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Beste Reisezeit für Irland: Wetter, Wind und Klima Monat für Monat

25. September 2026/0 Kommentare/in Klima, Wetter/von WINDINFO

 Die beste Reisezeit für Irland ist Mai bis September: Dann ist es am mildesten, die Tage sind lang und viele Sehenswürdigkeiten gut zugänglich. Mai und Juni zählen zu den niederschlagsärmeren Monaten, Juli und August sind die wärmsten und belebtesten. Wechselhaft bleibt das Wetter das ganze Jahr – wer das Atlantikklima versteht, plant entspannter und erlebt Irland intensiver.

Für eine Rundreise sind besonders Mai, Juni und September interessant. Doch warum regnet es im Westen häufiger als rund um Dublin? Und wann werden Wind und Wellen an der Atlantikküste zum Hauptgrund für eine Reise? Die Antworten liegen in Irlands Lage zwischen Ozean, vorherrschenden Westwinden und Gebirgen.

Auf einen Blick

  • Beste Monate: Mai bis September; für Rundreisen besonders Mai, Juni und September.
  • Trockenere Region: Der Osten ist im langjährigen Mittel niederschlagsärmer als der Westen.
  • Windigste Zeit: Im Herbst und Winter ziehen häufig die kräftigeren Atlantiktiefs durch.
  • Tageslicht im Juni: Um die Sommersonnenwende sind etwa 17 Stunden Tageslicht möglich – nicht 17 Stunden Sonne.
  • Packliste: Schichten, wasserdichte Jacke, feste Schuhe und Sonnenschutz gehören unabhängig vom Monat dazu.
Majestätische Klippen mit üppigem Grün über dem leuchtend blauen Meer an der Küste
Bild von Andras Stefuca auf Pexels

Wann ist die beste Reisezeit für Irland?

Mai bis September eignet sich für die meisten Irlandreisen am besten: Es ist vergleichsweise mild, und lange Tage lassen Spielraum für spontane Wetterpausen.

Für eine Irland-Rundreise sind Mai, Juni und September besonders gute Monate. Im Mai und Juni bleibt nach einer längeren Fahrt oft noch Zeit für einen Küstenspaziergang; beliebte Orte sind meist weniger belebt als in der sommerlichen Hauptreisezeit. Im September kommt die ruhigere Nachsaison hinzu. Allerdings werden die Tage dann bereits merklich kürzer.

Juli und August bieten die höchsten durchschnittlichen Temperaturen und passen gut zu Reisen während der Schulferien. Mehr Andrang an bekannten Aussichtspunkten und Unterkünften gehört zur Abwägung. Wer draußen möglichst viel Zeit verbringen möchte, sollte deshalb nicht allein nach dem wärmsten Monat wählen, sondern auch Tageslänge, Reiseroute und gewünschte Ruhe berücksichtigen.

Mai und Juni bedeuten keine Schönwettergarantie. Nach den Klimanormalwerten von Met Éireann fällt im landesweiten Monatsmittel im April mit rund 79 Millimetern sogar etwas weniger Niederschlag als im Mai mit rund 82 und im Juni mit rund 85 Millimetern. Das sind Durchschnittswerte für Irland, keine Vorhersage für einen bestimmten Urlaubsort oder Reisetag.

Warum ist das Wetter in Irland so wechselhaft?

Das irische Wetter ist oft wechselhaft. Irlands Lage am Nordatlantik bringt feuchte Luftmassen, Westwinde und durchziehende Tiefdruckgebiete zusammen. So können sich Wolken, Sonne und Schauer rasch ablösen.

Der Ozean wirkt zugleich als Temperaturpuffer: Wasser erwärmt und kühlt sich langsamer als Land. Der Nordatlantikstrom, eine Fortsetzung des Golfstromsystems, trägt zum milden maritimen Umfeld bei. Die Folge sind im Vergleich zu vielen Orten derselben geografischen Breite eher milde Winter und mäßig warme Sommer. Wie sich ein einzelner Tag anfühlt, entscheiden dennoch Windrichtung, Bewölkung und die jeweils vorbeiziehenden Wettergebiete.

Vorherrschende Westwinde führen Luft vom Atlantik heran. Nähert sich ein Tief, können Wind und Niederschlag zunehmen; danach öffnen sich mitunter wieder längere freundliche Abschnitte. Die oft zitierte Erfahrung von „vier Jahreszeiten an einem Tag“ beschreibt diesen schnellen Wechsel, nicht vier tatsächliche Klimajahreszeiten innerhalb weniger Stunden.

Für die Tagesplanung heißt das: Ein Schauer muss nicht das Ende einer Wanderung bedeuten. Umgekehrt sollte ein sonniger Morgen kein Anlass sein, die Regenjacke im Quartier zu lassen. Besonders an der Küste lohnt es sich, aktuelle Vorhersagen und Warnungen kurz vor dem Aufbruch erneut anzusehen.

Westküste vs. Ostküste – wo regnet es weniger?

Im langjährigen Mittel ist der Osten Irlands trockener. Im Westen trifft feuchte Atlantikluft zuerst auf Küsten und Höhenzüge; beim Aufsteigen kühlt sie ab, sodass sich Wolken und Niederschlag bilden. Dieser Steigungsregen fällt unter anderem an Berglandschaften in Kerry, Connemara und Donegal ins Gewicht. Östlich der höheren Gebiete kommt häufiger weniger Niederschlag an.

Die regionalen Durchschnittswerte von Met Éireann machen die Größenordnung sichtbar: In Regionen entlang der Ostküste liegen die jährlichen Niederschlagssummen bei etwa 878 Millimetern, in südwestlichen Bergregionen bei bis zu etwa 2.044 Millimetern. Das sind regionale Klimamittelwerte, keine Messwerte für Dublin, Galway oder einen einzelnen Aussichtspunkt. Landesweit beträgt das Jahresmittel rund 1.288 Millimeter.

Region Beispielorte Wetter-Charakter Windexposition Tipp
Westküste Galway, Clare, Kerry, Donegal Häufiger feucht; wechselndes Licht zwischen Meer und Bergen Offene Küstenabschnitte sind Atlantikwinden besonders ausgesetzt. Spektakulärstes Wetterschauspiel: Aussichtspunkte flexibel ansteuern.
Ostküste Dublin, Wicklow Im regionalen Mittel niederschlagsärmer Je nach Wetterlage geschützter als offene Westküsten. Trockenere Region: gut für Stadt- und Ausflugstage kombinierbar.
Süden Cork, Kinsale Maritim geprägt; Bedingungen unterscheiden sich zwischen Küste und Inland. Vorsprünge und Buchten können sehr unterschiedliche Windverhältnisse haben. Vor Küstenwegen die örtliche Vorhersage prüfen.

Wer im Westen unterwegs ist, erlebt häufiger Wind und Regen, aber oft auch eindrucksvolles Licht zwischen den Schauern. Der trockenere Osten ist wiederum keine Ausweichroute mit Sonnengarantie: Ein durchziehendes Tief kann beide Seiten der Insel erfassen.

Wie ist das Wetter in Irland Monat für Monat?

Von März bis Mai werden die Tage länger; der Sommer ist am mildesten. September eignet sich oft noch für Rundreisen, während der Winter kürzere Tage und mehr Sturmphasen bringt.

Die folgende Übersicht ordnet alle Monate nach Jahreszeiten. Sie beschreibt typische Bedingungen, keine verlässliche Vorhersage für einen konkreten Reisetermin. „Tageslicht“ meint die Zeit zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, nicht die gemessene Sonnenscheindauer.

Irland-Wetter im Jahresverlauf – welche Jahreszeit passt zu wem?

Jahreszeit Temperatur am Tag Niederschlag/Wind Tageslicht Andrang Ideal für
Frühling: März–Mai Zunehmend mild, morgens oft frisch April und Mai zählen im Landesmittel zu den niederschlagsärmeren Monaten. Jeden Monat länger Meist geringer als im Hochsommer Rundreisen ab Mai, Wandern und Naturbeobachtung
Sommer: Juni–August Die mildesten bis wärmsten Monate Schauer und windige Tage bleiben möglich. Im Juni besonders lang Im Juli und August am höchsten Rundreisen im Juni, Familien und lange Outdoor-Tage
Herbst: September–November Im September oft noch mild, später kühler Ab Oktober häufiger kräftige Tiefdrucklagen Deutlich abnehmend Nach dem Sommer geringer Rundreisen im September; Wellenreiter im Herbst
Winter: Dezember–Februar Maritim mild, bei Wind dennoch kühl Sturmphasen und häufigere Niederschläge einplanen. Kurz Abseits der Feiertage oft gering Städtetrips; Wellenreiter mit Erfahrung und Ortskenntnis

Beste Reisezeit für Rundreisen: Mai, Juni und September. Beste Zeit für Wellenreiter: häufig Herbst bis Frühling – abhängig von Spot, Können und aktuellen Bedingungen.

Frühling (März–Mai): Blütezeit und erste lange Tage

Im März wächst das nutzbare Tageslicht bereits spürbar, doch auf offenen Höhen und an der Küste bleibt eine windfeste Schicht sinnvoll. Der April eignet sich für alle, die wechselndes Frühlingslicht mögen. Im Mai werden Tagesausflüge leichter planbar: Nach einer Schauerpause bleibt oft noch Zeit für einen zweiten Halt.

Nach den Klimanormalwerten von Met Éireann ist der Mai mit durchschnittlich rund 191 Sonnenstunden im landesweiten Monatsmittel der sonnenscheinreichste Monat. Diese Zahl bezeichnet tatsächlich gemessene Sonnenscheindauer und ist nicht mit der viel längeren möglichen Tageslichtzeit gleichzusetzen.

Sommer (Juni–August): milde Temperaturen und lange Abende

Der Juni bringt besonders viel Tageslicht. Rund um die Sommersonnenwende sind im Raum Dublin ungefähr 17 Stunden zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang möglich; im übrigen Land variiert die Tageslänge etwas. Auch wenn Wolken aufziehen, lässt sich dadurch ein Ausflug nach einer Pause oft fortsetzen.

Die durchschnittlichen Monatsmitteltemperaturen für Irland liegen laut Met Éireann im Juni bei 13,6 Grad Celsius, im Juli bei 15,2 und im August bei 15,0 Grad Celsius. Monatsmittel beziehen Nächte mit ein und sind keine typischen Tageshöchstwerte. Für den Koffer heißt das: Neben leichter Kleidung gehört auch im Sommer eine zusätzliche Jacke dazu.

Herbst (September–November): ruhiger reisen, Licht nutzen

Der September verbindet oft noch milde Bedingungen mit weniger Betrieb auf beliebten Routen. Wer die Dingle-Halbinsel oder Connemara fotografieren möchte, kann wechselnde Wolken als Chance für besonderes Licht nutzen und die Route dem aktuellen Wetter anpassen.

Im Oktober und November nimmt das Tageslicht weiter ab. Zugleich können Atlantiktiefs häufiger kräftigen Wind und ausgedehntere Regenphasen bringen. Plane Wanderungen dann eher für den hellen Teil des Tages und halte eine kürzere Alternative bereit, falls sich die Bedingungen ändern.

Winter (Dezember–Februar): kurze Tage, offene Möglichkeiten

Im Flachland sind lange Frostperioden wegen des maritimen Einflusses weniger typisch als in vielen kontinentalen Regionen Europas. Frost bleibt dennoch möglich. Die landesweite durchschnittliche Monatsmitteltemperatur beträgt im Januar nach Met Éireann rund 5,3 Grad Celsius – auch das ist kein Tageshöchstwert.

Für längere Küstentouren schränkt vor allem die Kombination aus wenig Tageslicht, Wind und möglichen Sturmwarnungen ein. Ein Winteraufenthalt funktioniert gut mit überschaubaren Etappen, Stadtbesuchen und einer Unterkunft, von der sich Ausflüge kurzfristig anpassen lassen.

Wann ist es in Irland am windigsten?

Am windigsten ist Irland typischerweise im Herbst und Winter, wenn kräftigere Atlantiktiefs häufiger durchziehen; offene Abschnitte der Westküste sind besonders exponiert.

Ein Tiefdruckgebiet ist nicht an jeder Küste gleich zu spüren. Die Zugbahn des Tiefs, der Abstand zwischen den Isobaren und die örtliche Geländeform beeinflussen Richtung und Stärke des Windes. Eine Bucht kann geschützter wirken als die nächste Landzunge; auf einer Klippe kann der Wind zugleich deutlich unangenehmer sein als im nahe gelegenen Ort.

Met Éireann benennt Stürme gemeinsam mit dem UK Met Office und dem niederländischen Wetterdienst KNMI nach abgestimmten Namenslisten. Für die Reiseplanung ist jedoch nicht der Name entscheidend, sondern die aktuelle Warnlage. Bei einer Sturmwarnung solltest du Küstenstraßen an besonders exponierten Stellen und Klippenwanderwege meiden und Hinweise vor Ort beachten.

Wer Wetterkarten liest, kann die Lage besser einordnen: Eng beieinanderliegende Isobaren deuten auf einen stärkeren Druckunterschied und damit auf Windpotenzial hin. Für die Entscheidung am Reisetag zählen trotzdem örtliche Vorhersagen und amtliche Warnungen, nicht eine einzelne Karte.

Welche Reisezeit passt zu welchem Reisetyp?

Für Autorundreisen und Wanderungen eignen sich Mai, Juni und September besonders gut; Familien bevorzugen oft die Ferienmonate, Wellenreiter eher die stürmischere Jahreshälfte.

Bei einer Rundreise mit dem Auto sind lange, helle Tage wertvoller als eine vermeintlich perfekte Wetterprognose Wochen im Voraus. Wer den Irland-Urlaub zur passenden Jahreszeit planen möchte, sollte deshalb neben dem Monat auch die Länge der Fahretappen und die gewünschten Stopps festlegen. Mai, Juni und September geben dafür eine gute Mischung aus Tageslicht und meist geringerem Andrang als in der Hochsaison.

  • Wandernde: Mai, Juni und September bieten oft gute Bedingungen für Tageswanderungen. In Bergen und an Klippen gelten stets die örtlichen Wetterverhältnisse.
  • Familien: Juli und August passen zu den Schulferien und langen Tagen. An bekannten Sehenswürdigkeiten lohnt ein früher Start.
  • Fotografierende: Frühling und Herbst bringen wechselnde Wolkenbilder und interessante Lichtstimmungen. Ein zweites Zeitfenster für Aussichtspunkte hilft bei Nebel.
  • Wellen- und Windsportler: Herbst bis Frühling ist für kräftigere Atlantikbedingungen interessant, verlangt aber besonders sorgfältige Spot- und Sicherheitsplanung.

Keine dieser Empfehlungen bedeutet, dass jeder Tag der Saison gleich ausfällt. Prüfe vor einer Wanderung oder Wassersporteinheit nicht nur die landesweite Wetterlage, sondern möglichst auch die Vorhersage für die konkrete Küste und Tageszeit.

Wann lohnt sich Irland für Surfer, Wind- und Kitesurfer?

Für Wellenreiter ist die Atlantikküste häufig von Herbst bis Frühling besonders interessant; Wind- und Kitesurfer müssen zusätzlich Richtung, Stärke und Bedingungen am einzelnen Spot prüfen.

In der kühleren Jahreshälfte erreichen häufiger kräftige Dünungen aus dem Nordatlantik die Westküste. Das macht Irland für erfahrene Wellenreiter reizvoll, ist aber keine Wellengarantie: Zwischen zwei Wetterlagen können Swell, Windrichtung und Wellenqualität stark wechseln. Für Windsurfer und Kitesurfer sagt eine gute Wellenprognose allein noch wenig über einen geeigneten Einstieg oder sichere Bedingungen aus.

Zu den bekannten Orten zählen Bundoran in Donegal, Strandhill bei Sligo und Lahinch in Clare. In Kerry sind Brandon Bay und der Bereich der Magharees weitere Namen auf der Spotkarte. Diese Orte unterscheiden sich deutlich: Strandform, Ausrichtung, Brandung und Gezeiten können selbst innerhalb einer Region andere Anforderungen stellen. Ein bekannter Spot ist daher nicht automatisch ein passender Spot für jedes Erfahrungsniveau.

Das Wasser bleibt ganzjährig kühl. Ein den aktuellen Bedingungen angemessener, ausreichend dicker Neoprenanzug und passende weitere Ausrüstung sind wichtiger als der Kalendermonat. Wer einen Spot noch nicht kennt, sollte sich an eine lokale Surfschule oder ortskundige Ansprechpersonen wenden und Gezeiten, Strömungen, Einstiegsstellen sowie aktuelle Warnungen prüfen. Bei unsicheren Bedingungen ist ein Ausflug an Land die bessere Wahl.

Wellenreiter auf einer Atlantikwelle vor der Küste bei Bundoran in Donegal
Bild von oneloveonephoto auf Magnific

Wie viele Tage sollte man für eine Irland-Rundreise einplanen?

Sieben Tage reichen für eine kompakte Südroute, zehn Tage für Süden und Westen mit mehr Pausen; vierzehn Tage eröffnen zusätzlich Connemara und Donegal.

Sieben Tage: Beschränke dich auf den Süden der Republik Irland. Cork und Kinsale lassen sich etwa mit der Dingle-Halbinsel oder einer Runde über den Ring of Kerry verbinden. Beides zusätzlich mit langen Abstechern zu weit entfernten Küsten zu kombinieren, lässt wenig Raum für spontane Stopps. Gerade auf schmaleren Straßen ist die Fahrzeit wichtiger als die reine Kilometerzahl.

Zehn Tage: Jetzt können der Süden und ein Teil des Westens entspannter zusammenkommen. Auf einer Route Richtung Galway lassen sich der Burren und die Cliffs of Moher einplanen. An den Klippen kann Nebel die Sicht stark einschränken; ein flexibles Besuchsfenster ist sinnvoller als eine fest verplante Stunde. Auch im Burren ändern Nässe und Wind, wie angenehm sich ein Fußweg anfühlt.

Vierzehn Tage: Zusätzliche Zeit ermöglicht Abschnitte des Wild Atlantic Way über Connemara bis nach Donegal. Dieser Küstenverlauf ist kein Programm, das vollständig „abgehakt“ werden müsste. Wähle lieber wenige Regionen und verbringe dort auch einmal einen zweiten Tag. Nordirland wäre eine gesondert zu planende Erweiterung; die hier beschriebenen Routenvorschläge konzentrieren sich auf die Republik Irland.

Als grobe Orientierung lassen Tagesetappen von etwa 150 bis 200 Kilometern Spielraum für Aussichtspunkte und Schauerpausen. Auf kurvigen Küstenstrecken kann selbst das bereits ein voller Fahrtag sein. Linksverkehr und Kreisverkehr im Uhrzeigersinn fühlen sich mit etwas Ruhe schnell vertrauter an – besonders, wenn der erste Fahrtag bewusst kurz bleibt.

Lege Ausflüge mit weiter Aussicht nicht zwingend auf einen einzigen Zeitpunkt fest: Für die Cliffs of Moher oder die Höhen in Connemara lohnt ein Blick auf die örtliche Vorhersage am Vorabend und nochmals am Morgen. Die Wetterinformationen und Apps von Met Éireann helfen dabei, Warnungen und die Tagesentwicklung zu prüfen. Zieht ein Schauer durch, lässt sich oft erst eine geschützte Pause einlegen und anschließend der Spaziergang nachholen.

Die Cliffs of Moher an Irlands Westküste mit tief hängenden Wolken über dem Atlantik
Bild von Will Radice-Horne auf Pexels

Was gehört bei jedem Wetter in den Koffer?

Für Irland funktioniert Kleidung in Schichten am besten: Sie lässt sich zwischen windiger Küste, kühlerem Schauer und milderem Nachmittag schnell anpassen.

  • Wasserdichte Jacke: Sie sollte auch bei Wind bequem über einer zusätzlichen Schicht sitzen.
  • Leichte und wärmende Lagen: So kannst du auf Temperaturwechsel reagieren, ohne für jede Wetterlage ein eigenes Outfit mitzunehmen.
  • Feste Schuhe: Rutschfestes Schuhwerk hilft auf feuchten Wegen und unebenem Boden.
  • Sonnenschutz: Auch bei Wolken sind UV-Strahlung und kurze sonnige Abschnitte nicht zu unterschätzen.
  • Kleiner Tagesrucksack: Darin bleiben zusätzliche Schicht, Wasser und Wetterschutz unterwegs griffbereit.

Für Küstenwanderungen ist außerdem entscheidend, was du vor dem Start prüfst: Wind, Regenentwicklung und eventuelle Warnungen. Gute Ausrüstung erweitert die Möglichkeiten, ersetzt aber keine passende Routenentscheidung.

FAQ

Welcher Monat ist der beste für Irland?

Mai und Juni sind für viele Rundreisende besonders attraktiv: Die Tage sind lang, beide Monate zählen zu den niederschlagsärmeren, und es ist oft ruhiger als im Hochsommer.

Wie warm wird es in Irland im Sommer?

Der Sommer ist meist angenehm mild. Met Éireann nennt landesweite Monatsmitteltemperaturen von 13,6 Grad im Juni, 15,2 Grad im Juli und 15,0 Grad im August; eine Jacke bleibt sinnvoll.

Regnet es in Irland wirklich ständig?

Nein. Zwischen Schauern gibt es auch trockene und sonnige Abschnitte. Dauerregen ist möglich, aber nicht die tägliche Regel; im regionalen Mittel ist der Osten trockener als der Westen.

Lohnt sich Irland im Herbst?

Ja, besonders im September: Viele Reisende schätzen die mildere Nachsaison und das wechselnde Licht. Ab Oktober solltest du kürzere Tage und kräftigere Windphasen stärker berücksichtigen.

Kann man im Winter nach Irland reisen?

Ja. Städte und kürzere Ausflüge lassen sich gut planen. Im Flachland sind lange Frostperioden weniger typisch, doch kurze Tage und mögliche Sturmwarnungen verlangen Flexibilität.

Wann sind die Tage in Irland am längsten?

Rund um die Sommersonnenwende im Juni. Im Raum Dublin sind dann ungefähr 17 Stunden Tageslicht möglich; das ist die mögliche Tageslänge, nicht die tatsächliche Sonnenscheindauer.

Wann kann man in Irland surfen?

Surfen ist nicht auf eine einzige Jahreszeit beschränkt. Kräftiger Atlantik-Swell tritt häufig von Herbst bis Frühling auf; Neopren, Ortskenntnis und die Prüfung von Gezeiten und Strömungen sind wichtig.

Wie viele Tage braucht man für eine Irland-Rundreise?

Sieben Tage passen für den Süden in kompakter Form. Mit zehn Tagen lassen sich Süden und Westen entspannter verbinden; vierzehn Tage schaffen zusätzlich Raum für Connemara und Donegal.

Fazit – Irland ist ein Ganzjahresziel mit klarer Hauptsaison

Mai bis September ist für die meisten Reisenden die angenehmste Zeit für Irland. Mai, Juni und September bieten Rundreisenden eine besonders gute Verbindung aus Tageslicht, milden Bedingungen und meist weniger Andrang als im Hochsommer. Im Herbst und Winter rücken kräftigere Atlantiklagen stärker in den Vordergrund – für Wellenreiter ein möglicher Reiz, für Küstenwanderungen ein Grund zu genauerer Planung.

Entscheidend ist weniger die Suche nach einem garantiert trockenen Monat als eine Route mit Spielraum: Wetter vor Ort prüfen, Aussichtspunkte bei guter Sicht besuchen und Schauerpausen gelassen einbauen. Wer dafür Anregungen sucht, kann Wetter- und Reisetipps für die Grüne Insel in die eigene Planung einbeziehen.

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/09/irland-klippen-pexels-andras-stefuca.jpg 627 1200 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-09-25 20:05:562026-09-25 20:40:07Beste Reisezeit für Irland: Wetter, Wind und Klima Monat für Monat

Sonnenscheinreiches Jahr 2026 – Erste Zwischenbilanz

16. September 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Die Sonne zeigte sich in diesem Jahr über Deutschland mal wieder ungewöhnlich oft am Himmel. Somit wird das Jahr 2026 nicht nur wegen der vielen und teils extremen sommerlichen Hitzeperioden mit einem neuen deutschen Temperaturrekord in die Geschichte eingehen. Voraussichtlich wird es auch als eines der sonnigsten Jahre in den Statistiken auftauchen. Gut zwei Drittel des Jahres liegen bereits hinter uns. Da die Nächte nun wieder länger und die Tage zunehmend wolkenreicher werden, haben wir statistisch betrachtet schon über 80 % des jährlichen Sonnenscheins abbekommen. Damit ist es an der Zeit, eine erste Zwischenbilanz zu ziehen.

In den ersten acht Monaten (Januar bis August) schien die Sonne im bundesweiten Durchschnitt schon 1592 Stunden. Verglichen mit dem vieljährigen Mittel aus den Jahren 1991-2020 (1303 Stunden) ist das ein Plus von 22,2 %, bezogen auf die Periode 1961-1990 (1195 Stunden) sogar ein Plus von 33,2 %. Die Sonne schien also im aktuellen Jahr bis zu jenem Zeitpunkt deutlich häufiger als in durchschnittlichen Jahren. Abbildung 1 verdeutlicht eindrucksvoll, dass mit Ausnahme des Februars in allen weiteren Monaten die Sonne eine fleißige Mitarbeiterin war, die zahlreiche Überstunden machte. Vor allem in den Monaten März, April und Juli überragen die gelben Balken des Jahres 2026 die vieljährigen Mittelwerte (graue Balken) deutlich.

Abb. 1: Monatliche Sonnenstunden im Jahr 2026 (gelbe Säulen) im Vergleich zu den vieljährigen Mittelwerten (graue Säulen). (Quelle: Deutscher Wetterdienst)

Sollte sich dieser Trend in den noch verbleibenden 3 ½ Monaten fortsetzen, könnte 2026 eines der sonnenscheinreichsten Jahre seit Messbeginn im Jahre 1951 werden. Vergleichen wir dazu das Jahr 2026 mit den bisherigen „Top 3“ der 75-jährigen Messreihe. Das bislang sonnigste Jahr liegt erst vier Jahre zurück. Im Jahr 2022 schien die Sonne im deutschlandweiten Flächenmittel durchschnittlich 2024 Stunden. Auch in den Jahren 2018 und 2003 – letzteres bekannt durch den Jahrhundertsommer – wurde die 2000-Stunden-Marke übertroffen (2018: 2015 Stunden, 2003: 2014 Stunden). Hinter diesen außergewöhnlich sonnigen Jahren rangieren auf den Plätzen vier und fünf mit etwas Abstand das Jahr 1959 mit 1984 Stunden und das vergangene Jahr 2025 mit 1914 Stunden.

Abb. 2: Jahresverlauf der Sonnenstunden im Jahr 2026 im Vergleich zu den vieljährigen Mittelwerten bis zum 15.09.2026. (grafische Darstellung: www.mtwetter.de, mit eigenen Ergänzungen; Datenbasis: DWD)

Nimmt man die knapp 90 Sonnenstunden, die in der ersten Septemberhälfte bereits gemessen wurden, noch dazu, landen wir bereits bei 1681 Stunden. Damit wurde das vieljährige Mittel von 1665 Sonnenstunden der aktuellen Referenzperiode 1991-2020, bezogen auf das gesamte (!) Jahr, bereits vor wenigen Tagen übertroffen (Abbildung 2)! Vergleicht man diesen Wert mit jenen aus den genannten „Top 5“ im selben Zeitraum, stellt man fest, dass nur im Rekordjahr 2022 die Sonne mit 1704 Stunden etwa 23 Stunden länger schien. Unser aktuelles Jahr liegt also zum jetzigen Zeitpunkt auf Platz 2. Damit stehen die Chancen also nicht schlecht, dass 2026 einen Platz auf dem Treppchen ergattern oder 2022 sogar vom Thron stoßen könnte. Ein Platz unter den „Top 5“ erscheint aus heutiger Sicht durchaus wahrscheinlich. Auf welchem Platz das aktuelle Jahr am 31. Dezember stehen wird, hängt vor allem vom Wetterverlauf in der zweiten Septemberhälfte und im Oktober ab. In diesem Zeitraum können bei sonnigen Hochdrucklagen noch reichlich Sonnenstunden gesammelt werden. In den Monaten November und Dezember scheint die Sonne hingegen durchschnittlich nur noch weniger als 100 Stunden, da die dunklen Nächte zu dieser Zeit am längsten sind und auch bei Hochdruck der Himmel oft von Wolken, Nebel und Hochnebel bedeckt ist.

Abb. 3: Anomalie der Sonnenscheindauer über Deutschland inklusive Trendlinien, bezogen auf die Referenzperioden 1961-1990 (links) und 1991-2020 (rechts). (Quelle: Deutscher Wetterdienst)

Falls Ihnen beim Lesen aufgefallen sein sollte, dass häufig Jahre aus dem aktuellen Millennium genannt wurden, trügt der Schein nicht. Statistische Auswertungen belegen nämlich, dass die Anzahl der gemessenen Sonnenstunden über Deutschland in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen hat. Vor allem im Zeitraum von etwa 1975 bis 1990 schien die Sonne über Deutschland deutlich seltener als heutzutage (Abbildung 3). Ab den 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts nahmen die Sonnenstunden über Deutschland signifikant zu, was die schwarzen Trendlinien in Abbildung 3 belegen. Bezogen auf den Referenzzeitraum 1961-1990 (linkes Diagramm) lagen seit dem Jahr 2000 gerade einmal vier Jahre minimal unter dem Mittelwert von 1544 Sonnenstunden (graue Säulen), während sich alle weiteren Jahre zum Teil erheblich darüber befanden (gelbe Säulen). Dieser Referenzzeitraum ist also für heutige Verhältnisse nicht mehr repräsentativ. Selbst bei der neueren Referenzperiode 1991-2020 (rechtes Diagramm) fällt auf, dass seit 2018 nur das Jahr 2021 eine unterdurchschnittliche und 2024 eine etwa durchschnittliche Anzahl an Sonnenstunden aufwiesen. Auch ein Blick auf die „Top 10“ der sonnigsten Jahre belegt diesen Trend. Acht der der zehn sonnigsten Jahre in Deutschland seit 1951 wurden nach 2000 gemessen. Dieses Jahr wird sich ebenfalls in diese Riege einreihen. Dass der 2022 aufgestellte Sonnenscheinrekord in diesem Jahr schon wieder wackelt, ist also kein reiner Zufall.

Neben der offiziellen Jahresbilanz, die Ende 2026 vom DWD als Pressemitteilung veröffentlicht wird, werden wir zu Beginn des Jahres 2027 auch an dieser Stelle nochmals im Detail bezüglich Sonnenstunden Bilanz ziehen und bekanntgeben, welchen Platz das Jahr 2026 einnehmen wird.

Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.09.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/09/Sonnenscheinreiches-Jahr-2026-–-Erste-Zwischenbilanz-1.png 700 1103 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-09-16 13:02:212026-09-25 09:10:57Sonnenscheinreiches Jahr 2026 – Erste Zwischenbilanz

Ungewöhnlich ruhiger tropischer Atlantik!

15. September 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Während im östlichen Pazifik bereits drei starke Hurrikane der Kategorie 3 oder höher beobachtet wurden, blieb der Atlantik bislang von einem Hurrikan verschont. Die jüngste tropische Aktivität konzentrierte sich von Ende August bis Anfang September auf den Golf von Mexiko. Dort entwickelte sich Tropensturm EDOUARD, der anschließend an der Golfküste zwischen Louisiana und Texas an Land ging und sich über dem Festland rasch abschwächte. Der Sturm erreichte während seiner relativ kurzen Lebensdauer einen minimalen Kerndruck von etwa 998 hPa und maximale Windgeschwindigkeiten von 85 bis 100 km/h. Damit blieb EDOUARD deutlich hinter der Intensität zurück, die starke Hurrikane im Atlantik erreichen können.

Die bisher aufgetretenen tropischen Wirbelstürme über dem Atlantik in der diesjährigen Saison. Bisher konnte sich noch kein Hurrikan entwickeln. Insgesamt gab es 5 tropische Stürme.

Bereits wenige Tage zuvor hatte sich über dem zentralen Atlantik DOLLY zu einem Tropensturm entwickelt. Auch dieses System konnte sich jedoch nicht nachhaltig verstärken und löste sich unter zunehmend ungünstigen atmosphärischen Bedingungen innerhalb von 24 Stunden wieder auf. Seit dem 3. September ist der Atlantik nun komplett frei von Tropenstürmen und Hurrikans.

Ein wesentlicher Grund für die derzeit geringe Aktivität ist die ausgeprägte vertikale Windscherung. Dabei unterscheiden sich Windgeschwindigkeit und Windrichtung zwischen der unteren und der oberen Troposphäre deutlich. Während in der oberen Troposphäre über dem mittleren Atlantik teils kräftige Westwinde vorherrschen, wehen in der unteren Troposphäre überwiegend eher schwach ausgeprägte östliche Winde. Für tropische Wirbelstürme ist eine solche Umgebung äußerst ungünstig.

Insbesondere im Bereich der Karibik und des tropischen Atlantiks können die mit dem aktuellen El-Niño-Ereignis verbundenen atmosphärischen Zirkulationsänderungen die Windscherung verstärken. Wird ein sich entwickelndes tropisches Tief von starken Winden in höheren Luftschichten überströmt, wird dessen vertikale Struktur zunehmend gestört. Die für eine weitere Intensivierung notwendige symmetrisch angeordnete hochreichende Konvektion kann sich dadurch kaum formieren.

El Niño ist allerdings nicht der einzige Faktor. Die tatsächliche Aktivität einer Hurrikan-Saison ergibt sich aus dem Zusammenspiel verschiedener großräumiger und regionaler Prozesse. Dazu gehören unter anderem die Meeresoberflächentemperaturen, die Windscherung, die Feuchteverteilung in der Atmosphäre, die Lage subtropischer Hochdruckgebiete sowie die Madden-Julian-Oszillation (MJO).

Ein weiterer ungünstiger Faktor ist die derzeit häufig vorhandene trockene Luft über Teilen des tropischen Atlantiks. Trockene Luft in der mittleren Troposphäre kann in tropische Störungen vor allem bei starker vertikaler Windscherung eingemischt werden und dadurch die Entwicklung von hochreichender Konvektion behindern.

Auch die wiederholt auftretenden Saharastaub-Ausbrüche spielen eine Rolle. Staubhaltige, trockene Luftmassen können die Atmosphäre stabilisieren und damit die Bildung beziehungsweise Organisation kräftiger Gewitterzellen erschweren. Für ein tropisches Tiefdruckgebiet ist das problematisch, da seine weitere Entwicklung auf einer anhaltenden und ausreichend hochreichenden Konvektion aufbaut. Die Kombination aus trockener Luft, Saharastaub und starker vertikaler Windscherung stellt deshalb derzeit eine besonders ungünstige Umgebung für die Entwicklung tropischer Wirbelstürme dar.
Aktuell befindet sich zwar ein Gewittersystem über dem subtropischen Atlantik – eine Verstärkung zu einem Hurrikan ist aber zunächst unwahrscheinlich, da sich das Gewittersystem in einer Umgebung mit relativ starker Windscherung befindet. Allerdings könnten sich die Umgebungsbedingungen zur Wochenmitte verbessern. Damit ist im weiteren Verlauf zumindest die Entwicklung des Gewittersystems zu einem Tropensturm nicht ausgeschlossen. Abgesehen davon ist der tropische und subtropische Atlantik, sowie auch der Golf von Mexiko weitgehend störungsfrei. Und auch die Vorhersage für die nächsten Tagen zeigt kein Aufleben der tropischen Wirbelsturmaktivität über dem Atlantik.

Die probabilistische Vorhersage von Tropenstürmen und Hurrikans über dem Atlantik. Aktuell befindet sich eine Störung über dem subtropischen Atlantik, die sich mit einer Wahrscheinlichkeit von 40 % innerhalb von 7 Tagen zu einem Tropensturm entwickeln kann.

Ist die Hurrikan-Saison damit schon vorbei?

Die offizielle atlantische Hurrikan-Saison dauert noch bis zum 30. November. Auch wenn der klimatologische Höhepunkt normalerweise von Anfang bis Mitte September liegt, können sich im Oktober und sogar noch im November tropische Wirbelstürme entwickeln.

Derzeit spricht zwar vieles für eine weiterhin unterdurchschnittliche Aktivität. Insbesondere die hohe vertikale Windscherung ist ein wichtiger hemmender Faktor. Dennoch wäre es falsch, bereits jetzt das endgültige Ende der Saison vorherzusagen. Auch die Erfahrung aus vergangenen El-Niño-Jahren zeigt, dass eine ruhige erste Saisonhälfte nicht zwangsläufig eine ruhige zweite Hälfte bedeutet. Das Jahr 1997 ist hierfür ein sehr gutes Beispiel. Damals herrschte ein außergewöhnlich starker El Niño, dennoch entstanden im weiteren Verlauf der Saison insgesamt drei Hurrikane.

Eine mögliche kurzfristige Veränderung könnte zudem durch die Madden-Julian-Oszillation (MJO) ausgelöst werden. Eine Phase verstärkter tropischer Konvektion kann die großräumige Zirkulation über dem Atlantik beeinflussen und dadurch vorübergehend günstigere Bedingungen für tropische Entwicklungen schaffen. Ob daraus tatsächlich Hurrikane entstehen können, hängt jedoch von den gleichzeitig herrschenden atmosphärischen Bedingungen, wie den regionalen Meeresoberflächentemperaturen, der troposphärischen Feuchte und der Windscherung ab.

Damit bleibt die weitere Entwicklung offen. Sollte die starke Windscherung über dem tropischen Atlantik jedoch über längere Zeit bestehen bleiben und sollten keine anderen großräumigen Prozesse für eine deutliche Verbesserung der Bedingungen sorgen, könnte die Saison tatsächlich als eine der schwächsten atlantischen Hurrikan-Saisons in die Statistik eingehen. Historisch schwache Saisons waren insbesondere 1907 und 1914: In beiden Jahren wurde im Atlantik kein einziger Hurrikan registriert. Ob die Saison 2026 am Ende tatsächlich in diese Kategorie fällt, lässt sich aktuell allerdings noch nicht seriös beurteilen.

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.09.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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Magdeburger Halbkugeln – Auf der Suche nach dem Nichts

14. September 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

In einer sehr religiösen Welt, in der die Vorstellung eines Raumes mit absoluter Leere auf Erden nicht in das Glaubensbild der Menschen passte, wollte der Magdeburger Bürgermeister Otto Guericke genau dies erzeugen. 1656 startete er seine Experimentenreihe mit einem Holzfass. Seine Theorie: Wenn zuerst Wasser in das Fass gefüllt wird und er dieses dann ablasse, müsste in dem Fass die gesuchte Leere herrschen. Sein Problem jedoch: Das verwendete Holzfass war nicht komplett dicht und es gelangte Luft hinein. Dies hörte er an den Blasen, die durch das Eindringen der Luft entstanden. Er brauchte ein stabiles und dichtes Gefäß und ließ sich schließlich von einem Kupferschmied zwei Halbkugeln anfertigen. Außerdem verwendete er eine bessere Pumpe, mit der er direkt die Luft aus den zusammengesetzten Halbkugeln absaugen konnte. Nach kräftigem Ziehen und Zerren war schließlich all die Luft aus der Kupferkugel herausgepumpt und Guericke hatte sein Ziel erreicht. In dem Gefäß befand sich absolut nichts.

Doch bei dem Versuch, die beiden Halbkugeln wieder auseinanderzunehmen stellte er etwas Überraschendes fest. Egal wie viele starke Männer er an den beiden Hälften ziehen ließ, sie wollten sich einfach nicht trennen, obwohl sie von außen nicht aneinandergeschraubt waren. Darum besorgte er 16 Pferde und spannte je 8 vor eine Halbkugel. Auch diesen gelang das Auseinanderziehen nicht. Die Luft in der Umgebung schien so stark zu sein, dass sie die beiden Teile so zusammendrückte, dass sie nicht trennbar waren.

Guerickes Experiment, die beiden Halbkugeln mithilfe von Pferden zu trennen.

Mit diesem spektakulären Trick trat Guericke unter anderem bei Fürsten auf. Doch die Frage, wie stark nun die Luft genau sei, ließ ihn nicht los. Um dies herauszufinden, befestigte er die obere Halbkugel an einem Galgen und hängte an die untere Hälfte eine Waage, auf die er nach und nach Gewichte stellte. Gewicht um Gewicht fügte er hinzu, doch die Kugel blieb als Ganzes. Schließlich nach 275 kg trennten sich die beiden Teile. Dass die Luft einem solch hohen Gewicht entgegenwirken konnte, beeindruckte Guericke und er fragte sich, was er noch alles mithilfe dieser Kraft machen könne.

Magdeburger Halbkugeln am Galgen befestigt mit Gewichten darunter.

So kam er auf die Idee, eine luftleere Röhre in Wasser zu halten. Nach seiner Vorstellung müsse das Wasser nun in der Röhre nach oben steigen. Dies geschah auch, sogar bis in eine Höhe von 12,7 Metern. Um zu schauen, wie und ob sich der Wasserstand verändere, markierte Guericke die Höhe des Pegels. Nach einer Weile sank dieser. Guericke vermutete zunächst, dass das Rohr nicht mehr dicht sei. Doch an einem anderen Tag stieg die Wasserhöhe erneut. Das ist wirklich seltsam, oder? Nun ein kleiner Tipp, um des Rätsels Lösung näherzukommen: Der Wasserpegel stieg an Tagen mit gutem Wetter und fiel bei schlechtem Wetter. Guericke entwickelte mit diesen einfachen Mitteln also eine Methode, um festzustellen, ob gerade Hochdruck („schönes“ Wetter) oder Tiefdruck („schlechteres“ Wetter) vorliegt. Bei hohem Außendruck wird das Wasser mehr in das Rohr gepresst und steigt höher, andersherum bei niedrigerem Außendruck. Durch das Studieren dieses Zusammenhangs gelang es ihm, vereinfachte Vorhersagen über das Wettergeschehen zu tätigen. Damit wurde Guericke dann berühmt und durfte sich fortan Otto von Guericke nennen.

Er wies mit seinen Versuchen nicht nur die Existenz des Vakuums nach, sondern entdeckte schon im 17. Jahrhundert eine der Grundlagen der Wettervorhersage.

Meteorologin Anna-Lena Dötsch / Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.09.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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Geschichte der Meteorologie − Teil 17: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (c) und internationale meteorologische Konferenzen

13. September 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Im letzten Teilbereich der Geschichte zur Meteorologie zur Etablierung nationaler meteorologischer Institute blicken wir auf Afrika, ehe ein Überblick über die internationale meteorologische Zusammenarbeit erfolgt.

Südafrika war über längere Zeit in mehrere britische Kolonien aufgeteilt. Initiiert durch meteorologische Beobachtungen durch den Königlichen Astronomen am Kap der Guten Hoffnung, dem irisch-südafrikanischen Astronom Sir Thomas Maclear (1794−1879) wurde 1860 in der Kapkolonie die Meteorologische Kommission am Kap der Guten Hoffnung gegründet.

Fotografie von Thomas MacLear, 1860, Quelle: Materialscientist über Wikimedia Commons

In der Oranjefluss-Kolonie (Orange River Colony) wurden erste meteorologische Messungen 1878 durch den britischen Meteorologen John Brebner (1833−1902) in Bloemfontein initiiert. 1881 nahm er weitere Stationen in Betrieb, die allerdings nur Niederschläge aufzeichneten. Im Bereich des Ministeriums für Landwirtschaft wurde 1903 eine meteorologische Abteilung gegründet, die vom britischen Meteorologen James Lyle (1871−1941) geleitet wurde. Aus demselben Jahr liegen von dort erste Messungen vor. In der Kolonie Natal begannen systematische Wetteraufzeichnungen ab 1882 am Natal-Observatorium in Durban. Ältere temporäre Messungen aus Pietermaritzburg reichen bis 1858 zurück. In der Kolonie Transvaal wurde 1903 eine meteorologische Abteilung gegründet. Ihr Sitz war das Union-Observatorium bei Johannesburg, das als meteorologisches Observatorium erbaut worden war. Dessen erster Direktor, der britisch-südafrikanische Astronom Robert Innes (1861−1933), baute das Observatorium zu einem astronomischen Observatorium um. Nach Bildung der Südafrikanischen Union 1910 wurden alle meteorologischen Dienste der vormaligen vier Kolonien zum Union of South Africa’s Weather Service vereinigt, der bei der staatlichen Abteilung für Bewässerung angesiedelt wurde. Erster Leiter wurde der südafrikanische Meteorologe Charles Stewart (ca. 1870?−nach 1931). 1940 erfolgte die Umgliederung ins Verteidigungsministeriums, 1949 unter dem Namen „South African Weather Bureau“ ins Verkehrsministerium.

In der ehemaligen britischen Kolonie Rhodesien, die das heutige Sambia und Simbabwe umfasst, starteten erste Niederschlagsmessungen 1878 an der Hope Fountain Mission, einer christlichen Missionsstation nahe Bulawayo. Systematische meteorologische Messungen begannen 1897 am Jesuiten-Observatorium in Bulawayo und in Salisbury (heute Harare). Das Jesuiten-Observatorium diente der Suche nach Wegen zur systematischen Wetteraufzeichnung für Landwirtschaft und Bergbau und lieferte die ersten präzisen Datensätze von Luftdruck und Wettergeschehen der Region. In der Folge baute der aus dem Elsass stammende französische Jesuitenpater, Mathematiker und Astronom Edmund Goetz (1865−1933) das später nach ihm benannte Observatorium aus und stattete es mit neuen Messinstrumenten aus. Neben der Meteorologie wurden am Observatorium auch astronomische und erdmagnetische Beobachtungen durchgeführt. Ab 1922 wurden synoptische Wettermeldungen täglich durchgeführt. Ab 1924 wurden regelmäßige Wettervorhersagen an die Presse gegeben und mittels Telegraphie an die Postämter gesendet.

Erste meteorologische Aufzeichnungen in Madagaskar führten katholische Missionare um 1884 durch, die sich in Andohalo (heute ein Stadtteil der Hauptstadt Antananarivo) niedergelassen hatten mit dem Ziel, dort landwirtschaftliche Praktiken zu verbessern. 1901 wurde durch den französischen General und Kolonialverwalter Joseph Gallieni (1849−1916) der Landwirtschaftliche meteorologische Dienst und Wettervorhersagedienst gegründet. 1927 wurde der Dienst in „Direktion der Meteorologischen Dienste von Madagaskar und seinen abhängigen Gebieten“ umbenannt und erweiterte seine Dienstleistungen und seinen Zuständigkeitsbereich.

Erste temporäre meteorologische Messstationen in Abessinien oder Äthiopien wurden im 19. Jahrhundert durch Missionare und Entdecker betrieben. Ab 1890 betrieben Italiener eine Messstation nahe der später gegründeten Stadt Adami Tullu südlich von Addis Abeba, ab 1896 folgte eine weitere in Gambela im äußersten Westen. Systematische Messungen in Addis Abeba starteten 1902. Während der italienischen Invasion zwischen 1936 und 1941 im Abessinienkrieg wurden 192 Messstationen eingerichtet. Seit 1951 wurde das Messnetz auf 495 Stationen für den Flugbetrieb ausgebaut und bei der Zivilluftfahrt eine Abteilung gegründet, die sich mit meteorologischen Angelegenheiten befasst.

Im Sudan (damals unter anglo-ägyptischer Besatzung bzw. Verwaltung) wurde 1890 eine erste Messstation in Sawakin (Suakin) südlich von Port Sudan an der Küste des Roten Meeres eingerichtet. Bis 1920 wuchs die Anzahl der Messstation auf 16. 1937 erfolgte die Gründung der Sudan Meteorological Authority.

Im britischen Protektorats- und Kolonialbereich Nigeria starteten 1887 meteorologische Messungen in Akassa im Mündungsbereich des Flusses Niger. 1907 wurde eine Messstation in Ilorin nördlich von Lagos und 1909 eine weitere in Lokoja (hier mündet der Nebenfluss Benue in den Niger) eingerichtet. 1937 wurden die verschiedenen Messtationen in einer einheitlichen Abteilung der britischen westafrikanischen Wetterdienste organisiert.

Ghana war unter dem Namen Goldküste eine Kolonie in Britisch-Westafrika. Die Beobachtung von Wetterphänomenen begann in den 1830er Jahren in der Umgebung der Aburi-Gärten in der Ostregion durch die Basler Mission. 1886 richtete die britische Kolonialregierung drei klimatologische Stationen entlang der Küste der Kolonie ein, deren Betrieb den medizinischen Abteilungen anvertraut wurde. 1937 wurde in der Goldküste die Abteilung für den britischen westafrikanischen Wetterdienst gegründet.

Mali war als französisches Territorium unter den Bezeichnungen Französisch-Sudan sowie Obersenegal und Nigar administrativ ein Teil von Französisch-Westafrika. Erste meteorologische Messstationen wurden im Zuge der kolonialen Expansion 1895 in Kayes im Westteil des Landes, der damaligen Hauptstadt, 1897 in Timbuktu und 1900 in Nioro du Sahel im Westteil des Landes eingerichtet. 1930 wurde dann der Wetterdienst von Französisch-Sudan gegründet. Er war im Rahmen des Wetterdienstes von Französisch-Westafrika technisch mit den anderen Gebieten von Französisch-Westafrika verbunden, dessen Bundesdirektion für Meteorologie ihren Sitz in Dakar (Senegal) hatte. 1937 wurde das Netz der Wetterbeobachtungsstationen eingerichtet, das über einen Flugwetterdienst verfügte. Dieser lieferte meteorologische Informationen für Flugrouten, insbesondere auf den Strecken zwischen Bamako und Timbuktu, Gao und Dakar. Diese Wetterstationen wurden bis zur Unabhängigkeit des Landes im Jahr 1960 von zivilem Personal der Verwaltung für öffentliche Arbeiten oder von Militärpersonal unter französischer Leitung betrieben. Nach diesem Zeitpunkt wurde die Ablösung des französischen Führungspersonals schrittweise durch malisches Personal gewährleistet. Im benachbarten Senegal wurden im 19. Jahrhundert nur vereinzelt vorübergehend meteorologische Messungen auf der Halbinsel Cap Vert, der Westspitze Afrikas, durchgeführt. 1920 erfolgten erste systematische Messungen in Diourbel östlich von Dakar. In Dakar starteten Wetterbeobachtungen 1945.

In der portugiesischen Kolonie Kap Verde fanden erste meteorologische Beobachtungen 1854 im Hafen von Vila da Praia an Bord des Kriegsschiffes „Andorinha“ durch den portugiesischen Leutnant Fernando Maria Gama Lobo (1829−1879) statt. 1857 erfolgte die Einrichtung einer ersten meteorologischen Messstation im Bereich des Militärkrankenhauses in Praia. Diese wurde von dem portugiesischen Pharmazeuten Manuel Leyguarda Pimenta (ca. 1844−1868) geleitet. 1883 folgte eine weitere in Mindelo. Diese wurde von Jacinto Augusto Medina (1838−ca. 1895), einem portugiesischen Mediziner aus Madeira, geführt. Die meteorologischen Daten wurden per Telegramm über Unterseekabel an den internationalen meteorologischen Dienst gesendet. 1949 erfolgte die Gründung des Kapverdischen Meteorologischen Dienstes.

Erste meteorologische Messungen im modernen Sinne im damaligen französischen Protektorat Tunesien sind 1873 datiert, allerdings ohne Ortsangabe. 1885 wurde eine französische Wetterstation in Tunis eingerichtet. Das Office Météorologique de France baute 1923 ein Messnetz auf. Dessen Zentralstation war am Flughafen El Aounia (heute Flughafen Tunis) eingerichtet und hieß Service d’El Aounia.

Im Bereich der Deutschen Schutzgebiete in Afrika wurden Überseestationen eingerichtet, deren meteorologische Messungen als die ersten in dieser Region gelten. Von besonderem Interesse waren Niederschlag und Temperatur. In Ostafrika (heute Tansania, Ruanda und Burundi) starteten 1891 meteorologische Messungen im ersten Verwaltungssitz Bagamoyo sowie nachfolgenden Verwaltungssitz Daressalam und in Tanga (im Nordosten, alle in Tansania). In den Residenturen Urundi begannen meteorologische Beobachtungen 1908 in Marienheim (Usumbura; heute Bujumbura in Burundi) sowie in Ruanda 1911 in Kigali. Etwas länger reichen die Aufzeichnungen der Überseestation Sansibar in der Stone Town im außerhalb des Schutzgebiets gelegenen Sultanat Sansibar zurück, diese begannen 1886. 1895 wurde in der Kolonie Deutsch-Ostafrika der offizielle Posten eines Regierungs-Meteorologen mit Sitz an der Kaiserlichen Hauptwetterwarte Daressalam geschaffen. Dessen Aufgabe bestand darin, das Klima des Schutzgebietes wissenschaftlich zu erfassen und ein Beobachtungsnetz aufzubauen, um Landwirtschaft und Schifffahrt zu unterstützen. Der erste Amtsinhaber Hans Maurer (1868−1945), Mathematiker, Geophysiker und Meteorologe aus dem Großherzogtum Hessen, baute in seiner Amtszeit von 1895 bis 1899 das bis dahin unstrukturierte Messnetz aus Missions- und Militärposten zu einem wissenschaftlich verlässlichen Stationsnetzwerk aus. Ihm folgte der deutsche Geograph und Meteorologe Carl Uhlig (1872−1938) als nächster Regierungs-Meteorologe nach. Er führte in seiner Amtszeit von 1900 bis 1906 die Arbeiten seines Vorgängers fort und erfasste bei Forschungsexpeditionen am Kilimandscharo und am Maeru (Mount Meru) die dortigen klimatischen und topographischen Verhältnisse. Ab 1906 übernahm der deutsche Meteorologe Gerhard Castens (1877−1963) den Amtsposten. Unter seiner Leitung erreichte das meteorologische Messnetz der Kolonie seinen Höhepunkt. Er baute das System bis zum Ersten Weltkrieg auf zeitweise rund 60 Stationen höherer Ordnung und etwa 400 Regenwarten aus. In Kamerun begannen Wetterbeobachtungen 1885 in Duala (Douala), 1889 in Jaunde (Yaoundé) und 1891 in Buea (vorübergehender Verwaltungssitz). Mit Garbabi liegt eine Überseestation des Schutzgebietes im heutigen Nigeria (Messungen ab 1911). Im Bereich Neukamerun wurden auch Überseestationen eingerichtet, deren Messdauer in 1913, teils auch in 1912, jedoch relativ kurzer Dauer war (Fianga im heutigen Tschad, Mbaiki oder Mbaïki bei Bangui, heute Zentralafrikanische Republik, Ikelemba oder Ikélemba, heute Republik Kongo sowie Ukoko und Ojem oder Oyem, beide in Gabun). Zunächst wurde der Wetterdienst in Kamerun oft behelfsmäßig und dezentral durch koloniale Dienststellen, Faktoreien von Handelshäusern oder Missionsstationen betrieben und durch die Kaiserliche Versuchsanstalt in Victoria koordiniert. Von dort wurden die ersten systematischen Wetter-, Regen- und Temperaturmessungen für die Region organisiert, um den Plantagenbau (z. B. Kakao und Kautschuk) wissenschaftlich zu unterstützen. Nach dem Vorbild von Deutsch-Ostafrika wurde 1912 ein Amtsposten des Regierungs-Meteorologen geschaffen, dessen Aufgabe der Aufbau eines flächendeckenden Messnetzes und Wetterbeobachtungsdienstes war. Hauptsitz war die kühlere Bergstation in Buea. Einziger Amtsinhaber war der deutsche Meteorologe Paul Heidke (1877−1953).

Meteorologische Hauptstation in Buea (Kamerun), 1913, Quelle: Archiv Deutsche Seewarte über Deutscher Wetterdienst

In Südwestafrika (heute Namibia) begannen meteorologische Messungen 1882 in Omaruru und 1883 in Rehoboth. Die Messreihe am Verwaltungssitz Windhuk (Windhoek) startete 1891. Der württembergische Geograph und Meteorologe Karl Dove (1863−1922) bereiste das Schutzgebiet zwischen 1892 und 1894 in staatlichem Auftrag. Er führte die ersten systematischen meteorologischen und klimageographischen Studien durch und legte den wissenschaftlichen Grundstein für die spätere landwirtschaftliche Nutzung. Das spätere Messnetzwerk, welches mit rund 420 Stationen das größte und dichteste aller deutschen Kolonien war, unterstand zunächst der Kaiserlichen Bergbehörde in Windhuk. Später wurden die meteorologischen Daten zentral von der Kaiserlichen Hauptwetterwarte in Windhuk verwaltet. Die täglichen Messungen vor Ort, oft reine Regenmessungen, wurden meist nebenamtlich von Regierungsbeamten, Stationsleitern oder Soldaten der Schutztruppe sowie lokalen Farmern durchgeführt. In Togoland (Togo und Ostteil von Ghana) wurden erste Messungen in der Kolonialstation Misahöhe (heute Misahoe, Togo) ab 1890 getätigt, im Verwaltungssitz Lome (heute Lomé) starteten diese 1892 und im Bergland der Volta-Region in Ahmedschowe (heute Amedzofe in Ghana) 1895. Die Wetterstationen unterstanden der Leitung des Kaiserlichen Vermessungsamtes in Lome.

Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in vielen Staaten meteorologische Messungen vorgenommen und meteorologische Messnetze innerhalb der jeweiligen Landesgrenzen eingerichtet, welche vielfach in meteorologischen Institutionen der jeweiligen Länder mündete. Für die weitere Entwicklungen der Meteorologie war es unabdingbar, die Messmethoden und die Art der Messinstrumente einheitlichen Standards zu überführen und die meteorologischen Daten auszutauschen. Auf Initiative des US-amerikanischen Marineoffiziers und Hydrographen Matthew Fontaine Maury (1806−1873) luden die britische und die US-amerikanische Regierung andere Nationen zu einer ersten internationalen meteorologischen Konferenz nach Brüssel ein, die 1853 unter Vorsitz des belgischen Astronomen und Statistikers Adolphe Quetelet (1796−1874) abgehalten wurde.

Porträt des belgischen Astronomen Adolphe Quetelet von Joseph-Arnold Demannez (1825–1902), Stahlstich. Quelle: Annuaire de l’Académie royale de Belgique, 1875, vol. 41, p. 108, Brüssel, über Wikimedia Commons

Das Hauptziel der Konferenz bestand darin, eine dauerhafte internationale Zusammenarbeit bei der Erforschung der meteorologischen Bedingungen über dem Meer zu etablieren. Man einigte sich auf die Form der Beobachtungsprotokolle auf Militär- und Handelsschiffen, die als Logbuch meteorologische, astronomische und magnetische Messungen und Beobachtungen umfassen und nach Ankunft im jeweiligen Hafen den zuständigen Stellen zur Auswertung übergeben werden müssen. Die beiden Temperaturskalen Fahrenheit und Celsius wurden anerkannt und zehn Wolkentypen zur Beobachtung festgesetzt. Auch nichtteilnehmende Nationen akzeptierten die getroffenen Vereinbarungen und setzten meteorologischen Messverfahren auf den Schiffen ein. Um 1860 setzte sich die Erkenntnis durch, dass die getroffenen internationalen Vereinbarungen auf See auch für Bodenmessungen sinnvoll seien. Um Wetterkarten zu erstellen, mussten Daten sowohl vom Land als auch vom Meer her gesammelt werden. Dies war zweifellos der Hauptgrund für die Gründung der Internationalen Meteorologischen Organisation. Der Schweizer Meteorologe und Physiker Heinrich von Wild (1833−1902), der aus Mähren stammende österreichische Meteorologe Karl Jelinek (1822−1876) und der preußische Astronom und Meteorologe Carl Bruns (1830−1881), Direktor der Sternwarte Leipzig, luden mit den Worten „Wenn es ein Gebiet der Wissenschaft gibt, das von einem einheitlichen System profitiert, dann ist es die Meteorologie“ 1872 Meteorologen aller Länder zu einer Konferenz in Leipzig ein, auf der die Wetterbeobachtung international koordiniert werden sollte. Sie resultierte in großen Meinungsunterschieden sowohl hinsichtlich der besten Instrumente, ihrer Aufstellung am Messort als auch der Wahl der Maßeinheiten und des Beobachtungszeitpunkts. Auf der nächsten internationalen meteorologischen Konferenz in Wien 1873 wurde mit dem Ständigen Ausschuss ein Gremium eingerichtet, aus welchem bis 1879 durch den niederländischen Naturwissenschaftler Christoph Buys Ballot (1817−1890) die erste Internationale Meteorologische Organisation (IMO) ins Leben gerufen wurde. Deren erster Präsident wurde Buys Ballot. Der Ständige Ausschuss traf sich 1874 und 1878 in Utrecht und dazwischen 1876 in London. Nach dem nächsten internationalen meteorologischen Kongress 1879 in Rom traf sich ein eingerichtetes internationales meteorologisches Komitee öfter.

Teilnehmer der Meteorologen-Konferenz 1879 in Rom, Quelle: Музей-архив Д. И. Менделеева (СПбГУ) bzw. Dmitry Mendeleev’s Memorial Museum Apartment, St. Petersburg, via Serge Lachinov, 2009, über Wikimedia Commons

Daneben wurden Treffen der Direktoren nationaler Wetterdienste etabliert. Dabei wurde vereinbart, das Haarhygrometer und das Aneroidbarometer als Begleitinstrumente zum Quecksilberbarometer einzusetzen und für die Wolkenbeobachtung wurde Howards Wolkenklassifikation übernommen. Russland führte das metrische System ein und passte seinen Kalender an. Keine Einigung konnte über die Celsius-Skala der Temperaturmessung erzielt werden, so dass auch heute noch teilweise Fahrenheit verwendet wird.

Im Rahmen der Internationalen Meteorologischen Organisation wurden Vereinbarungen getroffen, die von großer wissenschaftlicher Bedeutung waren. So organisierte die Österreichisch-Ungarische Monarchie in den Jahren 1872–1874 die Österreichisch-Ungarische Nordpolexpedition, die von dem aus dem Großherzogtum Hessen stammenden Marineoffizier und Polarforscher Carl Weyprecht (1838−1881) und dem aus Böhmen stammenden österreichischen Offizier und Polarforscher Julius von Payer (1841−1915) geleitet wurde. Dabei wurde das Franz-Josef-Land entdeckt. Es wurden Erfahrungen hinsichtlich der Grundprinzipien der Forschung in diesen Gebieten in allen Wissenschaftsbereichen gesammelt. Die Internationale Polarkommission wurde 1879 von Weyprecht zusammen mit dem aus der bayerischen Pfalz stammenden Geophysiker und Polarforscher Georg von Neumayer (1826−1909) auf einer Konferenz in Hamburg gegründet. In Bern wurde 1880 vereinbart, im Rahmen der Polarexpedition acht Polarstationen zu errichten. Russland, Österreich, Norwegen und Dänemark waren dafür verantwortlich. Die Beobachtungen an diesen Stationen dauerten vom 1. August 1882 bis zum 1. September 1883, dem Ersten Internationalen Polarjahr. In dieser Zeit wurden zahlreiche Messungen meteorologischer und magnetischer Größen durchgeführt. Diese Daten bildeten eine gute Grundlage für wichtige wissenschaftliche Untersuchungen. Ein halbes Jahrhundert später (1932/1933) wurde das Zweite Internationale Polarjahr organisiert, um die vielfältigen wissenschaftlichen Fragen zum Funktionieren der Natur in den Polarregionen weiter zu untersuchen. In dieser Zeit trugen sowjetische Meteorologen maßgeblich zum Erfolg dieser Aktion bei. Andere europäische und US-amerikanische Länder leisteten aufgrund finanzieller und politischer Umstände keinen nennenswerten Beitrag.

Dank der Bemühungen der Internationalen Meteorologischen Organisation wurden nach und nach einheitliche Standards in der Meteorologie eingeführt. Diese standardisierten Messdaten werden ausgetauscht, was die Erstellung regelmäßiger täglicher Wettervorhersagen ermöglicht hat. Damit ein solches System funktionieren konnte, wurde erkannt, dass die Staaten es durch ihre Entscheidungen unterstützen mussten. Auf der IMO-Konferenz 1947 in Washington, D. C. wurde die Konvention zur Weltorganisation für Meteorologie (WMO) angenommen und die Organisation zum März 1950 in die WMO überführt. Die WMO wurde 1951 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen in ihrer Resolution als Sonderorganisation der Vereinten Nationen anerkannt. Sie hat ihren Hauptsitz in Genf. Erster Präsident der WMO wurde der US-amerikanische Meteorologe Francis Reichelderfer (1895−1983).

Im nächsten Teil der Serie zur Geschichte der Meteorologie wird die Entwicklung der Aerologie im 19. Jahrhundert vorgestellt.

Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.09.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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Wo endet die Atmosphäre, wo beginnt der Weltraum?

12. September 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Wenn man vom Weltraum spricht, stellt man sich den luftleeren Raum jenseits der Erdatmosphäre vor, wobei sich die Frage stellt, ab welcher Höhe dieser „luftleere“ Weltraum eigentlich beginnt. Eine scharfe Abgrenzung gibt es tatsächlich nicht, da die Atmosphäre mit zunehmender Höhe einfach immer dünner wird und allmählich in den Weltraum übergeht. Mit zunehmender Höhe nimmt der atmosphärische Druck ab, weil die darüberliegende Luftsäule immer kürzer wird und damit die Masse der darüber befindlichen Luft geringer. Entsprechend sinkt auch die Teilchendichte: In einem bestimmten Volumen befinden sich mit zunehmender Höhe immer weniger Gasmoleküle. Die Atmosphäre wird somit kontinuierlich dünner, ohne an einer bestimmten Höhe abrupt zu enden.

Wie aber definiert man dann, ob der Flug des Testpiloten Rushworth unter die Kategorie der Luft- oder der Raumfahrt fällt? Über Konventionen, welche allerdings, der Natur der Sache gemäß, international nicht eindeutig definiert sind. So gilt Robert Rushworth in den USA aufgrund seines X-15 Testflugs bereits als Astronaut oder Raumfahrer, da er die dort geltenden Grenzhöhe von 50 Meilen (ca. 80,5 km) überstiegen hatte. Stellt man dieselbe Überlegung außerhalb der USA an, so würde Rushworth’ Flug wohl eher der Luftfahrt zugeordnet werden, da seine Flughöhe die international häufiger verwendete Kármán-Linie bei einer Höhe von 100 km über dem Meeresspiegel nicht überschritt. Alan Shepard flog 1961 mit der Freedom 7 auf eine Höhe von etwa 187 km und ist somit international anerkannt ein Astronaut, selbes gilt natürlich eindeutig für den Orbitalflug des Kosmonauten Juri Gagarin, dem ersten Menschen im Weltraum, am 12. April 1961. Wie aber definiert sich die Grenze von 80 beziehungsweise 100 Kilometern über dem Meeresspiegel, und warum ist sie nicht eindeutig?

Wan Hu (oder Tao Chengdao), eine weitgehend legendäre und historisch nicht belegte Persönlichkeit, die während der Ming-Dynastie einen Raketenflug gewagt haben soll und gelegentlich als erster Astronaut der Geschichte bezeichnet wird.

Die Kármán-Linie basiert auf Überlegungen des namensgebenden ungarisch-amerikanischen Physikers und Luftfahrttechnikers Theodore von Kármán. Ein Flugzeug erzeugt mit seinen Tragflächen durch seine Bewegung relativ zur umgebenden Luft einen aerodynamischen Auftrieb. Dafür ist eine ausreichende Luftdichte und eine entsprechend hohe Fluggeschwindigkeit nötig. Da die Dichte der Atmosphäre mit der Höhe jedoch stark abnimmt, benötigt ein hypothetisches Universal-Flugzeug mit eindeutiger mathematischer Beschreibung des geschwindigkeitsabhängigen Auftriebs ab einer Höhe von etwa 100 km Fluggeschwindigkeiten in der Größen- ordnung der sogenannten Orbital- geschwindigkeit von etwa 28.000 km/h. Also eben jene Geschwindigkeit, bei der ein Körper in einem niedrigen, kreisförmigen Orbit „um die Erde fallen“ würde, da die dafür nötige Zentripetalkraft der Gravitationskraft der Erde entspricht. Nur ist das hypothetische Universal-Flugzeug der Realität nicht gewachsen und der geschwindigkeits- und dichteabhängige Auftrieb hängt von einer Vielzahl weiterer Parameter ab, beginnend bei der Tragflächengeometrie – und somit verbleibt auch der konzeptionelle Übergang zum orbitalen Weltraumflug unscharf definiert.

Die Internationale Raumstation ISS umkreist die Erde auf ihrem Orbit in ca. 400 km Höhe somit nicht im quasi-luftleeren Weltraum, sondern tatsächlich noch innerhalb der Atmosphäre, konkret in der Thermosphäre. Auch wenn die hier stark von der Sonnenaktivität abhängige atmosphärische Dichte (die sich vor allem aus atomarem Sauerstoff, Stickstoff, Helium und Wasserstoff zusammensetzt) in der Größenordnung eines Faktors von 100 Milliarden geringer ist als auf Meeresniveau, verliert die ISS durch Kollision mit diesen Teilchen kontinuierlich Orbitalenergie. Dadurch sinkt ihre Umlaufbahn allmählich ab und muss durch regelmäßige sogenannte Reboosts wieder angehoben werden. Die NASA veranschaulicht diesen Sachverhalt mit der Angabe einer orbitalen Lebensdauer von etwa 2 Jahren, also die Zeit in der es ohne Reboosts zu einem Wiedereintritt in die Atmosphäre käme. Die Atmosphäre, welche in diesem Fall per Definition bei 400.000 Fuß beziehungsweise 122 km Höhe beginnt. Klar soweit?

Natürlich haben all diese Definitionen – auch die zuletzt erwähnte sogenannte Wiedereintrittsgrenze – ihre eigene Eleganz und Daseinsberechtigung. Der hier doch sehr vereinfachte Überblick soll nur einen kleinen Einblick geben, dass es interessant sein kann, über die Konventionen und Eigenheiten des Übergangs zwischen Luft- und Weltraum nachzudenken.

Dr. Thorsten Kaluza (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.09.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/09/Wo-endet-die-Atmosphaere.png 509 483 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-09-12 13:17:002026-09-15 18:47:11Wo endet die Atmosphäre, wo beginnt der Weltraum?

Verifikation von Wettermodellen

11. September 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Unsere heutigen Wettermodelle sind hochkomplexe Systeme, die auf der Grundlage von riesigen Mengen an aktuellen Messwerten und mithilfe physikalischer Prinzipien, wie beispielsweise der Impuls- oder Masseerhaltung, versuchen möglichst genau zu simulieren, wie sich die Atmosphäre verhält. Doch wie wird eigentlich „gemessen“, wie gut ein Modell wirklich ist?

Die Antwort auf diese Frage liefern die Methoden der Verifikation. Diese vergleichen auf objektive Art die Modellvorhersagedaten mit den in der Realität gemessenen Beobachtungsdaten. Dazu werden sogenannte Gütemaße verwendet, wobei hierbei zwischen kontinuierlichen und kategorischen unterschieden wird. Erstere sind auf Zahlenwerte anwendbar, zweitere auf Ereignisse, die entweder eintreffen oder nicht eintreffen.

Beginnen wir heute mit der kontinuierlichen Art: Ein einfaches Beispiel für ein kontinuierliches Gütemaß ist der mittlere absolute Fehler (MAE – Mean Absolute Error). Hier wird zuerst die Abweichung des gemessenen Werts einer meteorologischen Variablen (z.B. Druck, Temperatur, etc.) zu dem vom Modell vorhergesagten Wert berechnet. Dabei wird vernachlässigt, ob das Modell zu hoch oder zu tief liegt. Danach wird das Mittel über all diese Fehler gebildet und am Ende hat man einen Wert, der die „Richtigkeit“ der Vorhersage beschreibt. Doch eine gewisse Vorsicht mit dem Ergebnis ist geboten. Nehmen wir einmal an, ein Modell läge bei der Temperaturprognose die Hälfte der Zeit genau 0,5 K zu hoch und die andere Hälfte genau so viel darunter. Berechnet man einfach nur das Mittel, wäre dieses Modell dementsprechend perfekt, obwohl das offensichtlich nicht wirklich der Fall ist. Betrachten wir dagegen den MAE, so gäbe dieser einen Wert von 0,5, da das Vorzeichen des Fehlers ignoriert wird. Doch gleichzeitig gehen hier andere wichtige Informationen verloren: Sollte das Modell zu einem Zeitpunkt völlig danebengelegen haben, wird sich das im MAE durch die Mittelung nicht deutlich zeigen. Deshalb gibt es noch zahlreiche andere solcher Gütemaße, die ihre eigenen Schwerpunkte setzen. Der mittlere quadratische Fehler (MSE – Mean Squared Error) lässt beispielsweise eben diese besonders schlechten Vorhersagen stärker ins Gewicht fallen, ist jedoch nicht so intuitiv verständlich wie der MAE. Andere Maße sind der RMSE (Root Mean Squared Error, die Wurzel des MSE) oder auch die Korrelation. Letztere gibt an, wie sich zwei Variablen zueinander verhalten. Eine Korrelation (oder auch ein Korrelationskoeffizient) von -1 bedeutet, dass sie sich exakt linear entgegengesetzt verhalten, 1 bedeutet, dass sie sich linear positiv zueinander verhalten.

Zeitlicher Verlauf der Verifikationsergebnisse der Luftdruckvorhersage deutscher Wettermodelle.

Nun schauen wir uns mithilfe der Grafik an, wie sich die Modelle des Deutschen Wetterdienstes entwickelt haben. Die farbigen Linien zeigen die berechneten Korrelationen für die Vorhersage des Luftdrucks für die nächsten 24 Stunden (dunkelgrün), ansteigend bis hin zur Vorhersage für 168 Stunden (braun). Auf der y-Achse ist dabei die Korrelation aufgetragen und auf der x-Achse die Jahreszahlen.

Was können wir aus dieser Grafik lesen? Einleuchtend ist, dass die Ein-Tages-Vorhersage (dunkelgrün) besser ist, als Vorhersagen für mehrere Tage im Voraus. Auch wenn das Gefühl des ein oder anderen vielleicht etwas Gegenteiliges sagt, wird ersichtlich, dass die Vorhersagequalität insgesamt nach oben geht und somit besser wird. Vergleichen wir die braune (Sieben-Tages-Vorhersage) mit der dunkelgrünen Linie, so können wir festhalten, dass unsere heutige Wochenvorhersage etwa so gut ist, wie eine Ein-Tages-Vorhersage im Jahre 1980. Spannend sind auch die abrupten Sprünge in den Linien. Beispielsweise wurden um 1975 wichtige geostationäre Satelliten in Betrieb genommen. Somit waren kontinuierliche großflächige Daten verfügbar, die in die Modelle einfließen konnten. Die Verbesserungen um 1990 oder auch 2015 hängen mit einem Modellwechsel zusammen. Das Globale Modell (GM) berechnete erstmals die atmosphärische Entwicklung für den gesamten Globus. Somit wurden auch weit entfernte Einflüsse auf Europa und den Nordatlantik berücksichtigt. Der Schritt zum ICON 13 Modell (ICOsahedral Non-hydrostatic model) führte erneut zu einer deutlichen Verbesserung.

Natürlich zeigt diese Grafik lediglich ein Gütemaß für einen einzigen Parameter, trotzdem ist die positive Entwicklung eindeutig. In der Meteorologie gibt es jedoch nicht nur Vorhersagen für Zahlenwerte, sondern auch „Ja-Nein-Vorhersagen“. Beispielsweise „regnet es hier heute?“ oder „gibt es heute einen Sommertag?“. Hierfür werden kategorische Methoden verwendet, doch diese würden den Rahmen dieses Thema des Tages sprengen und werden bei anderer Gelegenheit genauer betrachtet.

M.Sc Met. Meteorologe Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 11.09.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/09/Verifikation-von-Wettermodellen.png 711 1106 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-09-11 16:56:002026-09-15 18:47:10Verifikation von Wettermodellen

Stark- und Dauerregen von Mittelitalien bis nach Österreich

10. September 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Während in Deutschland, wie gestern schon im Thema des Tages gesagt, sehr verbreitet ruhiges Spätsommerwetter vorherrscht, sieht das Wetter von Mittelitalien bis nach Österreich überhaupt nicht nach Sommer aus. Dort fällt aktuell kräftiger Regen, und diese Regenfälle sollen auch noch bis weit in den morgigen Freitag anhalten.

Eingesetzt haben die Niederschläge dabei schon am gestrigen Mittwoch. Bis zum heutigen Donnerstagmorgen um 08 MESZ meldeten einzelne Stationen in den betroffenen Regionen schon 24-stündige Regensummen von über 50 l/m2, so beispielsweise auch die slowenische Hauptstadt Ljubljana mit 55 l/m2. Getriggert werden die Starkniederschläge einerseits von einem mehrkernigen und etwas diffusen Tiefdrucksumpf, der sich vom westlichen Mittelmeer bis zum Balkan und in den Ostalpenraum erstreckt. Andererseits zieht ein Höhentief von Frankreich kommend über Oberitalien und Österreich in Richtung Polen.

Geopotential in 500 hPa (ca. 5,5 km Höhe, Linien) sowie Vertikalbewegung (flächig) für Donnerstag, 10.09.2026, 18 UTC (20 MESZ)

Die Abbildung 1 zeigt das Geopotential, also salopp gesagt die Druckverteilung in 500 hPa (etwa 5,5 km Höhe), am heutigen Donnerstagabend um 20 MESZ. Das Höhentief soll sich zu diesem Zeitpunkt etwa im Bereich von Turin befinden, auf seiner Ostflanke bzw. der Vorderseite stellt sich, wie durch die blauen Pfeile angedeutet, eine südwestliche Höhenströmung ein. Ebenfalls in Abbildung 1 erkennbar sind rot markierte Flächen, die die Regionen mit der stärksten Vertikalbewegen darstellen. Es ist deutlich zu erkennen, dass diese Gebiete von Mittelitalien, mit Schwerpunkten u.a. in der Region um Rom sowie östlich an die nördliche Adria anschließend, bis in den Süden Österreichs hineinreichen.

Dass in dieser Region einiges an Wolken unterwegs ist, verdeutlicht der Blick auf die linke Seite der Abbildung 2. Über dem Tyrrhenischen Meer war dabei heute Vormittag um 11 MESZ ebenso eine Superzelle unterwegs wie in der Region Rom (dort hatten auch die Hebungsfelder der Abbildung 1 ein deutliches Maximum) und in der Poebene östlich von Mailand. Dies erkennt man unter anderem am hohen Eisanteil in den Wolken, die dadurch etwas ausgefranst bzw. faserig wirken. Viele Wolken zeigen sich auch von der nördlichen Adria bis nach Österreich hinein, und dort insbesondere nach Kärnten und in die Steiermark.

Satellitenbild (High Resolution Visible, links) sowie Radarreflektivität und Blitze (rechts) am Donnerstag, 10.09.2026, 09 UTC (11 MESZ)

Auf die letztgenannten Regionen fokussiert sich der rechte Teil der Abbildung 2 (ebenfalls um 11 MESZ). Die gemessenen Radarreflektivitäten sind dabei als Fläche dargestellt, dazu kommt die Blitzaktivität (rote, gelbe und grüne Kreuze). Die Blitzrate ist dabei an der kroatischen Küste zum dargestellten Zeitpunkt besonders hoch, schwächer fällt sie im Bereich der Ostalpen bzw. des östlichen und südöstlichen Alpenrandes aus. Dass der südöstliche Alpenrand dennoch, zumindest bezüglich des Niederschlages, das Hauptaugenmerk verdient, lässt sich wiederum aus der Abbildung 1 ableiten. Denn die dort angedeutete südwestliche Strömung auf der Vorderseite des Höhentiefs findet sich, in ähnlicher Form, auch in tieferen Luftschichten. Natürlich hat dies Stauniederschläge zur Folge, und diese fallen insbesondere in Slowenien und Italien besonders stark aus.

Akkumulierter Niederschlag von Donnerstag, 10.09.2026, 00 UTC (02 MESZ) bis Freitag, 11.09.2026, 18 UTC (20 MESZ); links: ICON-EU, rechts: IFS

Die Abbildung 3 zeigt die akkumulierten Niederschläge der Modelle ICON (in diesem Fall ICON-EU, links) sowie des Modells IFS des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersagen (rechts). Bei beiden Modellläufe handelt es sich um die 00 UTC-Läufe, die dargestellten Regensummen beziehen sich also auf das Zeitfenster von 02 MESZ in der zurückliegenden Nacht bis um 20 MESZ am morgigen Freitag. Das Modell IFS bringt es in der Spitze in Slowenien dabei auf 228 l/m2, ICON-EU im Dreiländereck Italien-Österreich-Slowenien dagegen „nur“ auf 183 l/m2. Bedenkt man, dass, wie oben erwähnt, in der Region ja auch schon einiges an Regen gefallen ist, so sind zumindest regional 200 bis 250 l/m2 über das gesamte Ereignis durchaus im Bereich des Möglichen. Ganz vereinzelt kann auch noch etwas mehr zusammenkommen. Genau wissen wird man das aber erst, wenn der Regen abgeklungen ist.

Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.09.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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Tschüss Hochsommer, hallo Spätsommer und Frühherbst

9. September 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Nachdem wir in den letzten beiden Themen des Tages einen ausführlichen Blick in die Vergangenheit unserer Disziplin wagten, wollen wir uns heute wieder dem meteorologischen Tagesgeschäft widmen und in die Gegenwart hüpfen – die Betrachtung der aktuellen Wettervorgänge lohnt sich nämlich durchaus.

Der gestrige Dienstag war hinsichtlich der gemessenen Temperaturen ein weiterer bemerkenswerter Tag in diesem außergewöhnlichen Sommer. Am Rande von Tiefdruckzone WEGA über Nordosteuropa und mit Hilfe des kleinen Tiefs XENIA über dem Westen des Kontinents wurde nochmals eine heiße Luftmasse aus dem westlichen Mittelmeerraum nach Mitteleuropa geführt. Dadurch erreichte die gemessene Lufttemperatur (2 m) in vielen Regionen des Südens und der Mitte mehr als 30 Grad Celsius. Besonders heiß war es vor allem in Baden-Württemberg und Bayern, die Spitzenposition konnte sich schließlich die Station Ohlsbach im Oberrheingraben mit einem Tagesmaximum von 34,5 Grad sichern. Kapp westlich der dortigen Landesgrenze war es in Straßburg (FRA) mit 35,1 Grad sogar noch etwas heißer. Setzt man die gemessenen Höchstwerte in einen klimatologischen Kontext, erkennt man, dass der gestrige Tag durchaus bemerkenswert ist. An vielen Wetterstationen im Süden der Bundesrepublik war es in einem September seit dem jeweiligen Messbeginn noch nie so warm. Der bundesweite Septemberrekord mit 36,5 Grad in Jena aus dem Jahr 1911 bzw. Bühlertal 1947 war aber etwas außer Reichweite.

Damit setzte der verlängerte Hochsommer 2026 gestern einen markanten Schlusspunkt. Das kleine, von Westeuropa zum Baltikum gezogene Tief XENIA, hat aber zwei Seiten aufzubieten. Hinter der von diesem Tief gesteuerten Kaltfront strömt nun deutlich kühlere Meeresluft vom Nordostatlantik nach Deutschland. Wie markant dieser Luftmassewechsel besonders im Süden ist, zeigt der heutige Temperaturabschlag im Vergleich zum Vortag: an manchen Messstellen im Süden können die Höchstwerte um bis zu 15 Grad tiefer sein als noch am Dienstag – ein veritabler Temperaturabsturz. Dazu trägt auch die an den Alpen befindliche Kaltfront bei, die im Südosten bis in den Abend zu schauerartig verstärktem Regen führt. In der Nacht zum Donnerstag taucht dann auch die Schneefallgrenze wieder in unseren Berichten auf: In den Alpen kann es bis auf 2400 m schneien. Solche „Wintereinbrüche“ sind in diesen Höhen im September aber nichts Außergewöhnliches, sie waren in der Vergangenheit sogar oft noch deutlich stärker ausgeprägt. Ansonsten stellt sich am heutigen Mittwoch ein typischer frühherbstlicher Tag ein mit aufkommenden Schauern im Nordwesten und Norden und teils stark böigem Wind, zwischen Niederrhein und Elbe sowie an den Küsten ist auch die eine oder andere starke Böe dabei. Die Höchstwerte reichen von knapp unter 20 bis etwas über 20 Grad.

Vorhersagekarte für Samstag, 12.09.2026

Doch müssen wir uns nun mit einer frühherbstlichen, wechselhaften Witterung von heute für längere Zeit arrangieren? Der Blick auf die Bodenwetterkarte der kommenden Tage beantwortet diese Frage eindeutig mit nein. Bereits am Donnerstag baut sich von Westen her ein Hochdruckgebiet über Mitteleuropa auf. Dieses wird zwar am Freitag im Nordwesten durch eine atlantische Front etwas gestört, allerdings kann sich der Hochdruck am Samstag wieder regenerieren. Die Luftmasse erwärmt sich dabei etwas, sodass bereits am Freitag in den meisten Regionen wieder mehr als 20 Grad gemessen werden, am Samstag sind es entlang des Oberrheins, der Pfalz und im Rhein-Main-Gebiet sogar mehr als 25 Grad. Definitionsgemäß handelt es sich damit dort um einen Sommertag – man kann die Tage also durchaus auch noch als Spätsommer bezeichnen. Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass es besonders in der Südhälfte sowie im Osten erneut viele trockene Tage geben wird. Etwas außen vor ist hingegen der von atlantischen Tiefausläufern geprägte Nordwesten.

Mag.rer.nat. Florian Bilgeri
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.09.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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Geschichte der Meteorologie – Teil 16: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (b)

8. September 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

In diesem Teilbereich der Geschichte zur Meteorologie zur Etablierung nationaler meteorologischer Institute konzentrieren wir uns auf die Entwicklung in Amerika.

In Kanada wurden meteorologische Messungen im 18. Jahrhundert durch die Hudson’s Bay Company und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zusätzlich durch Privatpersonen sowie Entdecker durchgeführt. Die Messungen waren nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Dem britischen Mathematiker und Astronomen William Wales (um 1734–1798) werden dabei die ersten meteorologischen Aufzeichnungen in Kanada zugeschrieben, er führte diese vor und während einer Astronomie-Expedition 1768 bis 1769 bei Churchill an der Küste der Hudson Bay im Winter durch. Erst als die britische Kolonialregierung 1840 in Toronto ein magnetisches und meteorologisches Observatorium einrichtete, begannen die meteorologischen Beobachtungen auf einer Grundlage, die Kontinuität und wissenschaftliche Präzision versprach. Erster Leiter wurde der britische Leutnant Charles James Buchanan Riddell (1817–1903). 1853 erfolgte die Übernahme des Observatoriums durch die Kolonialregierung der Provinz Kanada, 1867 durch die des Dominions of Canada. 1871 wurde der erste meteorologische Dienst Kanadas durch den damaligen Leiter des Observatoriums, dem kanadischen Meteorologen George Kingston (1816–1886) gegründet. Durch die Einbindung ehrenamtlicher Beobachter baute Kingston ein meteorologisches Messnetz aus etwa 700 Beobachtungsstationen auf, von denen einige im hohen Norden lagen. Mithilfe dieses Messnetzes wurde Kingston 1876 die Veröffentlichung von Wettervorhersagen ermöglicht. Im Oktober 1876 wurden die Wettervorhersagen erstmals in den Abendzeitungen von Toronto abgedruckt. Spezielle Warnungen vor erwarteten Stürmen wurden per Telegramm an die Vertreter in mehr als 100 Häfen übermittelt, damit Sturmsignale ausgehängt werden konnten. Bei erwarteten Schneestürmen wurden spezielle Meldungen per Telegramm an die Eisenbahnen gesendet. Vorhersagen wurden zudem von Funkstationen ausgestrahlt, um Schiffe auf See zu informieren. 1877 wurde der meteorologische Dienst dem Marine- und Fischereiministerium unterstellt, 1936 dem Verkehrsministerium.

Erste meteorologische Messungen lassen sich im Bereich der Vereinigten Staaten von Amerika auf 1738 datieren, damals noch zu britischen Kolonialzeiten. Der britische Arzt und Naturwissenschaftler John Lining (1708–1760) zeichnete in Charleston (South Carolina) von Januar 1738 bis Februar 1753 Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Niederschläge auf. Sein Interesse am Einfluss meteorologischer Phänomene auf die Ausbreitung von Krankheiten gab den Anstoß zur Entwicklung der Meteorologie im Bereich der heutigen Vereinigten Staaten. Ein weiterer Impuls ging von den Wanderungsbewegungen in der Neuen Welt in Richtung Westen und Süden aus, wo neue klimatische Bedingungen herrschten. Die Einrichtung eines meteorologischen Systems in den USA ist mit dem Namen Joseph Lovell (1788–1836) verbunden, ein Mediziner aus Massachusetts, der von 1818 bis 1836 General der Armee war. Ab 1819 begannen an vielen Militärstandorten Beobachtungen. Diese Daten wurden 1840 zusammengetragen und von dem US-amerikanischen Meteorologen James Pollard Espy (1785–1860) ausgewertet. An der Universität New York wurden ab 1825 Temperatur- und Niederschlagsmessungen organisiert, die bis 1850 durchgeführt wurden. Zwischen 1837 und 1845 baute das Franklin Institute in Pennsylvania ein Messnetz auf. Seit ihrer Gründung 1846 hat die Smithsonian Institution, eine vielseitige wissenschaftliche Einrichtung, Interesse an der Meteorologie gezeigt. Die Smithsonian Institution strebte die Einrichtung „eines umfassenden Systems meteorologischer Beobachtungen mit dem Ziel an, das Problem der amerikanischen Stürme zu lösen“. Der Sekretär des Instituts, der US-amerikanische Physiker Joseph Henry (1797–1878), gewann bis Ende 1849 rund 150 interessierte Freiwillige für die Beteiligung an einem Beobachtungssystem. Sie erhielten Instrumente, Standardbarometer und Thermometer, die in London und Paris gekauft worden waren nebst deren Anleitungen. Auf diese Weise wurden zahlreiche Daten gesammelt. Die Smithsonian Institution hat seinerzeit die Strahlungsforschung maßgeblich unterstützt. Damit leistete die Smithsonian Institution einen enormen Beitrag zur Entwicklung der US-amerikanischen Meteorologie. Die US-Regierung richtete innerhalb der Armee eine weitere Organisation namens „Signal Service“ ein. Anfang 1870 wurden alle meteorologischen Aufgaben in den USA an den „Reporting Service“ übertragen, der sich hauptsächlich mit synoptischer Meteorologie befasste. Letzter spielte eine bedeutende Rolle im amerikanischen Sezessionskrieg. Der US-amerikanische Chirurg und Offizier Albert James Myer (1828–1880) erkannte die Bedeutung eines Wetterdienstes auch in Friedenszeiten. Myer legte den Grundstein für eine US-amerikanische Wetterbehörde, die 1870 als Einrichtung des Militärs gegründet wurde. Zum ersten Direktor wurde Myer bestellt. Aufbauend auf Myers innovativen Ideen erstellte die Behörde erste Wetterkarten, sprach Hurrikanwarnungen aus und setzte Drachen zur Wetterbeobachtung ein. Das Netz der Messstationen wuchs rasch. Zum besseren Verständnis für die Sturmentwicklung wurden auch Messstationen an exponierten Orten in Gebirgen errichtet, so 1870 in 1619 Meter Höhe auf dem Mount Washington in New Hampshire und 1873 in 4311 Meter Höhe auf dem Pikes Peak in Colorado. Im Jahr 1904 gab es 200 Stationen mit bezahlten Beobachtern und 3.700 mit ehrenamtlichen Beobachtern, die Temperatur, Niederschlag und Wetterphänomene maßen. 1891 wurde die Wetterbehörde als United States Weather Bureau ins Landwirtschaftsministerium überführt.

Observatorium auf dem Pikes Peak, 1865, Quelle: Library of Congress, Washington, D.C. über Wikimedia Commons

In Alaska, damals als Russisch-Amerika Teil des Zarenreiches, begannen erste meteorologische Messungen 1827 durch Forscher und Entdecker der Russisch-Amerikanischen Kompagnie. Regelmäßige Wetterbeobachtungen starteten 1832. 1842 wurde ein Observatorium in Sitka in Betrieb genommen, welches die Wetteraufzeichnungen übernahm und an dem zusätzlich geomagnetische Beobachtungen durchgeführt wurden. In Iliuliuk (Unalaska) auf den Alëuten und Ikogmiut (Iqugmiut, Russian Mission) am Unterlauf des Yukon wurden an Handels- und Missionsstationen der russischen Orthodoxie weitere Wetterstationen eingerichtet. Nach dem Verkauf von Alaska (Alaska Purchase) 1867 übernahm das US-Militär die Aufzeichnungen der Wetterdaten. Zum Internationalen Polarjahr 1882/1883 wurde das Wetter auch an abgelegenen Orten wie Utqiaġvik (Point Barrow) aufgezeichnet. Um 1900 erfolgte der Aufbau eines Messnetzes, so begannen in Skagway 1898, in Kotzebue 1902 und in Fairbanks 1904 regelmäßige Wetterbeobachtungen. 1916 wurde das Observatorium Sitka verlegt.

Russisches Observatorium Sitka, Zeichnung von Frederick Whymper (1838-1901), Quelle: Wendler, G., Galloway, K. & Stuefer, M. On the climate change of Sitka, Southeast Alaska, Theoretical and Applied Climatology, Volume 126, pages 27-34 (2016), über Springer Nature mit Open Access unter Creative Commons Licence

Auf Puerto Rico begannen erste meteorologische Messungen in San Juan 1898 während der Annexion im Spanisch-Amerikanischen Krieg. 1899 richtete das US-Militär die erste permanente Wetterstation in San Juan ein mit regelmäßigen Wetterbeobachtungen. 1935 wurde ein regionales Vorhersagezentrum für Hurrikane etabliert.

In Mexiko wurden zwischen 1775 und 1786 erste meteorologische Beobachtungen durch den mexikanischen Buchdrucker und Amateurastronom Felipe de Zúñiga y Ontiveros (1717–1793) in Mexico City aufgezeichnet. Er hielt Niederschläge, Temperaturwerte, Gewitter mit Hagelereignissen und den Wind fest. Aus den Aufzeichnungen ergeben sich zwei Dürreperioden 1780/81 und 1785/86 sowie eine feuchtere Periode 1782/83. Eine erste meteorologische und astronomische Beobachtungsstelle wurde 1877 auf dem Dach des Nationalpalastes eingerichtet. 1878 zog diese auf die Burg von Chapultepec um. 1880 wurde die Finanzierung von der Regierung übernommen. Unter dem ersten Direktor, dem mexikanischen Botaniker und Ingenieur Mariano de la Bárcena (1842–1899), waren sechs Beobachter beschäftigt. Die Gründung des nationalen Wetterdienstes erfolgte 1901. Zu diesem Zeitpunkt gab es 31 staatliche Wetterabteilungen und 18 unabhängige Observatorien und Wetterstationen. Anfang der 1940er Jahre wurde der nationale Wetterdienst dem neu gegründeten Ministerium für Wasserressourcen zugeordnet.

Der spanische Priester und Meteorologe Benito Viñes (1837–1893) wurde 1869 von den Jesuiten zum Direktor des Observatoriums der religiösen Schule Colegio de Belén in Havanna in Kuba bestellt. Nach seiner Ankunft auf der Insel 1870 studierte er die meteorologischen Aufzeichnungen der Wetterstation Belén in Havanna, die seit deren Gründung 1854 vorlagen. Sein Interesse galt dabei tropischen Wirbelstürmen. Er untersuchte zwei Hurrikane, die 1870 Kuba trafen. Er baute das erste meteorologische Beobachtungsnetzwerk in Kuba auf und erstellte ab 1875 einige der ersten Vorhersagen zu Hurrikanen. Im Zeitraum von 1899, dem Beginn der US-Intervention auf Kuba, 1902, als Kuba zur Republik erklärt wurde, errichtete die US-Wetterbehörde eine Hilfswetterstation auf dem Hügel Casablanca in Havanna. 1899 wurde das ein Jahr zuvor in Kingston auf Jamaika gegründete Vorhersagezentrum für Hurrikane nach Havanna verlegt. 1908 wurde das kubanische Staatsobservatorium eingeweiht, an welchem die Wetterbeobachtungen auf Kuba koordiniert wurden.

Fotoportrait von Benito Viñes, erstellt 2009, Quelle: David Montermoso über Wikimedia Commons

In Venezuela führte zwischen 1799 und 1804 der preußische Naturforscher, Physiker und Geograph Alexander von Humboldt (1769–1859) erste Messungen von Luftdruck, Temperatur und Feuchte sowohl in Cumaná an der Karibikküste als auch in Caracas durch (siehe Teil 12 der Serie Geschichte der Meteorologie). Systematische Wetterbeobachtungen starteten in Caracas 1868 durch den venezolanischen Ingenieur und Pädagogen Agustín Aveledo (1837–1926). 1888 wurde das Observatorio Astronómico Meteorológico de Caracas (Observatorio Naval Cagigal) gegründet, an welchem die meteorologischen Beobachtungen koordiniert wurden. Erster Direktor wurde der aus dem Piemont stammende Astronom und Meteorologe Maurizio Buscalioni (1856–1914).

Erste Wetterbeobachtungen in Kolumbien (damals Vizekönigreich Neugranada) führte ab 1807 der Jurist, Botaniker und Amateurastronom Francisco José de Caldas (1768–1816) aus dem Vizekönigreich Neugranada am neu eröffneten Astronomischen Observatorium Bogotá durch (siehe Teil 12 der Serie Geschichte der Meteorologie). 1868 übernahm die 1867 gegründete Nationaluniversität von Kolumbien die Funktion der systematischen Messungen und startete mit der wissenschaftlichen Ausbildung in Astronomie und Meteorologie an der dortigen Naturwissenschaftlichen Schule „Escuela de Ciencas Naturales“. Erster Leiter dieser Schule wurde der kolumbianische Astronom José María González Benito (1843–1903).

Die spanische Einrichtung „Cosmografiato“ im damaligen Vizekönigreich Peru war zuständig für die Beobachtung von Himmels- und Klimaphänomenen. Zwischen 1753 und 1856 führte sie klimatologische Aufzeichnungen durch, so liegen z. B. die jährlichen Höchst- und Tiefstwerte von Temperatur und Luftdruck aus der Region vor. 1892 begannen am Arequipa Observatorium für Astronomie systematische meteorologische Beobachtungen unter der Leitung des US-amerikanischen Astronomen William Henry Pickering (1858–1938).

Erste meteorologische Messungen fanden in Brasilien in Rio de Janeiro statt. Der portugiesische Astronom und Geograph Bento Sanches Dorta (1739–1794) zeichnete zwischen 1781 und 1788 Temperatur, Luftdruck, Niederschlag und Windverhältnisse auf. 1827 wurde die Kaiserliche Sternwarte von Rio de Janeiro gegründet, mit der wissenschaftliche Verfahren in Brasilien starteten. Erste meteorologische Beobachtungen dort tauchen ab 1844 in den Archiven auf. Seit 1862 führten hydrographische Schiffe in Diensten der brasilianischen Marine regelmäßige meteorologische Beobachtungen durch. Zwischen 1874 und 1880 wurden auch in anderen Landesteilen meteorologische Beobachtungen durchgeführt, die einen ersten klimatologischen Überblick von Brasilien zuließen. Mit der Gründung der meteorologischen Abteilung der Geographischen und Geologischen Kommission begann ab 1886 der Aufbau eines Netzes an Wetterstationen im gesamten Bundesstaat, welches 1900 etwa 40 Messstellen umfasste. 1909 wurde das Nationalinstitut für Meteorologie (Directoria de Meteorologia e Astronomia) gegründet und dem Ministerium für Landwirtschaft, Industrie und Handel unterstellt. Erster Direktor wurde der französisch-brasilianische Ingenieur, Astronom und Geograph Henrique Charles Morize (1860–1930).

In Argentinien begannen erste systematische Wetteraufzeichnungen zwischen 1801 und 1805 in Buenos Aires. 1853 wurde in Buenos Aires die erste Wetterstation eingerichtet, 1856 folgte in Tucumán im Norden des Landes und 1860 in Bahia Blanca die nächsten beiden. 1872 erfolgte die Gründung des meteorologischen Dienstes (Oficina Meteorológica Argentina) in Córdoba als erstem in Südamerika. Der meteorologische Dienst wurde dem Ministerium für Justiz, Kultus und öffentliche Bildung zugeordnet. Erster Direktor wurde der US-amerikanische Astronom Benjamin Apthorp Gould (1824–1896). 1873 wurde ein nationales Messnetz etabliert. 1874 erfolgten erste Messungen der Solarstrahlung in Córdoba. 1875 fand ein erster meteorologischer Datenaustausch mit dem Nachbarland Chile statt. 1898 wurde der meteorologische Dienst in das Landwirtschaftsministerium umgegliedert. 1904 begannen meteorologischen Aufzeichnungen an der Orcadas-Station (Base Orcadas) auf den Südlichen Orkney-Inseln, was die längste Aufzeichnungsreihe in Antarktika bedeutet. Diese Station wurde von den Briten 1903 errichtet und 1904 an Argentinien übergeben. Erster Stationsleiter war der britische Meteorologe Robert Mossman (1870–1940).

In Chile fanden 1849 erste meteorologische Aufzeichnungen durch eine US-amerikanische Astronomie-Expedition statt. Diese errichtete eine Sternwarte auf dem Hügel Santa Lucía in Santiago, 1851 folgte dort eine Wetterstation. Ab 1852 wurden an dieser permanente meteorologische Messungen durchgeführt. Zur selben Zeit begannen dort auch andere Wissenschaftler, sich für meteorologische Beobachtungen zu interessieren, unter anderem der polnische Geologe und Mineraloge Ignacy Domeyko oder Ignacio Domeyko (1802–1889), der zu der Zeit eine Professur für Chemie und Mineralogie am Colegio de Coquimbo in La Serena innehatte. 1856 verknüpfte der chilenische Ingenieur Paulino del Barrio (1832–1857) meteorologische Beobachtungen verschiedener Städte zu einem Vorläufer eines Messnetzes. 1857 folgte die Verlagerung des Observatoriums auf Santa Lucía in die Quinta Normal außerhalb von Santiago. Aufgrund eines Erlasses zur Durchführung meteorologischer Beobachtungen durch Physiklehrer der höheren Provinzgymnasien samt Übermittlung der Daten an die Fakultät für Mathematik und Physik der Universität von Chile 1864 wurde ein meteorologisches Netzwerk eingerichtet. Domeyko, 1867 zum Rektor der Universität Santiago gewählt, ließ dieses meteorologische Netzwerk ausbauen. 1868 erfolgte die Einrichtung einer meteorologischen Dienststelle an ebendieser Fakultät, die im selben Jahr zum zentralen Wetteramt aufgewertet wurde. Erster Direktor wurde der chilenische Politiker und Pädagoge José Ignacio Vergara (1837–1889). Regelmäßige Daten gingen anfangs nur aus Copiapó im Norden des Landes, Talca, Puerto Montt und Valparaíso ein. 1869 wurde das Messnetz erweitert. Der Erlass zur täglichen Übermittlung von Wetterdaten per Telegraph an die Wetterstation Santiago 1884 gilt als heutiges Gründungsdatum des meteorologischen Dienstes in Chile.

Ignacy Domeyko, 1888, Quelle: Algimantas Grigelis, Leonora Živile Gelumbauskaite: Last journey to motherland of great explorer of Andean geology, The Lithuanian Academy of Sciences, Vilnius, über Wikimedia Commons

Im nächsten Teil der Serie zur Geschichte der Meteorologie folgt eine Übersicht die Institutionalisierung der Meteorologie in ausgewählten Ländern Afrikas sowie eine Übersicht über die internationale meteorologische Zusammenarbeit über Konferenzen, Polarkommission bis hin zur Gründung der Weltorganisation für Meteorologie.

Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.09.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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