In der ersten Oktoberhälfte dominierten außergewöhnlich langanhaltende Hochdruckwetterlagen, die vielerorts noch nicht von Hochnebel geprägt waren. Das sorgte nicht nur für ein Plus bei der Sonnenscheindauer, sondern bescherte uns auch zahlreiche klare Nächte mit häufig trockener Luft. Die inzwischen wieder längeren Nächte boten damit ideale Bedingungen für die Astrofotografie. Die im DWD-Originalbeitrag gezeigte Aufnahme entstand mit einem Amateurgerät südlich von Frankfurt. Sie zeigt die Nebel IC 59 und IC 63; IC 63 wird auch „Geist der Kassiopeia“ genannt.
Logo: Deutscher Wetterdienst. Ersatzabbildung; das Originalfoto ist im verlinkten DWD-Beitrag zu sehen.
Die beiden Nebel befinden sich im Sternbild Kassiopeia, das aufgrund seiner charakteristischen Form auch als Himmels-W bekannt ist. Ihren Namen verdanken sie ihrem geisterhaften Aussehen. Sie bestehen aus interstellarem Gas und Staub, die vom hellen Stern Gamma Cassiopeiae angestrahlt werden. Dieser befindet sich nur wenige Lichtjahre von den Nebeln entfernt. Während IC 59 überwiegend das Licht des Sterns reflektiert und dadurch bläulich erscheint, handelt es sich bei IC 63 sowohl um einen Reflexions- als auch um einen Emissionsnebel. Hier wird zusätzlich Wasserstoff durch die intensive UV-Strahlung des Sterns ionisiert und zum Leuchten angeregt. Das dabei entstehende H-alpha-Licht sorgt für die charakteristische rötliche Färbung. Die gesamte Nebelregion ist etwa 500 bis 600 Lichtjahre von uns entfernt.
Für die Aufnahme kam ein 10-Zoll-Newton-Teleskop auf einer sogenannten parallaktischen Montierung zum Einsatz. Diese gleicht die scheinbare Bewegung der Sterne aus, sodass auch lange Belichtungszeiten möglich sind. Als Kamera diente eine speziell gekühlte Astrokamera, die das Bildrauschen reduziert.
Voraussetzung für ein solches Foto ist allerdings nicht allein ein wolkenfreier Himmel. Auf seinem Weg durch die Atmosphäre wird das Sternenlicht durch verschiedene Einflüsse abgeschwächt und verändert. Dabei spielen insbesondere die Lichtverschmutzung, die Transparenz der Atmosphäre und die Luftunruhe eine wichtige Rolle.
Der wohl größte Störfaktor bei der Astrofotografie ist die Lichtverschmutzung. Durch künstliche Beleuchtung wird die Nacht zunehmend zum Tag. Das Licht wird an Luftmolekülen und Aerosolen in der Atmosphäre gestreut und hellt dadurch den Nachthimmel auf. Bei einem dunklen Himmel lassen sich mit bloßem Auge tausende Sterne erkennen und sogar die Milchstraße beobachten. In größeren Städten sind dagegen häufig nur noch die hellsten Sterne sichtbar. Viele Menschen, die in Ballungsräumen aufgewachsen sind, haben die Milchstraße deshalb noch nie mit eigenen Augen gesehen.
Da das im DWD-Originalbeitrag gezeigte Foto im lichtverschmutzten Rhein-Main-Gebiet entstanden ist, droht der lichtschwache Nebel im aufgehellten Nachthimmel zu verschwinden. Abhilfe schafft eine lange Gesamtbelichtungszeit: Dazu werden zahlreiche Einzelaufnahmen angefertigt und anschließend zu einem Bild zusammengerechnet. In diesem Fall wurden etwa 480 Einzelbilder mit jeweils 100 Sekunden Belichtungszeit aufgenommen. Für den roten Anteil des Nebels kam zusätzlich ein spezieller Linienfilter zum Einsatz, der vor allem das Licht des ionisierten Wasserstoffs durchlässt und einen Großteil des störenden Stadtlichts unterdrückt. Dafür wurden weitere rund zehn Stunden belichtet. Insgesamt ergibt sich so eine Belichtungszeit von mehr als 23 Stunden.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Transparenz der Atmosphäre. Bei hoher Luftfeuchtigkeit können sich Dunst oder Nebel bilden, die das Sternenlicht streuen und den Kontrast verringern. Auch Aerosole und feine Schwebeteilchen in der Luft können die Sicht auf lichtschwache Objekte beeinträchtigen. Besonders günstige Bedingungen herrschen daher bei einer möglichst klaren, aerosolarmen und trockenen Luftmasse. Nicht zuletzt deshalb befinden sich viele große astronomische Observatorien in trockenen Regionen, beispielsweise in Wüstengebieten.
Eine trockene und transparente Atmosphäre ist allerdings noch keine Garantie für gute Beobachtungsbedingungen. Gerade bei hohen Vergrößerungen spielt die sogenannte Luftunruhe eine entscheidende Rolle. Dabei wird das Licht durch Turbulenzen in der Atmosphäre ständig unterschiedlich stark gebrochen und abgelenkt. Die Sterne scheinen dadurch zu funkeln. Im Teleskop beginnt das Bild zu flimmern und verliert an Schärfe. Astronomen bezeichnen diese Bildunschärfe als „Seeing“. Eine Nacht kann somit einen sehr klaren Himmel bieten, aber aufgrund starker Luftunruhe trotzdem schlechte Bedingungen für astronomische Beobachtungen aufweisen.
Um die störenden Einflüsse der Erdatmosphäre zu umgehen, wurden Weltraumteleskope wie das Hubble- und das James-Webb-Weltraumteleskop außerhalb der Erdatmosphäre stationiert. Sie können das Universum ohne die durch Wolken, Aerosole und atmosphärische Turbulenzen verursachten Beeinträchtigungen beobachten.
Zu Zeiten der chemischen Fotografie waren solche Aufnahmen vor allem großen Observatorien oder wenigen Spezialisten mit entsprechendem Aufwand vorbehalten. Durch die digitale Fotografie lassen sich heute auch mit vergleichsweise erschwinglichen Amateurgeräten erstaunliche Details sichtbar machen. Moderne, zunehmend auch durch künstliche Intelligenz unterstützte Bildverarbeitungsverfahren ermöglichen es zudem, Bildrauschen zu reduzieren, Helligkeitsgradienten zu korrigieren und die Bildschärfe zu verbessern. Selbst die Auswirkungen des astronomischen Seeings lassen sich durch spezielle Verfahren teilweise verringern. Die physikalischen Grenzen der Atmosphäre können sie allerdings nicht vollständig aufheben.
Dipl.-Met. Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.11.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
Quelle: Deutscher Wetterdienst – Thema des Tages vom 05.11.2026. Text: Dipl.-Met. Christian Herold, Deutscher Wetterdienst, Vorhersage- und Beratungszentrale, Offenbach. DWD-Text unter CC BY 4.0. Redaktionelle Bearbeitung: Schreibweise des Sternbilds im Titel korrigiert, Bezeichnung des Nebels IC 63 präzisiert, Bildverweise an die Ersatzabbildung angepasst und Absätze für Windinfo formatiert. Das Originalfoto wurde mangels eindeutiger Rechteangabe durch das vorhandene DWD-Logo ersetzt.
https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png500500WINDINFOhttps://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.pngWINDINFO2026-11-05 12:00:002026-11-05 19:09:59Der Geist in der Kassiopeia
Wasser ist allgegenwärtig. Rein chemisch betrachtet besteht ein Wassermolekül aus zwei Wasserstoffatomen und einem Sauerstoffatom. Es ist farb-, geruch- und geschmacklos. Unter Normaldruck gefriert es bei 0 Grad Celsius und siedet bei 100 Grad Celsius. Das klingt zunächst wenig spektakulär. Doch physikalisch betrachtet hat Wasser einiges zu bieten.
Eine Besonderheit fällt sofort ins Auge: Wasser kommt auf der Erde ganz selbstverständlich in allen drei Aggregatzuständen vor. In der Atmosphäre befindet es sich als unsichtbarer Wasserdampf, flüssig begegnet es uns als Regen oder in Ozeanen, Seen und Flüssen. In gefrorener Form kennen wir es als Eis, Schnee, Hagel, Graupel oder Reif. Damit prägt Wasser unsere Umwelt auf vielfältige Weise.
Besonders erstaunlich ist die sogenannte Dichteanomalie des Wassers. Während sich die meisten Stoffe beim Abkühlen zusammenziehen und dichter werden, verhält sich Wasser unterhalb von etwa 4 Grad Celsius anders. Seine größte Dichte erreicht es bei dieser Temperatur. Kühlt es weiter ab, dehnt es sich wieder aus. Beim Gefrieren nimmt sein Volumen nochmals zu. Deshalb hat Eis eine geringere Dichte als flüssiges Wasser und schwimmt oben.
Ursache dafür sind die sogenannten Wasserstoffbrückenbindungen zwischen den Wassermolekülen. Sie sorgen dafür, dass sich die Moleküle beim Gefrieren in einer lockeren Struktur anordnen. Das ist für das Leben auf der Erde enorm wichtig: Seen und Teiche frieren von oben nach unten zu. Darunter bleibt flüssiges Wasser als Lebensraum für Fische und andere Organismen erhalten.
Auch der sogenannte Mpemba-Effekt sorgt für Erstaunen. Er beschreibt die Beobachtung, dass heißes Wasser unter bestimmten Bedingungen schneller gefrieren kann als kälteres Wasser. Das widerspricht zunächst unserer Intuition. Tatsächlich lässt sich der Effekt nicht immer beobachten und hängt von verschiedenen Versuchsbedingungen ab. Wer mehr darüber erfahren möchte, findet einen ausführlichen Artikel meines Kollegen Sebastian Altnau im „Thema des Tages vom 19. Februar 2021„.
Eine weitere Besonderheit ist die hohe spezifische Wärmekapazität von Wasser. Einfacher ausgedrückt: Wasser kann große Mengen Wärmeenergie aufnehmen, ohne dass seine Temperatur dabei besonders stark ansteigt. Um ein Kilogramm Wasser um ein Grad Celsius zu erwärmen, sind rund 4200 Joule Energie erforderlich.
Wie viel das ist, zeigt ein Blick auf den Bodensee. Sein Wasservolumen beträgt ungefähr 50 Billionen Liter. Um diese Wassermenge um 10 Grad Celsius zu erwärmen, sind rund 580 Terawattstunden Energie nötig. Zum Vergleich: Der jährliche Stromverbrauch in Deutschland lag 2023 bei gut 500 Terawattstunden. Die Erwärmung des Bodensees um 10 Grad würde also mehr Energie erfordern, als Deutschland in einem ganzen Jahr an Strom verbraucht.
Diese Wärmespeicherfähigkeit wirkt sich auch auf unser Klima aus: Meere und große Seen nehmen im Sommer viel Wärme auf und geben sie im Winter langsam wieder ab. Dadurch wirken sie ausgleichend auf die Temperaturen ihrer Umgebung. Diese Eigenschaft des Wassers stellt gleichzeitig den wichtigsten Puffer unseres Planeten gegen die globale Erwärmung dar.
Wasser besitzt noch viele weitere bemerkenswerte Eigenschaften. Seine hohe Oberflächenspannung ermöglicht es beispielsweise kleinen Insekten, über die Wasseroberfläche zu laufen. Beim Schwitzen hilft uns die Verdunstung von Wasser, überschüssige Körperwärme abzugeben und unsere Körpertemperatur zu regulieren. Wasser ist also weit mehr als eine Flüssigkeit, die wir täglich ganz selbstverständlich nutzen. Seine besonderen Eigenschaften prägen unsere Umwelt, beeinflussen das Klima und ermöglichen Leben, wie wir es kennen.
Bodenfeuchte unter Gras in 0 bis 60 cm Tiefe vom 27. September 2026 (links) und vom 02. November 2026 (rechts) in Prozent der nutzbaren Feldkapazität (% nFK). Bei 100 % nFK ist der pflanzenverfügbare Wasserspeicher bis zur Feldkapazität gefüllt; unter 30 % nFK kann Trockenstress auftreten. Quelle: Deutscher Wetterdienst, CC BY 4.0.
Wie kostbar Wasser ist, zeigt sich auch mit Blick auf die aktuelle Bodenfeuchte. Zwar hat der regenreiche Oktober vor allem im Westen und Norden Deutschlands die Wasservorräte in den oberen Bodenschichten spürbar aufgefüllt. Vom Süden über Teile der Mitte bis in den Osten sind die Böden in der Schicht von 0 bis 60 Zentimetern Tiefe jedoch vielerorts weiterhin deutlich trockener als für Anfang November üblich. Besonders entlang der Donau und im nördlichen Alpenvorland sowie in Teilen Brandenburgs und Sachsen-Anhalts besteht weiterhin ein Bodenfeuchtedefizit.
Akkumulierte Niederschlagsmengen des deutschen Wettermodells ICON (links), des europäischen IFS (Mitte) sowie des amerikanischen Modells GFS (rechts) von Mittwoch, 04. November 2026 00 UTC bis Montag, 09. November 2026 00 UTC in mm (entspricht Liter pro Quadratmeter). Quelle: Deutscher Wetterdienst, CC BY 4.0.
Eine nachhaltige Entspannung ist vorerst nicht in Sicht. In den kommenden Tagen sorgt Hochdruckeinfluss meist für ruhiges und trockenes Wetter. Erst zum Wochenende könnte es in der Südwesthälfte Deutschlands gebietsweise etwas Regen geben. Wenngleich noch einige Modellunsicherheiten bestehen, dürften die Mengen allerdings gering bleiben und vielerorts nur wenige Liter pro Quadratmeter erreichen. Entsprechend wird sich an der teils noch vorherrschenden Trockenheit in den kommenden Tagen kaum etwas ändern.
M.Sc.-Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.11.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
Quelle: Deutscher Wetterdienst – Thema des Tages vom 04.11.2026. Text: M.Sc.-Meteorologe Sebastian Schappert, Deutscher Wetterdienst. Text und DWD-Grafiken unter CC BY 4.0. Redaktionelle Bearbeitung: Absatzgliederung, sprachliche Korrekturen, Präzisierung von Eisdichte, Bodenschicht und Feldkapazität sowie Rundung des Energievergleichs. Grafiken inhaltlich unverändert und responsiv eingebunden.
https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/11/DWD-Bodenfeuchte-Deutschland-September-und-November-2026.png562764WINDINFOhttps://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.pngWINDINFO2026-11-04 12:00:002026-11-04 19:06:21Wasser – Lebensgrundlage und Naturwunder
Hoch KLAUS liegt aktuell bei den Britischen Inseln und verlagert nun seinen Schwerpunkt langsam ostwärts bzw. streckt sich nach Südosten und damit zunehmend in Richtung Deutschland.
Abb. 1: Bodenwetterkarte mit Fronten vom 03.11.2026, 00 UTC (oben) und Vorhersage Bodenwetterkarte für Donnerstag, 05.11.2026 (unten, Modelldaten vom 03.11.2026, 00 UTC). Quelle: Deutscher Wetterdienst, CC BY 4.0.
Auf der Südost- bzw. Südflanke des Hochs ist eine Luftmasse polaren Ursprungs eingesickert, die bei größeren Auflockerungen nachts vor allem in der Mitte und im Süden eine gewisse Frostgefahr mit sich bringt. Dabei muss in der kommenden Nacht zum Mittwoch vor allem im Mittelgebirgsraum sowie in den Alpen mit leichtem Nachtfrost bis -2 Grad gerechnet werden. Mit zunehmenden Wolkenlücken steigt in den kommenden Nächten die Frostgefahr leicht an, insbesondere in der Nacht zum Freitag kann mit Ausnahme des Nordens wahrscheinlich häufig leichter Frost um -2 Grad auftreten.
Die interessanteste Frage ist aber, wo und wie lange sich die Sonne zeigen kann: Am heutigen Dienstag dominiert im Norden entlang einer sich mehr und mehr abschwächenden Front und Feuchtezone dichtere Bewölkung, gelegentlich kann dabei auch etwas Regen nicht ganz ausgeschlossen werden. Im Süden und Südosten sickert mit einer südöstlichen Höhenströmung noch feuchtere Luft letztlich aus dem Mittelmeerraum ein. Dort bleibt es häufig trüb. Dazwischen, also etwa vom Westen bis in die mittleren Landesteile, sind die Chancen auf Sonnenschein am größten. Zum Mittwoch und vor allem Donnerstag wird mit Verlagerung des Hochschwerpunktes zu uns die feuchtere Luft in den genannten Regionen im Norden und Süden/Südosten zunehmend abgedrängt, die Chancen auf Auflockerungen steigen. Nachts geht das zumindest gebietsweise mit einer zunehmenden Nebelneigung einher. In Anbetracht meist geringer Luftbewegung und der fortgeschrittenen Jahreszeit lösen sich die Nebelfelder tagsüber teils nur langsam, teils auch gar nicht auf.
Abb. 2: Tiefstwerte Freitag früh, 06.11.2026 (Modelldaten MOS MIX vom 03.11.2026, 9 UTC). Quelle: Deutscher Wetterdienst, CC BY 4.0.
Im Norden ist es dabei mild um 10 Grad. Sonst hängen die Tageshöchstwerte stark von den Sonnenanteilen ab: Mit längerem Sonnenschein Höchstwerte ebenfalls bei milden 10 bis 12 Grad, im Dauergrau eher nur 3 bis 5 Grad.
Dipl.-Met. Sabine Krüger
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 03.11.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
Quelle: Deutscher Wetterdienst – Thema des Tages vom 03.11.2026. Text: Dipl.-Met. Sabine Krüger, Deutscher Wetterdienst. Text und DWD-Grafiken unter CC BY 4.0. Redaktionelle Bearbeitung: Formatierung und responsive Einbindung der unveränderten Grafiken; Text inhaltlich unverändert.
https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/11/Hoch-KLAUS-–-Bodenwetterkarten-vom-3.-und-5.-November-2026.png924605WINDINFOhttps://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.pngWINDINFO2026-11-03 12:00:002026-11-03 19:07:52Gekommen um zu bleiben
Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.
Besonders warme Orte im Oktober 2026*
Platz
Station
Bundesland
durchschnittliche
Temperatur
Abweichung
1
Helgoland
Schleswig-Holstein
13,8 °C
+2,1 Grad
2
Norderney
Niedersachsen
12,8 °C
+2,0 Grad
3
Borkum-Flugplatz
Niedersachsen
12,6 °C
+1,7 Grad
Vergleichsweise kühle Orte im Oktober 2026*
Platz
Station
Bundesland
durchschnittliche
Temperatur
Abweichung
1
Zinnwald-Georgenfeld
Sachsen
7,0 °C
+1,5 Grad
2
Carlsfeld
Sachsen
7,1 °C
+1,5 Grad
3
Deutschneudorf-Brüderwiese
Sachsen
7,1 °C
+0,0 Grad
Besonders niederschlagsreiche Orte im Oktober 2026**
Platz
Station
Bundesland
Niederschlags-
menge
Anteil
1
Wesselburen
Schleswig-Holstein
181,0 l/m²
203 %
2
Aschau-Stein
Bayern
179,1 l/m²
130 %
3
Erfde
Schleswig-Holstein
169,6 l/m²
196 %
Besonders trockene Orte im Oktober 2026**
Platz
Station
Bundesland
Niederschlags-
menge
Anteil
1
Grambow-Schwennenz
Mecklenburg-Vorpommern
18,7 l/m²
46 %
2
Prenzlau-Ewaldshof
Brandenburg
19,0 l/m²
57 %
3
Gartz (Oder)-Hohenreinkendorf
Brandenburg
19,1 l/m²
57 %
Besonders sonnenscheinreiche Orte im Oktober 2026**
Platz
Station
Bundesland
Sonnenschein-
dauer
Anteil
1
Weilerswist-Lommersun
Nordrhein-Westfalen
174 h
163 %
2
Mönchengladbach-Hilderath
Nordrhein-Westfalen
171 h
150 %
3
Geilenkirchen
Nordrhein-Westfalen
169 h
147 %
Vergleichsweise sonnenscheinarme Orte im Oktober 2026**
Platz
Station
Bundesland
Sonnenschein-
dauer
Anteil
1
Schwarzburg
Thüringen
81 h
71 %
2
Schierke
Sachsen-Anhalt
87 h
82 %
3
Kyritz
Brandenburg
87 h
92 %
Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.
* Monatsmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt
(int. Referenzperiode 1961-1990).
** Die Prozentangaben setzen die gemessene Monatssumme des Niederschlags beziehungsweise der Sonnenscheindauer ins Verhältnis zum vieljährigen Durchschnitt der entsprechenden Monatssummen an der jeweiligen Station (Referenzperiode laut DWD; normal = 100 Prozent).
Die Sonnenscheindauer wird seit August 2024 teilweise aus Satellitendaten abgeleitet.
Hinweis: Einen ausführlichen Monatsrückblick für ganz Deutschland und alle
Bundesländer finden Sie im Internet unter www.dwd.de/presse.
Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst Offenbach, den 02.11.2026 Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
Quelle: Deutscher Wetterdienst – Thema des Tages vom 02.11.2026. Autor: Dipl.-Met. Marcel Schmid. Text und Tabellen unter CC BY 4.0. Redaktionelle Bearbeitung durch WINDINFO: Tabellen für die responsive Darstellung formatiert, Einheiten vereinheitlicht und die Erläuterung der Niederschlags- und Sonnenscheinwerte auf Monatssummen präzisiert. Messwerte und Rangfolge unverändert übernommen.
Beitragsbild: Logo des Deutschen Wetterdienstes, vorhandene lokale Mediathek-Datei. Quelle: DWD.
https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png500500WINDINFOhttps://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.pngWINDINFO2026-11-02 12:00:002026-11-02 19:06:03Deutschlandwetter im Oktober 2026
Chemie, Messtechnik und Mathematik lieferten im 19. Jahrhundert wichtige Grundlagen für die Meteorologie. Teil 24 der DWD-Serie führt von der Entdeckung des Ozons und Eunice Newton Footes Experimenten über mechanische Rechenmaschinen und Windmesser bis zu Ada Lovelaces Arbeiten über Klima und Pflanzenwachstum.
Christian Friedrich Schönbein und das Ozon
Der württembergisch-schweizerische Chemiker und Physiker Christian Friedrich Schönbein (1799−1868) war zunächst im Bereich Pharmazie tätig, ehe er sich der Chemie widmete. Bei Experimenten mit elektrischen Funken Ende der 1830er Jahre nahm Schönbein einen stechenden Geruch wahr und erkannte, dass es sich um den Geruch handelte, der oft nach einem starken Blitzschlag auftritt. 1839 beobachtete er das Gas, das er später Ozon nannte, abgeleitet vom griechischen ὄζειν bzw. „ozein“ (riechen). Aus diesem Grund wird Schönbein die Entdeckung des Ozons zugeschrieben. Er beschrieb diese Entdeckung in einem Brief mit dem Titel „Untersuchungen über die Natur des Geruchs bei bestimmten chemischen Reaktionen“, den er 1840 der Académie des Sciences in Paris vorlegte.
Neben der Entdeckung des Ozons gelang ihm auch die Entdeckung der Schießbaumwolle. Er prägte den Begriff der Geochemie und befasste sich mit biologischen Fragestellungen zum Blut.
Eunice Newton Foote und die Klimawirkung von Kohlenstoffdioxid
Die US-amerikanische Erfinderin und Forscherin Eunice Newton Foote (1819–1888) gehört zu den frühen Pionierinnen der Klimaforschung. 1856 untersuchte sie, wie sich verschiedene Gase in Glaszylindern unter Sonneneinstrahlung erwärmen. Zu den untersuchten Gasen gehörten Luft, Wasserstoff und Kohlenstoffdioxid. Thermometer erfassten die Temperaturveränderungen. Der mit Kohlenstoffdioxid gefüllte Zylinder wurde besonders warm und kühlte anschließend langsamer ab. Foote folgerte daraus, dass eine Atmosphäre mit mehr Kohlenstoffdioxid zu höheren Temperaturen auf der Erde führen könnte. Ihre Arbeit „Circumstances Affecting the Heat of the Sun’s Rays“ wurde 1856 bei einer Tagung der American Association for the Advancement of Science vorgestellt; Joseph Henry trug ihre Ergebnisse vor.
Das Experiment war ein früher Hinweis auf die Klimawirkung von Kohlenstoffdioxid, aber kein eindeutiger experimenteller Nachweis des heutigen physikalischen Verständnisses des atmosphärischen Treibhauseffekts. Insbesondere untersuchte Foote nicht gezielt die Absorption der langwelligen Wärmestrahlung der Erde. Ihre Leistung sollte daher gewürdigt werden, ohne sie pauschal als alleinige Entdeckerin des Treibhauseffekts oder als erste Frau in der meteorologischen Grundlagenforschung zu bezeichnen.
Einweihung des Dudley-Observatoriums am 28. August 1856. Gemälde von Tompkins Harrison Matteson (1857), Albany Institute of History & Art, via Wikimedia Commons. Gemeinfrei; unverändert übernommen. Eine Darstellung Eunice Newton Footes ist nicht gesichert.
Wróblewski und Olszewski: Gase werden flüssig
Der polnische Chemiker und Physiker Zygmunt Wróblewski (1845−1888) aus dem damaligen russischen Grodno (heute Weißrussland bzw. Belarus) befasste sich zunächst mit physikalischen Theorien, ehe er zur Chemie gelangte. Zusammen mit dem polnischen Chemiker, Mathematiker und Physiker Karol Olszewski (1846−1915) aus dem damals österreichischen Galizien gelang Wróblewski erstmals die statische Verflüssigung (Kondensation) von Sauerstoff und Stickstoff. Zunächst konnten beide Forscher im April 1883 erstmals Sauerstoff durch starke Abkühlung und unter hohem Druck in eine ruhige, durchsichtige Flüssigkeit überführen. Nur wenig später glückte ihnen derselbe Durchbruch mit Stickstoff.
Die kritische Temperatur von Sauerstoff beträgt rund 154,58 K, also −118,57 °C. Sie ist eine Stoffeigenschaft und darf nicht mit der Temperatur eines historischen Versuchs verwechselt werden.
Thomas de Colmar und das Arithmometer
Der französische Erfinder und Unternehmer Charles Xavier Thomas oder Charles Xavier Thomas de Colmar (1785−1870) erlangte historische Bedeutung durch die Entwicklung des Arithmometers, der ersten kommerziell erfolgreichen und in Serie produzierten mechanischen Rechenmaschine der Welt. Thomas war französischer Armee-Zahlmeister sowie ein erfolgreicher Versicherungsunternehmer. Er benötigte das Gerät als zuverlässiges Hilfsmittel für umfangreiche kaufmännische und administrative Berechnungen. Er erhielt 1820 das Patent für das Arithmometer. Die Funktionsweise basiert auf dem Prinzip der Staffelwalze und beherrscht alle vier Grundrechenarten (Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division).
Ab etwa 1851 wurde das Arithmometer in Paris in Serie gebaut. Bis etwa 1870 wurden rund 1.000 Stück gefertigt. Die Produktion lief (unter Nachfolgern) bis ca. 1914 weiter. Das Arithmometer prägte über Jahrzehnte hinweg die europäische Rechenmaschinenindustrie und diente als Vorbild für spätere mechanische Rechenmaschinen. Es gilt als Vorläufer des Computers.
Arithmometer von Thomas de Colmar (1852), Technisches Museum Wien. Foto: Dr. Bernd Gross (2016), Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0. Für die Webdarstellung skaliert; Ausschnitte in der Beitragsvorschau ebenfalls unter CC BY-SA 4.0.
Mechanische Rechenmaschinen erleichterten im 19. und frühen 20. Jahrhundert die aufwendige Auswertung großer Messwertsammlungen. Für die Meteorologie waren solche Rechenhilfen etwa bei statistischen Auswertungen und der Erstellung von Klimatabellen nützlich. Ein Arithmometer führte die Grundrechenarten aus; es war noch kein universell programmierbarer Computer und berechnete keine Wettervorhersage selbstständig.
Antoine César Becquerel und elektrische Thermometer
Der französische Physiker Antoine César Becquerel (1788−1878) beschäftigte sich mit Thermoelektrizität und baute ein elektrisches Thermometer, mit dem er die Körpertemperatur von Tieren, die Bodentemperatur in verschiedenen Tiefen und die Lufttemperatur in verschiedenen Höhen maß. Neben seiner Grundlagenforschung in der Elektrochemie interessierte er sich allgemein für Fragen der Meteorologie, des Klimas und der Landwirtschaft.
Charles Babbage, Ada Lovelace und mechanische Rechenmaschinen
Der britische Mathematiker, Philosoph, Erfinder und Ökonom Charles Babbage (1791−1871) gilt weltweit als der „Vater des Computers“, da er die grundlegenden Konzepte für die ersten mechanischen, programmierbaren Rechenmaschinen entwickelte. Seine Visionen nahmen die logische Struktur moderner Computer um mehr als ein Jahrhundert vorweg. Ab 1822 entwarf Babbage mit der Differenzmaschine (Difference Engine) eine mechanische Rechenmaschine, um fehlerfreie astronomische und mathematische Tabellen zu berechnen. Ein Prototyp wurde teilweise gebaut, das Gesamtprojekt scheiterte jedoch an Geldmangel und Fertigungsproblemen. Die Differenzmaschine nutzt die Methode der finiten Differenzen.
Dadurch können Funktionswerte komplexer Polynome allein durch wiederholte Additionen berechnet werden, was menschliche Rechenfehler bei Drucktabellen verhindern sollte. Sie bestand aus tausenden feinmechanischen Zahnrädern, Achsen und Hebeln aus Messing und Stahl, ganz ohne Elektronik. Babbage kritisierte in den 1830er Jahren die mangelnde Qualität und Disziplin bei wissenschaftlichen Messungen, unter anderem in der damals aufstrebenden Meteorologie. Er half mit, Strukturen für bessere Datenstandards zu schaffen. Die später entwickelte Analytical Engine sollte dagegen eine universell programmierbare mechanische Rechenmaschine werden. Vorgesehen waren ein Rechenwerk („Mill“), ein Speicher („Store“), eine Eingabe über Lochkarten und ein Drucker.
Sie blieb zu Babbages Lebzeiten unvollendet. Ada Lovelace erläuterte 1843 in ihren Anmerkungen zu einer Beschreibung der Maschine deren Möglichkeiten und veröffentlichte einen Ablauf zur Berechnung von Bernoulli-Zahlen. Deshalb wird sie häufig als erste Programmiererin bezeichnet.
Georg Scheutz (1785–1873) und sein Sohn Edvard bauten nach Babbages Ideen eine Differenzmaschine. Ein funktionsfähiger Prototyp entstand 1843, eine weiterentwickelte Maschine aus Metall 1853. Diese Geräte berechneten und druckten Tabellen; sie waren keine universellen Computer im heutigen Sinn.
Thomas Romney Robinson und das Schalenkreuz-Anemometer
Der irische Astronom Thomas Romney Robinson (1792−1882) war von 1823 bis zu seinem Tod Direktor der Sternwarte von Armagh. Die meteorologischen Messungen an der Sternwarte begannen im Dezember 1794, tägliche Aufzeichnungen folgten 1795. Die bis heute fortgeführte Reihe ist eine besonders lange Klimadatenquelle. Im erhaltenen Archiv gibt es allerdings eine Lücke von Juni 1825 bis Dezember 1832; vermutlich fehlt ein Beobachtungsbuch. Obwohl er in erster Linie Astronom war, interessierte sich Robinson auch für andere Bereiche der Wissenschaft. In der Meteorologie konzentrierte er sich auf Windmessungen. Robinson erkannte, dass er die frühen Konstruktionen verschiedener Windmesser verbessern konnte, und erfand das erste Schalenkreuz-Anemometer, dessen Grundkonstruktion noch heute bei einigen modernen Anemometern zum Einsatz kommt.
Robinsons Instrument, das er 1846 fertig stellte, bestand aus vier halbkugelförmigen Schalen, die an horizontalen Armen befestigt waren, welche wiederum an einer vertikalen Welle angebracht waren. Robinson ging davon aus, dass sich die Schalen seines Anemometers mit einem Drittel der Windgeschwindigkeit bewegten, doch dies stellte sich später als falsch heraus. Viel später, in den 1920er Jahren, stellten Forscher fest, dass ein Anemometer mit nur drei Schalen gegenüber der Ausführung mit vier Schalen mehrere Vorteile hatte. Robinson installierte sein Anemometer bereits 1846 auf dem Dach des Armagh-Observatoriums. Im Jahr 1847 schloss er eine Uhrwerkvorrichtung an das Gerät an, damit es eine kontinuierliche Aufzeichnung der Windverhältnisse liefern konnte.
Im Jahr 1867 wählte das Board of Trade Armagh als eines von sieben neuen erstklassigen meteorologischen Observatorien auf den Britischen Inseln aus.
George Biddell Airy und vergleichbare Wetterbeobachtungen
Der britische Mathematiker und Astronom Sir George Biddell Airy (1801−1892) erweiterte das wissenschaftliche Spektrum des Greenwich-Observatoriums, indem er innerhalb des Observatoriums eine Abteilung für Magnetismus und Meteorologie unter der Leitung von James Glaisher (siehe Teil 18 der Serie zur Geschichte der Meteorologie) einrichtete. Airy wollte nicht nur die Temperatur ermitteln und deren Auswirkungen auf astronomische Beobachtungen untersuchen, sondern auch ein allgemeineres Programm für meteorologische Untersuchungen aufstellen. Unter Airys Vorgänger waren am Observatorium bereits einige magnetische und meteorologische Messungen durchgeführt worden, doch Airy führte systematische tägliche Messungen der Temperatur und anderer Variablen ein.
Airy experimentierte zudem mit Barometern und Barometerskalen. Als Ergebnis dieser Arbeit wurde von der Firma Short and Mason ein Barometer hergestellt, das als „Airys Höhenbarometer“ bekannt ist und eine von ihm entworfene Skala („Airys Höhenskala“) enthielt. Airy war an der Festlegung des Greenwich-Meridians als Basislängengrad beteiligt, von dem aus andere Längengrade gemessen werden. Für den weltweiten Vergleich von Wetterbeobachtungen ist heute die koordinierte Weltzeit UTC (Coordinated Universal Time) maßgeblich. Sie ist eine internationale, auf Atomzeit beruhende Zeitskala und nicht lediglich ein neuer Name für die historisch aus der Erdrotation abgeleitete Greenwich Mean Time (GMT).
Die synoptischen Haupttermine sind 00, 06, 12 und 18 UTC, unabhängig von der jeweiligen Ortszeit. Viele Stationen messen zusätzlich in kürzeren Abständen.
Lucien Vidie und das Aneroidbarometer
Der französische Ingenieur, Physiker und Erfinder Lucien Vidie oder Lucien Vidi (1805−1866) folgte zunächst seiner Leidenschaft für Dampfmaschinen und Druckmessungen. Seine bedeutendste Leistung ist die Erfindung des Aneroidbarometers 1843, mit der er die meteorologische Messtechnik revolutionierte. Durch seine Erfindung konnten Luftdruckmessungen erstmals ohne die Nutzung gefährlicher und unhandlicher Quecksilbersäulen durchgeführt werden. Vidie entwickelte ein mechanisches Messgerät, das auf einer luftdicht verschlossenen, evakuierten Metallkapsel basiert. Die nach ihm benannten Aneroid- oder Vidie-Dosen verformen sich minimal, je nachdem, wie stark der äußere atmosphärische Druck auf sie einwirkt.
Ein ausgeklügeltes System aus Federn und Hebeln überträgt diese feinen Bewegungen der Kapselwand direkt auf einen Drehzeiger auf der Skala des Geräts. Im Gegensatz zu den bis dahin üblichen Quecksilberbarometern waren Vidies Instrumente kompakt, robust und hervorragend zu transportieren. Sie fanden schnellen Einsatz in der maritimen Navigation und im Haushaltsbereich.
Angelo Secchi und automatische Aufzeichnungen
Der Jesuit, Astronom und Physiker Angelo Secchi (1818−1878) aus dem Herzogtum Modena erfand den Meteorographen, ein automatisches Gerät zur Aufzeichnung von Luftdruck, Temperatur, Windrichtung und -geschwindigkeit sowie Niederschlagsmenge.
Secchi erfand die Secchi-Scheibe, mit der die Wasserdurchsichtigkeit in Ozeanen und Seen gemessen wird. Er untersuchte das Klima in Rom, die Nordlichter, die Auswirkungen von Blitzen und die Ursachen von Hagel. Er untersuchte auch das Erdmagnetfeld. Zwischen 1853 und 1858 entwickelte und errichtete er in Rom ein magnetisches Observatorium; 1858 entstand dort das erste dauerhafte magnetische Observatorium Italiens. Sein Labor umfasste mehrere Instrumente zur Messung der Stärke und Richtung des Erdmagnetfelds, anhand derer er berechnen konnte, wie sich dieses im Laufe der Zeit verändert. Secchi stellte Zusammenhänge zwischen diesen Schwankungen und verschiedenen Arten von Sonnenaktivität her.
Damit war Secchi einer der ersten Wissenschaftler, die sich mit Weltraumwetter befassten.
Auch Fehleranalyse, Statistik und mathematische Bewegungsgleichungen wurden für die Meteorologie wichtig. Der letzte Abschnitt stellt einige dieser Beiträge und Ada Lovelaces Beschäftigung mit Klima und Pflanzenwachstum vor.
Friedrich Wilhelm Bessel und die Fehleranalyse
Der preußische Astronom Friedrich Wilhelm Bessel (1784−1846) gehörte zu den Ersten, die erkannten, dass verschiedene Fehlerquellen bei astronomischen Beobachtungen beseitigt werden mussten, bevor man sich auf diese Beobachtungen verlassen konnte. So wusste er beispielsweise, dass atmosphärische Effekte wie die Lichtbrechung einen erheblichen Einfluss auf seine Beobachtungen haben konnten. Bessel vertraute auf die Qualität der Beobachtungen der britischen Astronomen James Bradley (1692−1762) und Nevil Maskelyne (1732−1811) aus Greenwich, da diese in ihren Arbeiten Faktoren analysiert hatten, die ihre Messungen beeinflussen konnten, darunter die Temperatur und der Druck der Atmosphäre.
Bessel nutzte Bradleys Beobachtungen, um Brechungstabellen zu erstellen. Bei seinen eigenen Beobachtungen bemühte sich Bessel, alle Fehlerquellen (optische, mechanische und meteorologische) zu beseitigen, um Daten zu erhalten, die wesentlich zuverlässiger waren als jene aus früheren Arbeiten, bei denen die Fehlerquellen außer Acht gelassen worden waren. Die Methoden der Fehleranalyse gingen im Nachgang auch in die Meteorologie ein.
Adolphe Quetelet und die internationale Meteorologie
Der belgische Astronom und Statistiker Adolphe Quetelet (1796−1874) trieb die Gründung der Brüsseler Sternwarte voran. Der Gründungsbeschluss stammt von 1826; 1828 wurde Quetelet zum Astronomen und Direktor ernannt. Die Sternwarte sollte zur Basis für seine umfangreichen magnetischen und meteorologischen Beobachtungen werden. Er widmete sich der Anwendung statistischer Verfahren auf meteorologische Daten und beschrieb das Klima Belgiens in seinem Werk „Sur le Climat de Belgique“. Die Königliche Sternwarte war der Vorläufer des heutigen Königlichen Belgischen Meteorologischen Instituts, und Quetelet kann als „Vater“ des meteorologischen Dienstes in Belgien angesehen werden.
Als Direktor der Königlichen Sternwarte war Quetelet einer der belgischen Vertreter bei der Internationalen Konferenz in Brüssel im Jahr 1853 (siehe Teil 17 der Serie zur Geschichte der Meteorologie). Ziel der Konferenz war die Schaffung eines einheitlichen internationalen Systems für meteorologische Beobachtungen auf See. Tatsächlich handelte es sich hierbei um das früheste formelle Treffen, bei dem eine bedeutende internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Meteorologie sowohl geplant als auch umgesetzt wurde. In diesem Sinne kann sie als erste internationale meteorologische Konferenz angesehen werden. Ihr Erfolg ebnete den Weg für die Gründung der Internationalen Meteorologischen Organisation (IMO) 20 Jahre später, der Vorgängerin der Weltorganisation für Meteorologie (WMO).
Quetelet wurde einstimmig zum Präsidenten der Internationalen Seekonferenz gewählt. Quetelet führte auch einige Beobachtungen der Nordlichter (Aurora borealis) durch, darunter jene, die während des Sonnensturms vom 28. August bis zum 2. September 1859 auftraten.
Von Cauchy und Navier-Stokes zu den Wettermodellen
Verschiedene Wissenschaftler schufen Grundlagen für die mathematische Beschreibung von Gasen und Flüssigkeiten. Augustin-Louis Cauchy (1789–1857) formulierte die Impulsbilanz eines Kontinuums mithilfe des Spannungstensors. Mit einem geeigneten Materialgesetz für newtonsche Fluide erhält man die Navier-Stokes-Gleichungen, benannt nach Claude Louis Marie Henri Navier (1785–1836) und George Gabriel Stokes (1819–1903).
Siméon Denis Poisson (1781–1840) trug unter anderem zur Thermodynamik bei; seine Beziehungen für adiabatische Zustandsänderungen idealer Gase sind in der Atmosphärenphysik wichtig. Für Wettermodelle werden die Bewegungsgleichungen im mit der Erde rotierenden Bezugssystem formuliert und mit Gleichungen für Massenerhaltung, Energie und Feuchte sowie einer Zustandsgleichung verbunden. So lassen sich die Entwicklung von Wind, Temperatur und weiteren Größen berechnen.
Arnold Guyot und meteorologische Tabellen
Der schweizerisch-US-amerikanische Naturforscher und Geograph Arnold Guyot (1807−1884) kompilierte im Auftrag der Smithsonian Institution ab den 1850er-Jahren wegweisende meteorologische und physikalische Datentabellen. Das als Standardwerk etablierte Buch erschien erstmals 1852 unter dem Titel „A Collection of Meteorological Tables, with other tables useful in practical meteorology“. Die umfassende Sammlung enthält Tabellen zu Luftdruck (barometrische Höhenmessung), Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeiten sowie physikalische Umrechnungsformeln für verschiedene Maßeinheiten. Guyots mathematisch-physikalische Tabellen erlangten weltweite Verbreitung und bildeten ein wichtiges Fundament für die moderne Klimatologie und Meteorologie.
Ada Lovelace über Klima und Pflanzenwachstum
Obwohl die britische Mathematikerin Augusta Ada King-Noel, Countess of Lovelace oder Ada Lovelace (1815−1852) vor allem als Pionierin der Informatik bekannt ist, zeigen 2024 wissenschaftlich ausgewertete Briefe aus dem Archiv der Royal Society eine weitere Facette ihrer wissenschaftlichen Arbeit. In einer Korrespondenz aus dem Jahr 1848 mit dem berühmten britischen Astronomen Sir John Herschel (1792−1871) entwickelte Lovelace mathematische Ansätze, um den Einfluss von Klimabedingungen auf das Wachstum von Kulturpflanzen darzustellen. Sie modifizierte dafür bestehende statistische Methoden und bezog physikalische Größen wie die Solarkonstante mit ein.
Diese mathematischen Modelle flossen direkt in einen wissenschaftlichen Artikel über Agrarmeteorologie ein, der formell von ihrem Ehemann, William King-Noel, Earl of Lovelace (1805−1893), veröffentlicht wurde. Da Frauen der direkte Zugang zu vielen wissenschaftlichen Institutionen damals verwehrt blieb, war dies ihr Weg, aktiv an der Forschung teilzuhaben.
Ada Lovelace, Aquarell um 1840, Alfred Edward Chalon zugeschrieben. Quelle: Science Museum, London, via Wikimedia Commons. Gemeinfrei; für die Webdarstellung skaliert.
Die Serie Geschichte der Meteorologie wird fortgesetzt. Der nächste Teil wird weitere Persönlichkeiten vorstellen, die Beiträge und Grundlagenforschung zur Meteorologie im 19. Jahrhundert leisteten.
Dipl.-Met. Markus Eifried Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 01.11.2026 Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
Quelle: DWD, Thema des Tages vom 1. November 2026: Geschichte der Meteorologie – Teil 24. Text: Dipl.-Met. Markus Eifried, Deutscher Wetterdienst, unter CC BY 4.0. Redaktionelle Bearbeitung durch WINDINFO: Einleitung, Zwischenüberschriften und Absätze ergänzt; Formulierungen gestrafft; Einordnung von Footes Experiment, Sauerstofftemperatur, Rechenmaschinen, Armagh-Zeitreihe, UTC/GMT, Secchis Observatorium, Quetelets Ernennung und Poissons Lebensdaten berichtigt beziehungsweise präzisiert. Die Auswertung von Lovelaces Briefen wurde genauer datiert. Drei Originalabbildungen mit den jeweils angegebenen Rechten übernommen; die weitere Fremdabbildung zum Meteorographen wurde mangels abschließend geprüftem Nutzungsnachweis weggelassen.
https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/11/Arithmometer-von-Thomas-de-Colmar-1852-scaled.jpg14192560WINDINFOhttps://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.pngWINDINFO2026-11-01 12:00:002026-11-01 19:05:44Geschichte der Meteorologie – Teil 24: Meteorologie im 19. Jahrhundert (d)
Wetterhütten, Wolkenklassifikation und die Dynamik der Atmosphäre prägten die Meteorologie im 19. Jahrhundert. Teil 23 der DWD-Serie stellt Forschende aus Asien, Europa und Amerika sowie ihre Beiträge vor.
Wir beginnen mit einem Wissenschaftler aus Asien, der besonders prägend für die Meteorologie auf dem indischen Subkontinent war. Nachfolgend werden Forscher aus Europa und Amerika vorgestellt.
Radhanath Sikdar und regelmäßige Wetterbeobachtungen in Indien
Der indische Mathematiker Radhanath Sikdar (1813−1870) aus Bengalen war von 1852 bis 1862 Leiter der Wetterwarte in Kalkutta (Kolkata). Seine erste Aufgabe bestand darin, eine Tabelle zur Umrechnung barometrischer Beobachtungen auf eine Standardtemperatur von 32 °F (0 °C) zu erstellen. Dazu entwickelte er die erforderliche Formel, basierend auf der bekannten thermischen Ausdehnung und Kontraktion der Messingskala des Barometers und des Quecksilbers selbst in Abhängigkeit von der Temperatur. Dies war notwendig, um den Vergleich von bei unterschiedlichen Temperaturen gemessenen Druckwerten zu ermöglichen. Vor 1852 hatte das Observatorium nur unregelmäßige Beobachtungen durchgeführt. Sikdar richtete umgehend ein Programm regelmäßiger stündlicher Wetterbeobachtungen ein, welches die Anwendung der notwendigen Korrekturen hinsichtlich der Instrumentenleistung umfasste. Er wurde 1853 Mitglied der Asiatic Society of Bengal und hatte bereits (ab Dezember 1852) die regelmäßige Veröffentlichung der stündlichen Beobachtungen seines Observatoriums sowie verschiedener Tages- und Monatsmittelwerte in den „Proceedings and Journal“ der Gesellschaft veranlasst. Dieses Veröffentlichungsprogramm wurde bis 1877 fortgesetzt.
Darüber hinaus gelang ihm, in Dienste der Großen Trigonometrischen Vermessung stehend, 1852 per Triangulation auch die erste Höhenbestimmung von Peak XV im Himalaya. Er stellte fest, dass dieser wahrscheinlich der höchste Berg der Welt sei (später nach dem Leiter der Großen Trigonometrischen Vermessung Mount Everest genannt).
Émilien Renou und das Klima von Paris
Der französische Meteorologe Émilien Renou (1815−1902) widmete sich zunächst der Geologie und der Geographie in den nordafrikanischen Regionen Algerien und Marokko. 1852 gründete er mit Charles Joseph Sainte-Claire Deville (1814–1876) die Société Météorologique de France, deren Sekretär er in insgesamt elf Jahren war. Dabei hatte er viermal das einjährige Amt des Präsidenten inne. Er führte 1855 die Kategorien Altocumulus und Altostratus in die Wolkenklassifikation nach Howard (siehe Teil 12 der Serie zur Geschichte der Meteorologie) ein und etablierte damit das mittlere Wolkenstockwerk. Ab 1872 war er bis zu seinem Tod Direktor im Parc Saint-Maur, von wo aus meteorologische Untersuchungen angestellt wurden, die insbesondere das Klima von Paris betrafen. In seinen Arbeiten über das Klima von Paris diagnostizierte er unter anderem die urbane Wärme-Insel.
William Ferrel und die Wirkung der Erdrotation
Der US-amerikanische Meteorologe William Ferrel (1817−1891) wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf und eignete sich einen großen Teil seines Wissens im Selbststudium an. Um das Jahr 1850 stieß er zufällig auf eine Abhandlung über die Gezeiten und entdeckte, dass Laplace (siehe Teil 11 der Serie zur Geschichte der Meteorologie) in seiner berühmten Abhandlung zur Himmelsmechanik ein Fehler unterlaufen sein müsse: die Wirkung von Sonne und Mond auf die Tiden auf der Erde muss die Erddrehung langsam abbremsen. Laplace hatte den Effekt der Reibung nicht berücksichtigt.
1856 erschien sein Artikel „An essay on the winds and currents of the ocean“, in dem er als Erster eine plausible Erklärung für die Windzirkulation in den mittleren Breiten der Erde vorlegte (planetarische oder planetare Zirkulation). 1858 veröffentlichte er den Artikel „The influence of the Earth’s rotation upon the relative motion of bodies near its surface“. Er stellte hierin fest, dass ein Gegenstand, der sich auf der Erde bewegt, infolge der Erddrehung auf der Nordhalbkugel nach rechts und auf der Südhemisphäre nach links abgelenkt wird. Nahezu gleichzeitig und unabhängig davon gelang dies auch Buys Ballot (siehe Teil 20 der Serie zur Geschichte der Meteorologie) mit dem Barischen Windgesetz. Er veröffentlichte noch weitere Arbeiten zur Meteorologie und zur Hydrodynamik.
William Blasius und frühe Sturmtheorien
Der preußisch-US-amerikanische Meteorologe Heinrich Wilhelm Blasius oder William Blasius (1818−1899) entwickelte 1852 eine frühe Theorie über die Entstehung von Stürmen („New theory of storms“), die einzelne Gedanken der späteren Polarfronttheorie vorwegnahm und in wesentlichen Punkten die Lehre von Dove (siehe Teil 21 der Serie zur Geschichte der Meteorologie) ergänzte. Er fand jedoch wenig Unterstützer, weil er seine eigene Terminologie schuf und es versäumte, seine Theorien zu begründen. Seine Thesen gerieten bald weitgehend in Vergessenheit.
Thomas Stevenson und die Wetterhütte
Der britische Ingenieur Thomas Stevenson (1818−1887) aus Schottland erfand die Wetterhütte oder Thermometerhütte, die im Englischen als „Stevenson screen“ bekannt wurde. Die Erfindung wurde 1864 veröffentlicht. Diese Wetterhütte ist im Wesentlichen ein belüfteter Kasten, der die Messgeräte umschließt. Diese sind vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt, während gleichzeitig die Luft ungehindert um sie herum zirkulieren kann. Das charakteristischste Merkmal dieser Wetterhütte sind ihre mit Lamellen versehenen Seitenwände. Die Lamellen sind so geneigt, dass sie das Innere des Kastens beschatten, während gleichzeitig die Zwischenräume zwischen den Lamellen die Luftzirkulation durch den Schutz ermöglichen. Der Schutz ist weiß lackiert, da eine dunkle Farbe dazu führen würde, dass der Schutz Sonnenenergie absorbiert und sich dadurch erwärmt und durch eine solche Erwärmung die Messgeräte Werte anzeigen, die nicht repräsentativ für die Temperatur und Luftfeuchtigkeit sind.
Diese Wetterhütte enthält in der Regel mindestens ein Trockenthermometer zur Messung der Lufttemperatur und ein Feuchtthermometer zur Messung der Luftfeuchtigkeit. Oft sind auch Thermometer für Höchst- und Tiefsttemperaturen enthalten, und es können zudem Aufzeichnungsgeräte für Temperatur und Luftfeuchtigkeit vorhanden sein.
Hippolyte Marié-Davy und Isobarenkarten
Der französische Physiker, Erfinder und Meteorologe Hippolyte Marié-Davy (1822−1911) untersuchte rotierende Tiefdruckgebiete. Er erkannte, dass mitteleuropäische Stürme und Sturmtiefs, von ihm als „bourrasques“ bezeichnet, ebenso wie tropische Zyklonen rotierende Tiefdrucksysteme sind. Ihre Energiequellen und ihre thermische Struktur unterscheiden sich jedoch wesentlich. Um seine Theorie zu beweisen und Zyklone sichtbar zu machen, führte er als einer der Ersten tägliche synoptische Wetterkarten ein, die Linien gleichen Luftdrucks (Isobaren) zeigten. Im September 1863 veröffentlichte er im offiziellen Bulletin die erste überlieferte Wetterkarte dieser Art in Frankreich. Marié-Davys Zyklonentheorie und seine herausragende Arbeit mit Isobaren-Wetterkarten erlaubten es dem Pariser Observatorium erstmals, heranziehende Stürme telegraphisch an die französischen Seehäfen zu melden und so den modernen Sturmwarndienst im Atlantik zu begründen. Seine Erkenntnisse wurden im Werk „Météorologie, les mouvements de l’atmosphère et des mers“ (übersetzt „Meteorologie, Bewegungen in der Atmosphäre und in den Meeren“) 1866 publiziert. Marié-Davy war darüber hinaus auch auf dem Gebiet der Elektrochemie tätig, er erfand die nach ihm benannte Marié-Davy-Batterie.
Francis Galton und die kartografische Wetteranalyse
Der britische Naturforscher und Schriftsteller Sir Francis Galton (1822−1911) war in vielen verschiedenen Disziplinen wie Geographie, Afrikaforschung und der Vererbungslehre tätig, er prägte dort den Begriff Eugenik. Im Bereich der wissenschaftlichen Meteorologie war Galton der Erste, der die Antizyklone, das Hochdruckgebiet, im Gegensatz zur Zyklone, dem Tiefdruckgebiet, identifizierte. Er trug maßgeblich zur kartografischen Darstellung und Interpretation von Luftdruck- und Windfeldern bei. Sein Buch „Meteorographica“ von 1863 war der erste systematische Versuch, Wetterdaten auf kontinentaler Ebene zu sammeln, graphisch darzustellen und zu interpretieren. Es wurde so zu einem grundlegenden Werk der modernen wissenschaftlichen Meteorologie. Seine Aktivitäten im Bereich der Datenerfassung und Datendarstellung, sowohl hier als auch für die Geographische Gesellschaft und deren Suche nach der Nilquelle, führten ihn schließlich zu den statistischen Innovationen, die für seine quantitative Erforschung der Vererbung erforderlich waren.
Galton erstellte die erste Wetterkarte, die in der Zeitung „The Times“ veröffentlicht wurde (am 1. April 1875; sie zeigte die synoptische Situation des Vortags, des 31. März 1875). Wetterkarten entwickelten sich in der Folge weltweit zu einem festen Bestandteil von Zeitungen.
Paul-Jean Coulier und Kondensationskeime
Der französische Mediziner und Chemiker Paul-Jean Coulier (1824−1890) zeigte experimentell die wichtige Rolle von Aerosolpartikeln als Kondensationskeimen bei der Bildung von Wolken- und Nebeltröpfchen. Coulier goss in seinem Flaschenexperiment 1875 eine kleine Menge warmes Wasser in eine Glasflasche, sodass die Luft darin mit Wasserdampf gesättigt war. Nach Erhöhung des Drucks in der Flasche und anschließender schlagartiger Entweichung dessen (adiabatische Expansion), kühlte sich die Luft ab und es bildete sich augenblicklich ein künstlicher, dichter Nebel (eine Miniaturwolke) im Gefäß.
Als Coulier das Experiment wiederholte, die einströmende Luft jedoch zuvor gründlich durch Baumwolle filterte, geschah etwas Überraschendes: Trotz der schnellen Druckentlastung und Abkühlung blieb die Luft absolut klar, es bildete sich kein Nebel. Er folgerte korrekt, dass nicht die Luft oder der Wasserdampf allein für die Wolkenbildung verantwortlich sind, sondern winzige, unsichtbare Schwebeteilchen (Staub) in der normalen Umgebungsluft. Unter den üblichen atmosphärischen Bedingungen kondensiert Wasserdampf an geeigneten Aerosolpartikeln. Dabei handelt es sich nicht ausschließlich um festen Staub, sondern beispielsweise auch um lösliche Salzpartikel. Die Aussage gilt nicht als grundsätzliches Verbot homogener Keimbildung bei sehr hoher Übersättigung. Couliers Entdeckung wurde in einer pharmazeutischen Fachzeitschrift (Journal de Pharmacie et de Chimie) veröffentlicht und blieb in meteorologischen Kreisen weitgehend unbeachtet.
George Goyder und die Grenzen des Getreideanbaus
Der britisch-australische Geodät George Goyder (1826−1898) wurde 1856 zum stellvertretenden Generalvermesser in der Kolonie Südaustralien und 1861 dort zum Generalvermesser ernannt. Australien ist ein weitgehend trockenes Land. Die Niederschlagsmengen schwanken stark, und es kommt zu Dürren. In der regenreichen Zeit der 1850er und frühen 1860er Jahre wurden in Südaustralien immer weiter nördlich von der Küste neue Farmen gegründet. Ein trockenes Jahr im Jahr 1864 brachte eine Katastrophe mit sich: Ernten verdorrten, Vieh verendete und Farmen wurden aufgegeben. Goyder wurde beauftragt, festzustellen, wo die Ernten ausfielen und wo nicht.
Im Jahr 1865 legte er die „Goyder-Niederschlagslinie“ oder einfach „Goyder-Linie“ fest: die Linie, an der der durchschnittliche jährliche Niederschlag etwa 300 mm (bzw. Liter pro Quadratmeter) betrug (einige Quellen sprechen von einer Grenze von 250 mm). Er empfahl, nördlich dieser Linie, wo die Bedingungen im Durchschnitt zu trocken waren, keinen Versuch zu unternehmen, Getreide anzubauen. Selbst Schafzucht und Weidewirtschaft wären in diesen Gebieten riskant. Seine Empfehlung wurde von einigen Australiern verspottet, doch nachfolgende Dürren bewiesen, dass sie tatsächlich durchaus vernünftig war. Die Linie wurde als Richtwert dafür akzeptiert, wie weit landeinwärts die Landwirtschaft über einen Zeitraum hinweg, der sowohl trockene als auch feuchte Phasen umfassen konnte, eine vernünftige Aussicht auf Erfolg hatte. Die Goyder-Linie ist auch an der natürlichen Vegetation der Region erkennbar: Nördlich davon überwiegt der Salzstrauch. In einigen Gebieten ist sie dort noch heute durch Gedenktafeln gekennzeichnet. Goyder legte später eine ähnliche Linie im heutigen Northern Territory in Australien fest.
Alexander Buchan und die Entwicklung von Zyklonen
Der britische Meteorologe Alexander Buchan (1829−1907) aus Schottland erlangte durch seine konvektive Zyklonentheorie Bekanntheit. In dieser historischen Vorstellung standen die Erwärmung und das Aufsteigen von Luft sowie die Freisetzung latenter Wärme bei der Kondensation im Mittelpunkt. Buchan untersuchte außerdem die Zugbahnen von Stürmen und zeichnete 1868 einen Sturmzug über den Nordatlantik anhand von Luftdruck- und Isobarenkarten nach.
Die historische Theorie ist von der heutigen Erklärung zu unterscheiden. Außertropische Tiefdruckgebiete beziehen ihre Energie vor allem aus horizontalen Temperaturgegensätzen und der damit verbundenen baroklinen Entwicklung. Die Freisetzung von Kondensationswärme kann sie zusätzlich verstärken. Tropische Wirbelstürme werden dagegen wesentlich durch Wärme- und Feuchtenachschub über warmem Meerwasser angetrieben. Aufsteigende Luft erzeugt dabei kein Vakuum; entscheidend für die Luftdruckentwicklung ist die Massenbilanz der Luftsäule.
Camilo Carrillo und El Niño
Der peruanische Marineoffizier und Politiker Camilo Carrillo (1830−1901) verfasste 1892 den ersten offiziellen wissenschaftlichen Bericht über das Phänomen „El Niño“. Vor der Geographischen Gesellschaft von Lima hielt er einen wegweisenden Vortrag, in dem er das jahrhundertealte Wissen der peruanischen Fischer wissenschaftlich dokumentierte. Carrillo hielt schriftlich fest, dass die Fischer nahe Paita im Norden Perus eine periodisch auftretende, ungewöhnlich warme Meeresströmung „El Niño“ nannten. Da diese Erwärmung meist um die Weihnachtszeit ihren Höhepunkt erreichte, benannten die Fischer sie nach dem Christkind. Er beschrieb, dass die warme Strömung die typischen Kaltwasserfische wie Sardellen vertrieb und die Fischerei zum Erliegen brachte. Gleichzeitig führte sie in den sonst extrem trockenen Küstenwüsten zu heftigen Regenfällen, die von den Landwirten für die Agrarwirtschaft genutzt wurden. Durch Carrillos Bericht gelangte der Begriff „El Niño“ von der mündlichen Überlieferung lokaler Fischer in die internationale Wissenschaft, wo er später als weltweites Klimaphänomen erforscht wurde.
Gustave Eiffel und meteorologische Messungen
Der französische Ingenieur Gustave Eiffel (1832−1923) errichtete Brücken und andere Großbauwerke. Er entwarf den großen Turm aus Eisen, der von 1887 bis 1889 in Paris gebaut wurde und seinen Namen erhielt und seinerzeit das höchste Bauwerk der Welt war. Der Turm diente bereits 1889 meteorologischen Messungen. Funkversuche folgten 1898; die Rundfunknutzung setzte später ein. Eiffel nutzte den Turm zudem für Experimente zur Windwiderstandsfähigkeit und Aerodynamik. Eiffel ließ an verschiedenen Stellen im Turm meteorologische Instrumente anbringen, und 1889 ermächtigte er das Zentrale Meteorologische Büro Paris, auf der Turmspitze in 300 m Höhe über dem Boden eine Wetterstation einzurichten.
Eiffel entwarf Gehäuse für seine Thermometer und andere Instrumente, die diese schützten und gleichzeitig einen freien Luftstrom um sie herum ermöglichten. Außerdem baute er ein privates Wetterbeobachtungsnetzwerk mit 25 Stationen auf (darunter eine in Algier). Die von ihm gesammelten Daten wurden in Wetteratlanten zusammengefasst, die von 1903 bis 1912 veröffentlicht wurden. Der Eiffelturm wurde zudem genutzt, um atmosphärische elektrische Messungen auf verschiedenen Höhen bis hinauf zur Spitze durchzuführen, die wiederum zur Untersuchung der vertikalen Profile der Rauchpartikelkonzentration in der Grenzschicht dienten. Dies war eine der frühesten Untersuchungen zur Luftverschmutzung in Paris.
Philip Weilbach und die Wolkengattung Cumulonimbus
Der dänische Bibliothekar, Kunsthistoriker und Amateur-Meteorologe Philip Weilbach (1834−1900) schlug 1880 dem Ständigen Ausschuss der Internationalen Meteorologischen Organisation (IMO), einem Vorläufer der heutigen Weltorganisation für Meteorologie (WMO), die Bezeichnung eines neuen, frei konvektiven, vertikalen oder mehrstufigen Wolkentyps vor, nämlich „Cumulonimbus“ (aufgetürmte Regenwolke), was vom Ausschuss angenommen wurde. Dieser würde sich von Cumulus und Nimbus unterscheiden und wäre an seiner oft sehr komplexen Struktur sowie an seiner Fähigkeit, Gewitter zu erzeugen, zu erkennen. Die internationale Wolkenklassifikation wurde in den folgenden Jahren weiter vereinheitlicht; 1896 erschien der erste Internationale Wolkenatlas.
Henrik Mohn und der Ascheregen von 1875
Der norwegische Meteorologe und Ozeanograph Henrik Mohn (1835−1916) wurde 1866 zum ersten Professor für Meteorologie am neu eingerichteten Institut für Meteorologie an der Universität Christiania (Oslo) berufen. 1870 veröffentlichte er einen Sturmatlas, 1872 das Werk „Om Vind og Veir. Meteorologiens Hovedresultater“ (übersetzt „Grundzüge der Meteorologie. Die Lehre von Wind und Wetter nach den neuesten Forschungen gemeinfasslich dargestellt“). Bei der Eruption des isländischen Vulkans Askja Ende März 1875 wurden gewaltige Mengen feiner Vulkanasche in die Atmosphäre geschleudert. Die Aschewolke zog über das Europäische Nordmeer direkt nach Skandinavien, wo es in weiten Teilen Norwegens und Schwedens zu spürbarem Ascheregen kam. Mohn nutzte das meteorologische Stationsnetz, um die genauen Zeitpunkte und Orte des Aschefalls systematisch zu erfassen. 1877 veröffentlichte er eine meteorologische Karte unter dem Titel „Askeregnen“ (norwegisch für „Der Ascheregen“).
Ascheregen nach dem Askja-Ausbruch vom 29. und 30. März 1875. Karte von Henrik Mohn, veröffentlicht 1877 in Forhandlinger i Videnskabs-Selskabet i Christiania. Quelle: Biodiversity Heritage Library, Smithsonian Libraries and Archives, via Wikimedia Commons. Gemeinfrei; unverändert übernommen.
Mohn bewies als einer der ersten Wissenschaftler weltweit, dass vulkanische Partikel durch atmosphärische Strömungen über große Entfernungen hinweg transportiert werden können. Seine präzisen meteorologischen Analysen halfen dabei zu verstehen, wie Höhenwinde, die oberen Luftströmungen, Partikel rund um den Globus tragen. Diese Erkenntnisse bilden bis heute die Grundlage für moderne Schadstoffausbreitungsmodelle, wie sie etwa bei Vulkanausbrüchen für die Luftfahrtsicherheit genutzt werden.
Mohn leitete zusammen mit dem norwegischen Zoologen Georg Ossian Sars (1837−1927) die Norwegische Nordmeerexpedition mit dem Dampfschiff „Vøringen“ zwischen 1876 und 1878, auf der neben ozeanographischen Messungen meteorologische Beobachtungen durchgeführt und die Wanderungsbewegungen von Fischen untersucht wurden. Mohn gewann neue Einblicke in die Dynamik der Wechselwirkung zwischen Ozean und Atmosphäre. Das half ihm bei der Entwicklung seiner Zyklonentheorie. Als einer der Ersten verstand er die Beziehung zwischen der Dichteverteilung des Meerwassers, den Meeresströmungen und der Erdrotation. Bereits 1880 erklärte Mohn die Bildung von Tiefenwasser im Europäischen Nordmeer. Mohn war 1879 Gründungsmitglied der Internationalen Polarkommission und sorgte dafür, dass Norwegen eines der ersten Länder war, die die Finanzierung einer Forschungsstation (Bossekop, heute ein Stadtteil von Alta in Nordnorwegen) für das Erste Internationale Polarjahr von 1882/83 zusicherten.
Mohn leistete in den 1890er Jahren Pionierarbeit bei der Erforschung von Wolken in der Stratosphäre. Er gilt als der Erste, der die schillernden polaren Stratosphärenwolken (PSC) wissenschaftlich untersuchte und gab ihnen im Jahr 1893 den treffenden Namen Perlmuttwolken (norwegisch: perlemorskyer). Mohn veröffentlichte 1893 eine umfassende Arbeit über diese „irisierenden Wolken“. Er beschrieb fasziniert ihre einzigartigen optischen Effekte und leuchtenden Farben, die nach Sonnenuntergang am Polarhimmel sichtbar werden. Mohn erkannte sofort, dass sich diese Wolken weit oberhalb der normalen Wetterschicht befinden mussten. Allerdings überschätzte er ihre Höhe massiv und berechnete sie auf über 100 Kilometer. Rund 40 Jahre später fand man heraus, dass sie real in der unteren Stratosphäre in 20 bis 30 km Höhe liegen. Mohn sah in den polaren Stratosphärenwolken vor allem ein faszinierendes optisches Naturphänomen.
Heute weiß die moderne Atmosphärenphysik, dass diese stratosphärischen Wolken eine Schlüsselrolle beim Ozonabbau spielen: Polare Stratosphärenwolken können aus Wassereis, festen Salpetersäurehydraten oder flüssigen Mischungen aus Wasser, Salpeter- und Schwefelsäure bestehen. An ihren Partikeloberflächen werden Chlorreservoirverbindungen in photochemisch aktivierbare Formen überführt. Nach Rückkehr des Sonnenlichts entstehen daraus reaktive Chlorverbindungen, die den katalytischen Ozonabbau ermöglichen. Mohn gilt als Begründer der Meteorologie und Ozeanographie in Norwegen.
Wilhelm von Bezold und die potentielle Temperatur
Der bayerische Physiker und Meteorologe Wilhelm von Bezold (1837−1907) wurde 1878 zum Direktor der Bayerischen Meteorologischen Zentralstation in München ernannt. Ab 1879 gab er ein meteorologisches Jahrbuch und ab 1881 einen täglichen Wetterbericht der Zentralstation heraus. 1885 wechselte er als Direktor des Meteorologischen Instituts an die Universität Berlin, wo er bis 1907 tätig war. Er machte sich um den Aufbau des Netzes meteorologischer Stationen in Preußen und Bayern verdient. Maßgeblich auf seine Initiative hin wurden die Höhenwetterstationen auf dem Brocken und nachfolgend auf dem höchsten preußischen Berg, der Schneekoppe im Riesengebirge in Schlesien, geschaffen. Letztere nahm ihren Messbetrieb im Juni 1900 auf. Von Bezold führte viele Untersuchungen auf dem Gebiet der Elektrizitätslehre durch sowie über physiologische Optik. Seine meteorologischen Arbeiten betreffen die Dämmerung, die Lehre vom Gewitter, den Erdmagnetismus und die Thermodynamik der Erdatmosphäre.
Er führte 1888 in der Arbeit „Zur Thermodynamik der Atmosphäre“ den Begriff der potentiellen Temperatur, einer thermodynamischen Zustandsgröße, ein. Die potentielle Temperatur ist die Temperatur, die ein Luftpaket annehmen würde, wenn man es trockenadiabatisch (also ohne Wärmeaustausch mit der Umgebung) von seinem aktuellen Druckniveau auf einen festgelegten Referenzdruck bringt (in der Meteorologie standardmäßig 1000 hPa, was in etwa dem Luftdruck auf Meereshöhe entspricht). Da Luft beim Absinken komprimiert wird und sich erwärmt bzw. beim Aufsteigen expandiert und abkühlt, macht die potentielle Temperatur Luftmassen auf unterschiedlichen Höhen thermodynamisch direkt miteinander vergleichbar.
Für ungesättigte Luft lässt sich die statische Stabilität anhand der vertikalen Änderung der potentiellen Temperatur beurteilen. Nimmt sie mit der Höhe zu, ist die Schichtung trockenstabil; nimmt sie ab, ist sie trockenlabil. Bleibt sie konstant, liegt eine trockenadiabatische, neutrale Schichtung vor. Für gesättigte Luft müssen zusätzlich die Effekte von Kondensation und latenter Wärme berücksichtigt werden. Eine trockenlabile Schichtung allein bedeutet noch nicht, dass ein Gewitter entsteht.
Wilhelm von Bezold, um 1906. Fotograf: Rudolf Dührkoop (1848–1918). Quelle: Wikimedia Commons. Gemeinfrei; unverändert übernommen.
Die Serie Geschichte der Meteorologie wird fortgesetzt. Der nächste Teil wird Persönlichkeiten vorstellen, die Beiträge zur Chemie und auf dem Gebiet der Messtechnik im 19. Jahrhundert leisteten, die für die Meteorologie bedeutsam waren.
Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 31.10.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
Quelle: Deutscher Wetterdienst – Thema des Tages vom 31.10.2026. Text: Dipl.-Met. Markus Eifried, Deutscher Wetterdienst, Lizenz CC BY 4.0. Redaktionelle Bearbeitung durch WINDINFO: Einleitung, Zwischenüberschriften und Absatzgliederung ergänzt, Schreibfehler korrigiert; historische Prioritätsaussagen eingegrenzt; Zyklonenentwicklung, Kondensationskeime, Zusammensetzung und Ozonwirkung polarer Stratosphärenwolken sowie die Gültigkeit des Stabilitätskriteriums der potentiellen Temperatur präzisiert. Die Funknutzung des Eiffelturms und die Entwicklung des Internationalen Wolkenatlas zeitlich berichtigt. Zwei nachweislich gemeinfreie Originalabbildungen wurden lokal übernommen und responsiv eingebunden; die übrigen Fremdbilder wurden nicht übernommen.
https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/10/Henrik-Mohn-–-Ascheregen-nach-dem-Askja-Ausbruch-1875.jpg12872046WINDINFOhttps://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.pngWINDINFO2026-10-31 12:00:002026-10-31 12:10:41Geschichte der Meteorologie – Teil 23: Meteorologie im 19. Jahrhundert (c)
Meteorologische Polarforschung erschloss im 19. Jahrhundert neue Messgebiete. Der DWD stellt die Forschenden vor und blickt auf frühe Wetterbeobachtungen von Isabel und Juliana de Urquiola im tropischen Afrika.
Im 19. Jahrhundert wurden meteorologische Daten in vielen gut zugänglichen Gebieten zunehmend regelmäßig erhoben. Aus den schwer erreichbaren Polargebieten und Teilen der Tropen lagen dagegen nur wenige Messungen vor. Dieses Thema des Tages widmet sich Persönlichkeiten, die als Entdecker die meteorologische Welt der Polargebiete zugänglich gemacht haben oder sich intensiv um Austausch dieser Daten bemüht haben. Darüber hinaus wird ein Forscherteam mit wichtigen Beiträgen zur Meteorologie der Tropen des zentralen Afrikas vorgestellt.
John Franklin: Polarlichter und arktische Wetterbeobachtungen
Der britische Polarforscher und Konteradmiral John Franklin (1786−1847) stellte während seiner ersten Arktisreise von 1819 bis 1822 fest, dass „das Auftreten von Polarlichtern nicht bis zum Pol hin zunimmt“. Später wurde die Existenz eines Rings um den Magnetpol, in welchem Polarlichter am häufigsten auftreten, bestätigt. Heute weiß man, dass ein Ring maximaler Häufigkeit auf der Nordhalbkugel je nach Längengrad ungefähr im Breitengradband von 60–70° N liegt. Weiter nördlich nimmt die Häufigkeit von Polarlichtern ab, wie Franklin beobachtet hatte. Während seiner zweiten Arktisexpedition von 1825 bis 1827 erkundete er auf dem Landweg Teile des heutigen westlichen Nordwestterritoriums und führte meteorologische Beobachtungen in Fort Franklin (heute Délı̨nę) am Großen Bärensee (Sahtú) durch. Von seiner dritten und letzten Expedition in die Arktis, die der Erforschung der Nordwestpassage dienen sollte, kehrte niemand zurück.
William Scoresby: Meereis und Schneekristalle
Der britische Seefahrer und Naturforscher William Scoresby (1789−1857) unternahm im frühen 19. Jahrhundert regelmäßig Expeditionen in die nördlichen Gewässer. Angeregt durch den Austausch mit Wissenschaftlern seiner Zeit führte er Beobachtungen zur Meerestemperatur, zu meteorologischen Phänomenen, zur atmosphärischen Lichtbrechung, zur Meereisbedeckung und zu Schneekristallen durch. 1815 legte Scoresby die bis dahin umfassendste Beschreibung des Meereises vor, der Eisformen, seiner Entstehung und der Rolle, die der Salzgehalt des Meerwassers dabei spielt, der Eisbewegung und saisonaler Änderungen. Die Vorstellung, dass es ein offenes Polarmeer gab, war zu seiner Zeit noch weit verbreitet, doch Scoresby wies sie zurück. Stattdessen vermutete er, dass es alle zehn oder zwanzig Jahre zu eisfreien Bedingungen kommen könnte, nachdem er 1817 vor der Ostküste Grönlands zwischen 74° und 80° nördlicher Breite deutlich weniger Eis als üblich angetroffen hatte. Er kartierte zudem die Küste Ostgrönlands.
1820 veröffentlichte er mit dem Werk „An Account of the Arctic Regions“ eine der historisch bedeutendsten wissenschaftlichen Interpretationen und Dokumentationen von Eiskristallen. Scoresby stellte als einer der Ersten eine direkte Verbindung zwischen der äußeren Form eines Eiskristalls und den vorherrschenden Wetterbedingungen (wie Temperatur, Luftdruck und Wind) her. Er interpretierte die Geometrie der Kristalle als „Gradmesser“ für die atmosphärischen Zustände in den Wolken. Er unterteilte die von ihm beobachteten Kristalle in fünf Hauptkategorien (darunter dünne Plättchen, lange Nadeln und komplexe Pyramidenstrukturen). Diese strukturierte Erfassung war ein direkter Vorläufer moderner Klassifikationssysteme. Obwohl er die hexagonale Grundstruktur von Schnee korrekt erkannte, dokumentierte er 1820 erstmals eine seltene dreieckige Kristallform. Diese Interpretation einer dreizähligen Symmetrie bei Eiskristallen erstaunte die Fachwelt, da das Molekülgitter von Eis grundsätzlich hexagonal ist. Moderne Physiker bestätigten später, dass unter bestimmten Wachstumsdynamiken tatsächlich stabile dreieckige Plättchen entstehen.
Scoresby zeichnete die Kristalle unter dem Mikroskop. Um die Schmelze zu verhindern, entwickelte er eine hocheffiziente Methode: Er skizzierte oft nur ein exaktes Segment (ein Sechstel) des Kristalls und rekonstruierte die perfekt symmetrische Gesamtform in seinen Reinzeichnungen. Seine 151 detaillierten Illustrationen galten über Jahrzehnte als die genauesten wissenschaftlichen Abbildungen von Schneekristallen weltweit.
Dumont d’Urville: Forschungsreisen bis in die Antarktis
Der französische Seefahrer, Polarforscher und Marinekommandant Jules Dumont d’Urville (1790−1842) war ein bedeutender Entdecker der Südsee und der Antarktis. Seine erste große Reise unternahm er als Leutnant an Bord des Schiffes „Coquille“ bei einer Weltumsegelung von 1822 bis 1825. Kurz nach der Rückkehr von dieser Reise schlugen er und Kommandant Louis-Isidore Duperrey (1786−1865), ein französischer Seefahrer und Kartograph, dem Minister für Marineangelegenheiten eine weitere Expedition vor. Sie verfolgten ehrgeizige wissenschaftliche Ziele (darunter Untersuchungen zum Erdmagnetismus und zur Meteorologie, hydrographische Vermessungen, Kartographie, Ethnographie, Zoologie und Botanik). Der Vorschlag wurde angenommen, und von 1826 bis 1829 umrundete die „Coquille“, nun umbenannt in „Astrolabe“, unter dem Kommando von Dumont d’Urville erneut den Globus. Diese Expedition lieferte eine Fülle von hydrographischen, navigatorischen, zoologischen, botanischen und meteorologischen Informationen.
Dumont d’Urville sollte noch eine weitere Entdeckungsreise an Bord der „Astrolabe“ leiten (diesmal jedoch in Begleitung eines zweiten Schiffes, der „Zelée“). Die Reise dauerte von 1837 bis 1840 und führte sowohl in die Südsee als auch in die Antarktis. Im Jahr 1840 erreichten seine Schiffe die Nähe des südlichen Magnetpols, unweit eines Abschnitts der antarktischen Küste, den er zu Ehren seiner Frau Adélieland (Terre Adélie), nannte. Dort befindet sich heute die nach ihm benannte Forschungsstation (Dumont-d’Urville-Station).
Karl Ernst von Baer: Klimadaten aus dem russischen Norden
Der russische Mediziner, Anatom, Zoologe und Naturforscher Karl Ernst von Baer (1792−1876), ein Deutsch-Balte aus dem Gouvernement Estland, führte meteorologische und klimatologische Untersuchungen durch und leistete bedeutende Beiträge zum Verständnis des Klimas in den russischen Polarregionen. Sein Interesse an der Arktis zeigte sich bereits während seiner Studienzeit an der Kaiserlichen Universität Dorpat (Tartu) von 1810 bis 1814. Während seines Aufenthalts in Königsberg in den 1820er Jahren konzentrierte er sich auf seine primären biologischen Forschungen, beschäftigte sich aber auch mit Meteorologie und mathematischen Methoden und wurde unter anderem von Alexander von Humboldt (siehe Teil 12 der Serie zur Geschichte der Meteorologie) beeinflusst. Von Humboldt war tatsächlich vom Zaren nach Russland eingeladen worden und unternahm 1829 eine wissenschaftliche Expedition nach Sibirien. Nach seiner Rückkehr nach St. Petersburg schlug er die Schaffung eines russischen Netzwerks von magnetischen und meteorologischen Beobachtungsstationen vor. Von Baer ließ sich von dieser Idee inspirieren und zog 1834 nach Russland, gerade rechtzeitig, um 1835 die Gründung des ersten russischen Beobachtungsnetzes mit neun Stationen mitzuerleben. Anschließend begann er mit der systematischen Sammlung russischer meteorologischer Daten aus verschiedenen anderen Quellen. Er gehörte zudem zu den Ersten, die die Meteorologie als eigenständiges wissenschaftliches Fachgebiet populär machten, und verfasste den ersten russischen Zeitungsartikel, der sich auf populärwissenschaftliche Weise mit der Meteorologie befasste.
Von Baer nutzte die von ihm gesammelten russischen Wetterdaten, um Rückschlüsse auf das Klima zu ziehen. Er brachte das Vorkommen des Permafrosts in Sibirien mit dem russischen Kontinentalklima in Verbindung. Er veröffentlichte eine Reihe von fortlaufenden meteorologischen Beobachtungen, die von 1832 bis 1835 auf Nowaja Semlja durchgeführt worden waren, und berechnete daraus die mittleren Tages-, Monats- und Jahrestemperaturen. Seine Vergleiche dieser Daten mit denen anderer arktischer Regionen ließen ihn zu dem Schluss kommen, dass die durchschnittliche Jahrestemperatur auf Nowaja Semlja niedriger war als die in Jakutsk, Spitzbergen und den Küstengebieten Grönlands und Labradors. Von Baer konnte sogar feststellen, dass die Durchschnittstemperatur auf der Ostseite von Nowaja Semlja etwa ein Grad kälter war als auf der Westseite. Er führte diesen Unterschied auf die Gebirgskette zurück, die das Gebiet in zwei Hälften teilt und dazu neigt, die kalte Luft im Osten daran zu hindern, weiter nach Westen vorzudringen. Er stellte außerdem fest, dass der März der kälteste Monat auf Nowaja Semlja war, während der August der wärmste war, und brachte die Höchsttemperaturen im August mit dem Einfluss der Karasee und dem jahreszeitlichen Rückgang ihres Meereises in Verbindung. Von Baer war der Erste, der russische meteorologische Daten auf die Landwirtschaft anwandte.
John Biscoe: Winde rund um die Antarktis
Der britische Seefahrer und Entdecker John Biscoe (1794−1843) leitete die dritte Umsegelung der Antarktis, die 1832 abgeschlossen wurde. Nach dieser Reise teilte er dem Hydrographen der Admiralität in London mit, dass es sich bei den von ihm gesichteten Landzungen um die eines Kontinents (Antarktika) handelte. Was das Wetter betraf, mit dem er konfrontiert war, wies er darauf hin, dass künftige Seefahrer damit rechnen sollten, dass die vorherrschenden Winde in den sehr hohen antarktischen Breiten von Osten nach Westen wehen (und nicht in der Richtung von Westen nach Osten, wie es im weiter nördlich gelegenen Breitengradgürtel der „Roaring Forties“ der Fall ist).
Georg von Neumayer: Beobachtungsnetze und internationale Zusammenarbeit
Der aus der bayerischen Pfalz stammende Geophysiker und Polarforscher Georg von Neumayer (1826−1909) kam 1852 nach Australien, wo er von der Bedeutung der Meteorologie überzeugt wurde. Er kehrte 1854 nach Bayern zurück, um die notwendigen Instrumente für die Einrichtung einer Beobachtungsstation in Melbourne zu beschaffen, dem „Flagstaff Observatory for Geophysics, Magnetism and Nautical Science“. Außerdem richtete er eine Reihe von Beobachtungsstationen in ganz Victoria im Süden Australiens ein, vor allem an Leuchttürmen. Am 1. März 1858 begann am Flagstaff-Observatorium ein regelmäßiges Programm meteorologischer und nautischer Beobachtungen, und wenige Wochen später fügte von Neumayer regelmäßige Beobachtungen der atmosphärischen Elektrizität und der Veränderungen der magnetischen Elemente hinzu. 1860 veröffentlichte er seine „Ergebnisse der magnetischen, nautischen und meteorologischen Beobachtungen von März 1858 bis Februar 1859“, und 1864 erschienen seine „Ergebnisse der meteorologischen Beobachtungen 1859–1862 und der nautischen Beobachtungen 1858–1862“. Diese resultierten auch aus Forschungsexpeditionen und Vermessungen im Inneren des australischen Kontinents, an denen von Neumayer teilnahm. Dabei bestieg er auch den höchsten australischen Berg auf dem kontinentalen Festland, Mount Kosciuszko. Er kehrte 1864 nach Deutschland zurück. Im Jahr 1867 veröffentlichte er seine „Erörterung der am Flagstaff-Observatorium durchgeführten meteorologischen und magnetischen Beobachtungen“.
In den 1870er Jahren lernte von Neumayer den aus dem Großherzogtum Hessen stammenden Marineoffizier und Polarforscher Carl Weyprecht (1838−1881), der 1873 als Mitleiter einer Expedition die Inselgruppe Franz-Josef-Land entdeckte, kennen und ließ sich von dessen Idee inspirieren, dass Polarforschung eher von der Wissenschaft als vom Nationalismus geleitet werden sollte. 1879 legten die beiden Männer dem 2. Internationalen Meteorologischen Kongress in Rom einen Vorschlag für ein internationales Polarforschungsprogramm vor, in dessen Rahmen an einer Reihe von Spezialstationen in der Arktis und Antarktis regelmäßig gleichzeitige meteorologische und magnetische Beobachtungen durchgeführt werden sollten. In der Folge wurde noch im selben Jahr die Internationale Polarkommission gegründet, deren Aufgabe es war, einen detaillierten Forschungsplan auszuarbeiten. Von Neumayer und Weyprecht gehörten zu den maßgeblichen Initiatoren dieser internationalen Zusammenarbeit.
Auf ihrer dritten Sitzung in Sankt Petersburg, im Jahr 1881, legten von Neumayer und Heinrich von Wild (1833−1902), Schweizer Meteorologe und Physiker sowie Nachfolger von Weyprecht, das internationale Programm für meteorologische und magnetische Beobachtungen in den Polarregionen fest, die im Zeitraum vom 1. August 1882 bis zum 31. August 1883 durchgeführt werden sollten. Dieses Programm wurde als das Erste Internationale Polarjahr bekannt.
Von Neumayer war von 1875 bis 1903 Direktor der Deutschen Seewarte in Hamburg. Er entwickelte in dieser Zeit eine neue Methode zur Erkundung der Meeresströmungen. Tausende gut verschlossener Flaschen wurden ins Meer geworfen und gingen als Flaschenpost auf Reisen. Die Finder wurden in einer detaillierten Anleitung gebeten, den Fundort an die Deutsche Seewarte zu melden. Nach ihm ist die deutsche Forschungsstation in der Antarktis benannt (derzeit Neumayer-Station III).
Julius von Payer: Messungen auf Polarexpeditionen
Der aus Böhmen stammende österreichische Offizier, Polarforscher und Kartograph Julius von Payer (1841−1915) nahm 1869/1870 an der zweiten deutschen Nordpolarexpedition in die Ostgrönlandsee sowie 1871 gemeinsam mit Weyprecht (siehe oben) an der vorbereitenden österreichisch-ungarischen Expedition nach Nowaja Semlja teil. Anschließend war er von 1872 bis 1874 gemeinsam mit Weyprecht als Leiter der österreichisch-ungarischen Nordpol-Expedition tätig, in deren Verlauf die Inselgruppe Franz-Josef-Land entdeckt wurde. Während dieser Expeditionen wurden magnetische Messungen und Beobachtungen von Polarlichtern durchgeführt. Zudem wurden Lufttemperaturmessungen vorgenommen und im Winter das Wachstum des Meereises untersucht. Die wissenschaftlichen Ergebnisse der Expedition von 1869/1870 wurden 1874 in Leipzig veröffentlicht. 1876 publizierte von Payer das Werk „Die österreichisch-ungarische Nordpol-Expedition in den Jahren 1872–1874“. Dieses Buch behandelt die österreichisch-ungarische Expedition von 1872 bis 1874.
Adolphus Greely: Wetterbeobachtungen in Fort Conger
Der US-amerikanische Polarforscher und Offizier Adolphus Greely (1844−1935) leitete die Lady-Franklin-Bay-Expedition, die Teil des US-amerikanischen Beitrags zum Ersten Internationalen Polarjahr war. Die Expedition erreichte im August 1881 Discovery Harbour an der Nordostküste von Ellesmere Island. Das dort errichtete Lager wurde als Fort Conger bekannt. Über einen Zeitraum von fast zwei Jahren wurde ein wissenschaftliches Programm mit regelmäßigen meteorologischen und magnetischen Beobachtungen und solchen zu Polarlichtern durchgeführt. Die meteorologischen Beobachtungen umfassten stündliche Aufzeichnungen von Luftdruck, Lufttemperatur und Taupunkt, Windgeschwindigkeit und -richtung, Art, Ausmaß und Bewegung der Wolken, Wetterlage sowie Polarlichter (sofern vorhanden).
Der Wetterschirm (1,2 m im Quadrat und 2,1 m hoch) stand etwa 40 m nordöstlich der Hütte; Anemometer und Windfahne waren auf dem Dach der Hütte angebracht, und das Barometer befand sich im Inneren der Hütte. Die Meerwassertemperatur wurde am 1., 11. und 21. jedes Monats gemessen, und gleichzeitig wurde die Eisdicke erfasst. Die Aurora wurde im Durchschnitt etwa zweimal pro Woche beobachtet, war jedoch selten so hell oder farbenprächtig wie weiter südlich.
Im August 1883 war die Expedition gezwungen, auf eigene Faust nach Süden aufzubrechen, da keine Versorgungsschiffe eingetroffen waren. Sie erreichten Pim Island in der Nähe von Cape Sabine an der Ostküste von Ellesmere Island, wo sie einen verheerenden Winter verbrachten. Die Expedition endete in einer Katastrophe: Von den 25 Teilnehmern überlebten letztlich nur sechs, darunter Greely. Die Rettung erreichte die Überlebenden im Juni 1884. Alle wissenschaftlichen Aufzeichnungen der Expedition konnten gesichert werden.
Robert Peary: Meteorologie auf Grönland
Der US-amerikanische Ingenieur und Polarforscher Robert Edwin Peary (1856−1920) erlangte als Entdecker der Nordpolregion Berühmtheit. 1886 führte er eine erste Erkundungsreise nach Grönland durch. In den 1890er Jahren unternahm er zwei weitere Reisen nach Grönland, kartographierte die Nordküste, deren Region namens „Peary Land“ später nach ihm benannt wurde, und sammelte Daten zu den meteorologischen Verhältnissen und Meeresströmungen des Arktischen Ozeans im nördlichen Grönlandgebiet. Er leistete zudem einen Beitrag zur wissenschaftlichen Erforschung der arktischen Regionen in den Bereichen Hydrographie, Geologie, Geographie, Kartographie, Botanik und Zoologie. Außerdem beschäftigte er sich mit der Ethnographie der Inuit-Völker. Während einer seiner Grönland-Expeditionen stellte Peary fest: „Wenn wir bergauf mit dem Schlitten fahren, treffen wir Tag und Nacht auf einen Gegenwind mäßiger Stärke.“ Diese abwärts strömenden Winde werden heute als katabatische Winde bezeichnet. Solche Fallwinde sind charakteristisch für die Hänge der großen Eisschilde Grönlands und der Antarktis.
Später richtete Peary sein Augenmerk auf den Nordpol, den er auf seiner dritten Nordpol-Expeditionsreise nach eigenen Angaben im April 1909 endlich erreicht haben wollte. Es gibt jedoch einige Kontroversen darüber, ob er den Pol tatsächlich erreicht hat oder nicht. Nichtsdestotrotz stellen seine Leistungen in Grönland, einschließlich der von seinen Expeditionen durchgeführten meteorologischen Arbeiten, für sich genommen ein bedeutendes wissenschaftliches und polarforschungsbezogenes Vermächtnis dar.
Wetterbeobachtungen im tropischen Afrika
Nicht nur von den Polargebieten Arktis und Antarktis lagen im 19. Jahrhundert nur wenige meteorologische Daten vor. Auch aus schwer zugänglichen tropischen Regionen gab es zu dieser Zeit nicht viele meteorologische Beobachtungen, besonders im Hinblick auf das abseits der Küsten gelegene Landesinnere des zentralen Afrikas.
Der spanische Afrikaforscher und Entdecker Manuel Iradier oder Manuel Iradier y Bulfy (1854−1911) aus dem Baskenland interessierte sich schon in seiner Jugend für die Naturwissenschaften und Geographie. Bereits im Alter von 14 Jahren gründete er eine Vereinigung zur Erkundung des zentralen Afrikas, von dem in Europa seinerzeit nur die Küstenabschnitte bekannt waren. Er unternahm von 1874 bis 1877 eine Reise nach Spanisch-Äquatorialafrika, auf der er die Geographie, Meteorologie, Geologie, Botanik und Ethnographie der spanischen Kolonie (heute Äquatorialguinea) erforschte. Seine Frau Isabel de Urquiola (1854−1911) und deren Schwester Juliana de Urquiola (1856−1880), beide spanische Entdeckerinnen aus dem Baskenland, begleiteten ihn auf dieser Reise. Dass sich Frauen wissenschaftlichen Expeditionen anschlossen, war zu dieser Zeit sehr unüblich.
Im Mai 1875 erreichten sie die Insel Elobey Chico im Golf von Guinea (heute zu Äquatorialguinea), wo sie im Haus des Gouverneurs die Expeditionsbasis und eine Wetterstation einrichteten. Sie planten, Beobachtungen zum Wetter und Klima der Region durchzuführen, die für die spanische Regierung von Nutzen sein könnten. Die Wetterstation war unter anderem mit Thermometern, einem Verdunstungsglas, einem Photometer, einem Taukollektor, einem Saussure-Hygrometer, einem Pluviometer und einem Anemometer ausgestattet (die letzten drei hatte Iradier selbst gebaut). Das Barometer war leider während der Hinreise zerstört worden. Iradier und die Schwestern de Urquiola begannen ihr meteorologisches Beobachtungsprogramm am 1. Juni 1875. Es umfasste regelmäßige Messungen von Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Niederschlag, Windgeschwindigkeit und Windrichtung sowie Wolkentyp (achtmal täglich für die Winde, viermal täglich für die anderen Variablen). Darüber hinaus wurden die Beginn- und Endzeiten der Tagesniederschläge aufgezeichnet.
Im weiteren Verlauf des Jahres 1875 war Iradier häufig unterwegs und erkundete das afrikanische Festland jeweils bis zu drei Monate lang. Während seiner Abwesenheiten führten Isabel und Juliana de Urquiola alle Wetterbeobachtungen durch. Damit dokumentiert die Expedition ein frühes umfangreiches Programm regelmäßiger Wetterbeobachtungen, das zu einem großen Teil von Frauen durchgeführt wurde. Ihre Aufzeichnungen gehören zu den frühen systematischen meteorologischen Beobachtungen aus dieser Region. Aus ihren Aufzeichnungen geht hervor, dass der November und der Dezember 1875 heißer und regenreicher waren als die heutigen dortigen klimatologischen Durchschnittswerte.
In den Veröffentlichungen, die auf seinen Expeditionen basieren, widmete Iradier mehr als 100 Seiten den Tabellen mit den meteorologischen Beobachtungen von der Insel Elobey Chico sowie persönlichen Schilderungen des Wetters. 1884 brach Iradier zu einer neuen Expedition in die Gegend auf, wo er sich in den Jahren 1874 bis 1877 bereits aufgehalten hatte. Noch im selben Jahr musste er krankheitsbedingt nach Spanien zurückkehren. Nach 1884 versuchte er, einige Erfindungen wie beispielsweise einen automatischen Wasserzähler und ein typographisches Druckverfahren in die Praxis umzusetzen.
Die Serie wird fortgesetzt
Die Serie Geschichte der Meteorologie wird fortgesetzt. Der nächste Teil wird weitere Persönlichkeiten vorstellen, die die Meteorologie im 19. Jahrhundert als Wissenschaft vorangetrieben haben.
Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 30.10.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
Quelle: Deutscher Wetterdienst – Thema des Tages vom 30.10.2026. Text: Dipl.-Met. Markus Eifried, Deutscher Wetterdienst, Lizenz CC BY 4.0. Redaktionelle Bearbeitung durch WINDINFO: Einleitung, Zwischenüberschriften und Absatzgliederung ergänzt; Orthografie berichtigt; die Bezeichnung der Deutschen Seewarte sowie die Zuordnung von Payers Buch zur Expedition 1872–1874 korrigiert; Aussagen zu Biscoes Umsegelung, Greelys Überlebenden, Meereis und katabatischen Winden präzisiert. Nicht ausreichend belegte Einzelangaben zur Leitung der Polarkommission, zum „Antarktisjahr 1901“, zu Pearys genauem Ankunftstag und zu weltweiten beziehungsweise regionalen Erstleistungen wurden verallgemeinert oder weggelassen. Die fremden Abbildungen der Originalquelle wurden nicht übernommen. Beitrags- und Vorschaubild: vorhandenes Logo des Deutschen Wetterdienstes, Quelle: DWD.
https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png500500WINDINFOhttps://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.pngWINDINFO2026-10-30 12:00:002026-10-30 19:11:15Geschichte der Meteorologie – Teil 22: Polarforschung und tropisches Afrika im 19. Jahrhundert
Wie mild ist der Herbst 2026 bisher, und wann tritt der erste Nachtfrost auf? Der DWD vergleicht die aktuelle Entwicklung mit früheren Jahren und zeigt regionale Unterschiede beim Frostbeginn.
Vorläufige Bilanz und Wetterausblick nach dem DWD-Stand vom 29. Oktober 2026.
Bisher milder bis sehr milder Herbst
Der Herbst zeigte sich in diesem Jahr bisher von seiner milden Seite. Betrachtet man den Zeitraum vom 1. September bis zum 29. Oktober 2026, ergibt sich nach Angaben des DWD für das Flächenmittel über ganz Deutschland derzeit eine Abweichung vom vieljährigen Mittelwert von rund +2,1 K im Vergleich zu 1961–1990 beziehungsweise +1,7 K im Vergleich zu 1991–2020. Nach der vorläufigen DWD-Einordnung zählt der bisherige Herbst damit zu den zehn wärmsten entsprechenden Herbstperioden seit Beginn der Aufzeichnungen. Der meteorologische Herbst endet erst am 30. November; eine abschließende Saisonbilanz ist dies noch nicht.
Im Oktober 2012 bereits regional tiefwinterlich
Entsprechend gab es in Deutschland bisher auch kaum winterliche Wettererscheinungen. Schnee wurde bislang allenfalls in höheren Lagen der Mittelgebirge, beispielsweise auf dem Brocken, oder in den Alpen registriert. In anderen Jahren sah das schon ganz anders aus. So lag beispielsweise am Morgen des 28. Oktober 2012 bis ins Vorland von Erzgebirge, Thüringer Wald und Alpen eine Schneedecke. Zudem gab es landesweit leichte bis mäßige Nachtfröste. Auf dem Fichtelberg lagen bereits 36 cm, in Neuhaus am Rennweg 23 cm Schnee. Selbst in München (8 cm) und am Flughafen Erfurt/Weimar (5 cm) gab es eine geschlossene Schneedecke.
Schneehöhen in Deutschland am Morgen des 28. Oktober 2012 in Zentimetern. Quelle: Deutscher Wetterdienst, CC BY 4.0.
Am 29. Oktober 2026 ist Deutschland dagegen bis in die höheren Berglagen hinein schneefrei. Man muss schon auf die Zugspitze wandern oder fahren, um einen Hauch von Winter zu erleben. Ähnlich sieht es bei den Temperaturen aus. In vielen Regionen gab es bislang noch keinen Nachtfrost. Im Süden und Osten hat es zumindest regional für wenige Frosttage gereicht.
2003 als Extrembeispiel für eine frühe Kaltphase
Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass in manchen Jahren frostempfindliche Pflanzen wie die Kapuzinerkresse zu diesem Zeitpunkt längst aus den Gärten verschwunden waren. Ein Beispiel ist das Jahr 2003 mit einem der kältesten Oktobermonate seit Beginn der Aufzeichnungen. Damals war es nahezu überall in Deutschland in mindestens einer Nacht frostig. Oft wurden sogar 10 bis 15 Frostnächte registriert. Auf dem Fichtelberg waren es 24, in Neuhaus am Rennweg 18 Frostnächte. In München und Erfurt kam man auf 9 beziehungsweise 11 Nächte. An zahlreichen der dargestellten Stationen, besonders im Norden und Osten Deutschlands, weist die DWD-Auswertung für Oktober 2003 die höchste Zahl an Oktoberfrosttagen aus. Die Aussage bezieht sich auf den Oktober, nicht auf die Frosttage des gesamten Jahres.
Ganz anders zeigte sich der Oktober 2022 mit einer Abweichung nach oben von 3,5 K im Vergleich zu 1961–1990 beziehungsweise 3,1 K im Vergleich zu 1991–2020.
Temperaturmittel und Abweichungen im Oktober 2003 und 2022 sowie Jahre mit den meisten Oktoberfrosttagen an ausgewählten Stationen. Quelle: Deutscher Wetterdienst, CC BY 4.0.
Wann tritt der erste Nachtfrost der Wintersaison auf?
Ein Blick auf die Langzeitstatistik zeigt, dass sich der Zeitpunkt des ersten Frostes in einigen Regionen immer weiter nach hinten verschiebt. Betrachtet man beispielsweise Frankfurt am Main, trat der erste Nachtfrost im Mittel der Jahre 1961–1990 bereits am 20. Oktober auf. Im Zeitraum 1991–2020 war es dagegen erst der 1. November. Betrachtet man nur die letzten 15 Jahre, fällt der mittlere Termin nach der DWD-Auswertung auf den 5. November. Den bisher spätesten ersten Frost gab es am 26. November 2022. Am frühesten war das Jahr 1979 mit dem 16. September dran. Im vergangenen Jahr 2025 trat der erste Nachtfrost am 17. November auf.
Erster Nachtfrost der Wintersaison am Flughafen Frankfurt am Main von 1950 bis 2025. Quelle: Deutscher Wetterdienst, CC BY 4.0.
Dieser Trend lässt sich allerdings nicht auf alle Regionen Deutschlands übertragen, wie der Blick auf einige andere Wetterstationen zeigt. In Essen und Oberstdorf lässt sich in der dargestellten Auswertung kein eindeutiger Trend ausmachen. Bei den Mittelwerten lag der Zeitraum 1991–2020 sogar etwas früher. Die Verschiebung nach hinten ist in den gezeigten Beispielen Frankfurt und München deutlich erkennbar.
Erster Nachtfrost von 1950 bis 2025 in Hamburg-Fuhlsbüttel, Essen-Bredeney, München-Stadt und Oberstdorf. Quelle: Deutscher Wetterdienst, CC BY 4.0.Tabelle der frühesten und spätesten ersten Frosttermine von 1950 bis 2025 an sieben deutschen Wetterstationen. Quelle: Deutscher Wetterdienst, CC BY 4.0.
Wie geht es weiter mit dem Herbst 2026?
Nach der DWD-Prognose vom 29. Oktober gestaltet sich das Wetter unter Hochdruckeinfluss in den kommenden Tagen ruhig. In einigen Regionen bleibt es ganztägig neblig-trüb. Frostige Nächte sind am ehesten im Alpenvorland oder im höheren Bergland zu erwarten. In den Hochlagen der südöstlichen Mittelgebirge und der Alpen ist für das kommende Wochenende sogar etwas Schnee vorhergesagt.
Für große Teile des Landes sind ein Wintereinbruch und frostige Nächte vorerst aber weiterhin nicht in Sicht. So wird auch der Flughafen Frankfurt zunächst weiter auf seinen ersten Frost des Winterhalbjahres 2026/27 warten müssen.
DWD-Vorhersage der Höchst- und Tiefsttemperaturen zum Monatswechsel Oktober und November 2026, Stand 29. Oktober 2026. Quelle: Deutscher Wetterdienst, CC BY 4.0. Hinweis: In der unverändert übernommenen Originalgrafik sind zwei Minimumkarten mit dem 2. November beschriftet. Eine eindeutige Tageszuordnung dieser beiden Felder ist deshalb nicht möglich.
Dipl.-Met. Marcus Beyer Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 29.10.2026 Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
Quelle: Deutscher Wetterdienst – Thema des Tages vom 29.10.2026. Text und verwendete Grafiken: Deutscher Wetterdienst, Lizenz CC BY 4.0. Redaktionelle Bearbeitung durch WINDINFO: Einleitung und Zwischenüberschriften angepasst, vorläufigen Zeitraum der Herbstbilanz verdeutlicht, die Aussage zu 2003 auf Oktoberfrosttage begrenzt, regionale Trendaussage auf die dargestellten Stationsbeispiele bezogen sowie Orthografie und Bildunterschriften präzisiert. Grafiken lokal übernommen und responsiv dargestellt. Das fremde Foto von Christopher Roth wurde nicht übernommen. Die abweichende Datumsbeschriftung der Prognosegrafik ist an der Abbildung erläutert.
https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/10/DWD-29.10.2026-Oktober-2003-und-2022-im-Vergleich.png5331397WINDINFOhttps://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.pngWINDINFO2026-10-29 12:00:002026-10-29 19:11:05Wo bewegt sich der Herbst 2026?
Am 16. Februar 1876 erschien an der Deutschen Seewarte in Hamburg die erste täglich herausgegebene Wetterkarte Deutschlands. Ein Blick auf die historische Karte macht deutlich, wie überschaubar das Beobachtungsnetz damals noch war. Die Wetterdaten wurden bereits per Telegraf übermittelt; eine technische Revolution, die es überhaupt erst ermöglichte, Beobachtungen aus verschiedenen Regionen zeitnah zusammenzuführen. Doch schnell bedeutete nicht automatisch sofort. Die eingehenden Daten mussten zunächst gesammelt und anschließend von Hand in die Karte eingetragen werden. Bis eine vollständige Wetterübersicht vorlag, verging daher einige Zeit.
Erste tägliche Wetterkarte der Deutschen Seewarte vom 16. Februar 1876. Quelle: Deutscher Wetterdienst, CC BY 4.0.
Die Karte zeigte bereits Isobaren, also Linien gleichen Luftdrucks. Sie waren in Abständen von fünf Einheiten eingezeichnet. Anders als heute wurde der Luftdruck damals häufig in Millimetern Quecksilbersäule angegeben. Die nahezu gleich große Druckeinheit Torr geht auf den italienischen Physiker Evangelista Torricelli zurück, der wichtige Grundlagen für die Entwicklung des Barometers schuf. Ein Standardluftdruck von 760 Millimetern Quecksilbersäule entspricht ungefähr 1013,25 Hektopascal.
Eine zweite Karte ergänzte das Bild des Wettergeschehens. Darauf fanden sich Isothermen, also Linien gleicher Temperatur, die 24-stündigen Niederschlagsmengen der Messstationen sowie Angaben zur Höhe des Seegangs. Letztere stammten von Schiffen, die auf Nord- und Ostsee unterwegs waren. Schon damals ging es also nicht nur darum, das Wetter an Land abzubilden, sondern auch die Bedingungen auf See möglichst umfassend zu erfassen.
In den folgenden Jahrzehnten wuchs das Netz der Wetterstationen, und auch die Zahl der täglich erstellten Wetterkarten nahm zu. Neben der Deutschen Seewarte fertigten weitere Einrichtungen regelmäßige Wetteranalysen an. Je dichter das Beobachtungsnetz wurde, desto genauer ließ sich das großräumige Wettergeschehen erfassen. Die Isothermen verschwanden irgendwann auf den Karten. Für die Analyse der bodennahen Wetterlage erwies sich ihre Darstellung als weniger hilfreich.
Auf eine Kaltfront in der Wetterkarte musste man aber noch lange warten. Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte die Bergen-Schule um Vilhelm Bjerknes das Norwegische Zyklonenmodell. Eine zentrale Grundlage war das von seinem Sohn Jacob Bjerknes 1918 vorgestellte und 1919 veröffentlichte Modell wandernder Tiefdruckgebiete. Halvor Solberg und Tor Bergeron trugen zur Weiterentwicklung bei. Bis Frontsymbole auch in deutschen Wetterkarten auftauchten, dauerte es noch bis in die 1930er-Jahre.
Der Zweite Weltkrieg brachte erhebliche Schwierigkeiten mit sich. Immer mehr Wetterstationen stellten ihre Datenübermittlung nach Deutschland ein. Damit gingen wichtige Beobachtungen verloren. Fehlende Messwerte erschwerten sowohl die synoptische Analyse, also die räumliche Zusammenschau der Wetterbeobachtungen, als auch die darauf aufbauende Wettervorhersage.
Wetterkarte des Deutschen Wetterdienstes vom 11. November 1952. Quelle: Deutscher Wetterdienst, CC BY 4.0.
Am 11. November 1952 wurde der Deutsche Wetterdienst (DWD) gegründet. Die Wetterkarte dieses Tages war wieder mit zahlreichen Stationsmeldungen gefüllt. Gegenüber den frühen Karten hatte sich die Darstellung deutlich weiterentwickelt. Neben den Messwerten waren nun auch Wetterfronten eingezeichnet.
Wer heute auf diese Karte schaut, erkennt allerdings, dass die Frontanalyse damals noch anders aussah als in modernen Wetterkarten. So wurde beispielsweise unterschieden, ob eine Kaltfront nur in höheren Luftschichten erkennbar war oder sich durch mehrere Schichten der Atmosphäre erstreckte. Auch Niederschlagsgebiete wurden eigens markiert.
Irgendwann erfolgte dann die Umstellung auf farbige Analyse. Tiefs und Warmfronten wurden in rot eingezeichnet, Hochs und Kaltfronten in blau. Zusätzlich wurden teilweise die Beobachtungen von Regen noch in grün markiert, bei Nebel wurde die Station gelb eingefärbt. Eine Beispielkarte wurde per Hand für Montag, 26.10.2026, 09 UTC erstellt.
Von Hand gezeichnete Bodenwetterkarte Mitteleuropas vom 26. Oktober 2026, 09 UTC. Quelle: Deutscher Wetterdienst, CC BY 4.0.
Am 18. Februar 2015, also 139 Jahre nach der ersten Veröffentlichung der täglichen Wetterkarte, wurde beim DWD die letzte regulär komplett per Hand mit Stift auf Papier gezeichnete Karte herausgegeben. Danach folgte die Ära der rein digital erzeugten Wetteranalyse.
Heute wird die Bodenwetterkarte viermal täglich analysiert: zu den Terminen 00, 06, 12 und 18 UTC. Die Messdaten stammen aus einem weit über Deutschland hinausreichenden Beobachtungsnetz, dessen Stationen über große Teile der Nordhalbkugel verteilt sind. Ihre Übermittlung dauert häufig nur wenige Minuten. Was früher eine aufwendige logistische und zeichnerische Arbeit war, ist heute dank moderner Kommunikationswege und digitaler Systeme erheblich schneller möglich.
Doch wer glaubt, dass die Wetterkarte inzwischen ganz von allein entsteht, irrt sich. Zwar liefern numerische Wettermodelle bereits berechnete Druckfelder und damit eine wichtige Grundlage für die Analyse. Diese Felder werden jedoch nicht einfach unverändert übernommen. Die Isobaren müssen überprüft und an die tatsächlich beobachtete Wetterlage angepasst werden. Auch Fronten und Konvergenzlinien werden von erfahrenen Meteorologinnen und Meteorologen analysiert und von Hand eingezeichnet.
Digitale Bodenwetterkarte des DWD vom 27. Oktober 2026, 00 UTC. Quelle: Deutscher Wetterdienst, CC BY 4.0.
Von der ersten täglich veröffentlichten Wetterkarte im Jahr 1876 bis zur heutigen digitalen Analyse hat sich in der Meteorologie Vieles verändert. Daten erreichen die Meteorologen heute in wenigen Minuten, numerische Modelle liefern eine ungeahnte Fülle an Informationen und digitale Werkzeuge erleichtern die tägliche Arbeit erheblich. Eines ist jedoch geblieben: Eine gute Wetterkarte ist mehr als eine Sammlung von Messwerten und Linien. Sie ist das Ergebnis sorgfältiger Beobachtung, wissenschaftlicher Analyse und meteorologischer Erfahrung. Die Werkzeuge haben sich verändert; die Kunst, aus vielen einzelnen Informationen ein schlüssiges Bild des Wetters zu formen, ist geblieben.
M.Sc. Meteorologin Sonja Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.10.2026 Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
Quelle: Deutscher Wetterdienst – Thema des Tages vom 28.10.2026. Text und Abbildungen: Deutscher Wetterdienst, Lizenz CC BY 4.0. Redaktionelle Bearbeitung durch WINDINFO: Jahreszahl 1867 in der Einleitung auf 1876 berichtigt; Zuordnung des Zyklonenmodells und Druckeinheiten präzisiert; Ende der regulären Handzeichnung von der Beispielkarte 2026 abgegrenzt; Orthografie und Formatierung angepasst. DWD-Grafiken lokal übernommen, teilweise automatisch skaliert und responsiv dargestellt.
https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/10/DWD-28.10.2026-–-Erste-taegliche-Wetterkarte-der-Deutschen-Seewarte-vom-16.-Februar-1876.png10421912WINDINFOhttps://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.pngWINDINFO2026-10-28 12:00:002026-10-28 12:11:03Von der Feder zur digitalen Analyse – Die Wetterkarte Teil 1
Nach einem Wochenende mit Sturm, Dauerregen und der ersten Sturmflut des Herbstes beruhigt sich das Wetter allmählich. Auf einen kurzen Gruß des goldenen Oktobers folgen mit Hoch „Jurij“ ruhigere, aber vielerorts neblige und trübe Herbsttage.
Rückblick und Wetterprognose nach dem DWD-Stand vom 26. Oktober 2026.
Luise und Manja bringen Sturm und Dauerregen
Was war das für ein stürmisches Wochenende! Da machte der Herbst seinem Namen alle Ehre. Bereits am Freitag, dem 23. Oktober 2026, zog das Sturmtief „Luise“ (international „Austen“ genannt) vom Ärmelkanal in Richtung Niederlande und erreichte am Samstagmorgen das Seegebiet bei Helgoland. Dabei fiel gebietsweise schauerartiger Regen. Vor allem im Westen Deutschlands frischte der Wind kräftig auf. In besonders kräftigen Schauern wurden sogar schwere Sturmböen registriert. An der Wetterstation Trier-Petrisberg erreichte eine Böe am Freitag um 17 Uhr 102 km/h (Windstärke 10).
Zum Sonntag, 25. Oktober, folgte das Sturmtief „Manja“ (international „Boelo“ genannt) und sorgte erneut für stürmisches Wetter. Die Station Büsum registrierte am Sonntagnachmittag um 16 Uhr eine Orkanböe mit 125 km/h (Windstärke 12). Auch andernorts kam es im Zuge der Tiefpassage verbreitet zu stürmischen Böen oder Sturmböen. Doch nicht nur der Wind hatte es in sich. Insbesondere in Staulagen der Mittelgebirge sowie im Allgäu kamen erhebliche Regenmengen zusammen. Entsprechend musste vor markantem, örtlich sogar unwetterartigem Dauerregen gewarnt werden. Innerhalb von 72 Stunden fielen von der Eifel über das Saarland bis zum Schwarzwald lokal mehr als 80 Liter Regen pro Quadratmeter. Die Station Weiskirchen im Saarland registrierte insgesamt 94 Liter pro Quadratmeter, davon allein 72 Liter pro Quadratmeter innerhalb von nur 14 Stunden.
Radarbasierte 72-Stunden-Niederschlagssummen in Deutschland bis Montag, 26. Oktober 2026, 08 Uhr. Quelle: Deutscher Wetterdienst, CC BY 4.0.
Sturmschäden und die erste Sturmflut des Herbstes
Die Folgen des stürmischen und nassen Wetters waren vielerorts zu spüren. Umgestürzte Bäume, abgedeckte Dächer und Schiffe in Seenot waren wiederholt Thema in den Medien. Nach dem DWD-Bericht waren in Freiburg und Region am Sonntag rund 10.000 Haushalte stundenlang ohne Strom. Auch im Bahnverkehr kam es teilweise zu erheblichen Einschränkungen. Die Feuerwehren waren vielerorts im Dauereinsatz.
Besonders glimpflich ging laut DWD ein Vorfall im Ruhrgebiet aus. In der Nacht zum Samstag durchbohrte ein herabstürzender Ast die Windschutzscheibe eines Autos und blieb im Armaturenbrett stecken. Die 18-jährige Fahrerin blieb glücklicherweise unverletzt.
Neben Sturm und Regen brachte „Manja“ nach Angaben des DWD auch die erste Sturmflut dieses Herbstes. Unter anderem in Cuxhaven, Wilhelmshaven und Hamburg kam es zu Überschwemmungen. Dabei wurden einige Menschen von den Wassermassen überrascht. Autos mussten abgeschleppt werden, andere blieben im Wasser stecken. In einzelnen Fällen retteten sich die Insassen auf die Dächer ihrer Fahrzeuge, von wo aus sie von Feuerwehr und Deutscher Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Sicherheit gebracht werden konnten.
Bodendruck und Luftmassengrenzen für Montag, 26. Oktober 2026, 12 UTC, auf Basis des ICON-Modelllaufs vom 25. Oktober 2026, 00 UTC. Quelle: Deutscher Wetterdienst, CC BY 4.0.
Zwischenhoch Idris und ein kurzer goldener Oktober
Nach dem stürmischen Wochenende beruhigt sich das Wetter am Montag, 26. Oktober, vorübergehend unter Einfluss eines Zwischenhochs namens „Idris“. Für Montagmittag rechnete der DWD an der Nordsee noch mit einer weiteren Sturmflut, da aufgrund der vorherrschenden Strömung weiterhin Wasser in die Deutsche Bucht gedrückt wird.
Bodendruck und Luftmassengrenzen für Dienstag, 27. Oktober 2026, 12 UTC, auf Basis des ICON-Modelllaufs vom 26. Oktober 2026, 00 UTC. Quelle: Deutscher Wetterdienst, CC BY 4.0.
Bereits in der Nacht zum Dienstag, 27. Oktober, greift dann die Warmfront von „Naomi“ auf Deutschland über, bringt aber lediglich der Nordwesthälfte noch etwas Regen. Am Dienstag gelangt Deutschland in den Warmsektor des Tiefs. Dann kann sich die Sonne zeitweise zeigen, und die Temperaturen steigen auf bis zu 21 Grad. Damit kehrt der goldene Oktober für einen kurzen Moment zurück.
Bodendruck und Luftmassengrenzen für Mittwoch, 28. Oktober 2026, 12 UTC, auf Basis des ICON-Modelllaufs vom 26. Oktober 2026, 00 UTC. Quelle: Deutscher Wetterdienst, CC BY 4.0.
Hoch Jurij bringt ruhiges, häufig trübes Herbstwetter
In der Nacht zum Mittwoch, 28. Oktober, zieht die Kaltfront von „Naomi“ über Deutschland hinweg. Sie bringt erneut etwas Regen; im Vergleich zu den vorherigen Sturmtiefpassagen ist das Tief aber deutlich schwächer ausgeprägt. Im Laufe der Woche gewinnt dann Hoch „Jurij“ zunehmend an Einfluss und es stellt sich meist ruhigeres Herbstwetter ein. Allerdings bedeutet Hochdruckeinfluss im Herbst nicht zwangsläufig Sonnenschein: Vor allem in der Südwesthälfte können sich Nebel und Hochnebel hartnäckig halten und sich teilweise erst im Laufe des Tages auflösen. Im Norden und Osten bleibt es dagegen stärker bewölkt, örtlich kann weiterhin etwas Regen fallen. Nach dem stürmischen Auftakt zeigt sich der Herbst damit von seiner anderen Seite: Auf einen kurzen goldenen Zwischenakt folgen ruhige, aber vielerorts graue und neblige Tage.
M.Sc. Meteorologe Sebastian Schappert Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 26.10.2026 Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
Quelle: Deutscher Wetterdienst – Thema des Tages vom 26.10.2026. Text und DWD-Grafiken unter CC BY 4.0. Text redaktionell gegliedert und sprachlich bearbeitet; relative Zeitangaben konkretisiert, Niederschlagseinheiten vervollständigt und die Ortsangabe Weiskirchen zu „im Saarland“ präzisiert. Die vier DWD-Grafiken wurden unverändert lokal übernommen und werden responsiv dargestellt. Die Wetterprognose gibt den Stand des Originalbeitrags wieder.
https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/10/DWD-Herbstwetter-26-Oktober-2026-Niederschlag.png480854WINDINFOhttps://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.pngWINDINFO2026-10-26 12:00:002026-10-26 19:10:11Herbstwetter mit zwei Gesichtern
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