Hoch WINFRIED bestimmt das Wetter – Umstellung zum Wochenende

Ein großräumiges Hochdruckgebiet namens WINFRIED prägt derzeit das Wetter in weiten Teilen Europas. Es erstreckt sich von den Britischen Inseln über Deutschland bis nach Osteuropa und bleibt auch bis einschließlich Freitag, den 1. Mai, bestimmend. Im weiteren Verlauf verlagert sich das Zentrum des Hochs schrittweise nach Osteuropa. Dadurch geraten die Tiefdruckgebiete über Westeuropa zunehmend in die Lage, sich Deutschland anzunähern. Gleichzeitig dreht die Strömung auf südliche Richtungen, sodass neben wärmerer auch feuchterer Luft herangeführt wird. In der Folge nimmt die Neigung zu Schauern und Gewittern allmählich zu.

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Bodenanalyse mit Fronten und Luftdruck, Mittwoch den 29.04.2026 12 UTC. Quelle: Deutscher Wetterdienst. Quelle: DWD

Am heutigen Mittwoch präsentiert sich der Himmel in weiten Teilen Deutschlands wolkenlos. Lediglich am Alpenrand halten sich kompaktere Wolkenfelder, aus denen vereinzelt Schauer fallen können. Diese stehen im Zusammenhang mit der Warmfront eines Tiefs über Spanien (ZUHAL), die jedoch durch das blockierende Hoch WINFRIED kaum nach Norden vorankommt. Bei reichlich Sonnenschein steigen die Temperaturen auf 15 bis 23 Grad. Dennoch fühlt es sich verbreitet etwas kühler an, was auf einen teils kräftigen Ostwind zurückzuführen ist. Vor allem in exponierten Lagen sowie in den Hochlagen treten starke bis stürmische Böen auf. Die sehr trockene Luft begünstigt zudem eine deutliche nächtliche Auskühlung. Entsprechend sinken die Temperaturen in den Frühstunden insbesondere in der Osthälfte häufig in den Frostbereich, während es im Westen meist frostfrei bleibt.

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Wetter- und Temperaturkarte, am Mittwoch 29.04.2026. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Am Donnerstag liegt der Schwerpunkt des Hochs über Dänemark und dem Nordosten Deutschlands. Unter anhaltendem Hochdruckeinfluss scheint nahezu überall die Sonne, und die Temperaturen erreichen 16 bis 23 Grad. In der Mitte und im Süden bleibt der Ostwind weiterhin spürbar. In der Nacht zum Freitag lässt die Frostgefahr im Osten nach und tritt nur noch vereinzelt auf.

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Wetter- und Temperaturkarte am Donnerstag, 30.04.2026. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Am Freitag, dem 1. Mai, behauptet sich Hoch WINFRIED weiterhin über Deutschland und hält störende Tiefdruckgebiete fern. Der Wind schwächt sich deutlich ab und dreht auf südöstliche Richtungen. Gleichzeitig steigen die Temperaturen weiter an: Im Westen werden verbreitet mehr als 25 Grad erreicht, womit dort ein Sommertag vorliegt. Auch in den übrigen Regionen wird es mit Höchstwerten zwischen 20 und 24 Grad angenehm warm. Insgesamt herrschen damit sehr günstige Bedingungen für Aktivitäten im Freien.

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Aussichten von Freitag, den 01.05.2026 bis Sonntag den 03.05.2026. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Zum Wochenende zeichnet sich jedoch eine Umstellung der Wetterlage ab. Wie bereits angedeutet, verlagert sich das Hoch weiter nach Osten, sodass aus südlichen Richtungen zunehmend warme und feuchtere Luft nach Deutschland gelangt. Gleichzeitig nähern sich Tiefdruckgebiete von Westen. Am Samstag überwiegt in großen Teilen des Landes noch freundliches und sommerlich warmes Wetter mit Höchstwerten bis 28 Grad. In der Westhälfte nimmt jedoch die Bewölkung im Tagesverlauf zu, und am Abend ist im äußersten Westen mit ersten Gewittern zu rechnen. Am Sonntag setzt sich die unbeständigere Witterung weiter durch: Es überwiegen die Wolken, und im Tagesverlauf entwickeln sich örtlich Schauer und Gewitter. Trotz zunehmender Bewölkung bleibt es mit 20 bis 24 Grad, im Osten lokal bis 27 Grad, weiterhin warm.

Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Einheitenchaos – Teil 3: Niederschlag

Wenn der Himmel grau und dunkel ist und der Regen vom Himmel fällt, vermissen die einen den Sonnenschein, die anderen genießen den beruhigenden und stimmungsvollen Klang des prasselnden Regens. Nachdem die Einheiten für die Temperatur und den Wind näher betrachtet worden sind, wenden wir uns heute dem Niederschlag zu.

Beim Niederschlag kommt es einerseits darauf an, welche Menge fällt und andererseits über welche Zeitspanne hinweg. Die Regenmenge kann in Liter pro Quadratmeter (l/m²) gemessen werden. Es wird also der Regen, der auf eine 1×1 m große Fläche fällt, angegeben. Da ein Liter Wasser das Volumen von einem Kubikdezimeter hat, ist die Einheit Millimeter (pro Quadratmeter) genau gleichbedeutend mit l/m². Um eine Vorstellung für die Mengen zu bekommen: Wenn ein voller, haushaltsüblichen Eimer Wasser über Sie ausgegossen wird, entspricht das beispielsweise 10 Litern. Nach solch einem unfreiwilligen Bad wären Sie klatschnass. Würde diese Menge jedoch nicht in wenigen Sekunden, sondern über mehrere Stunden oder gar Tage fallen, so würde es sich nicht mehr so unangenehm anfühlen. Die Niederschlagsintensität, also die Regenmenge pro Zeit, ist das Stichwort. Eine grobe Kategorisierung der Niederschlagsintensitäten ist im DWD-Lexikon nachzulesen. Hier zu finden ist beispielsweise, dass selbst starker Sprühregen nur wenige Zehntel l/m² innerhalb einer Stunde bringt. Von starkem Regen hingegen wird ab etwa 10 mm pro Stunde gesprochen, von einem starken Regenschauer ab 1,7 l/m² in 10 Minuten.

Für höhere und potentiell gefährliche Mengen sind die vom DWD konzipierten Regenwarnungen gedacht (siehe dazu die offiziellen Warnkriterien auf unserer DWD-Internetseite). Dabei wird generell zwischen Starkregen (ein- bis sechsstündig) und Dauerregen (>12 Stunden) unterschieden. Dementsprechend wird die Schwelle für markanten Starkregen bereits bei 15 l/m² (innerhalb einer Stunde) erreicht, für Dauerregen dagegen ist eine Menge von 25 l/m² (innerhalb von 12 Stunden) notwendig. Die höchste Warnstufe (violett) beginnt bei 40 l/m² in einer Stunde bzw. 70 l/m² in 12 Stunden. Bei diesen Mengen muss mit erheblichen Gefährdungen wie zum Beispiel Überflutungen von Straßen, Unterführungen oder Kellern, mit Aquaplaning oder auch mit Erdrutschen gerechnet werden.

Nun gibt es natürlich nicht nur flüssigen Niederschlag, sondern auch festen wie Schnee. Als grobe Richtwerte bringt leichter Schneefall etwa 1 mm, starker Schneefall mehr als 5 mm in einer Stunde. Offizielle Schneefallwarnungen betrachten die Neuschneemenge innerhalb von 6 bis 72 Stunden. Die sechsstündigen Schwellenwerte beginnen bei 5 cm für leichten Schneefall und bei 20 cm für extrem starken Schneefall.

Was das aktuelle Wetter angeht, so sind wir von solchen Regen- und Schneemengen weit entfernt. Das ausgeprägte Bodenhochdruckgebiet WINFRIED über den Britischen Inseln und Skandinavien, wie auch ein Höhenrücken über dem Atlantik, führen derzeit dazu, dass Tiefdrucksysteme Mangelware sind und Deutschland kaum Niederschlag abbekommt. In Abbildung 1 ist in der linken Karte zur Veranschaulichung der Gesamtniederschlag bis Sonntag 8 Uhr des deutschen ICON6-Modells dargestellt. Wunderbar zu sehen ist, wie der Niederschlag einen großen Bogen um die Bundesrepublik macht und kaum ein Tropfen fällt. Was Landwirte und Gärtner betrübt, freut so manchen Sonnenliebhaber. Jedoch sind die Unsicherheiten in der Vorhersage für das kommende Wochenende noch recht groß. So sagt das europäische Modell (Abbildung 1 rechts) am Samstag Schauer im Westen und Nordwesten vorher. Es gibt also einen kleinen Licht-(oder eher Regen-?) Blick für alle, die ein wenig mehr Abwechslung im Wettergeschehen herbeisehnen.

Niederschlag

Abbildung 1: Gesamtniederschlag bis Sonntag (03.05.26) 8 Uhr. Links: Basierend auf dem ICON6-Modelllauf vom 28.04.26 6 UTC. Rechts: Basierend auf dem EZMW-Modelllauf vom 28.04.26 0 UTC (Quelle: DWD)

M.Sc. (Meteorologe) Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Wettergötter und -propheten Teil 1: Wenn Petrus die Himmelspforte öffnet

„Petrus meint es aktuell sehr gut mit uns“ hört und hörte man in den vergangenen Tagen häufiger, wenn es um das sonnenscheinreiche, freundliche und milde Wetter geht, das von einer großen Beständigkeit geprägt ist. Dennoch kam dem Autor dieser Zeilen die Frage auf, was Petrus denn eigentlich mit dem Wetter zu tun hat, obwohl er ja gar kein Wettergott im eigentlichen Sinne, wie etwa Zeus, ist. Und daran schließt sich gleich die Frage an, wofür andere Wettergötter so verantwortlich sind, was den Auftakt zu einer neuen Serie beim Thema des Tages machen soll.

Heute soll es also erstmal um Petrus gehen, der vor allem im Christentum für das Wetter „zuständig“ sei.
Simon Petrus lebte bis etwa 65 n. Chr. und war ein Apostel und Jünger Jesu gewesen, der als einer der ersten in die Nachfolge Jesu berufen wurde und zugleich als ein „Sprecher“ der Jünger fungierte. Schon hieraus wird seine insgesamt erhobene Stellung deutlich, die darin gipfelt, dass er als der erste Bischof von Rom und damit als der erste Papst im römisch-katholischen Christentum gilt. Mit Wetter hat all dies auf den ersten Blick aber erstmal wenig zu tun.

Wettergoetter und propheten Teil

Simon Petrus als der oberste Jünger Jesu wird im christlichen Sprachgebrauch häufig für das Wetter verantwortlich gemacht. (Quelle: Bildnis von Simon Petrus aus dem Katharinenkloster Sinai um das 6. Jahrhundert)

Daher muss zunächst auf die Tatsache geschaut werden, dass Petrus quasi als „Chef“ der Jünger galt und Chefs gemeinhin eine große Verantwortung haben. So wird Petrus auch als der Pförtner im Himmel angesehen, der damit für alles verantwortlich ist, was vom Himmel kommt und in den Himmel geht. Dies geht etwa aus dem Matthäus-Evangelium (16,19) hervor, in dem es heißt: „Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein.“ Neben der damit übertragenen Macht und Autorität hat sich möglicherweise auch deswegen im (christlichen) Sprachgebrauch die Redewendung etabliert, dass Petrus seine Pforten öffnet, wenn es etwa in Strömen regnet. Daraus entwickelte sich dann mit der Zeit die allgemeine Verantwortung von Simon Petrus für das Wetter, sodass auch im Christentum, wie übrigens in sämtlichen anderen Kulturen, eine Gottheit oder Instanz für das Wetter zuständig zeigen soll.

Zwar gibt es auch noch andere Erklärversuche, wieso für Christen ausgerechnet Petrus für das Wetter verantwortlich sei, doch diese sind nicht mehr so naheliegend wie das Bild des verantwortungsvollen Himmelspförtners. Beispielsweise wird in manchen Publikationen auch Petrus mit Moses gleichgesetzt, der zu seiner Zeit Wasser aus einem Felsen entspringen ließ oder das Rote Meer teilte, wobei hier der meteorologische Bezug eher fehlt.

Zum Abschluss seien noch die bekanntesten Bauernregeln vorgestellt, die auf Petrus‘ Verantwortung für das Wetter zurückgehen. Viele gründen dabei auf den 22. Februar, an dem Petri Stuhlfeier zelebriert wird.

So heißt es beispielsweise „Wenn’s friert auf Petri Stuhlfeier, frierts noch vierzehnmal heuer“ oder „Ist Petri Stuhlfeier kalt, hat der Winter noch vierzig Tage Gewalt“. Aber auch für gutes, warmes Wetter gibt es diesbezügliche Bauernregeln, wie „Nach der Kälte der Petersnacht, verliert bald der Winter seine Kraft“ oder „Wenn zu St. Petri die Bäche sind offen, wird später kein Eis mehr auf ihnen getroffen“.

Sie sehen, vieles beim Wetter wurde früher Petrus zugeschrieben und noch heute ist er im Sprachgebrauch fest verankert, so wie manch andere Wettergötter auch. Diese sollen in späteren Themen des Tages ebenfalls näher betrachtet werden.

M.Sc.-Met. Oliver Reuter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Hagelereignisse in Deutschland

Auch wenn aktuell über Mitteleuropa weitgehend ruhiges Hochdruckwetter vorherrscht, steht uns die Gewittersaison 2026 unmittelbar bevor – und damit steigt auch die Hagelgefahr. Eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigt, dass im Zeitraum von 2005 bis 2024 die meisten Hagelstürme in Deutschland zwischen Mai und August auftraten. Grundlage der Untersuchung waren Radardaten des Deutschen Wetterdienstes, aus denen potenzielle Hagelzüge abgeleitet wurden.

Dabei zeigt sich ein deutliches Nord-Süd-Gefälle. Dieses lässt sich sowohl durch die orographischen Gegebenheiten als auch durch den höheren Energiegehalt der Troposphäre im Süden erklären, der im klimatologischen Mittel im Frühling und Sommer ausgeprägter ist. Ein Schwerpunkt zeigt sich südlich von Stuttgart entlang der Schwäbischen Alb und im Alpenvorland. In diesen Regionen beeinflusst die Topographie von Schwarzwald, Schwäbische Alb und den Alpen maßgeblich die Entstehung von kräftigen Gewittern, die Hagel produzieren können. Im Lee der Gebirge bilden sich häufig lokale Konvergenzen aus, an denen Luftmassen zusammenströmen. Diese Konvergenzen sind oftmals die Brutstätte für schwere Gewitter mit Hagel. Da bei den meisten schweren Gewitterlagen eine südwestliche Strömung vorherrscht, sind diese Regionen besonders anfällig. Dort treten Hagelereignisse nicht nur vergleichsweise häufig auf, sondern auch überdurchschnittlich viele Fälle mit großem Hagel. In Erinnerung ist bei einigen in diesem Zusammenhang sicherlich das Hagelunwetter von Reutlingen aus dem Jahr 2013 geblieben. Am 27 Juli sorgte damals eine Superzelle mit großem Hagel entlang der Schwäbischen Alb für massive Schäden an der Infrastruktur und in der Landwirtschaft.

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Die mittlere Anzahl der Hagelzüge pro 1 Quadratkilometer Gitterpunkt zwischen 2005-2024 in Deutschland. Maxima zeigen sich südlich von Stuttgart und im Alpenvorland.

Da zur Ausbildung von Hagelstürmen neben einer feuchtwarmen energiereichen Luftmasse auch ein Hebungsantrieb vorhanden sein muss, hat die Wetterlage einen entscheidenden Einfluss auf das Auftreten solcher Ereignisse. Die Studie zeigt, dass etwa 50 Prozent dieser Stürme in diesem Zeitraum in Verbindung mit blockierenden Wetterlagen auftraten. Solche Lagen führen durch langsam ziehende Druckgebilde häufig zu Serien von Hagelstürmen über mehrere Tage. Dabei kristallisiert sich heraus, dass solche Episoden mit einer Periode von Hagelstürmen gefolgt von längeren Ruhephasen häufiger geworden sind. Das am häufigsten dominierende Wetterregime war eine skandinavische Blockierungslage mit einem kräftigen nahezu stationären Hochdruckgebiet über Skandinavien und gleichzeitig tiefen Luftdruck im Bereich des Mittelmeerraums. Betrachtet man die räumlichen Unterschiede innerhalb von Deutschland, so zeigt sich lediglich im Süden eine Zunahme in der Hagelhäufigkeit. In der Mitte und im Norden ist eine Tendenz zu weniger Ereignissen erkennbar. Dies steht im Widerspruch zur verbreiteten Annahme, dass aufgrund des Anstiegs der Temperatur und Feuchtigkeit automatisch mehr schwere Gewitter auftreten.

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Tage mit Hagelzügen unter verschiedenen Wetterregimen. An 50 Prozent der Hageltagen war ein blockierendes Wetterregime vorherrschend.

Da die physikalischen Vorgänge in der Atmosphäre allerdings weitaus vielschichtiger sind, können veränderte atmosphärische Strömungen, der Aerosolgehalt in der Troposphäre oder der Anstieg der Nullgradgrenze einen negativen Trend in der Häufigkeit erklären. Die Ausbildung von Gewittern mit Hagel bleibt ein komplexes Thema, welches von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst wird, wodurch sich räumlich kein einheitliches Bild ergibt.

In den kommenden Tagen bleibt uns das ruhige Hochdruckwetter weitgehend erhalten. Lediglich am Dienstagabend besteht im Zusammenhang mit einem schwach ausgeprägten Höhentief über dem süddeutschen Bergland ein geringes Schauer- und Gewitterrisiko. Schwere Gewitter mit Hagel werden jedoch nicht erwartet!

Damit bleibt abzuwarten, wo die Gewitter – und Hagelschwerpunkte in dieser Saison liegen werden.

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Hochdruck ohne Ende

Seit Tagen schon herrscht Hochdruckeinfluss in Deutschland. In den meisten Regionen drückt sich dieser in einem nur wenig oder gar nicht bewölktem Himmel aus. Nur im Norden hat feuchte Nordseeluft in den letzten Tagen für viele tiefe Wolken mit Hochnebelcharakter gesorgt. Regen fiel daraus aber kaum. Heute wird die eingeströmte feuchte Meeresluft von einem Tiefausläufer gehoben, was zu Quellwolken und somit zu einem Rückgang der Hochnebeldecke führt. Niederschlag ist aber weiter Mangelware.

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Karte Europa und Nordatlantik mit der Analyse des Bodendruckfeldes (in hPa) und der Wetterfronten sowie der den Namen der Druckzentren von Samstag, 25.04.2026 0 UTC/2 MESZ (Quelle: DWD)

Der Ausläufer gehört zu Tief YLVI mit Zentrum über Südostskandinavien. Zwischen ihr und den Hochdruckgebieten ULI, WINFRIED und VOLKER erhöht sich im Norden und Osten der Druckgradient, was in einem frischen Wind resultiert.

Hochdruck ohne Ende 2

Karte Europa und Nordatlantik mit der Vorhersage des Bodendruckfeldes (in hPa) sowie den Namen der Druckzentren für Samstag, 25.04.2026 12 UTC/14 MESZ (Quelle: DWD)

Die Hochdruckgebiete, die vom Nordwesten Europas über den Westen und die Mitte bis in den Süden reichen, gewinnen bereits am Sonntag wieder die Oberhand. Die Tiefdruckgebiete YLVI und XIMENA über Nordost- und Osteuropa werden zurückgedrängt. Der Druckgradient nimmt deutlich ab und der Wind lässt nach.

Hochdruck ohne Ende 3

Karte Europa und Nordatlantik mit der Vorhersage des Bodendruckfeldes (in hPa) für Sonntag, 26.04.2026 12 UTC/14 MESZ (Quelle: DWD)

Auch atlantische Störungen erreichen uns in den kommenden Tagen nicht. Der Hochdruckeinfluss ist gekommen, um zu bleiben. Erst am Dienstag zieht sich das Hoch mehr in den Westen und Norden Europas zurück. Dann kann sich über der Iberischen Halbinsel und dem westlichen Mittelmeer tiefer Luftdruck ausbreiten. Dabei wird etwas feuchtere Luft in den Süden Deutschlands geführt, was in einzelnen Schauern oder leichtem Regen im äußersten Süden und Südwesten münden kann.

Hochdruck ohne Ende 4

Karte Europa und Nordatlantik mit der Vorhersage des Bodendruckfeldes (in hPa) für Dienstag, 28.04.2026 12 UTC/14 MESZ (Quelle: DWD)

Im großen Rest Deutschlands ist es weiterhin trocken. Dabei ist es im Westen und Süden immer ein paar Grad wärmer als im Norden und Osten. Denn die Luft strömt im Uhrzeigersinn um die Hochdruckgebiete herum zu uns und kommt damit überwiegend aus nördlicher Richtung. Auf dem Weg in den Süden und Westen kann sie sich dabei über Land erwärmen, während sie über die frische Nord- und Ostsee kaum Erwärmung erfährt.
Der erste Trend nach Wochenmitte zeigt weiterhin Hochdruckeinfluss. Ob dabei zum Ende der Woche mildere Luft aus Süden gewinnt oder wir weiter auf der Vorderseite in nördlicher Strömung verbleiben, ist noch ungewiss.

Diplom-Meteorologin Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Wie Wetter Geschichte schrieb

Am Sonntag, den 26. April 2026, jährt sich der Super-GAU (Größter anzunehmender Unfall), also die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl zum 40. Mal. Am 26. April 1986 um 01:23 Uhr Ortszeit kam es in Block 4 des Kernkraftwerks nahe der ukrainischen Stadt Prypjat zu einer Explosion des Kernreaktors. Infolgedessen wurden große Mengen radioaktiver Materie freigesetzt. Einige Bestandteile gingen in Form von Staubpartikeln in der Umgebung des Reaktors nieder. Andere, insbesondere leicht flüchtige Isotope gelangten bei der Freisetzung bis in große Höhen der Atmosphäre und wurden in einer Art radioaktiven Wolke teilweise Tausende Kilometer weit getragen.

Und welchen Einfluss hatte das Wetter hierbei? Für gewöhnlich wehen die Winde über Europa häufig von West nach Ost, was die radioaktive Materie von Europa wegtransportiert hätte. Allerdings war die großräumige Wetterlage über Europa Ende April 1986 so, dass zunächst Skandinavien davon betroffen war, nachfolgend dann auch Mitteleuropa. Im Süden Deutschlands traten zu dieser Zeit teils kräftige Regenfälle auf. Dabei wurden die radioaktiven Bestandteile aus der Atmosphäre gewaschen. Damit lässt sich erklären, warum der Süden mehr belastet ist als der Norden Deutschlands. Selbst heute noch sollte man dies beim Verzehr von Wildfleisch, Pilzen und Waldbeeren im Hinterkopf haben.

Wie Wetter Geschichte schrieb

Havarierter Block 4 von Tschernobyl mit Denkmal für die ersten Opfer im Vordergrund, aufgenommen am 23.09.2017

Auch bei anderen historischen Ereignissen spielte das Wetter eine entscheidende Rolle. In früheren Themen des Tages wurde bereits über den Atombombenabwurf auf Hiroshima und Nagasaki sowie den D-Day (https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2023/8/7.html) berichtet, zudem wurde Bezug genommen auf die Winter 1812/13 (während Napoleons Russlandfeldzug) und 1941/42 (während Hitlers Russlandfeldzug) sowie auf den Hungerwinter 1946/47 (https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2023/8/25.html). An dieser Stelle soll nun auf historische Ereignisse eingegangen werden, bei denen schlechte Sichtbedingungen eine entscheidende Rolle spielten.

Da wäre zum einen der Mechelen-Zwischenfall während der Vorbereitungen für den Westfeldzug, bei dem schließlich Nazideutschland im Frühsommer 1940 unter Verletzung der Neutralität der Beneluxstaaten weite Teile Frankreichs besetzte. Für dessen Umsetzung war eine nur wenig angepasste Neuauflage des bereits im Ersten Weltkrieg gescheiterten Schlieffenplanes vorgesehen.

Am 10. Januar 1940 wurde der Offizier Major Helmut Reinberger als Kurier mit der neuesten Version der Angriffspläne zu einer Stabsbesprechung nach Köln geschickt. Geheime Dokumente durften damals nicht fliegen, weshalb der Offizier mit dem Zug fuhr. Auf dem Weg dorthin plante er den Besuch eines Kameraden auf einem Luftwaffenstützpunkt im Münsterland ein. Da er dort aufgehalten wurde, verpasste er allerdings seinen Zug nach Köln. Ein Luftwaffenoffizier bot ihm an, ihn bei seinem Flug nach Köln mitzunehmen. Trotz Vorschriftswidrigkeit nahm der Offizier das Angebot an. Es trat genau das ein, weshalb geheime Dokumente damals eben nicht fliegen durften: Aufgrund von schlechten Sichtbedingungen verflog sich der Pilot, driftete durch starken Ostwind ab und musste schließlich in Belgien notlanden. Dies blieb dort natürlich nicht unbemerkt. Die Offiziere versuchten zwar noch, die Angriffspläne zu verbrennen, aber der böige Wind vereitelte das vollständige Verbrennen, bevor eintreffende belgische Beamte das Feuer löschen konnten. Dadurch gerieten die geheimen Dokumente in die Hände der belgischen Armee, die diese umgehend an die Franzosen und Briten weiterleitete. Nur aufgrund dieses Vorfalls kam „Plan B“ zum Einsatz: der Mansteinplan, der eine Ablenkungsoffensive an der rechten Flanke über die Niederlande und Belgien vorsah und den Hauptvorstoß durch die Ardennen in den Rücken der Alliierten, die dadurch auch von ihren Versorgungslinien abgeschnitten wurden. Innerhalb weniger Wochen wurde der Westfeldzug von Nazideutschland gewonnen.

Nur wenige Wochen vor dem Mechelen-Zwischenfall, am 08. November 1939, hätte sich womöglich die gesamte nachfolgende Geschichte ändern können, wenn da nicht der Nebel gewesen wäre. Hitler hielt in jedem Jahr zum Gedenken an den gescheiterten Putsch 1923 eine in der Regel lange Rede im Münchner Bürgerbräukeller. Der württembergische Tischler Georg Elser, ein Gegner des Nationalsozialismus, war im Jahr zuvor unter den Zuhörern, was ihn davon überzeugte, dass der Bürgerbräukeller der richtige Ort für seinen Attentatsversuch auf Hitler war. Hitler würde im darauffolgenden Jahr, also 1939, mit Sicherheit zur gleichen Zeit an der gleichen Stelle wieder eine Rede halten. Für seinen Plan trat Elser zunächst eine Arbeit in einem Steinbruch an, um entsprechende Materialien für seine Zeitbombe entwenden zu können. In mühevoller nächtlicher Arbeit deponierte er diese in einer Säule im Bürgerbräukeller gleich hinter dem Rednerpult, um sich dann noch rechtzeitig in die Schweiz absetzen zu können. Detonationszeitpunkt war der 08. November 1939 um 21:20 Uhr. In diesem Jahr verlief die Rede Hitlers allerdings anders als sonst: Es war Krieg und Hitler wollte seinen Auftritt zunächst sogar absagen, entschied sich dann aber doch dafür. Am gleichen Abend wollte er zurück nach Berlin fliegen, weshalb sein Auftritt vorverlegt wurde. Aufgrund schlechter Sichtbedingungen war ein Rückflug aber nicht möglich. Hitler hielt sich bei seiner Rede kurz und verließ bereits um kurz nach 21 Uhr den Bürgerbräukeller, da am Münchner Hauptbahnhof ein Sonderzug bereitstand, der um 21:30 Uhr abfahren sollte. Auch viele der Zuhörer hatten das Gebäude bereits verlassen, als die Zeitbombe planmäßig um 21:20 Uhr detonierte. Durch die Detonation brach die Säule zusammen und die Deckenkonstruktion stürzte auf die Rednertribüne. Es gab acht Tote, u.a. eine Aushilfskellnerin, und viele Verletzte. Wäre Hitlers Auftritt wie im Jahr zuvor verlaufen, hätte die Sache wahrscheinlich anders ausgesehen. Elser wurde an der Schweizer Grenze aufgegriffen und verriet sich durch eine Ansichtskarte des Bürgerbräukellers und Teile eines Zünders in seiner Tasche.

Anhand dieser und noch vieler weiterer Beispiele wird erkennbar, wie das Wetter Einfluss auf die Geschichte nehmen kann.

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Flache Kaltluftschicht und große Tagesgänge

Eine trockene Luftmasse, wolkenlose Bedingungen und möglichst wenig Wind – dies sind die Bedingungen, die es für niedrige Tiefstwerte braucht. All diese Voraussetzungen waren in der Nacht zum Mittwoch verbreitet und in der Nacht zum Donnerstag gebietsweise erfüllt. Ein klarer Himmel ist notwendig, damit der Boden effektiv Wärme in den Weltraum abstrahlt. Eine Wolkendecke würde für Gegenstrahlung Richtung Boden sorgen. Eine trockene Luftmasse ist wichtig, da sonst bei Abkühlung bald 100 % Luftfeuchtigkeit erreicht wären, Nebel entstehen würde und ein weiteres Abkühlen nur langsam voranschreiten würde. Schwacher Wind ist vonnöten, da sonst die sich bildende bodennahe Kaltluftschicht (kalte Luft ist schwerer als warme Luft) mit darüber liegender wärmerer Luft durchmischt werden würde.

Flache Kaltluftschicht und grosse Tagesgaenge 1

Zeitreihe der Temperatur in verschiedenen Höhen in Hamburg vom 21. bis 23.04.2026. (Quelle:https://wettermast.uni-hamburg.de/frame.php?doc=Home.htm)

In der Nacht zum Mittwoch gab es abgesehen vom Südwesten verbreitet leichten Frost. Von Gipfellagen und einzelnen notorisch kalten Tallagen abgesehen war es besonders kalt in Bad Königshofen in Unterfranken (-3,6 Grad), in Sohland an der Spree (Sachsen) mit -3,5 Grad und im Norden von Schleswig-Holstein mit -3,4 Grad.

Wie flach die Kaltluftschicht tatsächlich war, lässt sich gut anhand des „Wettermastes“ in Osten von Hamburg dokumentieren. An diesem Mast sind in verschiedenen Höhen vom Boden bis in 280 Meter Höhe Messinstrumente vom meteorologischen Institut der Universität Hamburg angebracht. Diese messen unter vielen anderen Messgrößen die Temperatur. In Abbildung 2 ist die Temperatur der verschiedenen Höhen als Zeitreihe dargestellt. Am Dienstagabend sieht man die beginnende Abkühlung in allen Luftschichten, die aber umso ausgeprägter war, je tiefer sich der Messfühler befand. Ab 22 Uhr waren tiefere Luftschichten kälter als darüberliegende. Es hatte sich eine Inversion (inverse Temperaturschichtung) eingestellt. Kurz nach Sonnenaufgang zwischen 6:00 Uhr und 6:30 Uhr wurden die Tiefstwerte erreicht. Zwischen 2 m und 110 m Höhe betrug die Differenz etwa 10 Kelvin (-1 Grad in 2 m und +9 Grad in 110 m Höhe). Die mit Gras bewachsene Oberfläche des Bodens war sogar -6 Grad kalt. Nach Sonnenaufgang erwärmten sich die bodennahen Schichten durch die solare Strahlung rasch und die normale Temperaturschichtung stellte sich wieder ein. Mit knapp 17 Grad am Nachmittag wurde es trotz der niedrigen Startwerte noch mild. Der Tagesgang zwischen Tiefst- und Höchstwert betrug etwa 18 Grad. Gebietsweise wurden sogar Tagesgänge um 20 Grad erreicht, wie zum Beispiel in Celle mit 20,5 Grad (-1,5/19 Grad).

Flache Kaltluftschicht und grosse Tagesgaenge 2

Messwerte: Tiefstwerte der Temperatur in 2 m Höhe am 22. und 23.04.2026

In der Nacht zum Donnerstag zogen im Norden Wolken auf und bereits das Fehlen eines der drei Parameter führte zu deutlich höheren Nachtwerten über dem Gefrierpunkt. In der Mitte und im Süden des Landes wiederholte sich das Spiel der Nacht zuvor aber wieder. Örtlich wurden erneut -3 bis -4 Grad gemessen. Deutschlandweit am wärmsten waren die etwas erhöhten Lagen im Südwesten. In Bad Bergzabern in der Pfalz sank die Temperatur nicht unter 8,1 Grad, in der Tallage Kaiserslautern dagegen bis auf 0,3 Grad.

Flache Kaltluftschicht und grosse Tagesgaenge 3

Prognose (MOS): Tiefstwerte der Temperatur in 2 m Höhe am 24. und 25.04.2026

In den kommenden Nächten wird es zwar allmählich etwas milder. Im Süden ist die Frostgefahr aber noch nicht gebannt. Besonders in ländlichen Tallagen wird es auch in den Nächten zum Freitag und Samstag leichten Frost geben. Im Norden sorgen dagegen Wolken und Wind für mildere Nächte.

M.Sc. Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.04.2026
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Über Erhaltungsgrößen – und eine grell-bunte Animation

In der Physik sind Erhaltungssätze weit mehr als nur mathematische Regeln. Sie sind ein grundlegendes Werkzeug zur Beschreibung physikalischer Systeme und zeigen nicht nur auf, was in einem solchen System passiert, sondern auch, welche Entwicklungen unmöglich sind – so etwas wie die unsichtbaren Leitplanken unseres Universums. Etwas Ordnung im Chaos.

Das Standardbeispiel für Erhaltungssätze aus der klassischen Physik ist die fallende Birne – oder so ähnlich. Grundlegender Ansatz ist die Energieerhaltung – Lageenergie (Birne auf Baum) wird in Bewegungsenergie (Birne fällt zu Boden) umgewandelt, die Gesamtenergie bleibt erhalten. Die mathematische Beschreibung – hergeleitet als eine einzelne lineare Differenzialgleichung (hier nur erwähnt für den danach folgenden Kontext) – führt zu einer stabilen und intuitiven Lösung: Eine Änderung der Fallhöhe geht einher mit einer Änderung der Aufprallgeschwindigkeit. Bezieht man die Luftreibung in Abhängigkeit von der Fallgeschwindigkeit mit ein, so wird die zugrundeliegende Differenzialgleichung nichtlinear, die Berechnung wird ein wenig komplizierter, das System bleibt jedoch trotzdem gut berechenbar und intuitiv.

Die Ordnung im Chaos ist etwas schwerer zu finden in der Beschreibung der Dynamik der Erdatmosphäre, wo Chaos nicht nur ein abstrakter Begriff aus der antiken griechischen Mythologie ist, sondern als naturwissenschaftliches Konzept die Grenzen der Vorhersagbarkeit beschreibt. Dem zugrunde liegen in der mathematischen Beschreibung der Atmosphärendynamik – im Vergleich zur fallenden Birne – ein ganzer Satz an gekoppelten, nicht-linearen Differenzialgleichungen. Die zu berechnenden Größen in diesen Gleichungen beeinflussen sich gegenseitig in komplexen Rückkopplungsschleifen. Das macht das System nicht nur sehr schwer berechenbar und unintuitiv, sondern führt auch zu einer teils extremen Sensitivität den Anfangsbedingungen gegenüber – kleine Änderungen im Grundzustand können zu völlig verschiedenen Lösungen des Systems führen.

Die Erhaltung von Masse und Energie fließt auch in die mathematische Beschreibung der Atmosphärendynamik mit ein, führt hier jedoch nicht unmittelbar zu einer einfacher nachvollziehbaren Beschreibung der Luftmassenbewegungen. Auf der Suche nach Erhaltungsgrößen mit interpretierbaren Eigenschaften werden generell Annahmen zur Vereinfachung des beschriebenen Systems getroffen. Der geneigten Thema-des-Tages-Leserschaft ist vielleicht schon häufiger die sogenannte Vorticity begegnet, ein mathematischer Ausdruck für die Wirbelhaftigkeit von Strömungen. Bildet man die Summe aus der der Strömung inhärenten (relativen) Vorticity und der durch die Rotation der Erde gegebenen (planetaren) Vorticity, so ist diese unter bestimmten Bedingungen – insbesondere der Annahme von Barotropie – erhalten. Daraus ergeben sich erstaunlich intuitive Lösungsansätze für die großskalige Dynamik in der Atmosphäre, die Ausbildung von Rossby-Wellen durch das Wechselspiel von relativer und planetarer Vorticity.

Eine Erhaltungsgröße lässt sich als Zusammenspiel der zugrunde liegenden Annahmen, unter denen sie gültig ist, und ihrer mathematischen Komplexität verstehen. Je weniger restriktiv die Annahmen sind, desto komplexer ist in der Regel die entsprechende Erhaltungsgröße – wenn sich denn eine finden lässt. In diesem Sinne erkaufen wir uns die Verallgemeinerung auf dreidimensionale Strömungen in einer baroklinen (nicht-barotropen) Atmosphäre durch eine etwas komplexere Erhaltungsgröße – die potenzielle Vorticity, oder PV.

Die potenzielle Vorticity lässt sich „vereinfacht“ als eine Kombination aus drei Dingen verstehen: der Wirbelhaftigkeit der Luft, der Dichte- bzw. Temperaturschichtung der Atmosphäre und der Dehnung oder Stauchung von Luftpaketen. Anschaulich gesprochen beschreibt die PV, wie sich ein Luftpaket dreht und wie es in der vertikalen Struktur der Atmosphäre eingebettet ist.

Ihre besondere Stärke liegt darin, dass sie unter vielen realistischen Bedingungen erhalten bleibt und damit entlang der Strömung mitgeführt wird. Gleichzeitig trägt sie selbst einen wesentlichen Teil der dynamischen Eigenschaften der Strömung in sich und beschreibt diese gewissermaßen mit. Die PV reduziert somit komplexe Strömungsmuster auf eine einzelne Größe – eine Art Fingerabdruck von Luftmassen, mit dem sich großräumige Entwicklungen in der Atmosphäre besser verstehen lassen.

Ueber Erhaltungsgroessen und eine grell bunte Animation

Animation der aus Modelldaten berechneten potenziellen Vorticity in der Höhenströmung (der Vollständigkeit halber: auf der 320 K Isentrope), in 3-Stunden Schritten vom 21.04.2026 00 UTC bis zum 24.04.2026 00 UTC. (Quelle :DWD,ICON Modell)

Die versprochene farbenfrohe Animation zeigt die Entwicklung der potenziellen Vorticity (PV) im Verlauf dieser Woche, berechnet aus Modelldaten des deutschen ICON-Modells. Dargestellt ist die PV auf einer sogenannten isentropen Fläche, also einer Fläche konstanter potenzieller Temperatur. Ohne zu sehr ins Detail zu gehen, gilt: Die Bewegung von Luftmassen entlang solcher Flächen ist eine der zentralen Annahmen, unter denen die PV auf den betrachteten Skalen näherungsweise erhalten bleibt. Glücklicherweise ist diese Annahme kaum einschränkend, da Luftmassen auf diesen Skalen nur wenig Wärme mit ihrer Umgebung austauschen und sich daher ohnehin weitgehend entlang isentroper Flächen bewegen.

Die Animation macht sichtbar, wie PV mit der Höhenströmung verfrachtet wird – die hier betrachtete 320-Kelvin-Isentrope liegt im Bereich der oberen Troposphäre und unteren Stratosphäre. Dabei wird hohe PV durch großskalige Wellen in der Höhenströmung in Richtung Äquator transportiert. Beim Brechen dieser Wellen entstehen charakteristische PV-Filamente sowie abgeschlossene PV-Anomalien, wie hier über dem Atlantik zu erkennen ist. Die hohen PV-Werte dieser Anomalie geben nicht nur Hinweise auf die Herkunft der Luftmasse, sondern sind – über die Vorticity – auch mit einem zyklonalen Windfeld verknüpft. Das zeigt sich in der gegen den Uhrzeigersinn gerichteten Rotation der Anomalie.

Um den Rahmen nicht zu sprengen müssen wir es leider vorerst bei dieser Motivation und grundlegenden Einführung der PV belassen. Warum sie im Grundzustand in hohen Breiten hohe Werte aufweist und Richtung Äquator niedrige, was das mit der Lage der Tropopause zu tun hat, und wie und warum man PV Strukturen in Satellitenbildern erkennen kann erläutern wir an dieser Stelle in einem folgenden Thema des Tages.

Dr. rer nat. Thorsten Kaluza (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Hoch ULI und die späten Nachtfröste

Prominent „thront“ Hoch ULI auf der Wetterkarte bei Island. Mit mehr als 1040 Hektopascal Kerndruck ist ULI nicht nur ein kräftiges, sondern auch ein umfangreiches Hoch. Sein Einfluss erstreckt sich über große Teile Europas. Auch das Wetter in Deutschland wird maßgeblich von ULI bestimmt.

Hoch ULI und die spaeten Nachtfroeste

Die Bodendruckkarte vom 21.04.2026 zeigt ein umfangreiches Hoch bei Island mit einem Kerndruck von über 1040 Hektopascal

In einem großen Bogen wird im Uhrzeigersinn Luft um das Hoch herum nach Mitteleuropa geführt. Mit einer nordöstlichen Strömung hat den Norden Deutschlands heute bereits trockene und kühle Luft polaren Ursprungs erreicht. Noch vor wenigen Tagen befand sich diese Luftmasse in der Nähe von Spitzbergen. Auf ihrem Weg nach Süden hat sie sich zwar etwas erwärmt, aber kaum Feuchtigkeit aufgenommen. Dies hat nicht nur Auswirkungen auf die Bewölkung, sondern auch auf die Nachttemperaturen, aber dazu etwas später. Während also im Norden bei Temperaturen um 13 Grad die Sonne nahezu ungestört scheint, liegt im Süden noch eine feuchtere Luftmasse. Dichte Wolken und Schauer sind das Ergebnis.

In der Nacht zum Mittwoch setzt sich die kühl-trockene Luft auch im Süden durch. Die Wolken lösen sich auf und bei schwachem Wind sinkt die Temperatur deutschlandweit kräftig ab. Mittwochfrüh werden Tiefstwerte zwischen -3 und +5 Grad erwartet. Im Westen gibt es nur örtlich Frost, sonst liegen die Tiefstwerte gebietsweise unter dem Gefrierpunkt.

Leichte Fröste Ende April waren in der Vergangenheit keine Seltenheit, befinden wir uns doch immerhin noch drei Wochen vor den Eisheiligen. In Anbetracht der Erwärmung des hiesigen Klimas und des dadurch früheren Vegetationsbeginns hat sich auch die spätfrostrelevante Zeit nach vorne verschoben. Eine Grafik vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie zeigt mit Daten des Deutschen Wetterdienstes den über die Jahrzehnte nach vorn verschobenen Beginn der Apfelblüte. Zwischen dem Zeitraum 1961-1990 und 1997-2020 hat sich der Beginn vom 6. Mai auf den 25. April um 11 Tage nach vorne verschoben. Zuletzt gab es Jahre, die nochmals einen um rund 15 Tage früheren Blühbeginn zeigten. Besonders früh blühten die Apfelbäume in Hessen 2024 (8. April).

Hoch ULI und die spaeten Nachtfroeste 1

Im Zeitverlauf seit 1961 immer früherer Beginn der Apfelblüte in Hessen. Auch 2026 ist der Beginn etwas früher als im langjährigen Mittel. Quelle: HLNUG/DWD

Südwesten hat die Apfelblüte bereits begonnen, wenige Tage früher als im langjährigen Mittel. Damit wären diese Regionen besonders durch mögliche Auswirkungen von Spätfrösten der kommenden Tage gefährdet. Glücklicherweise sind gerade diese Regionen weniger von Frösten betroffen. In der Nacht zum Mittwoch gibt es vor allem im Norden, Osten, der Mitte und im Südosten gebietsweise leichte Fröste bis -3 Grad. In der Nacht zum Donnerstag ist dann vor allem Süddeutschland von gebietsweise leichten Frösten betroffen. Die tiefen Lagen des Südwestens bleiben allerdings verbreitet frostfrei. In den Folgenächten nimmt die Frostgefahr auch im Süden ab, in ungünstigen Lagen kann es dort aber weiterhin in den Frühstunden kurzzeitig unter null Grad gehen. Damit ist die Gefahr aber noch nicht gebannt. Für das kommende Wochenende ist ein erneuter Kaltluftvorstoß von Norden wahrscheinlich. Die Intensität der Kaltluft und die Frage, wie weit diese nach Süden vordringen kann, unterliegen aber noch größeren Unsicherheiten.

Hoch ULI und die spaeten Nachtfroeste 2

Die prognostizierten Minima zeigen für die kommenden Nächte gebietsweise Fröste, vor allem für die Nacht zum 22.04.2026.

M.Sc. Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Heftige Regenfälle im Osten und Nordosten

Am gestrigen Sonntag (19.04.) leiteten teils kräftige Gewitter und Starkregenfälle endgültig die konvektive Saison des Jahres 2026 ein. Entlang und im Vorfeld einer Kaltfront entwickelten sich in einer für die Jahreszeit ungewöhnlich feuchten und instabilen Luft insbesondere über der Mitte und an den Alpen sowie in Teilen des Ostens Gewitter, die neben örtlichem Hagel und stürmischen Böen vor allem Starkregen brachten. Dieser trat zunächst noch eher lokal auf. Das änderte sich ab dem Nachmittag. Die Gewitter „verclusterten“ zunehmend und bildeten entlang der stationär gewordenen Front ein größeres, zusammenhängendes Regengebiet über dem Osten und Nordosten aus. Die Niederschläge nahmen demnach eher Dauerregencharakter an und hielten über die Nacht bis weit in den Montag hinein an (siehe Radar-Animation in Abbildung 1).

Heftige Regenfaelle im Osten und Nordosten 1
Radar-Animation von Sonntag (7 Uhr) bis Montag (12 Uhr).

Die DWD-Wetterstationen registrierten im Osten und Nordosten verbreitet Mengen von 30 bis 50 l/qm, in Brandenburg und Mecklenburg stellenweise sogar bis zu 80 l/qm (siehe Abbildung 2, rechts). Ansonsten brachten Gewitter und Starkregen meist Mengen von 15 bis 30 l/qm, allerdings häufig in kurzer Zeit. Im linken Teil der Abbildung sind die Blitze dargestellt, anhand derer man die Gewittertätigkeit erahnen kann. Insgesamt traten binnen 24 Stunden über 43.000 Blitze auf, mit Schwerpunkten über der Mitte und am Alpenrand.

Heftige Regenfaelle im Osten und Nordosten 2

24-stündige Blitze bis Sonntag (21 Uhr) und 48-stündiger Niederschlag bis Montag (13 Uhr).

Angesichts der hohen Niederschlagsmengen mag es erstaunen, dass keine größeren Schäden aufgetreten sind. Aber zum einen fielen die Mengen relativ gleichmäßig über einen längeren Zeitraum, zum anderen ist die betroffene Region durch ihre orographischen Eigenschaften wie Relief und Bodenbeschaffenheit nicht so anfällig gegenüber größeren Niederschlagsmengen wie beispielsweise der Mittelgebirgsraum. Dazu kommt noch die sehr trockene Vorgeschichte, wodurch Böden, Bäche und Flüsse verhältnismäßig große Wasseraufnahmekapazitäten aufwiesen.
Generell dürften viele, insbesondere die Landwirte, angesichts dieser unverhofft ergiebigen „Bewässerung“ erleichtert sein, verläuft das Frühjahr doch gerade im Osten bisher außerordentlich niederschlagsarm. Leider war es das auch erst mal: Nach Abzug letzter Regenfälle setzt sich im Wochenverlauf wieder trockenes Hochdruckwetter ein – und nennenswerte Niederschläge deutet sich auch mittelfristig erst mal nicht mehr an.

Dipl.-Met. Adrian Leyser Sturm
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.04.2026
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