Geschichte der Meteorologie – Teil 22: Polarforschung und tropisches Afrika im 19. Jahrhundert
Meteorologische Polarforschung erschloss im 19. Jahrhundert neue Messgebiete. Der DWD stellt die Forschenden vor und blickt auf frühe Wetterbeobachtungen von Isabel und Juliana de Urquiola im tropischen Afrika.
Im 19. Jahrhundert wurden meteorologische Daten in vielen gut zugänglichen Gebieten zunehmend regelmäßig erhoben. Aus den schwer erreichbaren Polargebieten und Teilen der Tropen lagen dagegen nur wenige Messungen vor. Dieses Thema des Tages widmet sich Persönlichkeiten, die als Entdecker die meteorologische Welt der Polargebiete zugänglich gemacht haben oder sich intensiv um Austausch dieser Daten bemüht haben. Darüber hinaus wird ein Forscherteam mit wichtigen Beiträgen zur Meteorologie der Tropen des zentralen Afrikas vorgestellt.
John Franklin: Polarlichter und arktische Wetterbeobachtungen
Der britische Polarforscher und Konteradmiral John Franklin (1786−1847) stellte während seiner ersten Arktisreise von 1819 bis 1822 fest, dass „das Auftreten von Polarlichtern nicht bis zum Pol hin zunimmt“. Später wurde die Existenz eines Rings um den Magnetpol, in welchem Polarlichter am häufigsten auftreten, bestätigt. Heute weiß man, dass ein Ring maximaler Häufigkeit auf der Nordhalbkugel je nach Längengrad ungefähr im Breitengradband von 60–70° N liegt. Weiter nördlich nimmt die Häufigkeit von Polarlichtern ab, wie Franklin beobachtet hatte. Während seiner zweiten Arktisexpedition von 1825 bis 1827 erkundete er auf dem Landweg Teile des heutigen westlichen Nordwestterritoriums und führte meteorologische Beobachtungen in Fort Franklin (heute Délı̨nę) am Großen Bärensee (Sahtú) durch. Von seiner dritten und letzten Expedition in die Arktis, die der Erforschung der Nordwestpassage dienen sollte, kehrte niemand zurück.
William Scoresby: Meereis und Schneekristalle
Der britische Seefahrer und Naturforscher William Scoresby (1789−1857) unternahm im frühen 19. Jahrhundert regelmäßig Expeditionen in die nördlichen Gewässer. Angeregt durch den Austausch mit Wissenschaftlern seiner Zeit führte er Beobachtungen zur Meerestemperatur, zu meteorologischen Phänomenen, zur atmosphärischen Lichtbrechung, zur Meereisbedeckung und zu Schneekristallen durch. 1815 legte Scoresby die bis dahin umfassendste Beschreibung des Meereises vor, der Eisformen, seiner Entstehung und der Rolle, die der Salzgehalt des Meerwassers dabei spielt, der Eisbewegung und saisonaler Änderungen. Die Vorstellung, dass es ein offenes Polarmeer gab, war zu seiner Zeit noch weit verbreitet, doch Scoresby wies sie zurück. Stattdessen vermutete er, dass es alle zehn oder zwanzig Jahre zu eisfreien Bedingungen kommen könnte, nachdem er 1817 vor der Ostküste Grönlands zwischen 74° und 80° nördlicher Breite deutlich weniger Eis als üblich angetroffen hatte. Er kartierte zudem die Küste Ostgrönlands.
1820 veröffentlichte er mit dem Werk „An Account of the Arctic Regions“ eine der historisch bedeutendsten wissenschaftlichen Interpretationen und Dokumentationen von Eiskristallen. Scoresby stellte als einer der Ersten eine direkte Verbindung zwischen der äußeren Form eines Eiskristalls und den vorherrschenden Wetterbedingungen (wie Temperatur, Luftdruck und Wind) her. Er interpretierte die Geometrie der Kristalle als „Gradmesser“ für die atmosphärischen Zustände in den Wolken. Er unterteilte die von ihm beobachteten Kristalle in fünf Hauptkategorien (darunter dünne Plättchen, lange Nadeln und komplexe Pyramidenstrukturen). Diese strukturierte Erfassung war ein direkter Vorläufer moderner Klassifikationssysteme. Obwohl er die hexagonale Grundstruktur von Schnee korrekt erkannte, dokumentierte er 1820 erstmals eine seltene dreieckige Kristallform. Diese Interpretation einer dreizähligen Symmetrie bei Eiskristallen erstaunte die Fachwelt, da das Molekülgitter von Eis grundsätzlich hexagonal ist. Moderne Physiker bestätigten später, dass unter bestimmten Wachstumsdynamiken tatsächlich stabile dreieckige Plättchen entstehen.
Scoresby zeichnete die Kristalle unter dem Mikroskop. Um die Schmelze zu verhindern, entwickelte er eine hocheffiziente Methode: Er skizzierte oft nur ein exaktes Segment (ein Sechstel) des Kristalls und rekonstruierte die perfekt symmetrische Gesamtform in seinen Reinzeichnungen. Seine 151 detaillierten Illustrationen galten über Jahrzehnte als die genauesten wissenschaftlichen Abbildungen von Schneekristallen weltweit.
Dumont d’Urville: Forschungsreisen bis in die Antarktis
Der französische Seefahrer, Polarforscher und Marinekommandant Jules Dumont d’Urville (1790−1842) war ein bedeutender Entdecker der Südsee und der Antarktis. Seine erste große Reise unternahm er als Leutnant an Bord des Schiffes „Coquille“ bei einer Weltumsegelung von 1822 bis 1825. Kurz nach der Rückkehr von dieser Reise schlugen er und Kommandant Louis-Isidore Duperrey (1786−1865), ein französischer Seefahrer und Kartograph, dem Minister für Marineangelegenheiten eine weitere Expedition vor. Sie verfolgten ehrgeizige wissenschaftliche Ziele (darunter Untersuchungen zum Erdmagnetismus und zur Meteorologie, hydrographische Vermessungen, Kartographie, Ethnographie, Zoologie und Botanik). Der Vorschlag wurde angenommen, und von 1826 bis 1829 umrundete die „Coquille“, nun umbenannt in „Astrolabe“, unter dem Kommando von Dumont d’Urville erneut den Globus. Diese Expedition lieferte eine Fülle von hydrographischen, navigatorischen, zoologischen, botanischen und meteorologischen Informationen.
Dumont d’Urville sollte noch eine weitere Entdeckungsreise an Bord der „Astrolabe“ leiten (diesmal jedoch in Begleitung eines zweiten Schiffes, der „Zelée“). Die Reise dauerte von 1837 bis 1840 und führte sowohl in die Südsee als auch in die Antarktis. Im Jahr 1840 erreichten seine Schiffe die Nähe des südlichen Magnetpols, unweit eines Abschnitts der antarktischen Küste, den er zu Ehren seiner Frau Adélieland (Terre Adélie), nannte. Dort befindet sich heute die nach ihm benannte Forschungsstation (Dumont-d’Urville-Station).
Karl Ernst von Baer: Klimadaten aus dem russischen Norden
Der russische Mediziner, Anatom, Zoologe und Naturforscher Karl Ernst von Baer (1792−1876), ein Deutsch-Balte aus dem Gouvernement Estland, führte meteorologische und klimatologische Untersuchungen durch und leistete bedeutende Beiträge zum Verständnis des Klimas in den russischen Polarregionen. Sein Interesse an der Arktis zeigte sich bereits während seiner Studienzeit an der Kaiserlichen Universität Dorpat (Tartu) von 1810 bis 1814. Während seines Aufenthalts in Königsberg in den 1820er Jahren konzentrierte er sich auf seine primären biologischen Forschungen, beschäftigte sich aber auch mit Meteorologie und mathematischen Methoden und wurde unter anderem von Alexander von Humboldt (siehe Teil 12 der Serie zur Geschichte der Meteorologie) beeinflusst. Von Humboldt war tatsächlich vom Zaren nach Russland eingeladen worden und unternahm 1829 eine wissenschaftliche Expedition nach Sibirien. Nach seiner Rückkehr nach St. Petersburg schlug er die Schaffung eines russischen Netzwerks von magnetischen und meteorologischen Beobachtungsstationen vor. Von Baer ließ sich von dieser Idee inspirieren und zog 1834 nach Russland, gerade rechtzeitig, um 1835 die Gründung des ersten russischen Beobachtungsnetzes mit neun Stationen mitzuerleben. Anschließend begann er mit der systematischen Sammlung russischer meteorologischer Daten aus verschiedenen anderen Quellen. Er gehörte zudem zu den Ersten, die die Meteorologie als eigenständiges wissenschaftliches Fachgebiet populär machten, und verfasste den ersten russischen Zeitungsartikel, der sich auf populärwissenschaftliche Weise mit der Meteorologie befasste.
Von Baer nutzte die von ihm gesammelten russischen Wetterdaten, um Rückschlüsse auf das Klima zu ziehen. Er brachte das Vorkommen des Permafrosts in Sibirien mit dem russischen Kontinentalklima in Verbindung. Er veröffentlichte eine Reihe von fortlaufenden meteorologischen Beobachtungen, die von 1832 bis 1835 auf Nowaja Semlja durchgeführt worden waren, und berechnete daraus die mittleren Tages-, Monats- und Jahrestemperaturen. Seine Vergleiche dieser Daten mit denen anderer arktischer Regionen ließen ihn zu dem Schluss kommen, dass die durchschnittliche Jahrestemperatur auf Nowaja Semlja niedriger war als die in Jakutsk, Spitzbergen und den Küstengebieten Grönlands und Labradors. Von Baer konnte sogar feststellen, dass die Durchschnittstemperatur auf der Ostseite von Nowaja Semlja etwa ein Grad kälter war als auf der Westseite. Er führte diesen Unterschied auf die Gebirgskette zurück, die das Gebiet in zwei Hälften teilt und dazu neigt, die kalte Luft im Osten daran zu hindern, weiter nach Westen vorzudringen. Er stellte außerdem fest, dass der März der kälteste Monat auf Nowaja Semlja war, während der August der wärmste war, und brachte die Höchsttemperaturen im August mit dem Einfluss der Karasee und dem jahreszeitlichen Rückgang ihres Meereises in Verbindung. Von Baer war der Erste, der russische meteorologische Daten auf die Landwirtschaft anwandte.
John Biscoe: Winde rund um die Antarktis
Der britische Seefahrer und Entdecker John Biscoe (1794−1843) leitete die dritte Umsegelung der Antarktis, die 1832 abgeschlossen wurde. Nach dieser Reise teilte er dem Hydrographen der Admiralität in London mit, dass es sich bei den von ihm gesichteten Landzungen um die eines Kontinents (Antarktika) handelte. Was das Wetter betraf, mit dem er konfrontiert war, wies er darauf hin, dass künftige Seefahrer damit rechnen sollten, dass die vorherrschenden Winde in den sehr hohen antarktischen Breiten von Osten nach Westen wehen (und nicht in der Richtung von Westen nach Osten, wie es im weiter nördlich gelegenen Breitengradgürtel der „Roaring Forties“ der Fall ist).
Georg von Neumayer: Beobachtungsnetze und internationale Zusammenarbeit
Der aus der bayerischen Pfalz stammende Geophysiker und Polarforscher Georg von Neumayer (1826−1909) kam 1852 nach Australien, wo er von der Bedeutung der Meteorologie überzeugt wurde. Er kehrte 1854 nach Bayern zurück, um die notwendigen Instrumente für die Einrichtung einer Beobachtungsstation in Melbourne zu beschaffen, dem „Flagstaff Observatory for Geophysics, Magnetism and Nautical Science“. Außerdem richtete er eine Reihe von Beobachtungsstationen in ganz Victoria im Süden Australiens ein, vor allem an Leuchttürmen. Am 1. März 1858 begann am Flagstaff-Observatorium ein regelmäßiges Programm meteorologischer und nautischer Beobachtungen, und wenige Wochen später fügte von Neumayer regelmäßige Beobachtungen der atmosphärischen Elektrizität und der Veränderungen der magnetischen Elemente hinzu. 1860 veröffentlichte er seine „Ergebnisse der magnetischen, nautischen und meteorologischen Beobachtungen von März 1858 bis Februar 1859“, und 1864 erschienen seine „Ergebnisse der meteorologischen Beobachtungen 1859–1862 und der nautischen Beobachtungen 1858–1862“. Diese resultierten auch aus Forschungsexpeditionen und Vermessungen im Inneren des australischen Kontinents, an denen von Neumayer teilnahm. Dabei bestieg er auch den höchsten australischen Berg auf dem kontinentalen Festland, Mount Kosciuszko. Er kehrte 1864 nach Deutschland zurück. Im Jahr 1867 veröffentlichte er seine „Erörterung der am Flagstaff-Observatorium durchgeführten meteorologischen und magnetischen Beobachtungen“.
In den 1870er Jahren lernte von Neumayer den aus dem Großherzogtum Hessen stammenden Marineoffizier und Polarforscher Carl Weyprecht (1838−1881), der 1873 als Mitleiter einer Expedition die Inselgruppe Franz-Josef-Land entdeckte, kennen und ließ sich von dessen Idee inspirieren, dass Polarforschung eher von der Wissenschaft als vom Nationalismus geleitet werden sollte. 1879 legten die beiden Männer dem 2. Internationalen Meteorologischen Kongress in Rom einen Vorschlag für ein internationales Polarforschungsprogramm vor, in dessen Rahmen an einer Reihe von Spezialstationen in der Arktis und Antarktis regelmäßig gleichzeitige meteorologische und magnetische Beobachtungen durchgeführt werden sollten. In der Folge wurde noch im selben Jahr die Internationale Polarkommission gegründet, deren Aufgabe es war, einen detaillierten Forschungsplan auszuarbeiten. Von Neumayer und Weyprecht gehörten zu den maßgeblichen Initiatoren dieser internationalen Zusammenarbeit.
Auf ihrer dritten Sitzung in Sankt Petersburg, im Jahr 1881, legten von Neumayer und Heinrich von Wild (1833−1902), Schweizer Meteorologe und Physiker sowie Nachfolger von Weyprecht, das internationale Programm für meteorologische und magnetische Beobachtungen in den Polarregionen fest, die im Zeitraum vom 1. August 1882 bis zum 31. August 1883 durchgeführt werden sollten. Dieses Programm wurde als das Erste Internationale Polarjahr bekannt.
Von Neumayer war von 1875 bis 1903 Direktor der Deutschen Seewarte in Hamburg. Er entwickelte in dieser Zeit eine neue Methode zur Erkundung der Meeresströmungen. Tausende gut verschlossener Flaschen wurden ins Meer geworfen und gingen als Flaschenpost auf Reisen. Die Finder wurden in einer detaillierten Anleitung gebeten, den Fundort an die Deutsche Seewarte zu melden. Nach ihm ist die deutsche Forschungsstation in der Antarktis benannt (derzeit Neumayer-Station III).
Julius von Payer: Messungen auf Polarexpeditionen
Der aus Böhmen stammende österreichische Offizier, Polarforscher und Kartograph Julius von Payer (1841−1915) nahm 1869/1870 an der zweiten deutschen Nordpolarexpedition in die Ostgrönlandsee sowie 1871 gemeinsam mit Weyprecht (siehe oben) an der vorbereitenden österreichisch-ungarischen Expedition nach Nowaja Semlja teil. Anschließend war er von 1872 bis 1874 gemeinsam mit Weyprecht als Leiter der österreichisch-ungarischen Nordpol-Expedition tätig, in deren Verlauf die Inselgruppe Franz-Josef-Land entdeckt wurde. Während dieser Expeditionen wurden magnetische Messungen und Beobachtungen von Polarlichtern durchgeführt. Zudem wurden Lufttemperaturmessungen vorgenommen und im Winter das Wachstum des Meereises untersucht. Die wissenschaftlichen Ergebnisse der Expedition von 1869/1870 wurden 1874 in Leipzig veröffentlicht. 1876 publizierte von Payer das Werk „Die österreichisch-ungarische Nordpol-Expedition in den Jahren 1872–1874“. Dieses Buch behandelt die österreichisch-ungarische Expedition von 1872 bis 1874.
Adolphus Greely: Wetterbeobachtungen in Fort Conger
Der US-amerikanische Polarforscher und Offizier Adolphus Greely (1844−1935) leitete die Lady-Franklin-Bay-Expedition, die Teil des US-amerikanischen Beitrags zum Ersten Internationalen Polarjahr war. Die Expedition erreichte im August 1881 Discovery Harbour an der Nordostküste von Ellesmere Island. Das dort errichtete Lager wurde als Fort Conger bekannt. Über einen Zeitraum von fast zwei Jahren wurde ein wissenschaftliches Programm mit regelmäßigen meteorologischen und magnetischen Beobachtungen und solchen zu Polarlichtern durchgeführt. Die meteorologischen Beobachtungen umfassten stündliche Aufzeichnungen von Luftdruck, Lufttemperatur und Taupunkt, Windgeschwindigkeit und -richtung, Art, Ausmaß und Bewegung der Wolken, Wetterlage sowie Polarlichter (sofern vorhanden).
Der Wetterschirm (1,2 m im Quadrat und 2,1 m hoch) stand etwa 40 m nordöstlich der Hütte; Anemometer und Windfahne waren auf dem Dach der Hütte angebracht, und das Barometer befand sich im Inneren der Hütte. Die Meerwassertemperatur wurde am 1., 11. und 21. jedes Monats gemessen, und gleichzeitig wurde die Eisdicke erfasst. Die Aurora wurde im Durchschnitt etwa zweimal pro Woche beobachtet, war jedoch selten so hell oder farbenprächtig wie weiter südlich.
Im August 1883 war die Expedition gezwungen, auf eigene Faust nach Süden aufzubrechen, da keine Versorgungsschiffe eingetroffen waren. Sie erreichten Pim Island in der Nähe von Cape Sabine an der Ostküste von Ellesmere Island, wo sie einen verheerenden Winter verbrachten. Die Expedition endete in einer Katastrophe: Von den 25 Teilnehmern überlebten letztlich nur sechs, darunter Greely. Die Rettung erreichte die Überlebenden im Juni 1884. Alle wissenschaftlichen Aufzeichnungen der Expedition konnten gesichert werden.
Robert Peary: Meteorologie auf Grönland
Der US-amerikanische Ingenieur und Polarforscher Robert Edwin Peary (1856−1920) erlangte als Entdecker der Nordpolregion Berühmtheit. 1886 führte er eine erste Erkundungsreise nach Grönland durch. In den 1890er Jahren unternahm er zwei weitere Reisen nach Grönland, kartographierte die Nordküste, deren Region namens „Peary Land“ später nach ihm benannt wurde, und sammelte Daten zu den meteorologischen Verhältnissen und Meeresströmungen des Arktischen Ozeans im nördlichen Grönlandgebiet. Er leistete zudem einen Beitrag zur wissenschaftlichen Erforschung der arktischen Regionen in den Bereichen Hydrographie, Geologie, Geographie, Kartographie, Botanik und Zoologie. Außerdem beschäftigte er sich mit der Ethnographie der Inuit-Völker. Während einer seiner Grönland-Expeditionen stellte Peary fest: „Wenn wir bergauf mit dem Schlitten fahren, treffen wir Tag und Nacht auf einen Gegenwind mäßiger Stärke.“ Diese abwärts strömenden Winde werden heute als katabatische Winde bezeichnet. Solche Fallwinde sind charakteristisch für die Hänge der großen Eisschilde Grönlands und der Antarktis.
Später richtete Peary sein Augenmerk auf den Nordpol, den er auf seiner dritten Nordpol-Expeditionsreise nach eigenen Angaben im April 1909 endlich erreicht haben wollte. Es gibt jedoch einige Kontroversen darüber, ob er den Pol tatsächlich erreicht hat oder nicht. Nichtsdestotrotz stellen seine Leistungen in Grönland, einschließlich der von seinen Expeditionen durchgeführten meteorologischen Arbeiten, für sich genommen ein bedeutendes wissenschaftliches und polarforschungsbezogenes Vermächtnis dar.
Wetterbeobachtungen im tropischen Afrika
Nicht nur von den Polargebieten Arktis und Antarktis lagen im 19. Jahrhundert nur wenige meteorologische Daten vor. Auch aus schwer zugänglichen tropischen Regionen gab es zu dieser Zeit nicht viele meteorologische Beobachtungen, besonders im Hinblick auf das abseits der Küsten gelegene Landesinnere des zentralen Afrikas.
Der spanische Afrikaforscher und Entdecker Manuel Iradier oder Manuel Iradier y Bulfy (1854−1911) aus dem Baskenland interessierte sich schon in seiner Jugend für die Naturwissenschaften und Geographie. Bereits im Alter von 14 Jahren gründete er eine Vereinigung zur Erkundung des zentralen Afrikas, von dem in Europa seinerzeit nur die Küstenabschnitte bekannt waren. Er unternahm von 1874 bis 1877 eine Reise nach Spanisch-Äquatorialafrika, auf der er die Geographie, Meteorologie, Geologie, Botanik und Ethnographie der spanischen Kolonie (heute Äquatorialguinea) erforschte. Seine Frau Isabel de Urquiola (1854−1911) und deren Schwester Juliana de Urquiola (1856−1880), beide spanische Entdeckerinnen aus dem Baskenland, begleiteten ihn auf dieser Reise. Dass sich Frauen wissenschaftlichen Expeditionen anschlossen, war zu dieser Zeit sehr unüblich.
Im Mai 1875 erreichten sie die Insel Elobey Chico im Golf von Guinea (heute zu Äquatorialguinea), wo sie im Haus des Gouverneurs die Expeditionsbasis und eine Wetterstation einrichteten. Sie planten, Beobachtungen zum Wetter und Klima der Region durchzuführen, die für die spanische Regierung von Nutzen sein könnten. Die Wetterstation war unter anderem mit Thermometern, einem Verdunstungsglas, einem Photometer, einem Taukollektor, einem Saussure-Hygrometer, einem Pluviometer und einem Anemometer ausgestattet (die letzten drei hatte Iradier selbst gebaut). Das Barometer war leider während der Hinreise zerstört worden. Iradier und die Schwestern de Urquiola begannen ihr meteorologisches Beobachtungsprogramm am 1. Juni 1875. Es umfasste regelmäßige Messungen von Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Niederschlag, Windgeschwindigkeit und Windrichtung sowie Wolkentyp (achtmal täglich für die Winde, viermal täglich für die anderen Variablen). Darüber hinaus wurden die Beginn- und Endzeiten der Tagesniederschläge aufgezeichnet.
Im weiteren Verlauf des Jahres 1875 war Iradier häufig unterwegs und erkundete das afrikanische Festland jeweils bis zu drei Monate lang. Während seiner Abwesenheiten führten Isabel und Juliana de Urquiola alle Wetterbeobachtungen durch. Damit dokumentiert die Expedition ein frühes umfangreiches Programm regelmäßiger Wetterbeobachtungen, das zu einem großen Teil von Frauen durchgeführt wurde. Ihre Aufzeichnungen gehören zu den frühen systematischen meteorologischen Beobachtungen aus dieser Region. Aus ihren Aufzeichnungen geht hervor, dass der November und der Dezember 1875 heißer und regenreicher waren als die heutigen dortigen klimatologischen Durchschnittswerte.
In den Veröffentlichungen, die auf seinen Expeditionen basieren, widmete Iradier mehr als 100 Seiten den Tabellen mit den meteorologischen Beobachtungen von der Insel Elobey Chico sowie persönlichen Schilderungen des Wetters. 1884 brach Iradier zu einer neuen Expedition in die Gegend auf, wo er sich in den Jahren 1874 bis 1877 bereits aufgehalten hatte. Noch im selben Jahr musste er krankheitsbedingt nach Spanien zurückkehren. Nach 1884 versuchte er, einige Erfindungen wie beispielsweise einen automatischen Wasserzähler und ein typographisches Druckverfahren in die Praxis umzusetzen.
Die Serie wird fortgesetzt
Die Serie Geschichte der Meteorologie wird fortgesetzt. Der nächste Teil wird weitere Persönlichkeiten vorstellen, die die Meteorologie im 19. Jahrhundert als Wissenschaft vorangetrieben haben.
Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 30.10.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
Quelle: Deutscher Wetterdienst – Thema des Tages vom 30.10.2026. Text: Dipl.-Met. Markus Eifried, Deutscher Wetterdienst, Lizenz CC BY 4.0. Redaktionelle Bearbeitung durch WINDINFO: Einleitung, Zwischenüberschriften und Absatzgliederung ergänzt; Orthografie berichtigt; die Bezeichnung der Deutschen Seewarte sowie die Zuordnung von Payers Buch zur Expedition 1872–1874 korrigiert; Aussagen zu Biscoes Umsegelung, Greelys Überlebenden, Meereis und katabatischen Winden präzisiert. Nicht ausreichend belegte Einzelangaben zur Leitung der Polarkommission, zum „Antarktisjahr 1901“, zu Pearys genauem Ankunftstag und zu weltweiten beziehungsweise regionalen Erstleistungen wurden verallgemeinert oder weggelassen. Die fremden Abbildungen der Originalquelle wurden nicht übernommen. Beitrags- und Vorschaubild: vorhandenes Logo des Deutschen Wetterdienstes, Quelle: DWD.































