Wo ist der Polarjet hin?

In vielen vergangenen Themen des Tages wurde das starke Westwindband, das die Arktis in etwa 5 km Höhe umläuft, erwähnt. Die Rede ist vom Polarjetstream. Er hat einen immensen Einfluss auf unser Wetter in Deutschland und lenkt es gewissermaßen von oben. Heute wollen wir uns ein wenig mit ihm beschäftigen.

Grundsätzlich entsteht er durch die großen Temperaturunterschiede nördlich und südlich von ihm. Dort wo die kalten polaren und die wärmeren Luftmassen aus den mittleren Breiten aufeinandertreffen, bildet sich in der Höhe dieser starke (West-)Windstrom.

Nun wollen wir uns eine zugegebenermaßen schon etwas in die Jahre gekommene Grafik anschauen.

Darstellung des zeitlich und räumlich gemittelten zonalen Windes über verschiedene Zeiträume. (angepasst) (Quelle Peixoto, J.P.; Oort, A.H., 1992: Physics of climate, chapter 7, figure 7.15 (angepasst))

Diagramme des gemittelten Windes (nur Ost/Westrichtung!) aufgetragen über die geographische Breite (x-Achse) und der Höhe (y-Achse). Über das ganze Jahr gemittelt (oberes Diagramm), nur über die Wintermonate (mittleres Diagramm) und die Sommermonate (unteres Diagramm). (angepasst)

Hier sehen wir auf der x-Achse die geographische Breite. Die linke Hälfte ist die Südhalbkugel und die rechte die Nordhalbkugel. Auf der y-Achse ist die Höhe aufgetragen. Die Höhenangabe ist etwas gewöhnungsbedürftig in 100-hPa-Schritten angegeben. Das heißt, es fängt bei 1000 hPa (etwa Bodenniveau) an und geht hinauf bis über 200 hPa (~12 km). Die beschrifteten Linien geben den gemittelten zonalen Wind an. Hier ist wichtig zu beachten, dass nur(!) der zonale Anteil – also der Anteil des Windes, der in Ost-/Westrichtung zeigt – betrachtet wird. Durchgezogene Linien stehen für Westwinde (positive Zahlenbeschriftung) und gestrichelte für Ostwinde (negative Zahlenbeschriftung) und sind mit Werten in Metern pro Sekunde versehen. Soweit so gut, jetzt fehlt nur noch die Erklärung, warum drei dieser Diagramme direkt untereinander zu sehen sind. Das ist eine Einteilung in verschiede Zeiträume. Das oberste Diagramm betrachtet das Mittel über ein ganzes Jahr. Das mittlere Diagramm verwendet dagegen nur die Wintermonate und das unterste Diagramm nur die Sommermonate. So kann eine jahreszeitliche Veränderung der Winde untersucht werden.

Betrachten wir mit diesem Wissen die Diagramme, werden Windmaxima wunderbar ersichtlich. Dort wo sich die eingezeichneten Linien mit der höchsten Zahl (= Windgeschwindigkeit) befinden, liegt augenscheinlich ein Jetstream. Beschränken wir uns einfachheitshalber nur auf die Nordhalbkugel. Das Windmaximum von 25 m/s im jährlichen Mittel findet sich ungefähr zwischen 30 und 35 °N und auf einer Höhe von etwa 200 hPa. Wenn nur der Winter betrachtet wird, liegt das Maximum etwas weiter südlich und ist deutlich stärker. Das passt zu unserem Verständnis, denn im Winter sind die Temperaturunterschiede zwischen Nord und Süd größer und daher auch der resultierende Jetstream. Im Sommer dagegen verschiebt sich das Ganze Gebilde nach Norden und schwächt sich ab.

Jetzt könnte dieses Thema des Tages zum Ende kommen, doch dem aufmerksamen Leser wird vielleicht etwas spanisch vorkommen. Im ersten Absatz steht doch, dass der Jet in einer Höhe von 5 km und nicht in 12 km zu finden ist. Außerdem liegt der 30. Breitengrad in den Subtropen. Länder wie China, Ägypten, Algerien, Marokko oder Mexiko befinden sich dort, aber Europa liegt viel weiter nördlich. Die einzige Erklärung ist: Wir haben den falschen Jet identifiziert. Tatsächlich ist das so schön ersichtliche Starkwindband der sogenannte Subtropenjet, der dadurch entsteht, dass Luft in großer Höhe vom Äquator wegströmt und abgelenkt wird.

Jetzt bleibt nur noch die Frage zu klären, was wir mit unserem verschwundenen Polarjet machen. Die Krux liegt darin, dass in den Diagrammen nur die zonalen Winde betrachtet werden. Wir wissen jedoch, dass unser Jetstream dazu neigt, komplizierte Wellenmuster zu bilden und dadurch oft in Nord-/Südrichtung zeigt. Das führt dazu, dass er in diesen gemittelten Grafiken nicht zu sehen ist. Wenn alle Windrichtungen miteinbezogen werden würden, müsste er sich zwischen 40 und 60 °N auf einer Höhe von etwa 500 hPa befinden.

Wer eine schöne Animation der weltumspannenden Strömungen in unterschiedlichen Höhen anschauen will, dem sei die Internetseite https://earth.nullschool.net/ ans Herz gelegt. Dort kann man sich durch verschiedene Höhen und Parameter klicken und ansprechend animiert die Ergebnisse betrachten.

M.Sc. Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.05.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Der Geruch von Regen

Nach einem trockenen Tag setzt Regen ein und plötzlich liegt ein ganz besonderer Duft in der Luft. Dieser Geruch wird oft als frisch, erdig oder beruhigend beschrieben. Er fällt besonders nach längeren Trockenphasen deutlich auf. Doch woher kommt dieser typische „Regengeruch“ eigentlich?

Dieser besondere Duft, der entsteht, wenn Regen auf trockenen Boden fällt, wurde von Wissenschaftlern in den 60er-Jahren Petrichor genannt. Petrichor stammt aus dem Griechischen und setzt sich aus den Worten „Petra” (Stein) und „Ichor” (die Flüssigkeit in den Adern der Götter) zusammen.

Der Geruch setzt sich aus Pflanzenölen zusammen, die von Pflanzen in Trockenphasen ausgeschieden und vom Boden sowie Gestein aufgenommen werden. Bei Regen lösen sich diese Öle und werden freigesetzt. Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist das sogenannte Geosmin, das für den erdigen Anteil des Dufts verantwortlich ist. Es gehört zur Stoffgruppe der bizyklischen tertiären Alkohole und wird von bestimmten Bodenbakterien gebildet. Geosmin ist so intensiv, dass Menschen es selbst in sehr niedriger Konzentration erkennen können. Forscher vermuten, dass diese hohe Sensibilität den Menschen früher dabei half, lebensnotwendige Wasserquellen in trockenen Gebieten aufzuspüren. Gerade nach längerer Trockenheit sammelt sich der Stoff verstärkt im Boden an und wird besonders durch die ersten Regentropfen freigesetzt.

Der genaue Mechanismus, durch den diese Duftstoffe freigesetzt werden, wurde erst im Jahr 2015 von Forschern des Massachusetts Institute of Technology mithilfe von Hochgeschwindigkeitskameras erforscht. Beim Aufprall von Regentropfen auf porösem Boden schließen die Tropfen kleine Luftblasen ein. Diese steigen innerhalb des Regentropfens nach oben und platzen anschließend an der Oberfläche, ähnlich wie Champagnerblasen. Dabei schleudern sie winzige Aerosole in die Luft, die die Duftstoffe enthalten.

Besonders viel Aerosol entsteht bei leichtem bis mäßigem Regen. Bei starkem Regen entstehen deutlich weniger, da die Tropfen zu schnell aufprallen und sich somit weniger Luftblasen bilden können.

Wärme verstärkt die Verdunstung und damit auch die Verteilung der Duftstoffe in der Luft. Deshalb wird der Geruch an warmen Tagen häufig als besonders intensiv wahrgenommen.
Allerdings entsteht nicht immer der gleiche Eindruck. In Städten mischen sich beispielsweise Gerüche von Asphalt, Pflanzen, Staub oder Abgasen mit der feuchten Luft. Auf dem Land dominieren dagegen häufig Gerüche von Erde, Grasflächen oder Wäldern. Dadurch kann Regenluft regional sehr unterschiedlich wahrgenommen werden.

Der Geruch von Regen

Ein Sommergewitter bringt nach längerer Trockenheit Regen.

Dipl.- Met. Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.05.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Turbulente und kühle Maitage

Tief DOREEN prägt derzeit das Wettergeschehen in Deutschland und sorgt für einen markanten Wetterumschwung. Bereits am gestrigen Sonntag entwickelten sich vor allem im Süden von Rheinland-Pfalz und im Saarland kräftige Gewitter mit teils unwetterartigem Starkregen. Besonders betroffen war die Region um Pirmasens: Dort registrierte die Wetterstation innerhalb einer Stunde 31 Liter Niederschlag pro Quadratmeter, binnen sechs Stunden summierten sich sogar knapp 48 Liter. Im weiteren Verlauf zogen die Gewitter unter allmählicher Abschwächung nordostwärts und gingen in der Nacht zunehmend in teils gewittrigen Starkregen über.

Turbulente und kuehle Maitage 1

Vorhersagekarte für Montag, den 11.05.2026 um 12 UTC. Tief DOREEN befindet sich über dem Nordosten Deutschlands. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Am heutigen Montag erstreckt sich die Kaltfront von Tief DOREEN quer über Deutschland und verlagert sich zunächst nur langsam ostwärts. Entlang eines Streifens von Nordrhein-Westfalen bis zur Ostsee treten länger anhaltende Niederschläge auf. Südöstlich davon bleibt die Luftmasse feucht und labil geschichtet, sodass sich im Tagesverlauf erneut kräftige Schauer und Gewitter entwickeln können. Dabei sind örtlich Starkregen sowie stürmische Böen möglich. Im weiteren Tagesverlauf kommt die Kaltfront auch südwärts voran und erreicht schließlich die Alpenregion. Im Vorfeld der Front frischt der Wind spürbar auf. Vor allem in Alpennähe können durch den sogenannten Leitplankeneffekt stürmische Böen auftreten.

Rückseitig der Front strömt deutlich kältere maritime Arktikluft nach Deutschland ein. Dadurch sinkt die Schneefallgrenze in der Nacht zum Dienstag deutlich ab. In den zentralen Mittelgebirgen liegt sie bis zum Morgen bei rund 600 Metern, in den Alpen fällt oberhalb von etwa 800 Metern Schnee. In den Mittelgebirgen dürfte aufgrund der bereits erwärmten Böden jedoch kaum etwas liegen bleiben. Dennoch sinken die Temperaturen in höher gelegenen Tallagen örtlich unter den Gefrierpunkt. Besonders in den südwestdeutschen sowie zentralen Mittelgebirgen ist am Dienstagmorgen vereinzelt Frost möglich.

Turbulente und kuehle Maitage 2

Tiefsttemperaturen für Dienstagfrüh und Mittwochfrüh in Deutschland. Vor allem in den Mittelgebirgen im Süden gibt ist örtlich leichter Frost wahrscheinlich. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Der Dienstag gestaltet sich insgesamt wechselhaft und erinnert vielerorts an typisches Aprilwetter. Besonders in den mittleren Landesteilen ziehen wiederholt Schauer durch, lokal begleitet von kurzen Gewittern. Die Temperaturen bleiben für die Jahreszeit ungewöhnlich niedrig und erreichen am Nachmittag meist nur 8 bis 14 Grad. Etwas milder könnte es lediglich entlang des Oberrheins werden.

In der Nacht zum Mittwoch lockert die Bewölkung vor allem im Süden zeitweise stärker auf. In der eingeflossenen Kaltluft sinken die Temperaturen bei schwachem Wind verbreitet auf Werte unter 5 Grad. In ungünstigen Lagen ist leichter Frost bis etwa -2 Grad möglich. Empfindliche Pflanzen sollten daher vorsorglich geschützt werden.

Turbulente und kuehle Maitage 3

Abweichungen des Geopotentials für die 2. Maiwoche über Europa. Tiefes Geopotential sorgt für wechselhaftes Wetter in weiten Teilen von Zentral – und Westeuropa. Quelle: Europäisches Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage

Auch im weiteren Wochenverlauf bleibt die Wetterlage unbeständig und für Mitte Mai ungewöhnlich kühl. Verantwortlich dafür ist ein über Mitteleuropa liegender Höhentrog mit eingeflossener Kaltluft, der sich wiederholt regeneriert und damit weiterhin Schauer sowie zeitweise windiges Wetter verursacht. Nach dem überwiegend trockenen bis sehr trockenen April sind die Niederschläge vielerorts jedoch willkommen. In den Nordalpen fällt in höheren Lagen weiterhin Schnee, wodurch die dortigen Gletscher vor Beginn des Sommers nochmals etwas an Masse gewinnen können. Das spätwinterlich anmutende Wetter hat somit durchaus auch positive Seiten.

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 11.05.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Pannekoek in der Kalahari – wenn die Savanne wieder zum Leben erwacht

Naturliebhaber und Abenteuerurlauber entdeckten in den vergangenen Jahren besonders ein südafrikanisches Land wieder für sich: Namibia. Die ehemalige deutsche Kolonie liegt südlich des Äquators, in etwa auf der Höhe des südlichen Wendekreises. Daher beginnt deren (Süd-) Sommer, exakt gegensätzlich zu Europa, im Dezember und endet im März. Während dieser Zeit kommt es dort zu spannenden meteorologischen Vorgängen, die das dortige landwirtschaftliche Leben stark prägen.

Pannekoek in der Kalahari – wenn die Savanne wieder zum Leben erwacht 1

Typisches Himmelsbild während der Regenzeit in der Kalahari: Chaotischer Himmel mit mehrschichtiger Bewölkung, bevor starke Schauer und Gewitter entstehen. Quelle: Stefan Hahn

Nach einer sehr langen Trockenperiode setzt im November und Dezember üblicherweise eine erste Regenzeit ein, die zunächst als „kleine Regenzeit“ beschrieben wird. Die Sonne erreicht in diesen Monaten zunehmend den südlichen Wendekreis, ihre südlichste Position schließlich zum astronomischen Sommerbeginn Ende Dezember. Die wichtigste Folge davon ist, dass dem Sonnenstand die teils sehr regenintensive innertropische Konvergenzzone (ITC) nach Süden folgt. Zusätzlich entwickeln sich Tiefdrucksysteme über dem südlichen Afrika, welche feucht-warme Luftmassen vom Indischen Ozean heranführen. Sowohl die Menschen, als auch die sehr diverse Pflanzen- und Tierwelt erwarten diesen Regen nach langer Trockenheit schon sehnsüchtig.

Durch die sich in weiterer Folge verstärkende ITC und das permanente Zuführen von feuchter Luft setzt im Januar und Februar die zweite, aber deutlich intensivere Regenzeit ein. Dabei regnet es aber nicht wie der Begriff vermuten lässt durchgehend, die Tage sind vielmehr durch sehr kräftige Schauer und Gewitter geprägt. Das Leben der einheimischen Farmer ist ganz entscheidend von diesen saisonalen und intensiven Regenfällen abhängig. Immerhin entscheiden diese über ein erfolgreiches landwirtschaftliches Jahr. Aus diesem Grund widmen sich die Farmer auch intensiv meteorologischen Beobachtungen, die sie akribisch dokumentieren und nachfolgend interpretieren. Von ganz besonderem Interesse ist dabei natürlich die Niederschlagsverteilung auf ihren gigantisch großen Anwesen. Dafür werden auf dem gesamten Gelände sogar verschiedene Messpunkte betreut.

Pannekoek in der Kalahari – wenn die Savanne wieder zum Leben erwacht 2

Regenmesser in verschiedener Ausführung auf dem Farmgelände. Quelle: Stefan Hahn

Als Messgerät werden vielfach trichterförmige Behältnisse mit definierter horizontaler Auffangfläche benutzt. Hiesigen Wetterbeobachtern oder häufigen Lesern unserer Themen des Tages werden die Ähnlichkeiten zu einem im Deutschen Wetterdienst bekannten Niederschlagsmessgerät ins Auge stechen: dem sogenannten „Hellmann“ in der DWD-Ausführung. In regelmäßigen Abständen (im Normalfall täglich) werden nun die festgelegten Messpunkte angefahren und die Niederschlagsmenge mit einem Messgefäß abgelesen. Direkt am Farmhaus befindet sich außerdem noch eine sogenannte „Referenzstation“.

Pannekoek in der Kalahari – wenn die Savanne wieder zum Leben erwacht 4

Aufzeichnungsbücher des namibischen Wetterdienstes für Wetterbeobachtungen. Auf dem Deckblatt sind detaillierte Anweisungen für korrekte Messung und Dokumentation abgedruckt. Quelle: Stefan Hahn

Die Farmer vergessen aber nicht, ihre Wetterbeobachtungen mit dem staatlichen Wetterdienst zu teilen. Dafür tragen diese die gewonnenen Daten in ein gelbes, sogenanntes „Niederschlagsbuch“ ein, das der staatliche Wetterdienst zur Verfügung stellt. Nach Abschluss des Monats wird der Durchschlag der Eintragungen nach Windhoek in die Zentrale der Wetterbehörde geschickt. Die Expertinnen und Experten werten dort die gewonnenen Daten aus und erstellen unter anderem vielfältige Klimastatistiken. Aber auch für die Wettervorhersage haben die gemessenen Beobachtungen einen hohen Mehrwert. Die wenigen offiziellen Wetterstationen werden durch die ehrenamtlichen Niederschlagsmesspunkte der Farmen gewinnbringend ergänzt. Dadurch können die Wettermodelle besser verifiziert und statistische Vorhersageverfahren mit noch mehr Daten gefüttert werden – schlussendlich auch zum Vorteil der globalen Wettervorhersage.

Pannekoek in der Kalahari – wenn die Savanne wieder zum Leben erwacht 6

Traditionelle „Pannekoek“ in ausreichender Menge. Quelle: Stefan Hahn.

Regen ist jenes Wetterelement, welches für die Namibianerinnen und Namibianer den höchsten Stellenwert innehat. Die Freude über den ersten Regen nach der langen winterlichen Trockenzeit reicht so weit, dass sich diese sogar bis auf das kulinarische Angebot auswirkt. Auf vielen Farmen wird während dieser Wochen in der Pfanne die leckeren „Pannekoek“ zubereitet. Entweder man isst sie deftig mit Hackfleisch und Gemüse oder süß mit Zucker und Zimt. Es ist auf jeden Fall ein Symbol der Dankbarkeit und Wertschätzung für das feuchtere Wetter.

Zum Schluss noch ein persönlicher Tipp: Wer gerne dieses saftige Grün und kräftige Gewitter mag, der sollte unbedingt von Februar bis April nach Namibia reisen. Sowohl die Kalahari, wie auch in den anderen Regionen bietet sich den Besucherinnen und Besuchern eine traumhafte und einzigartige Landschaft, die bleibende Eindrücke hinterlässt.

Dipl.-VBW (FH) Stefan Hahn, Regionale Wetterberatung Ost
in Zusammenarbeit mit
Mag.rer.nat. Florian Bilgeri, Vorhersage- und Beratungszentrale
Deutscher Wetterdienst
Offenbach, den 10.05.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Die Eisheiligen: Nur ein Mythos?

Wenn es nach den ersten warmen Frühlingstagen im Mai zu einem plötzlichen Kälterückfall kommt mit Nachtfrösten oder gar Schnee, wird das gerne den sogenannten „Eisheiligen“ zugeschrieben. Zu den Eisheiligen, die gerne auch „Gestrenge Herren“ oder „Eismänner“ genannt werden, zählen die fünf katholischen Heiligen Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia, die nach dem julianischen Kalender zwischen dem 11. und 15. Mai ihren Namenstag haben. Mehreren Bauernregeln zufolge sollen sich in diesem Zeitraum späte Frostnächte häufen. Um es vorweg zu nehmen: Die Eisheiligen haben, im Gegensatz zu einigen anderen sogenannten „Witterungsregelfällen“ wie dem „Siebenschläfer“ oder dem „Weihnachtstauwetter“, keine große Aussagekraft. Warum sie als meteorologische Singularität deswegen umstritten sind, soll in der Folge erläutert werden.

Ein grundlegendes Problem ergibt sich schon alleine aus der Tatsache, dass sich die Namenstage auf den julianischen Kalender beziehen. Im Zuge der gregorianischen Kalenderreform im Jahre 1582 müsste man die Regel eigentlich eine gute Woche später anwenden. Doch selbst unter Berücksichtigung der Verschiebung sucht man in historischen Wetterdaten vergeblich nach einer statistisch auffälligen Häufung von Kaltlufteinbrüchen und Nachtfrösten während der Eisheiligen. Vielmehr treten Kaltlufteinbrüche und Nachfröste im Mai eher zufällig auf, wobei deren Wahrscheinlichkeit mit fortschreitender Jahreszeit sukzessive abnimmt (siehe Abbildung 1 als Beispiel).

Die Eisheiligen 1

Verlauf von Höchst-, Mittel- und Tiefsttemperatur sowie die Anzahl der Tage mit Tiefsttemperaturen unter 3 °C im Mai in Frankfurt/Main, gemittelt über den Zeitraum von 1961 bis 2020. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Betrachtet man die letzten 50 Jahre und setzt als Kriterium für Eisheilige eine Tiefsttemperatur von höchstens 3 °C an, dann trafen sie im Schnitt nur in einem Drittel der Fälle zu, was sehr wenig ist für einen Witterungsregelfall. Das Weihnachtstauwetter zum Beispiel tritt in mehr als zwei Drittel der Fälle ein.

Tatsächlich scheinen die Eisheiligen als meteorologische Singularität also eher ein Mythos zu sein, der auf regionalen Sondererfahrungen aus dem Mittelalter fußt und keinesfalls Allgemeingültigkeit besitzt.

Davon losgelöst haben späte Kaltlufteinbrüche im Mai aber sehr wohl eine herausragende Bedeutung, insbesondere für die Landwirtschaft. Frostschäden sind trotz oder gerade wegen des Klimawandels ein großes Thema und können zu erheblichen Ernteeinbußen führen. Die Klimaerwärmung sorgt tendenziell für einen immer früheren Vegetationsbeginn, gleichzeitig nimmt die Gefahr später Kaltlufteinbrüche aber dennoch nicht signifikant ab. Ausgerechnet der Mai ist nämlich der Monat mit dem klimawandelbedingt geringsten Temperaturanstieg (siehe Abbildung 2).

Die Eisheiligen 2

Abweichungen der Temperaturen vom Referenzzeitraum 1961-1990 im Mai in Deutschland. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Die Eisheiligen haben zumindest als mystischer Platzhalter für die generelle Spätfrostgefahr im Mai ihre Daseinsberechtigung. Aber: Nicht der Mythos selbst entscheidet darüber, wie das Wetter wird, sondern das Wetter selbst.

Dipl.-Met. Adrian Leyser Sturm
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.05.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Warmes Wochenende, kühler Wochenstart

Das Hoch XERI mit seinem Schwerpunkt über dem Baltikum sorgt in Deutschland zunächst für ein überwiegend ruhiges und freundliches Wochenende. Doch die nächsten Tiefdruckgebiete stehen bereits bereit und werden im Laufe der neuen Woche zunehmend wetterbestimmend. Zwischen dem Hoch im Osten und den Tiefs nördlich sowie westlich Deutschlands dreht die Strömung auf östliche bis südöstliche Richtungen. Damit gelangt vorübergehend etwas wärmere Luft zu uns.

Warmes Wochenende kuehler Wochenstart 1

Bodenanalyse mit Fronten und Luftdruck, Freitag den 08.05.2026 12 UTC.

Am heutigen Freitag scheint neben dichteren Wolkenfeldern gebietsweise die Sonne. Vereinzelt sind Schauer möglich und im süddeutschen Bergland können sich zudem einzelne Gewitter entwickeln. Lediglich im Norden ist es durchweg sonnig. Die Temperaturen erreichen 15 bis 22 Grad. Am kühlsten bleibt es dort, wo sich die Wolken am längsten halten, insbesondere in Teilen der Mitte und Sachsens. Der Wind weht meist nur schwach aus östlichen Richtungen. In der Nacht zum Samstag zeigt sich der Himmel teils wolkig, teils klar. Örtlich können sich erneut flache Nebelfelder bilden. Vor allem im Osten und am Alpenrand besteht stellenweise Frostgefahr.

Warmes Wochenende kuehler Wochenstart 2

Wetter- und Temperaturkarte, am Freitag 08.05.2026.

Am Samstag verlagert sich das Hoch langsam weiter nach Russland, während der Luftdruck über Deutschland allmählich fällt. Dennoch dominiert zunächst weiterhin freundliches Wetter. Nur zwischen Schwarzwald und Alpen entstehen im Tagesverlauf einzelne Gewitter. Die Temperaturen steigen auf 17 bis 24 Grad. Der Wind bleibt schwach und kommt weiterhin aus östlichen Richtungen. In der Nacht zum Sonntag erreicht die schwache Kaltfront eines Tiefs über dem Nordmeer den Norden Deutschlands. Dort nehmen die Wolken zu und vereinzelt fällt etwas Regen. Abseits davon bleibt die Nacht meist klar. Im Osten besteht erneut örtliche Frostgefahr.

Warmes Wochenende kuehler Wochenstart 3

Wetter- und Temperaturkarte, am Samstag 09.05.2026.

Auch der Sonntag verläuft trotz zunehmenden Tiefdruckeinflusses zunächst noch freundlich und warm. Mit Höchstwerten zwischen 22 und 27 Grad wird es vor allem im Süden und Westen frühsommerlich mild. Im Norden hingegen halten sich bereits dichte Wolken, örtlich fällt etwas Regen und mit 11 bis 14 Grad bleibt es dort deutlich kühler. Zum Abend steigt besonders im Süden und Südwesten die Gewittergefahr deutlich an.

In der Nacht zum Montag bildet sich über der Mitte Deutschlands eine markante Luftmassengrenze. Von Norden strömt deutlich kühlere Luft ein, während sich im Süden noch die zuvor eingeflossene warme Luft hält. Dadurch kommt es über der Mitte zu schauerartigem Regen, in der wärmeren Luft sind auch Gewitter möglich.

Bis Montagabend erreicht die Luftmassengrenze als Kaltfront schließlich die Alpen und beendet damit die kurze Wärmephase. Zuvor können sich im Süden nochmals kräftige Gewitter entwickeln. Gleichzeitig frischt der Wind spürbar auf. Besonders im Süden und Nordwesten sind starke bis stürmische Böen möglich. Während die Temperaturen in der Nordhälfte nur noch 9 bis 14 Grad erreichen, wird im Süden die 20-Grad-Marke knapp überschritten.

In der Nacht zum Dienstag ziehen sich die Niederschläge allmählich an die Alpen zurück. Mit der einfließenden Kaltluft sinkt die Schneefallgrenze dort auf etwa 1500 Meter. Selbst auf dem Großen Arber sind einzelne Schneeflocken möglich.

Warmes Wochenende kuehler Wochenstart 4

Aussichten vom Sonntag, den 10.05.2026 bis Dienstag, den 12.05.2026.

Auch in den folgenden Tagen bleibt das Wetter wechselhaft und für die Jahreszeit recht kühl. Die 20-Grad-Marke wird voraussichtlich nirgendwo mehr erreicht. Umso mehr lohnt es sich, die bevorstehenden milden Tage noch zu genießen.

Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.05.2026
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Wie funktioniert eine Gewittervorhersage?

Am gestrigen Mittwoch hat es im Süden und über der östlichen Mitte Deutschlands zum Teil ordentlich „gerummst“. Über Südbayern konnte sich sogar eine sogenannte Superzelle entwickeln. Dabei handelt es sich um ein besonders starkes, rotierendes Gewitter. Neben Sturmböen und Starkregen wurde damit zusammenhängend auch Hagel mit Korngrößen bis 3 cm Durchmesser beobachtet. Genau dieses Szenario wurde bereits am Vortag innerhalb des Warndienstes diskutiert und letztlich schon etliche Stunden vor dem Ereignis in die entsprechenden Warnlageberichte und Vorhersagetexte aufgenommen. Da stellt sich die Frage, wie so eine Gewittervorhersage überhaupt funktioniert.

Dass die Vorhersage von Gewittern von einigen Problemen begleitet wird, wurde auch an dieser Stelle schon mehrfach beschrieben (siehe zum Beispiel das Thema des Tages vom 12.08.2023) und wird sicherlich auch in Zukunft immer wieder Thema sein. Kurz zusammengefasst: Eine räumlich und zeitlich exakte Vorhersage eines Gewitters ist aus verschiedenen Gründen so gut wie unmöglich. Was dagegen meistens sehr gut prognostizierbar ist, sind einerseits die Regionen, in denen das Potenzial für die Entstehung von Gewittern erhöht ist und andererseits die zu erwartenden Begleiterscheinungen.

Für die Abschätzung des Gewitterpotenzials steht dem Vorhersageteam des DWD unter anderem der sogenannte „Konvektionsfavorit“ zur Verfügung. Dabei handelt es sich um eine Zusammenstellung mehrerer Prognosefelder, die die nötigen Zutaten für die Entwicklung von Gewittern beschreiben. Was für den Laien vielleicht nur nach vielen bunten Bildchen oder eventuell auch moderner Kunst aussieht, liefert den Meteorologen wichtige Informationen hinsichtlich der potentiellen Entstehung und Stärke der Gewitter. Aus diesem Grund hat der Konvektionsfavorit auch einen Stammplatz auf einem der zahlreichen Bildschirme am Arbeitsplatz.

Wie funktioniert eine Gewittervorhersage 1

Abb.1: Konvektionsfavorit – Zusammenstellung verschiedener Prognosefelder, die für die Abschätzung des Gewitterpotenzials wichtig sind (ICON).

Bevor wir kurz etwas genauer auf die einzelnen „Bildchen“ eingehen, nochmal ganz kurz zu den Zutaten für ein Gewitter: Neben genügend Feuchtigkeit muss die Luftmasse auch eine labile Schichtung aufweisen, d.h. die Temperatur muss mit der Höhe stark abnehmen. Nun muss die energiegeladene Luftmasse noch gezündet werden, sprich man benötigt einen Mechanismus, der die Luft dazu veranlasst, aufzusteigen. Das kann zum Beispiel ein zu überströmendes Gebirge sein, bodennahe Überhitzung (Wärmegewitter), ein bodennah konvergentes Windfeld oder ein dynamischer Impuls aus höheren Luftschichten.

Wie funktioniert eine Gewittervorhersage 2

Abb.2: Vorhersagefelder zur Feuchtigkeit (links), der Schichtung (Mitte) und dem daraus folgenden Energiegehalt der Luft (CAPE, rechts).

In der obigen Abbildung 2 ist auf der linken Seite einerseits ein Maß für die Feuchtigkeit der Luft in unteren Schichten zu sehen (Flächendarstellung) und andererseits die sogenannten PPW-Werte, also der Wassergehalt der gesamten Luftsäule, der als Niederschlag ausfallen kann (in mm, Zahlenwerte). Letzterer liefert einen Hinweis auf das Starkregenpotenzial. Rechts daneben geht es um die sogenannten Lapse Rates, also die Temperaturabnahme mit der Höhe, die besonders zwischen zwei und vier Kilometer Höhe ausgeprägt sein sollte. Rote Farben stehen für eine Abnahme von mindestens 0,6 Kelvin pro 100 m Höhe (instabil) und blaue Farben für eine geringere Abnahme und daher stabilere Verhältnisse. Die Kombination aus Feuchtigkeit und (In-)Stabilität mündet schließlich in der potentiell zur Verfügung stehenden Energie für die Gewitterentwicklung, dem sogenannten CAPE (rechts). Die Zahlenwerte geben das sogenannte CIN an, das konvektionshemmende Faktoren innerhalb der Luftschichtung angibt.

Wie funktioniert eine Gewittervorhersage 3

Abb.3: Vorhersagefelder zur Geschwindigkeitsscherung (links) sowie der Richtungsscherung und Höhe der Wolkenunterkante (rechts).

In Abbildung 3 steht die Windscherung im Fokus. Diese stellt – um im Küchensprech zu bleiben – das Gewürz dar und ist wichtig für die weitere Entwicklung eines Gewitters. Dabei unterscheidet man zwischen der Geschwindigkeits- und der Richtungsscherung. Die Geschwindigkeitsscherung (links) kann man wiederum in hochreichende Scherung (0 bis 6 km Höhe, Fläche) und in die Scherung im untersten Kilometer (Low Level Scherung, Zahlen) aufsplitten. Während erstere für den Organisationsgrad und damit die Langlebigkeit und auch Schwere der Gewitter verantwortlich ist, liefert die Low Level Scherung Hinweise für ein mögliches Tornadopotenzial. Für letzteres sind auch die Felder rechts wichtig, die die Richtungsscherung, also die Drehung des Windes mit der Höhe (Fläche), und die Höhe der Wolkenuntergrenze (Linien/Zahlen, in m) zeigt. Ist die Richtungsscherung hoch genug, können sich rotierende Gewitter, sogenannte Superzellen entwickeln, an denen sich bei niedriger Wolkenunterkante (unter 1000 m) ein Tornado entwickeln könnte.

Wie funktioniert eine Gewittervorhersage 4

Abb.4: Vorhersagefelder zu den Strömungsverhältnissen in verschiedenen Höhen (links: ca. 5,5 km, Mitte: ca. 9 km, rechts: bodennah).

Kommen wir zur unteren Reihe des Konvektionsfavoriten. Die Bildchen in Abbildung 4 liefern Informationen zu potentiellen Hebungsmechanismen, die zum Beispiel aus den Strömungsverhältnissen in verschiedenen Höhenbereichen resultieren (links: ca. 5,5 km, Mitte: ca. 9 km, rechts: bodennah).

Wie funktioniert eine Gewittervorhersage 5

Abb. 5: Vorhersagefelder zu den Strömungsverhältnissen in verschiedenen Höhen (links, rot: 10 m, gelb: ca. 1,5 km, grün: ca. 5,5 km, blau: ca. 9 km) sowie der Auslösetemperatur und dem Niederschlag (rechts).

Abbildung 5 zeigt linkerhand die Windstärke und -richtung in verschiedenen Höhenniveaus, woraus man konvergente Windstrukturen herausarbeiten kann und einen Überblick über eine mögliche Winddrehung mit der Höhe bekommt. Rechterhand ist dann noch die sogenannte Auslösetemperatur zu finden. Wird diese Temperatur erreicht, beginnt die Luft von selbst, aufzusteigen. Dazu gesellt sich eine Niederschlagsprognose, die neben der Menge (Fläche) auch die Art des Niederschlags (Symbole) angibt.

Durch diese Fülle an Informationen bekommt man also schon mal einen ersten Eindruck darüber, in welchen Regionen das Gewitterpotenzial erhöht ist, welche Begleiterscheinungen erwartet werden können und wo wahrscheinlich keine Gewitter auftreten werden. Doch für eine finale Aussage braucht es noch etwas mehr. Wichtig ist zum Beispiel noch die Sichtung von sogenannten Prognoseaufstiegen, die die vertikale Temperatur- und Feuchteverteilung zeigen. Und dann gibt es natürlich noch weitere Vorhersagemodelle, die manchmal eine völlig andere Idee hinsichtlich der Gewitterlage haben als das, das dem Konvektionsfavoriten zugrunde liegt.

Vielleicht haben Sie bemerkt, dass sich die betrachteten Felder auf den gestrigen Mittwoch beziehen (17 Uhr MESZ). Demnach wurde vom Süden bis in die zentrale und östliche Mitte eine feuchte und gleichzeitig auch instabile Luftmasse vorhergesagt, was wenige hundert Joule pro Kilogramm an CAPE zur Folge hatte. Ausreichend Energie für Gewitter war also vorhanden. Im Südosten überlappte diese Energie zudem mit hochreichender Geschwindigkeitsscherung sowie etwas Richtungsscherung, was Hinweise für organisierte Strukturen bis hin zu Superzellen und zudem etwas größerem Hagel und Böen bis in den schweren Sturmbereich lieferte. Angesichts der hohen prognostizierten Wolkenuntergrenzen (über 1500 m) wurde die Tornadogefahr dagegen als sehr gering eingeschätzt. Deutlich höher war die Wahrscheinlichkeit wiederum für Starkregen, was auf PPW-Werte zwischen 20 und 25 mm und einer eher langsamen Zuggeschwindigkeit der Gewitterzellen zurückzuführen war.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.05.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Endlich (zu viel) Regen

Am Ende haben die Modelle einen guten Riecher gehabt. Bereits am gestrigen Dienstag berichteten wir über die bevorstehende Starkregenlage, die vor allem zentrale Landesteile treffen sollte, ausgehend von Ostwestfalen über das nordhessische Bergland sowie Eichsfeld/Kyffhäuser hinweg ins Harzumfeld. Dort sind letzten Endes auch die höchsten Mengen gefallen. Spitzenreiter war dabei die Station in Gräfentonna (Thüringen) mit 67,2 mm in 24 Stunden, gefolgt von Witzenhausen (Hessen) mit 65,1 mm und am Possen (Thüringen) mit 63,1 mm. Das entspricht ziemlich genau den numerischen Vorhersagen, die Mengen von bis zu 70 mm im Gepäck hatten, wobei der Großteil der Niederschläge in einem wesentlich kürzeren Zeitraum gefallen ist. Dementsprechend hoch war auch der sogenannte „Impact“, also die Folgewirkungen des Niederschlags. Insbesondere in Nordthüringen kam es zu überfluteten Straßen und Kellern und einigen notwendigen Feuerwehreinsätzen.

Auch abseits dieser unwetterartigen Mengen fielen verbreitet wenigstens 20 bis 40 mm Niederschlag, die damit der vorhergehenden und bereits seit einiger Zeit andauernden Trockenperiode zunächst mal ein Ende bereiteten. Für die meisten dürften die Niederschläge in diesem Fall also mehr Segen als Fluch bedeutet haben.

Endlich zu viel Regen 1

24-stündige Niederschlagsmenge von Dienstag, 5. Mai, 8 Uhr bis Mittwoch, 6. Mai, 8 Uhr. (Quelle:DWD)

Heute setzt sich der „Spuk“ erst noch einmal fort. An der Wetterlage hat sich im Vergleich zu gestern nur sehr wenig geändert. Beachtlich ist mittlerweile die Ausprägung der Luftmassengrenze, die sich im Norden Deutschlands befindet. Dort hat sich seit vielen Stunden ein Regenband formiert, aus dem sich allmählich ein Wellentief zu formen beginnt, gleichzeitig befindet sich am Alpenrand ein veritables Leetief mit deutlich ausgerägtem Druckzentrum und entsprechendem Windfeld um den Tiefkern herum. Das Ergebnis: Während man in und um Bremen bei nasskalten und dauerverregneten 8°C bibbern muss, sind am östlichen Alpenrand mit etwas Föhnunterstützung bereits 24 °C zu verzeichnen. Von dort erstreckt sich eine feuchtwarme Luftmasse bis zum Regenband im Norden, und genau in diesem Bereich hat bereits das große „Geblubber“ begonnen. Hauptaugenmerk liegt zunächst auf dem Alpenrand, wo sich bereits zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Beitrags eine unwetterträchtige Gewitterzelle in Form einer Bogenlinie aus den Bergen herausgelöst hat und Richtung München zieht. Mit im Gepäck: Größerer Hagel, Starkregen und (schwere) Sturmböen im Bereich 9-10 Bft, etwa 80 – 90 km/h, im „worst case“ auch bis 100 km/h.

Endlich zu viel Regen 2

Kräftige Superzelle im Radarbild (16:25) mit Zugbahn Richtung München. (Quelle:DWD)

Weitere kräftige Entwicklungen – wenngleich nicht zwingend unwetterträchtig – sind u.a. im Nordthüringer Raum absehbar, wo sich entlang des Südharzes vermehrt Labilität unter ebenfalls günstigen Scherungsbedingungen (Windzunahme mit der Höhe) aufgebaut hat. Auch hier besteht Potential für die Entstehung einer Superzelle, mit Hagel und Sturmböen im Gepäck.

Bis in die Nacht hinein bilden sich anschließend immer mehr Schauer und Gewitter, die schließlich miteinander „verklumpen“ – unter Meteorologen als „Cluster“ bezeichnet – und schließlich in ungewittrigen Starkregen übergehen. Dieser ergießt sich dann über die nachfolgenden Stunden vor allem über die östlichen Landesteile, bevorzugt vor allem von Thüringen bis nach Oberfranken. Dabei kommen weitere 20 bis 30 mm Niederschlag zusammen, die auch die Regionen betreffen, in denen bereits letzte Nacht schon viel Regen fiel.

Am morgigen Donnerstag ist die eigentlich gar nicht mal so potente Luftmasse dann allmählich „ausgelutscht“. Die Luftmassengrenze im Norden löst sich zunehmend auf und die Zahl der Schauer und Gewitter nimmt in der Folge ab. Dort, wo sich nochmals welche bilden, fallen diese auch eine ganze Nummer im Vergleich zu gestern und heute schwächer aus. Ab Freitag übernimmt dann Hochdruckeinfluss das Zepter und hält über das kommende Wochenende hinweg an.

M.Sc.(Meteorologe) Felix Dietzsch
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.05.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Unwetterpotenzial in der Mitte: Starkregen und Gewitter

In den vergangenen Tagen hat man vielerorts nicht nur an den Temperaturen gemerkt, dass sich die Atmosphäre auf Sommerbetrieb umgestellt hat. Regional kam es zu teils kräftigen Gewittern mit Starkregen und Hagel. Spitzenreiter der einstündigen Regenmengen war am gestrigen Montag die Station Schmallenberg-Sellinghausen im Hochsauerland mit 23,8 l/m² zwischen 17 und 18 Uhr.

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Vorhersage Bodendruck mit Fronten für den 06.05.2026 14 Uhr (Quelle:DWD)

Aktuell lenken die beiden Tiefdruckgebiete ANNE über Frankreich und BABETTE über Bayern feuchtwarme Luft in den Süden und in die Mitte des Landes. Dort entstehen heute Nachmittag und Abend einige Schauer und Gewitter, die lokal zu kräftigem Starkregen führen. In einer Stunde können dann erneut um 20, vereinzelt auch um 30 l/m² fallen. Im Norden merkt man davon nichts. Am Nachmittag und Abend ist es zwar meist bedeckt und hier und da fällt etwas Regen. Viel ist das aber nicht und nahe der Nordsee scheint sogar längere Zeit die Sonne.

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12-stündige simulierte Niederschlagsmengen bis 06.05.2026 08 Uhr. Dargestellt sind verschieden Wettermodelle. (Quelle:DWD)

In der Nacht zum Mittwoch wachsen die Schauer und Gewitter über der Mitte des Landes zu einem größeren Regengebiet zusammen. Vor allem von Ostwestfalen und dem Sauerland ostwärts bis nach Sachsen regnet es länger anhaltend und teils kräftig. Der Schwerpunkt der Niederschläge liegt wahrscheinlich im Norden Thüringens und im Umfeld des Harzes. Flächig fallen wahrscheinlich 20 bis 40, lokal bis zu 60 l/m² in etwa 12 Stunden. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Niederschlagssumme für den Monat Mai im Raum Erfurt liegt bei 65 l/m². Infolgedessen können Bäche und kleine Flüsse in kurzer Zeit stark anschwellen.

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Wahrscheinlichkeiten für mehr als 25 bzw. 40 l/m² in 12 Stunden bis 06.05.2026 08 Uhr laut dem Wettermodell ICON. (Quelle:DWD)

Der Mittwoch zeigt klare Ähnlichkeiten zum heutigen Dienstag. Erneut kommt der nächtliche Regen in den Norden voran und schwächt sich dort ab, erreicht aber nicht den äußersten Norden und Nordwesten. In der Südhälfte entstehen am Nachmittag und Abend abermals kräftige Schauer und Gewitter. Mit den Gewittern kann es zu Starkregen, Hagel und stürmischen Böen kommen.

Schauer und Gewitter bilden in der Nacht zum Donnerstag dann wieder ein größeres Regengebiet, das sich in die mittleren Landesteile verlagert und dort zu länger andauernden und teils kräftigen Niederschlägen führt. Der Schwerpunkt liegt wahrscheinlich etwas weiter südlich als in der Vornacht. Die Intensität reicht sehr wahrscheinlich nicht an die der Vornacht heran.

Am Donnerstag bilden sich dann erneut Schauer und Gewitter im Süden, ab der Nacht zu Freitag setzt sich anschließend nach und nach Hochdruckeinfluss durch. Der Rest der Woche verläuft dann deutlich sonniger und auch wieder wärmer als die kommenden Tage.

M.Sc. Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.05.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Ausblick in die Wetterwoche

Am gestrigen Sonntag gab es im Osten und Südosten des Landes viel Sonnenschein und Höchsttemperaturen um 29 Grad. Auch am heutigen Montag sind der Osten und Südosten klar auf der sonnenscheinreicheren und nochmals teils sommerlich warmen Seite. Insgesamt ist das ruhige und häufig sonnenscheinreiche Hochdruckwetter aber im Prinzip vorbei. Am gestrigen Sonntag gab es im Nordwesten und Norden bereits teils kräftige, lokal sogar sehr kräftige Gewitter mit größerem Hagel und Starkregen.

Ausblick in die Wetterwoche 1

Tageshöchsttemperaturen vom Sonntag, 03.05.2026

Auf der Ostflanke des Tiefdruckkomplexes ZUHAL über West- und Nordwesteuropa wird mit einer südwestlichen Strömung aktuell feucht-warme Luft herangeführt. Im Wochenverlauf legt sich eine Luftmassengrenze über die Mitte Deutschlands. Nördlich davon sickert mit einer auf Nord drehenden Strömung eine polare Luftmasse ein. Im Süden lagert dagegen subtropische Luft. Entlang der Luftmassengrenze muss wiederholt und teils andauernd mit Regen gerechnet werden.

Ausblick in die Wetterwoche 2

Bodenwetterkarte mit Fronten (blaue Dreiecke=Kaltfront, rote Halbkreise=Warmfront) vom Montag, 04.05.2026, 6 UTC/8 MESZ

Am heutigen Montag liegt der Regenschwerpunkt aber eher noch im Westen bzw. über der nördlichen Mitte. Eingelagerte Gewitter können besonders in puncto Starkregen kräftig ausfallen. Starke Gewitter mit Fokus auf Sturmböen treten heute im späteren Tagesverlauf voraussichtlich auch im Südosten auf. In den kommenden Tagen konzentriert sich der Regenschwerpunkt auf den Bereich der sich etablierenden Luftmassengrenze. Akkumuliert (aufsummiert) sind bis Donnerstagfrüh Regenmengen zwischen 30 und 50 l/m² (in 48 bis 72 Stunden) recht flächig über den mittleren Landesteilen zu erwarten, durch schauerartige oder gewittrige Verstärkungen teils auch mehr. Die in der Fläche stärkste Regenphase deutet sich für die Nacht zum Mittwoch bis in den Mittwochvormittag hinein an. Wo die Luftmassengrenze und damit der Regenschwerpunkt dann genau liegt, ist noch unsicher.

Ausblick in die Wetterwoche 3

Akkumulierte Regenmenge bis Donnerstag, 07.05.2026, 6 UTC/8 MESZ; Vorhersagen von ICON (deutsches Modell), EZMW (europäisches Modell) und GFS (US-amerikanisches Modell), Modelllauf jeweils vom 04.05.2026, 00 UTC

In der subtropischen Luftmasse in den südlichen Landesteilen bleiben teils starke Gewitter ein Thema, allerdings sind auch hier die genauen Schwerpunkte noch unsicher. Lokal muss dort aufgrund geringer Verlagerung ebenfalls mit Starkregen gerechnet werden, in der Fläche werden aber deutlich geringere Regenmengen vorhergesagt als im Bereich der Luftmassengrenze. Ganz im Norden bleibt es weitgehend trocken.

Die Tageshöchstwerte gehen im Wochenverlauf mit geringeren Sonnenanteilen etwas zurück. Zudem wird die sommerlich-warme Luftmasse zur Wochenmitte ostwärts abgedrängt, es bleibt aber bei Höchstwerten meist zwischen 16 und 20 Grad, am Mittwoch im Südosten noch etwas darüber. Der äußerste Norden gelangt allerdings zunehmend in den Einflussbereich der polaren, also kälteren Luftmasse. Die Tageshöchstwerte liegen dort in den kommenden Tagen meist nur zwischen 10 und 15 Grad. Bei geringer Bewölkung oder Aufklaren in den Nächten sind niedrige einstellige Tiefstwerte meist zwischen 6 und 2 Grad zu erwarten. Ganz im Norden muss gebietsweise mit Frost in Bodennähe gerechnet werden. Bei empfindlichen Pflanzen sollte daher nochmals an Schutzmaßnahmen gedacht werden.

Diplom-Meteorologin Sabine Krüger
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.05.2026
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