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Eine Hitzewelle für die Geschichtsbücher – Eine erste vorläufige Bilanz

28. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Die in einigen Regionen nun schon seit dem 18.06.2026 anhaltende Hitzewelle kann ohne Umschweife als historisch eingestuft werden. Noch nie zuvor seit Beginn der Wetteraufzeichnungen hat es in Deutschland, aber auch in vielen Teilen von Europa, eine solch lange und intensive Hitzewelle so früh im Sommer gegeben. Heute nun ist der letzte Tag dieses Extremereignisses. Zeit eine erste Bilanz zu ziehen.

Großwetterlage

Hitzewellen gibt es immer wieder und es lässt sich dabei häufig die gleiche Konstellation in der Atmosphäre ausmachen. Verantwortlich ist in den meisten Fällen eine sogenannte Omegalage mit einem in allen Luftschichten sehr kräftigem Hochdruckgebiet über den betroffenen Regionen, flankiert von tiefem Luftdruck westlich und östlich davon. Eine solche Großwetterlage ist dafür bekannt recht stabil und lang anhaltend zu sein. Auch das ist typisch für Hitzewellen, die sich allmählich aufbauen.

Der Grund dafür ist, dass die Luft in Hochdruckgebieten absinkt und sich dabei erwärmt. Hält dieser Prozess längere Zeit an, kann sich eine sehr intensive Hitzewelle aufbauen. Schon im Vormonat gab es eine ähnliche Konstellation bei der ebenso historischen Mai-Hitzewelle.

Die Grafik zeigt die Druckverteilung in 500 hPa (~5700 m) Höhe vom 27.06.2026. Man erkennt eine klassische Omegalage.

Spitzenwerte

Die Hitzewelle in Deutschland erreicht seinen Höhepunkt an diesem Wochenende, und die Temperatur zeigt Spitzenwerte ungekannten Ausmaßes. An 252 Wetterstationen wurde ein neuer Allzeithöchstwert gemessen. Dort war es also seit Aufzeichnungsbeginn noch nie so warm. Dabei sind auch Wetterstationen mit sehr langen Messreihen (z.B.: Jena Sternwarte mit 39.2 Grad, Aufzeichnungsbeginn 1824). An insgesamt 46 Stationen in elf Bundesländern wurde die Temperaturmarke von 40 Grad erreicht oder übertroffen. Selbst auf Deutschlands einziger Hochseeinsel Helgoland, wurde die 30 Grad Marke knapp geknackt und damit erstmals ein Hitzetag (>30 Grad) seit Aufzeichnungsbeginn gemessen.

Der höchste Messwert wurde in Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt am gestrigen Samstag mit 41.5 °C gemessen. Gefolgt von Seehausen (Sachsen-Anhalt), Waghäusel-Kirrlach (Baden-Württemberg) und Saarbrücken-Burbach (Saarland) mit jeweils 41.4 °C. Es ist nicht ausgeschlossen, dass dieser Wert heute nochmal übertroffen wird.

Auch bei den Minimumtemperaturen gab es in der vergangenen Nacht neue Höchstwerte. Die bisher wärmste Nacht wurde vom 12. auf den 13. August 2003 auf dem Weinbiet in der Pfalz mit 27.2 Grad gemessen. Dieser Wert wurde nun in Kubschütz im Kreis Bautzen (Ostsachsen) deutlich übertroffen dort ging die Temperatur zwischen 20 Uhr am Vorabend und 8 Uhr am heutigen Morgen, nicht unter 29.4 Grad zurück.

Es ist zu beachten, dass die Messwerte vorläufig sind und sich diese nach einer vom DWD durchgeführten zeitnahen Qualitätsprüfung nochmals ändern können.

Die Tabelle zeigt alle Stationen mit einem Maximum von mehr als 35 Grad (Sehr heiße Tage) und einem Minimum von über 25 Grad für diese Hitzewelle. Alle Werte sind vorläufig. Angaben in Grad Celcius.

Zeitraum und Andauer

Die heißeste Zeit des Jahres sind üblicherweise die „Hundstage“ Ende Juli bzw. Anfang August. Daher überrascht es auch nicht, dass viele der bisherigen Höchstwerte aus diesen beiden Monaten stammen.

Der Juni, der in der ersten Monatshälfte sogar leicht unterdurchschnittlich verlaufen ist, hat nie zuvor eine solche Hitzewelle hervorgebracht.

In einigen Regionen dauert die Hitzewelle seit dem 18.06.2026 und damit seit insgesamt elf Tagen, an. Es gibt viele Kennzahlen, die dies eindrücklich zeigen. So wurden bei der Anzahl an Sehr Heißen Tagen (Maximum über 35 Grad) neue Spitzenwerte aufgestellt. Bisher lag Sondershausen im Jahr 1947 ganz vorne, mit insgesamt sieben Tagen. Nun gibt es in Kitzingen (Bayern) oder auch in Waghäusel-Kirrlach (Baden-Württemberg) eine neue höchste Anzahl von elf.

Außerdem wurde zuvor noch nie in einem Juni ein Höchstwert von mehr als 40 Grad gemessen (alter Spitzenwert in Bernburg an der Saale am 30.06.2019 mit 39.6 Grad)

Auch bei den Nachttemperaturen wurde eine neue Höchstzahl an Tropennächten (Minimum >20 Grad) für einen Junimonat registriert. Nimmt man die Prognose für die Nacht auf Montag mit hinzu, könnte es beispielsweise in Mainz-Lerchenberg am ZDF-Studio insgesamt 11 Tropennächte geben. Der bisherige Höchstwert wurde in Freiburg im Jahr 2003 mit acht gemessen.

Die Tabellen zeigen den Verlauf der Hitzewellen 2003 und 2019, im Vergleich zu 2026 für ausgewählte Stationen. Angaben in Grad Celcius.

Zu sehen ist die Anzahl von Tropennächten (Minimum >20 Grad) und Sehr Heißen Tagen (Maximum >35 Grad) in Deutschland im Juni 2026. Visualisierung mtwetter.de

Großräumigkeit

Nicht nur in Deutschland werden neue Höchst- und höchste Tiefsttemperaturen erreicht. In vielen Ländern in Europa werden neue Spitzenwerte vermeldet. Einen nicht vollständigen Überblick gibt die folgende Tabelle. Da sich die Hitzewelle weiter ostwärts verlagert, sind heute und zu Beginn der Woche auch in anderen Ländern neue Höchstwerte zu erwarten.
Nie zuvor hat es in Europa eine vergleichbare Extremlage gegeben. (World Weather Attribution)

In der Tabelle stehen für ausgewählte Länder vorläufige neue Allzeitrekordwerte der Maximumtemperatur. Angaben in Grad Celcius.

Der menschengemachte Klimawandel als Ursache

Die oben zitierte Studie „World Weather Attribution“ Team zeigt auch, dass Temperaturen, wie sie in diesen Tagen gemessen werden, ohne den menschengemachten Klimawandel nahezu ausgeschlossen sind.
Eine vergleichbare Juni-Hitzewelle wie in diesem Jahr, wäre demnach im Jahr 1976 um 3.5 Grad kälter gewesen und im Jahr 2003 um etwa 2 Grad kälter gewesen.
Wichtig ist zu verstehen, dass Europa sich doppelt so stark erwärmt, wie die globale Mitteltemperatur, die immer als Maß des globalen Klimawandels herangezogen wird. Zudem sind Extremwerte um ein Vielfaches höher, als die Mittelwerte. Ein Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um 1.5 K, bedeutet für Europa eine Erwärmung von etwa 3 K, die neuen Extremwerte können dabei nochmal deutlich größere Anomalien aufweisen.
Anlässlich des 50ten Jahrestages der historischen Hitzewelle von 1976 hat das Mettoffice eine Studie gemacht, wie die Spitzenwerte von damals heute und in Zukunft aussehen würden. Die 34 Grad von damals entsprächen bis 39 Grad im heutigen Klima und würden bis 45 Grad im Jahr 2056 bedeuten.

Auswirkungen

Die Auswirkungen dieser historischen Hitzewelle sind vielfältig. Neben der Vielzahl an medizinischen Notfällen und Todesopfern, gibt es auch ganz konkrete Auswirkungen auf den Alltag eines jeden Menschen. Um nur zwei Beispiele zu nennen: In Leipzig wurde der komplette Straßenbahnverkehr eingestellt, weil die Fugenmasse zwischen Asphalt und Schiene sich verflüssigt hat (Leipziger Internetzeitung zu Straßenbahnschäden in Leipzig). Asphaltschäden gibt es auch auf vielen Autobahnen in Deutschland.
Ein anderes Beispiel ist die Stadt Offenbach, wo aufgrund des großen Wasserverbrauchs die Förderkapazitäten überschritten werden könnten und damit ein Engpass droht (Stadt Offenbach zu Wasserknappheit).

Die Extremhitze hat aber auch weitreichende Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt. Wenn man mal vom vertrocknenden heimischen Garten absieht, so gibt es beispielsweise in vielen großen Flüssen Temperaturwerte um 30 Grad, die das Leben vieler Fische gefährdet.
In den Meeren rund um Europa gibt es große Anomalien der Wassertemperatur. Im Mittelmeer liegen diese zum Teil bei 7K über den vieljährigen Mittelwerten, was große Auswirkungen auf das Leben in den Meeren hat. Die NOAA beobachtet die Meere weltweit und hat die zweithöchste Stufe bei der „Marine Heat Watch“ für Teile des Mittelmeeres ausgerufen (Marine Heatwave Watch der NOAA).

Aussichten

Nach diesen schweißtreibenden Zahlen bleibt festzuhalten, dass es sich lohnt um jedes Zehntel der Erderwärmung zu kämpfen. Für die kommenden Tage deutet sich ein Ende der derzeitigen Hitzewelle an. In vielen Regionen Deutschlands liegen die Höchstwerte dann unter 30 Grad und auch nachts kann man endlich mal wieder durchlüften.

Bleibt zu hoffen, dass die sicher noch folgenden Hitzephasen im Juli und August nicht ganz so intensiv ausfallen.

Dipl.-Met. Marcus Beyer

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Eine-Hitzewelle-fuer-die-Geschichtsbuecher-–-Eine-erste-vorlaeufige-Bilanz-1.png 864 1302 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-06-28 13:08:502026-07-04 14:21:50Eine Hitzewelle für die Geschichtsbücher – Eine erste vorläufige Bilanz

Hitze, Blitz und Donner!

27. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Seit Tagen ächzt Deutschland unter der andauernden Hitze. Nahezu ungestörter Hochdruckeinfluss hat die Temperaturen kontinuierlich ansteigen lassen, sodass die Hitze jetzt zum Wochenende ihren Höhepunkt erreicht.

Aber schon gestern ist der Temperaturrekord gebrochen worden. Die endgültige Überprüfung steht noch aus, jedoch zeigte die Station Saarbrücken-Burbach eine Höchsttemperatur von 41,3 °C. Der vorherige höchste jemals vermeldete Rekord lag knapp darunter: Die Stationen Duisburg-Baerl und Tönisvorst hatten im Juli 2019 41,2 °C gemessen. Die Modelle haben für heute und Sonntag stellenweise 41 °C prognostiziert und kommen damit dem gerade eben erst erreichten Rekordwert ein weiteres Mal bestürzend nahe!

Also heißt es: Durchhalten! Es stehen uns zwar großflächig Tropennächte bevor, das heißt die nächtliche Temperatur sinkt nicht unter 20 °C. Am Montag sollen die Temperaturen jedoch größtenteils unter 30 Grad sinken. Leider steigt bis dahin die Feuchte und die Schwüle wird sich auch nicht ganz so angenehm anfühlen.

Doch nicht nur Hitze, sondern auch eine zunehmende Gewitter-/Unwettergefahr steht an. Schon heute Nachmittag haben sich einzelne, aber durchaus kräftige Gewitter gebildet. In der heißen Luftmasse steht den Gewittern viel Energie zur Verfügung und wenn es einmal anfängt, kann es ordentlich Krachen und wie aus Kübeln schütten. Potentiell schadensträchtigste Entwicklungen stehen in der heutigen Nacht zum Sonntag im Nordwesten an. Eine offizielle Vorabinformation ist schon herausgegeben. Es soll ein sogenanntes mesoskaliges konvektives System (MCS) von den Niederlanden in nordöstliche Richtung ziehen. Diese hoch organisierte Gewitterstruktur kann auch nachts lange bestehen. Ein ganzes Potpourri an Begleiterscheinungen geht damit einher. Schwere Sturmböen bis 100 km/h können beispielsweise Äste brechen lassen, lokal sind sogar Orkanböen nicht ausgeschlossen. Dazu besteht die Möglichkeit, dass Hagelkörner etwa auf die Größe eines Tischtennisballs anwachsen. Außerdem können kleinräumig auch über 40 l/m² Regen in einer oder wenigen Stunden herunterprasseln.

Was den Sonntag betrifft, so wird auch dieser nicht ruhig. Es geht relativ gemäßigt mit nur einzelnen Gewittern los, am Nachmittag sollen sich aber wieder kräftige Gewitter entwickeln. Dieses Mal steht der Westen im Fokus. Im Laufe der Nacht bis in die Frühstunden des Montags zieht dieser Komplex nach Nordosten. Unwettergefahr besteht dabei erneut, lokal ist mit dem in rauen Mengen anzapfbaren Wasserdampf und der verfügbaren Energie auch extremes Unwetter nicht ausgeschlossen.
Das Wetter hält also noch einiges für uns bereit. Hoffen wir, dass die Gewitter glimpflich verlaufen und die Abkühlung zur nächsten Woche Linderung bringt!

Temperaturaussichten für die nächsten Tage. (Quelle:DWD)

M.Sc. Met.Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Hitze-Blitz-und-Donner.png 924 1886 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-06-27 16:53:262026-07-04 14:21:47Hitze, Blitz und Donner!

Geschichte der Meteorologie – Teil 8: Meteorologie um 1700 und erste meteorologische Messnetze zur Wetterbeobachtung

26. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Im letzten Thema des Tages zur Geschichte der Meteorologie wurden die Entwicklung und Verfeinerung erster meteorologischer Messinstrumente im Zeitalter der Aufklärung beschrieben. Dieser Teil der Serie setzt sich nun mit der Entwicklung der Meteorologie um das Jahr 1700 auseinander.

Im Jahr 1688 begann die 1666 gegründete Französische Akademie der Wissenschaften, systematische Messungen des Luftdrucks, der Temperatur, des Niederschlags und Beobachtungen von Wetterphänomenen zu installieren. Diese Messungen und Beobachtungen wurden im jährlichen Bericht der Akademie veröffentlicht. Ein größeres Messnetz wurde nicht aufgebaut, nennenswerte Messungen liegen aus Dijon und der Umgebung davon vor. Die Idee für eine systematische Aufzeichnung meteorologischer Daten war bemerkenswert.

Der englische Botaniker James Cuninghame (um 1665–1709) führte von Oktober 1698 bis Januar 1699 während einer Expeditionsreise auf der Insel Amoy (heute Xiamen) in China systematische Messungen von Luftdruck, Temperatur und Wind durch und beobachtete andere Wetterphänomene. Diese Daten wurden 1699 im Bericht „Philosophical Transactions“ der Royal Society of England veröffentlicht und stellen nach heutigem Kenntnisstand die ältesten systematischen meteorologischen Messungen in China dar.

Der dänische Astronom Ole Rømer (1644–1710) begann in den frühen 1690er Jahren, die Lufttemperatur zu messen und aufzuzeichnen, um deren Auswirkungen auf seine astronomische Arbeit zu berücksichtigen. Ab 1702 baute er seine eigenen Spiritus-Thermometer. Er entwickelte auch eine Temperaturskala für deren Verwendung, in der der Gefrierpunkt von Wasser bei 7,5 Grad und sein Siedepunkt bei 60 Grad lag. Auf dieser Skala entspräche 0 °Rø den heutigen -22,5 °C. Dies stimmt qualitativ mit den Messungen überein, die Rømer im sehr kalten Winter 1709 mit seiner Waage durchgeführt hat.

Als sich der englische Astronom John Flamsteed (1646–1719) die Funktionsweise eines Barometers nach Art von Torricelli erklären ließ, kam ihm die Idee, dieses Instrument zur Vorhersage des Wetters zu nutzen. In der Folge konstruierte er eigene Barometer. Er stellte fest, dass nach einer Phase mit hohem Luftdruck (d.h. hohem Barometerstand) auf einen Rückgang des Barometerstands innerhalb von ein bis drei Tagen Wind oder Regen folgte, abhängig vom ursprünglichen Quecksilberstand und der Geschwindigkeit der Veränderung.

Der englische Astronom Edmond Halley oder Edmund Halley (1656–1742) interessierte sich auch für Meteorologie und den Erdmagnetismus. Bereits 1678 versuchte Halley, die allgemeine Zirkulation der Luft zu beschreiben, wobei er den Schwerpunkt auf die Passatwinde und die Monsune legte. Beides brachte er mit der ungleichmäßigen Sonneneinstrahlung auf die Erde in Verbindung. Moderne Vorstellungen davon, wie die Verteilung der Sonneneinstrahlung die allgemeine Zirkulation in der Atmosphäre steuert, lassen sich daher auf Halley zurückführen. Im Jahr 1686 stellte Halley erstmals einen mathematischen Zusammenhang zwischen dem Luftdruck und der Höhe über dem Meeresspiegel her. Im selben Jahr zeichnete er eine Karte, die als erste meteorologische Karte gilt. Sie deckt einen großen Teil der Welt ab und die Passatwinde sowie die Monsunwinde sind so dargestellt, dass sie, wie er erklärte, „besser verstanden werden kann als durch jede noch so ausführliche verbale Beschreibung“. In seiner Karte wurden die Winde dadurch symbolisiert, dass „die spitzen Enden der einzelnen Striche auf jenen Teil des Horizonts zeigten, von dem der Wind ständig weht; und dort, wo Monsune herrschen, verlaufen die Strichreihen abwechselnd vorwärts und rückwärts, wodurch sie dichter sind als anderswo.“

Karte der Passatwinde, Edmond Halley, 1686, Quelle: Princeton University Library, Princeton, New Jersey, über Wikimedia Commons

Halley führte im Hauptsitz der Royal Society of London einige Experimente zur Messung der Verdunstung durch und nutzte diese Messungen zusammen mit seinen Schätzungen zum Abfluss der Themse, um den Zufluss der Flüsse ins Mittelmeer und die Verdunstung aus dem Mittelmeer zu berechnen. Dies ist ein sehr frühes Beispiel für eine wissenschaftliche hydrologische Untersuchung. Im Jahr 1700 erkannte Halley, dass Werte der magnetischen Deklination als Konturlinien auf einer Karte dargestellt werden konnten, und erstellte die erste derartige Karte für das Gebiet, das sich von Europa und Afrika westwärts bis nach Amerika erstreckte. Er interessierte sich auch für die Polarlichter und vermutete 1716, dass „die Polarlichter durch ‚magnetische Ausdünstungen‘ verursacht werden, die sich entlang der Magnetfeldlinien der Erde bewegen“. Mit anderen Worten: Er postulierte, dass die Polarlichtvorhänge mit den Projektionen des Erdmagnetfelds in die obere Atmosphäre ausgerichtet sind.

Der Gelehrte Luigi Ferdinando Marsigli (1658–1730) aus der Romagna untersuchte Windmuster, Strömungen und Wasserstandsänderungen am Bosporus. Die Untersuchungen zum Wind stellen die ersten meteorologischen Beobachtungen im Osmanischen Reich dar.

Der Alchemist, Chemiker und Mediziner Georg Ernst Stahl (1659–1734) aus Franken entwickelte die Phlogistontheorie, welche die erste umfassende Theorie in der in der Entstehung begriffenen Wissenschaft der Chemie darstellte. Sie fasste die chemische Umwandlung von Stoffen zusammen, auch wenn letztere noch nicht klar abgegrenzt und unterschieden werden konnten. Aus heutiger Sicht interpretierte sie den Vorgang einer Verbrennung falsch, in dem sie annahm, dass eine hypothetische Substanz, das Phlogiston, bei brennbaren Körpern bei der Verbrennung diesen entweicht und bei Erwärmung in diesen eindringt.

Der Arzt und Naturforscher Johann Jakob Scheuchzer (1672–1733) aus der Alten Eidgenossenschaft interessierte sich für Meteorologie, Astronomie und Mineralogie. Er unternahm zahlreiche Reisen in die Schweizer Alpen, wo er ein Barometer für meteorologische Messungen und Höhenbestimmungen einsetzte. Sein dreibändiges Werk „Helvetiae historia naturalis“ oder „Naturhistorie des Schweitzerlandes“ erschien erstmals in den Jahren 1716 bis 1718 in Zürich. Im ersten Band behandelte er die Schweizer Berge, im zweiten die Schweizer Flüsse, Seen und Mineralbäder und im dritten die Schweizer Mineralogie, Geologie und Meteorologie.

Der Mediziner Johann Kanold (1679–1729) aus Schlesien versuchte ab 1717, ein meteorologisches Messnetz in den deutschen Ländern aufzubauen. Er sammelte von verschiedenen Orten aus den deutschen und anderen Ländern Daten meteorologischer Messungen und veröffentlichte diese in Berichten des Magazins „Breslauer Sammlung“. Dieses Magazin erschien dreimal jährlich bis etwa 1727.

Im Jahr 1723 rief der englische Wissenschaftler und Mediziner James Jurin (1684–1750) in seiner Funktion als Sekretär der Royal Society of England deren Mitglieder, die über die notwendigen Messtechniken verfügten, auf, tägliche Wetterbeobachtungen und meteorologische Messungen durchzuführen. Das Ziel war deren Veröffentlichung einmal pro Jahr im Bericht „Philosophical Transactions“ der Royal Society of England. Nach einem vorgegebenen Schema sollten Temperatur, Luftdruck, Windrichtung, Windgeschwindigkeit, Niederschlagsmenge und Bewölkungszustand täglich einmal erfasst werden. Der Aufruf erfuhr Beliebtheit. Ab 1724 startete das Messnetz der Royal Society of England mit vielen meteorologischen Daten aus England, aber auch aus Uppsala (Schweden), Åbo (damals Schweden; heute Turku, Finnland), Neapel, Rom, und manche aus Indien und Nordamerika. Isaac Greenwood (1702–1745), Mathematiker und Naturphilosoph aus dem nordamerikanischen Neuengland, schlug 1728 vor, solche meteorologische Aufzeichnungen nicht nur auf landbasierte Orte zu beschränken, sondern auch auf Schiffe auszuweiten, um einen größeren meteorologischen und navigationstechnischen Benefit zu erreichen. Damit würde ein größeres Verständnis der Winde und der tropischen Wirbelstürme erzielbar sein.

Der dänische Seefahrer und Marineoffizier Vitus Bering (1681–1741) unternahm im Auftrag von Zar Peter dem Großen (1672–1725) Erkundungsreisen in den Fernen Osten Russlands nach Kamtschatka. Im Rahmen der Zweiten Kamtschatka-Expedition zwischen 1733 und 1743 wurden die ersten echten Wetterbeobachtungen in Russland durchgeführt. Die wissenschaftliche Arbeit der Expedition wurde von der im Vorfeld der Expeditionen gegründeten Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg organisiert, die die Expeditionsleiter anwies, instrumentelle Messungen von Temperatur und Luftdruck sowie qualitative Beobachtungen von Wolken, Gewittern und anderen Naturphänomenen durchzuführen. Im Rahmen der Expedition wurde 1733/1734 ein Netz von etwa zwölf meteorologischen Beobachtungsstationen in ganz Sibirien, von Kasan über Jekaterinburg bis Irkutsk und Jakutsk, eingerichtet. Dieses sibirische Messnetz war bis etwa 1746/1747, in Jakutsk bis 1749, in Betrieb.

Der französische Natur- und Materialforscher René-Antoine Ferchault de Réaumur (1683–1757), Mitglied der französischen Akademie der Wissenschaften, war auf vielen verschiedenen Arbeitsgebieten tätig. Sein Hauptinteresse galt der Erforschung von Insekten. Eines seiner Projekte befasste sich mit dem Zusammenhang zwischen dem Wachstum von Insekten und der Temperatur. Möglicherweise als Ergebnis dieser Arbeit begann er sich für die Temperaturmessung zu interessieren. Er verwendete verdünnten Alkohol in seinem Thermometer und legte den Gefrierpunkt von Wasser als Nullpunkt fest. Er bestimmte den Wert für jedes Réaumur-Grad über Null anhand eines Tausendstels des Volumens der Flüssigkeit im Thermometerkolben und im Rohr unterhalb der Nullgradmarke. Er verwendete in seiner Thermometerflüssigkeit eine Alkoholkonzentration, die bei 80 Grad Réaumur zu sieden begann. Um 1730 wurde ein solches Thermometer als Réaumur-Alkoholthermometer bekannt, und die Skala von 0 bis 80 Grad als Réaumur-Temperaturskala (°Ré, °Re, °Réaumur, °R).

Der britische Jurist George Hadley (1685–1768) war im Herzen Meteorologe. Er wurde 1735 zum Mitglied der Royal Society of London gewählt und übernahm die Verantwortung für den gesamten meteorologischen Schriftverkehr und die Beobachtungen, die an die Gesellschaft gesendet wurden (hauptsächlich aus Großbritannien und Skandinavien). Er analysierte die gemeldeten Luftdruck- und Temperaturwerte und versuchte, daraus allgemeine meteorologische Muster abzuleiten. Hadley interessierte sich für die Passatwinde in den subtropischen Breiten. Diese waren den Seefahrern zwar wohlbekannt, doch ihre physikalischen Ursachen waren nicht verstanden. Bereits 1678 hatte Edmund Halley versucht, die allgemeine Zirkulation der Atmosphäre zu beschreiben, wobei er den Schwerpunkt auf die Passatwinde und die Monsune legte, und diese Zirkulationen mit der unterschiedlichen Sonneneinstrahlung auf der Erde zu verbinden. Hadley führte Halleys Arbeiten weiter und veröffentlichte 1735 im Journal der Gesellschaft, den „Philosophical Transactions“ (Band 39, S. 58–62), eine Monographie mit dem Titel „On the Cause of the General Trade Winds“ (Betreffend die Ursache der Allgemeinen Passat-Winde). Hadley (und Halley) erkannten, dass die starke Sonneneinstrahlung in den äquatorialen Regionen der Erde einen allgemeinen Luftaufstieg verursachen muss, der sich dann in den höheren Schichten ausbreitet und in Richtung der Pole wandert, bevor diese abkühlt und absinkt. Die Rückströmung in den unteren Schichten bildet die Passatwinde. Hadleys entscheidende Erkenntnis bestand darin, dass die Erdrotation dazu führt, dass sich bewegende Objekte auf der Nordhalbkugel nach rechts abdriften, sodass die Rückströmung in Richtung Äquator nicht direkt von Norden nach Süden (auf der Nordhalbkugel) verläuft, sondern nordöstlich. Dieses Muster definiert eine „Zelle“ aus Winden in einem vertikalen Schnitt durch die Atmosphäre; sie ist als Hadley-Zelle bekannt.

Zirkulationsmodell von Hadley, Hadley Zelle, John E. Oliver, Hadley Cell, Encyclopedia of World Climatology. Encyclopedia of Earth Sciences Series. Springer, Dordrecht. https://doi.org/10.1007/1-4020-3266-8_90

Der Physiker und Instrumentenbauer Daniel Gabriel Fahrenheit (1686–1736) aus Danzig interessierte sich bereits in seiner Jugend für Instrumente. Er reiste durch Europa und traf verschiedene Instrumentenbauer und Wissenschaftler. So besuchte er 1708 Rømer in Kopenhagen. Rømer zeigte ihm seine Temperaturskala, die einen oberen Fixpunkt von 22,5 °Rø (die als konstant angenommene Körpertemperatur des Menschen) und einen unteren Fixpunkt von 7,5 °Rø (den Gefrierpunkt von Wasser) hatte. Fahrenheit modifizierte Rømers Skala. Er unterteilte jedes Grad in vier Teile, sodass der untere Fixpunkt bei 30° (4 × 7,5) und der obere Fixpunkt bei 90° (4 × 22,5) lag. Auf dieser Skala liegt der Siedepunkt von Wasser bei 205°. Er verwendete diese modifizierte Römer-Skala bis etwa 1717, als er beschloss, kleine Änderungen an den Fixpunkten vorzunehmen, sodass der Gefrierpunkt von Wasser bei 32 Grad Fahrenheit (°F) und die Körpertemperatur des Menschen bei 96 °F lag. Auf dieser geänderten Skala lag der Siedepunkt von Wasser bei 212 °F. Fahrenheit nahm diese Änderung aus einem ganz praktischen Grund vor. Bei den Fixpunkten 32° und 96° lagen 64 Grad zwischen den beiden, und eine Skala mit 64 Teilstrichen ließ sich leicht zeichnen, indem man das gesamte Intervall durch sukzessive Unterteilungen in zwei gleiche Teile aufteilte, da 64 eine Zweierpotenz ist. Dieses Vorgehen ist nicht möglich, wenn die Fixpunkte bei 30° und 90° liegen. Als er später feststellte, dass die Körpertemperatur des Menschen nicht konstant ist (junge Menschen haben beispielsweise tendenziell eine höhere Körpertemperatur als ältere Menschen), legte Fahrenheit den oberen Fixpunkt einfach neu fest, sodass er dem Siedepunkt von Wasser entsprach, nämlich 212 °F. Der Nullpunkt der Fahrenheit-Skala stellte die damals tiefste Temperatur, die eine Eis-Salz-Kältemischung erzeugen konnte, dar.

Daniel Gabriel Fahrenheit, 17.-18. Jahrhundert, Quelle: BevinKacon über Wikimedia Commons

Der französische Astronom und Kartograph Joseph-Nicolas Delisle (1688–1768) führte wesentliche Arbeiten zur Kartographierung des Russischen Reiches und des Nordpazifiks aus, die Bering für seine Expeditionsreisen nutzte. Bekannt wurde er durch die Konstruktion eines Quecksilberthermometers 1732, für das er den Siedepunkt von Wasser als festen Nullpunkt wählte. Für niedrigere Temperaturen definierte er eine Skala, die auf der Kontraktion von Quecksilber (in Hunderttausendstel) basierte, wobei höhere Werte bei niedrigeren Temperaturen lagen (eine umgekehrte Skala, bei der höhere Zahlen „zunehmende Kälte“ darstellen). Delisles ursprüngliche Skala benötigte 2400 oder 2700 Teilungen, um den kalten Wintern in St. Petersburg, wo er lebte, gerecht zu werden. Im Jahr 1738 führte der württembergische Anatom Josias Weitbrecht (1702–1747) eine Modifikation von Delisles Skala ein: Weitbrecht behielt 0 Grad Delisle (°D) als Siedepunkt von Wasser bei, wies dem Gefrierpunkt jedoch einen Wert von 150 °D zu. Obwohl die Skala nach wie vor umgekehrt war, entsprachen die daraus resultierenden niedrigeren Temperaturwerte eher den anderen Temperaturskalen jener Zeit. Die Delisle-Temperaturskala wurde in Russland fast 100 Jahre lang verwendet.

Die Serie wird fortgesetzt. In kürzerer Zeit werden nun schneller neue Erkenntnisse zur Meteorologie gewonnen. Im nächsten Teil der Serie lesen Sie neue Beiträge zur Meteorologie mit Schwerpunkt um das Jahr 1750.

Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Meteorologie-um-1700-und-erste-meteorologische-Messnetze-1-scaled.jpg 850 2560 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-06-26 13:34:312026-07-04 14:21:43Geschichte der Meteorologie – Teil 8: Meteorologie um 1700 und erste meteorologische Messnetze zur Wetterbeobachtung

Heiß, heißer, HARTMUT!

25. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Seit nunmehr rund einer Woche ächzen weite Teile des Landes unter der anhaltenden Hitzewelle mit täglichen Höchstwerten über 30 Grad. Zunächst war es Hoch GORGIAS, der dann von Hoch HARTMUT nahtlos abgelöst wurde. Unter HARTMUT konnte sich dank günstiger Konfiguration des Strömungsmusters die Hitze noch verstärken, sodass wir ab morgen den eigentlichen Höhepunkt erwarten dürfen. Während der Rahmen grundsätzlich steht, sind Details noch immer unsicher.

Dazu zählt auch die alles entscheidende Frage, ober der Allzeitrekord der Temperatur in Deutschland aus dem Jahre 2019 (41,2°C in Tönisvorst und Duisburg) gebrochen werden kann. Anhand der vorliegenden Modelle ist davon – so viel vorweg – begründet auszugehen.

Hoch HARTMUT führt seit Tagen warme bis heiße Luftmassen nach Deutschland, wobei sich diese Strömung in den kommenden Tagen noch etwas verstärkt und die Luftmasse immer weiter aufgeheizt wird.

Am heutigen Donnerstag sind es noch rund 35 bis lokal im Südwesten 39 Grad, womit zumindest der Juni-Rekord (39,6 Grad) für Deutschland schon mal ins Visier genommen. Spätestens am morgigen Freitag wird es dann soweit sein: Vom Oberrhein bis ins Rhein-Main-Gebiet rund um Frankfurt werden rund 40 Grad berechnet, eine einzelne 41 ist durchaus im Rahmen des Möglichen.

Bereits am morgigen Freitag sind 40 Grad (und mehr) vom Oberrhein bis nach Frankfurt realistisch und werden von allen Modellen so gesehen.

Am Samstag steht für viele ein erster Höhepunkt an, wenn sich die Hitzeglocke von HARTMUT genau über uns legt. Zwar sind nachmittags ein paar Quellwolken, im Westen vielleicht auch Hitzegewitter, zu erwarten, dennoch wird es regional für 40-41 Grad reichen, sodass der deutsche Allzeitrekord in Reichweite kommt.

Am Samstag sind nach aktuellem Stand im Südwesten regional 40 bis 41 Grad zu erwarten, auch das stützen alle dargestellten Modelle.

Am Sonntag wird es möglicherweise noch spannender aus klimatologischer Sicht, denn zumindest nach dem Willen der deutschen Modellkette (ICON) verstärkt sich die Hitze im Osten des Landes weiter, sodass im Ergebnis auf der Karte des Modells 42, lokal gerundet sogar 43 (!) Grad abgelesen werden können. Der Mix aus statistischen Berechnungen verschiedener Modelle (MOSMIX) belässt es dagegen bei 41 Grad. Es sieht aber auch ein schnelleres Vorankommen von Schauern, Gewittern und „kühlerer“ Luft aus dem Westen, während ICON die Gewitter erst später nach Osten driften lässt. Dies würde eine maximale Einstrahlung bei einer eh schon enorm warmen bis heißen Luftmasse zulassen.

Am Sonntag gehen die Modelle ein Stück weit auseinander: Während in den Prognosen der deutschen Modellkette sogar 43 (!) Grad zu finden sind, wäre nach dem Willen von MOSMIX und dem MOS des ECMWF bei 41 Grad Schluss. Hier muss noch abgewartet werden, was genau passiert.

Ob der deutsche Allzeitrekord der Temperatur am Wochenende fällt, ist noch nicht sicher und hängt auch von möglichen Abschirmungen, etwa durch etwas Saharastaub oder Deckbewölkung von Schauern/Gewittern ab. Näher dran als zurzeit war man aber an einem neuen Rekord selten.
Noch ein letzter Absatz zu den möglichen Gewittern: Diese Luftmasse ist nicht nur enorm heiß, sondern sie lässt auch beim Blick auf die Energiewerte kaum Spielraum nach Oben, sprich es ist nahe am Anschlag. Das bedeutet vor allem ab Samstag im Westen/Nordwesten, ab Sonntag dann über der Mitte und später auch in den restlichen Landesteilen ein großes Unwetterpotential, wobei jede Gewitterzelle rasch eskalieren könnte. Die Details sind hier aber noch nicht geklärt und so müssen wir bis morgen oder Samstag abwarten.
Behalten Sie bitte einen kühlen Kopf und kommen Sie gut durch diese anstrengenden Tage!

M.Sc.Met. Oliver Reuter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Hitzewelle-Temperaturrekord-Unwettergefahr-1.gif 910 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-06-25 16:03:072026-07-04 14:21:38Heiß, heißer, HARTMUT!

Nur noch 6 Monate

24. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Zum Wetter und zur aktuellen Hitze gab es in den letzten Tagen ausreichend Informationen. Daher hier nur kurz die Zusammenfassung: Es ist sehr heiß und meist auch trocken. Erst zum Ende der Woche wird es wieder etwas feuchter und Gewitter wahrscheinlicher, dann direkt auch mit Unwetterpotential. Meiden Sie die Hitze und die Sonne. Hören Sie auf sich und Ihren Körper und lassen Sie es ruhig angehen.

Um sich vom Wetter abzulenken, gibt es etliche Ideen für die Bespaßung in Innenräumen: zum Beispiel Lesen, Spielen, Rätseln, Basteln, Aufräumen und vieles mehr. Einige dieser Ideen vertreiben nicht nur die Zeit, sie sind auch Investitionen in die Zukunft. Auch wenn es bei 35 Grad und Sonnenschein nicht allen sofort ins Gedächtnis springt: In 6 Monaten ist Heiligabend! Haben Sie schon an Geschenke gedacht?

Beim Aufräumen findet sich so mancher Schatz. Zu schade zum Wegwerfen? Es freut sich vielleicht jemand anderes. Mit etwas Deko kann man aus vielen alten Sachen wahre Hingucker zaubern. Unikate für Freunde und Familie unter dem Weihnachtsbaum. Oder der Reißer beim nächsten Hofflohmarkt. Die Optionen sind so vielfältig, wie die Anzahl der Tage bis zum beliebtesten Fest/Feiertag der Deutschen.

Wer die Zeit jetzt nutzt, kann sich eine Menge Stress zum Ende des Jahres sparen. Und wenn man schon am Basteln ist, warum nicht gleich was für Oma, Opa oder Tante? Wie wäre es mit einem hübschen Kaffeebecher, einem Stiftehalter oder Schlüsselanhänger? Man kann einige Dinge auch auf Vorrat basteln und bei Gelegenheit hervorzaubern. Kleine Geschenke erhalten ja bekanntlich die Freundschaft.

Und wenn Sie noch nicht an Weihnachten denken möchten, dann basteln Sie sich und/oder Ihren Lieben doch einfach einen Fächer. Der macht direkt im Anschluss Freude, wenn Sie sich den Schweiß nach getaner Bastelei von der Stirn wedeln.

Diplom-Meteorologin Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-06-24 15:55:232026-07-04 14:21:31Nur noch 6 Monate

Sechsunddreißig Grad und es wird noch heißer

23. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von Ana

Hochdruck und Hitze – beides scheint kein Ende nehmen zu wollen. Und so richtig, soviel sei schon vorab verraten, nehmen sie erst einmal kein Ende. Im Gegenteil: Wer dachte, dass der größte Teil der aktuellen Hitzewelle überstanden sei, für den haben wir heute leider schlechte Nachrichten im Gepäck. Denn der heftigste Teil steht uns jetzt erst in der zweiten Wochenhälfte bevor.

ICON-Prognose für Samstag, 27. Juni 2026. Links: Druckverteilung am Boden (weiß) und in 500 hPa (schwarz), Äquivalentpotentielle Temperatur (farbig) zur Kennzeichnung der Luftmassencharakteristik. Rechts: Temperaturverteilung in 850 hPa (farbig, etwa 1500 m Höhe).

Verantwortlich für die Wetterlage ist ein riesiges Hochdruckgebiet über Westeuropa. Es hat die Frontalzone weit nach Skandinavien verschoben und blockiert bei uns sämtliche Tiefdruckaktivität. Stattdessen konnte sich eine gewaltige Hitzeglocke aufbauen, deren Kern nun in den Folgetagen zu uns nach Deutschland gelangt. Was das bedeutet, kann man sich sicherlich denken: Mit den Temperaturen geht es nochmal deutlich nach oben.

Bereits am morgigen Mittwoch klettern die Werte auf bis zu 38°C an Rhein und Mosel. Auch rundherum, quasi vom Niederrhein bis nach Franken, geht’s verbreitet auf 36 bis 37°C hoch. Nicht ganz so heftig wird es in der Nordosthälfte bei 30 bis 35°C. Nur an der Küste lässt es noch aushalten, dort werden bis 28°C erreicht.

Am Donnerstag wird dann die nächste Stufe gezündet. Dann steigen die Höchstwerte in den bereits vorher schon heißesten Regionen hoch auf bis zu 39°C. Auch im Osten überschreiten die Tageshöchstwerte mehr und mehr die Marke von 35°C, an der Donau auch schon hoch bis auf 37°C.

Am kommenden Freitag geht es anschließend richtig rund. Dann werden wir vermutlich die ersten Werte oberhalb der 40°C-Marke zu Gesicht bekommen. Auch diesmal im Fokus: Rheinland, Oberrheintal, Mosel und voraussichtlich auch das Rhein-Main-Gebiet. Für den Samstag zeigt sich ein ähnliches Bild, wobei sich dann die Hitze noch flächiger ausweitet und eventuell auch in Ostdeutschland die Marke von 40°C geknackt wird. Ganz sicher ist das aber noch nicht.

MOSMIX-Prognose der Höchsttemperaturen von Mittwoch, 24. Juni 2026 bis Samstag, 27. Juni 2026.

Neben den teils bizarr anmutenden Tagesmaxima bereiten aber auch die Nachttemperaturen zunehmend Kummer. Die Luftmasse bleibt weiterhin ausgesprochen feucht, sodass es kaum noch nennenswert auskühlt. Mit der andauernden Erhitzung nimmt somit die Wahrscheinlichkeit für tropische Nächte mit Tiefstwerten von mehr als 20°C immer weiter zu. Sind davon zunächst nur große Ballungsräume betroffen (z.B. Rhein-Main-Gebiet, Ruhrgebiet, Berlin), so betrifft dies bis zum Wochenende zunehmend auch ländliche Gebiete.

Linderung ist nicht wirklich in Sicht. Mindestens noch die gesamte Woche werden wir mit der Hitze zu kämpfen haben. Zu Beginn der kommenden Woche deutet sich leichte Abkühlung an, die in erster Linie aber wohl nur den Nordwesten zu erreichen scheint. Ansonsten sind wenigstens gebietsweise auch weiterhin Temperaturen von über 30°C angesagt.

M.Sc.-Met. Felix Dietzsch
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Sechsunddreissig-Grad-und-es-wird-noch-heisser-1.png 467 1257 Ana https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png Ana2026-06-23 12:48:362026-07-04 12:54:56Sechsunddreißig Grad und es wird noch heißer

Sommer, Sonne, Hitze

22. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Am Vormittag des gestrigen Sonntags (21.06.2026) war auf der Nordhalbkugel astronomischer Sommeranfang. Dabei steht die Sonne über dem nördlichen Wendekreis (circa 23 Grad Nord) im Zenit. Der astronomische Sommeranfang ist dementsprechend der längste Tag, gleichzeitig ist die Nacht am kürzesten.

Meteorologisch gesehen ist bereits seit dem 01. Juni Sommer. Dies hat statistische Gründe. Auswertungen von Jahreszeiten bezüglich Temperatur, Niederschlagsmenge usw. sind einfacher zu erstellen, wenn man hierfür komplette Monate betrachtet, als Beispiel für den Sommer die Monate Juni, Juli und August. Würde man sich hierbei auf die astronomischen Daten beziehen, so müsste man den jährlich variablen Anfang und das variable Ende der Jahreszeiten beachten, was jede Auswertung unnötig kompliziert machen würde.

Phänologisch beginnt der Frühsommer mit der Blüte des Holunders, was in diesem Jahr am 20. Mai (vieljähriges Mittel: 25. Mai) der Fall war. Seit dem 13. Juni (vieljähriges Mittel: 17. Juni) befinden wir uns nun im Hochsommer, wobei der Beginn mit der Blüte der Sommer-Linde einhergeht. Statistisch gesehen begann somit sowohl der Früh- als auch der Hochsommer wenige Tage früher als im vieljährigen Mittel.

Phänologische Uhr mit Beginn und Dauer der phänologischen Jahreszeiten, vieljähriges Mittel und aktuelles Jahr 2026 im Vergleich

Und wie präsentiert sich das Wetter in der neuen Woche? Lautet das Motto weiterhin „Sommer, Sonne, Hitze“? Diese Frage lässt sich zusammengefasst ohne längere Ausführungen definitiv bejahen.

Im Süden und in weiten Teilen der Mitte werden am heutigen Montag Höchsttemperaturen von heißen 30 bis 37 Grad erwartet. Diese Luft fühlt sich aber nicht nur heiß, sondern auch recht feucht und damit schwül an. In diesen Regionen besteht somit eine starke, im Südwesten sogar eine extreme Wärmebelastung. Dies liegt auch daran, dass die nächtliche Abkühlung die Temperaturen dort oft nicht oder nur wenig unter die 20-Grad-Marke drückt. Das kann für den Körper belastend sein, da er dann auch nachts nicht wirklich zur Ruhe kommen kann.

Diese energiereiche Luft birgt zudem das Potential für einzelne kräftige Schauer und Gewitter. Lokal besteht dabei Unwettergefahr aufgrund von heftigem Starkregen, Hagel kann ebenfalls mit von der Partie sein.

Im Norden und Osten Deutschlands merkt man davon erst einmal nichts. Am Rande von Hoch HARTMUT mit Zentrum über der Nordsee ist etwas „kühlere“ und zudem trockenere Luft eingeflossen. Bei durchaus annehmbaren Höchsttemperaturen von 23 bis 30 Grad scheint vielerorts länger die Sonne. Nachts gehen die Temperaturen zudem zurück auf Werte zwischen 16 und 12 Grad, im äußersten Norden und Nordosten sogar auf bis zu 9 Grad.

Wettervorhersage sowie Vorhersage der Tageshöchsttemperaturen in Deutschland am heutigen Montag, den 22.06.2026

Am morgigen Dienstag ändert sich an alldem vorerst nichts. Im Süden und in weiten Teilen der Mitte sind Höchsttemperaturen von schwülheißen 30 bis 37 Grad zu erwarten. Das Gewitterpotential sollte sich aber meist auf den äußersten Süden und Südosten sowie auf das Bergland beschränken. Im Norden und Osten Deutschlands kann der Sommer bei Höchsttemperaturen von 24 bis 30 Grad weiterhin genossen werden.

Wettervorhersage sowie Vorhersage der Tageshöchsttemperaturen in Deutschland am morgigen Dienstag, den 23.06.2026

Ab Mitte der Woche dehnt sich die Hitze wieder auf den Norden aus. Zudem werden im Südwesten Höchsttemperaturen von bis zu 39 Grad erwartet, lokal könnte es für knapp 40 Grad reichen, was allerdings noch unsicher ist und daher abgewartet werden muss. Auch an den darauffolgenden Tagen deutet sich erst einmal keine Abkühlung an.

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/06/Sommer-Sonne-Hitze-1.png 1400 1800 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-06-22 14:43:072026-07-04 14:21:21Sommer, Sonne, Hitze

Von Sonnenstand und Höchsttemperatur

21. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Hitze ist derzeit eines der Themen, wenn nicht sogar das bestimmende Thema beim Wetter in Deutschland. Heute und am morgigen Montag sind dabei vor allem die Mitte und der Süden betroffen mit Spitzenwerten von bis zu 37 Grad (vielleicht sogar 38 Grad) im Südwesten. Ab Mitte der Woche überschreitet wahrscheinlich auch der Norden wieder verbreitet die 30-Grad-Marke, während man im Südwesten lokal wohl sogar die 40 Grad anpeilt.

Immer wieder hört und liest man bei dieser Thematik von der sogenannten „Mittagshitze“, die man auch zurecht meiden sollte, wenn es irgendwie geht. Mit Blick auf den Tagesgang der Temperatur stellt man allerdings fest, dass die größte Hitze, also die Höchsttemperatur in unseren Breiten im Sommer tatsächlich meist erst im Laufe des Nachmittags, teilweise auch erst am frühen Abend erreicht wird. Der Spitzenreiter am vergangenen Freitag in Sachen Temperatur, Saarbrücken-Burbach, meldete seinen Höchstwert mit 37,5 Grad um 15.50 Uhr. Erst eine Stunde später, um 16.50 Uhr verzeichnete Kitzingen seinen Spitzenwert von 37,3 Grad und in Kahl am Main wurde das Ende des Temperaturanstiegs bei 36,2 Grad sogar erst um 18.20 Uhr erreicht. Aber ist Ihnen schon einmal der Begriff „Abendhitze“ über den Weg gelaufen? Wahrscheinlich eher nicht. „Mittagshitze“ ist dagegen ein gängiger Begriff. Was hat es damit denn nun auf sich?

Veranschaulichen wir den Tagesgang der Temperatur anhand einer Badewanne: Bei geöffnetem Abfluss drehen wir den Wasserhahn nun ein kleines Stück auf. Die Folge: Das Wasser fließt direkt über den Abfluss wieder ab. An eine Füllung der Wanne ist bei diesem Rinnsal nicht zu denken. Das ist in etwa gleichzusetzen mit den ersten einfallenden Sonnenstrahlen am Morgen. Drehen wir den Hahn nun langsam weiter auf, stellen wir fest, dass das Wasser allmählich anfängt zu steigen (entspricht dem Vormittagsverlauf). Zur Mittagszeit ist der Hahn voll aufgedreht und das Wasser (respektive die Sonneneinstrahlung bzw. die Lufttemperatur) steigt stark an.

Im Anschluss wird der Hahn nun langsam wieder zugedreht, es fließt aber zunächst immer noch mehr Wasser von oben nach, als unten abfließt – das Wasser (also die Lufttemperatur) steigt demnach immer noch, wenngleich nicht mehr so schnell (entspricht dem Nachmittagsverlauf). Erst im Laufe des Abends wird der Punkt erreicht, an dem das nicht mehr der Fall ist – der höchste Wasserstand bzw. die Höchsttemperatur ist erreicht. Es fließt nun wieder mehr Wasser ab als von oben nachkommt und der Wasserstand sinkt. Auf die Luft übertragen, reicht die Einstrahlung der immer tiefer stehenden Sonne nicht mehr aus, um es mit der Abkühlung der Luft aufnehmen zu können.

Und wie ist das jetzt mit der Mittagshitze, wenn es doch abends noch heißer ist? Die betrachteten Temperaturwerte werden im Schatten gemessen. Dort ist es mittags also noch kühler als abends. Befindet man sich in der Sonne, sieht das Ganze anders aus. Zur Mittagszeit steht sie in unseren Breiten am steilsten am Himmel (was in Deutschland genaugenommen etwa zwischen 13.00 Uhr und 13.30 Uhr der Fall ist). In der Folge ist dann ihre Einstrahlung am stärksten, was für den Körper unter Umständen durchaus gefährlich werden kann. Abends fällt die Sonnenstrahlung dagegen deutlich flacher ein und ist dadurch auch spürbar schwächer.

Die Mittagshitze bezieht sich also auf den Aufenthalt in der prallen Sonne, die abendliche Höchsttemperatur auf die gemessenen Werte im Schatten. Beide schließen sich also nicht aus, ganz im Gegenteil.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-06-21 14:41:122026-06-21 19:53:54Von Sonnenstand und Höchsttemperatur

Mitternachtsdämmerung

20. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Als Dämmerung bezeichnet man die Zeit vor Sonnenaufgang bzw. nach Sonnenuntergang. In dieser Zeit steht die Sonne bereits unter dem Horizont, ihr Licht ist jedoch durch Streuung in der Atmosphäre noch sichtbar. Die Dämmerung bildet somit den Übergang zwischen Tag und Nacht.

Dabei werden drei Dämmerungsphasen unterschieden. Unmittelbar nach Sonnenuntergang beginnt die bürgerliche Dämmerung. Während dieser Phase nimmt die Helligkeit allmählich ab, bis die ersten hellen Sterne und Planeten sichtbar werden. Sie endet, wenn die Sonne etwa 6 ° unter dem Horizont steht.

Anschließend folgt die nautische Dämmerung. In dieser Phase werden zunehmend schwächere Sterne sichtbar. Sie endet, sobald die Sonne 12 ° unter dem Horizont steht.

Es folgt die astronomische Dämmerung, die endet, wenn die Sonne einen Stand von 18 ° unter dem Horizont erreicht hat. Erst danach beginnt aus astronomischer Sicht die vollständige Nacht.

Rund um die Sommersonnenwende am 21. Juni sind die Dämmerungsphasen auf der Nordhalbkugel besonders lang. Ursache ist die flache Bahn, auf der die Sonne den Horizont schneidet. Dadurch sinkt sie vergleichsweise langsam unter den Horizont, sodass der Übergang von Tag zu Nacht deutlich mehr Zeit in Anspruch nimmt als zu anderen Jahreszeiten. Die kürzesten Dämmerungszeiten treten dagegen in der Nähe der Tagundnachtgleichen im März und September auf.

Weiter nördlich werden die Nächte sogar noch heller. Nördlich des 61. Breitengrads sinkt die Sonne während der Nacht nicht tiefer als 6 ° unter den Horizont. Die bürgerliche Dämmerung endet dort somit überhaupt nicht mehr. Solche Nächte werden als „Weiße Nächte” bezeichnet. Besonders bekannt sind die Weißen Nächte von St. Petersburg. In Deutschland kann dieses Phänomen lediglich ansatzweise auf einigen Nordseeinseln sowie im äußersten Norden Schleswig-Holsteins beobachtet werden.

Grafik „Mitternachtsdämmerung Europa“ von Aeroid, via Wikimedia Commons (wikipedia.org), lizenziert unter CC BY-SA 4.0 (creativecommons.org).

Der Zeitpunkt von Sonnenauf- und Sonnenuntergang sowie der Dämmerung hängt nicht nur von der geografischen Breite, sondern auch von der geografischen Länge ab. So wird es am östlichen Rand Deutschlands mehr als eine halbe Stunde früher dunkel als am westlichen.

Darüber hinaus wird die Intensität der Dämmerung von der Zusammensetzung der Atmosphäre beeinflusst. Insbesondere Aerosole wie Staubpartikel, Rauch oder Vulkanasche in höheren Luftschichten können die Lichtstreuung verstärken und dadurch besonders intensive oder farbenprächtige Dämmerungserscheinungen hervorrufen.

Mitternachtsdämmerung mit Leuchtenden Nachtwolken über Offenbach.

Diplom-Meteorologe Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/06/Mitternachtsdaemmerung-2.png 1095 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-06-20 15:26:262026-06-21 19:53:51Mitternachtsdämmerung

Große Hitze und auch schwere Gewitter?

19. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Bereits am gestrigen Donnerstag sorgte Hoch GORGIAS für viel Sonnenschein. Gleichzeitig strömte auf der Rückseite des Hochs sehr heiße und feuchte Luft nach Deutschland. Damit stiegen die Temperaturen von Südwesten her deutlich an. Vielerorts wurde die Hitzetagmarke von 30 Grad überschritten. In den Niederungen im Südwesten wurden örtlich sogar um 35 Grad gemessen. Bei einem Aufenthalt im Freien fühlte sich die heiße Luftmasse aber noch wärmer an. Grund dafür war die hohe Luftfeuchtigkeit. Dies zeigt sich sehr gut an den hohen Taupunkten.

Trotzdem bildeten sich gestern in der schwülheißen Luftmasse aber kaum Schauer und Gewitter aus. Grund dafür war ein Höhenrücken, welcher sich bis nach Mitteleuropa erstreckte. Damit war die Troposphäre in mittleren Schichten recht stabil geschichtet. Somit konnten sich ohne kräftigen Hebungsimpuls keine Gewitter ausbilden.

Heute verlagert sich der Höhenrücken samt Bodenhoch etwas nach Osten. Dadurch wird die Luftmasse hauptsächlich nach Westen hin stärker labilisiert. Somit kam es bereits in der vergangenen Nacht im Nordwesten zu ersten teils kräftigen Gewittern. Heute im Tagesverlauf bilden diese sich vornehmlich über dem Bergland. Dabei kommt es in der sehr energiereichen Luftmasse lokal zu heftigem Starkregen, Hagel und Sturmböen. Größtenteils reicht es aber heute tagsüber nicht für Gewitter aus, da ein stärkerer synoptischer Hebungsimpuls fehlt. Da die Windscherung weitgehend nur gering ist, sind diese Gewitter überwiegend unorganisiert.

Vorhersagekarte mit Frontensystemen und Druckgebilden für Freitag, den 19.06.2026 um 12 UTC. Hoch GORGIAS verlagert seinen Schwerpunkt nach Osten. Gleichzeitig erreichen schwach ausgeprägte Tiefdruckgebiete den Nordwesten und sorgen teils für Schauer und kräftige Gewitter mit Unwettergefahr!

Am Abend verlagern sich voraussichtlich von den Niederlanden kräftige Gewitter in den Nordwesten Deutschlands. Diese werden auf der Vorderseite eines Randtroges ausgelöst, welcher über die Nordsee nach Nordosten schwenkt. Dabei sind aufgrund von stärkerer Windscherung neben heftigem Starkregen auch größerer Hagel und schwere Sturmböen um 100 km/h (Bft 10) möglich. Es besteht Unwettergefahr!

Am Samstag liegt eine schwach ausgeprägte Tiefdruckrinne über dem Land. Diese ist durch lokale Windkonvergenzen gekennzeichnet. Dort kommt es durch zusammenströmende Luftmassen bereits am Vormittag zur Ausbildung von Schauern und Gewittern. Im Tagesverlauf verlagert sich deren Schwerpunkt nach Osten. Dabei besteht erneut Unwettergefahr durch heftigen Starkregen und Hagel mit größeren Hagelansammlungen. Zudem treten in Verbindung mit den Gewittern örtlich Sturmböen auf. Von Westen setzt sich im Tagesverlauf eine neues Bodenhoch durch, sodass die Schauer- und Gewitteraktivität gehemmt wird. Lediglich über dem Bergland sind einzelne lokal eng begrenzte Entwicklungen möglich.

Zutaten für Gewitter, sowie das signifikante Wetter für Samstag, den 20.06.2026 um 15 UTC. Hohe Feuchtewerte, hohe Labilität und geringe Windscherung, sowie fehlender starker Hebungsantrieb sorgen für meist isolierte Gewitter. Nur im Osten treten diese etwas häufiger auf.

Im Laufe des Samstages erreicht zudem eine Kaltfront den Norden des Landes. Dadurch nimmt bis Sonntag die Wärmebelastung im Norden deutlich ab. Im Süden und in der Mitte bleibt uns allerdings die schwülheiße Luftmasse erhalten. Dazu kommt es dort am Sonntag und Montag vor allem im Grenzbereich zur kühleren Luft zu weiteren Schauern und teils kräftigen Gewittern. Dabei besteht weiterhin Unwettergefahr! Im Süden brodelt es vornehmlich über dem Bergland. Dort verstärkt sich voraussichtlich die Hitze zu Wochenbeginn noch etwas. Dann sind sogar rekordverdächtige Spitzenwerte um 40 Grad nicht ausgeschlossen. Somit ist ein deutschlandweiter Hitzerekord für den Monat Juni möglich. Gleichzeitig nehmen aber auch die Unsicherheiten deutlich zu.

Prognostizierte Wetterlage der verschiedenen Vorhersagemodelle am kommenden Montag um 12 UTC. Das Vordringen der kühleren Luft von Norden wird noch unterschiedlich berechnet. Gleichzeitig deutet sich ein neuer Schwall sehr heißer Luft aus Südwesten an.

Aber auch wenn kein deutschlandweiter Hitzerekord erreicht werden sollte, steht eines fest: Die anhaltende Hitze wird die Menschen in der Südhälfte noch längere Zeit beschäftigen!

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/06/Grosse-Hitze-und-auch-schwere-Gewitter-4.png 911 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-06-19 16:12:562026-06-21 19:53:48Große Hitze und auch schwere Gewitter?
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