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Geschichte der Meteorologie − Teil 12: Meteorologie um 1800 und zu Beginn des 19. Jahrhunderts

1. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Im letzten Thema des Tages zur Geschichte der Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts wurden allgemeine sowie Erkenntnisse der Meteorologie aus Expeditionsreisen vorgestellt. In diesem Thema des Tages wird die Meteorologie um 1800 beleuchtet. Neben der Wolkenklassifikation und der Windstärkenskala gibt es viele weitere Entdeckungen von der Medizinmeteorologie bis hin zu einem Feuchtigkeitsmesser.

Beginnen wir mit meteorologischen Erkenntnissen im Bereich der Medizinmeteorologie.

Der französische Meteorologe Louis Cotte (1740−1815) wurde 1774 mit der Leitung eines medizinisch-meteorologischen Netzwerks aus französischen Tierärzten und Landärzten betraut, um den Zusammenhang zwischen der Pest und dem Wetter zu untersuchen. Das Projekt lief bis 1794.

Der polnische Schriftsteller und Wissenschaftler Stanisław Staszic (1755−1826) entwarf die Salzverdunstungstürme in Ciechocinek an der Weichsel, die errichtet wurden, um aus der in der Region reichlich vorhandenen Sole Salz zu gewinnen. Die Sole wurde an die Spitze der Türme gepumpt und tropfte dann an deren Seitenwänden herab, wo sie durch Sonneneinstrahlung und Wind verdunstete. Das Salz aus der Sole blieb zurück. Darüber hinaus wurden durch diesen Vorgang Iod und Feuchtigkeit an die Luft abgegeben. Dies veränderte das Mikroklima im Bereich der Türme und ließ es eher einer maritimen als einer kontinentalen Umgebung ähneln. Die Menschen kamen nach Ciechocinek, um die therapeutischen Eigenschaften der lokalen Luft zu nutzen. Die Stadt entwickelte sich zu einem bedeutenden Kurort mit vielen Sanatorien für Menschen mit verschiedenen Gesundheitsproblemen, die durch das Einatmen der Iod-reichen Luft behandelt werden konnten. Dies stellt ein frühes Beispiel für eine vom Menschen verursachte Veränderung des Mikroklimas dar.

Auch um 1800 und zu Beginn des 19. Jahrhunderts fanden mehrere Expeditionsreisen mit erwähnenswerten Beiträgen zur Meteorologie statt.

Der preußische Forschungsreisende, Naturforscher, Physiker und Geograph Alexander von Humboldt (1769−1859) gilt als der letzte Universalgelehrte auf dem Gebiet der Naturwissenschaften. Zu Humboldts zahlreichen wissenschaftlichen Interessen zählten auch die Meteorologie und die Klimatologie. Für eine Expedition über die Kanarischen Inseln zu den spanischen Provinzen Lateinamerikas und in die Vereinigten Staaten zwischen 1799 und 1804 verfügte von Humboldt über zwei Quecksilberbarometer, mehrere Thermometer, einen Regenmesser, zwei Hygrometer (zur Messung der Luftfeuchtigkeit), ein Cyanometer (zur Messung der blauen Farbe des Himmels), ein Hypsometer (zur Bestimmung der Siedetemperatur von Wasser in verschiedenen Höhenlagen) und ein Eudiometer (zur Messung des Gasvolumens) sowie Instrumente zur Messung des Erdmagnetfelds. Verschiedenste Messungen wurden während der Expedition durchgeführt, besonders in Quito 1802. Von Humboldt untersuchte die Entstehung und die Zugbahnen tropischer Stürme. Er führte Messungen der Meeresströmung durch, die entlang der Westküste Südamerikas fließt und als Humboldtstrom bekannt wurde. Nach 1804 verlagerte von Humboldt seine Forschungsinteressen zum Vulkanismus und zum Magnetismus. Er publizierte die wissenschaftlichen Erkenntnisse seiner Amerika-Expedition. 1817 veröffentlichte er eine Weltkarte der Durchschnittstemperaturen, die erste globale Klimaanalyse. 1829 unternahm er eine Expedition nach Sibirien. Dort führte er meteorologische und magnetische Messungen durch und entdeckte das, was heute als Permafrost bezeichnet wird. Nachfolgend trieb er den Aufbau eines russischen Netzwerks von magnetischen und meteorologischen Beobachtungsstationen voran, welches bis 1835 in Nordasien etabliert werden konnte. Von Humboldt konnte anhand der gewonnenen Daten zu dem Schluss kommen, dass der größte Teil Russlands ein „kontinentales“ Klima aufweist (ein Klima, wie man es im Inneren von Kontinenten vorfindet, wo die Temperaturextreme aufgrund des fehlenden mildernden Einflusses eines Ozeans größer sind als anderswo). Von Humboldts übergeordnetes Ziel war jedoch ein weltweites Netzwerk, und zu diesem Zweck überzeugte er die britischen Behörden, permanente magnetische Observatorien in britischen Kolonien auf der ganzen Welt einzurichten: in Kanada, auf St. Helena, am Kap der Guten Hoffnung, auf Ceylon, in Jamaika und in Australien. Die Idee der internationalen Zusammenarbeit durch weltweite Netzwerke von Beobachtungsstationen, die gleichzeitig wissenschaftliche Messungen durchführen, ist eines von von Humboldts Vermächtnissen. Er war der Erste, der eine solche Idee (vor allem für magnetische Beobachtungen) formulierte und sie bis zur Vollendung umsetzte.

Der Jurist, Botaniker und Amateurastronom Francisco José de Caldas (1768−1816) aus dem Vizekönigtum Neugranada (heute Kolumbien) entwickelte Ende des 18. Jahrhunderts ein Interesse an den Naturwissenschaften. Er eignete sich die Grundlagen der Astronomie und Meteorologie im Selbststudium durch Beobachtungen an, da ihm keine Bücher als Leitfaden zur Verfügung standen. Anschließend baute er ein Barometer und nutzte es zur Durchführung von Druckmessungen. Das „Hypsometer“ (oder „hypsometrisches Thermometer“) ist ein Instrument, das die Höhe indirekt messen kann, indem es mithilfe eines Thermometers die Temperatur von kochendem Wasser in dieser Höhe misst und anschließend die Zusammenhänge zwischen dem Siedepunkt von Wasser und dem Luftdruck sowie zwischen dem Luftdruck und der Höhe anwendet. Frühere Arbeiten zu diesem Instrument waren de Caldas unbekannt. Er erfand das Hypsometer unabhängig davon einige Zeit vor dem Besuch von Alexander von Humboldt in Kolumbien im Jahr 1801. Von Humboldt unterrichtete de Caldas in Meteorologie, Astronomie und Berechnungstechniken. 1804 führte de Caldas eigene Messungen in Quito durch, deren Ergebnis ähnlich denen von von Humboldts waren.

Die beiden nordamerikanischen Entdecker Meriwether Lewis (1774−1809) und William Clark (1770−1838) aus der Kolonie Virginia unternahmen von 1804 bis 1806 eine umfangreiche Entdeckungsreise durch den Westen Nordamerikas bis zum Pazifik, die heute als Lewis-und-Clark-Expedition bekannt ist. Diese Region war zu dieser Zeit größtenteils Neuland. Lewis und Clark stießen auf Flüsse, die „mit Eis zugefroren“ waren, auf heftige Winde, Sturzfluten und in den High Plains der Dakotas auf Tage mit großen Temperaturunterschieden. Lewis und Clark waren die ersten, die wissenschaftliche Wetterbeobachtungen im Westen Nordamerikas durchführten. Zu Beginn der Expedition verfügten sie über drei Thermometer, die sie sorgfältig kalibrierten. Vom 19. September 1804 bis zum 6. September 1805, dem Tag des Verlusts des letzten Thermometers, maßen sie täglich die Temperatur, jeweils bei Sonnenaufgang und erneut um 16 Uhr. Diese Temperaturmessungen wurden in den Gebieten durchgeführt, die heute South Dakota, North Dakota und Montana sind. Überzeugt vom wissenschaftlichen Wert ihrer Arbeit führten sie sorgfältige Aufzeichnungen ihrer Beobachtungen. Im heutigen Oregon notierte Lewis: „Ich bin überzeugt, dass das Klima hier viel wärmer ist als auf dem gleichen Breitengrad am Atlantik.“ In ihren Tagebüchern beschrieben sie das Winterwetter an der Küste von Oregon wegen des ständigen Regens als „schrecklich“ und „elend“. Lewis und Clark waren wahrhaftige Pioniere, sowohl als Entdecker als auch als Wissenschaftler. Ihre Erkundung des nordamerikanischen Westens war ein wegweisendes Ereignis in der US-amerikanischen Geschichte.

Der britische Marinekommandant und Polarforscher Sir John Ross (1777−1856) unternahm mehrere Expeditionen in die heutige kanadische Arktis. 1818 erreichte er den Lancaster Sound, welcher die östliche Einfahrt zur Nordwestpassage darstellt. Dort wurde er jedoch durch eine Fata Morgana getäuscht und glaubte, dass Berge den weiteren Weg nach Westen versperrten. Während dieser Expedition führte er auf Anweisung der britischen Admiralität und der Royal Society geomagnetische, meteorologische und ozeanographische Beobachtungen durch. Bei der Expedition von 1829 bis 1833 ging das Schiff 1832 im Eis verloren, und die Besatzung strandete und konnte in Felix Harbour im folgenden Jahr gerettet werden. Während dieser Reise führte Ross magnetische Beobachtungen durch und lokalisierte den magnetischen Nordpol. Außerdem machte er meteorologische Beobachtungen.

Der norwegische Astronom und Physiker Christopher Hansteen (1784−1873) war ein Pionier auf dem Gebiet des Erdmagnetismus und der Erforschung der Polarlichter. Auf einer Expedition nach Sibirien um 1830 suchte er nach einer Region mit maximaler magnetischer Intensität. Schließlich stellte er fest, dass die Polarlichter in einem Ring mit maximaler Häufigkeit um den nördlichen Magnetpol auftreten. Er richtete mehrere geomagnetische Beobachtungsstationen ein und vereinbarte mit Schiffskapitänen, das Magnetfeld weltweit zu beobachten und aufzuzeichnen. Die von ihm gesammelten Daten ermöglichten es ihm, eine der ersten Magnetkarten der Erde zu erstellen. Hansteen beobachtete in Norwegen die Aurora borealis während eines heftigen Magnetsturms, der vom 28. August bis zum 2. September 1859 auftrat. Er kam zu dem Schluss, dass „die Auswirkungen dieser Aurora auf die Telegrafenleitungen in Norwegen viel größer waren als in Frankreich und Deutschland“. Heute ist bekannt, dass starke Magnetstürme sowohl Stromnetze und die drahtlose Kommunikation als auch die Telegrafenkommunikation beeinträchtigen können.

Die folgenden Personen leisteten wichtige allgemeine Beiträge zur Meteorologie.

Der britische Mathematiker und Physiker Sir John Leslie (1766−1832) stellte 1804 fest, dass eine mattschwarze Oberfläche Wärme effektiver abstrahlt als eine polierte Oberfläche, was auf die Bedeutung der Schwarzkörperstrahlung hindeutet. 1810 gelang es ihm, Wasser künstlich zu Eis zu gefrieren.

Zu den zahlreichen Beiträgen des französischen Mathematikers und Physikers Joseph Fourier (1768−1830) gehörte der Nachweis, dass sich jede stetige Funktion in Kombinationen trigonometrischer Funktionen zerlegen lässt − eine Methode, die als Fourier-Analyse bezeichnet wird. Sie findet in der modernen numerischen Analysis und bei Berechnungen breite Anwendung. 1820 berechnete Fourier, dass die Erde kälter sein müsste, als sie es ist, wenn die einzige Wärmequelle die Sonnenenergie wäre, die von der Oberfläche des Planeten absorbiert werden kann. Er zog auch andere mögliche Wärmequellen in Betracht (die innere Wärme der Erde selbst und interstellare Strahlung), stellte jedoch fest, dass auch diese nicht genügend Wärme liefern konnten. Anschließend untersuchte er ein Experiment, das von de Saussure (siehe Teil 10 der Geschichte der Meteorologie) durchgeführt worden war. Dieser setzte Glasscheiben, die durch Luftschichten voneinander getrennt waren, in eine isolierte Vase ein und ließ Sonnenlicht in die Vase einfallen. Das Sonnenlicht durchdrang die Glasscheiben und die Luftschichten. De Saussure beobachtete, dass die resultierenden Temperaturen im Inneren der Vase in tieferen Schichten unter mehr Glasschichten höher waren. Fourier stellte die Hypothese auf, dass die Erdatmosphäre möglicherweise wie diese Glasscheiben als „Isolator“ wirke. Die Atmosphäre ist natürlich komplexer, doch Fouriers Beobachtung, für die ein Gewächshaus mit Glaswänden als Analogie dient, gilt als erste Formulierung dessen, was heute als atmosphärischer „Treibhauseffekt“ bezeichnet wird. 1822 führte Fourier in seiner „Théorie analytique de la chaleur“ die Verwendung von Dimensionen für physikalische Größen formell ein.

Der britische Pharmakologe Luke Howard (1772−1864) beschäftigte sich mit Meteorologie. Er gilt als Wegbereiter der modernen Wolkenkunde. Seine Wetterbeobachtungen führten 1818 zur Veröffentlichung seines Buches „The Climate of London“, das erste Werk, das sich mit der Klimatologie einer städtischen Umgebung befasste. Howards meteorologische Beobachtungen in und um London waren der erste Hinweis auf einen städtischen Wärmeinseleffekt. Howards wichtigster Beitrag zur Meteorologie war die Einführung des Wolkenklassifizierungssystems, das den Kern der modernen Klassifikation von Wolken bildet. Er wurde als der „Mann, der den Wolken Namen gab“ bekannt. Howard war fasziniert von der „Großen Nebelwolke“, die zwischen Mai und August 1783 den Himmel über Europa bedeckte und einen Dunst darstellte, der aus Staub und Asche der Vulkanausbrüche des Laki-Kraters in Island sowie des Asama auf Honshū in Japan bestand. Im Laufe seiner Beobachtungen stellte Howard bestimmte gemeinsame Merkmale von Wolken fest und entwickelte auf dieser Grundlage ein System zu deren Klassifikation. Im Dezember 1802 stellte er sein System der Askesian Society in London vor. Er schlug beschreibende Kategorien mit lateinischen Namen vor. Howards drei Grundkategorien waren Cumulus („Haufen“), Stratus („Schicht“) und Cirrus („Haarsträhne“). Eine vierte Kategorie, Nimbus („Regen“), bezeichnete „eine Wolke, die gerade dabei ist, sich zu Regen, Hagel oder Schnee zu verdichten“. Laut Howard „kann es keinen Regen geben, solange die Wolken, mit Ausnahme des Nimbus, ihre ursprüngliche Form beibehalten; erst durch die Beobachtung der Veränderungen und Übergänge der Wolkenform lässt sich das Wetter vorhersagen“. Howard fasste seine Arbeit 1803 in seinem „Essay on the Modifications [d. h. ‚Classification‘] of Clouds“ zusammen.

Darstellung von verschiedenen Wolken im Essay on the Modifications of Clouds von Luke Howard, Ausgabe 1803, Quelle: Ton Lindemann, Meteo-Maarssen, Maarssenbroek, Niederlande

Howards System fand rasch sowohl in Großbritannien als auch im Ausland breite Akzeptanz und verdrängte frühere Wolkenklassifikationen. Howards Werk „Seven Lectures on Meteorology“ (1837) war das erste moderne Lehrbuch zur Meteorologie.

Der britische Mediziner und Botaniker Robert Brown (1773−1858) entdeckte 1827 die Brownsche Bewegung von Pollen- und Farbstoffpartikeln im Wasser, die erst später als physikalischer Prozess verstanden wurde.

Der irische Marineoffizier und Hydrograph Sir Francis Beaufort (1774−1857) begann schon früh in seiner Karriere auf See, ein meteorologisches Tagebuch in Form von kurzen Anmerkungen zur allgemeinen Wetterlage zu führen. Diese Praxis behielt er bis zu seinem Tod bei. Beauforts Name ist allen Seefahrern aufgrund seiner Windstärkenskala und seiner Wetternotationscodes bekannt, die er in den frühen Jahren seines Kommandos, beginnend um 1805, entwickelte. Die Windstärkenskala basierte auf Beauforts Beobachtungen der Auswirkungen des Windes auf vollgetakelte Fregatten auf See und umfasste ursprünglich 14 Windstärkegrade, von Windstille bis zum Orkan. Die Wetternotation wurde 1833 zum Standard für die britische Flotte für alle Logbucheinträge gemacht. Im Jahr 1838 schrieb die britische Admiralität die Verwendung der Beaufort-Windskala mit 13 Windstärkegraden offiziell für alle Logbucheinträge der Schiffe vor. Die Beaufort-Skala ist die älteste systematische Methode zur Beurteilung von Windstärke und -geschwindigkeit. Sie wird auch heute noch in modifizierter Form von Seeleuten auf der ganzen Welt verwendet und ist darüber hinaus auch auf Landseite sehr gängig.

Sir Francis Beaufort, 1850, Stephen Pearce (1819-1904), Quelle: National Portrait Gallery, London, über Wikimedia Commons

Der Physiker und Chemiker Amadeo Avogadro (1776−1856) aus dem Piemont beschäftigte sich mit dem Zusammenhang der elektrochemischen Spannungsreihe und der Affinität der Elemente, der spezifischen Wärme von Gasen und Atom- und Molvolumina. Sein Ziel war es, die chemischen Eigenschaften der Verbindungen durch physikalische Eigenschaften zu beschreiben. Er ist vor allem für das Avogadro-Gesetz (gleiche Volumina verschiedener Gase enthalten bei gleicher Temperatur und gleichem Druck die gleiche Anzahl an Molekülen) und die Avogadro-Zahl (die Anzahl der Moleküle in einem Mol eines Stoffes) bekannt. Während seiner Lehrtätigkeit in Turin hatte er Lehrstühle in den Bereichen Statistik, Meteorologie sowie Maße und Gewichte inne.

Der Mathematiker und Physiker Carl Friedrich Gauß (1777−1855) aus dem Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel beschäftigte sich mit dem Erdmagnetfeld und damit dem oberen Teil der Atmosphäre. Im Jahr 1838 bewies er, dass der überwiegende Teil des Erdmagnetfelds endogen ist, also seinen Ursprung im Erdinneren hat. Im Jahr 1839 stellte er jedoch die Vermutung auf, dass elektrische Ströme in einer leitfähigen Schicht der oberen Atmosphäre kleine Schwankungen im gesamten Magnetfeld verursachen, was er wiederum mit der Aurora borealis in Verbindung brachte.

Der dänische Physiker, Chemiker und Naturphilosoph Hans Christian Ørsted oder auch Hans Christian Oersted (1777−1851) entdeckte die magnetische Wirkung des elektrischen Stromes und gilt als Mitbegründer der Elektrizitätslehre und Elektrotechnik. Er führte Forschungen zu den Eigenschaften von Flüssigkeiten und Gasen durch, wobei sein Hauptaugenmerk auf deren Kompressibilität lag.

Neue Entwicklungen in der Messung des Taupunkts und in der Feuchtigkeitsmessung förderten die folgenden Wissenschaftler zutage:

Der schwedische Mediziner und Chemiker Jöns Jakob Berzelius oder auch Jacob Berzelius (1779−1848) entwickelte eine Methode zur Messung des Taupunkts und der relativen Luftfeuchtigkeit. Im „Traité de Chimie“ schlug er vor, dass die Temperatur eines Feuchtthermometers dem arithmetischen Mittelwert aus der tatsächlichen Lufttemperatur und der Taupunkttemperatur entsprechen sollte. Da sowohl die Feuchtthermometertemperatur als auch die Lufttemperatur (mithilfe eines gewöhnlichen Trockenthermometers) gemessen werden konnten, ließ sich anhand dieser Beziehung der Taupunkt berechnen. Mit diesen Informationen konnte er dann die relative Luftfeuchtigkeit abschätzen. Der Chemiker Johann Wolfgang Döbereiner (1780−1849) aus Franken stellte um 1822 die Prinzipien des Taupunkt-Hygrometers oder Kondensationshygrometers vor. Die Erfindung des Taupunkt-Hygrometers wird jedoch allgemein dem britischen Chemiker John Frederic Daniell (1790−1845) zugeschrieben, der 1820 ein Instrument entwickelte, das zum Standard für die Feuchtigkeitsmessung werden sollte.

Taupunkt-Hygrometer nach Daniell, Holzstich, Quelle: Physikalisches Praktikum mit besonderer Berücksichtigung der physikalischen-chemischen Methoden von Eilhard Wiedemann und Hermann Ebert, 3. Auflage 1897, Friedrich Vieweg und Sohn, Braunschweig, über Wikimedia Commons

Der nächsten Teile der Serie der Geschichte der Meteorologie werden sich mit Entwicklungen hin zu nationalen meteorologischen Instituten in Europa und bedeutenden außereuropäischen Staaten widmen, ehe weitere Persönlichkeiten mit ihren Erkenntnissen zur Meteorologie im 19. Jahrhundert vorgestellt werden.

Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/08/Geschichte-der-Meteorologie-1.png 551 993 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-08-01 16:30:322026-08-01 16:32:41Geschichte der Meteorologie − Teil 12: Meteorologie um 1800 und zu Beginn des 19. Jahrhunderts

Zwischenbilanz der Tornadosaison 2026

31. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Sollten Sie den Eindruck haben, dass sich Gewitter im Allgemeinen und Tornados im Speziellen in diesem Jahr zurückhalten, dann liegen Sie nicht falsch. Langanhaltende Hochdruck- und Dürrephasen prägen den Sommer 2026 in vielen Landesteilen.
Entsprechend liegt die Zahl der bisher in Deutschland bestätigten Tornados derzeit bei nur 13 Fällen. Ruft man sich die durchschnittliche jährliche Zahl von 49 bestätigten Tornados in Deutschland in Erinnerung, so gibt es noch reichlich Luft nach oben. Auch der August und der September gehören zu den Monaten, in denen häufiger Tornados auftreten. Zudem kann es sein, dass einzelne Verdachtsfälle später noch bestätigt werden. Trotzdem deuten die aktuellen Zahlen stark darauf hin, dass es 2026 eine deutlich unterdurchschnittliche Tornadosaison geben wird.

Die Karte zeigt die bisher bestätigten Tornadofälle in Deutschland im Jahr 2026.

Einordnung des Jahres 2026 in die Statistiken seit dem Jahr 2000

Schaut man auf die Zahlen seit dem Jahr 2000, so sieht man, dass es immer wieder Phasen gab, in denen eine große Zahl an Meldungen auftrat, und andere, in denen sich nur sehr wenige Tornados in der Datenbank finden. Die Anzahl hängt stark von den jeweils vorherrschenden Großwetterlagen ab. Schaut man beispielsweise auf das Jahr 2018, so stehen dort 26 bestätigte Fälle zu Buche. Damals wie heute gab es eine ausgeprägte Dürre in weiten Teilen Deutschlands. Es mangelte schlicht an passenden Wetterlagen für das Auftreten von Tornados.

Die Grafik zeigt die jährlich aufgetretenen und bestätigten Tornadofälle seit dem Jahr 2000.

Spätestete erste Tornado im Jahr

In diesem Jahr 2026 mussten wir bereits sehr lange warten, bis überhaupt der erste Tornadoverdacht bestätigt werden konnte. Dies war am 03.06. der Fall, als von Borkum aus eine Wasserhose beobachtet werden konnte. Genauer gesagt war es nicht nur eine, sondern gleich drei. Das war das späteste Datum im Jahresverlauf für den ersten bestätigten Tornado seit dem Jahr 2000. Der bisher späteste erste Fall stammte vom 24.05.2003 (damals der Tornado von Großenhain).

Die Karte zeigt die monatliche Verteilung der jährlichen Tornadofälle seit dem Jahr 2000. Zu sehen ist auch der bisher späteste erste Tornado (2003).

Der Tornado auf dem Bodensee und die Tornados bei Glückstadt

Auch danach hielten sich die Meldungen in Grenzen. Am ehesten ist wohl noch die fotogene Wasserhose auf dem Bodensee in Erinnerung geblieben. Sie war überaus fotogen und konnte von Friedrichshafen aus beobachtet werden. Auch über unsere WarnWetter-App hatten uns zahlreiche Aufnahmen dazu erreicht.

Im Bild sieht man eine Zusammenstellung der Bilder vom Tornado über dem Bodensee am 01.07.2026 aus unserer WarnwetterApp.

Auch in einer eher ruhigen Tornadosaison können einzelne Ereignisse durchaus folgenschwer sein, wie eindrücklich die Lage am vergangenen Sonntag zeigte. Die Bedingungen für das Auftreten von Tornados waren an diesem Tag recht gut (https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2021/7/19.html) und so konnte sich am späten Nachmittag südlich von Cuxhaven an der Nordseeküste eine Gewitterzelle bilden. Diese Gewitterzelle unterschied sich von den anderen Zellen an diesem Tag, denn sie begann zu rotieren. Mithilfe des Wetterradaren können wir diese Rotation erfassen. Im Bild sieht man die Rotationsspur der Gewitterzelle. Man erkennt, dass die Rotation im Verlauf beständig stärker wurde. Bei gleichzeitig niedriger Wolkenuntergrenze konnte sich aufgrund der günstigen Umgebungsbedingungen ein Tornado ausbilden.

Nach aktuellem Stand der Untersuchungen wurden von der Gewitterzelle insgesamt mindestens drei Tornados hervorgebracht. Die weiteren Untersuchungen dauern jedoch noch an. So muss geprüft werden, ob sich auch zwischen den drei Ereignissen noch Schäden finden lassen, die auf eine längere Schadensspur hindeuten. Zudem laufen derzeit noch Untersuchungen zur genauen Stärke der einzelnen Tornados. Momentan wird davon ausgegangen, dass einer der Tornados sogar die Stärke IF2 erreicht haben könnte (220 ± 60 km/h).

Die Karte zeigt die Rotationsspur der Gewitterzelle, die mind. drei Tornados am 26.07.2026 hervorgebracht hat.

Tornadoexperten

Aber wer untersucht diese Fälle überhaupt? Die Tornadoexpertengruppe des Deutschen Wetterdienstes ist Teil eines größeren Expertennetzwerks in Deutschland (TOREX – Tornadoexpertenverbund Deutschland). Über eine gemeinsame Plattform tauschen wir uns zu aktuellen Verdachtsfällen aus. Wir bewerten die eingehenden Informationen aus sozialen Medien, der Presse oder aus privaten Zuschriften. Anhand des Schadensmusters und im Abgleich mit Bildern unserer Wetterradare können wir Verdachtsfälle gemeinsam bestätigen – oder eben nicht. Außerdem können wir die Stärke anhand einer objektiven Skala festlegen (IF-Skala).

Zu sehen sind die Logos des Tornadoexperten-Verbunds Deutschland und der Tornadoexperten Gruppe des Deutschen Wetterdienstes.

Tornadoverdachtsfälle melden

Was in den nächsten Tagen und Wochen noch an neuen Fällen hinzukommt, lässt sich derzeit nicht absehen. Sollten Sie einmal den Verdacht haben, dass ein bestimmtes Ereignis vielleicht ein Tornado gewesen ist, so schreiben Sie uns gerne an: tornado@dwd.de.

Dipl.-Met. Marcus Beyer

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 31.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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Was ist eine Fallböe?

30. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Aktuell sorgt eine sehr ungewöhnliche Wetterlage für erhöhte Unwettergefahr. Besonders im Norden Deutschlands können sich kräftige Gewitter entwickeln, die sogar Orkanböen hervorbringen können. Solche extremen Windböen werden häufig vorschnell als „Windhose“ oder Tornado bezeichnet. Tatsächlich steckt jedoch oft ein anderes Phänomen dahinter: die sogenannte Fallböe oder auch der Downburst. Obwohl Fallböen ähnlich verheerende Schäden verursachen können wie Tornados, sind sie in der Öffentlichkeit deutlich weniger bekannt. Wie entstehen Fallböen und worin unterscheiden sie sich von Tornados?

Beide Phänomene treten meist im Zusammenhang mit kräftigen Gewittern auf. Besonders heftige Fallböen entstehen – ebenso wie viele starke Tornados – häufig an rotierenden Gewitterzellen, den sogenannten Superzellen. Physikalisch unterscheiden sich beide Erscheinungen jedoch grundlegend. Tornados sind stark rotierende Luftwirbel mit einer nahezu vertikalen Drehachse, die sich aus einer Schauer- oder Gewitterwolke entwickeln und Bodenkontakt haben. Häufig ist dabei ein von der Wolke bis zum Boden reichender rotierender Wolkentrichter sichtbar. Downbursts oder Fallböen entstehen dagegen durch einen sehr starken Abwind. Kühlt sich die Luft innerhalb des Gewitters stark genug ab, wird sie dichter und damit schwerer als ihre Umgebung. Sie beschleunigt nach unten, trifft auf den Boden und breitet sich anschließend fächerförmig in alle Richtungen aus. Dabei können Windgeschwindigkeiten von weit über 200 km/h erreicht werden.

Schematische Darstellung eines Downbursts. Grafik nach einer Darstellung der Federal Aviation Administration (FAA), bearbeitet und ergänzt.

Doch wodurch wird die Luft überhaupt so stark abgekühlt? In kräftigen Gewittern bilden sich in den oberen Wolkenschichten häufig größere Hagelkörner. Erreichen sie eine bestimmte Größe, kann der Aufwind sie nicht länger in der Schwebe halten und sie beginnen zu fallen. Dabei gelangen sie in tiefere und wärmere Luftschichten und schmelzen. Gleichzeitig fallen Regentropfen häufig in trockenere Luft, wo ein Teil des Niederschlags verdunstet. Sowohl das Schmelzen des Hagels als auch die Verdunstung der Regentropfen entziehen der Umgebungsluft Wärme. Dadurch kühlt sie sich ab, wird dichter und sinkt immer schneller zum Boden. Bei der heutigen Wetterlage spielt vor allem die Verdunstung des Regens in den trockenen Luftschichten unterhalb der Gewitterwolke die entscheidende Rolle. Hagel wird dabei kaum erwartet.

Warum die Verdunstungskühlung heute besonders effektiv ist und damit das Potenzial für Fallböen erhöht, zeigt die folgende Abbildung. Sie stellt einen simulierten Radiosondenaufstieg für Norddeutschland in einem sogenannten Skew-T-log-p-Diagramm dar. Auf der y-Achse ist der Luftdruck aufgetragen, der mit zunehmender Höhe abnimmt und daher als Vertikalkoordinate dient. Die x-Achse zeigt die Temperatur, ist jedoch schräg angeordnet. Die rote Kurve stellt den Temperaturverlauf der Atmosphäre dar, die grüne Kurve den Taupunkt. Die Taupunkttemperatur gibt an, auf welche Temperatur ein Luftpaket bei unverändertem Wasserdampfgehalt abgekühlt werden müsste, damit Sättigung erreicht wird. Sie ist damit ein Maß für den Feuchtegehalt der Luft.

Liegen Temperatur und Taupunkt dicht beieinander, ist die relative Luftfeuchtigkeit hoch. Im vorliegenden Fall trifft dies oberhalb von etwa 600 hPa zu. Dort befindet sich der weitgehend gesättigte Bereich der Gewitterwolke. Darunter nimmt der Abstand zwischen Temperatur- und Taupunktkurve, der sogenannte Spread, deutlich zu. Dies weist auf eine wesentlich trockenere Luftschicht hin. Fällt Niederschlag aus der Gewitterwolke in diese trockene Luft, verdunstet er besonders effizient. Die dabei benötigte Energie wird der Umgebungsluft entzogen, wodurch diese zusätzlich abkühlt. Die Luft wird dadurch dichter und sinkt mit zunehmender Geschwindigkeit zum Boden ab, was die Entstehung kräftiger Fallböen begünstigt.

Meteorologen bezeichnen ein solches Temperatur- und Feuchteprofil als inverses V, da Temperatur- und Taupunktkurve im unteren Teil des Diagramms die Form eines umgedrehten „V“ bilden. Ein derart ausgeprägtes inverses V ist für mitteleuropäische Verhältnisse vergleichsweise selten und stellt daher ein deutliches Indiz für ein erhöhtes Downburstpotenzial dar.

SkewT-Log-p-Diagramm: Simulierter Radiosondenaufstieg für Norddeutschland. Der große Abstand zwischen Temperatur- (rot) und Taupunktkurve (grün) weist auf eine sehr trockene Grundschicht hin. Verdunstender Niederschlag kühlt die Luft dort besonders effektiv ab und erhöht das Potenzial für Downbursts.

Aus größerer Entfernung wirkt dieser beschleunigte Abwind häufig wie ein aus der Gewitterwolke herabhängender Niederschlagsschacht (siehe Abbildung). Trifft die kalte Luft auf den Boden, breitet sie sich explosionsartig nach allen Seiten aus. Die stärksten Windböen treten dabei meist am Rand dieses ausströmenden Kaltluftkörpers auf. Aus unmittelbarer Nähe erscheint ein Downburst häufig als rasch heranziehende „weiße Wand“ aus Starkregen.

Das Schadenspotenzial von Fallböen kann dem von Tornados durchaus ebenbürtig sein. Während Tornados ihre Schäden meist entlang einer vergleichsweise schmalen Zugbahn verursachen, können Downbursts durch ihre fächerförmige Ausbreitung deutlich größere Flächen erfassen. Entsprechend können auch die verursachten Schäden regional erheblich sein.

Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 30.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/08/Was-ist-eine-Fallboee-1-scaled.png 1298 2560 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-30 16:58:302026-08-01 16:32:08Was ist eine Fallböe?

Erst große Hitze, dann schwere Gewitter?

29. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Hoch OLAF verlagert sich mit seinem Schwerpunkt nach Osteuropa. Damit wird der Weg für sehr heiße Luftmassen aus Südwesteuropa fei. Heute befindet sich ein Höhenrücken über dem Bundesgebiet. Zudem ist die Luftmasse sehr trocken, sodass Schauer und Gewitter nahezu ausgeschlossen sind. Lediglich in den Alpen und am Alpenrand besteht ein geringeres Gewitterrisiko. Dann sind aber aufgrund der sehr trockenen Grundschicht auch Sturmböen (Bft 9) möglich. Insgesamt erwartet uns aber heute noch einmal ein lupenreiner Hochsommertag. Optimal für einen Ausflug ins Freibad oder an den nahegelegenen Badesee. Allerdings steigt bei Höchsttemperaturen von 31 bis 38 Grad auch die Wärmebelastung vor allem im Südwesten und Westen deutlich an.

Vorhersagekarte mit den Druckgebilden und Frontensystemen für Mittwoch, den 29.07.2026 um 12 UTC. Das Hoch OLAF verlagert sich nach Osten. Damit wird der Weg frei für sehr heiße Luftmassen aus Südwesteuropa. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Am Donnerstag schwächt sich der Hochdruckeinfluss weiter ab. Gleichzeitig verlagert sich im Tagesverlauf von Westen ein Bodentrog mit einer eingelagerten Konvergenzzone über das Land hinweg. Dabei kommt es voraussichtlich ab dem frühen Nachmittag im Westen zur Ausbildung von Schauern und vor allem nach Norden hin auch zu einzelnen kräftigen Gewittern.

Radiosondenaufstieg mit vertikaler Temperatur- und Taupunktkurve, sowie der konvektiv potenziell verfügbaren Energie. Zu erkennen ist die extrem trockene Grundschicht, sowie eine relativ geringe konvektiv potenziell verfügbare Energie. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Aufgrund der sehr trockenen Grundschicht und der relativ raschen Verlagerung der Schauer und Gewitter liegt hier das Hauptaugenmerk auf dem Wind. Grund dafür ist, dass durch Verdunstungsprozesse in der trockenen Luftmasse die Fallwinde im Bereich eines Gewitters deutlich beschleunigt werden können. Damit sind bei stärkeren Entwicklungen schwere Sturmböen um 100 km/h (Bft 10) durchaus wahrscheinlich. Örtlich sind auch Orkanböen bis 120 km/h (Bft 12) nicht ausgeschlossen. Bei diesen Windgeschwindigkeiten können Bäume entwurzelt und größerer Gegenstände durch die Luft gewirbelt werden. Bei einem Aufenthalt im Freien besteht dann Lebensgefahr!

Feuchte, Energiegehalt, Scherung und signifikantes Wetter für Donnerstag, den 30.07.2026 um 15 UTC. Die Schauer und Gewitter treffen auf eine sehr trockene Luftmasse in einer relativ gut gescherten Umgebung. Dadurch ergibt sich ein hohes Sturmpotenzial! Quelle: Deutscher Wetterdienst

Aber auch abseits der Gewitter frischt der Wind mit Durchzug des markanten Bodentroges deutlich auf. Verbreitet sind für wenige Stunden stürmische Böen (Bft 8) möglich. In der Nacht ziehen die Schauer und Gewitter unter allmählicher Abschwächung rasch nach Nordosten ab. In der ersten Nachthälfte muss dort jedoch noch mit kräftigen Schauern und vereinzelten Gewittern gerechnet werden.

Morgen steigen die Temperaturen im Vorfeld des Bodentroges aber noch einmal ordentlich an. Vor allem in Unterfranken könnte örtlich die 40 Grad Marke erreicht werden. Ein neuer Allzeitrekord ist aber unwahrscheinlich! Trotzdem muss nochmals verbreitet mit einer starken Wärmebelastung gerechnet werden.

Am Freitag setzt sich von Nordwesten die kühlere Luftmasse weiter durch. Im Südosten bleibt uns die Hitze weiter erhalten. An der unteren Donau sind auch am Freitag Spitzenwerte von bis zu 38 Grad möglich. Am Freitag tagsüber treten im Übergangsbereich weitere Schauer und Gewitter auf. Diese werden voraussichtlich im Vorfeld einer herannahenden Kaltfront zum Abend von Südwesten her häufiger. Dann besteht Unwettergefahr durch heftigen Starkregen und Hagel.

In der Nacht auf Samstag verlagern sich die kräftigen Schauer und Gewitter voraussichtlich in den Osten des Landes. Bezüglich der genauen Schwerpunkte bestehen aber insgesamt noch einige Unsicherheiten.

Synoptische Übersicht für Freitag, den 31.07.2026 um 18 UTC. Deutschland gelangt auf die Vorderseite eines Höhentroges über Westeuropa. Dabei kommt es auf der Vorderseite einer heranrückenden Kaltfront zur Ausbildung von kräftigen Schauern und Gewittern mit Unwetterpotenzial! Quelle: Deutscher Wetterdienst

Auch am Samstag ist nach jetzigem Stand die Schauer- und Gewittergefahr im Osten und Süden noch nicht ganz gebannt. Dort können sich erneut teils kräftige Schauer und Gewitter entwickeln. Örtlich besteht wiederum Unwettergefahr. Ansonsten macht sich aber von Nordwesten her deutlich angenehmere Luft bemerkbar. Somit werden tagsüber nur noch in den Niederungen im Süden Temperaturen um 30 Grad erwartet.

Der Hochsommer scheint sich jedoch noch nicht endgültig geschlagen zu geben. Bereits am Sonntag könnte die Hitze vor allem im Süden wieder zurückkehren. Wie stark die erneute Erwärmung ausfällt, ist derzeit allerdings noch unsicher!

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/08/Erst-grosse-Hitze-dann-schwere-Gewitter-1.png 626 877 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-29 13:23:562026-08-01 16:31:49Erst große Hitze, dann schwere Gewitter?

Vegetationsbrände, Wetterextreme und globale Erwärmung

28. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Das aktuelle Monatsmittel für den Juni 2026 gemessen im Mauna Loa Observatorium auf der Insel Hawaii beträgt 431,44 ppm. Die dort seit 1958 durchgeführte Messreihe ist die längste kontinuierliche direkte Messreihe der atmosphärischen CO₂-Konzentration. Aufgrund der abgelegenen Lage fern von starken lokalen CO₂-Quellen liefern die Messungen außerdem ein recht repräsentatives Hintergrundsignal der freien Troposphäre. Die daraus resultierende Keeling-Kurve, benannt nach dem US-amerikanischen Geochemiker Charles David Keeling, zeigt den langfristigen Anstieg des atmosphärischen CO₂-Gehalts.

Der beobachtete CO2 Anstieg in der Messreihe des Mauna Loa Observatorium auf Hawaii.

Kohlenstoffdioxid ist ein wirksames Treibhausgas, da es einen Teil der von der Erdoberfläche abgegebenen langwelligen Infrarotstrahlung absorbiert und anschließend in alle Richtungen – auch zurück zur Erdoberfläche – wieder emittiert. Dadurch verändert sich das Strahlungsbudget der Erde: Es verbleibt mehr eingestrahlte Energie im Klimasystem, als von der Erde ins All abgegeben wird.

So viel zum Auffrischen der grundlegenden Ausgangslage: Der Treibhauseffekt ist als physikalisches Prinzip seit gut 200 Jahren bekannt, der Zusammenhang zwischen steigender CO₂-Konzentration und einer Erwärmung des Erdklimas seit rund 130 Jahren wissenschaftlich beschrieben. Natürlich ist das Ganze weitaus komplexer. CO₂ ist keineswegs das einzige wirksame Treibhausgas, und die Reaktion des Erdsystems auf den Eingriff in den Energiehaushalt umfasst eine schier grenzenlose Anzahl miteinander verknüpfter Prozesse. Je nach Fragestellung lässt sich das Thema deshalb quasi unbegrenzt vertiefen. Der Autor nutzt hier nur aus gegebenem Anlass – Hitze, Dürre, Niedrigwasser und Waldbrände – die Gelegenheit, um das Thema Klimawandel im Bewusstsein zu behalten, und der Leserschaft vielleicht den einen oder anderen Zusammenhang näher zu bringen.

Die Animation zeigt viel wolkenlosen Himmel über Nordspanien und Südwest-Frankreich, zunehmende Bewölkung über der Biskaya, Quellwolken über Portugal sowie den Pyrenäen, und die beschriebenen Rauchfahnen der Vegetationsbrände. (Quelle EUMETSAT)

MTG Satellitenbeobachtungen der Vegetationsbrände in Spanien und nahe der französischen Atlantikküste bei Bordeaux, am Freitag den 24.07.2026.

Die anhaltende Hitze in Westeuropa, sprich vor allem in Portugal, Spanien und Frankreich hat in den letzten Tagen und Wochen zu unkontrollierten Vegetationsbrände von außergewöhnlichem Ausmaß geführt. Die Animation der Satellitenmessungen im sichtbaren Spektrum – also so wie das menschliche Auge das Ganze von oben wahrnehmen würde – zeigt eindrucksvoll wie sich die Rauchfahnen der Brände bei Bordeaux am vergangenen Freitag mit östlichen Winden weit über den Atlantik ausbreiten, bevor der Wind am Freitagnachmittag auf westliche Richtungen dreht. Zeitgleich sieht man wie die Feuer in Spanien nördlich von Madrid im Tagesverlauf an Intensität zunehmen und sich eine eindrucksvolle Rauchfahne nach Nordwesten ausbreitet. Die Animation vermittelt einen Eindruck der Dimension der Brände, wie sie aus dem Weltall zu beobachten sind – und das bereits am vergangenen Freitag. In den darauffolgenden Tagen wurde der freie Blick aus dem Weltall auf die Rauchfahnen immer wieder durch (teils von den Feuern verursachte) Bewölkung verdeckt, weshalb hier zur Veranschaulichung der vergangene Freitag gewählt wurde.

„Eine Hitzewelle macht noch keinen Klimawandel“, und „der Klimawandel ist nicht zwangsläufig die Ursache für diese oder jene Hitzewelle“. Und „Dürren und Waldbrände hat es auch schon immer gegeben“. Das sind Gedanken die sich vielleicht aufdrängen. Der menschliche Eingriff in das Erdsystem und der daraus resultierende Klimawandel verändert jedoch die Ausgangsbedingungen und damit die Wahrscheinlichkeit für extreme Ereignisse. Im Kontext der Vegetationsbrände äußert sich das in einer beobachteten Zunahme der Intensität der Brände, dem Ausmaß der Schäden an Vegetation und Ökosystemen, eine Vergrößerung der insgesamt verbrannten Fläche, und einer längeren Dauer der Feuersaison. Ausschlaggebend dafür sind nicht nur unmittelbar die erhöhten Temperaturen durch die globale Erwärmung – der europäische Klimadienst Copernicus hatte zuletzt den Juni 2026 als den weltweit zweitwärmsten und in Westeuropa als den wärmsten Juni seit Beginn der Aufzeichnung eingestuft. Hinzu kommen häufiger auftretende und länger anhaltenden Wetterextreme infolge veränderter atmosphärischer Zirkulationsmuster. Diese begünstigen unter anderem längere und intensivere Dürreperioden als Voraussetzung für extreme Vegetationsbrände.

Eine grundlegende Idee hinter möglichen Veränderungen der atmosphärischen Zirkulationsmuster ist der abnehmende Temperaturunterschied zwischen der kalten Arktis mit ihrer geringen solaren Einstrahlung und den heißen Tropen mit ihrer hohen solaren Einstrahlung. Da sich die Arktis aufgrund verschiedener Rückkopplungseffekte im Zuge des Klimawandels deutlich schneller erwärmt als der globale Durchschnitt, verringert sich der Temperaturunterschied zwischen hohen und niedrigen Breiten. Die atmosphärische Zirkulation und damit das allgemeine Wettergeschehen wiederum ist wesentlich davon geprägt, diese Temperaturunterschiede auszugleichen. Da liegt es nicht fern, dass eine verstärkte arktische Erwärmung mit Veränderungen in der atmosphärischen Dynamik zusammenhängen kann. Auch hier gilt allerdings wie so oft, dass die tatsächliche Sachlage im chaotischen Wettersystem deutlich komplizierter und weiterhin Gegenstand intensiver Forschung ist.

Dr. Thorsten Kaluza (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.07.2026
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https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/08/Vegetationsbraende-Wetterextreme-und-globale-Erwaermung-1.png 600 800 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-28 15:08:012026-08-01 16:31:37Vegetationsbrände, Wetterextreme und globale Erwärmung

Geschichte der Meteorologie – Teil 11: Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts (b) und um 1800

27. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Im letzten Thema des Tages zur Geschichte der Meteorologie wurde die Entwicklung der Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts beschrieben. Zeitlich rücken wir kaum vor. Neben weiteren Beiträgen zur allgemeinen Meteorologie richtet sich der Blick auf meteorologische Erkenntnisse aus verschiedenen Expeditionsreisen sowie allgemeinen frühen Wetterbeobachtungen.

Starten wir zunächst mit einem Nachtrag. Der preußische Theologe und Naturforscher Gottlob Burchard Genzmer (1716–1771) wurde 1764 Augenzeuge eines verheerenden Tornados in der Region Woldegk im Südosten von Mecklenburg. Er beschrieb dessen Auswirkungen in seiner 1765 erschienenen Publikation „Umständliche und zuverläßige Beschreibung des Orcans, welcher den 29ten Jun. 1764. einen Strich von etlichen Meilen im Stargardischen Kreise des Herzogthums Mecklenburg gewaltig verwüstet hat.“

Titelblatt des Buchs Umständliche und zuverläßige Beschreibung des Orcans, welcher den 29ten Jun. 1764. einen Strich von etlichen Meilen im Stargardischen Kreise des Herzogthums Mecklenburg gewaltig verwüstet hat (Tornado von Woldegk), 1765, Quelle: Digitalisierungszentrum der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, über Wikimedia Commons

Nachfolgend werden die meteorologischen Erkenntnissen aus verschiedenen Expeditionsreisen geschildert.

Der britische Seefahrer, Kartograph und Entdecker James Cook (1728–1779) unternahm Reisen in den Pazifischen Ozean. Er führte Beobachtungen in einer Vielzahl wissenschaftlicher Disziplinen von der Ethnologie und Anthropologie über die Botanik und Biologie bis hin zur Glaziologie und Meteorologie durch. Cooks Schiffe machten 1773 die ersten dokumentierten Beobachtungen der Aurora australis.

Der französische Offizier und Entdecker Louis-Antoine de Bougainville (1729–1811) leitete von 1766 bis 1769 die erste französische Weltumsegelung mit zwei Schiffen, der Boudeuse und der Étoile. Die Expedition war eine der ersten großen See-Expeditionen, die eine wissenschaftliche Komponente aufwies. Die Logbücher seiner Weltumsegelung enthielten astronomische, meteorologische, hydrographische und navigatorische Aufzeichnungen, beispielsweise während seines Aufenthalts in der Magellanstraße, die Feuerland vom südamerikanischen Festland trennt.

Der britische Mathematiker und Astronom William Wales (um 1734–1798) führte vor und während einer Astronomie-Expedition 1768 bis 1769 bei Churchill an der Küste der Hudson Bay im Winter meteorologische Aufzeichnungen durch. Er war der erste Wissenschaftler im Winter an der Hudson Bay und der Erste, der regelmäßige Wetterbeobachtungen in Kanada leistete.

Der Naturforscher und Ethnologe Georg Forster (1754–1794) aus Polnisch-Preußen war Teilnehmer der zweiten Expedition von Cook von 1772 bis 1775. Die Expedition besuchte Australien, dessen Klima Forster 1786 in seinem Buch „Neuholland und die britische Kolonie in Botany Bay“ beschrieb und mit dem Südafrikas verglich: „Aus den oben genannten Breitengraden lässt sich ersehen, dass dieses Land in günstigen Klimazonen liegt. Seine nördlichen Gebiete, die 12 Grad innerhalb der Tropen liegen und somit den direkten Sonnenstrahlen ausgesetzt sind, leiden gelegentlich unter übermäßiger Hitze; doch jenseits des südlichen Wendekreises bis zum 43. südlichen Breitengrad ist das Klima gemäßigt und lässt sich beispielsweise mit dem Kap der Guten Hoffnung vergleichen. Selbst der südlichste Punkt von Van-Diemen-Land [Tasmanien], der ganze 9 Grad weiter südlich liegt als das afrikanische Kap, scheint in gleichem Maße begünstigt zu sein, wahrscheinlich weil es dort keine schneebedeckten Berge gibt wie jene, die nördlich des Kaps liegen und die die Atmosphäre abkühlen und dem Wind eine durchdringende Schärfe verleihen.“ Forster wies zudem auf die allgemeinen klimatologischen Grundsätze hin, wonach die westlichen Grenzen der Kontinente in den gemäßigten Breiten stets wärmer sind als die entsprechenden Breitengrade ihrer östlichen Grenzen, und dass die Temperaturen in Meeresnähe milder sind als im Inneren der Kontinente.

Relief Gedenktafel für Georg Forster an seinem Wohnhaus in Mainz, Irmgard Biernath (1905-1998), Quelle: Dierk Schaefer, über Wikimedia Commons

Der französische Mathematiker und Physiker Gaspard Monge (1746–1818) untersuchte während der Teilnahme an einem Feldzug in Unterägypten 1798 die physikalischen Ursachen einer Fata Morgana, einer Luftspiegelung, in der Wüste. Er erklärte, dass diese mit der Schicht überhitzter Luft nahe der Wüstenoberfläche zusammenhingen: Die Grenze zwischen dieser Luft und der kühleren, dichteren Luft direkt darüber bewirkt, dass sich die Lichtstrahlen vom Himmel nach oben und in das Auge des Betrachters krümmen, anstatt sich geradlinig fortzubewegen und auf den Sand zu treffen. Dies erzeugt die Illusion von Wasser in der Ferne (der Betrachter interpretiert das Licht als Wasser auf dem Sand). Monges Abhandlung, in der er dieses Phänomen erklärte, erschien 1800 in den „Mémoires sur l’Égypte“ des Ägyptischen Instituts.

Neben Expeditionen wurden Wetterbeobachtungen wichtiger.

Der erste US-amerikanische Präsident George Washington (1732–1799) aus der Kolonie Virginia hinterließ ein gewaltiges Werk von 36 Tagebuchbänden. Diese enthalten zahlreiche Wetterbeobachtungen und Kommentare zum Wetter – ein Thema, das ihn offenbar faszinierte, wahrscheinlich aufgrund seines ländlichen Hintergrunds aus der Landwirtschaft.

Die Royal Society begann 1774 mit zweimal täglichen Beobachtungen, die von dem britischen Theologen und Bischof Samuel Horsley (1733–1806) zusammengestellt wurden. Ziel der Beobachtungen war die Untersuchung der Einflüsse von Winden und des Mondes auf die Barometerwerte.

Die beiden Gründerväter und Präsidenten der Vereinigten Staaten Thomas Jefferson (1743–1826) und James Madison (1751–1836), beide aus der Kolonie Virginia, interessierten sich für die Meteorologie. Ihr Interesse war auch auf ihren Antrieb zurückzuführen, die vom französischen Naturforscher Buffon veröffentlichte Behauptung zu widerlegen, die amerikanische Natur sei der europäischen aufgrund eines angeblich minderwertigen Klimas in gewisser Weise unterlegen (siehe Teil 9 der Serie Geschichte der Meteorologie). Von 1772 bis 1778 führte Jefferson in seinem Haus in Monticello regelmäßig Wetterbeobachtungen durch. In den Jahren 1777 und 1778 arbeiteten Jefferson und Madison zusammen und führten die ersten bekannten gleichzeitigen Wetterbeobachtungen in Amerika durch. Jefferson interessierte sich auch dafür, wie das Wetter, und insbesondere extreme Wetterereignisse, das Leben der Menschen und die Gesellschaft beeinflussen könnten.

Die nachfolgenden Persönlichkeiten lieferten allgemeine Beiträge zur Meteorologie.

Der kurhannöversch-britische Astronom Friedrich Wilhelm Herschel oder William Herschel (1738–1822) interessierte sich auch für das Klima. Er stellte Hypothesen über physikalische Prozesse auf, die das Klima beeinflussen könnten, wie beispielsweise eine Abkühlung durch Vulkan- oder Meteoritenstaubschleier in der Atmosphäre oder eine Erwärmung durch erhöhte Sonnenaktivität. Herschel legte seinen Fokus auf die Auswirkungen der Sonne und stellte fest, dass in Jahren, in denen viele Sonnenflecken auf der Sonnenoberfläche auftraten, oft reichhaltige Weizenernten zu verzeichnen waren. Herschel veröffentlichte zwischen 1780 und 1801 einige Artikel über mögliche Auswirkungen der Sonne auf das Klima in den „Philosophical Transactions of the Royal Society“. Der Artikel von 1801 warf die Frage auf, ob ein Zusammenhang zwischen der Sonnenaktivität (dargestellt durch das Auftreten von Sonnenflecken) und dem Getreidepreis festgestellt werden könne. Herschel konnte allerdings darauf keine schlüssige Antwort geben. In der Astronomie ist Herschel als Entdecker des Planeten Uranus bekannt.

Der Naturforscher und Bergsteiger Horace Bénédict de Saussure (1740–1799) aus der Alten Eidgenossenschaft untersuchte eingehend die Geologie, Chemie und Meteorologie der Alpen. Er war der Ansicht, dass Wetterbeobachtungen in großen Höhen in den Bergen für die Meteorologie von großer Bedeutung sein könnten, und führte sorgfältige Messungen von Luftdruck, Temperatur und Luftfeuchtigkeit in verschiedenen Höhen durch. Er nahm sogar Barometer und Thermometer mit auf einige Berggipfel. Auf dem Gipfel des Mont Blanc stellte er beispielsweise 1787 fest, dass der Luftdruck einen Wert von „16 Zoll und eine Linie“ aufwies. Er maß zudem die Zusammensetzung und Transparenz der Luft in verschiedenen Höhen sowie die Stärke der Sonneneinstrahlung. De Saussure entwickelte viele der Instrumente, die er für seine Beobachtungen verwendete. Er baute ein Cyanometer zur Messung des Blauanteils des Himmels und ein Diaphanometer zur Beurteilung der Klarheit der Atmosphäre. Er tüftelte an Windmessern herum und passte Thermometer an, um andere Temperaturen als die übliche Lufttemperatur zu messen. Beispielsweise steckte er den Thermometerkolben in ein Stück nassen Schwamm und schwang das Thermometer dann schnell hin und her, sodass es sich im Kreis drehte. In der modernen Terminologie ist dieses Instrument als Feuchtkugelthermometer oder Psychrometer bekannt. Es misst die Feuchtkugeltemperatur, die in Kombination mit der Trockenkugeltemperatur (der üblichen Lufttemperaturmessung mit einem Thermometer, dessen Kugel nicht befeuchtet ist) zur Berechnung der relativen Luftfeuchtigkeit und des Taupunkts der Luft verwendet werden kann. De Saussure maß auch Temperaturwerte im Boden bis zu den größten Tiefen, in die er seine Thermometerstäbe treiben konnte. Er zeigte, dass die Sommerhitze sechs Monate brauchte, um eine Tiefe von 30 Fuß (9 m) im Boden zu erreichen. Er maß auch Wassertemperaturen und zeigte, dass das Wasser am Grund tiefer Seen kalt ist und sich seine Temperatur im Laufe der vier Jahreszeiten kaum verändert. Diese Messungen wurden durch eine neuartige Erfindung ermöglicht: Er verwendete Thermometer, die in isolierendes Material eingewickelt waren, sodass sich der im Boden oder See gemessene Wert kaum veränderte, wenn das Instrument an die Oberfläche gehoben wurde. De Saussure befasste sich auch mit Niederschlägen und schätzte deren Auswirkungen auf Bäche, Flüsse, Seen und Gletscher. Aufgrund seiner Arbeiten auf dem Gebiet der Hygrometrie war de Saussure der Erste, der nachwies, dass sich Luft bei steigendem Feuchtigkeitsgehalt ausdehnt und ihre Dichte abnimmt. Er experimentierte nicht nur mit einem Feuchtthermometer, sondern testete auch verschiedene Arten von Hygrometern. Diese Forschungen gipfelten um 1775 in seiner Erfindung des Haarhygrometers. In seinem 1783 veröffentlichten Buch „Essais sur l’Hygrométrie“ erörterte er die allgemeinen Prinzipien der Hygrometrie, stellte die Ergebnisse seiner Experimente mit verschiedenen Hygrometern vor und beschrieb sein Haarhygrometer.

Haarhygrometer nach Horace Bénédict de Saussure, 19. Jahrhundert, Quelle: Wikimedia Commons

Außerdem ging er auf die Prinzipien der Verdunstung ein und stellte einige meteorologische Anwendungen seiner Forschung vor. De Saussure experimentierte zudem mit einem isolierten Kasten, der mit drei Glasschichten abgedeckt war, und stellte fest, dass die durch das Glas einfallende Sonnenenergie den Kasten erwärmte. Damit entwickelte er einen frühen Solarofen. De Saussure beschäftigte sich auch mit der atmosphärischen Elektrizität. Anhand von Messungen, die zwischen 1785 und 1788 durchgeführt wurden, stellte er tageszeitliche Schwankungen der atmosphärischen Elektrizität fest.

Der Wissenschaftler Georg Christoph Lichtenberg (1742–1799) aus Hessen lehrte der an der Universität Göttingen und entwickelte sich zu einem führenden Experten der deutschen Staaten auf vielen wissenschaftlichen Gebieten, darunter Chemie, Geodäsie, Geologie, Physik, Meteorologie und Astronomie. In der Meteorologie beschäftigte er sich mit der Gewitterelektrizität.

Der französische Botaniker, Zoologe und Naturwissenschaftler Jean-Baptiste de Lamarck (1744–1829) war der Ansicht, dass das Klima zwangsläufig das Tierleben beeinflusse und daher einer der wichtigsten Umweltfaktoren im Evolutionsprozess sein müsse. Er vermutete, dass Veränderungen in der Atmosphäre auf atmosphärische Gezeiteneffekte zurückzuführen seien, die von Sonne und Mond verursacht würden. Er glaubte, dass die Gesamttiefe der Atmosphäre im Bereich von 66 bis 80 km lag, und stellte fest, dass Wolken, Winde, Regen, Gewitter, Nebel, Hagel und alle anderen gewöhnlichen Wetterphänomene auf den untersten Teil der Atmosphäre beschränkt waren (eine Schicht, deren Tiefe er auf etwa 10 km schätzte, die „Troposphäre“ in der heutigen Terminologie). Lamarck stellte 1802 in Band 3 im „Annuaire météorologique“ und in einem Aufsatz mit dem Titel „Über Wolkenformen“ das erste System zur Wolkenklassifikation vor. Er schlug zunächst fünf Wolkentypen vor, die „mit allgemein feststellbaren Ursachen zusammenhängen“: dunstige Wolken (en forme de voile); zusammengeballte Wolken (attroupés); fleckige Wolken (pommelés); besenartige Wolken (en balayeurs); gruppierte Wolken (groupés). Im „Annuaire“ von 1805 schlug er eine detailliertere Klassifizierung vor: 12 verschiedene Kategorien und insgesamt 20 verschiedene Wolkentypen. Im „Annuaire“ von 1807 schlug Lamarck die Einrichtung eines französischen zentralen Wetterdienstes vor, der Daten von verschiedenen Observatorien sammeln und diese zur Erstellung von Wettervorhersagen nutzen sollte.

Der Bergkommissarius Gottfried Erich Rosenthal (1745–1813) aus der Freien Reichsstadt Nordhausen (heute Thüringen) war ein Pionier der Meteorologie. 1780 erstieg er den Gipfel des Brocken, um mit einem Barometer Experimente durchführen zu können. Er erkannte die Möglichkeiten der barometrischen Höhenmessung und verbesserte so Landkarten und Nivellierpläne ausgewählter Orte.

Der Dichter, Politiker und Naturforscher Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) aus der Freien Reichsstadt Frankfurt interessierte sich auch für Meteorologie. Er richtete 1775 eine erste Wetterstation im Herzogtum Weimar ein. Auf seinen Reisen durch Europa entdeckte Goethe ein einfaches Wasserbarometer, das als Wetterglas bekannt war, und führte es in den deutschsprachigen Ländern ein. Durch seine Förderung wurde das Instrument mit ihm in Verbindung gebracht und in Europa als Goethe-Barometer bekannt. Goethe war auch fasziniert von Wolken. Sein Gedicht „Ehrengedächtnis“ besteht aus den Strophen „Stratus“, „Cumulus“, „Cirrus“ und „Nimbus“, welche Bezeichnungen der heute gültigen Wolkenklassifikation darstellen.

Der Name des französischen Mathematikers und Astronomen Pierre-Simon Laplace (1749–1827) steht für eine bestimmte mathematische Funktion, die heute in der Meteorologie weit verbreitet ist: den „Laplace-Operator“. Laplace leitete aus Messungen verschiedener Ballonaufstiege eine hypsometrische Gleichung ab (eine Gleichung, die den Luftdruck mit der geometrischen Höhe in Beziehung setzt, wobei die Profile der Lufttemperatur und Luftfeuchtigkeit bekannt sind).

Der Lexikograph und Publizist Noah Webster (1758–1843) aus Neuengland kritisierte in seinem Aufsatz „On the Supposed Change in the Temperature of Winter“ (Über die vermeintliche Veränderung der Wintertemperatur) aus dem Jahr 1799 die damals in Amerika und Europa verbreitete Meinung, dass das Klima, insbesondere im Winter, wärmer geworden sei. Er argumentierte, dass „wir keinen Grund haben anzunehmen, dass sich die Neigung der Erdachse zur Ebene ihrer Umlaufbahn jemals verändert hat; es gibt jedoch starke Beweise für das Gegenteil. Wenn diese Neigung immer gleich geblieben ist, folgt daraus, dass die Menge der Sonnenstrahlen, die jährlich auf das jeweilige Land fällt, immer gleich gewesen sein muss. Würden wir diese Daten akzeptieren, müssten wir zu dem Schluss kommen, dass die allgemeine Temperatur jedes Klimas seit der Schöpfung bis zum heutigen Tag gleich geblieben ist, abgesehen von kleinen jährlichen Schwankungen, die auf die Positionen der Planeten im Verhältnis zur Erde oder auf die Wirkungen des Elements Feuer im Erdball und seiner Atmosphäre zurückzuführen sind“. Webster konnte nicht wissen, dass Schwankungen der Umlaufbahnparameter der Erde, die mit Klimaveränderungen zusammenhängen, tatsächlich über verschiedene Zeitskalen hinweg auftreten. Webster war jedoch der Ansicht, dass das Klima zumindest unbeständiger geworden sei und sich insbesondere als Reaktion auf landwirtschaftliche Bewirtschaftung verändern könne.

Der britische Naturforscher und Chemiker John Dalton (1766–1844) entwickelte um 1803 die erste brauchbare Atomtheorie der Materie. Er war schon früh von der Meteorologie fasziniert, führte Wetterbeobachtungen durch und legte sein ganzes Leben lang ein meteorologisches Tagebuch an. Am Ende seines Lebens umfasste dieses rund 200.000 Beobachtungen. Dalton hielt Vorträge vor der Manchester Literary and Philosophical Society zu Themen wie allgemeiner Meteorologie (z. B. Niederschlag, Tau, Verdunstung, Wolkenbildung, Verteilung und Beschaffenheit der Luftfeuchtigkeit, das Konzept des Taupunkts), der Aurora borealis und meteorologischen Instrumenten (Barometer, Thermometer und Hygrometer). In einem dieser Vorträge skizzierte Dalton 1799 den zunehmend verbreiteten Einsatz von Regenmessern in England und präsentierte Niederschlagsdaten für verschiedene Orte, wobei er darauf achtete, die Grafschaften in Binnen- und Küstengebiete zu unterteilen. Er kam zu dem Schluss, dass die Binnenlandgrafschaften weniger Regen haben als diejenigen in Meeresnähe, insbesondere im Westen Englands. Er schätzte zudem die jährliche Wassermenge, die aus den Flüssen Englands und Wales ins Meer fließt, sowie die Menge an Tau, die sich auf dem Boden absetzt. Daltons Interesse an der Meteorologie förderte seine Arbeit an Gasen. Im Jahr 1801 formulierte er sein Gesetz der Partialdrücke, das als „Dalton-Gesetz“ bekannt wurde: Der Gesamtdruck, den ein Gasgemisch ausübt, ist gleich der Summe der Drücke, die die einzelnen Gase ausüben würden, wenn sie dasselbe Volumen einnehmen würden. Er veröffentlichte dieses Ergebnis in einer Abhandlung 1802. In diesem Artikel stellte er auch einen Zusammenhang zwischen Dampfdruck und Temperatur her. Schon in seiner Jugend war Dalton von der Aurora borealis fasziniert, die er als Junge erstmals in den Regionen Kendal und Keswick in England beobachtete. In einem Buch mit dem Titel „Meteorological Observations and Essays“ fasste er seine Beobachtungen der Aurora aus den Jahren 1786 bis 1793 zusammen, einschließlich Details zu deren Erscheinungsbild, Helligkeit und Bewegung. Er kam zu dem Schluss, dass es einen Zusammenhang zwischen der Aurora und dem Erdmagnetfeld geben müsse.

Titelblatt eines Exemplars von John Daltons „Meteorological Observations and Essays“ aus dem Jahr 1793, Quelle: Archiv des American Institute of Physics, College Park, Maryland, Vereinigte Staaten, über Wikimedia Commons.

Das nächste Thema des Tages wird sich mit meteorologischen Entwicklungen um 1800 und zu Beginn des 19. Jahrhunderts auseinandersetzen. Freuen Sie sich auf weitere meteorologische Erkenntnisse spannender Entdeckungsreisen, die Grundlage der Klassifikation von Wolken und Wind sowie Fortschritte in der Feuchtigkeitsmessung.

Dipl.- Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Geschichte-der-Meteorologie-–-Teil-11-1.jpg 1448 920 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-27 16:08:302026-07-28 17:21:26Geschichte der Meteorologie – Teil 11: Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts (b) und um 1800

Tag der Seenotrettung

26. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Am 29. Mai 1865 wurde die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) gegründet. Sie hat ihren Sitz in Bremen und ist ein rechtsfähiger Verein, der an Nord- und Ostsee hoheitlich (1965 im Gesetz festgeschrieben) die Suche und Rettung in Not geratener Menschen durchführt. Dabei sind sie rund um die Uhr einsatzbereit und rücken oft dann aus, wenn andere das Meer lieber verlassen.

Neben der Rettung aus Seenot, der Koordinierung aller Maßnahmen im Seenotfall sowie der Überwachung der Notfallkanäle im UKW-Bereich stellen sie unter anderem die medizinische Erstversorgung, Hilfe bei der Befreiung in Seenot geratener Besatzungen, Transport von Verletzten und Unterstützung deutscher Schiffe und Besatzungen bei Notfällen im Ausland sicher. Das Einsatzgebiet umfasst rund 3660 Kilometer Küstenlinie – von Borkum bis Usedom. Auf der Strecke gibt es 53 Stationen mit etwa 60 Seenotrettungskreuzern und -booten sowie 1000 Seenotretter, wovon die meisten ehrenamtlich tätig sind.

Seit 1999 steht der dritte Sonntag im Juli im Zeichen der Seenotretter, auf eigene Initiative. An diesem Tag finden in vielen Stationen Führungen, Vorträge und Vorführungen statt. Man kann den Rettern über die Schulter schauen, sich über Arbeit und Material informieren und bei spannenden Übungen den Arbeitsablauf live verfolgen. Immer unter der Voraussetzung, dass kein Notfall reinkommt. Die Rettung in Not geratener Menschen auf See hat immer Vorrang.

Der heutige Sonntag gestaltet sich an Nord- und Ostsee recht wechselhaft. Es gibt viele Wolken und immer wieder Regen, vereinzelt sind auch Blitz und Donner möglich. Dabei weht ein mäßiger bis frischer Wind aus westlichen Richtungen. Auch der Montag ist an den deutschen Küsten wechselhaft mit ein paar sonnigen Abschnitten und meist nur schwachen Schauern, aber teils stürmischem Wind an der Ostseeküste. Mit Höchstwerten um 20 Grad fühlt es sich nicht gerade sommerlich an.

In den Folgetagen lässt der Wind nach, die Sonnenanteile nehmen zu und auch die Temperatur steigt deutlich. Zu Wochenmitte sind um 30 Grad möglich, auch die zweite Wochenhälfte ist sommerlich warm, wenngleich wieder mehr Wolken auftauchen und einzelne Schauer möglich sind.

Diplom Meteorologin Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-26 15:00:402026-07-28 17:21:16Tag der Seenotrettung

Gebietsweise anhaltende Trockenheit und neue Hitze

25. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Am heutigen Samstag verlagert sich Hoch NORBERT allmählich nach Südosteuropa und macht damit den Ausläufern der Tiefdruckgebiete EVELINE und FLOORA, die über Nordeuropa hinwegziehen, Platz. Damit hält vor allem in der Nordhälfte des Landes im Laufe des Wochenendes wechselhaftes Sommerwetter Einzug. In der neuen Woche bahnt sich dann eine neue Hitzewelle an. An der Südwestflanke eines umfangreichen Hochdruckgebietes mit Schwerpunkt über Südosteuropa kann eine heiße Luftmasse, die ihren Ursprung im Süden Spaniens hat, nach Mitteleuropa transportiert werden. Die Intensität und Andauer der Hitzewelle ich noch mit ein paar Fragezeichen zu versehen.

Vorhersagekarte für die Druckverteilung und die Lage der Frontensysteme am Mittwoch, den 29.07.2026 um 12 UTC (Quelle:DWD)

Die teils verbreitet propagierten Höchstwerte von über 40 Grad in Deutschland zeichnen sich jedoch nicht ab. Hier schießt nach wie vor das amerikanische GFS-Modell mit in der Südhälfte flächendeckend um 40, punktuell bis 44 Grad, den Vogel ab. Diese Prognosen sind in die Welt der Fabeln zu verweisen, denn kein weiteres bekanntes Wettermodell berechnet diese Spitzenwerte in der kommenden Woche. Nach derzeitigen Prognosen werden der Donnerstag und der Freitag die heißesten Tage der Woche mit Maxima zwischen 34 und 38, lokal um 39 Grad in der Südhälfte und 28 bis 34 Grad in der Nordhälfte.

Prognose des Temperaturverlaufs von Samstag, den 25.07.2026 bis Freitag, den 31.07.2026 für den Südwesten, die Mitte und den Nordosten (Quelle:DWD)

In puncto Niederschlag schaut der Südwesten weiterhin in die Röhre. In der Nordhälfte fällt vor allem am Sonntag zeitweise schauerartiger und mitunter gewittrig durchsetzter Regen und auch vom Südschwarzwald bis zum Alpenrand gibt es an diesem Wochenende einzelne Schauer und Gewitter. Zum Start in die neue Woche fallen vor allem quer über der Mitte und am Alpenrand noch einzelne Schauer. Im weiteren Wochenverlauf tröpfelt es allenfalls im Norden noch ein wenig, während es sonst zunächst meist trocken bleibt. Erst in der zweiten Wochenhälfte stehen örtlich kräftige Hitzegewitter auf der Agenda. Flächendeckender Regen bleibt jedoch aus, sodass sich insbesondere im Südwesten und äußersten Westen die Trockenheit weiter verschärft.

Akkumulierter Niederschlag von Samstagmorgen, den 25.07.2026 bis Samstagmorgen, den 01.08.2026 (Quelle:DWD)

Beispielsweise fielen vom Niederrhein bis ins Rhein-Main-Gebiet seit Monatsbeginn in der Fläche nur zwischen 1 und 10 l/qm und bis Monatsende zeichnen sich nur wenige weitere Liter pro Quadratmeter ab. Normalerweise summiert sich der Niederschlag dort im gesamten Juli auf 50 bis 70 l/qm.

Die ausbleibenden Niederschläge in Verbindung mit der zunehmenden Hitze und der sich damit verstärkenden Verdunstung sorgen dafür, dass die Waldbrandgefahr (Link Waldbrandgefahrenindex) in der Südhälfte wieder deutlich zunimmt und am Mittwoch bereits flächendeckend die Stufe 4 erreicht.

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Gebietsweise-anhaltende-Trockenheit-und-neue-Hitze-1.png 714 1004 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-25 14:52:252026-07-28 17:21:04Gebietsweise anhaltende Trockenheit und neue Hitze

Von Hunden und Erfrischungen

24. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Gemäß vielen Kalendern und Büchern befinden wir uns seit dem gestrigen Donnerstag in der Zeit der sogenannten „Hundstage“. Die Hundstage gehören zu den Singularitäten, also den Witterungsregelfällen in der Meteorologie. Andere bekannte Beispiele für solche Singularitäten sind die Eisheiligen, die Schafskälte, der Siebenschläfertag, der Altweibersommer oder das Weihnachtstauwetter. Die Hundstage erstrecken sich dabei vom 23. Juli bis zum 23. August. Namensgebend ist das Sternbild „Großer Hund“, dessen Hauptstern „Sirius“ zu Beginn dieses Zeitraums seinen heliakischen Aufgang hat. Der Begriff der Hundstage dient im allgemeinen Sprachgebrauch der Benennung der heißesten Tage des Jahres.

Passend dazu wurde am gestrigen Donnerstag in den USA der „Tag der Erfrischungen“ gefeiert. Dieser Aktionstag hat allerdings kein festes Datum, sondern fällt immer auf den vierten Donnerstag im Juli. Er wurde 2015 vom Getränkehersteller Traveller Beer Company und vom Webportal nationaldaycalendar.com ins Leben gerufen und war Teil einer Marketingkampagne für Bier-Mix-Getränke. In Deutschland wurde am gestrigen Donnerstag hingegen zum ersten Mal der „Tag der Schorle“ begangen. Dieser geht auf eine Initiative von C. Rasmus und G. Sigmundczyk aus Mannheim zurück. Sie nannten bei der Wahl des Datums mehrere Gründe, die für den 23. Juli sprachen. Zum einen wäre da die Überschneidung mit dem amerikanischen „Tag der Erfrischungen“. Zum anderen laden lange Sommerabende und die laufende Weinfestsaison dazu ein, diesen Aktionstag mitzufeiern.

Daneben gab es am gestrigen Donnerstag (wie in jedem Jahr am 23. Juli) in den USA den „Tag des Vanilleeis“, der dort bereits seit den 1990er-Jahren bekannt ist. Vanille zählt zu den beliebtesten Geschmacksrichtungen beim Eis. Zudem kann Vanilleeis auf eine mehr als 200-jährige Geschichte zurückblicken. Manche Quellen besagen, dass Vanilleeis sogar in den USA eingeführt wurde. Damit ist ein entsprechender Aktionstag dort gar nicht mal so unberechtigt. Und wie wäre es, sich ein großes Eis zu gönnen und dieses noch mit ein paar Zuckerstreuseln zu verzieren? Passend dazu wurde am gestrigen Donnerstag in den USA sowie in Kanada der „Zuckerstreusel-Tag“ begangen. Dieser wurde 2017 von der Kanadierin Rosie Alyea ins Leben gerufen. Der 23. Juli ist dabei auch ihr Geburtstag. Auch dieser Aktionstag lässt sich als Teil einer Marketingkampagne verstehen, denn die Initiatorin vertreibt über ihr Unternehmen unter anderem Zuckerstreusel.

Am heutigen Freitag gibt es hingegen keine „erfrischenden“ Aktionstage. Manche mögen an dieser Stelle womöglich widersprechen, zumindest diejenigen, die einen Tequila als erfrischend wahrnehmen. Anders sieht es hingegen am morgigen Samstag und am Sonntag aus. Vielleicht nicht direkt erfrischend, aber durchaus passend für einen lauen Sommerabend gibt es am morgigen Samstag in den USA den „Käse-und-Wein-Tag“. Erfrischender wird es da schon am Sonntag, am „Tag des Kaffee-Milchshakes“.
Doch wie präsentiert sich das Wetter über das Wochenende? Werden tatsächlich Erfrischungen gebraucht?

Prognosekarte Bodendruck und Lage der Fronten mit Namen der steuernden Hoch- und Tiefdruckgebiete für den heutigen Freitag, den 24.07.2026 12 UTC

Hoch NORBERT beschert uns momentan recht freundliches und ruhiges Wetter. So sorgt er auch am morgigen Samstag in weiten Teilen des Landes für viel Sonnenschein. Bei Höchsttemperaturen zwischen 25 und 33 Grad wird es zudem sommerlich warm bis heiß. Im Südwesten und am Alpenrand ist zum Nachmittag und Abend allerdings mit einzelnen Schauern und Gewittern zu rechnen. Ganz im Norden ziehen hingegen zeitweise Wolkenfelder durch und einzelne Schauer sind möglich. Die Höchsttemperaturen liegen dort zwischen 21 und 25 Grad.

Wettervorhersage sowie Vorhersage der Tageshöchsttemperaturen in Deutschland am morgigen Samstag, den 25.07.2026

Auch am Sonntag treten südlich der Donau einzelne, direkt am Alpenrand wiederholt Schauer und Gewitter auf. Zudem kommt im Norden Deutschlands schauerartiger, teils gewittriger Regen auf, der sich im Tagesverlauf süd-/südostwärts ausweitet und zum Abend in etwa eine Linie von Main und Mosel erreicht. Nur in einem Streifen von Baden-Württemberg bis zum Erzgebirge bekommt man die Sonne auch etwas länger zu Gesicht und Schauer und Gewitter treten weniger häufig auf. Allerdings kann der Westwind insbesondere im Südwesten zeitweise böig auffrischen. Im Norden und Nordwesten liegen die Höchsttemperaturen zwischen 20 und 24, sonst zwischen 24 und 31 Grad.

Die neue Woche beginnt zunächst unbeständig und die Höchsttemperaturen verbleiben vorübergehend unter der 30-Grad-Marke. Ab Dienstag nehmen die längeren Sonnenanteile von Südwesten her aber rasch wieder zu und auch Höchsttemperaturen von 30 Grad und mehr werden bereits am Mittwoch in weiten Teilen des Landes wieder erreicht.

Zusammengefasst kann man sich also insbesondere am morgigen Samstag eine Erfrischung gönnen. Ab Dienstag scheinen Erfrischungen jeglicher Art dann hingegen tatsächlich gebraucht zu werden.

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Von-Hunden-und-Erfrischungen-1.jpg 910 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-24 13:40:112026-07-28 17:20:54Von Hunden und Erfrischungen

Wetter-Apps für Segler und Outdoor-Sportler

24. Juli 2026/in Allgemein, Wetter/von WINDINFO

Laut einer Boot Online Umfrage nutzen bereits 36% der Bootfahrer regelmäßig Wetter-Apps auf mobilen Geräten. Wer bei Wind und Welle unterwegs ist, ob als Segler, Kitesurfer oder Wanderer, braucht verlässliche Wetterinformationen. Kein Bauchgefühl der Welt ersetzt eine gute App mit aktuellen Modelldaten.

Warum Wetter-Apps für Segler und Wassersportler unverzichtbar sind

Der klassische Seewetterbericht im Radio gehört der Vergangenheit an. 52 Jahre lang strahlte das Deutschlandradio täglich Wind- und Warnmeldungen aus, langsam und deutlich vorgelesen, damit Skipper problemlos mitschreiben konnten. Ende 2015 schaltete der Sender zunächst die Mittelwellensender ab, was das Ende der Frequenz 1269 kHz bedeutete. Seit März 2016 ist der Seewetterbericht im Radio Geschichte. Wer ihn vermisst, findet auf NDR Info Spezial noch zweimal täglich einen Seewetterbericht, um 8.30 Uhr und um 23.03 Uhr, plus einen Podcast zum Abonnieren.

Dieser Wandel zeigt, wohin die Reise geht. Wetter-Apps liefern heute mehr Daten, schneller und präziser als jede Radiosendung es je konnte. Ähnlich wie Nutzer bei der Wahl eines seriöses Online Casino Schweiz auf verlässliche Informationen und transparente Bewertungen achten, sind auch auf dem Wasser aktuelle und zuverlässige Wetterdaten unverzichtbar. Für Segler, die auf Ankerplatz-Suche sind, spielt das Wetter beim Ankern eine zentrale Rolle. Wind aus der falschen Richtung, eine unerwartete Dünung oder eine Gewitterfront – das sind keine akademischen Probleme. Das sind Situationen, die über Sicherheit oder Havarie entscheiden.

Wer also noch auf „Gut Glück“ losfährt, handelt fahrlässig. Zum Glück bietet der Markt heute eine Vielzahl spezialisierter Wetter- und Wind-Apps, die den Bordalltag erheblich erleichtern, und das zu überraschend moderaten Preisen.

Die besten Wetter-Apps für Segler, Kitesurfer und Outdoor-Sportler

Hier sind die wichtigsten Anwendungen, nach Profil und Anwendungsfall geordnet :

  1. Windy: animierte Wetterkarten, Sturmentwicklungen in Echtzeit, Wetterberichte weltweit abrufbar. Die Basis-Version ist kostenlos, die Premium-Version kostet 21 Euro pro Jahr.
  2. PredictWind: mehrere Vorhersagemodelle, GRIB-Daten-Integration, ideal für Langstreckensegler. Kostenlose Basisversion verfügbar, Mitgliedschaft ab 35 Euro pro Jahr.
  3. Weather4D: Wettervorhersage kombiniert mit Routenanpassung in Echtzeit, für 29,99 Euro pro Jahr.
  4. Windfinder: Daten von über 160.000 Stationen weltweit, besonders bei Surfern und Kitesurfern beliebt. Basis kostenlos, Pro-Version für einmalig 10 Euro.
  5. Seewetter Pro: spezialisiert auf Nordsee, Ostsee und Mittelmeer, mit 6-Tage-Gezeitenvorhersage, 3-Tages-Seewettervorschau, animierten Meeresströmungskarten und einer Notfall-Funktion für Seenotrufe per Funk und Telefon.
  6. WeatherPro: mehrfacher Testsieger unter allgemeinen Wetter-Apps, bietet eine 7-Tage-Vorhersage in 3-Stunden-Intervallen mit Windrichtung, Luftdruck und Temperatur. Mit Premium-Upgrade steigen die Vorhersagewerte auf bis zu 14 Tage.
  7. ADAC Skipper App: hochauflösende Wettermodelle, stündliche Darstellungen zu Wind, Welle und Niederschlag. 19,99 Euro jährlich für ADAC-Mitglieder, 24,99 Euro für Nicht-Mitglieder.

Windfinder Pro verdient dabei besondere Erwähnung : Messwerte von über 17.000 Wetterstationen weltweit fließen ins Superforecast-Modell ein, das stündliche Werte für Europa, Ägypten und Nordamerika liefert. Für Kitesurfer, die auf einen bestimmten Windkorridor warten, ist das Gold wert.

Die besten Apps für Ankerplätze, Häfen und Liegeplätze

Wetterplanung ist die eine Seite. Die andere ist das Finden des richtigen Platzes zum Übernachten. Drei Apps dominieren diesen Bereich klar.

Navily sticht durch seine Community-Stärke hervor: Nutzerbewertungen, Fotos und Erfahrungsberichte machen das Ankern planen so konkret wie ein Gespräch mit einem Segelkollegen. Navionics punktet dagegen mit technischer Tiefe, denn die detaillierten Seekarten mit Sonardaten liefern Informationen, die kein Papieratlas je abbilden konnte.

Dockwa löst ein alltägliches Problem elegant. Wer kennt nicht das lästige Durchklingeln von Marinas am späten Nachmittag ? Die App ermöglicht Liegeplatz-Buchungen direkt ohne Telefonat, schnell und zuverlässig. Kostenlos dazu, was will man mehr.

So wählst du die richtige Wind-App für deinen Sport

Nicht jede App passt zu jedem Profil. Langstreckensegler brauchen GRIB-Daten und Routenplanung. Kitesurfer wollen präzise Windvorhersagen für kurze Zeitfenster. Wanderer und Mountainbiker benötigen vor allem zuverlässige Kurzfristvorhersagen mit Niederschlagsradar.

Ich empfehle grundsätzlich, mindestens zwei Apps parallel zu nutzen : eine für die allgemeine Wetterplanung und eine für spezifische Sportbedingungen. Eine Kombination aus einer kostenlosen Basisversion und einer gezielten Premium-App bleibt meist unter 40 Euro im Jahr, ein Betrag, der gemessen am Sicherheitsgewinn lächerlich gering ist.

Bild: AdobeStock_474217751 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/AdobeStock_474217751-scaled.jpeg 1423 2560 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-24 09:59:312026-07-25 11:16:05Wetter-Apps für Segler und Outdoor-Sportler
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