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Von Sonnenstand und Höchsttemperatur

21. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Hitze ist derzeit eines der Themen, wenn nicht sogar das bestimmende Thema beim Wetter in Deutschland. Heute und am morgigen Montag sind dabei vor allem die Mitte und der Süden betroffen mit Spitzenwerten von bis zu 37 Grad (vielleicht sogar 38 Grad) im Südwesten. Ab Mitte der Woche überschreitet wahrscheinlich auch der Norden wieder verbreitet die 30-Grad-Marke, während man im Südwesten lokal wohl sogar die 40 Grad anpeilt.

Immer wieder hört und liest man bei dieser Thematik von der sogenannten „Mittagshitze“, die man auch zurecht meiden sollte, wenn es irgendwie geht. Mit Blick auf den Tagesgang der Temperatur stellt man allerdings fest, dass die größte Hitze, also die Höchsttemperatur in unseren Breiten im Sommer tatsächlich meist erst im Laufe des Nachmittags, teilweise auch erst am frühen Abend erreicht wird. Der Spitzenreiter am vergangenen Freitag in Sachen Temperatur, Saarbrücken-Burbach, meldete seinen Höchstwert mit 37,5 Grad um 15.50 Uhr. Erst eine Stunde später, um 16.50 Uhr verzeichnete Kitzingen seinen Spitzenwert von 37,3 Grad und in Kahl am Main wurde das Ende des Temperaturanstiegs bei 36,2 Grad sogar erst um 18.20 Uhr erreicht. Aber ist Ihnen schon einmal der Begriff „Abendhitze“ über den Weg gelaufen? Wahrscheinlich eher nicht. „Mittagshitze“ ist dagegen ein gängiger Begriff. Was hat es damit denn nun auf sich?

Veranschaulichen wir den Tagesgang der Temperatur anhand einer Badewanne: Bei geöffnetem Abfluss drehen wir den Wasserhahn nun ein kleines Stück auf. Die Folge: Das Wasser fließt direkt über den Abfluss wieder ab. An eine Füllung der Wanne ist bei diesem Rinnsal nicht zu denken. Das ist in etwa gleichzusetzen mit den ersten einfallenden Sonnenstrahlen am Morgen. Drehen wir den Hahn nun langsam weiter auf, stellen wir fest, dass das Wasser allmählich anfängt zu steigen (entspricht dem Vormittagsverlauf). Zur Mittagszeit ist der Hahn voll aufgedreht und das Wasser (respektive die Sonneneinstrahlung bzw. die Lufttemperatur) steigt stark an.

Im Anschluss wird der Hahn nun langsam wieder zugedreht, es fließt aber zunächst immer noch mehr Wasser von oben nach, als unten abfließt – das Wasser (also die Lufttemperatur) steigt demnach immer noch, wenngleich nicht mehr so schnell (entspricht dem Nachmittagsverlauf). Erst im Laufe des Abends wird der Punkt erreicht, an dem das nicht mehr der Fall ist – der höchste Wasserstand bzw. die Höchsttemperatur ist erreicht. Es fließt nun wieder mehr Wasser ab als von oben nachkommt und der Wasserstand sinkt. Auf die Luft übertragen, reicht die Einstrahlung der immer tiefer stehenden Sonne nicht mehr aus, um es mit der Abkühlung der Luft aufnehmen zu können.

Und wie ist das jetzt mit der Mittagshitze, wenn es doch abends noch heißer ist? Die betrachteten Temperaturwerte werden im Schatten gemessen. Dort ist es mittags also noch kühler als abends. Befindet man sich in der Sonne, sieht das Ganze anders aus. Zur Mittagszeit steht sie in unseren Breiten am steilsten am Himmel (was in Deutschland genaugenommen etwa zwischen 13.00 Uhr und 13.30 Uhr der Fall ist). In der Folge ist dann ihre Einstrahlung am stärksten, was für den Körper unter Umständen durchaus gefährlich werden kann. Abends fällt die Sonnenstrahlung dagegen deutlich flacher ein und ist dadurch auch spürbar schwächer.

Die Mittagshitze bezieht sich also auf den Aufenthalt in der prallen Sonne, die abendliche Höchsttemperatur auf die gemessenen Werte im Schatten. Beide schließen sich also nicht aus, ganz im Gegenteil.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-06-21 14:41:122026-06-21 19:53:54Von Sonnenstand und Höchsttemperatur

Mitternachtsdämmerung

20. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Als Dämmerung bezeichnet man die Zeit vor Sonnenaufgang bzw. nach Sonnenuntergang. In dieser Zeit steht die Sonne bereits unter dem Horizont, ihr Licht ist jedoch durch Streuung in der Atmosphäre noch sichtbar. Die Dämmerung bildet somit den Übergang zwischen Tag und Nacht.

Dabei werden drei Dämmerungsphasen unterschieden. Unmittelbar nach Sonnenuntergang beginnt die bürgerliche Dämmerung. Während dieser Phase nimmt die Helligkeit allmählich ab, bis die ersten hellen Sterne und Planeten sichtbar werden. Sie endet, wenn die Sonne etwa 6 ° unter dem Horizont steht.

Anschließend folgt die nautische Dämmerung. In dieser Phase werden zunehmend schwächere Sterne sichtbar. Sie endet, sobald die Sonne 12 ° unter dem Horizont steht.

Es folgt die astronomische Dämmerung, die endet, wenn die Sonne einen Stand von 18 ° unter dem Horizont erreicht hat. Erst danach beginnt aus astronomischer Sicht die vollständige Nacht.

Rund um die Sommersonnenwende am 21. Juni sind die Dämmerungsphasen auf der Nordhalbkugel besonders lang. Ursache ist die flache Bahn, auf der die Sonne den Horizont schneidet. Dadurch sinkt sie vergleichsweise langsam unter den Horizont, sodass der Übergang von Tag zu Nacht deutlich mehr Zeit in Anspruch nimmt als zu anderen Jahreszeiten. Die kürzesten Dämmerungszeiten treten dagegen in der Nähe der Tagundnachtgleichen im März und September auf.

Weiter nördlich werden die Nächte sogar noch heller. Nördlich des 61. Breitengrads sinkt die Sonne während der Nacht nicht tiefer als 6 ° unter den Horizont. Die bürgerliche Dämmerung endet dort somit überhaupt nicht mehr. Solche Nächte werden als „Weiße Nächte” bezeichnet. Besonders bekannt sind die Weißen Nächte von St. Petersburg. In Deutschland kann dieses Phänomen lediglich ansatzweise auf einigen Nordseeinseln sowie im äußersten Norden Schleswig-Holsteins beobachtet werden.

Grafik „Mitternachtsdämmerung Europa“ von Aeroid, via Wikimedia Commons (wikipedia.org), lizenziert unter CC BY-SA 4.0 (creativecommons.org).

Der Zeitpunkt von Sonnenauf- und Sonnenuntergang sowie der Dämmerung hängt nicht nur von der geografischen Breite, sondern auch von der geografischen Länge ab. So wird es am östlichen Rand Deutschlands mehr als eine halbe Stunde früher dunkel als am westlichen.

Darüber hinaus wird die Intensität der Dämmerung von der Zusammensetzung der Atmosphäre beeinflusst. Insbesondere Aerosole wie Staubpartikel, Rauch oder Vulkanasche in höheren Luftschichten können die Lichtstreuung verstärken und dadurch besonders intensive oder farbenprächtige Dämmerungserscheinungen hervorrufen.

Mitternachtsdämmerung mit Leuchtenden Nachtwolken über Offenbach.

Diplom-Meteorologe Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/06/Mitternachtsdaemmerung-2.png 1095 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-06-20 15:26:262026-06-21 19:53:51Mitternachtsdämmerung

Große Hitze und auch schwere Gewitter?

19. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Bereits am gestrigen Donnerstag sorgte Hoch GORGIAS für viel Sonnenschein. Gleichzeitig strömte auf der Rückseite des Hochs sehr heiße und feuchte Luft nach Deutschland. Damit stiegen die Temperaturen von Südwesten her deutlich an. Vielerorts wurde die Hitzetagmarke von 30 Grad überschritten. In den Niederungen im Südwesten wurden örtlich sogar um 35 Grad gemessen. Bei einem Aufenthalt im Freien fühlte sich die heiße Luftmasse aber noch wärmer an. Grund dafür war die hohe Luftfeuchtigkeit. Dies zeigt sich sehr gut an den hohen Taupunkten.

Trotzdem bildeten sich gestern in der schwülheißen Luftmasse aber kaum Schauer und Gewitter aus. Grund dafür war ein Höhenrücken, welcher sich bis nach Mitteleuropa erstreckte. Damit war die Troposphäre in mittleren Schichten recht stabil geschichtet. Somit konnten sich ohne kräftigen Hebungsimpuls keine Gewitter ausbilden.

Heute verlagert sich der Höhenrücken samt Bodenhoch etwas nach Osten. Dadurch wird die Luftmasse hauptsächlich nach Westen hin stärker labilisiert. Somit kam es bereits in der vergangenen Nacht im Nordwesten zu ersten teils kräftigen Gewittern. Heute im Tagesverlauf bilden diese sich vornehmlich über dem Bergland. Dabei kommt es in der sehr energiereichen Luftmasse lokal zu heftigem Starkregen, Hagel und Sturmböen. Größtenteils reicht es aber heute tagsüber nicht für Gewitter aus, da ein stärkerer synoptischer Hebungsimpuls fehlt. Da die Windscherung weitgehend nur gering ist, sind diese Gewitter überwiegend unorganisiert.

Vorhersagekarte mit Frontensystemen und Druckgebilden für Freitag, den 19.06.2026 um 12 UTC. Hoch GORGIAS verlagert seinen Schwerpunkt nach Osten. Gleichzeitig erreichen schwach ausgeprägte Tiefdruckgebiete den Nordwesten und sorgen teils für Schauer und kräftige Gewitter mit Unwettergefahr!

Am Abend verlagern sich voraussichtlich von den Niederlanden kräftige Gewitter in den Nordwesten Deutschlands. Diese werden auf der Vorderseite eines Randtroges ausgelöst, welcher über die Nordsee nach Nordosten schwenkt. Dabei sind aufgrund von stärkerer Windscherung neben heftigem Starkregen auch größerer Hagel und schwere Sturmböen um 100 km/h (Bft 10) möglich. Es besteht Unwettergefahr!

Am Samstag liegt eine schwach ausgeprägte Tiefdruckrinne über dem Land. Diese ist durch lokale Windkonvergenzen gekennzeichnet. Dort kommt es durch zusammenströmende Luftmassen bereits am Vormittag zur Ausbildung von Schauern und Gewittern. Im Tagesverlauf verlagert sich deren Schwerpunkt nach Osten. Dabei besteht erneut Unwettergefahr durch heftigen Starkregen und Hagel mit größeren Hagelansammlungen. Zudem treten in Verbindung mit den Gewittern örtlich Sturmböen auf. Von Westen setzt sich im Tagesverlauf eine neues Bodenhoch durch, sodass die Schauer- und Gewitteraktivität gehemmt wird. Lediglich über dem Bergland sind einzelne lokal eng begrenzte Entwicklungen möglich.

Zutaten für Gewitter, sowie das signifikante Wetter für Samstag, den 20.06.2026 um 15 UTC. Hohe Feuchtewerte, hohe Labilität und geringe Windscherung, sowie fehlender starker Hebungsantrieb sorgen für meist isolierte Gewitter. Nur im Osten treten diese etwas häufiger auf.

Im Laufe des Samstages erreicht zudem eine Kaltfront den Norden des Landes. Dadurch nimmt bis Sonntag die Wärmebelastung im Norden deutlich ab. Im Süden und in der Mitte bleibt uns allerdings die schwülheiße Luftmasse erhalten. Dazu kommt es dort am Sonntag und Montag vor allem im Grenzbereich zur kühleren Luft zu weiteren Schauern und teils kräftigen Gewittern. Dabei besteht weiterhin Unwettergefahr! Im Süden brodelt es vornehmlich über dem Bergland. Dort verstärkt sich voraussichtlich die Hitze zu Wochenbeginn noch etwas. Dann sind sogar rekordverdächtige Spitzenwerte um 40 Grad nicht ausgeschlossen. Somit ist ein deutschlandweiter Hitzerekord für den Monat Juni möglich. Gleichzeitig nehmen aber auch die Unsicherheiten deutlich zu.

Prognostizierte Wetterlage der verschiedenen Vorhersagemodelle am kommenden Montag um 12 UTC. Das Vordringen der kühleren Luft von Norden wird noch unterschiedlich berechnet. Gleichzeitig deutet sich ein neuer Schwall sehr heißer Luft aus Südwesten an.

Aber auch wenn kein deutschlandweiter Hitzerekord erreicht werden sollte, steht eines fest: Die anhaltende Hitze wird die Menschen in der Südhälfte noch längere Zeit beschäftigen!

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/06/Grosse-Hitze-und-auch-schwere-Gewitter-4.png 911 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-06-19 16:12:562026-06-21 19:53:48Große Hitze und auch schwere Gewitter?

Gewitter im Anmarsch: So verhalten Sie sich richtig

18. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Derzeit rollt eine Hitzewelle auf Deutschland zu. Tageshöchstwerte von bis zu 38 Grad Celsius im Südwesten bringen uns in den kommenden Tagen ganz schön ins Schwitzen. Mit einer südwestlichen Strömung wird aber nicht nur heiße, sondern auch feuchte und energiereiche Subtropikluft nach Mitteleuropa geführt. In der Folge können sich in den kommenden Tagen teils kräftige Gewitter entladen.

Bereits ab der kommenden Nacht zum Freitag (19. Juni 2026) treten erste Gewitter im Nordwesten und Norden auf. Dabei ist die Unwettergefahr aber zunächst noch gering. Ab Freitagnachmittag bilden sich dann insbesondere über den westlichen und südwestlichen Mittelgebirgen sowie an den Alpen teils schwere Gewitter, die bezüglich Starkregen und Hagel auch unwetterartig ausfallen können. Innerhalb kurzer Zeit können kleinräumig Niederschlagsmengen erreicht werden, die einer halben Monatssumme oder mehr entsprechen. Darüber hinaus können lokal eng begrenzt auftretende (schwere) Sturmböen Äste abbrechen lassen oder vereinzelt Bäume umstürzen.

Am Wochenende breitet sich die Gewittergefahr dann landesweit aus. Lediglich im Südwesten könnten die Bedingungen für kräftige konvektive Entwicklungen aufgrund geringerer Feuchte und fehlender Auslöse weniger günstig sein. Am Sonntag lässt die Schauer- und Gewittergefahr in der im Norden einfließenden kühleren Nordseeluft dann nach. In der Mitte und im Süden muss aber weiterhin mit teils kräftigen Hitzegewittern gerechnet werden.

Cumulonimbus-Wolke bei Ernstthal am Rennsteig am 27. Juni 2020.

Wie so häufig bei sommerlichen Gewitterlagen gilt, dass nicht jeder Ort in Deutschland getroffen wird. Bilden sich die kräftigen Gewitter oder ziehen diese auf, erkennt man diese anhand der mächtigen, sich auftürmenden Wolkenformationen. Durch komplexe Prozesse innerhalb der Gewitterwolke werden elektrische Ladungen getrennt. Dadurch können Spannungen von mehreren Millionen Volt entstehen. Der Abbau dieser Spannung erfolgt dann in Form von Blitzen, vor denen man wohl besser in Deckung geht. Dort, wo die kräftigsten Entwicklungen auftreten, muss zudem mit Überschwemmungen, Hagelschlag und lokalen Sturmschäden gerechnet werden. Aber wie verhalte ich mich denn am besten, wenn ich im Freien von einem aufziehenden Gewitter überrascht werde?

Natürlich wäre die beste Lösung, Schutz in Gebäuden mit Blitzableitern oder Fahrzeugen mit metallener Karosserie zu suchen. Diese wirken nach dem Prinzip des Faradayschen Käfigs: Der elektrische Strom fließt über die Außenhülle und nicht durch den Innenraum, sodass die Gefahr von Verletzungen minimiert werden kann. Hat man im Moment des Gewitteraufzugs allerdings kein Gebäude oder Fahrzeug „zur Hand“, ist man dann dem Gewitter hoffnungslos ausgeliefert?

Der Volksmund rät im Allgemeinen dazu, „vor Eichen zu weichen und Weiden zu meiden“. Stattdessen sollte man „Buchen [auf]suchen“. Davon ist allerdings abzuraten. Blitze suchen sich häufig hohe Objekte als Ziel aus, vor allem, wenn diese frei stehen. Dabei macht es keinen Unterschied, ob es sich dabei nun um eine Eiche oder eine Buche handelt. Ob ein Baum getroffen wird, hängt vor allem von seiner Höhe, seinem Standort und seiner Umgebung ab.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt, sich von offenem Gelände, Berggipfeln sowie frei stehenden Objekten wie Bäumen, Antennen und ähnlich hohen Objekten fernzuhalten. Zu Überlandleitungen sollte ein Mindestabstand von 50 Metern unbedingt eingehalten werden. Schutz findet man möglichst in Bodensenken, sozusagen am niedrigsten Punkt der Umgebung. Dabei empfiehlt es sich, mit eng zusammengestellten Füßen in die Hocke zu gehen, damit die sogenannte Schrittspannung möglichst gering bleibt. Außerdem sollte man den Kopf und Nacken schützen, da Gewitter unter Umständen Hagelschlag verursachen. In leeren Flussläufen oder engen Schluchten sollte man jedoch bedenken, dass hier womöglich die Gefahr von Überschwemmungen aufgrund von Starkregen besteht. Außerdem empfiehlt es sich, nach Möglichkeit metallische Gegenstände vom eigenen Körper zu entfernen (z. B. Regenschirme, Golfschläger, Wanderstöcke, etc.). Diese erhöhen nicht die Wahrscheinlichkeit eines Blitztreffers, können aber bei einem Einschlag Verletzungen verursachen und sollten daher abgelegt werden.

Übersicht über geeignete Verhaltensregeln bei Gewittern im Freien.

Und falls ich mich nun zufällig in einem Wald befinde, wenn mich das Gewitter überrascht? Am besten suche ich dann Bereiche auf, an denen jüngere und kleinere Bäume stehen. Aber auch hier gilt, einen möglichst großen Abstand zu den höheren Bäumen einzuhalten. Denn dort kann nicht nur der Blitz einschlagen, kräftige Böen können Bäume auch durchaus zu Fall bringen.

Grundsätzlich sollte man bei einem Aufenthalt in der Natur immer aufmerksam sein und bei den ersten Anzeichen eines Gewitters, das heißt bei aufziehenden dunklen Wolken mit Blitz und Donner in der Ferne, möglichst einen sicheren Zufluchtsort suchen. Denn auch wenn sich das Gewitter nicht direkt über dem eigenen Standort befindet, ist Vorsicht geboten. Zum einen können Gewitterwolken eine große horizontale Ausdehnung erreichen, theoretisch ist darunter überall Blitzschlag möglich. Zum anderen können sich Blitze über mehrere Kilometer seitlich aus einer Gewitterwolke heraus ausbreiten und anschließend den Erdboden erreichen. Daher kann es in seltenen Fällen passieren, dass am Himmel die Sonne scheint und trotzdem ein Blitz aus dem Randbereich einer Gewitterwolke einschlägt – aus „heiterem Himmel“ sozusagen. Bevor man sich nach einem Gewitter wieder ins Freie wagt, sollte man entsprechend möglichst so lange warten, bis sich die Wolke verzogen hat und man keinen Donner mehr hört.

Für den Ausflug ins Freie empfiehlt es sich natürlich, bereits im Vorfeld Informationen über mögliche Wettergefahren unter www.dwd.de einzuholen. Unterwegs lassen sich Wetterwarnungen auch bequem mit dem Smartphone über die DWD-WarnWetter-App empfangen.

M.Sc.-Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/06/Gewitter-im-Anmarsch-1-scaled.jpg 1001 2560 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-06-18 12:55:422026-06-21 19:53:43Gewitter im Anmarsch: So verhalten Sie sich richtig

Wann gibt es Hitzewarnungen und warum?

17. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Wenn der Deutsche Wetterdienst Hitzewarnungen herausgibt, sind damit häufig sehr hohe Lufttemperaturen verbunden, allerdings können auch weitere Bedingungen zu gesundheitlichen Belastungen und Gefährdungen führen. Vor starker Wärmebelastung wird dann gewarnt, wenn Gefühlte Temperaturen von mindestens 32 °C erreicht werden. Ab einer Gefühlten Temperatur von 38 °C spricht man von extremer Wärmebelastung. Zusätzlich sind die nächtlichen Innenraumtemperaturen von Bedeutung, da diese zu einem erholsamen Schlaf beitragen. Bleibt die Nacht zu warm, vermindert sich die Schlafqualität. Durch diese zusätzliche Belastung wird die Hitze tagsüber schlechter verkraftet.

Das Temperaturempfinden des Menschen entspricht der herrschenden Lufttemperatur nur dann, wenn man sich mit Kleidung bewegt, die für die herrschende Temperatur angepasst ist, bei mittlerer Luftfeuchtigkeit und nahezu Windstille im Schatten. In der Sonne und bei hohem Wasserdampfgehalt der Luft empfindet man die Temperatur als höher, bei Wind und geringer Luftfeuchtigkeit als niedriger. Außerdem führen körperliche Aktivitäten dazu, dass der menschliche Organismus Wärme produziert, die an die Umgebung abgeleitet werden muss, um die Körpertemperatur in etwa konstant zu halten. Diese Wärmeabgabe wird zum großen Teil durch Schwitzen bewerkstelligt.

Der anstehende Witterungsabschnitt ist sowohl durch einen hohen Feuchtegehalt der Luft als auch durch sehr hohe Temperaturen gekennzeichnet. Dies führt dazu, dass das Schwitzen und somit die Kühlung des Körpers deutlich erschwert wird. Infolgedessen werden die kommenden Tage für den Körper sehr belastend sein. Oftmals reichen bereits schwülwarme Bedingungen bei mäßiger Wärmebelastung laut Studien aus, dass die Mortalität bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht ist. Nähere Informationen finden sich hier (Gefühlte Temperatur).

Die Herausgabe von Hitzewarnungen richtet sich insbesondere an vulnerable Personen und Risikogruppen sowie Pflegeeinrichtungen und Betreuungspersonal, um rechtzeitig über hitzebedingte, gesundheitsgefährdende Wettersituationen informiert zu sein und entsprechende Schutzmaßnahmen ergreifen bzw. einleiten zu können. Ältere Menschen leiden bereits ab einer Gefühlten Temperatur von 36 °C unter extremer Wärmebelastung und werden mit zusätzlichen Hinweisen in den Hitzewarnungen berücksichtigt. Für den morgigen Donnerstag wurden für den Südwesten bereits Hitzewarnungen (Warnkarte für Hitzewarnungen) ausgegeben.

Aber nicht nur vulnerable Personen und Risikogruppen, deren Anpassungsfähigkeit eingeschränkt ist, sondern auch sonst Gesunde können bei extremen Bedingungen in ihrer Leistungsfähigkeit und ihrem Wohlbefinden beeinträchtigt sein. Die besonderen Verhältnisse in den Städten durch die urbane Wärmeinsel werden ebenfalls bei der Herausgabe von Hitzewarnungen berücksichtigt. Verhaltenstipps für die heißen Tage finden Sie unter (Verhaltenstipps an heißen Tagen).

Nun wollen wir noch einen Blick auf die Maxima der kommenden Tage richten. Während heute nur am Oberrhein die 30-Gradmarke geknackt wird, steigt die Quecksilbersäule in den kommenden Tagen landesweit rasant in die Höhe.
Am Donnerstag wird südlich einer Linie Münsterland-Berlin ein heißer Tag (Maxima von mindestens 30 °C) erwartet. Dazu wird es zunehmend schwüler und am Abend sind im Nordwesten und Westen örtlich unwetterartige Gewitter möglich.

Prognose der Höchsttemperatur für Donnerstag, den 18.06.2026

Am Freitag steigert sich die Hitze noch weiter. Nach einer regionalen Tropennacht, die vor allem in den Ballungsräumen West- und Südwestdeutschlands auftreten wird, stehen mit Ausnahme des äußersten Nordens und des Küstenumfeldes verbreitet schwülheiße Höchsttemperaturen zwischen 30 und 35, im Südwesten bis zu 38 °C auf der Agenda. In der Nordwesthälfte drohen örtlich Unwetter, aber auch im Osten und Süden sind lokal kräftige Hitzegewitter möglich.

Prognose der Höchsttemperatur für Freitag, den 19.06.2026

Am Samstag findet die Hitze ihre Fortsetzung. Es wird ähnlich heiß wie am Vortag und landesweit sind einzelne heftige Gewitter möglich.

Prognose der Höchsttemperatur für Samstag, den 20.06.2026

Ausgangs des Wochenendes und zum Start in die neue Woche deutet sich im Norden eine leichte Abkühlung auf zwar noch sommerliche, aber nicht mehr hochsommerliche Temperaturen an. Im Süden des Landes bleibt es bis mindestens zum Start der neuen Woche heiß, danach ist die Entwicklung noch unsicher.

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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Stormchasing in den USA 2026

16. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Es war wieder an der Zeit: Die Stormchasing-Saison 2026 in den USA stand in den Startlöchern und so machten sich auch in diesem Jahr wieder zwei Kollegen aus der Vorhersagezentrale des Deutschen Wetterdienstes auf den Weg in die Great Plains, um in der Tornado Alley die größten Gewitter mit den besten Strukturen „zu jagen“.

Los ging es rund um die zweite Mai-Dekade, ab der der statistische Höhepunkt der Tornado-Saison in den USA in der Regel stattfindet. Ausgehend vom Flughafen Denver machten sich mehrere deutsche Teams auf eine abenteuerliche Reise, die zunächst mit einem Besuch in den Rocky Mountains startete, da zu Beginn der Reise noch keine Unwetter anstehen sollten.

Zu Beginn stand ein Blick auf die Rocky Mountains mit schneebdeckten Berggipfeln an, der schon die Fernen des Landes erahnen ließ.

Das änderte sich rund um den 13. Mai, als sich im Abendlicht erste Gewitter entwickelten, die tolle Erdblitze hervorbrachten.
Schlag auf Schlag ging es am 15. Mai weiter, als sich östlich von Omaha in Iowa eine beeindruckende Superzelle bildete, die sogar grünlich leuchtete. Nachts bildete eine Lightshow aus unzähligen Blitzen am Horizont einen genialen Abschluss dieses Tages.

Am 15. Mai gab es in Iowa die erste Superzelle mit toller Wolkenstruktur und einer leicht grünlichen Färbung.

Aber an Durchschnaufen war nicht zu denken, denn bereits am 16. Mai ging es mit einer heftigen HP-Superzelle (HP = High Precipitation) nahe Goodland in Kansas weiter. Aus ein paar unscheinbaren Quellungen bildete sich hier in atemberaubender Geschwindigkeit eine Gewitterzelle, wie sie in Mitteleuropa kaum möglich ist. Grund genug für den lokalen Wetterdienst NWS, um diese auch mit einer amtlichen Tornado-Warnung mittels Cell-Broadcasting zu versehen. Für manche der deutschen Chaser war dies die erste Tornado-Warnung überhaupt – ein absoluter Gänsehaut-Moment. Insgesamt konnte diese Gewitterzelle, die vor allem heftigen Regen, Erdblitze, Großhagel und sogar einen massiven Staubsturm auslöste, über Stunden verfolgt werden.

Am 16. Mai konnte bei Goodland (Kansas) eine sehr starke Superzelle beobachtet werden, die Großhagel, einen Tornado-Verdacht und imposante Wolkenformationen mit sich brachte.

Tags darauf fand man sich in Nebraska, nördlich der Stadt Grand Island, wieder. Erneut war mit Schwergewittern zu rechnen und der Tag sollte sich zum Höhepunkt der USA-Reise entwickeln: Wieder bildete sich aus ein paar unscheinbaren Quellungen rasch eine Superzelle, die zunächst im klassischen Modus daherkam und dann auch den Wandel zur HP-Superzelle vollzog. Das „Highlight“ dieser Zelle bildete neben einer famosen Wolkenstruktur aber ein beeindruckender Tornado, der sich schnell bildete, massiv verbreiterte und als sogenannter Wedge-Tornado leider auch den Ort Saint Libory heftig traf und für große Schäden sorgte. Glücklicherweise ist aber bis hierhin nichts von Toten bekannt geworden. Später wurde der Tornado vom NWS mit einer Stärke von EF-3 (219-265 km/h) eingestuft, was als sehr destruktiv gilt.

Am Folgetag gab es über Saint Libory in Nebraska einen zerstörerischen Tornado.

Für den Folgetag (18. Mai) kündigte das SPC die zweithöchste Warnstufe im Hinblick auf Gewitter an und auch Tornados sollte es an diesem Tag erneut geben. Mittags hat man schon anhand einer sehr starken Schwüle gespürt, dass massiv Energie in der Luft lag. Kurz danach bildeten sich auch mehrere Superzellen, die allesamt mit einer Tornadowarnung versehen wurden und sehr stark rotierten. Leider war die Sicht an diesem Tag aufgrund der hohen Feuchte in der Atmosphäre stark eingeschränkt, sodass man nah an die Gewitterzellen heranfahren musste, um überhaupt etwas zu sehen. Bei Clay Center in Kansas konnten wir dann eine beeindruckende Superzelle erwischen, deren Nachfolgerin später eine Wallcloud (tiefe, abgesenkte Wolkenbasis mit Rotation) bildete, was auf eine unmittelbare Tornadogefahr hindeutete. Sogleich schrillten auch die Tornado-Sirenen in der Kleinstadt – ein weiterer Gänsehaut-Moment. Glücklicherweise blieb der Tornado aus und die Stadt verschont. Generell verlief dieser Tag etwas ruhiger als gedacht und der erwartete Tornado-Outbreak kam nicht zustande.

Am 18. Mai kündigte sich die nächste Schwergewitterlage an, glücklicherweise blieb ein Tornado-Outbreak jedoch aus.

In den weiteren Tagen beruhigte sich das Wetter etwas und der Fokus lag eher auf kleinen, lokalen Gewitterlagen mäßiger Intensität anstatt auf überregionalen Schwergewitterlagen. So konnte man etwa am 23. Mai in Texas oder am 25. Mai in Nebraska tolle Wolkenstimmungen mit unzähligen Blitzen beobachten, einen Teil davon sogar im besten Abendlicht.

Den Abschluss der Tour bildeten etwas schwächere, aber blitzaktive Gewitterzellen im Abendlicht – hier am 25. Mai in Nebraska.

Nach rund 12.000 km in nicht einmal 3 Wochen endete für die DWD-Meteorologen die USA-Tour 2026 am 28. Mai am Flughafen in Denver. Allen Beteiligten war aber schnell klar, dass es definitiv nicht das letzte Mal gewesen sein wird, dass man in den USA chasen war. Vor allem vor dem Hintergrund, dass die Saison 2026 unterdurchschnittlich verlief und damit Steigerungspotential in den kommenden Jahren besteht.

M.Sc.-Met. Oliver Reuter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/06/Stormchasing-in-den-USA-2026-1.jpg 853 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-06-16 16:07:132026-06-16 18:20:16Stormchasing in den USA 2026

Weltwindtag

15. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Wind bezeichnet im Allgemeinen die Verlagerung von Luftteilchen. Da die Teilchen nicht nur ihre Richtung, sondern auch ihre Stärke bei der Verlagerung ändern, ist der Wind eine Vektorgröße. Er wird in verschiedenen Höhen ermittelt, wobei die Angabe des Bodenwindes immer aus Messungen in 10 Metern Höhe erfolgen. In der Meteorologie unterscheidet man den Mittelwind von den Windspitzen. Der Mittelwind wird über 10 Minuten sowohl in Richtung als auch Stärke gemittelt. Die Richtung wird in Grad, die Stärke in Beaufort und die Geschwindigkeit in Deutschland meist in Kilometer pro Stunde angegeben. Die Windspitzen sind auch gemittelt, aber über eine Länge von 3 Sekunden. Ausgegeben werden sie unter anderem als Windspitze des Tages oder der Stunde.

Die Windspitzen können je nach Wetterlage deutlich vom Mittelwind abweichen. Bei einem Gewitter, wo die maximale Böe oft nur wenige Minuten andauert, kann der Unterschied zwischen Mittelwind und Spitze mehrere Beaufort betragen. Daher ist die Dokumentation der Windspitzen hier besonders wichtig.

Nun bewegen sich die Luftteilchen nicht einfach so, sie werden von den auf der Erde herrschenden Luftdruckunterschieden angetrieben. Da die Natur immer ein Gleichgewicht anstrebt, bewegen sich die Luftteilchen vom höheren zum niedrigeren Druck. Es handelt sich um einen Massenstrom mit dem Ziel, den Druckgradienten auszugleichen. Je größer die Druckunterschiede sind, umso schneller bewegen sich die Teilchen und umso höher ist die Windgeschwindigkeit. Dabei übt der Wind auf alles, was in seiner Strömungsrichtung liegt Druck aus – die entstehende Kraft heißt Winddruck oder Windkraft.

Windkraftanlagen machen sich die Windkraft zu Nutze und wandeln die kinetische Energie (Bewegungsenergie) des Windes in elektrische Energie um. Dabei werden die Rotorblätter vom Wind in Bewegung versetzt, was eine Rotationsenergie erzeugt. Die Rotorwelle im Inneren der Windkraftanlage nimmt das Drehmoment auf und leitet es an den Generator weiter. Dieser wandelt die mechanische Energie in elektrische Energie um. Diese Energie gelangt dann über einen Transformator in unser Stromnetz.

Je höher die Windgeschwindigkeit ist, umso stärker ist der Antrieb an den Rotorblättern. Damit erhöht sich das Drehmoment und schließlich auch die elektrische Energie. Die meisten Anlagen schalten sich bei einem Mittelwind von 3 bis 4 Metern pro Sekunde (entspricht etwa 10 bis 15 km/h) ein. Eine automatische Abschaltung erfolgt bei Windgeschwindigkeiten ab etwa 90 km/h. Das schützt die Anlage vor Sturmschäden und das Stromnetz vor Überlastung.

Kommen wir nun zum Weltwindtag. Der geht auf die European Wind Energy Association zurück. Durch sie wurde bereits 2007 der Wind Day ins Leben gerufen, um auf die Bedeutung der Windenergie in der heutigen Zeit hinzuweisen. Seit ihrer Kooperation mit globalen Windenergiekonsortien wurde aus dem ursprünglich europäischen Aktionstag ein weltweiter. Der Auftrag ist aber geblieben: Die Windenergie und ihre Rolle in der Gesellschaft hervorzuheben. Das diesjährige Motto lautet „our wind, our community“ und soll verdeutlichen, dass Windenergie am besten funktioniert, wenn alle mitmachen.

Windkraftanlagen sind nicht unumstritten. Für die einen „verschandeln“ sie die Umgebung, für andere stellen sie eine Gefahr für die Flora und Fauna dar. In der Meteorologie stören Windkraftanlagen häufig Radarmessungen. Da sie sich aber selten bewegen, kann man mit klugen Rechenoperationen die erzeugten Fehlmessungen ausbessern.

Diplom-Meteorologin Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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Erwartet uns eine intensive Hitzewelle?

14. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Tief SABINA sorgt am heutigen Sonntag vor allem im Nordosten für wechselhaftes Wetter. Im Tagesverlauf treten dort immer wieder Schauer und vereinzelt auch Gewitter auf. Zwischen Hoch FALK über Westeuropa und Tief SABINA stellt sich ein relativ starker Druckgradient ein. Dies hat einen lebhaften Nordwestwind zur Folge. In Schauer- und Gewitternähe sowie in exponierten Lagen sind zudem stürmische Böen bis Stärke 8 Beaufort möglich. Insgesamt ergibt sich damit eher ein frühherbstlicher Eindruck. Der Südwesten befindet sich dagegen bereits unter dem Einfluss von Hoch FALK. Dort scheint heute häufiger die Sonne, und die Temperaturen erreichen frühsommerliches Niveau. Am Oberrhein werden Höchstwerte von bis zu 26 Grad erwartet.

Vorhersagekarte für Sonntag, den 14.06.2026 um 12 UTC. Tief SABINA beeinflusst vor allem den Nordosten mit wechselhaftem und kühlem Wetter. (Quelle:DWD)

In den kommenden Tagen verlagert sich Tief SABINA allmählich nach Nordwestrussland und macht damit Platz für hohen Luftdruck. Allerdings bleibt die Nordhälfte zunächst im Einflussbereich von Frontensystemen, die neben vielen Wolken auch immer mal wieder schauerartige Regenfälle mit sich bringen. Örtlich sind auch Gewitter mit von der Partie. Dies ändert sich aber allmählich zur Wochenmitte. Dann baut sich von Südwesten ein Höhenrücken auf. Dieser ist mit hohem Luftdruck am Erdboden und absinkenden Luftmassen verbunden. Dadurch nehmen die Sonnenscheinanteile auch im Norden zu. Gleichzeitig strömt von Südwesten heiße und zunehmend auch sehr feuchte Luft nach Deutschland.

Am Donnerstag steigen die Temperaturen damit landesweit deutlich an. Dann werden in der Südhälfte in den Niederungen verbreitet Temperaturen um oder über 30 Grad erreicht. Entlang des Oberrheins sind auch bereits Spitzenwerte bis 36 Grad möglich. Auch im Hinblick auf die zunehmende Schwüle und die zunehmend warmen Nächte steigt die Wärmebelastung deutlich an. Am Freitag dehnt sich die Zone der schweißtreibenden Temperaturen noch etwas nach Norden aus. Damit sind dort nun abseits der Küstengebiete verbreitet Höchstwerte um 30 Grad zu erwarten. In der Mitte und im Süden liegen die Höchsttemperaturen voraussichtlich um 35 Grad. Örtlich auch darüber.

Unsicherheiten bezüglich der Spitzenwerte ergeben sich aber vor allem noch dadurch, dass am Freitag im Tagesverlauf hauptsächlich im Westen das Gewitterrisiko steigen wird. Grund dafür ist die sehr energiereiche Luftmasse. Zudem ist die Troposphäre recht labil geschichtet, da der über Mitteleuropa liegende Keil in der Höhe nicht sehr stark ausgeprägt ist. Somit sind vor allem über dem Bergland und im weiteren Verlauf durch einen von Westen heranrückenden Trog auch im Nordwesten kräftige Gewitter möglich. Diese können nicht nur die Höchsttemperaturen etwas dämpfen, sondern auch für Unwettergefahr sorgen!

Modellvergleich der prognostizierten Großwetterlage für Sonntag, den 21.06.2026 um 00 UTC. Die Verlagerung des herannahenden Troges über Nordwesteuropa ist noch mit einigen Unsicherheiten verbunden. (Quelle:DWD)

Für den weiteren Verlauf des Wochenendes wird entscheidend sein, wie schnell ein von Westen heranrückender Trog auf Deutschland übergreift. Dies wird von den Modellen noch sehr unterschiedlich berechnet. Es deutet sich im Norden damit bereits zum Sonntag hin eine deutliche Abkühlung an. Im Süden stehen die Chancen auf eine Fortsetzung der Hitzewelle aber durchaus gut. Damit sind dort in den Niederungen ab Donnerstag sogar mehrere sehr heiße Tage mit Spitzenwerten von über 35 Grad möglich! Eine längere Hitzewelle scheint somit insbesondere im Südwesten sehr wahrscheinlich. Im Norden dürfte die Hitze allerdings maximal nur von kurzer Dauer sein, während es an den Küsten voraussichtlich sogar komplett hitzefrei bleibt.

Ensemblevorhersagen der Temperatur in 1500 Metern Höhe, des Niederschlags und des Geopotentials für die nächsten zehn Tage für Stuttgart und Hamburg. Während im Süden eine längere Hitzewelle recht wahrscheinlich ist, ist die Andauer und Intensität der Hitze im Norden voraussichtlich stark begrenzt. (Quelle:ECMWF)

Damit ist ab der Wochenmitte vor allem in der Südhälfte Schwitzen angesagt. Erschwerend zu den hohen Temperaturen und der hohen Luftfeuchte kommt auch noch der Sonnenhöchststand hinzu. Der Sonnenhöchststand wird zur Sommersonnenwende am 21. Juni erreicht. Dadurch fühlen sich die ohnehin schon sehr hohen Temperaturen bei Aufenthalt in der Sonne noch höher an. Wer der Hitze entfliehen möchte und kann, für den bietet sich ein Ausflug an die Nordseeküste an.

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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Das Vertikalprofil – ein zentrales Analyse-Werkzeug

13. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Liest man dieser Tag den Wetter- oder Warnlagebericht, oder auch speziellere Produkte wie die zweimal täglich vom DWD ausgegebene Übersicht der synoptischen Kurzfristvorhersage, so wird aufgefallen sein, dass relativ konsequent das Gewitterpotenzial besprochen wird – sei es, weil das Potenzial besonders hoch ist, weil Gewitter in bestimmten Regionen nicht ausgeschlossen werden können, oder auch weil das Ausbleiben von Gewittern erwähnenswert sein kann. Auch die teils schweren Gewitterlagen der vergangenen Wochen (beispielsweise am 29.05.2026) haben verdeutlicht, dass wir uns in der Gewittersaison befinden. Das Potenzial für solch hochreichende Konvektion mit elektrischer Entladung als zentrale Begleiterscheinung hängt, eng verknüpft mit der zugrunde liegenden großskaligen Strömung, maßgeblich von der lokalen vertikalen Schichtung der Atmosphäre ab. Spezifischer, von den Vertikalprofilen der Temperatur, der Luftfeuchtigkeit und des Windes in der Troposphäre – jener erdnächsten Atmosphärenschicht in der das allgemeine Wettergeschehen stattfindet.

Ein zentrales Analyse-Werkzeug in der Meteorologie insbesondere in diesem Kontext ist das sogenannte log-p skew-T Diagramm: eine spezielle und zweckdienliche Art den Höhenverlauf der oben genannten zentralen Parameter darzustellen. Zweckdienlich dahingehend, dass das geübte Auge aus dem Profil der Mess- oder Modellgrößen sowie den dargestellten Hilfsparametern eine recht konkrete Abschätzung über das Gewitterpotenzial sowie die Ausprägung der möglichen Begleiterscheinungen – Niederschlagsmenge, Windböen, und Hagelgröße – geben kann.

Abb. 1 Radiosonden-Aufstieg vom meteorologischen Observatorium Lindenberg am vergangenen Donnerstag, dem 11.06.2026 um 12 Uhr. Eingeblendet werden sukzessive die im Text beschriebenen Hilfslinien, sowie im Anschluss die gemessenen Vertikalprofile von Temperatur, Taupunkt, und Wind.

In Abbildung 1 werden zuerst die sich teils gegenseitig bedingenden Koordinaten als Grundlage des log-p skew-T Diagramms sukzessive hinzugefügt. In der vertikalen Achse ist der mit der Höhe exponentiell abnehmende Luftdruck p logarithmisch aufgetragen, daher das namensgebende log-p. Die Isothermen, die Linien konstanter Temperatur sind nicht vertikal aufgetragen, sondern diagonal geneigt – daher das skew („geneigt“) T. Die Isothermen sind in 10 Grad Schritten aufgetragen, die 0 Grad Isotherme ist blau hervorgehoben.

Die Linien, die in der Abbildung als erstes neu erscheinen sind die sogenannten Trockenadiabaten. Sie zeigen, wie sich die Temperatur eines Luftpakets verändert, wenn es aufsteigt oder absinkt, unter der Annahme, dass es keine Wärme mit seiner Umgebung austauscht. Die zweite wichtige Bedingung für diese Temperaturänderung von etwa 1 °C pro 100 m ist, dass die Luft noch nicht mit Wasserdampf gesättigt ist. Das bedeutet, dass keine Kondensation stattfindet und kein Wasser aus der Luft ausfällt.

Denn ebenso wie Energie benötigt wird, um die Bindungen von Wasser im flüssigen Zustand zu lösen – beispielsweise beim Verdampfen von Wasser – wird Energie frei, wenn gasförmiges Wasser wieder in den flüssigen Zustand übergeht. Erreicht ein aufsteigendes Luftpaket Sättigung und beginnt Wasserdampf zu kondensieren, so wird diese sogenannte latente Wärme freigesetzt. Dadurch kühlt sich das Luftpaket mit zunehmender Höhe langsamer ab als im ungesättigten Fall. Der entsprechende Temperaturverlauf ist durch die sogenannten Feuchtadiabaten dargestellt (grüne, als zweites eingeblendete Linien in Abbildung 1).

Die zuletzt eingeblendeten grün gestrichelten Hilfslinien zeigen konstante Wasserdampf-Mischungsverhältnisse an, also wie viel Gramm Wasserdampf in einem Kilogramm Luft sind. Für jeden festen Wert des Wasserdampf-Mischungsverhältnisses gibt es genau eine Temperatur, bei der die Luft Sättigung erreicht. Somit sind diese Linien im Diagramm eindeutig festgelegt. Sie ermöglichen es, sowohl aus dem Temperaturverlauf abzulesen, wie viel Wasserdampf die Luft maximal enthalten kann bevor Sättigung eintritt, als auch aus dem Taupunktverlauf zu bestimmen wie viel Wasserdampf tatsächlich in der Luft vorhanden ist.

Nachdem die beschriebenen Koordinaten und Hilfslinien in Abbildung 1 eingeblendet sind, folgen die eigentlichen Messwerte, von einem Radiosonden-Aufstieg (Wetterballon) vom meteorologischen Observatorium Lindenberg am vergangenen Donnerstag, dem 11.06.2026 um 12 Uhr: zuerst in schwarz der Verlauf der Temperatur mit der Höhe, dann gestrichelt der Taupunkt als absolutes Maß der Luftfeuchtigkeit, und zuletzt die Windfiedern.

Die Auswertung eines aufsteigenden Luftpakets anhand des gemessenen Radiosondenprofils zeigt den Aufstieg der bodennahen Luft entlang der Trockenadiabate bis zur Wasserdampfsättigung, im Anschluss entlang der Feuchtadiabate. Die im Text nicht beschriebenen dargestellten Größen können vorerst getrost ignoriert werden.

An besagtem Tag befand sich ein Höhentrog über Deutschland, eine Auslenkung von Luftmassen aus nördlicheren Breitengraden Richtung Süden. Die bei einem Druckniveau von mehr als 300 hPa verhältnismäßig tief liegende Tropopause deutet im Vertikalprofil darauf hin. Die Luftmasse war tatsächlich mäßig labil geschichtet – „zu“ warme und ausreichend feuchte Luft befand sich in Bodennähe – so dass es zu vertikaler Durchmischung kam und sich relativ verbreitet über Deutschland Schauer und Gewitter bildeten. Die Luft in Bodennähe stieg entlang der Trockenadiabate auf bis Sättigung erreicht war, sprich bis das Mischungsverhältnis des bodennahen Taupunkts die Aufstiegs-Trockenadiabate schnitt. Ab dort kühlte sich die Luft beim weiteren Aufstieg aufgrund der Freisetzung latenter Wärme bei Kondensation und Wolkenbildung weniger ab, und blieb somit bis es die Tropopause erreichte wärmer und leichter als die durch die Temperaturmessung repräsentierte Umgebungsluft.

Falls das Alles zunächst etwas viel Information auf einmal war, ist das kein Grund zur Sorge – das liegt gewissermaßen in der Natur dieser eher unintuitiven, aber sehr aussagekräftigen Diagramme. Beim Lesen und Interpretieren solcher Aufstiegsprofile hilft vor allem Übung. Sollten Ihnen in einer späteren Lektüre, beispielsweise im Thema des Tages, erneut ein solches Diagramm begegnen, können Sie nach der heutigen Einführung (oder Auffrischung) hoffentlich bereits etwas mehr daraus entnehmen – sei es „nur“ der Temperaturverlauf, oder auch Hinweise auf das Potenzial für vertikale Luftbewegungen und Durchmischung in der Troposphäre.

Dr. rer. nat. Thorsten Kaluza (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/06/Das-Vertikalprofil-ein-zentrales-Analyse-Werkzeug-1.gif 831 808 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-06-13 13:05:152026-06-15 22:48:56Das Vertikalprofil – ein zentrales Analyse-Werkzeug

Die atlantische Hurrikansaison 2026: Ist-Zustand und Prognosen

12. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Offiziell läuft die alljährliche Hurrikansaison über dem Nordatlantik vom 1. Juni bis zum 30. November. Vor ihrem Beginn erstellen diverse nationale Wetterdienste und weitere wissenschaftliche Einrichtungen stets Prognosen über ihren Verlauf. Prognostiziert wird dabei die Anzahl benannter Stürme, wobei es dabei nicht nur um Hurrikane geht, sondern um alle tropischen und subtropischen Stürme über dem Nordatlantik.

Dabei definieren sich die Wirbelstürme über ihre mittlere Windgeschwindigkeit (1-minütiger Mittelwind). Ab 62 km/h spricht man von einem tropischen Sturm (bzw. je nach Entstehungsregion auch subtropischen Sturm), ab 119 km/h von einem Hurrikan und ab 178 km/h von einem schweren Hurrikan (engl.: major hurricane). Schwere Hurrikane nehmen damit die Kategorien drei bis fünf auf der fünfteiligen Saffir-Simpron-Skala ein. Durchschnittlich entwickelten sich zwischen 1991 und 2020 – also innerhalb der aktuellen sogenannten Vergleichsperiode – pro Jahr 14 tropische Stürme, darunter 7 Hurrikane und darunter wiederum 3 schwere Hurrikane.

Vergleichen wir diese Durchschnittswerte mal mit dem Rekordjahr 2020. Mit 30 benannten Stürmen – so viel gab es noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen – entwickelten sich damals mehr als doppelt so viele Stürme als im Mittel. Davon mauserten sich 14 Stück zu Hurrikanen (Platz 2 nach 2005) und davon wiederum sieben zu schweren Hurrikanen (wie 2005). Letztes Jahr verlief mit 13 tropischen Systemen zwar eher durchschnittlich, von den „nur“ 5 darunter befindlichen Hurrikanen entwickelten sich aber stolze 4 zu schweren Hurrikanen. „Wenn dann richtig!“ könnte man die Saison 2025 also zusammenfassen.

Das Klimaprognosezentrum der US-amerikanischen NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) prognostiziert für 2026 eine unterdurchschnittliche Wirbelsturmaktivität auf dem Nordatlantik (Stand 21.05.2026). Für dieses Szenario ruft es eine 55-prozentige Wahrscheinlichkeit auf. Einer durchschnittlichen Saison räumt es immerhin noch eine 35-prozentige, für eine überdurchschnittliche dagegen nur eine 10-prozentige Chance ein. Als Hauptgrund für diese „Zurückhaltung“ wird die derzeitige Entwicklung von El Nino genannt, der sich unter der Saison weiter verstärken soll. Unter El Nino versteht man kurz und knapp gesagt ein großräumiges Zirkulationsmuster über dem Pazifik. Auch wenn dieses Phänomen auf dem Pazifik beheimatet ist, so hat es doch einen signifikanten Einfluss auf das globale Wettergeschehen – unter anderem eben auch auf die tropische Wirbelsturmentwicklung über dem Atlantik (mehr dazu im Thema des Tages vom 18.05.2026).

Prognose der atlantischen Hurrikansaison 2026 durch die NOAA. Quelle: NOAA

In absolute Zahlen umgemünzt geht das Klimaprognosezentrum dieses Jahr von 8 bis 14 benannten Stürmen aus, wovon 3 bis 6 zu Hurrikanen und davon wiederum 1 bis 3 zu schweren Hurrikanen heranreifen sollen. Quasi ins gleiche Horn stoßen auch viele andere Institutionen mit ihren Prognosen, wie man der nachfolgenden Tabelle entnehmen kann. Als Hauptgrund wird ebenfalls die Entwicklung beziehungsweise Verstärkung von El Nino herangezogen.

Prognose der Anzahl benannter tropischer Stürme für 2026 auf dem Nordatlantik von verschiedenen Institutionen. Dazu das jeweilige Mittel zwischen 1991 und 2020 sowie die höchste und niedrigste Aktivität.

Einzig die University of Arizona wählt einen total anderen Weg und geht von einer überdurchschnittlichen Saison aus. Sie sieht Ähnlichkeiten zu 2023 als trotz sich ausbildendem El Nino eine der aktivsten Wirbelsturmsaisons seit Aufzeichnungsbeginn beobachtet wurde. Grund hierfür war eine ungewöhnlich hohe Meeresoberflächentemperatur, die den dämpfenden El-Nino-Effekt kompensieren konnte. Eine sehr interessante Theorie! Ob es sich dann letztlich wirklich nur um eine Außenseiterlösung gehandelt hat, bleibt abzuwarten.

Aktuell steht der Zähler übrigens noch auf null (Stand: 12.06.2026). Doch die Frage ist nicht ob, sondern wann der erste Wirbelsturm in diesem Jahr auftritt. Dabei ist es letztlich egal, wie aktiv die Saison ausfällt. Denn im Endeffekt reicht schon ein Sturm, der auf dicht besiedeltes Küstengebiet trifft, aus, um selbst aus einem potenziell unterdurchschnittlichen Wirbelsturmjahr ein katastrophales zu machen.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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