN weiter an Einfluss. Zwar ziehen vielerorts noch Wolkenfelder durch, diese bleiben aber meist harmlos. Vor allem im Südwesten scheint häufig die Sonne und die Temperaturen steigen dort erneut über 30 Grad. Im übrigen Land werden angenehme 22 bis 28 Grad erreicht. Der Wind weht nur noch schwach bis mäßig aus nördlichen Richtungen.

Von Freitag bis Sonntag steht dann verbreitet ruhiges Sommerwetter auf dem Programm. Die Sonne zeigt sich häufiger und auch im Norden steigen die Temperaturen wieder an. Meist werden 25 bis 30 Grad erreicht, im Westen und Südwesten örtlich 32 bis 36 Grad. Lediglich an den Alpen besteht insbesondere am Samstag ein geringes Risiko für einzelne Gewitter. Der Wind spielt dabei kaum noch eine Rolle.

Aussichten vom Donnerstag, den 09.07.2026 bis Samstag, den 11.07.2026. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Trotz der sommerlichen Temperaturen bleiben die Nächte vielerorts angenehm frisch. Dadurch kann in den Morgenstunden gut gelüftet werden und auch die Wärmebelastung hält sich zunächst in Grenzen. Lediglich im Südwesten steigen die nächtlichen Tiefstwerte zum Wochenende örtlich auf knapp 20 Grad an, sodass die Nächte dort zunehmend tropisch anmuten.

Worauf viele Regionen Deutschlands dagegen weiterhin vergeblich warten, ist ergiebiger Regen. Auch in den kommenden Tagen sind nennenswerte Niederschläge nicht in Sicht. Die Trockenheit setzt sich daher in Teilen des Landes fort und die Waldbrandgefahr bleibt vielerorts erhöht. Während also Südwesteuropa unter extremer Hitze leidet, profitiert Deutschland vorerst von einer deutlich gemäßigteren Sommerwitterung – allerdings um den Preis anhaltender Trockenheit.

Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.07.2026
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Ein Blick auf die Pflanzenwelt – Phänologie

6. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Haben Sie es auch schon gesehen? Die Getreideernte hat zum Teil schon begonnen. Und irgendwie kommt zumindest der Autorin das sehr zeitig vor. Um das genau einordnen zu können, beschäftigen wir uns mal wieder mit der Phänologie.

In der Phänologie werden die Jahreszeiten mit Hilfe der Wachstumsphasen ausgewählter Pflanzenarten bestimmt. Im Gegensatz zur kalendarischen Definition, bei der der Sonnenstand den Beginn der einzelnen Jahreszeiten bestimmt und damit wenig Variabilität aufweist, hängen die phänologischen Jahreszeiten von den Entwicklungsstadien der Pflanzenwelt ab, also vom Blühbeginn, dem Beginn der Blattentfaltung, dem Reifegrad der Früchte und schließlich im Herbst von der Laubverfärbung und dem Laubfall. Mit Hilfe dieser sogenannten Leitphasen unterschiedlicher Pflanzenarten werden Frühling, Sommer und Herbst jeweils in 3 Phasen unterteilt.

Um feststellen zu können, wann und wo die entsprechenden Wachstumsphasen auftreten, gibt es ein deutschlandweites Netzwerk meist ehrenamtlicher Beobachter. Entsprechende Grafiken zur aktuellen Pflanzenentwicklung können auf der Homepage des Deutschen Wetterdienstes abgerufen werden (Link siehe unten). Und auch in unserer WarnWetter-App können Pflanzenmeldungen abgesetzt und angeschaut werden.

Abb. 1. Aktuelle Deutschlandkarte mit Meldungen zum Blühbeginn der Sommer-Linde, Stand: 06.07.2026, 01:26 UTC

Die phänologische Leitphase für den Hochsommer ist die Blüte der Sommer-Linde. Abbildung 1 zeigt die Deutschlandkarte mit den entsprechenden Meldungen. Dabei gingen viele Blüh-Meldungen seit Ende Mai/Anfang Juni ein, in höheren Lagen zum Beispiel auf der Schwäbischen Alb erst Ende Juni. Im Deutschlandmittel ergibt sich daraus (vorläufig) ein Blühbeginn am 14.6. Im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (17.6.) also leicht früher als normal. Das lässt sich anhand der sogenannten Phänologischen Uhr (Abbildung 2) ablesen, die aus den Eintrittszeiten charakteristischer Vegetationsstadien erstellt wird und somit das phänologische Jahr abbildet. Jede phänologische Jahreszeit wird durch eine Leitphase eröffnet und endet mit dem Beginn der nächsten Jahreszeit. Im äußeren Ring der in Abbildung 2 dargestellten phänologischen Doppeluhr ist der langjährige mittlere Verlauf der phänologischen Jahreszeiten dargestellt. Im Vergleich dazu ist im inneren Ring der Verlauf des aktuellen Jahres, also 2026, abgebildet. Die Dauer einer phänologischen Jahreszeit (in Tagen) wird sowohl beim äußeren als auch beim inneren Ring direkt im Ring bzw. im jeweiligen Ringabschnitt angegeben.

Abb. 2: Phänologische Uhr mit Darstellung der phänologischen Jahreszeiten, aktuell Hochsommer, Stand: 30.06.2026 (Aktualisierung 1x wöchentliche, dienstags)

Abb. 3: Aktuelle Deutschlandkarte mit Meldungen zur Ernte von Wintergerste, Stand: 06.07.2026, 01:21 UTC

Nun nochmal zur beginnenden Ernte auf den Getreidefeldern. Wie in Abbildung 3 zu sehen, sind tatsächlich bereits einige Meldungen zur Ernte von Wintergetreide, vor allem von Wintergerste, eingegangen. Schaut man sich die tagesaktuellen Meldungen der letzten zwei Wochen in der App unter Pflanzenmeldungen an, sind diese im Vergleich zum vieljährigen Deutschlandmittel um 8 bis 10, teils auch um 15 Tage verfrüht. Der subjektive Eindruck eines recht frühen Starts in die Ernte trügt also nicht. Die Leitphase Blühbeginn Sommer-Linde für den Hochsommer ist nur wenig verfrüht. In Bezug auf andere phänologische Kenngrößen wie der Getreideernte hatte aber wohl die Hitzewelle Ende Juni einen größeren Einfluss und sorgt für teils mehr als 10 Tage Vorsprung gegenüber dem Klimamittel.

Dipl.-Met. Sabine Krüger
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.07.2026
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Erwartet uns eine neue Hitzewelle?

5. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Hoch JOCHEN sorgt im Südwesten des Landes aktuell für meist ruhiges Sommerwetter. Gleichzeitig wird die Nordosthälfte immer wieder von Frontensystemen beeinflusst, die für schauerartige, teils auch gewittrige Niederschläge sorgen. Dazu weht ein zeitweise starker Nordwestwind. Vor allem an exponierten Küstenabschnitten treten einzelne stürmische Böen (Bft 8) auf.

Vorhersagekarte mit den Druckgebilden und Frontensystemen für Sonntag, den 05.07.2026 um 12 UTC. (Quelle:DWD)

Zu Wochenbeginn verstärkt sich die Wetterzweiteilung zwischen dem Südwesten und dem Nordosten des Landes. Im Südwesten gibt es bei viel Sonnenschein und hochsommerlichen Temperaturen um 30 Grad bestes Badewetter. Im Nordosten sorgt dagegen ein heranziehender kurzwelliger Trog für neue, teils auch länger anhaltende Niederschläge. Damit liegen dort die Höchsttemperaturen lediglich bei maximal 20 Grad. In Verbindung mit einem weiterhin recht lebhaften Nordwest- bis Westwind stellt sich in dieser Region zumindest gefühlt bereits eine frühherbstliche Witterung ein.

Zur Wochenmitte dehnt sich der Höhenrücken über Westeuropa allmählich nach Osten aus, sodass in der zweiten Wochenhälfte auch die Nordosthälfte vermehrt unter Hochdruckeinfluss gerät. Der ausgeprägte Rücken wird dabei von zwei Trögen flankiert. Außerdem ergeben sich im Geopotentialfeld kleinere Schwachstellen, die mit schwach ausgeprägten Bodentiefs in Verbindung stehen. Damit strömen in der zweiten Wochenhälfte im Vorfeld dieser Tiefdruckstörungen über Westeuropa zunehmend sehr heiße Luftmassen von Südwesten nach Deutschland. Dabei bestehen aber noch größere Unsicherheiten. Die genaue Lage dieser Druckgebilde ist nicht nur für die Entwicklung potenzieller Gewitter wichtig, sondern auch für die Temperaturentwicklung.

Am Donnerstag liegt das Bundesgebiet voraussichtlich noch verbreitet unter Hochdruckeinfluss. Damit herrscht in weiten Landesteilen bei viel Sonnenschein bestes Badewetter. In den Niederungen des Südwestens tritt bereits eine starke Wärmebelastung auf. Entlang des Oberrheins sind Spitzenwerte von knapp 35 Grad möglich.

Am Freitag kommt die Hitze voraussichtlich noch etwas weiter nach Nordosten voran. Im Südwesten strömen zudem auch feuchtere Luftmassen heran, sodass vor allem über dem südwestdeutschen Bergland erste kräftige Gewitter mit lokalem Unwetterpotenzial möglich sind. Die Höchstwerte liegen am Freitag verbreitet bei 30 bis 35 Grad. In den Niederungen im Südwesten kann es stellenweise auch noch etwas heißer werden. Lediglich in Küstennähe und im Nordosten wird die Hitzegradmarke von 30 Grad voraussichtlich nicht erreicht.

Temperaturvorhersage für Deutschland von Donnerstag bis Samstag, den 11.07.2026. (Quelle:DWD)

Am Wochenende nehmen die Unsicherheiten weiter zu. Nach aktuellem Stand ist jedoch eine weitere leichte Zunahme der Hitze sowie eine Ausdehnung nach Norden und Nordosten am wahrscheinlichsten. In der Südwesthälfte sind in den Niederungen Spitzenwerte um 35 Grad häufig zu erwarten. Durch die heiße und teils auch sehr feuchte Luftmasse steigt die Wärmebelastung deutlich an. Vor allem hinsichtlich der Intensität und Ausdehnung der Hitze bestehen jedoch noch größere Unsicherheiten. Eine extreme Hitzewelle mit verbreitet neuen Rekordwerten, wie wir sie Ende Juni dieses Jahres erlebt hatten ist allerdings unwahrscheinlich. Trotzdem stehen uns vor allem im Südwesten einige sehr heiße Tage bevor. Damit ist wieder einmal Schwitzen angesagt!

Ensemblevorhersage der Temperatur in 1,5 Kilometer Höhe, des Niederschlags und des Geopotentials in 500 Hektopascal für Hamburg und Stuttgart. In beiden Regionen ist ein großer Unsicherheitsbereich erkennbar. Trotzdem ist Hitze über das kommende Wochenende vor allem im Südwesten recht wahrscheinlich. Nur bezüglich der Intensität und Andauer gibt es noch einige Fragezeichen. (Quelle:ECMWF)

M.Sc.Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.07.2026
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Geschichte der Meteorologie – Teil 9: Meteorologie um 1750

4. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Im letzten Thema des Tages zur Geschichte der Meteorologie wurde die Entwicklung der Meteorologie um das Jahr 1700 beschrieben. Der Fortschritt geht immer schneller weiter, so dass kommende Serienteile immer kürzere Zeitabstände abdecken werden. In diesem Teil der Serie wird die Geschichte der Meteorologie um das Jahr 1750 beleuchtet.

Der böhmische Theologe Prokop Diviš oder Prokop Diwisch (1698–1765) beschäftigte sich mit atmosphärischer Elektrizität. Er versuchte, Strom aus Wolken zu gewinnen und baute einen funktionierenden Blitzableiter. Diviš errichtete 1754 im mährischen Brenditz (heute ein Stadtteil von Znaim bzw. Znojmo) einen geerdeten Blitzableiter, welchen er Wettermaschine nannte. Dies war der erste funktionierende Blitzableiter in Europa.

Der in den Niederlanden geborene Mathematiker und Physiker Daniel Bernoulli (1700–1782) aus der Alten Eidgenossenschaft war ein Pionier auf dem Gebiet der Strömungslehre. Er ist vor allem wegen des Bernoulli-Theorems, einer Aussage zur Energieerhaltung für bestimmte Arten von Flüssigkeiten, bekannt. Eine der grundlegenden Folgen davon ist der sogenannte Trichtereffekt: Die Strömung in der Verengung eines Trichters ist schneller und weist einen niedrigeren Druck auf als die Strömung jenseits der Verengung. Dieser Effekt kann in einigen kurzen, kleinräumigen Durchbrüchen im Gebirgsgelände starke Winde verursachen. Das Bernoulli-Theorem hat sich auch bei der Untersuchung von katabatischen Sprüngen (Bereiche, in denen katabatische Winde plötzlich aufhören oder deutlich nachlassen) als nützlich erwiesen. Bernoulli schrieb in seiner Zeit in Russland für die an der Zweiten Kamtschatka-Expedition beteiligten Wissenschaftler Anweisungen für Wetterbeobachtungen. Im Jahr 1738 veröffentlichte Bernoulli sein Buch „Hydrodynamik“, in dem er die kinetische Gastheorie erörterte. Außerdem stellte er in der kinetischen Gastheorie die grundlegenden Gasgesetze vor, darunter eine vereinfachte Form der Zustandsgleichung.

Der schwedische Astronom, Mathematiker und Physiker Anders Celsius (1701–1744) ist vor allem durch das von ihm 1742 eingeführte Temperatursystem bekannt. Er führte ein Hundertersystem ein und legte den Siedepunkt von Wasser mit 0 ° sowie den Gefrierpunkt mit 100 ° fest (das wurde ein Jahr nach seinem Tod geändert). Er schlug vor, diese Skala als universelle Skala zu benutzen, um Temperaturwerte in der ganzen Welt zu vergleichen. Er notierte bei den genauen Bestimmung den herrschenden Luftdruck (760 mmHg) und legte so genaue Messbedingungen fest.

Anders Celsius, Johan Cardon (1802-1878), Lithographie von 1838, Quelle: Universitätsbibliothek Uppsala, Schweden, über Wikimedia Commons

Celsius fand 1724 heraus, dass die Aurora borealis das Magnetfeld der Erde stört. Er stellte als einer der ersten fest, dass sich ein Großteil Skandinaviens langsam über den Meeresspiegel erhebt, ein kontinuierlicher Prozess seit dem Abschmelzen des Eises der letzten Eiszeit.

Der französische Geograph, Entdecker und Mathematiker Charles Marie de La Condamine (1701–1774) und der spanische Seemann und Naturwissenschaftler Jorge Juan (1713–1773) verbrachten im Rahmen der französischen geodätischen Mission in Südamerika neun Jahre im heutigen Ecuador. Der Mission gelang es, die Länge eines Längengrades entlang eines Meridians am Äquator zu vermessen. Diese Arbeit half zu zeigen, dass die Erde eher abgeflacht als kugelförmig ist. Neben den geodätischen Arbeiten führten beide zusammen mit Kollegen während ihres Aufenthalts in Südamerika Messungen der Temperatur und des Luftdrucks durch, die als erste meteorologische Beobachtungen im heutigen Ecuador gelten. La Condamine verwendete das Réaumur-Thermometer, das erst wenige Jahre zuvor erfunden worden war. Er stellte beispielsweise fest, dass die Durchschnittstemperatur in Quito im Jahr 1738 zwischen 14 und 15 Grad Réaumur (17,5–18,75 °C) lag. Juan vermaß die Höhen verschiedener Andengipfel mit einem Barometer.

„Some are weather-wise, some are otherwise!“ („Manche haben ein Gespür fürs Wetter, andere nicht!“) Dieser Spruch wird dem Naturwissenschaftler, Erfinder und Staatsmann Benjamin Franklin (1706–1790) aus Neuengland zugeschrieben, einem der Gründerväter der Vereinigten Staaten, der als Wissenschaftler großes Interesse am Wetter hatte. Seine Arbeiten zur atmosphärischen Elektrizität machten ihn zum ersten Amerikaner mit internationalem wissenschaftlichem Ruf. Sein Gesamtwerk zum Thema Wetter stellt einen bedeutenden Beitrag der Meteorologie im 18. Jahrhundert dar. In Philadelphia versuchte Franklin am 21. Oktober 1743, eine Mondfinsternis zu beobachten. Doch Wolken, die vor einem Sturm aus Südwesten heranzogen, verdeckten den Himmel und verhinderten den Blick auf die Finsternis. Dies geschah, obwohl der Wind in Bodennähe aus Nordosten wehte. Franklin nahm diesen Unterschied zur Kenntnis und erfuhr später von seinem Bruder, dass die Wolken desselben Sturms Boston, nordöstlich von Philadelphia gelegen, erst nach der Finsternis erreicht hatten. Franklin schlussfolgerte, dass sich der Sturm insgesamt in nordöstlicher Richtung bewegt haben musste, obwohl die Winde in Bodennähe aus Nordosten wehten. Dies ist der erste dokumentierte Fall, in dem ein Wissenschaftler erkannte, dass sich die Bewegung eines Sturms insgesamt von der Bewegung der Luft in Bodennähe unterscheiden kann. Im Jahr 1749 beobachtete Franklin Aufwinde und kam zu dem Schluss, dass diese auf eine lokale Erwärmung der Oberfläche durch die Sonne zurückzuführen seien. Er war einer der Ersten, der diese Erklärung für dieses Phänomen vorbrachte. Solche Aufwinde führen zu den sommerlichen Wolken, die heute als konvektive Wolken bekannt sind. Franklin interessierte sich für den Golfstrom, besonders für die Temperatur seines Wassers sowie für dessen Strömungsrichtung und -geschwindigkeit. Er veröffentlichte die erste bekannte Karte des Golfstroms. Franklin beschäftigte sich auch mit Wasserhosen. In seiner Abhandlung „Waterspouts and Whirlwinds“ fügte er eine Zeichnung bei, die seine Hypothese zur Struktur einer Wasserhose veranschaulichte. Zu ihrer Entstehung schrieb er: „Die Luft unmittelbar über ihm [dem Golfstrom] kann jedoch so viel Wärme von ihm aufnehmen, dass sie sich verdünnt und aufsteigt, da sie dadurch leichter wird als die Luft zu beiden Seiten des Stroms; daher muss diese Luft nachströmen, um den Platz der aufsteigenden warmen Luft auszufüllen, und wenn sie aufeinandertrifft, bildet sie jene Tornados und Wasserhosen, die häufig in der Nähe und über dem Strom anzutreffen und zu sehen sind.“ Franklin verstand den grundlegenden Entstehungsmechanismus der ausgedehnten Nebel, die über dem westlichen Atlantik vor der Ostküste Kanadas auftreten können. Er schrieb: „So wie der Dampf einer Tasse Tee in einem warmen Raum und der Atem eines Tieres im selben Raum kaum sichtbar sind, aber sofort wahrnehmbar werden, sobald sie in die kalte Luft gelangen, so ist auch der Dampf des Golfstroms in den warmen Breitengraden kaum sichtbar; trifft er jedoch auf die kühle Luft Neufundlands, verdichtet er sich zu dem Nebel, für den diese Gegenden so bekannt sind.“ Franklin begann sich ab 1743 für Elektrizität zu interessieren. In seinen ersten Experimenten zur Elektrizität untersuchte Franklin die Natur elektrischer Ladung. Bei Versuchen mit einer durch Reibung elektrostatisch aufgeladenen Glasröhre stellte er fest, dass in jedem abgeschlossenen System die Summe der vorhandenen elektrischen Ladungen konstant bleibt (Prinzip der Ladungserhaltung). Franklin sprach dabei von „einer Ladungsart“, die nur ihren Aufenthaltsort verändert und somit positive oder negative Aufladung verursacht. Er prägte die Begriffe „plus“ und „minus“. Franklin beschrieb recht ausführlich seine Beobachtungen und Theorien zur Elektrizität in der Atmosphäre und in Wolken, insbesondere bei Gewittern, die er als „Donnerböen“ bezeichnete (und die er als „plötzliche Erscheinungsformen von Donner und Blitz“ beschrieb, „die oft nur von kurzer Dauer sind, aber manchmal schädliche Auswirkungen haben“). Franklin schlug vor, dass das, was er als „aufrecht stehenden Eisenstift“ oder „Spitze“ bezeichnete (was man heute als Blitzableiter bezeichnen würde), ein nützlicher Schutz sein könnte: „Könnte das Wissen um diese Kraft der Spitzen der Menschheit nicht von Nutzen sein, um Häuser, Kirchen, Schiffe usw. vor Blitzeinschlägen zu schützen, indem es uns anweist, an den höchsten Stellen dieser Bauwerke senkrechte Eisenstangen anzubringen, die spitz wie eine Nadel und zur Verhinderung von Rost vergoldet sind, und vom Fuß dieser Stangen einen Draht an der Außenseite des Gebäudes hinunter in den Boden zu führen oder an einem der Wanten eines Schiffes entlang und an dessen Seite hinunter, bis er das Wasser erreicht? Würden diese spitzen Stäbe nicht wahrscheinlich das elektrische Feuer lautlos aus einer Wolke abziehen, bevor es nahe genug herankommt, um einzuschlagen, und uns so vor diesem äußerst plötzlichen und schrecklichen Unheil bewahren?“ Franklin schlug auch ein Experiment vor, bei dem mit einem elektrischen Drachen in einer Gewitterwolke Elektrizität gesammelt werden sollte, um die elektrische Natur der Blitze zu beweisen. Ob und wie er das Experiment tatsächlich durchgeführt hat, ist umstritten. Seine Experimente wurden 1751 in einem 86-seitigen Buch („Experiments and Observations on Electricity made at Philadelphia in America by Benjamin Franklin“) veröffentlicht, das als Amerikas wichtigstes wissenschaftliches Buch des 18. Jahrhunderts gilt und für großes Aufsehen in Europa sorgte.

Benjamin Franklin gewinnt Elektrizität aus der Luft, Benjamin West (1738-1820), 1816, Quelle: Philadelphia Museum of Art, Philadelphia, Pennsylvania, über Wikimedia Commons

Bei einem England-Aufenthalt stieß Franklin zufällig auf das Prinzip der Kühlung, als er beobachtete, dass er an einem sehr heißen Tag in einem nassen Hemd bei einer leichten Brise weniger schwitzte als in einem trockenen. In einem Experiment unter Franklins Leitung an einem warmen Tag im Jahr 1758 in Cambridge wurde ein Versuch durchgeführt, bei dem die Kugel eines Quecksilberthermometers kontinuierlich mit einer Flüssigkeit benetzt wurde und dieser mit einem Blasebalg verdampfte. Mit jeder weiteren Verdampfung zeigte das Thermometer eine niedrigere Temperatur an und erreichte schließlich 7 °F (-14 °C). Ein weiteres Thermometer zeigte an, dass die Raumtemperatur konstant bei 65 °F (18 °C) lag. In seiner Abhandlung „Cooling by Evaporation“ kam Franklin zu dem Schluss, dass „man sich vorstellen kann, dass ein Mensch an einem warmen Sommertag erfrieren könnte“. Nach Erlangung der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika 1776 wurde Franklin als erster Botschafter nach Frankreich entsandt. In seiner Zeit in Paris brach der Vulkan Laki 1783 in Island aus. Die Eruption war in Island als Skaftáreldar (die Skaftá-Feuer) bekannt und dauerte acht Monate, von Juni 1783 bis Februar 1784. In der zweiten Hälfte des Jahres 1783 bedeckte ein anhaltender Dunst, der als „trockener Nebel“ bezeichnet wurde, Europa und wurde als der dichteste trockene Nebel in Europa seit dem Ausbruch des Vulkans Eldgjá im Jahr 934 beobachtet. Der folgende Winter (1783–1784) war sowohl in Europa als auch im Osten Nordamerikas sehr kalt. Franklin schloss daraus, dass der Vulkanausbruch die Ursache für den trockenen Nebel und das darauf folgende kalte Wetter sein könnte. In Europa folgten mehrere Jahre mit klimatischen Extremen, wobei der Vulkanausbruch eine der wahrscheinlichsten Ursachen war. Franklin war einer der Ersten (wenn nicht sogar der Erste), der die Auswirkungen von Vulkanausbrüchen auf Wetter und Klima in Betracht zog und darauf hinwies, dass sich auf der Grundlage dieser Auswirkungen eine nützliche Methode zur Vorhersage kalter Winter entwickeln ließe.

Der schwedische Botaniker, Arzt und Zoologe Carl Nilsson Linnæus, bekannt als Carl von Linné oder latinisiert Carolus Linnaeus (1707–1778), gilt auch als „Vater“ der modernen Taxonomie. Er erforschte die Beziehungen zwischen Organismengruppen und einzelnen Arten und versuchte, die Natur in ihrer Gesamtheit zu beschreiben. Im Rahmen dieser Arbeit war er einer der ersten Wissenschaftler, der die Auswirkungen des Klimas auf die Tierwelt untersuchte. Er beschäftigte sich auch mit den Auswirkungen des Menschen auf die Natur. Er vertauschte 1745 die Fixpunkte der Celsius-Temperaturskala.

Der Mathematiker Leonhard Euler (1707–1783) aus der Alten Eidgenossenschaft befasste sich mit einer Vielzahl von Problemen der reinen und angewandten Mathematik. Er war intensiv auf dem Gebiet der Hydrodynamik tätig und legte im September 1755 der Königlichen Akademie der Wissenschaften und der Schönen Künste in Berlin eine Abhandlung mit dem Titel „Principes généraux du mouvement des fluides“ („Allgemeine Grundsätze der Bewegung von Flüssigkeiten“) vor. Dies führte 1757 zur Veröffentlichung eines Artikels für ein breiteres Publikum. Darin beschrieb er das Konzept eines inneren Druckfeldes in einer Flüssigkeit, was es ihm ermöglichte, das zweite Newtonsche Bewegungsgesetz auf infinitesimale Flüssigkeitselemente anzuwenden und daraus wiederum eine Reihe hydrodynamischer Gleichungen abzuleiten. Im Grunde bildete seine Arbeit die Basis für die Wissenschaft der Strömungslehre, und Eulers Gleichungen finden seitdem Anwendung in vielen Untersuchungen von Strömungen, darunter auch in Studien zu atmosphärischen Strömungen und atmosphärischen Turbulenzen.

Leonhard Euler, Jakob Emanuel Handmann (1718-1781), ca. 1756, Quelle: Deutsches Museum, München, über Wikimedia Commons

Eulers Name ist mit einem gängigen Bezugssystem verbunden, das in der Strömungslehre und der Atmosphärenforschung verwendet wird und als Euler-Bezugssystem bekannt ist. In diesem Bezugssystem werden Messungen an einem festen Punkt in einer sich bewegenden Strömung vorgenommen und die Bewegungsgleichungen werden in Bezug auf diesen festen Punkt aufgestellt.

Der französische Naturforscher, Biologe und Mathematiker Georges-Louis Leclerc de Buffon (1707–1788) beschäftigte sich mit einer Vielzahl wissenschaftlicher Themen und versuchte in seiner „Histoire naturelle, générale et particulière“, die gesamte Summe des Wissens der Naturgeschichte und der verwandten Wissenschaften in einem einzigen umfangreichen Werk darzustellen. Buffon stellte fest, dass verschiedene Regionen trotz ähnlicher Lebensräume unterschiedliche Tier- und Pflanzenarten aufweisen können. Er glaubte, dass Tierarten ihren Ursprung in einem „Schöpfungszentrum“ hätten und dass sie sich im Zuge ihrer Ausbreitung von diesem Zentrum weg weiterentwickeln oder zurückbilden könnten. Seiner Ansicht nach muss eine solche Ausbreitung durch klimatische Veränderungen begünstigt worden sein. Buffon vertrat die Auffassung, dass die Flora und Fauna der Neuen Welt derjenigen von Europa unterlegen seien, was unter anderem auf bestimmte klimatische Mängel zurückzuführen sei.

Der französische Naturforscher Thomas François Dalibard (1709–1779) übersetzte die 1751 in London veröffentlichte Schrift „Experiments and Observations“ von Franklin ins Französische, die Möglichkeiten zu Blitzableitern beschrieb. Dalibard unternahm selbst ein von Franklin angeregtes Experiment 1752 in Marly-la-Ville: Eine spitze, gegen den Boden isolierte lange Metallstange schlug Funken bei Gewitter. Er ist der erste bekannte Mensch, der dieses spezielle Experiment durchgeführt hat.

Vom britischen Lexikographen und Schriftsteller Samuel Johnson (1709–1784) stammt die Aussage: „Wenn sich zwei Engländer begegnen, drehen sich ihre ersten Gespräche um das Wetter. Sie beeilen sich, einander mitzuteilen, was jeder von ihnen ohnehin schon wissen muss: dass es heiß oder kalt, sonnig oder bewölkt, windig oder windstill ist.“ Diese Beschäftigung mit dem Wetter beschränkt sich natürlich nicht auf die Engländer, die meisten Kulturen zeigen sie in gewissem Maße. Das Meeresklima der Britischen Inseln, bei dem regenreiche Wetterfronten meist aus dem Atlantik heranziehen, ist jedoch bekanntlich trüb und schwer vorhersehbar. Vielleicht ist dies der Grund, warum das von Johnson beschriebene Verhalten in England und anderen Teilen des Vereinigten Königreichs so verbreitet ist.

Der russische Naturwissenschaftler und Dichter Michail Wassiljewitsch Lomonossow oder Michail Vasil’evič Lomonosov (1711–1765) war ein wegweisender Wissenschaftler, der als „Vater der russischen Wissenschaft“ bekannt wurde und als Universalgelehrter im Zeitalter der Aufklärung galt. Er war auf einer Vielzahl wissenschaftlicher Gebiete tätig. Lomonossow half bei der Organisation der großen Erkundungsreisen durch den Osten und Norden des Russischen Reiches unter der Leitung von Bering (siehe Teil 8 der Geschichte der Meteorologie). Er sorgte dafür, dass jedes Schiff über die erforderlichen physikalischen und astronomischen Instrumente verfügte und entwickelte spezielle Schiffs- und Wetterlogbücher. Im Jahr 1763 verfasste er ein Buch, in dem er die verschiedenen Erkundungen der nördlichen Meere beschrieb, von den frühesten Expeditionen bis hin zu den Großen Nordexpeditionen. Darin stellte er seine Ideen zu den arktischen Meeresströmungen, der Meereisdrift, den Meereistypen und der Abhängigkeit des Gefrierpunkts vom Salzgehalt des Wassers dar. Er erläuterte zudem die Rolle der Sonne als Wärmequelle für die Arktis und stellte die Theorie auf, dass ein Wärmeaustausch durch das Eis, vom darunterliegenden Wasser zur darüber liegenden Atmosphäre, die kalten Temperaturen in der Arktis mildern könnte. Darüber hinaus lieferte er eine der ersten wissenschaftlichen Erklärungen für das Phänomen der Aurora borealis.

Portrait von Michail Wassiljewitsch Lomonossow, Georg Caspar Prenner (1720-1766), kopiert von Leontiy Miropolskiy (1759-1819), ca. 1787, Quelle: Russische Akademie der Wissenschaften, Moskau, über Wikimedia Commons

Um 1750 entwickelte Lomonossow einen Rotationsanemometer: ein vertikales Rad mit Flügeln (ähnlich einem kleinen Wasserrad), das vom Wind angetrieben wurde. Dieses Rad wurde durch ein großes Paddel in der Gestalt einer Fahne, das als Windfahne fungierte, in den Wind ausgerichtet. Über Zahnräder und eine Schnur wurde diese Bewegung auf ein zweites Rad übertragen, das mit einer Geschwindigkeitsskala versehen war. Zudem umfasste die Konstruktion des Instruments eine Quecksilberquelle, die in verschiedene Behälter (kleine Kästchen) für die Windrichtung fallen konnte. Zumindest theoretisch ließe sich die Verteilung der Windrichtung in einem bestimmten Zeitraum ermitteln, indem man die Menge an Quecksilber misst, die in diesem Zeitraum in die einzelnen Behälter gefallen ist.

Die Serie wird fortgesetzt. Lesen Sie im nächsten Thema des Tages die Entwicklungen der Meteorologie um das Jahr 1775.

Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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