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Erste große Gewitterlage 2026?

28. Mai 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Hoch BORIS sorgte in den letzten Tagen für viel Sonnenschein und hochsommerliche Temperaturen. Vor allem im Südwesten und Süden gab es gebietsweise bereits fünf Hitzetage mit Höchsttemperaturen von über 30 Grad in Folge. Auch am heutigen Donnerstag dürfen sich alle Sonnen- und Wärmeliebhaber freuen. Erneut gibt es vielerorts Sonnenschein von früh bis spät. Lediglich ganz im Süden vom Südschwarzwald bis zum Alpenrand besteht ein geringes Gewitterrisiko. Dazu gehen die Temperaturen allerdings insgesamt etwas zurück. Nur noch in einigen Niederungen im Südwesten wird die 30 Grad-Marke erreicht oder leicht überschritten. Sonst werden meist 23 bis 29 Grad erwartet, in Küstennähe bleibt es deutlich kühler.

Vorhersage für Freitag, den 29.05.2026 um 12 UTC. Das Frontensystem eines Tiefs bei den Färöer-Inseln nimmt zunehmend Einfluss auf den Nordwesten Deutschlands.

Am Freitag zeichnet sich dann aber bereits die erste kleinere, aber durchaus signifikante Änderung ab. Ein kleines Tief verlagert sich von den Färöer-Inseln nach Südskandinavien und beeinflusst mit seinem Frontensystem den Nordwesten Deutschlands. Gleichzeitig schwächt sich der Hochdruckeinfluss weiter ab, sodass die Luftmasse zunehmend labilisiert wird.

Im Vorfeld der Front strömt von Süden sehr warme bis heiße sowie zunehmend feuchte Luft heran. So können ab dem Nachmittag mit Heranrücken des kleinen kurzwelligen Troges einzelne, aber kräftige Schauer und Gewitter entstehen. Da neben einem hohen Energiegehalt auch die Windscherung erhöht ist, können sich organisierte Strukturen sowie einzelne Superzellen ausbilden. Damit steigt bei Gewittern neben der Gefahr von Starkregen, auch das Risiko für größeren Hagel und schweren Sturmböen (Bft 10) an. Bei solchen Windgeschwindigkeiten können Bäume umstürzen und Gegenstände umhergewirbelt werden. Es besteht dann im Freien Lebensgefahr. Der Schwerpunkt befindet sich am Abend voraussichtlich in Niedersachsen und dem Norden Nordrhein-Westfalens. In der Nacht zum Samstag verlagern sich die Gewitter nach Osten und Südosten. Erst im Laufe der zweiten Nachthälfte schwächen sich diese allmählich ab. Im Süden merkt man davon allerdings kaum etwas. Dort setzt sich das ruhige und hochsommerlich warme-bis heiße Frühsommerwetter fort.

Gewitterzutaten für Freitag, den 29.05.2026 um 18 UTC. Im Nordwesten überlappen sich die Felder mit hoher Feuchte, Labilität und Windscherung.

Dies ändert sich jedoch am Wochenende. Am Samstag befindet sich über der Mitte Deutschlands eine markante Luftmassengrenze. Diese trennt trockene und kühle Luft im Norden von feuchter und sehr warmer Subtropikluft im Süden. Bodennah zeichnet sich eine Tiefdruckrinne ab, an der kräftige Hebungsimpulse entstehen. Dort entstehen im Tagesverlauf vermehrt Schauer und kräftige Gewitter. Im Gegensatz zum Vortag liegt das Hauptaugenmerk auf den Starkregen. Ursache dafür ist die geringere Windscherung und die langsamere Verlagerung der Gewitterzellen im Vergleich zur Lage am Freitag im Nordwesten. Neben heftigem Starkregen kann es lokal auch zu Hagel mit größeren Hagelansammlungen kommen.

Am Sonntag bleibt uns in der Südhälfte voraussichtlich die feuchtlabile Subtropikluft erhalten. Dort bilden sich somit erneut teils kräftige Schauer und Gewitter. Örtlich besteht weiterhin Unwettergefahr durch heftigen Starkregen und Hagel. Erst am Montag sorgt ein von Westen heranrückendes Hochdruckgebiet für eine vorübergehende Wetterberuhigung. Doch bereits am Dienstag könnte uns nach jetzigem Stand schon wieder die nächste Gewitterlage bevorstehen. Das ruhige Frühsommerwetter macht somit erst einmal Pause!

Aktuelle Informationen zu den bevorstehenden Gewitterlagen finden sie auf unserer Webseite und in der Warn-Wetter App.

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.05.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/06/Erste-grosse-Gewitterlage-2026.png 910 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-05-28 13:48:332026-06-10 19:58:17Erste große Gewitterlage 2026?

In 16000 m Höhe

27. Mai 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

„In 16000 m Höhe“, so titelte das Berliner Tageblatt am 29. August 1930 seinen Artikel über den geplanten Ballonaufstieg von Auguste Picard und Paul Kipfer. Der in Basel geborene Piccard forschte und lehrte seit 1922 an der Université libre de Bruxelles (der Freien Universität Brüssel), und entwickelte in seiner wissenschaftlichen Laufbahn ein Interesse an den damals weitgehend unerforschten höheren Schichten der Atmosphäre. Hauptziel der Ballon-Expedition war die Vermessung kosmischer Höhenstrahlung, um Rückschlüsse auf deren Herkunft ziehen zu können. Die Planung dieser Experimente wurde mitunter mit Albert Einstein koordiniert, dessen Bekanntschaft Piccard auf den renommierten Solvay-Konferenzen machte. Ebenfalls sollten atmosphärische Parameter wie Luftdruck und Temperatur vermessen werden.

Luftdruck und Temperatur waren auch die zwei maßgeblichen zu beachtenden Parameter in der Planung der Ballonfahrt. Für einen bemannten Aufstieg in angepeilte Höhen um 16 km musste eine Druckkapsel mit Sauerstoffzufuhr gebaut werden, da der Atmosphärendruck in solchen Höhen nur noch etwa ein Zehntel des Luftdrucks auf Meereshöhe beträgt. Dadurch sinkt der Sauerstoffpartialdruck so stark ab, dass ohne technische Unterstützung eine ausreichende Sauerstoffaufnahme über die Lunge nicht mehr möglich ist. Zusätzlich treten vielfältige weitere physiologische Effekte des niedrigen Umgebungsdrucks auf. Die Kapsel musste den Ballonfahrern zudem das Regulieren der Temperatur ermöglichen, da die Temperatur in der Troposphäre und somit über mehr als 12 km auf weniger als -60 °C abnimmt.

Die Tropopausenhöhe weist eine signifikante geographische, saisonale, und höhenströmungsabhängige Variabilität auf, die obige Abschätzung beruht deshalb auf:

1.) dem 48sten Breitengrad, auf dem sich Augsburg als gewählter Startpunkt von Piccards Ballonfahrt befindet

2.) dem 27. Mai und damit dem heutigen Tag vor 95 Jahren als saisonale Einordnung

3.) der Tatsache, dass stabile Hochdrucklagen auch damals als bessere Ballonfahrtbedingungen angesehen wurden als beispielsweise einem Sturmtief

Vertikalprofil der Temperatur (rot) und des Taupunktes (blau), aufgetragen auf einem in der Meteorologie üblichen Skew-T log-p Diagramm. Die Daten stammen aus dem ICON-D2 Modell der deutschen Modelkette, für Augsburg am 27.05.2026 um 06 Uhr UTC. (Quelle: DWD)

In dem Temperaturprofil aus dem deutschen hochaufgelösten ICON-D2 Modell für die dieser Tage in Deutschland herrschende stabile Hochdrucklage veranschaulicht – die Linien gleicher Temperatur sind die abgebildeten Diagonalen – wie die Temperatur heute früh über Augsburg bis zur Tropopause auf unter -60 °C fällt, bevor sie dann in der sehr stabil geschichteten Stratosphäre allmählich wieder zunimmt. Die niedrigen Temperaturen in diesen Höhen ergeben sich unter anderem daraus, dass bei der geringen Luftdichte kaum Wärme gespeichert oder durch Konvektion transportiert wird. Gleichzeitig ist die solare Einstrahlung aufgrund der geringen atmosphärischen Abschwächung durch Absorption und Streuung vergleichsweise intensiv. Die Aluminiumkapsel stellte dabei einen effizienten Absorber für Strahlungsenergie dar. Deshalb wurde eine Seite der Kapsel schwarz und die andere weiß lackiert, sodass sich die Temperatur durch das Ausrichten relativ zur Sonne gezielt regulieren ließ.

Der Bau der Kapsel gestaltete sich mitunter auch dahingehend als spannend und ungewiss, da kein klassischer Luftfahrtbetrieb oder ein vergleichbares Unternehmen die Verantwortung für die Zuverlässigkeit einer solchen Konstruktion übernehmen wollte. Schlussendlich wurde der Bau der Aluminiumkapsel, zwei Meter im Durchmesser und mit zwei Bullaugen, von einem belgischen Metallbearbeitungsbetrieb übernommen, dessen dahingehende Expertise wohl in erster Linie aus der Herstellung von Bierfässern stammte.

Die Ballonfahrt war also mit großer Sorgfalt vorbereitet worden (Piccard selbst nannte seine Pionierfahrten „aventures exactes“- exakte Abenteuer), und bereits im Spätsommer 1930 sollte der Flug stattfinden. Doch verschiedene widrige Umstände wie ungünstige Wetterbedingungen oder fehlende behördliche Bewilligungen verzögerten den Aufstieg. Dennoch herrschte Zuversicht in der öffentlichen Darstellung, so schrieb das Berliner Tageblatt: „Er [Piccard] hat Wissen und Erfahrung, Mut und Entschlossenheit – nur die behördliche Bewilligung hat er noch nicht. Man kann füglich annehmen, dass sein kühnes Unternehmen nicht an einem Paragraphen scheitern wird.“ Eine andere Zeitung schreibt: „Es kann wohl angenommen werden, dass diese Bewilligung nicht mehr lange auf sich warten lassen wird. Und dann wird Professor Piccard seine Fahrt, die alle Phantasien von Jules Verne übertrifft, antreten können.“

Ende Mai 1931 findet die Ballonfahrt dann schlussendlich statt. 15.781 Meter über dem Meeresspiegel erreichen Piccard und Kipfer in ihrer Kapsel, und stellen somit, auch wenn das keineswegs ihre Motivation war, einen neuen Höhenrekord der bemannten Luftfahrt auf. Viele der vorbereiteten Messungen können erfolgreich durchgeführt werden, als allerdings der Abstieg ansteht stellt, sich heraus, dass das Ventil für das kontrollierte Ablassen des Wasserstoffs aus dem Ballon nicht richtig funktioniert. Piccard selbst kommentierte diese Umstände relativ gelassen mit der Aussage „[…] mit jedem Ballon kommt man runter; man kennt keinen Fall, wo ein Ballon oben geblieben wäre. Aber… es dauert ziemlich lange.“ Damit meinte er, dass die Ballonfahrer bis nach Sonnenuntergang warten mussten, damit sich der Wasserstoff abkühlte. Durch die höhere Dichte des Gases verringerte sich der Auftrieb, sodass der Ballon allmählich von selbst sank und nach etwa 18 Stunden Flugzeit vergleichsweise sanft auf einer Schneedecke in den Tiroler Alpen aufsetzte.

Dr. rer. nat. Thorsten Kaluza (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.05.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/06/27_Bild.png 831 1041 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-05-27 15:28:252026-06-10 19:58:27In 16000 m Höhe

Was ist ein „Heat Dome“?

26. Mai 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Dass Ende Mai bei uns über 30 °C gemessen werden, kommt häufiger vor. Ungewöhnlich ist allerdings die Dauer dieser sehr frühen Hitzewelle, die in Frankreich und Großbritannien sogar schon Rekordtemperaturen gebracht hat.

Verantwortlich dafür ist eine sogenannte Omega-Wetterlage. Dabei liegt ein kräftiges Hochdruckgebiet über Mittel- und Westeuropa. Es blockiert die normalerweise vorherrschende West-Ost-Zugbahn der Tiefdruckgebiete, wodurch die Höhenströmung die Form des griechischen Buchstabens Omega annimmt – daher der Name. Solche blockierenden Wetterlagen entstehen, wenn der Jetstream stark gewellt ist und ein kräftiges Hochdruckgebiet zwischen zwei Tiefdruckgebieten festliegt. Dieses Muster bleibt dann sehr häufig über längere Zeit nahezu unverändert bestehen.

In diesem Hochdruckgebiet sinkt die Luft ab und erwärmt sich dabei stärker. Dieses Absinken sorgt zusätzlich für Wolkenauflösung. Abgesehen vom Norden und Nordosten präsentieren sich daher weite Teile Europas wolkenfrei. Durch die ungehinderte Sonneneinstrahlung kann sich die Luft unter dem Hoch weiter aufheizen. Zudem wird heiße und trockene Luft aus Nordafrika in das Hoch einbezogen, die auch mit etwas Saharastaub angereichert ist. Dadurch lassen sich die derzeit für die Jahreszeit ungewöhnlich hohen Temperaturen über West- und Mitteleuropa erklären.

Da diese Wetterlage stabil ist, konnte sich die Luft immer weiter aufheizen. Man spricht in diesem Fall auch von einem sogenannten „Heat Dome“ oder einer Hitzeglocke. Während die heißeste Luft über Westeuropa liegt, befinden wir uns am Rande dieser Hitzeglocke. Ansonsten wären auch hier Rekorde in Gefahr.

Das Echtfarben-Satellitenbild zeigt ein nahezu wolkenfreies Europa, das der absinkenden Luft im Hoch geschuldet ist.

Die Linien zeigen die Höhenwetterkarte auf etwa 500-hPa (~5,5 – 6 km Höhe). Die Höhenströmung umströmt das Hoch in Omegaform. Die Farben sind die Temperatur in ca. 1500 m.

Solche Hitzeglocken sind für die meisten Rekordtemperaturen verantwortlich. Zudem können sie über einen längeren Zeitraum hinweg für Trockenheit sorgen. Da die Luft unter den Hitzeglocken oft nur wenig Feuchtigkeit enthält und die Verdunstung dadurch deutlich beschleunigt wird, sind viele Dürren auf lang anhaltende Hitzeglocken zurückzuführen. So auch im Sommer 2018, der in Deutschland einer der trockensten seit Beginn der Aufzeichnungen war. Zwischen Mitte Juni und Mitte August hielt sich die Hitze sogar mehrere Wochen lang am Stück.

Heute wird bei uns mit bis zu 34 °C am Oberrhein der Höhepunkt der Hitzewelle erreicht. Der Rekord aus dem Jahr 1922 mit 36,6 °C in Hamburg ist jedoch nicht in Gefahr.

Morgen erreichen wir den Nordostrand des Hitzehochs. Eine wetterunwirksame Kaltfront führt vorübergehend kühlere Luft aus Skandinavien in den Nordosten. Besonders die Nächte werden dann dort empfindlich kalt. Lokal ist sogar wieder Bodenfrost möglich. Der Südwesten bleibt hingegen in der sommerlichen Luftmasse.

Zum Ende der Woche ändert sich die Wetterlage. Das Hitzehoch wird langsam abgebaut, sodass atlantische Tiefausläufer übergreifen können. Ab Freitag nimmt dadurch die Gewitterneigung deutlich zu.

In der darauffolgenden Woche müssen wir uns dann auf einen wechselhaften Witterungsabschnitt einstellen. Dabei ist es nicht mehr ganz so warm.

Dipl.-Met. Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.05.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/06/Was-ist-ein-„Heat-Dome-1.png 924 1886 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-05-26 16:20:152026-06-10 19:58:09Was ist ein „Heat Dome“?

Geschichte der Meteorologie – Teil 7: Meteorologie im beginnenden Zeitalter der Aufklärung und Weiterentwicklung der quantitativen Meteorologie

25. Mai 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Im letzten Thema des Tages zur Geschichte der Meteorologie wurde die Hauptzeit der Renaissance beleuchtet. In dieser wurden erste meteorologische Instrumente entwickelt, welche die Anfänge der quantitativen Meteorologie darstellen. Dieser Teil der Serie setzt sich nun mit der Entwicklung der Meteorologie in der Spätrenaissance und dem Beginn des Zeitalters der Aufklärung auseinander.

Blicken wir noch einmal auf die von Galileo und Santorio angestoßene Entwicklung eines Vorläufers des Thermometers, die im letzten Teil (Teil 6) der Serie „Geschichte der Meteorologie“ behandelt wurde. Diese wurde auch auf deutschem Boden vorangetrieben. Im Jahr 1643 veröffentlichte der Universalgelehrte Athanasius Kircher (1602–1680) aus Hessen ein Buch mit dem Titel „Magnes, sive de arte magnetica“, in dem er verschiedene Arten von Instrumenten erwähnt, die die übliche Form von Luft-Wasser-Thermoskopen aufweisen. Er beschrieb jedoch ein originelles Modell, bei dem ein vertikales Rohr in einen halb mit Wasser gefüllten, geschlossenen Kolben eintaucht. Wenn die im oberen Teil des Kolbens eingeschlossene Luft erwärmt wird, dehnt sie sich aus, und der Druck treibt die Flüssigkeit im Rohr nach oben. Damit näherte sich die Entwicklung des Thermometers an die Form an, die das Wasser- oder Spiritusthermometer annehmen wird.

Der französische Philosoph, Mathematiker und Naturwissenschaftler René Descartes (1596–1650) beschrieb um das Jahr 1631 ein Experiment zur Bestimmung des Luftdrucks, baute jedoch keine Vorrichtung, um das Experiment durchzuführen. In „Les Météores“ („Meteorologie“, ein Aufsatz, der 1637 in seinem Buch „Discours de la Méthode“ veröffentlicht wurde) stellte er die Hypothese auf, dass Wasserdampf eine eigenständige Substanz in der Luft sei, die aus winzigen Partikeln bestehe, die durch eine hochverdünnte „feinstoffliche Materie“ voneinander getrennt seien. Descartes war der Erste, der weißes Licht beim Übergang von einem Medium wie Luft in ein anderes wie Glas in seine Farbkomponenten zerlegte. In „Les Météores“ erörterte er diese Lichtbrechung anhand der Beschreibung eines Experiments, bei dem er feststellte, dass die zerlegten Farben so angeordnet waren, dass Rot stets auf der einen Seite und Blau oder Violett auf der anderen Seite erschienen. Er bediente sich einer Strahlverfolgungstechnik, um die Entstehung und Struktur des Regenbogens zu erklären.

Der Mathematiker Evangelista Torricelli (1608–1647) aus der Romagna war Galileos bedeutendster Schüler und trat dessen Nachfolge als Professor für Mathematik in Florenz an. Sein Werk „Lezioni Accademiche“ (Florenz, 1715), das fast 70 Jahre nach seinem Tod erschien, enthält seine Vorlesungen zu Problemen der Mechanik, Physik, Meteorologie und Militärarchitektur. Von besonderem Interesse sind die Vorlesungen über Stoßkräfte und über den Wind. Torricelli stellte die moderne Theorie auf, dass Winde durch Unterschiede in der Lufttemperatur entstehen. Galileos offen gebliebene Frage, warum Wasser nicht höher als 32 Fuß (10 m) über den Pegel eines Wasserbeckens gepumpt werden konnte, führte Torricelli weiter. Zu diesem Zweck bauten er und sein Schüler Vincenzo Viviani (1622–1703) 1643 ein recht unpraktisches Wasserbarometer, das ein mit etwa 18 Meter sehr langes und unhandliches Glasrohr erforderte. Durch den Ersatz durch Quecksilber, das bei Raumtemperatur flüssig und etwa 14-mal dichter als Wasser ist, gelang es Torricelli, die Länge des Barometerrohrs auf etwa 90 cm zu reduzieren. Sein Gerät bestand aus einem langhalsigen Glasrohr mit einem geschlossenen, bauchigen Ende. Die Röhre wurde mit Quecksilber gefüllt und dann in eine ebenfalls mit Quecksilber gefüllte Schale gestürzt. Anstatt vollständig aus der Röhre zu fließen, sank die Höhe der Quecksilbersäule auf etwa 76 cm und blieb dann relativ konstant, wobei sie nur um wenige Prozent schwankte.

Seite des Werks „Lezioni Accademiche“ mit Darstellung eines Barometers von Torricelli, 1715, Florenz, Quelle: Library of Congress, Washington, D.C., über Wikimedia Commons

Heute wissen wir, dass diese Schwankungen teils auf Temperaturänderungen und teils auf Änderungen des Luftdrucks über dem Instrument zurückzuführen waren. Torricelli war aufgrund dieser Ergebnisse davon überzeugt, dass die Luft über dem Barometer ein Gewicht haben und somit Druck ausüben müsse und dass es dieser Druck sei, der das Quecksilber im Barometerrohr nach oben drücke. Er glaubte auch, dass der Raum über dem Quecksilber, der durch dessen Absinken aus dem Kolben am oberen Ende des Rohrs entstand, ein echtes Vakuum sein müsse. Torricelli wird allgemein die Erfindung des Quecksilberbarometers im Jahr 1644 zugeschrieben. Sein Barometer verfügte jedoch über keine Skala und eignete sich daher eher für qualitative als für quantitative Messungen. René Descartes versah das Druckrohrbarometer 1647 bereits mit einer Skala.

Der Politiker, Physiker und Erfinder Otto von Guericke (1602–1686) aus dem Erzbistum Magdeburg war inspiriert von den Arbeiten Torricellis und Galileos. Er stellte ebenfalls die These auf, dass Luft ein Gewicht habe und daher einen Druck ausübe, und dass beides messbar sei. Zu diesem Zweck konstruierte er etwa zur gleichen Zeit und wahrscheinlich unabhängig von Torricellis Erfindung des Quecksilberbarometers im Jahr 1644 ein Wasserbarometer. Vor seinem Haus errichtete von Guericke ein etwa 10 Meter hohes Messingrohr, an dessen oberem Ende sich ein transparenter, verschlossener und evakuierter Glasabschnitt befand. Dies war sein Wasserbarometer. An der Wasseroberfläche im Inneren des Rohrs schwamm eine kleine Holzpuppe, die bei schönem Wetter aufgrund des steigenden Luftdrucks mit dem Wasserstand anstieg und durch das Glas sichtbar wurde. Umgekehrt sank sie bei Tiefdruck und schlechtem Wetter bis zur Unsichtbarkeit ab. Er versuchte, anhand der Informationen seines Barometers Wettervorhersagen zu erstellen und setzte seine Forschungen zum Luftdruck und zu den Eigenschaften des Vakuums fort. Von Guericke experimentierte auch mit der Erzeugung künstlicher Wolken, indem er Luft aus einem Kolben in einen anderen leitete, aus dem zuvor die Luft abgesaugt worden war. In dem ersten Kolben bildete sich daraufhin Nebel, der auf die Kondensation infolge des sinkenden Drucks in diesem Kolben zurückzuführen war. Er kam zu dem Schluss, dass Luft nicht in Wasser umgewandelt werden kann, obwohl Feuchtigkeit in die Luft gelangen und später wieder zu flüssigem Wasser kondensieren kann.

Der französische Wissenschaftler, Mathematiker und Philosoph Blaise Pascal (1623–1662) interessierte sich für die Erforschung von Flüssigkeiten. Dies veranlasste ihn, ein Experiment mit einem Barometer zu entwerfen, ähnlich dem, das Torricelli 1644 erfunden hatte. Bei diesem Experiment, das 1648 durchgeführt wurde, wurde der Quecksilberstand in einem mit einer Skala versehenen Barometer am Fuße des Puy de Dôme im Zentralmassiv gemessen und erneut am Gipfel, etwa 1000 Meter (3300 Fuß) höher. Der Bericht von Florin Périer (1605–1672), der das Experiment nach Pascals brieflichen Vorschriften durchführte, hielt fest, dass das Quecksilber am Fuße des Berges eine Höhe von 26 Zoll und 3,5 Linien erreichte, während es oben nur 23 Zoll und 2 Linien waren. Dies bedeutete, dass der von der Atmosphäre ausgeübte Druck mit zunehmender Höhe abnahm, was mit der Vorstellung übereinstimmte, dass der Druck auf das Gewicht der Atmosphäre in der Säule über dem Barometer zurückzuführen war.

Der Astronom Giovanni Domenico Cassini (1625–1712) aus dem Herzogtum Savoyen beschäftigte ich neben astronomischen Themen auch mit Hydraulik und Flussregulierung und untersuchte mehrere Hochwasser des Flusses Po.

Der Großherzog der Toskana Ferdinand II. de‘ Medici (1610–1670) förderte 1654 das erste Wetterbeobachtungsmessnetz, das aus Wetterstationen in Florenz, Cutigliano, Vallombrosa, Bologna, Parma, Mailand, Innsbruck, Osnabrück, Paris und Warschau bestand. Gemessen wurde die Temperatur mit zwei Thermometern, eines nördlich und eines südlich ausgerichtet, der Luftdruck, die Luftfeuchte, der Bewölkungszustand und die Windrichtung. Die gesammelten Daten wurden in regelmäßigen Abständen zentral an die Accademia del Cimento (Akademie des Experiments) in Florenz übermittelt. 1667 endete die Messreihe, da die Accademia del Cimento eingestellt wurde.

Der irische Naturforscher Robert Boyle (1627–1692) war einer der Ersten, der das Potential eines Quecksilberbarometers nach Art von Torricelli für die Erforschung der Eigenschaften der Luft erkannte. Er baute seine eigenen Quecksilberbarometer und scheint der Erste gewesen zu sein, der den Begriff „Barometer“ verwendete. Zusammen mit Robert Hooke (siehe unten) beschäftigte er sich mit der Physik der Gase. Nachdem sie von von Guerickes Arbeiten mit Luftpumpen gelesen hatten, bauten Boyle und Hooke eine verbesserte Version, die Boyle ab 1659 nutzte, um eine Reihe von Experimenten zu den Eigenschaften der Luft durchzuführen. Er veröffentlichte 1660 einen Bericht über diese Arbeiten unter dem Titel „New Experiments: Physico-Mechanical Touching the Spring of Air and its Effects“. Boyle leitete den Bau des ersten in England hergestellten versiegelten Thermometers, und seine damit durchgeführten Experimente wurden 1665 in seiner Abhandlung „New experiments and observations touching cold, or an experimental history of cold“ beschrieben. Boyle ist vor allem für seine Formulierung eines allgemeinen Gasgesetzes aus dem Jahr 1662 bekannt, die allgemein als Boylesches Gesetz bezeichnet wird. Es besagt, dass bei konstanter Temperatur das Volumen eines idealen Gases umgekehrt proportional zum Druck ist. Die reale Atmosphäre folgt diesem Gesetz mit guter Annäherung.

Der niederländische Astronom, Mathematiker und Physiker Christiaan Huygens (1629–1695) gelangte zu der Erkenntnis, dass Temperaturmessungen mit Thermometern nur dann sinnvoll sind, wenn sie anhand einer festgelegten Skala vorgenommen werden. Huygens schlug 1665 eine Thermometerskala vor, die zwei feste Punkte aufweisen sollte: den Gefrier- und den Siedepunkt von Wasser. Die heute genutzte Celsius-Skala hat genau diese beiden Bezugspunkte.

Der englische Philosoph und Mediziner John Locke (1632–1704) begann 1666 mit der Führung seines eigenen Wettertagebuchs und führte es, wenn auch mit einigen Lücken, bis 1703 fort. Er ging diese Aufgabe im Allgemeinen mit Begeisterung an, da er der Überzeugung war, dass die regelmäßige Erfassung meteorologischer Daten zum Verständnis von Wetterphänomenen beitragen würde. So gelang es ihm beispielsweise in den ersten sechs Monaten seines Aufenthalts in Oxford, fast täglich mindestens zwei Messwerte seines Thermometers, Barometers und Windmessers zu notieren.

Der englische Astronom und Architekt Sir Christopher Wren (1632–1723) schuf erste Entwürfe für einen Regenmesser und eine automatische Wetterstation. In den 1660er und 1670er Jahren experimentierte er mit einem Schwingflügel-Anemometer, wie es Alberti 1450 erfunden hatte, mit einem Gerät zur Messung der Luftfeuchtigkeit, mit „Wettergläsern“ (kleinen offenen Wasserbarometern) und mit Quecksilberbarometern nach Torricelli. 1662 konstruierte er, wahrscheinlich in Zusammenarbeit mit Robert Hooke, auch einen Kippkasten-Regenmesser zur Erfassung von Niederschlagsmengen. Dies stellte den frühesten englischen Regenmesser und den ersten mechanischen Regenmesser, der sich selbst entleert, dar. Wren arbeitete weiter an der Verfeinerung seiner Idee eines Geräts, das er „Wetteruhr“ nannte und das Wetter automatisch aufzeichnen sollte. Er stellte sein Konzept im Dezember 1663 der Royal Society in einer Abhandlung mit dem Titel „Beschreibung einer Wetteruhr“ vor. Zusammen mit Hooke (siehe unten) konnte 1669 ein erstes funktionierendes Modell fertig gestellt werden, das als „Weather Wiser“ bekannt wurde und von Hooke gebaut wurde. Es ist interessant festzustellen, dass Wrens Vorstellung von einer automatischen Wetteraufzeichnung den Gedanken, dass menschliche Beobachter das Wetter regelmäßig beobachten und aufzeichnen könnten, völlig außer Acht ließ. Wren erkannte, dass Wetterbeobachtungen potentiell zur Wettervorhersage genutzt werden könnten, und stellte der Royal Society 1679 eine mögliche Methode dafür vor.

Der englische Naturwissenschaftlicher, Ingenieur und Universalgelehrte Robert Hooke (1635–1703) studierte zunächst die Eigenschaften von Gasen und experimentierte zusammen mit Boyle an Barometern. In seiner Zeit an der Royal Society of London zwischen 1662 und 1680 arbeitete er an einer Vielzahl von Verbesserungen an meteorologischen Messinstrumenten, oft in Zusammenarbeit mit Wren. Hooke entwickelte das „Radbarometer“, ein Quecksilberbarometer nach dem Prinzip von Torricelli, das mit einem von Hooke entworfenen mechanischen Gestänge ausgestattet war, um selbst kleinste Schwankungen des Quecksilberstands zu verstärken. Diese Schwankungen wurden durch die Bewegung einer Skala auf dem „Rad“ angezeigt. 1667 konstruierte Hooke eine andere Art von Windmesser, einen sogenannten Druckplatten-Windmesser: Um die Geschwindigkeit der Luft oder des Windes zu messen und dessen Stärke zu ermitteln, wurde durch vier an einer Achse befestigten Flügel erreicht, die sehr leicht und beweglich waren. Hooke konstruierte das erste praxistaugliche Hygrometer zur Messung der Luftfeuchtigkeit, basierend auf seiner Beobachtung, dass sich die Haare eines Ziegenbartes im trockenen Zustand krümmen und im feuchten Zustand wieder gerade richten.

Radbarometer, Hygrometer und Windmesser von 1663, Robert Hooke (Quelle: „The history of the Royal Society of London, for the improving of natural knowledge”, Thomas Sprat (1635–1713), 1667, London, über Wikimedia Commons)

1663 stellte Hooke der Royal Society eine umfassende Anleitung zur Durchführung von Wetterbeobachtungen vor und empfahl, ein nationales oder internationales Netz von Stationen einzurichten, um Wetterbeobachtungen nach einem einheitlichen Standard mit kalibrierten Instrumenten durchzuführen. Um 1669 präsentierte Hooke der Royal Society eine funktionsfähige Version von Wrens Wetteruhr, bekannt als „Weather Wiser“. Das „Weather Wiser“-Gerät verfügte über einen Kippkasten-Regenmesser von Wren und verwendete Auslösehämmer, um auf einer rotierenden Trommel Papierstreifen mit fortlaufenden Messwerten zu Druck, Temperatur, Niederschlag, Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit und Windrichtung zu markieren. Es handelte sich dabei tatsächlich um die weltweit erste automatische Wetterstation.

Wetteruhr von Robert Hooke (Quelle: The fathers of scientific meteorology –Boyle, Wren, Hooke and Halley: Part 2. Weather, 58: 135-139, Maurice Crewe, 2003, über Royal Meteorological Society, Reading, Vereinigtes Königreich)

Hooke erkannte, dass es möglich sein könnte, anhand von tabellarisch erfassten täglichen Wetterdaten Vorhersagen zu erstellen, insbesondere wenn diese Daten von mehreren Stationen eines Netzwerks stammten. Wren stellte der Royal Society 1679 hierfür bereits eine mögliche Methode vor (siehe oben). Aufgrund seiner gesamten meteorologischen Arbeit, insbesondere seiner Entwicklung meteorologischer Messgeräte und seiner vorausschauenden Empfehlung, regelmäßige Wetterbeobachtungen nach einheitlichen Standards in einem Netz von Beobachtungsstationen durchzuführen, wird Hooke als „Vater der wissenschaftlichen Meteorologie“ bezeichnet.

Lesen Sie im nächsten Teil der Serie „Geschichte zur Meteorologie“ unter anderem von Verbesserungen meteorologischer Messgeräte durch neue Erkenntnisse sowie die zeitweise Umsetzung des oben erwähnten Gedankens eines meteorologischen Messnetzes.

Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.05.2026
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https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/06/Geschichte-der-Meteorologie-–-Teil-7-1.jpg 1536 1034 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-05-25 14:06:392026-06-10 19:58:06Geschichte der Meteorologie – Teil 7: Meteorologie im beginnenden Zeitalter der Aufklärung und Weiterentwicklung der quantitativen Meteorologie

Die Sonne nähert sich dem Höchststand, gewinnt täglich an Kraft und bringt somit auch entsprechende Gefahren mit!

24. Mai 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Derzeit wird der menschliche Körper wieder zunehmend den positiven und negativen Eigenschaften der UV-Strahlung ausgesetzt. Hoch Alexander lässt die Sonne verbreitet, vor allem in der Mitte und im Süden häufig auch vom wolkenlosen Himmel scheinen. Mit täglicher Annäherung an den Sonnenhöchststand am 21. Juni nimmt auch deren Kraft zu. Ende Mai hat die Sonne demnach etwa die gleiche Strahlkraft wie Ende Juli. Dabei kann auch eine beachtliche Menge an UV-Strahlung in den bodennahen Luftschichten ankommen.

Relative Sonnenscheindauer am Montag (links) und Dienstag (rechts) mit verbreitet 80 bis 100% sonnenausbeute bezüglich des aktuellen Möglichen. (Quelle: DWD)

In den folgenden Abschnitten soll der sogenannte aktinische Wirkungskomplex, also die Komponenten der biologisch wirksamen Sonnenstrahlung und dessen Wirkung auf den menschlichen Körper, näher unter die Lupe genommen werden.

Die biologisch wirksamen Spektren des Lichts reichen vom infraroten über den sichtbaren bis zum ultravioletten Bereich (UV-Bereich) und haben teils gesundheitsfördernde als auch gesundheitsschädigende Einflüsse auf den Menschen. So fördert beispielsweise die Infrarotstrahlung die Durchblutung der Haut. Das sichtbare Licht beeinflusst den Hormonhaushalt und die Psyche. Das größte Wirkungsspektrum besitzt jedoch die UV-Strahlung.

Die UV-Strahlung ist eine elektromagnetische Strahlung, die an der Erdoberfläche nur wenige Prozent der gesamten solaren Strahlung ausmacht. Sie umfasst dabei den Wellenlängenbereich, der kürzer als der des sichtbaren Lichtes ist. Da die einzelnen Elementarteilchen der UV-Strahlung (Photonen) über eine sehr hohe Energie verfügen, können sie teilweise tief in biologische Systeme eindringen, Molekülverbindungen irreversibel zerstören und somit wesentlichen Einfluss auf Lebewesen nehmen. Beispielsweise wird die UV-Strahlung als Auslöser für verschiedene Hautkrebsarten angesehen.

Die Haut unterliegt als Grenz- und Kontaktorgan in besonderem Maße dem Einfluss von Umweltfaktoren und somit auch der UV-Strahlung. Zahlreiche Hautkrankheiten finden ihren Ursprung in dieser Strahlungsart oder werden von ihr verstärkt. Am bekanntesten ist in diesem Sinne wohl der Sonnenbrand, der einer Verbrennung ähnelt und nach einer vom Hauttyp abhängigen Bestrahlungszeit mit einer scharf begrenzten Rötung, Hitzegefühl, Juckreiz sowie gelegentlicher Blasenbildung und Ödemen einhergeht.

Schwerwiegende Folgen für die menschliche Gesundheit haben Hautreaktionen, die nach einem jahre- oder jahrzehntelangen Zeitraum der UV-Bestrahlung auftreten. In diese Gruppe sind beispielsweise die Hautalterung oder bösartige Hauttumore einzuordnen.

Traditionell wird die UV-Strahlung auf Basis der Ozonabsorption in drei Teilbereiche aufgegliedert. Demnach wird zwischen der UV-A Strahlung in dem Wellenlängenbereich von 315 bis 400 Nanometer, der UV-B Strahlung zwischen 280 bis 315 sowie der UV-C Strahlung zwischen 100 und 280 Nanometer unterschieden. Dabei hindert das atmosphärische Ozon die UV-A Strahlung nur wenig daran die Erdoberfläche zu erreichen. Die UV-C Strahlung wird dagegen unabhängig von der Ozonkonzentration auf dem Weg durch die Atmosphäre fast komplett aus der Luft herausgefiltert, während die Menge an UV-B Strahlung am Boden stark von der Ozonkonzentration sowie der Mächtigkeit der Ozonschicht abhängig ist. Als Maß für die UV-Strahlung dient der sogenannte UV-Index, der üblicherweise als Bestrahlungsstärke (Watt pro Quadratmeter) auf einem horizontal orientierten Empfänger angegeben wird. Neben dem Ozon beeinflussen auch weitere Bestandteile der Atmosphäre, wie beispielsweise Aerosole (Schwebeteilchen in der Atmosphäre) und Wolken (Wassertröpfchen), astronomische Bedingungen wie der Sonnenstand, der orographische Standort oder auch die Bodenbeschaffenheit in Form der Albedo (Rückstrahlvermögen der solaren Strahlung) die Menge an UV-Strahlung am Boden.

Insgesamt hat die UV-Strahlung, wie zu Beginn des Artikels schon aufgeführt, bedeutende Wirkung auf den menschlichen Organismus. Wer seine Haut beim Sonnenbaden nicht ausreichend schützt, schädigt diese nachhaltig. Die UV-A Strahlung (lange Wellen) führt zu einer kurzfristigen Bräune, die jedoch kaum Lichtschutz bringt. Dagegen verliert die Haut an Spannkraft und altert bei langfristiger Bestrahlung frühzeitig. Auch das Hautkrebsrisiko ist bei häufiger ungeschützter Einstrahlung deutlich erhöht. Die UV-B Strahlung sorgt hingegen eher für eine langfristigere Bräune, die auch einen echten Lichtschutz (Lichtschwiele) mit sich bringt. Gleichzeitig dringen diese Strahlen nicht so tief in die Haut ein und schädigen sie daher nicht nachhaltig. Ein allgemein schädigender Effekt der UV-Strahlung ist zudem die Immunsubpression, eine Verringerung der Körperabwehr, z.B. gegenüber Infektionskrankheiten.

Positiv ist jedoch anzuführen, dass die UV-Strahlung hauptverantwortlich für die Bildung von Vitamin D in der Haut ist. Dieses Vitamin ist im Körper für den Calcium- und Phosphatstoffwechsel essentiell. Allerdings wird die notwendige Vitamin D-Dosis in Deutschland im Sommer bei wolkenlosen Bedingungen gegen Mittag bereits innerhalb von etwa 15 Minuten durch die Sonnenexposition von Händen, Armen und Gesicht erreicht. Dafür bräuchte man also nicht stundenlang in der Sonne zu braten.

UV-Index sowie die potentielle gesundheitliche Gefährdung für Montag, 25.05.2026 mit sehr hohen Indexwerten von 8 in der Südhälfte. (Quelle: DWD)

Am Montag und Dienstag wird entsprechend der teils wolkenlosen Bedingungen und der Sonnenkraft etwa südlich von Eifel, Westerwald Rhön und Erzgebirge bei einem UV-Index von häufig 8 schon recht verbreitet eine sehr hohe gesundheitliche Gefährdung erwartet. Im Allgäu sowie allgemein auf den Alpenhöhen wird teilweise sogar ein Index von 9 erreicht. Moderater kommt der UV-Index (4/5, mittlere Gefährdung) im Norden daher, wo zeitweise Wolken die Sonne ausbremsen.

UV-Index sowie die potentielle gesundheitliche Gefährdung für Dienstag, 26.05.2026 mit sehr hohen Indexwerten von 8 in der Südhälfte. (Quelle: DWD)

In möglichen UV-Warnungen oder auch in den entsprechenden UV-Gefahrenkarten des DWD wird besonders auf potentielle Schutzmaßnahmen hingewiesen. Ergänzend zu diesen international einheitlichen Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation finden Sie weitere UV-Schutztipps auf der Webseite des Deutschen Wetterdienstes.

Neben der UV-Strahlung kann die Sonne das Land tagsüber auch schon ordentlich einheizen. Vor allem im Südwesten wird zu Beginn der Woche schon eine gefühlte Temperatur teils über 32 Grad prognostiziert. Diese wiederum führt dazu, dass wir ein heißes thermisches Empfinden entwickeln. Für eine Hitzewarnung reicht dies aber noch nicht. Besonders die Nächte kommen noch kühl daher und sorgen für ausreichend Entspannung. Zudem sind auch die Gebäude noch nicht ausreichend aufgeheizt. Dennoch ist vor allem in der Mittagshitze für Kranke und empfindliche Personen schon Vorsicht geboten.

Thermische Empfinden bzw. prognostizierte, gefühlte Temperatur für Montag, 25.05.2026 tagsüber (links) und nachts (rechts) mit den höchsten Werten im Südwesten. (Quelle: DWD)


Thermische Empfinden bzw. prognostizierte, gefühlte Temperatur für Dienstag, 26.05.2026 tagsüber (links) und nachts (rechts) mit den höchsten Werten im Südwesten. (Quelle: DWD)

Dipl. Met. Lars Kirchhübel
Deutscher Wetterdienst
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https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/06/Die-Sonne-naehert-sich-dem-Hoechststand-1.png 720 1379 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-05-24 12:15:172026-06-10 19:58:01Die Sonne nähert sich dem Höchststand, gewinnt täglich an Kraft und bringt somit auch entsprechende Gefahren mit!

Des einen Freud…

23. Mai 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Eitel Sonnenschein – das gilt in den kommenden Tagen zumindest im Südwesten bzw. in der Südwesthälfte. Und auch in Richtung Nordosten ist das Wetter ja keinesfalls schlecht – nur vielleicht ein bisschen weniger gut mit ein paar mehr Wolken und eventuell ein paar (aber wirklich nur ein paar) Tropfen.

Das Hoch ZENO, welches für das teils hochsommerliche Wetter mit Temperaturen von bis zu 34°C im Südwesten verantwortlich ist und schon Morgen von dem nicht weniger sommerlich gestimmten Hoch ALEXANDER abgelöst wird, macht sich dabei nicht nur am Boden bemerkbar. Vielmehr handelt es sich um ein sogenanntes „hochreichendes“ Hoch, das auch in höheren Luftschichten zu erkennen ist.

Geopotential in 500 hPa (ca. 5,5 km Höhe, Linien) sowie Wind in 300 hPa (ca. 9 km Höhe, Flächen).

In Abbildung 1 zeigen die Linien das Geopotential in etwa 5,5 km Höhe. Beim Geopotential handelt es sich in gewisser Weise um den Druck in höheren Luftschichten. Das mit ZENO bzw. ALEXANDER korrespondierende Höhenhoch ist über Nordfrankreich, etwas nördlich der Loire, gut auszumachen. Zwischen diesem Höhenhoch und einem Höhentief südwestlich von Island liegen die Linien gleichen Geopotentials, die Isohypsen, relativ dicht gedrängt. Das führt in der Folge zur Ausbildung eines Starkwindbandes, auch Jet genannt. Auch dieser Jet ist in der Karte (Pastelltöne) dargestellt, allerdings in einer höher gelegenen Luftschicht (in etwa 9 km Höhe). Unabhängig von der Höhe erkennt man, dass sowohl die Drängungszone der Isohypsen als auch der Jet sich leicht wellend vom mittleren Nordatlantik bis nach Skandinavien erstrecken. Dieser Bereich, die sogenannte Frontalzone, macht also einen weiten Bogen um Mittel- und Westeuropa.

Damit steuert sie aber – nicht nur aktuell, sondern auch über die kommenden Tage hinweg – feuchte Nordatlantikluft nach Skandinavien und damit zuallererst nach Norwegen. Dort trifft die Luft auf das Skandinavische Gebirge und wird gehoben, was einiges an Regen zur Folge hat. Die akkumulierten Regenmengen bis zum Dienstagabend können Abbildung 2 (links) entnommen werden. Wie an einer Perlenkette reihen sich die Regionen mit den intensivsten Regenfällen von Süd-Südwest nach Nord-Nordost orientiert im Weststau der Skanden aneinander. In der Spitze fallen bis zu 100 l/m² in nur etwa dreieinhalb Tagen. Die Norweger sind diesbezüglich zwar Kummer gewöhnt, aber man kann schon sagen, dass dort das Pfingstfest eher verregnet sein wird. In meteorologischen Zusammenhängen gedacht gilt hier sehr offensichtlich: Des einen Freud ist des anderen Leid.

Akkumulierter Niederschlag in Teilen Skandinaviens bis zum Dienstag, 26.05.2026, abends (links) sowie erwartete Höchsttemperaturen am morgigen Sonntag, 24.05.2026 (rechts).

Aber: Gilt das mit dem „Verregnetsein“ in Norwegen überall? Nicht ganz. Denn die Überströmung des Gebirges sorgt auf der Windschattenseite für föhnige Aufheiterungen. Je nach Wetterlage und Anströmung können sich solche Aufheiterungen sogar im Nordosten Deutschlands bemerkbar machen. Das ist aktuell zwar nicht der Fall, aber für den Großraum Oslo sagen die Modelle nur geringe Regenmengen vorher (ebenfalls Abbildung 2 links).

Der Föhn mischt sich darüber hinaus auch in die zu erwartenden Höchsttemperaturen ein. (Wer sein Wissen über Föhn auffrischen möchte, kann dies z.B. in einem Thema des Tages meines Kollegen Tobias Reinartz aus dem letzten Jahr tun. In der aktuellen Situation bringt der Föhn vor allem dem Südosten Norwegens und der Südhälfte Schwedens Temperaturen, die verbreitet zwischen 20 und 25°C liegen (Abbildung 2, rechts). Dem gegenüber kommen die Temperaturen im Dauerregen entlang der norwegischen Küste überhaupt nicht „aus dem Quark“. Dort sind 10 bis 15°C das Höchste der Gefühle.

Zum Ende unserer Betrachtungen wollen wir den Blick nochmal auf die Abbildung 1 lenken. Denn auch in das Gebiet mit hohem Geopotential, welches sich von Südwesteuropa nach West- und Mitteleuropa erstreckt, hat sich ein kleines Höhentief „reingeschummelt“. Es kreist vor der Nordküste Portugals und sorgt im nordwestlichen Bereich der Iberischen Halbinsel (Galicien und Nordportugal) für etwas Regen (Abbildung 3).

Geopotential in 500 hPa (ca. 5,5 km Höhe, Linien), akkumulierter Niederschlag bis Sonntag, 24.05.2026, abends (Flächen) sowie erwartete Höchsttemperaturen (Zahlenwerte).

Die Situation dort unterscheidet sich von der in Norwegen aber in mindestens zwei Punkten sehr wesentlich. Erstens sind die Niederschlagsmengen geringer, was selbst dann gilt, wenn die hier angegebenen Mengen eventuelle lokale Spitzenwerte nicht korrekt wiedergeben. Und zweitens fällt der Regen in Spanien bei sommerlichen 30°C und nicht bei eher herbstlichen 10 bis 15°C.

Diplom- Meteorologe Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
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Offenbach, den 23.05.2026
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https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/06/Des-einen-Freud…-1.png 607 972 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-05-23 18:48:342026-06-10 19:57:55Des einen Freud…

Hoch „Zeno“ sorgt für niedrigen Meeresspiegel?!

22. Mai 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Derzeit verlagert Hoch „Zeno“ seinen Schwerpunkt nach Mitteleuropa. Dabei kann im Zentrum der Luftdruck auf über 1030 Hektopascal (kurz: hPa) ansteigen, was für die Jahreszeit nicht alltäglich ist. Aber was bedeutet diese Angabe in Hektopascal eigentlich?

Luft besitzt ein Gewicht, auch wenn wir uns dessen in unserem täglichen Leben nicht allzu häufig bewusst sind. Vielleicht ist der einen oder dem anderen bei einer Bergtour schon aufgefallen, dass die Luft mit zunehmender Höhe „dünn“ wird. Damit ist der mit der Höhe abnehmende Luftdruck gemeint. Die Luftmoleküle liegen dann etwas weiter auseinander. Und obwohl sich der prozentuale Anteil an Sauerstoff in der Luft nicht ändert, nehmen wir mit jedem Atemzug weniger Sauerstoff auf als im Flachland. Entsprechend bekommt man das Gefühl, das Atmen auf dem Berg fällt schwerer.

DWD-Vorhersagekarte für den Bodendruck und die Luftmassengrenzen im Bereich von Europa und dem Nordostatlantik für Freitag, den 22. Mai 2026, 12 UTC auf Basis des ICON-Modelllaufs vom 21. Mai 2026, 00 UTC.

Die Luft der Erdatmosphäre besitzt also eine eigene Masse. Insgesamt wiegt sie rund 5 Trillionen Kilogramm, ausgeschrieben also eine 5 mit 18 Nullen. Über jedem Quadratmeter der Erde befinden sich umgerechnet etwas mehr als 10000 kg bzw. 10 Tonnen Luft, die dort Druck ausüben. Ganz schön viel, oder? Damit wir dabei nicht kollabieren und weiter atmen können, sind unsere Körper an diesen Druck angepasst. Wir empfinden ihn als „normal“.

Druck beschreibt eine Kraft pro Fläche. Diese kann in der Einheit „Bar“ oder „Hektopascal“ angegeben werden. Der Luftdruck der Atmosphäre ist dabei nichts anderes als die Kraft, die durch die Gewichtskraft der Luftsäule und die Bewegung der Luftmoleküle auf eine Fläche wirkt. Dieser beträgt bei Standardbedingungen (15 °C Lufttemperatur am Boden und trockenen Verhältnissen) auf Meereshöhe 1013,25 hPa oder 1013,25 Millibar. Das entspricht dem Druck einer Wassersäule von etwas mehr als 10 Metern Höhe.

Auch der Meeresspiegel reagiert auf Veränderungen des Luftdrucks. Diese Änderungen bezeichnet man als „invers-barometrischen Effekt“. Invers wird er genannt, weil höherer Luftdruck die Wasseroberfläche nach unten drückt. Herrscht dagegen niedriger Luftdruck, lastet weniger Gewicht auf dem Wasser, sodass sich der Meeresspiegel quasi anhebt.

Vorhersage der Bodendruckverteilung für Freitag, den 22. Mai 2026, 12 UTC auf Basis des ICON-Modelllaufs vom 22. Mai 2026, 06 UTC.

Ein Blick auf die heutige Bodendruckverteilung zeigt über Mitteleuropa sowie im Bereich der Nord- und Ostsee hohen Luftdruck mit Werten über 1028 hPa (in Abbildung 2 orange dargestellt), der auf den Meeresspiegel drückt. Auf dem Nordatlantik liegt hingegen ein Tief mit einem Kerndruck unter 988 hPa (in Abbildung 2 blau gekennzeichnet), der Druck fällt dort geringer aus. Dabei ergibt sich ein Unterschied von etwa 40 hPa, was dem Druck einer Wassersäule von 40 Zentimetern entspricht. Als grobe Faustregel kann man sagen, dass 1 hPa die Wassersäule um 1 Zentimeter verändert.

In der Realität wird der Effekt meist nur in tieferen, offenen Meeren deutlich messbar, wo das Wasser frei ausweichen kann. In flachen Nebenmeeren oder Buchten werden die Pegelschwankungen jedoch häufig von anderen Faktoren wie Wellen, Gezeiten und der Wirkung des Windes überlagert, weshalb der Effekt dort nur bedingt zu beobachten ist.

In der Ostsee drücken Stürme mit westlichen Winden das Wasser nach Osten, wodurch es im Finnischen Meerbusen zu Hochwasser und an der deutschen Ostseeküste zu Niedrigwasser kommt, obwohl das Zentrum des Tiefs beispielsweise über Dänemark liegt.

Webcambilder vom Timmendorfer Strand am 07., 08. und 09. Dezember 2024 jeweils gegen 12 Uhr. Quelle: Webcam Maritim Hotel

Die Kombination aus tiefem Luftdruck und länger anhaltenden, auf die Küste gerichteten Winden kann durchaus gefährliche Auswirkungen haben. Im Jahr 2024 sorgte eine anhaltende Nordostlage bei tiefem Luftdruck für Hochwasser an der deutschen Ostseeküste, da das Ostseewasser großflächig nach Südwesten gedrückt wurde. Anfang 2026 führte anhaltender Ostwind sogar zu historischem Niedrigwasser im Norden und Osten der Ostsee (siehe Thema des Tages vom 14.02.2026) . Im Februar 2026 kam es in der Adria von Italien bis Montenegro durch die Kombination aus tiefem Luftdruck und anhaltendem Wind zu einem starken Anstieg des Meeresspiegels. Dabei wurden die höchsten Wasserstände seit Beginn der instrumentellen Pegelmessungen verzeichnet. In mehreren Küstenorten kam es zu Überflutungen, da das Wasser ins Landesinnere gedrückt wurde.

Hier zeigt sich also, wie eng Atmosphäre und Ozean miteinander gekoppelt sind. Schon vergleichsweise kleine Druckunterschiede können den Meeresspiegel spürbar verändern. Kommen dann noch weitere Faktoren wie Wind und regionale Gegebenheiten hinzu, verstärken sich diese Effekte schnell. Aus wenigen Hektopascal werden an der Küste mitunter Zentimeter, die darüber entscheiden, ob Wasser bleibt, wo es ist, oder ob es neue Wege ins Landesinnere findet.

M.Sc.-Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
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Offenbach, den 22.05.2026
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https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/06/sorgt-fuer-niedrigen-Meeresspiegel-1.png 720 1012 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-05-22 18:33:322026-06-10 19:57:47Hoch „Zeno“ sorgt für niedrigen Meeresspiegel?!

Weichenstellung auf Sommerwetter!

21. Mai 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Der Sommer steht in den Startlöchern – zumindest, was das Wetter angeht. Hauptverantwortlich hierfür zeigt sich Hoch ZENO. ZENO ist nämlich gerade dabei, seinen Schwerpunkt bis zum morgigen Freitag von Frankreich nach Mitteleuropa zu verlagern. Und dort angekommen wird es dem Hoch anscheinend so gut gefallen, dass es sich dort die kommenden Tage bequem macht.

Die Folge: Nach einem in der Nordosthälfte Deutschlands zum Teil noch recht bewölkten Freitag sorgt ZENO über das Pfingstwochenende hinweg und bis in die neue Woche hinein verbreitet für viel Sonnenschein. Dadurch kann sich die vorherrschende Luftmasse in den kommenden Tagen stark erwärmen. Niederschläge sind bundesweit betrachtet so gut wie keine zu erwarten.

Prognose der Luftdruckverteilung für Freitag, 22.05.2026, 14 Uhr (MESZ). Dargestellt sind die Isobaren (schwarze Linien), der Luftdruck in hPa, die Zentren von Hoch- (H) und Tiefdruckgebieten (T) sowie die Fronten (blaue Dreiecke: Kaltfront, rote Halbkreise: Warmfront, violette Kombination: Okklusion.

Blicken wir mal etwas genauer auf die Temperaturentwicklung: Nachdem am morgigen Freitag in der Südwesthälfte verbreitet ein Sommertag, also ein Tag mit Höchstwerten von mindestens 25 Grad verzeichnet werden wird, wird dort am Samstag in einigen Regionen die 30-Grad-Marke geknackt – zum ersten Mal in diesem Jahr. Dass der erste Hitzetag (Höchsttemperatur von mindestens 30 Grad) zeitlich sehr variabel ist, zeigt ein Blick auf die vergangenen drei Jahre: 2025 war dies am 2. Mai der Fall (Waghäusel-Kirrlach, 30,4 Grad), 2024 sogar schon am 6. April und damit so früh wie noch nie seit Aufzeichnungsbeginn (Ohlsbach, 30,1 Grad) und 2023 dagegen erst am 8. Juni (Potsdam, 30,7 Grad).

Doch zurück zu 2026: Über die Pfingstfeiertage legt die Temperatur noch eine kleine Schippe drauf: In der Südwesthälfte verbreitet 29 bis lokal 33 Grad, in der Nordosthälfte nicht ganz so heiße, aber meist immer noch sommerlich warme 25 bis 29 Grad.

Prognose von Höchsttemperatur und Wetter für Pfingstsonntag, 24.05.2026

Wer der Hitze entfliehen will, wählt als Ausflugsziel am besten den äußersten Norden, wo zeitweise auch mal ein paar dichtere Wolkenfelder durchziehen und die Temperatur „nur“ auf Werte zwischen 23 und 26 Grad ansteigt. Noch etwas kühler (oder für mancheinen auch angenehmer) wird es standesgemäß an den Küsten bei auflandigem Wind und Höchstwerten um 20 Grad. Alternativ bieten natürlich auch die Hochlagen der Gebirge etwas kühlere Bedingungen.

In den Nächten kühlt die Luft übrigens meist noch ziemlich gut ab. Die Tiefstwerte liegen weitgehend zwischen 15 und 8 Grad und laden damit zum Durchlüften ein.

Zusammengefasst herrscht über Pfingsten also meist bestes Grill- und Ausflugswetter. Auf eine Sache sollte man aber unbedingt achten: den Sonnenschutz! Aufgrund der starken Einstrahlung wäre ansonsten ein Sonnenbrand quasi vorprogrammiert. Durch das Ausbleiben nennenswerter Niederschläge nimmt zudem auch die Waldbrandgefahr zu. Besonders hoch wird oder ist sie bereits im Süden und Osten Deutschlands.

Prognose verschiedener Gefahrenindizes. Links: UV-Index für Samstag, 23.05.2026. Rechts: Waldbrandgefahrenindex für Pfingstsonntag, 24.05.2026.

Und wie geht’s nach Pfingsten weiter? Richtung Mitte nächster Woche nehmen die Unsicherheiten in Sachen Temperaturentwicklung deutlich zu. Es sieht derzeit so aus, als ob die über uns befindliche Hochdruckzone ihren Schwerpunkt Richtung Britische Inseln verlagert. Auf der Ostflanke des Hochs könnte dann wieder kühlere Luft nach Deutschland einströmen. Nennenswerte, flächige Niederschläge sind dabei aber wohl weiterhin nicht zu erwarten.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
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https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/05/Weichenstellung-auf-Sommerwetter-1-1.jpg 910 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-05-21 17:34:462026-06-09 17:49:08Weichenstellung auf Sommerwetter!

Bisher abwechslungsreicher Mai

20. Mai 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Aprilwetter im Mai lautete häufig die Devise in den ersten beiden Dekaden des letzten meteorologischen Frühlingsmonats. Die Temperaturen fuhren Achterbahn, es gab immer wieder Niederschläge und teilweise sogar nochmals Schnee in den Hochlagen, aber auch die Sonne zeigte sich immer wieder.

Im vieljährigen Mittel (1961-1990) lag das Temperaturmittel im Mai bei 12,1 °C. Zum jetzigen Zeitpunkt liegt die deutschlandweite Mitteltemperatur bei 11,4 °C, was allerdings fast auf der Kurve der durchschnittlichen Mitteltemperatur zu diesem Zeitpunkt liegt. Verglichen mit der aktuelleren und wärmeren Klimaperiode (1991-2020) wird die Kurve deutlicher um fast ein Kelvin unterschritten.

Fortlaufendes Tagesmittel der Temperatur im Mai 2026; links mit dem Referenzzeitraum 1961-1990 und rechts mit dem Referenzzeitraum 1991-2020

Zu Beginn des Monats war es sehr warm und am 3. Mai wurde in Cottbus und in Neißemünde-Coschen (beides Brandenburg) mit 29,4 °C die bisherige deutschlandweite Tageshöchstwerttemperatur gemessen. Anschließend folgte ein jäher Absturz, der darin gipfelte, dass zu Beginn der zweiten Dekade selbst die 15-Gradmarke in den meisten Gebieten ein großes Hindernis darstellte. Außerdem gab es vor allem in der östlichen Mitte und in Teilen des Südens nochmals verbreiteten leichten Nachtfrost. Der bisherige Monatstiefstwert (ausgenommen Bergstationen oberhalb von 920 m NHN) datiert allerdings vom Anfang des Monats aus Piding (Bayern) mit -3,3 °C.

In puncto Niederschlag zeigt sich der Wonnemonat bisher ziemlich spendabel, allerdings mit großen regionalen Unterschieden. Im Klimamittel fallen im gesamten Mai 71 bzw. 70 l/qm (Klimamittel 1961-1990 bzw. 1991-2020). Derzeit beläuft sich die Niederschlagssumme bereits auf 52 l/qm. Am meisten Niederschlag gab es bisher über der nördlichen Mitte und im Schwarzwald, wo regional 70 bis 100, punktuell auch um 130 l/qm gefallen sind. Äußerst trocken präsentierten sich Teile Niederbayerns und ein Streifen vom Jadebusen bis zur Kieler Bucht, wo teilweise nur 5 bis 20 l/qm vom Himmel kamen. Besonders nass war es am 5. Mai, als im Zusammenhang mit einer quasi stationären Luftmassengrenze über der Mitte 30 bis 50, lokal über 60 l/qm vom Himmel prasselten.

Aus Radardaten abgeleitete akkumulierte Gesamtniederschlagsmenge in l/qm von Anfang Mai bis zum 20. Mai, 08 MESZ

Die Sonne zeigte sich im letzten meteorologischen Frühlingsmonat bisher etwa 120 Stunden lang. Die langjährigen Mittelwerte für den Mai liegen bei 202 Stunden (1961-1990) bzw. 213 Stunden (1991-2020). An dieser Stelle sei vorweggenommen, dass die Statistik in den kommenden sonnenscheinreichen Tagen deutlich aufpoliert wird. Bisher waren vor allem der Monatsbeginn und das Ende der ersten Dekade sehr sonnig. Regional ergeben sich aber auch hier größere Differenzen. Während im Norden und Südosten bereits 130 bis 170 Sonnenstunden zu Buche stehen, waren es derer im Westen und Teilen der westlichen Mitte nur 65 bis 90.

Dipl.-Met. Marcel Schmid
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https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/05/Bisher-abwechslungsreicher-Mai-1.png 395 1251 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-05-20 18:57:582026-05-20 19:04:33Bisher abwechslungsreicher Mai

Tag der Diversität

19. Mai 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Am heutigen Dienstag den 19. Mai wird der Deutsche Diversity-Tag unter dem Motto: „Wenn Vielfalt gewinnt, gewinnen wir alle“ gefeiert. Dabei geht es darum, die menschliche Vielfalt und die Verschiedenartigkeiten von Menschen innerhalb der Gesellschaft und in Organisationen zu betrachten und vor allem eine wertschätzende, vorurteilsfreie Arbeitswelt öffentlich zu präsentieren. Der Aktionstag wird seit 2012 von der Charta der Vielfalt e.V.

Key-Visual zum Deutschen Diversity-Tag 2026

initiiert und daran beteiligen sich etliche Institutionen und Unternehmen (Deutscher Diversity-Tag). Diversität kann sich dabei auf etliche Merkmale beziehen: von Alter und geschlechtlicher Identität, über sexuelle Orientierung, soziale Herkunft, körperliche und geistige Fähigkeiten, ethnischer Herkunft und Nationalität bis hin zur Religion und Weltanschauung.

Auch beim DWD wird Diversität großgeschrieben (Diversität beim DWD), denn gelebte Vielfalt bildet die Grundlage für eine starke Zusammenarbeit. Im Leitbild des DWD steht beispielsweise: „Unsere Stärke, gemeinsam mehr zu erreichen, gewinnen wir durch übergreifende, unvoreingenommene Zusammenarbeit und das Akzeptieren von Unterschiedlichkeit und Vielfalt“. Der DWD beteiligt sich mit dem internen Leitgedanken: „Viele Köpfe, viele Stärken“

Neurodiversität und Inklusion

Dabei soll vor allem das bisher wenig sichtbare Thema Neurodiversität in den Fokus gerückt werden. Das Potenzial ist dabei enorm, denn Menschen lernen, denken und verarbeiten Informationen unterschiedlich, wodurch sich ganz verschiedene Blickwinkel und mitunter auch kreative Herangehensweisen an Problemstellungen und Aufgaben ergeben. Ob es nun ADHS, Legasthenie, Autismus oder andere neurologische Unterschiede sind – neurodivergente Menschen bereichern die Arbeitswelt mit ihren Fähigkeiten. Intern gibt es daher heute verschiedene Vorträge, Plakate und Führungen, die einen Einblick in die Welt der Neurodiversität liefern sollen und auf das Thema aufmerksam machen.

Vielleicht gibt es ja auch in Ihrem Unternehmen liebe Leserinnen und Leser Vorträge und Aktionen zum heutigen Diversity-Tag oder Sie finden unter https://www.charta-der-vielfalt.de/deutscher-diversity-tag weitere Informationen und Artikel zum Thema.

Dipl.-Met. Marcel Schmid
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