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Geschichte der Meteorologie – Teil 16: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (b)

8. September 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

In diesem Teilbereich der Geschichte zur Meteorologie zur Etablierung nationaler meteorologischer Institute konzentrieren wir uns auf die Entwicklung in Amerika.

In Kanada wurden meteorologische Messungen im 18. Jahrhundert durch die Hudson’s Bay Company und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zusätzlich durch Privatpersonen sowie Entdecker durchgeführt. Die Messungen waren nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Dem britischen Mathematiker und Astronomen William Wales (um 1734–1798) werden dabei die ersten meteorologischen Aufzeichnungen in Kanada zugeschrieben, er führte diese vor und während einer Astronomie-Expedition 1768 bis 1769 bei Churchill an der Küste der Hudson Bay im Winter durch. Erst als die britische Kolonialregierung 1840 in Toronto ein magnetisches und meteorologisches Observatorium einrichtete, begannen die meteorologischen Beobachtungen auf einer Grundlage, die Kontinuität und wissenschaftliche Präzision versprach. Erster Leiter wurde der britische Leutnant Charles James Buchanan Riddell (1817–1903). 1853 erfolgte die Übernahme des Observatoriums durch die Kolonialregierung der Provinz Kanada, 1867 durch die des Dominions of Canada. 1871 wurde der erste meteorologische Dienst Kanadas durch den damaligen Leiter des Observatoriums, dem kanadischen Meteorologen George Kingston (1816–1886) gegründet. Durch die Einbindung ehrenamtlicher Beobachter baute Kingston ein meteorologisches Messnetz aus etwa 700 Beobachtungsstationen auf, von denen einige im hohen Norden lagen. Mithilfe dieses Messnetzes wurde Kingston 1876 die Veröffentlichung von Wettervorhersagen ermöglicht. Im Oktober 1876 wurden die Wettervorhersagen erstmals in den Abendzeitungen von Toronto abgedruckt. Spezielle Warnungen vor erwarteten Stürmen wurden per Telegramm an die Vertreter in mehr als 100 Häfen übermittelt, damit Sturmsignale ausgehängt werden konnten. Bei erwarteten Schneestürmen wurden spezielle Meldungen per Telegramm an die Eisenbahnen gesendet. Vorhersagen wurden zudem von Funkstationen ausgestrahlt, um Schiffe auf See zu informieren. 1877 wurde der meteorologische Dienst dem Marine- und Fischereiministerium unterstellt, 1936 dem Verkehrsministerium.

Erste meteorologische Messungen lassen sich im Bereich der Vereinigten Staaten von Amerika auf 1738 datieren, damals noch zu britischen Kolonialzeiten. Der britische Arzt und Naturwissenschaftler John Lining (1708–1760) zeichnete in Charleston (South Carolina) von Januar 1738 bis Februar 1753 Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Niederschläge auf. Sein Interesse am Einfluss meteorologischer Phänomene auf die Ausbreitung von Krankheiten gab den Anstoß zur Entwicklung der Meteorologie im Bereich der heutigen Vereinigten Staaten. Ein weiterer Impuls ging von den Wanderungsbewegungen in der Neuen Welt in Richtung Westen und Süden aus, wo neue klimatische Bedingungen herrschten. Die Einrichtung eines meteorologischen Systems in den USA ist mit dem Namen Joseph Lovell (1788–1836) verbunden, ein Mediziner aus Massachusetts, der von 1818 bis 1836 General der Armee war. Ab 1819 begannen an vielen Militärstandorten Beobachtungen. Diese Daten wurden 1840 zusammengetragen und von dem US-amerikanischen Meteorologen James Pollard Espy (1785–1860) ausgewertet. An der Universität New York wurden ab 1825 Temperatur- und Niederschlagsmessungen organisiert, die bis 1850 durchgeführt wurden. Zwischen 1837 und 1845 baute das Franklin Institute in Pennsylvania ein Messnetz auf. Seit ihrer Gründung 1846 hat die Smithsonian Institution, eine vielseitige wissenschaftliche Einrichtung, Interesse an der Meteorologie gezeigt. Die Smithsonian Institution strebte die Einrichtung „eines umfassenden Systems meteorologischer Beobachtungen mit dem Ziel an, das Problem der amerikanischen Stürme zu lösen“. Der Sekretär des Instituts, der US-amerikanische Physiker Joseph Henry (1797–1878), gewann bis Ende 1849 rund 150 interessierte Freiwillige für die Beteiligung an einem Beobachtungssystem. Sie erhielten Instrumente, Standardbarometer und Thermometer, die in London und Paris gekauft worden waren nebst deren Anleitungen. Auf diese Weise wurden zahlreiche Daten gesammelt. Die Smithsonian Institution hat seinerzeit die Strahlungsforschung maßgeblich unterstützt. Damit leistete die Smithsonian Institution einen enormen Beitrag zur Entwicklung der US-amerikanischen Meteorologie. Die US-Regierung richtete innerhalb der Armee eine weitere Organisation namens „Signal Service“ ein. Anfang 1870 wurden alle meteorologischen Aufgaben in den USA an den „Reporting Service“ übertragen, der sich hauptsächlich mit synoptischer Meteorologie befasste. Letzter spielte eine bedeutende Rolle im amerikanischen Sezessionskrieg. Der US-amerikanische Chirurg und Offizier Albert James Myer (1828–1880) erkannte die Bedeutung eines Wetterdienstes auch in Friedenszeiten. Myer legte den Grundstein für eine US-amerikanische Wetterbehörde, die 1870 als Einrichtung des Militärs gegründet wurde. Zum ersten Direktor wurde Myer bestellt. Aufbauend auf Myers innovativen Ideen erstellte die Behörde erste Wetterkarten, sprach Hurrikanwarnungen aus und setzte Drachen zur Wetterbeobachtung ein. Das Netz der Messstationen wuchs rasch. Zum besseren Verständnis für die Sturmentwicklung wurden auch Messstationen an exponierten Orten in Gebirgen errichtet, so 1870 in 1619 Meter Höhe auf dem Mount Washington in New Hampshire und 1873 in 4311 Meter Höhe auf dem Pikes Peak in Colorado. Im Jahr 1904 gab es 200 Stationen mit bezahlten Beobachtern und 3.700 mit ehrenamtlichen Beobachtern, die Temperatur, Niederschlag und Wetterphänomene maßen. 1891 wurde die Wetterbehörde als United States Weather Bureau ins Landwirtschaftsministerium überführt.

Observatorium auf dem Pikes Peak, 1865, Quelle: Library of Congress, Washington, D.C. über Wikimedia Commons

In Alaska, damals als Russisch-Amerika Teil des Zarenreiches, begannen erste meteorologische Messungen 1827 durch Forscher und Entdecker der Russisch-Amerikanischen Kompagnie. Regelmäßige Wetterbeobachtungen starteten 1832. 1842 wurde ein Observatorium in Sitka in Betrieb genommen, welches die Wetteraufzeichnungen übernahm und an dem zusätzlich geomagnetische Beobachtungen durchgeführt wurden. In Iliuliuk (Unalaska) auf den Alëuten und Ikogmiut (Iqugmiut, Russian Mission) am Unterlauf des Yukon wurden an Handels- und Missionsstationen der russischen Orthodoxie weitere Wetterstationen eingerichtet. Nach dem Verkauf von Alaska (Alaska Purchase) 1867 übernahm das US-Militär die Aufzeichnungen der Wetterdaten. Zum Internationalen Polarjahr 1882/1883 wurde das Wetter auch an abgelegenen Orten wie Utqiaġvik (Point Barrow) aufgezeichnet. Um 1900 erfolgte der Aufbau eines Messnetzes, so begannen in Skagway 1898, in Kotzebue 1902 und in Fairbanks 1904 regelmäßige Wetterbeobachtungen. 1916 wurde das Observatorium Sitka verlegt.

Russisches Observatorium Sitka, Zeichnung von Frederick Whymper (1838-1901), Quelle: Wendler, G., Galloway, K. & Stuefer, M. On the climate change of Sitka, Southeast Alaska, Theoretical and Applied Climatology, Volume 126, pages 27-34 (2016), über Springer Nature mit Open Access unter Creative Commons Licence

Auf Puerto Rico begannen erste meteorologische Messungen in San Juan 1898 während der Annexion im Spanisch-Amerikanischen Krieg. 1899 richtete das US-Militär die erste permanente Wetterstation in San Juan ein mit regelmäßigen Wetterbeobachtungen. 1935 wurde ein regionales Vorhersagezentrum für Hurrikane etabliert.

In Mexiko wurden zwischen 1775 und 1786 erste meteorologische Beobachtungen durch den mexikanischen Buchdrucker und Amateurastronom Felipe de Zúñiga y Ontiveros (1717–1793) in Mexico City aufgezeichnet. Er hielt Niederschläge, Temperaturwerte, Gewitter mit Hagelereignissen und den Wind fest. Aus den Aufzeichnungen ergeben sich zwei Dürreperioden 1780/81 und 1785/86 sowie eine feuchtere Periode 1782/83. Eine erste meteorologische und astronomische Beobachtungsstelle wurde 1877 auf dem Dach des Nationalpalastes eingerichtet. 1878 zog diese auf die Burg von Chapultepec um. 1880 wurde die Finanzierung von der Regierung übernommen. Unter dem ersten Direktor, dem mexikanischen Botaniker und Ingenieur Mariano de la Bárcena (1842–1899), waren sechs Beobachter beschäftigt. Die Gründung des nationalen Wetterdienstes erfolgte 1901. Zu diesem Zeitpunkt gab es 31 staatliche Wetterabteilungen und 18 unabhängige Observatorien und Wetterstationen. Anfang der 1940er Jahre wurde der nationale Wetterdienst dem neu gegründeten Ministerium für Wasserressourcen zugeordnet.

Der spanische Priester und Meteorologe Benito Viñes (1837–1893) wurde 1869 von den Jesuiten zum Direktor des Observatoriums der religiösen Schule Colegio de Belén in Havanna in Kuba bestellt. Nach seiner Ankunft auf der Insel 1870 studierte er die meteorologischen Aufzeichnungen der Wetterstation Belén in Havanna, die seit deren Gründung 1854 vorlagen. Sein Interesse galt dabei tropischen Wirbelstürmen. Er untersuchte zwei Hurrikane, die 1870 Kuba trafen. Er baute das erste meteorologische Beobachtungsnetzwerk in Kuba auf und erstellte ab 1875 einige der ersten Vorhersagen zu Hurrikanen. Im Zeitraum von 1899, dem Beginn der US-Intervention auf Kuba, 1902, als Kuba zur Republik erklärt wurde, errichtete die US-Wetterbehörde eine Hilfswetterstation auf dem Hügel Casablanca in Havanna. 1899 wurde das ein Jahr zuvor in Kingston auf Jamaika gegründete Vorhersagezentrum für Hurrikane nach Havanna verlegt. 1908 wurde das kubanische Staatsobservatorium eingeweiht, an welchem die Wetterbeobachtungen auf Kuba koordiniert wurden.

Fotoportrait von Benito Viñes, erstellt 2009, Quelle: David Montermoso über Wikimedia Commons

In Venezuela führte zwischen 1799 und 1804 der preußische Naturforscher, Physiker und Geograph Alexander von Humboldt (1769–1859) erste Messungen von Luftdruck, Temperatur und Feuchte sowohl in Cumaná an der Karibikküste als auch in Caracas durch (siehe Teil 12 der Serie Geschichte der Meteorologie). Systematische Wetterbeobachtungen starteten in Caracas 1868 durch den venezolanischen Ingenieur und Pädagogen Agustín Aveledo (1837–1926). 1888 wurde das Observatorio Astronómico Meteorológico de Caracas (Observatorio Naval Cagigal) gegründet, an welchem die meteorologischen Beobachtungen koordiniert wurden. Erster Direktor wurde der aus dem Piemont stammende Astronom und Meteorologe Maurizio Buscalioni (1856–1914).

Erste Wetterbeobachtungen in Kolumbien (damals Vizekönigreich Neugranada) führte ab 1807 der Jurist, Botaniker und Amateurastronom Francisco José de Caldas (1768–1816) aus dem Vizekönigreich Neugranada am neu eröffneten Astronomischen Observatorium Bogotá durch (siehe Teil 12 der Serie Geschichte der Meteorologie). 1868 übernahm die 1867 gegründete Nationaluniversität von Kolumbien die Funktion der systematischen Messungen und startete mit der wissenschaftlichen Ausbildung in Astronomie und Meteorologie an der dortigen Naturwissenschaftlichen Schule „Escuela de Ciencas Naturales“. Erster Leiter dieser Schule wurde der kolumbianische Astronom José María González Benito (1843–1903).

Die spanische Einrichtung „Cosmografiato“ im damaligen Vizekönigreich Peru war zuständig für die Beobachtung von Himmels- und Klimaphänomenen. Zwischen 1753 und 1856 führte sie klimatologische Aufzeichnungen durch, so liegen z. B. die jährlichen Höchst- und Tiefstwerte von Temperatur und Luftdruck aus der Region vor. 1892 begannen am Arequipa Observatorium für Astronomie systematische meteorologische Beobachtungen unter der Leitung des US-amerikanischen Astronomen William Henry Pickering (1858–1938).

Erste meteorologische Messungen fanden in Brasilien in Rio de Janeiro statt. Der portugiesische Astronom und Geograph Bento Sanches Dorta (1739–1794) zeichnete zwischen 1781 und 1788 Temperatur, Luftdruck, Niederschlag und Windverhältnisse auf. 1827 wurde die Kaiserliche Sternwarte von Rio de Janeiro gegründet, mit der wissenschaftliche Verfahren in Brasilien starteten. Erste meteorologische Beobachtungen dort tauchen ab 1844 in den Archiven auf. Seit 1862 führten hydrographische Schiffe in Diensten der brasilianischen Marine regelmäßige meteorologische Beobachtungen durch. Zwischen 1874 und 1880 wurden auch in anderen Landesteilen meteorologische Beobachtungen durchgeführt, die einen ersten klimatologischen Überblick von Brasilien zuließen. Mit der Gründung der meteorologischen Abteilung der Geographischen und Geologischen Kommission begann ab 1886 der Aufbau eines Netzes an Wetterstationen im gesamten Bundesstaat, welches 1900 etwa 40 Messstellen umfasste. 1909 wurde das Nationalinstitut für Meteorologie (Directoria de Meteorologia e Astronomia) gegründet und dem Ministerium für Landwirtschaft, Industrie und Handel unterstellt. Erster Direktor wurde der französisch-brasilianische Ingenieur, Astronom und Geograph Henrique Charles Morize (1860–1930).

In Argentinien begannen erste systematische Wetteraufzeichnungen zwischen 1801 und 1805 in Buenos Aires. 1853 wurde in Buenos Aires die erste Wetterstation eingerichtet, 1856 folgte in Tucumán im Norden des Landes und 1860 in Bahia Blanca die nächsten beiden. 1872 erfolgte die Gründung des meteorologischen Dienstes (Oficina Meteorológica Argentina) in Córdoba als erstem in Südamerika. Der meteorologische Dienst wurde dem Ministerium für Justiz, Kultus und öffentliche Bildung zugeordnet. Erster Direktor wurde der US-amerikanische Astronom Benjamin Apthorp Gould (1824–1896). 1873 wurde ein nationales Messnetz etabliert. 1874 erfolgten erste Messungen der Solarstrahlung in Córdoba. 1875 fand ein erster meteorologischer Datenaustausch mit dem Nachbarland Chile statt. 1898 wurde der meteorologische Dienst in das Landwirtschaftsministerium umgegliedert. 1904 begannen meteorologischen Aufzeichnungen an der Orcadas-Station (Base Orcadas) auf den Südlichen Orkney-Inseln, was die längste Aufzeichnungsreihe in Antarktika bedeutet. Diese Station wurde von den Briten 1903 errichtet und 1904 an Argentinien übergeben. Erster Stationsleiter war der britische Meteorologe Robert Mossman (1870–1940).

In Chile fanden 1849 erste meteorologische Aufzeichnungen durch eine US-amerikanische Astronomie-Expedition statt. Diese errichtete eine Sternwarte auf dem Hügel Santa Lucía in Santiago, 1851 folgte dort eine Wetterstation. Ab 1852 wurden an dieser permanente meteorologische Messungen durchgeführt. Zur selben Zeit begannen dort auch andere Wissenschaftler, sich für meteorologische Beobachtungen zu interessieren, unter anderem der polnische Geologe und Mineraloge Ignacy Domeyko oder Ignacio Domeyko (1802–1889), der zu der Zeit eine Professur für Chemie und Mineralogie am Colegio de Coquimbo in La Serena innehatte. 1856 verknüpfte der chilenische Ingenieur Paulino del Barrio (1832–1857) meteorologische Beobachtungen verschiedener Städte zu einem Vorläufer eines Messnetzes. 1857 folgte die Verlagerung des Observatoriums auf Santa Lucía in die Quinta Normal außerhalb von Santiago. Aufgrund eines Erlasses zur Durchführung meteorologischer Beobachtungen durch Physiklehrer der höheren Provinzgymnasien samt Übermittlung der Daten an die Fakultät für Mathematik und Physik der Universität von Chile 1864 wurde ein meteorologisches Netzwerk eingerichtet. Domeyko, 1867 zum Rektor der Universität Santiago gewählt, ließ dieses meteorologische Netzwerk ausbauen. 1868 erfolgte die Einrichtung einer meteorologischen Dienststelle an ebendieser Fakultät, die im selben Jahr zum zentralen Wetteramt aufgewertet wurde. Erster Direktor wurde der chilenische Politiker und Pädagoge José Ignacio Vergara (1837–1889). Regelmäßige Daten gingen anfangs nur aus Copiapó im Norden des Landes, Talca, Puerto Montt und Valparaíso ein. 1869 wurde das Messnetz erweitert. Der Erlass zur täglichen Übermittlung von Wetterdaten per Telegraph an die Wetterstation Santiago 1884 gilt als heutiges Gründungsdatum des meteorologischen Dienstes in Chile.

Ignacy Domeyko, 1888, Quelle: Algimantas Grigelis, Leonora Živile Gelumbauskaite: Last journey to motherland of great explorer of Andean geology, The Lithuanian Academy of Sciences, Vilnius, über Wikimedia Commons

Im nächsten Teil der Serie zur Geschichte der Meteorologie folgt eine Übersicht die Institutionalisierung der Meteorologie in ausgewählten Ländern Afrikas sowie eine Übersicht über die internationale meteorologische Zusammenarbeit über Konferenzen, Polarkommission bis hin zur Gründung der Weltorganisation für Meteorologie.

Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.09.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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Geschichte der Meteorologie − Teil 15: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (a)

7. September 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Im letzten Thema des Tages zur Geschichte der Meteorologie wurde die Gründung und Etablierung nationaler meteorologischer Institute, die als Vorläufer nationaler Wetterdienste gelten, im europäischen Raum beleuchtet. In diesem Beitrag folgen ausgewählte Länder im asiatischen und pazifischen Raum.

Mit Ausnahme von Jerusalem begannen systematische meteorologische Messungen in Vorderasien im Vergleich zu anderen Regionen Asiens relativ spät. Im damals zum Osmanischen Reich gehörenden Jerusalem starteten 1846 systematische Niederschlagsmessungen, ab 1865 liegen Temperaturmessungen vor. Militärstationen erweiterten im Osmanischen Reich meteorologische Messungen, so ab 1915 in Beirut und ab 1918 in Bagdad. Die erste Wetterstation im Oman auf der Arabischen Halbinsel wurde in Maskat 1893 eröffnet. Im Iran wurde 1919 wissenschaftliche Meteorologie an der landwirtschaftlichen Barzegaran-Schule in Karadsch nahe Teheran gelehrt, dort 1928 ein meteorologisches Büro eingerichtet und 1929 erste systematische Beobachtungen getätigt. In Zentralasien (dem russischen Generalgouvernement Turkestan) begannen systematische Messungen 1879 in Almaty (heute Kasachstan).

Indien war lange Zeit Teil des Britischen Weltreiches. Die Britische Ostindien-Kompanie errichtete astronomische Observatorien, das erste 1792 in Madras (Chennai). Dort wurden zwischen 1793 und 1796 regelmäßig meteorologische Messungen durchgeführt, die als die ersten meteorologischen Messungen im modernen Indien gelten. Neben der Ostindien-Kompanie errichteten auch der Maharadscha von Travancore 1842 ein Observatorium. In den Provinzen wurden im 19. Jahrhundert kleinere Messstationen aufgebaut, die vorwiegend Niederschläge, aber auch andere meteorologische Parameter aufzeichneten. Auch im gebildeten Bürgertum gab es durch Professoren, Geographen, Mediziner, Armeeoffiziere, Seeleute und sogar christlichen Missionaren meteorologische Aufzeichnungen. Der britische Gelehrte, Orientalist und Numismatiker James Prinsep (1799−1840) führte zwischen 1824 und 1826 systematische Wetteraufzeichnungen in Benares (Varanasi) durch und organisierte nachfolgend zeitgleiche Aufzeichnungen in Benares, Kalkutta (Kolkata), Madras und anderen Orten. Er untersuchte auch den Luftdruck über Indien. Der britische Schiffskapitän Henry Piddington (1797−1858) untersuchte als Vorsitzender der Marine-Untersuchungsgerichte in Kalkutta anhand von Schiffsschäden, Schiffslogbüchern und Aufzeichnungen verschiedener Stürme deren Struktur. Er stellte fest, dass Stürme ein ruhiges Zentrum hatten und dass die Winde um dieses Zentrum herum auf der Nordhalbkugel gegen den Uhrzeigersinn und auf der Südhalbkugel im Uhrzeigersinn wehten. In seinem Werk „The Horn-Book for the Law of Storms for the Indian and China Seas“ führte er 1848 den Begriff „Zyklon“ ein, der sich vom griechischen Wort κύκλος (kyklos, was „Kreis“ oder „Ring“ bedeutet) ableitet und auf der spiralförmigen Natur der Winde basiert. 1852 wurde dem Verantwortlichen der Großen Trigonometrischen Vermessung Indiens, dem indischen Mathematiker Radhanath Sikdar (1813−1870), als erstem Inder die Leitung des astronomischen Observatoriums Kalkutta übertragen. Er veranlasste dort stündliche meteorologische Beobachtungen und die Reduktion des Luftdrucks. Ihm gelang per Triangulation auch die erste Höhenbestimmung von Peak XV im Himalaya und er stellte fest, dass dieser wahrscheinlich der höchste Berg der Welt sei (später genannt Mount Everest).

Radhanath Sikdar, Quelle: The Modern Review, 1941, Kalkutta, über Wikimedia Commons

Der britische Paläontologe und Meteorologe Henry Francis Blanford (1834−1893) untersuchte die Auswirkungen eines Zyklons, der 1864 Ostindien traf und 70.000 Opfer forderte. Er wurde zum 1867 zum meteorologischen Berichterstatter der Provinz Bengalen bestellt. 1874 wurden alle meteorologischen Beobachtungen der mittlerweile 80 Observatorien und der Messstationen der verschiedenen Provinzen unter dem Dach des India Meteorological Departments (IMD) in Kalkutta organisiert. Erster kaiserlicher meteorologischer Berichterstatter wurde 1875 Blanford. Er führte einheitliche Messstandards in allen Beobachtungsstationen ein und errichtete 1877 ein zentrales Observatorium in Alipore in Kalkutta. Das IMD verlegte sein Hauptquartier 1905 nach Shimla, einem kühleren Ort in Nordindien auf 2100 m Höhe, 1928 nach Poona (Pune) und schließlich 1944 nach Neu-Delhi.

In China wurden viele meteorologische Instrumente entwickelt und Niederschlagsmessungen über Bambusrohre reichen weit zurück. Erste Temperatur- und Windmessungen wurden Ende des 17. Jahrhunderts während einer Expeditionsreise durch Cuninghame durchgeführt (siehe Teil 8 der Serie zur Geschichte der Meteorologie). Von 1757 bis 1762 maß der französische Jesuitenmissionar, Astronom, Sinologe und Historiker Joseph-Marie Amiot (1718−1793) in Peking zweimal täglich Luftdruck, Bewölkung, Luftfeuchtigkeit und Windrichtung und hielt das Auftreten von Sturmereignissen fest. Eine kurze Beobachtungsreihe in Peking (von Dezember 1830 bis Juni 1831) wurde von dem russischen Astronomen Georg Albert Fuss (1806−1854) durchgeführt, der 1830 die russische Gesandtschaft in Peking begleitete. Ab dem 1. Januar 1841 führte diese Mission regelmäßige Messungen durch. Ab 1849 wurden in der mit Zustimmung der russischen Mission errichteten Sternwarte in Peking bis 1883 magnetische und meteorologische Messungen durchgeführt. Im Jahr 1873 errichteten die Jesuiten eine meteorologische Beobachtungsstation in der Nähe von Shanghai. Der chinesische Zolldienst beteiligte sich am Aufbau eines Netzwerks von Wetterstationen im Tal des Jangtsekiangs. Von der Station Wuhu in Anhui liegen ab 1880 meteorologische Messungen vor. Der Schweizer Jesuitenpriester und Meteorologe Marc Dechevrens (1845−1923) wurde 1875 Leiter des Observatoriums Zikawei (heute Xujiahui in Shanghai). Sein Interesse galt Taifunen. 1879 tangierte ein Taifun Shanghai, den Dechevrens aus Stationsmeldungen und Schiffslogbüchern analysierte. Er erkannte daraus die spiralförmige Struktur und das Auge des Wirbelsturms. Er baute ein Küstenstationsnetz auf, das unter britische Verwaltung geriet, mit deren Meldungen er Taifune prognostizierte. Er publizierte jährlich eine Zusammenfassung über aufgetretene Taifune im Ostchinesischen Meer. 1882 gab Dechevrens die erste Taifunwarnung für die chinesische Küste heraus. Neben den Jesuiten betrieben vor allem ausländische Kräfte meteorologische Messungen. Das Deutsche Kaiserreich gründete 1898 ein meteorologisches Observatorium in Tsingtau (Qingdao), welches die deutsche Marine betrieb. Einzelne Persönlichkeiten aus Industrie und Landwirtschaft, die den Nutzen von meteorologischen Erkenntnissen erkannten, trieben die Meteorologie Chinas voran. Der chinesische Industrielle Zhang Jiao (1853−1926) richtete so 1905 eine Wetterstation in Junshan in Nantong nördlich von Shanghai ein, die ab 1918 ihre gesammelten Daten mit denen anderer Stationen austauschte und damit in Konkurrenz trat zu Daten der Jesuiten aus Zikawei und denen aus Qingdao, das von den Japanern 1914 besetzt wurde und dessen Kontrolle zwischen 1918 und 1931 von der chinesischen Regierung beansprucht wurde. 1928 erfolgte die Gründung der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (Academia Sinica) in Nanking (Nanjing). Ein dortiges Meteorologisches Institut wurde 1929 unter der Leitung des chinesischen Geologen und Meteorologen Chu Coching oder auch Zhu Kezhen (1890−1974) eingerichtet. Er gilt als Begründer der modernen Meteorologie in China. Er veröffentlichte Arbeiten zu Taifunen.

The Zhu Kezhen (竺可桢), Quelle: Who’s Who in China 3rd edition (Seite 223), The China Weekly Review, 1925, Shanghai (中国名人录 第三版,上海密勒氏评论报,1925年, 223页), über Wikimedia Commons

In den Wirren des Bürgerkriegs wurde dessen Sitz nach Taiwan verlegt. 1949 wurde das Büro für Meteorologie der Volksrevolutionären Militärkommission der Zentralen Volksregierung in Peking gegründet.

In Tibet wurden über Jahrhunderte, wenn die Trockenheit zu stark war, aus buddhistischen Ritualen Regen über Regentänze beschworen. Lange Zeit war es für Ausländer nahezu unzugänglich. Erste vorübergehende meteorologische Messungen wurden auf der Deutschen Tibet-Expedition 1939 durch den deutschen Geophysiker Karl Wienert (1913−1992) vorgenommen. In Osttibet versuchten die Chinesen 1939, in Außenposten meteorologische Messungen vorzunehmen, die allerdings schnell isoliert waren. Erste systematische Wetteraufzeichnungen in Lhasa fanden unter chinesischer Administration 1956 statt. Auf der Insel Taiwan (Formosa) wurden 1896, unter japanischer Verwaltung, an fünf Stationen systematische Messungen aufgenommen und das meteorologische Observatorium Taipeh gegründet. Die Zentrale Wetterbehörde wurde 1941 in Chongqing auf dem Festland gegründet und 1949 zusammen mit der Kuomintang-Regierung nach Taipeh verlegt. In Hongkong wurde unter der Verwaltung des aus Irland stammenden Kolonialadministrators George Bowen (1821−1899) 1883 das Hongkong-Observatorium gegründet. Erster Direktor wurde der dänische Astronom und Meteorologe William Doberck (1852−1941). Bowen ordnete auch den Bau von Taifun-Schutzhütten an. In Macao wurden 1861 erstmals Wetterbeobachtungen aufgezeichnet. Bis 1952 war die portugiesische Marine für die Messungen verantwortlich, danach ging sie auf die Regierungsinstitution des meteorologischen und geophysikalischen Dienstes über.

In der Mongolei begannen systematische Messungen 1936 mit Gründung des Meteorologischen und Hydrologischen Dienstes.

Für lange Zeit war Japan isoliert von technischen und wissenschaftlichen Errungenschaften des Westens. Mitte des 19. Jahrhunderts kam Japan in Kontakt mit der europäischen Kultur. Erste instrumentelle meteorologische Beobachtungen wurden 1862 in Yokohama, 1872 in Hakodate auf Hokkaido und 1875 in Tokio (Tokyo) organisiert. Letzteres gilt als Gründungsdatum des meteorologischen Observatoriums in Tokio. Die Tokioter Meteorologische Gesellschaft wurde 1882 gegründet und 1888 in Große Japanische Meteorologische Gesellschaft umbenannt. Erster Direktor wurde der japanische Marinemagistrat Ikonosuke Arai (1836−1909). 1883 begannen die Erstellung und Verbreitung täglicher Wetterkarten, 1884 wurden dreimal täglich landesweit Wettervorhersagen erstellt. Bis 1900 wuchs das Beobachtungsnetz auf 80 Stationen. Gut bezahltes wissenschaftliches Personal lieferte Beobachtungen in guter Qualität wie beispielweise die Aufzeichnungen verschiedener Stürme. 1901 gab der japanische Meteorologe Takematsi Okada (1874−1956) das meteorologische Buch „Moderne Meteorologie“ heraus. 1935 wurden erste Sturmwarnungen veröffentlicht.

In Korea fanden im 15. Jahrhundert systematische Niederschlagsmessungen statt (siehe Teil 5 der Serie zur Geschichte der Meteorologie). Im 1818 erschienenen astronomischen Werk Seongwanji wird auch auf die Wetterbeobachtung eingegangen. 1883 wurden durch die Joseon Maritime Customs systematische Wetteraufzeichnungen in Incheon, Wonsan und Busan vorgenommen. 1904 wurden diese durch das Meteorologische Observatorium in Japan kontrolliert. Korea wurde im Folgejahr zu einem japanischen Protektorat. Weitere Wetterstationen wurden 1907 einerseits durch den japanischen Administrator von Korea und andererseits durch das Koreanische Reich selbst, unter anderem in Pjöngjang, initiiert. 1910 wurden alle meteorologischen Beobachtungen über die japanische Administration von Korea koordiniert. 1945 gingen diese auf die US-Administration über. 1949 wurde das Nationale Zentrale Meteorologische Observatorium in Seoul im Bereich des Bildungsministeriums gegründet.

In Thailand wurde die Wissenschaft der Meteorologie 1905 durch den siamesischen Admiral und Mediziner Abhakorn Kiartiwongse (1880−1923) der Königlichen Siamesischen Marine eingeführt. 1912 wurde die Bedeutung der Meteorologie für die Navigation der Schiffe erkannt und in der Folge ein erstes meteorologisches Lehrbuch auf Thai veröffentlicht. 1923 wurde ein erster meteorologischer Dienst, die Abteilung für Meteorologie und Statistik, gegründet und dem Amt für Gewässerkunde im Bereich des Landwirtschaftsministeriums angegliedert. Es wurden Beobachtungsstationen in vielen Provinzen aufgebaut, um Temperatur- und Niederschlagsdaten aufzuzeichnen. Letztere wurden zur Konstruktion von Wehren zur Kontrolle von Hochwasser benötigt. 1928 wurde die meteorologische Ausbildung von Marineoffizieren an ausländische Hochschulen fortgesetzt. Nach Rückkehr der ersten Absolventen wurde ein richtiges meteorologisches Messnetz aufgebaut. 1936 wurde die Abteilung für Meteorologie und Statistik dem Hydrographischen Dienst der Königlichen Thailändischen Marine zugeordnet und in Meteorologischen Dienst umbenannt.

In Indochina (heute Vietnam, Kambodscha und Laos), damals eine Kolonie Frankreichs, fanden 1867 am Militärkrankenhaus in Saigon erste instrumentelle Wetteraufzeichnungen statt. 1877 folgten weitere Aufzeichnungen in Hải Phòng (im Norden Vietnams) und 1882 in Hue (in der Mitte Vietnams). 1898 wurde der Service Météorologique in Indochina gegründet und meteorologische Messungen auf das ganze Kolonialgebiet ausgeweitet. Erster Leiter wurde der französische Mathematiker Claude-Jean-Baptiste Ferra (1857−nach 1908). 1902 gründete die französische Kolonialverwaltung das Observatorium Phù Liễn bei Hải Phòng, an welchem ab 1904 meteorologische Beobachtungen starteten. Das Observatorium diente als meteorologische Zentralstation, um Wettervorhersagen für die Landwirtschaft und für die Schifffahrt zu erstellen. Es war auch zuständig für Sturmwarnungen, wenn im Südchinesischen Meer ein Taifun auftrat. 1906 bestand in Indochina ein Messnetz aus 16 Stationen. 1926 erfolgte eine Umorganisation des meteorologischen Dienstes in das neu gegründete Büro für Klimatologie und Agrarmeteorologie.

Wetterphänomene und Naturgefahren wurden vor Erlangung wissenschaftlicher Erkenntnisse und der Einführung von Messinstrumenten aus europäischen Ländern auf den Philippinen aus einer religiösen Perspektive verstanden. Erste meteorologische Messungen auf den damals zu Spanien gehörenden Philippinen starteten ab 1865. Der spanische Mathematiker und Physiker Francisco Colina (1837−1893) betrieb eine primitive Wetterstation in Manila, in dem er ein Thermometer, ein Hygrometer, ein Barometer und ein Anemometer in einem verlassenen Taubenhaus aufhängte und zwei- bis dreimal täglich Messwerte notierte. Im selben Jahr wurde ein Taifun untersucht, der Manila traf, dabei wurden teils stündlich Wetteraufzeichnungen vorgenommen. Dies gab den Ausschlag für die Errichtung eines Observatoriums in Manila (Observatorio Meteorológico de Manila) durch die Jesuiten-Mission. 1867 übernahm der spanische Jesuitenpriester und Mathematiker Federico Faura (1840−1897) die Leitung des Observatoriums. Weitere Messinstrumente wurden erworben, darunter 1869 ein Meteorograph, welcher rund um die Uhr aufzeichnete. 1879 gab Faura die erste Taifunwarnung heraus. Ab 1880 wurden weitere meteorologische Beobachtungsstationen auf den Philippinen in Betrieb genommen. 1884 verfügte die spanische Regierung, dass das Observatorium Manila zur offiziellen philippinischen Institution für Wettervorhersagen wurde. Ab 1885 wurden am Observatorium weitere Services wie die Zeitfestlegung sowie seismologische und astronomische Studien angeboten. 1897 veröffentlichte der spanische Jesuitenpriester, Astronom und Meteorologe José María Algué (1859−1930) das erste Buch über Taifune auf den Philippinen und stellte einen Barocyclonometer vor, eine Weiterentwicklung eines Aneroidbarometers, welcher die Bestimmung des Zentrums eines Taifuns und die Vorhersage der voraussichtlichen Zugbahn erlaubte. Nach Übernahme durch die Vereinigten Staaten 1898 erkannte die koloniale US-Administration 1901 das Observatorium Manila als philippinisches Wetterbüro an. 1908 wurde die erste Wetterkarte des Fernen Ostens publiziert.

Erste meteorologische Messungen von Temperatur und Niederschlag in Singapur, damals Teil des britischen Territoriums Straits Settlements, wurden zwischen 1820 und 1823 durch den britischen Administrator William Farquhar (1774−1839) durchgeführt. Die offizielle Erfassung von Wetterdaten in Singapur begann 1869 auf Initiative der Medizinischen Abteilung der Straits Settlements, deren ursprüngliches Ziel darin bestand, einen möglichen Zusammenhang zwischen der Ausbreitung von Krankheiten und dem lokalen Wetter zu untersuchen. In diesem Jahr wurde in Outram eine Wetterstation eingerichtet, um die monatlichen Niederschlagsmengen zu messen. Die Verantwortung für die Erhebung von Wetterdaten wurde 1927 einer neuen meteorologischen Abteilung unter dem malaiischen Vermessungsamt übertragen. Diese wurde 1929 zum Malayan Meteorological Service und erhielt neue Aufgaben zur Bereitstellung meteorologischer Dienste für ganz Britisch-Malaya. Im selben Jahr wurde auf dem Mount Faber eine neue Wetterstation errichtet, die zusätzlich mit der Erfassung von Temperaturdaten betraut wurde, womit die offiziellen Temperaturaufzeichnungen Singapurs begannen. Mit der Unabhängigkeit Singapurs von Malaysia im Jahr 1965 löste sich das Beobachtungsnetzwerk in Singapur vom Malayan Meteorological Service und wurde zum Meteorological Service Singapore.

Erste systematische Messungen in Indonesien, damals Niederländisch-Indien, wurden ab 1841 individuell im Botanischen Garten in Bogor auf Java durch den Leiter des örtlichen Krankenhauses, den niederländischen Mediziner Pieter Loth Onnen (1811−1865), durchgeführt. 1844 und 1845 führte ein defektes Barometer zur vorübergehenden Unterbrechung seiner Messreihe. 1864 wurden die Messungen nach Batavia (heute Jakarta) verlegt. 1866 wurde das Magnetische und Meteorologische Observatorium in Batavia in Betrieb genommen und damit eine staatliche meteorologische Behörde gegründet. Erster Direktor wurde der niederländische Mathematiker Pieter Adriaan Bergsma (1830−1882). 1879 wurde ein Niederschlagsmessnetz auf Java aufgebaut.

In Australien finden noch heute Traditionen der Wetterbeobachtung und mythologischen Wetterdeutung der indigenen Bevölkerung Beachtung. Von verschiedenen Stämmen der Aborigines und Torres Strait Islanders sind saisonale Kalender überliefert, die je nach Klimazone zwischen zwei und 13 Jahreszeiten unterscheiden. Erste moderne landbasierte Beobachtungen in den damaligen britischen Kolonien führte der britische Astronom und Linguist der Aborigines-Sprachen William Dawes (1762−1836) zwischen 1788 und 1791 in der Bucht von Sydney durch. Der britische Offizier, Kolonialadministrator und Astronom Sir Thomas Brisbane (1773−1860) veranlasste den Bau des ersten Observatoriums in Parramatta in New South Wales, welches 1821 eröffnet wurde. Regelmäßige Wetteraufzeichnungen wurden in Adelaide in Südaustralien ab 1839 durchgeführt. Erste Wetteraufzeichnungen an einem Observatorium in Hobarton im damaligen Van Diemen’s Land (heute Hobart in Tasmanien) fanden 1841 statt, 1852 folgten solche in Fremantle in Westaustralien und 1854 am ersten Observatorium in Melbourne in Victoria. Der britische Ingenieur und Astronom Sir Charles Todd (1826−1910) war verantwortlich für den Ausbau von Überland-Telegraphen-Verbindungen in Südaustralien. Er erkannte die Bedeutung meteorologischer Beobachtung und veranlasste 1855 seine Betreiber der Telegraphenstationen, meteorologische Beobachtungen zu übermitteln. So entstand ein erstes Messnetz. In Victoria wurden erste Wetterbeobachtungen 1854 aufgezeichnet. Ab 1856 wertete der aus der bayerischen Pfalz stammende Geophysiker und Polarforscher Georg von Neumayer (1826−1909) am Flagstaff-Observatorium in Melbourne Schiffslogbücher aus, um aus diesen Daten die optimale Schiffsroute zwischen Europa und Australien zu finden. Im Northern Territory folgten erste tägliche Aufzeichnungen in Port Darwin (heute Darwin) ab 1869. Ab 1870 erfolgte die Kommunikation standardisierter Wetterberichte in allen Kolonien mittels Telegraphie. 1877 wurde die erste Wetterkarte in der Zeitung Sydney Morning Herald veröffentlicht. Zwischen 1887 und 1903 betrieb der britische Meteorologe Clement Lindley Wragge (1852−1922) ein Messnetz, das große Teile von Queensland umfasste. Wragge war der Erste, der tropische Zyklone benannte. Neben Buchstaben des griechischen Alphabets verwendetet er hierfür Charaktere der griechischen und römischen Mythologie und sogar Namen lokaler Politiker. 1899 untersuchte er den Zyklon Mahina, bis heute einer der heftigsten Zyklone, die Queensland trafen.

Zugbahn des Zyklons Mahina, 1899, Clement Lindley Wragge, Quelle: Kerry Raymond über Wikimedia Commons

1902 versuchte Wragge erfolglos, mit Regenkanonen die Dürre in Queensland zu beenden. Fünf Jahre nach der Unabhängigkeit wurde 1906 die Verantwortung für Meteorologie und Astronomie der Bundesregierung übertragen. Der britische Meteorologe Henry Ambrose Hunt (1866−1946) wurde erster „Commonwealth Meteorologist“. 1908 erfolgte die Gründung des meteorologischen Dienstes (Bureau of Meteorology). Vorhersagen für die verschiedenen Landesteile wurden zunächst per Morsecode übertragen.

In Neuseeland waren vor der europäischen Besiedlung durch die Māori und Polynesier Passatwinde bekannt. Die Māori nutzten spezielle Wolkenformationen und -muster besonders zum Sonnenuntergang zur Vorhersage von möglichem Regen am Folgetag. Der britische Landwirt, Laienpriester und Missionar Richard Davis (1790−1863) führte in zwei Tagebüchern Wetteraufzeichnungen. Eines umfasst den Zeitraum 1839 bis 1844 in der Te Waimate Mission, das andere von 1849 bis 1851 in Kaikohe, beide im äußersten Norden von Neuseeland. Die Aufzeichnungen umfassten Temperatur und Luftdruck sowie qualitative Anmerkungen zu Windgeschwindigkeit und -richtung, Extremwetter und Bewölkung. Es gibt zwei Einträge über Schneefall, was in der Northland Region nördlich von Auckland ein sehr seltenes Ereignis ist. Die Aufzeichnungen gelten als die ältesten kontinuierlichen landgestützten Aufzeichnungen in Neuseeland. Die Royal Engineers hatten in den 1850er Jahren begonnen, regelmäßige landgestützte Beobachtungen in Auckland durchzuführen. Nach einer Serie von Schiffsunglücken richtete das Marineministerium 1861 einen Wettervorhersagedienst ins Leben. Das erste Messnetz umfasste neun Wetterstationen von der Bay of Islands auf der Nordinsel bis Dunedin auf der Südinsel. Nachdem zuvor ein experimentelles Sturmwarnsystem eingerichtet worden war, ernannte das Marine-Ministerium im Januar 1874 den britischen Meteorologen Robert Atherton Edwin (1839−1911) zum ersten offiziellen Wettervorhersager Neuseelands. Ende 1882 begannen die Zeitungen, Wetterkarten abzudrucken. Diese basierten auf den Berichten von etwa 24 Wetterstationen. Edwin sandte den großen Zeitungen täglich Berichte zusammen mit Codenummern, die einem der 24 über Neuseeland häufig auftretenden Isobarenmuster (Luftdruckmuster) entsprachen. Die Nummer gab an, welche Karte abzudrucken war. Bis 1926 blieb die Wettervorhersage eine Aufgabe der Marine, bevor ihre Eingliederung in das neu gegründete Ministerium für wissenschaftliche und industrielle Forschung erfolgte. 1927 wurde der neuseeländische Meteorologe Edward Kidson (1882−1939) zum ersten „Dominion Meteorologist“ ernannt. Seinerzeit war der neuseeländische Wetterdienst eine kleine Einrichtung mit fünf Mitarbeitern und einem völligen Mangel an qualitativ brauchbaren meteorologischen Langzeitaufzeichnungen.

Erste meteorologische Aufzeichnungen im Bereich der Inselwelt des südwestlichen Pazifiks erfolgten 1851 durch den britischen Missionar Reverend George Turner (1818−1891) am 1848 von der London Missionary Society gegründeten Malua Theological College auf der Insel Upola (Samoa). Notiert wurden Niederschlagsmengen und tägliche Temperaturmaxima. Systematische Messungen in Samoa erfolgten zu deutschen Kolonialzeiten (s.u.). Auf Fidschi begannen Temperaturaufzeichnungen 1861 in Levuka. Ab 1892 wurden an der Rarawai Mill im Nordteil der Insel auf einer monatlichen Basis meteorologische Aufzeichnungen notiert, vornehmlich um das Überschwemmungsrisiko des Flusses Ba für anliegende Zuckerrohrplantagen abzuschätzen. 1905 begannen tägliche systematische Wetteraufzeichnungen. Auf Tahiti (Französisch-Polynesien) liegen erste meteorologische Aufzeichnungen aus 1855 vor. Monatliche Durchschnittswerte für Luftdruck und Feuchte, die Hauptwindrichtung und aufgetretene Extremtemperaturen wurden in Kolonialzeitungen wie im Message de Tahiti ab 1860 veröffentlicht. 1922 richtete der französische Wetterdienst die erste Wetterstation in Pape‘ari an der Südküste ein. Auf Hawaii, damals als Sandwich-Inseln bekannt, wurden auf Expeditionen erste meteorologische Aufzeichnungen verzeichnet, so für Luftdruck und Temperatur 1794 auf dem Mauna Loa durch den britischen Botaniker Archibald Menzies (1754−1842). Erste systematische Niederschlagsmessungen initiierte 1837 der britisch-hawaiianische Mediziner Thomas Charles Byde Rooke (1806−1858) in Honolulu. Während der United States Exploring Expedition wurden auf dem Mauna Loa 1840/1841 über wenige Wochen systematisch das Wetter beobachtet. Das Eintreffen internationaler Expeditionen zum Venus-Transit 1874 markierte den Beginn systematischer Wetteraufzeichnungen im Bereich des Hafens von Honolulu. Das Wachstum in der Ananas- und Zuckerproduktion machte neue Niederschlags-Messstationen notwendig. Dezentrale und private Wetterbeobachtungen wurden ab 1892 vom Hawaiian Weather Bureau zusammengeführt. Nach der Annexion 1898 wurden die Aufgaben nahtlos an den Hawaii Territory Survey übergeben, bevor 1904 der US-amerikanische Wetterdienst die Stationen übernahm.

Im Bereich der Deutschen Schutzgebiete in der Südsee wurden Überseestationen eingerichtet, deren meteorologische Messungen vielfach als die ersten in dieser Region gelten. Von besonderem Interesse waren Niederschlag und Temperatur. In Neuguinea (heute Teil von Papua-Neuguinea) wurde im ersten Verwaltungssitz Finschhafen 1886 mit meteorologischen Aufzeichnungen begonnen, eine längere Aufzeichnungsreihe startete auf dem nahegelegenen Sattelberg 1900. Vom vierten Verwaltungssitz Herbertshöhe (heute Kokopo) liegen Aufzeichnungen ab 1902 vor. Bis auf Samoa waren alle pazifischen Inseln dem Schutzgebiet Neuguinea zugeordnet. Von Jaluit auf den Marshallinseln wurden erste meteorologische Messungen 1891 getätigt. Auf Nauru (Naoero) wurde ab 1892 das Wetter aufgezeichnet, die Station lag im Südosten der Insel (heute Distrikt Meneng). Auf den Karolinen (heute Mikronesien und Palau) erfolgten erste meteorologische Beobachtungen im Bereich der Westkarolinen in Tomilhafen auf Jap (heute Colonia auf Yap) ab 1899 und im Bereich der Ostkarolinen in Kolonia auf Ponape (heute Pohnpei) ab 1900 sowie in Palau auf Malakal im Westteil von Koror 1901. Im selben Jahr starteten in Saipan auf den Marianen (heute Nördliche Marianen) meteorologische Beobachtungen. In Samoa wurde die Messstation Apia 1890 in Betrieb genommen. Der preußische Naturwissenschaftler Otto Tetens (1865−1945) errichtete dort 1902 das Geophysikalische Observatorium Apia auf der Halbinsel Mulinu’u, an welchem seismische Messungen und chronometrische Analysen durchgeführt sowie die meteorologischen Beobachtungen auf Samoa qualitätsüberprüft wurden. Heute befindet sich an dieser Stelle der samoanische Wetterdienst.

Wetterhütte der Überseestation Apia, Quellen: Archiv Deutsche Seewarte über Deutscher Wetterdienst, Otto Tetens 1903 via Christiane Niggemann durch den Sāmoa Meteorological Service

Im nächsten Teil der Serie zur Geschichte der Meteorologie werden ähnliche meteorologische Entwicklungen in ausgewählten Ländern von Amerika und Afrika beleuchtet.

Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.09.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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„WeatherNext3“ – Wie zuverlässig ist ein KI-Modell ohne explizite Physik?

6. September 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Am 3. September 2026 wurde ein neues KI-Modell vorgestellt. Das Modell wird als großer und wichtiger Meilenstein im Bereich der Wettervorhersage mit KI angesehen. Doch wo liegt der Unterschied zu den bisherigen KI-Modellen?

Das neue Modell erzeugt im Gegensatz zu bisherigen KI-Modellen eine stündliche Vorhersage. Zudem lernt das Modell direkt aus Beobachtungen, wodurch es Informationen nutzen kann, die in klassischen Analysesystemen erst verarbeitet werden müssen. Dies ist besonders beim Niederschlag interessant, weil Radar- und Satellitenbeobachtungen meist wesentlich näher an der tatsächlichen Niederschlagsverteilung liegen als eine globale Analyse eines numerischen Wettervorhersagemodells. Das führt zu großen Vorteilen hinsichtlich der Geschwindigkeit der Berechnungen und der damit verbundenen Aktualisierungsfrequenzen.

Trotz dieser Vorteile ergeben sich auch im neuen Wettervorhersagemodell WeatherNext3 Schwachstellen. Bevor wir auf diese eingehen, stellt sich zunächst die Frage nach den Unterschieden zu einem herkömmlichen numerischen Wettervorhersagemodell.

Bei einem numerischen Wettervorhersagemodell werden die Beobachtungen der verschiedenen meteorologischen Messinstrumente durch Datenassimilation zu einem für das Modell geeigneten Anfangszustand gebracht. Anschließend wird der zukünftige Zustand der Atmosphäre mithilfe diskretisierter physikalischer Gleichungen berechnet. KI-Modelle benutzen dagegen keine physikalischen Gleichungen zur Berechnung des zukünftigen atmosphärischen Zustandes. Das Modell lernt bestimmte Muster und Zustände aus einem großen Trainingsdatensatz. Dabei wurden bei vielen der bisherigen KI-Modelle als Grundlage überwiegend Reanalysen der numerischen Wettervorhersagemodelle verwendet. Diese stellen bereits durch Datenassimilation aufbereitete, räumlich und zeitlich konsistente Felder der Atmosphäre dar. WeatherNext3 benutzt jedoch als Anfangszustand zusätzlich Beobachtungsdaten von Satelliten und Wetterstationen.

Dadurch ergeben sich neben den oben genannten Vorteilen aber auch einige potenzielle Schwachpunkte.

WeatherNext3 benutzt als Anfangszustand Beobachtungsdaten. Direkte Beobachtungsdaten enthalten Mess-, Repräsentativitäts-, Übertragungs- und Kalibrierungsfehler. Während klassische Datenassimilation diese Unsicherheiten explizit modelliert und gewichtet, muss ein neuronales Modell den Umgang mit solchen Fehlerstrukturen implizit aus den Trainingsdaten lernen. Besonders bei bisher unbekannten Sensorfehlern kann dies zu systematischen Fehlern führen. Zudem stellt sich die Frage, wie robust das Modell bei Datenausfall ist. Der Ausfall einzelner Satellitenkanäle, Kalibrationsänderungen der Messinstrumente oder die Einführung neuer Sensoren können die Statistik der Eingabedaten verändern.

Neuronale Modelle lernen aus historischen Daten. Wenn die Atmosphäre nun aber neue Zustände annimmt, die nicht bekannt sind, kann es zu Fehlern kommen. Dies ist gerade im Hinblick auf den Klimawandel interessant. Bei einer historischen Hitzewelle sind durch die höheren Temperaturen auch andere meteorologische Variablen verändert. Dadurch steigt beispielsweise auch die in einer Luftmasse enthaltende Feuchte an – eine wichtige Variable zur Vorhersage von Starkniederschlägen. Nun hat die KI aber gelernt, dass bei diesem bestimmten synoptischen Muster, welches sie aus der Vergangenheit kennt, 50 l/qm innerhalb von 6 Stunden fallen können. In der Realität kann dies dazu führen, dass dieselbe großräumige Wetterlage deutlich stärkere Niederschläge erzeugt. Dadurch kann das Modell anfangs in dieser Situation die Starkregenfälle deutlich unterschätzen.

Gerade bei der Kombination aus neuartigen klimatischen Bedingungen und ungewöhnlichen extremen Wetterereignissen steht die KI teils vor größeren Problemen. Ein durchschnittliches Verifikationsmaß kann diese gesellschaftlich besonders relevanten Ereignisse verschleiern. Ein Modell kann nämlich im globalen Mittel einen sehr guten RMSE (Root Mean Square Error) oder auch sehr gute Werte bei probabilistischen Bewertungsmaßen erzielen und dennoch bei Starkregen, rapider Intensivierung von Stürmen oder kleinräumiger Konvektion deutlich schlechter abschneiden.

Zudem kann ein KI-Modell zwar einen Zustand erzeugen, der bei den einzelnen meteorologischen Variablen als plausibel erscheint, aber in ihrer Kombination physikalisch nicht vollständig konsistent ist. Diese Inkonsistenz kann sich mit zunehmender Vorhersagezeit fortpflanzen. Dadurch kann die Vorhersage eines KI-Modells bei kurzer Vorhersagezeit trotz physikalischer Inkonsistenz noch eine höhere Güte aufweisen, mit zunehmender Vorhersagezeit dann aber eine schlechtere Vorhersage liefern.

Außerdem können räumliche Artefakte in den Prognosefeldern auftreten. Diese Strukturen können durch die interne Modellgeometrie entstehen. Dabei kann es vorkommen, dass die neuronale Architektur bestimmte räumliche Skalen oder Symmetrien systematisch bevorzugt, glättet oder verzerrt. Gerade wiederum bei der Vorhersage von kleinräumigen und extremen Wetterereignissen kann dieser Fehler problematisch sein. So können beispielsweise Fronten oder kleinräumige Niederschlagsmaxima durch Glättungsprozesse abgeschwächt oder auch räumlich verschoben werden.

Ein weiterer Unterschied liegt in der Interpretierbarkeit der Vorhersage. Bei numerischen Modellen lassen sich Fehler häufig bestimmten physikalischen Prozessen, Parametrisierungen oder Anfangsbedingungen zuordnen. Bei KI-Modellen ist deutlich schwieriger nachzuvollziehen, warum eine bestimmte Vorhersage entstanden ist. Dies kann vor allem im operationellen Wetterdienst problematisch sein, wenn Meteorologen die Plausibilität einer Prognose beurteilen müssen.

KI-Wettermodelle sind insgesamt ein großer Fortschritt – doch gerade bei unbekannten Wetterregimen, seltenen Extremereignissen und sich rasch veränderten klimatischen Bedingungen wird sich zeigen, wie robust sie wirklich sind. Auch numerische Modelle enthalten Fehler in der Datenassimilation, numerischen Diskretisierung und der Parametrisierung physikalischer Prozesse. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch vielmehr darin, dass diese Fehlerquellen expliziter beschrieben und physikalisch diagnostiziert werden können. Somit ist das wahrscheinlichste Zukunftsszenario nicht die vollständige Ablösung numerischer Wettervorhersagemodelle, sondern ein hybrides System aus KI- und numerischen Wettervorhersagemodellen, welches die Vorhersagegüte voraussichtlich insgesamt steigern wird.

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.09.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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Kopfschmerzen durch Wetter

5. September 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Wir nutzen daher die Gelegenheit, dem Thema dieses Aktionstages auch von unserer Seite etwas beizusteuern.

Kopfschmerzen gelten als eine der häufigsten Gesundheitsbeschwerden in Deutschland. Laut Deutscher Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) leiden täglich etwa drei Millionen Erwachsene daran. Die Beschwerden können durch eine Vielzahl an Ursachen ausgelöst werden. Darunter fallen zum Beispiel Reizungen schmerzempfindlicher Organe wie der Hirnhaut, des Sehnervs oder der Nervenstränge. Doch auch Wetter und vor allem Wetterveränderungen können zu körperlichen Beschwerden wie Kopfschmerzen führen. Die Wissenschaft dahinter nennt sich Biotropie (Bio = Leben, Tropie = Veränderung), also die Lehre über wetterbedingte Beeinflussung des Körpers.

Menschen besitzen die Fähigkeit, eigene Regelgrößen wie die Körperkerntemperatur trotz Schwankungen der Umwelt in einem bestimmten Bereich konstant zu halten. Über die Regulierung zum Beispiel der Herzaktivität, des Blutdrucks oder der Atmung wirkt das vegetative Nervensystem äußeren Störungen entgegen. Kommt das Nervensystem diesen Anpassungen nicht rechtzeitig hinterher, kann es zu Unwohlsein kommen. Dieser Zustand wird dann als „wetterfühlig“ bezeichnet und kann mit Symptomen wie Kopfschmerzen, Migräne, Müdigkeit, Antriebslosigkeit oder Schlafstörungen einhergehen. Auf etwa die Hälfte der Bevölkerung trifft dies zu. Verstärkt werden können die Beschwerden, wenn zusätzlich auch noch Vorerkrankungen vorliegen. Diese Personengruppe umfasst etwa 10-15 % und wird als „wetterempfindlich“ bezeichnet. Besonders Rheuma, Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Probleme sowie psychische Erkrankungen zeigen ein signifikant stärkeres Wirken in Zusammenhang mit bestimmten Wetterlagen.

Gefahrenindizes für Wetterfühlige – Allgemeine Befindensbeeinträchtigung: Vorhersage für die 2. Tageshälfte am Samstag den 05.09.2026

Dabei wirkt immer die Gesamtheit der meteorologischen Parameter auf den Menschen ein. Also die Änderung der Lufttemperatur, Feuchte, Druck und Wind. Wetterlagen, bei denen sich diese Parameter rasch ändern, sind Durchzüge von Warm- oder Kaltfronten. Je nach Sektor, in dem man sich dabei befindet, sind unterschiedliche Beschwerden typisch.

Für alle wetterfühligen oder wetterempfindlichen Personen, die sich über die Auswirkungen der Wetterlagen in den kommenden Tagen informieren möchten, erstellt der Deutsche Wetterdienst täglich eine Gefahrenkarte für Wetterfühlige. Darauf ist bis zu 2 Tage im Voraus einzusehen, wo für welche Personengruppen erhöhte Befindensbeeinträchtigungen vorliegen. In der Karte können auch positive Einflüsse eingezeichnet sein. Dies ist zum Beispiel in warmen Hochdrucklangen ohne Bodeninversion der Fall. Dort können das allgemeine Befinden und das Herz- und Kreislaufgeschehen begünstigt werden, weshalb dies als anregende, konzentrations- und leistungssteigernde Wetterlage empfunden wird.

Es gibt verschiedene Methoden, der Beeinträchtigung durch Wetterumschwünge entgegenzuwirken beziehungsweise sich demgegenüber resistenter zu machen. So kann zum Beispiel die Anpassungsfähigkeit des Nervensystems trainiert werden, indem regelmäßig Wechselduschen genommen werden oder durch häufige Aufenthalte draußen bei unterschiedlichsten Wetterlagen. Weiter ist ein gesunder und stressfreier Grundzustand förderlich. Es sollte also auf genügend Schlaf, Vermeidung von Stress und eine gesunde und ausgewogene Ernährung geachtet werden.

In diesem Sinne: euch allen einen hoffentlich kopfschmerzfreien Kopfschmerztag.

Meteorologin Anna-Lena Dötsch
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.09.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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Zwischen Sturm und Spätsommer

4. September 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Am heutigen Freitag zeigt sich das Wetter in Deutschland von zwei sehr unterschiedlichen Seiten. Während der Süden noch einmal sommerliche Wärme genießen kann, wird es im Norden und in Teilen der Mitte ausgesprochen ungemütlich. Verantwortlich dafür ist Tief VILJA, das neben Schauern und Gewittern vor allem kräftigen Wind im Gepäck hat.

Bodenanalyse mit Fronten und Luftdruck, Freitag den 04.09.2026 12 UTC. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Schon abseits der Gewitter weht der Südwest- bis Westwind stark bis stürmisch mit Böen um 70 km/h (Bft 8). Besonders am Nachmittag können sich zudem einzelne kräftige Gewitter entwickeln. Dann legt der Wind noch einmal deutlich zu und schwere Sturmböen um 100 km/h (Bft 10) sind wahrscheinlich. Damit steigt auch die Gefahr durch herabfallende Äste oder umstürzende Bäume. Wälder und Parks sollte man bei entsprechenden Warnungen daher besser meiden.

Spitzenböen (Farbe) und Luftdruck (Linie) von Modell ICON D2 für Freitagnachmittag um 15:00 Uhr. Die gelben und orangen Farben entsprechen Böen der Starke 7 bis 9 Bft (60 bis 80 km/h).

Doch nicht nur der Wind ist heute ein Thema. In einem Streifen vom nördlichen Niedersachsen bis nach Mecklenburg fällt gebietsweise länger anhaltender und kräftiger Regen. Dabei können bis zu 60 l/qm zusammenkommen – regional also eine Niederschlagsmenge, die dort etwa einem ganzen Monatsniederschlag entspricht.

Insgesamt gestaltet sich der Freitagnachmittag im Norden und in Teilen der Mitte damit ausgesprochen ungemütlich. Dazu passen auch die Temperaturen, die dort lediglich 18 bis 24 Grad erreichen.

Ein völlig anderes Bild bietet der Süden. Dort sorgt Hochdruckeinfluss für reichlich Sonnenschein und einen kurzen sommerlichen Höhepunkt. Mit 29 bis 32 Grad wird es verbreitet heiß. Wer also noch einmal Freibad- oder Biergartenwetter sucht, findet davon im Süden deutlich mehr als im Norden.

Am Samstag beginnt sich die Wetterlage allmählich zu beruhigen, allerdings längst noch nicht überall. Im Süden und Südosten fällt zunächst zeitweise Regen, bevor es im Tagesverlauf zunehmend trockener wird und sich häufiger die Sonne zeigt. Im Nordosten ist von einer Wetterberuhigung dagegen noch wenig zu spüren. Dort ziehen weiterhin Schauer und einzelne kurze Gewitter durch. Dazu bleibt es windig, mit Böen bis etwa 70 km/h, insbesondere an der Ostseeküste.

Erst am Sonntag setzt sich die Wetterberuhigung auch im Nordosten durch. Hochdruckeinfluss gewinnt zunehmend in ganz Deutschland die Oberhand, Schauer werden kaum noch ein Thema sein und gebietsweise scheint für längere Zeit die Sonne. Damit wird der Sonntag seinem Namen durchaus gerecht. Die Höchsttemperaturen liegen am Samstag zwischen 18 und 28 Grad, am Sonntag zwischen 19 und 30 Grad.

Auch am Montag bleibt uns das freundliche Wetter zunächst erhalten. Bei viel Sonnenschein wird es verbreitet spätsommerlich warm. Lange Bestand hat diese ruhige Wetterphase allerdings nicht.

Bereits ab Dienstag kündigt sich von Westen der nächste Wetterwechsel an. Neue Tiefausläufer bringen wieder mehr Wolken sowie gebietsweise Regen und Schauer. Auch einzelne Gewitter können auftreten. Gleichzeitig wird die zuvor warme Luft zunehmend verdrängt und die Temperaturen gehen zurück.

Spätestens am Mittwoch ist vom kurzen spätsommerlichen Intermezzo nicht mehr viel übrig. Bei wechselhaftem Wetter mit weiteren Niederschlägen steigen die Temperaturen voraussichtlich kaum noch über 23 Grad. Dazu macht sich der Wind wieder deutlicher bemerkbar und kann zeitweise kräftig auffrischen.

Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.09.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/09/Zwischen-Sturm-und-Spaetsommer-1.png 915 1286 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-09-04 15:47:252026-09-14 14:36:14Zwischen Sturm und Spätsommer

Deutschlandwetter im Sommer 2026

3. September 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im Sommer 2026*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Waghäusel-Kirrlach Baden-Württemberg 23,3 °C +4,6 Grad
2 Ohlsbach Baden-Württemberg 23,2 °C +5,7 Grad
3 Rheinfelden Baden-Württemberg 23,1 °C +4,9 Grad

Vergleichsweise kühle Orte im Sommer 2026*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Kahler Asten Nordrhein-Westfalen 15,8 °C +3,6 Grad
2 Carlsfeld Sachsen 15,9 °C +3,7 Grad
3 Zinnwald-Georgenfeld Sachsen 16,0 °C +3,4 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im Sommer 2026**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Jachenau-Tannern Bayern 490,7 l/m² 76 Prozent
2 Ruhpolding-Seehaus Bayern 473,5 l/m² 68 Prozent
3 Oberstdorf-Birgsau Bayern 460,7 l/m² 71 Prozent

Besonders trockene Orte im Sommer 2026**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Wörth am Main Bayern 67,6 l/m² 29 Prozent
2 Bad Dürkheim Rheinland-Pfalz 68,7 l/m² 42 Prozent
3 Grünstadt Rheinland-Pfalz 70,4 l/m² 43 Prozent

Besonders sonnenscheinreiche Orte im Sommer 2026**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Rheinfelden Baden-Württemberg 929 Stunden 137 Prozent
2 Konstanz Baden-Württemberg 925 Stunden 136 Prozent
3 Friedrichshafen Baden-Württemberg 915 Stunden 133 Prozent

Vergleichsweise sonnenscheinarme Orte im Sommer 2026**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Schwarzburg Thüringen 619 Stunden 99 Prozent
2 Wittmundhafen Niedersachsen 640 Stunden 107 Prozent
3 Garmisch-Partenkirchen Bayern 642 Stunden 114 Prozent

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.

* Jahreszeitenmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt (int. Referenzperiode 1961-1990).

** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen Jahreszeitenwertes zum vieljährigen Jahreszeitenmittelwertes der jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

Die Sonnenscheindauer wird seit 08/2024 teilweise aus Satellitendaten abgeleitet.

Hinweis: Einen ausführlichen Jahreszeitenrückblick für ganz Deutschland und alle Bundesländer finden Sie im Internet unter www.dwd.de/presse

Denny Karran
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Offenbach, 03.09.2026
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Deutschlandwetter im August 2026

2. September 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im August 2026*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Rheinfelden Baden-Württemberg 23,6 °C +5,3 Grad
2 Waghäusel-Kirrlach Baden-Württemberg 23,5 °C +4,7 Grad
3 Ohlsbach Baden-Württemberg 23,5 °C +5,7 Grad

Vergleichsweise kühle Orte im August 2026*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Kahler Asten Nordrhein-Westfalen 15,9 °C +3,2 Grad
2 Schierke Sachsen-Anhalt 16,2 °C +3,0 Grad
3 Zinnwald-Georgenfeld Sachsen 16,3 °C +3,2 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im August 2026**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Jachenau-Tannern Bayern 181,7 l/m² 87 Prozent
2 Teisendorf Bayern 163,3 l/m² 107 Prozent
3 Steingaden-Lauterbach Bayern 153,0 l/m² 88 Prozent

Besonders trockene Orte im August 2026**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Trollenhagen Mecklenburg-Vorpommern 15,8 l/m² 28 Prozent
2 Schollene Sachsen-Anhalt 15,9 l/m² 30 Prozent
3 Seehausen Sachsen-Anhalt 17,2 l/m² 34 Prozent

Besonders sonnenscheinreiche Orte im August 2026**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Weihenstephan Bayern 290 Stunden 137 Prozent
2 Konstanz Baden-Württemberg 289 Stunden 134 Prozent
3 Kösching Bayern 288 Stunden 136 Prozent

Vergleichsweise sonnenscheinarme Orte im August 2026**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Wuppertal-Buchenhofen Nordrhein-Westfalen 198 Stunden 117 Prozent
2 Oberstdorf Bayern 207 Stunden 113 Prozent
3 Diepholz Niedersachsen 208 Stunden 109 Prozent

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.

* Monatsmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt (int. Referenzperiode 1961-1990).

** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen Monatsmittelwertes zum vieljährigen Monatsmittelwert der jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

Die Sonnenscheindauer wird seit 08/2024 teilweise aus Satellitendaten abgeleitet.

Hinweis: Einen ausführlichen Monatsrückblick für ganz Deutschland und alle Bundesländer finden Sie im Internet unter www.dwd.de/presse

Denny Karran
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Offenbach, 02.09.2026
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Der Einfluss großer Windparks auf Wetter und Niederschlag

1. September 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Eine Windkraftanlage entzieht der Strömung kinetische Energie. Gleichzeitig erzeugen die Rotorblätter Turbulenz. Dadurch entsteht hinter einem Windpark eine Strömungsabschattung. In diesem Bereich ist die Windgeschwindigkeit geringer, die Turbulenz erhöht und es kommt zu einem veränderten vertikalen Transport von Impuls, Wärme und Feuchte. In großen Windparks kann sich diese Abschattung (Wake) überlagern und unter bestimmten atmosphärischen Bedingungen über viele Kilometer erstrecken.

Der Einfluss von Windkraftanlagen ist hauptsächlich in der atmosphärischen Grenzschicht vorhanden. Eine typische moderne Windkraftanlage besitzt eine Nabenhöhe von etwa 160 Metern. Die Gesamthöhe kann dabei bis zu 270 Meter betragen. Damit wird direkt nur die untere atmosphärische Grenzschicht beeinflusst. Ein Effekt auf die freie Atmosphäre oberhalb von 1 Kilometer ist kaum vorhanden.

In der atmosphärischen Grenzschicht nehmen große Windkraftparks aber vor allem bei stabiler atmosphärischer Schichtung einen entscheidenden Einfluss auf das Strömungsprofil stromabwärts. Die Windgeschwindigkeit wird dort deutlich reduziert. Diese Veränderungen der Strömung können über mehrere zehn Kilometer nachweisbar sein. Eine Studie fand unter stabilen atmosphärischen Bedingungen eine Strömungsänderung bis etwa 30 Kilometer stromabwärts großer Parks. Dieser messbare aerodynamische Nachlauf bedeutet aber nicht, dass auch das Wetter in diesem Umkreis entsprechend stark verändert wird.

Durch die erzeugte Turbulenz kann es kleinräumig zu Temperaturänderungen kommen. Dieser Effekt auf die Temperatur ist allerdings stark abhängig von der atmosphärischen Schichtung. Bei Hochdrucklagen mit stabiler Schichtung und starker Temperaturinversion wird der Grenzbereich zwischen wärmerer und kühlerer Luftmasse durchmischt. Dabei kann es in Erdbodennähe zu einer leichten Temperaturzunahme kommen. Allerdings ist dieser Effekt regional begrenzt und beschränkt sich auf die Leeseite der Windkraftanlagen. Modellstudien zeigen dort regional eng begrenzt Temperaturänderungen von bis zu 0,5 Grad Celsius.

Zudem können größere Windparks durch turbulente Prozesse auch die Bildung und Auflösung von Wolken beeinflussen. Besonders relevant ist dies bei einer stabil geschichteten und feuchten atmosphärischen Grenzschicht. Durch die Strömungsablenkung der Windparks können sich lokale Konvergenzen ausbilden, die die Bildung tiefer Wolken begünstigen. Modellstudien zeigten deshalb beispielweise über der Nordsee eine Zunahme der tiefen Bewölkung über den Windparks und eine Abnahme stromabwärts davon. Allerdings ist diese Wirkung nicht allgemeingültig. Unter bestimmten Voraussetzungen kann die erzeugte Turbulenz auch Nebel oder tiefe Wolken auflösen. Entscheidend dabei sind die vorhandene Feuchtigkeit, die vertikale Temperaturschichtung und die Stabilität der atmosphärischen Grenzschicht.

Dieser Effekt auf die Bildung und Auflösung von Wolken führt zu einer weitergehenden kontroversen Frage: Können diese atmosphärischen Veränderungen den Niederschlag beeinflussen?

Zwischen Wolkenbildung und fallendem Niederschlag kommt es zu weiteren komplexen mikrophysikalischen Prozessen. Gleichzeitig bestimmen großräumige Feuchtetransporte und synoptische Hebungsprozesse, wo letztendlich Niederschlag entsteht. Damit nimmt die wissenschaftliche Unsicherheit deutlich zu. Während die Auswirkungen von Windparks auf Strömung und erzeugte Turbulenz gut belegt sind, ist die Frage nach langfristigen und räumlich relevanten Veränderungen des Niederschlags deutlich schwieriger zu beantworten.

Die Änderung tiefer Wolken und des Niederschlags im Bereich großer Windparks über der Nordsee im Zeitraum zwischen 2008-2017. Quelle: Akhtar 2022c

Dadurch ergibt sich bislang kein einheitliches Bild. Einige Untersuchungen zeigen unter bestimmten Bedingungen eine Zunahme des Niederschlags über großen Windparks und stromabwärts eine leichte Abnahme. Allerdings ist dieser mögliche Einfluss wesentlich von der Größe und Anordnung des Windparks sowie der jeweiligen Wetterlage abhängig! Hierbei wird von einem Szenario mit sehr großen und dicht gruppierten Windparks über der Nordsee ausgegangen. Deshalb ist diese Studie für die gegenwärtige Situation nicht repräsentativ!

Große Windparks beeinflussen somit nachweislich die atmosphärische Grenzschicht und können Wind, Turbulenz, Temperatur und unter bestimmten Bedingungen auch die Bildung- und Auflösung von Wolken modifizieren. Das sich daraus regionale Niederschlagsmuster verändern ist aktuell wissenschaftlich nicht belegt!

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.09.2026
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https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/09/Der-Einfluss-grosser-Windparks-auf-Wetter-und-Niederschlag.png 598 1274 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-09-01 19:45:462026-09-08 20:01:43Der Einfluss großer Windparks auf Wetter und Niederschlag

Wie wird eigentlich … gemessen? – Temperatur

31. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Auch wenn der Sommer nun (zumindest im meteorologischen Sinne) zu Ende geht, bleiben uns die zahlreichen Meldungen über Hitzerekorde noch deutlich in Erinnerung. Nun stellt sich die Frage: Auf welche Weise kann die Temperatur denn überhaupt gemessen werden?
Offensichtlich ist dafür ein Thermometer notwendig. Doch diese Messgeräte machen sich mitunter viele physikalische Gesetze und Eigenschaften zunutze, um daraus schließlich die Temperatur abzuleiten.

Beispielbild eines Flüssigkeitsthermometers (Quelle: Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Thermometer)

Beginnen wir mit einem klassischen Flüssigkeitsthermometer. Das Prinzip ist einfach. Eine bestimmte Flüssigkeitsmenge – früher Quecksilber, heutzutage oft Ethanol – dehnt sich aus, sobald sie erwärmt wird. Diese Volumenänderung zeigt sich, indem der Pegel der Flüssigkeit entlang eines Röhrchens steigt oder sinkt. Eine entsprechend angepasste Skala (siehe Link für mehr Informationen) gibt die Temperatur an. Doch nicht nur bei Flüssigkeiten lässt sich dieser Effekt verwenden. Eine weitere Thermometerbauweise zeichnet sich dadurch aus, dass zwei unterschiedliche Metallstreifen fest miteinander verklebt werden. Man nennt dies auch „Bimetallstreifen“. Die verschiedenen Wärmeausdehnungskoeffizienten sorgen bei Erwärmung oder Abkühlung dafür, dass sich das Bimetall in eine oder die andere Richtung krümmt. Das Ausmaß der Krümmung lässt auf die Temperatur schließen. Oft werden hierfür Legierungen verwendet, die Eisen, Nickel oder Mangan enthalten. Naheliegenderweise heißen die Messgeräte, die diese Art der Temperaturmessung benutzen, Ausdehnungsthermometer.

Beispielbild eines Bimetall-Thermometers (Quelle: Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Bimetallthermometer)

Sogenannte Thermoelemente bestehen aus zwei unterschiedlichen Materialien, zwischen denen eine Spannung gemessen werden kann. Hierbei wird der sogenannte Seebeck-Effekt ausgenutzt. Dieser besagt, dass die gemessene Spannung abhängig vom Temperaturunterschied der beiden Materialien ist. Da nur die Differenz, jedoch nicht der absolute Temperaturwert gemessen werden kann, muss für eine echte Temperaturmessung eine der beiden schon bekannt sein.

Die Funktionsweise eines Widerstandsthermometers beruht darauf, dass der elektrische Widerstand temperaturabhängig ist. Liegt also ein konstanter Strom am Gerät an, ändert sich die gemessene Spannung, wenn sich die Temperatur ändert. Dadurch kann diese abgeleitet werden. Zumeist werden hierfür Metalle wie Platin, Nickel oder Silizium verwendet.

Allgemein haben diese Messgeräte die Gemeinsamkeit, dass sie mit der zu messenden Oberfläche oder dem zu messenden Material in Kontakt kommen müssen. Daher gibt es hierfür den Überbegriff „Berührungsthermometer“. Weitere Varianten sind beispielsweise das Dampfdruckthermometer, das auf den Eigenschaften des Dampfdrucks einer Flüssigkeit beruht, oder Temperaturmessstreifen. Letztere verändern in Abhängigkeit der Temperatur ihre Farbe.

Im Gegensatz dazu gibt es auch Messgeräte, die keinen direkten Kontakt benötigen. Hier wird die ausgehende Strahlung im Infrarotbereich genutzt. Diese ist sowohl in ihrer Intensität als auch in der Wellenlängenverteilung von der Eigentemperatur abhängig. Das Plancksche Strahlungsgesetz (bzw. das Stefan-Boltzmann-Gesetz und das Wiensche Verschiebungsgesetz) bildt dabei die physikalische Grundlage. Für die Messung wird ein Infrarotsensor benötigt. Verschiedene Variationen der Messung analysieren entweder einen großen Wellenlängenbereich oder konzentrieren sich auf wenige spezielle Wellenlängen und ermitteln aus dem Vergleich die Temperatur. Wohlbekannt ist uns diese Art der Messung beispielsweise von Fieberthermometern.

M.Sc. Met. Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 31.08.2026
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Kommt die hochsommerliche Hitze zurück?

30. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Ein ausgeprägter Tiefdruckkomplex über Nordwest- und Nordeuropa sorgt bei uns vor allem im Norden für wechselhaftes und kühleres Wetter. So treten bereits am heutigen Sonntag in Verbindung mit Tief SINA bei vielen Wolken Schauer auf. Im Süden bleibt es dagegen bei schwachem Zwischenhocheinfluss überwiegend trocken. Dazu liegen die Höchsttemperaturen von Brandenburg bis zum Mittelrhein und südöstlich davon häufig bei oder gar über 25 Grad. An der unteren Donau und am Oberrhein gibt es bei bis zu 29 Grad nochmals bestes Badewetter.

Vorhersagekarte für Sonntag, den 30.08.2026 um 12 UTC. Tief SINA beeinflusst vor allem den Norden des Landes.

Zu Wochenbeginn folgt auf Tief SINA bereits das nächste Tief. Dabei sickert nicht nur kühlere sondern auch labil geschichtete Luft vor allem in die Nord- und Nordwesthälfte des Landes. Das bedeutet, dass sich im Tagesverlauf vermehrt teils kräftige Schauer und Gewitter entwickeln können. Dabei dürfte vor allem der Wind zum Thema werden. Bei kräftigen Gewittern sind durchaus Sturmböen um 85 km/h (Bft 9) möglich. Zudem tritt punktuell kleinkörniger Hagel und Starkregen auf. Auch abseits der Gewitter weht ein kräftiger Südwestwind. Auf den Bergen und an der Nordsee treten auch abseits der Gewitter örtlich Sturmböen (Bft 9) auf. Im Süden präsentiert sich das Wetter dagegen insgesamt freundlicher. Zwar sind auch dort einzelne Schauer nicht völlig ausgeschlossen, vielerorts bleibt es jedoch trocken. Die Temperaturen gehen allerdings im Vergleich zu den vorherigen Tagen etwas zurück, ohne dass sich der Sommer dort vollständig verabschiedet.

Im Norden bleibt es durch die Nähe zur Frontalzone auch in der zweiten Wochenhälfte wechselhaft mit weiteren Schauern und einzelnen Gewittern. Dadurch ergibt sich dort ein frühherbstlicher Eindruck. Im Süden herrscht dagegen unter schwachem Hochdruckeinfluss weiterhin ruhiges Spätsommerwetter. Ab Freitag macht sich von Südwesten zudem ein Höhenrücken bemerkbar. Dabei strömt in den Süden des Landes wieder sehr warme bis heiße Luft ein. Somit wird am Freitag am Oberrhein voraussichtlich auch wieder die Hitzegradmarke von 30 Grad erreicht. In der Nordhälfte ist von der sehr warmen bis heißen Luftmasse aber nichts zu spüren. Dort bleibt es unter dem Einfluss atlantischer Tiefdruckgebiete nur mäßig warm.

Die synoptische Übersicht im Modellvergleich für Samstag, den 05.09.2026 um 00 UTC. Ab dem Wochenende nehmen die Unsicherheiten deutlich zu. Der äußerste Süden bleibt aber voraussichtlich noch in der sehr warmen bis heißen Subtropikluft.

Zum Wochenende nehmen die Unsicherheiten in den Vorhersagemodellen deutlich zu. Einige Berechnungen zeigen ein rasches Zurückdrängen der sehr warmen bis heißen Subtropikluft auch im Süden des Landes. Die wahrscheinlichste Lösung nach jetzigem Stand ist allerdings eine Fortsetzung des sehr warmen bis heißen und meist auch freundlichen Spätsommerwetters im Süden. Somit ist durchaus möglich, dass den Bewohnern im äußersten Südwesten entlang des Ober- und Hochrheins noch einige Hitzetage bevorstehen. Eine klassische, flächendeckende Hitzewelle wie während der markanten Hitzeperioden des Sommers 2026 ist allerdings nicht zu erwarten. Anfang September werden die Nächte bereits deutlich länger, wodurch die Temperaturen stärker absinken können. Selbst bei Höchstwerten um oder über 30 Grad ist die nächtliche Abkühlung deshalb meist ausgeprägter als noch im Hochsommer. Die Wärmebelastung fällt entsprechend geringer aus.

Fazit: Der Sommer meldet sich zumindest regional noch einmal zurück. Während sich der Norden unter dem Einfluss atlantischer Tiefdruckgebiete zunehmend wechselhaft und zeitweise fast frühherbstlich präsentiert, stehen die Chancen im Süden und insbesondere im Südwesten gut für eine erneute spätsommerliche bis hochsommerliche Wetterphase. Ob daraus nur ein kurzer Wärmeschub oder sogar mehrere Hitzetage werden, entscheidet sich allerdings erst in den kommenden Tagen.

Die Ensemblevorhersagen für Stuttgart und Hamburg. Im Norden bleibt es bis zum Wochenende mäßig warm und häufig nass. Im Süden ist dagegen in der zweiten Wochenhälfte eine Erwärmung erkennbar. Ab dem Wochenende nehmen die Unsicherheiten deutlich zu. Quelle: ECMWF

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 30.08.2026
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https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/09/Kommt-die-hochsommerliche-Hitze-zurueck-1.png 909 1279 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-08-30 13:31:272026-09-08 20:01:35Kommt die hochsommerliche Hitze zurück?
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