Die Vegetationsbrandgefahr im Frühjahr

„F1 – Brennt Bahndamm“ hieß es für die Feuerwehren im Haunetal bei Bad Hersfeld in Hessen am vergangenen Freitag in einer Alarmmeldung in den Mittagsstunden. Beim Eintreffen der ersten Einsatzkräfte zeigte sich, dass nicht nur der Bahndamm sondern auch anliegendes Gestrüpp und größere Feld-/Wiesenabschnitte in Brand geraten waren. Während die Brandursache erst einmal im Unklaren blieb, kam vor allem die Frage auf, wie sich ein Vegetationsbrand so früh im Jahr bereits so groß ausdehnen konnte, denn eigentlich dachte man, dass „so etwas nur im Sommer“ passieren könne.

Die Vegetationsbrandgefahr im Fruehjahr 1

Vor allem im Frühjahr gibt es zunächst wenig frisches Grün, weshalb altes, trockenes gras sehr feueranfällig werden kann – bei passender Witterung.

Hier muss jedoch genauer auf den aktuellen Bewuchs geschaut werden: Während es draußen schon langsam wärmer und vor allem trockener wurde, hat die Natur gerade erst mit dem Austrieb begonnen und noch befindet sich viel altes, abgestorbenes Gras und sonstiges organisches Material in der Natur, das nur sehr zögerlich von frischem Grün ersetzt wird.

Gibt es nun, wie in den vergangenen Wochen häufig zu beobachten gewesen, kaum Niederschlag, so trocknet dieses abgestorbene Gras immer weiter aus. Dies bietet nahezu ideale Voraussetzungen für ausgedehnte Vegetationsbrände, sollte es eine externe Zündquelle geben. Diese kann natürlich ein technischer Defekt, etwa an einem Zug, eine achtlos weggeworfene Zigarette oder natürlich auch Vorsatz sein.

Generell neigen Vegetationsbrände vor allem im März immer häufiger dazu, sich schnell auf größere Flächen auszudehnen, da in der Vergangenheit vermehrt ein zu trockenes Frühjahr verzeichnet wurde und somit große Flächen trockenen Grases oder Gestrüpps vorhanden waren. Zwar sind die Flammenlängen dann meistens nicht so groß wie bei ausgedehnten Waldbränden im Sommer, nichtsdestotrotz erfordert es ein rasches Eingreifen von Feuerwehrkräften, um ein weiteres Ausbreiten zu verhindern. Dies gelang den Einsatzkräften im Haunetal glücklicherweise rasch, sodass größerer Schaden ausblieb.

Mit Blick auf die Vegetationsbrandgefährdung in den kommenden Tagen zeigt sich, dass sowohl der Graslandfeuerindex, als auch der Waldbrandgefahrenindex steigen und eine erhöhte Feuergefahr vorhersagen. Wichtig hierbei ist, dass es aber erst einer Zündquelle bedarf und dann lediglich das Brandpotential abgeschätzt wird.

Die Vegetationsbrandgefahr im Fruehjahr 2

Der Waldbrandgefahrenindex des DWD steigt in den kommenden Tagen noch deutlich an und erreicht ab Dienstag regional die zweithöchste Warnstufe. Erst ab Donnerstag ist die Gefahr erstmal gebannt.

Aufgrund der anhaltenden Hochdruckwitterung bleibt es weiterhin trocken, was das Brandrisiko weiter erhöht und den Waldbrandindex am Dienstag und teils noch am Mittwoch bis auf die Stufe 4 von 5 ansteigen lässt, womit eine hohe Waldbrandgefahr besteht. Auch der Graslandfeuerindex erreicht am Mittwoch regional die Stufe 4 von 5 und somit eine hohe Gefahr für Brände und deren (rasche) Ausbreitung.

Die Vegetationsbrandgefahr im Fruehjahr 3

Der Graslandfeuerindex zeigt ebenso wie der Waldbrandindex ein ansteigendes Feuerrisiko, das erst zum Donnerstag wieder absinkt.

Erst mit dem Wetterumschwung ab Mittwoch/Donnerstag sinkt die Vegetationsbrandgefahr durch aufkommende Regenfälle rasch ab. Später im Frühjahr mit Austreiben von neuem Gras und der restlichen Vegetation sollte die Brandgefahr an sich wieder sinken, sofern es nicht komplett trocken bleibt.
Wie sich das Vegetationsbrandrisiko dann im Sommer 2026 verhält, ist heute noch nicht abzusehen.

M.Sc. Meteorologe Oliver Reuter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.03.2026
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Geografie und Topografie

In Deutschland gibt es unzählige Gebirgszüge und einige davon spielen für die tägliche Wettervorhersage eine maßgebliche Rolle. Oftmals ist die Rede von Sturm oder Schnee im Bergland und im Sommer entstehen auch Gewitter oftmals im Umfeld von Gebirgszügen. Besonders wichtig ist es auch im Flugwetter die Höhenzüge und ihre vertikale Erstreckung zu kennen. Beispielsweis gibt es in Deutschland verschiedene GAFOR-Gebiete (General Aviation Forecast), die genutzt werden, um Sichtflugbedingungen darzustellen. Und genau diese Gebiete werden einer Bezugshöhe zugeordnet auf deren Basis die Vorhersage mittels einer codierten Form erfolgt. Beispielsweise wird für das GAFOR-Gebiet Schwarzwald eine Bezugshöhe von 4000 FT (ca. 1200 m) angenommen, während es für das Havelland 300 FT (ca. 100 m) sind. Weitere Infos zu GAFOR Gebieten finden sich unter: https://www.dwd.de/DE/fachnutzer/luftfahrt/teaser/gafor_test/luftsportberichte_mit_bild.html.

Nun wollen wir aber zum Quiz kommen. Natürlich könnten gewisse Hilfsmittel verwendet werden, aber viel mehr Spaß macht das Quiz doch dann, wenn die grauen Zellen aktiviert werden. Am Ende ergibt sich aus den Anfangsbuchstaben ein Lösungswort.

Frage 1:

Nun nehmen wir in der ersten Frage mal an, dass Sie von Köln auf direktem Weg nach Leipzig fliegen. Welche Höhenzüge werden dabei unter anderem überquert?

  1. S) Hunsrück, Odenwald, Rhön, Thüringer Wald
    F) Bergisches Land, Siegerland, Nordhessisches Bergland
    R) Teutoburger Wald, Harz, Erzgebirge

Frage 2:

Wie heißt die höchste Erhebung im Hunsrück?

  1. r) Erbeskopf
    o) Feldberg
    e) Fichtelberg

Frage 3:

Der Fichtelberg gehört zu welchem Mittelgebirge?

  1. n) Fichtelgebirge
    ü) Erzgebirge
    g) Thüringer Wald

Frage 4):

In welchem Bundesland befindet sich das höchste Mittelgebirge Deutschlands?

  1. n) Sachsen- Anhalt
    e) Bayern
    h) Baden-Württemberg

Frage 5):

Wie hoch ist der Brocken?

  1. l) 1142 m üNN
    n) 1426 m üNN
    e) 925 m üNN

Frage 6):

Nun wollen Sie von Marburg nach Schwäbisch Hall fliegen. Dabei befindet sich die Unterkante der Hochnebeldecke in etwa 500 m üNN. Welche Flugroute bietet sich daher an, damit Sie nicht in die Wolkendecke fliegen und ist die kürzeste?

  1. t) Marburg, Gießener Becken, Rhein-Main-Gebiet, Odenwald, Bauland, Hohenloher Ebene, Schwäbisch Hall
    i) Marburg, Wetterau, Rhein-Main-Gebiet, entlang des Mains, Bauland, Hohenloher Ebene, Schwäbisch Hall
    s) Marburg, Wetterau, Rhein-Main-Gebiet, Bergstraße, Kraichgau, Hohenloher Ebene, Schwäbisch Hall

Frage 7):

In welchen Bundesländern liegt der Fläming?

  1. a) Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen
    n) Brandenburg und Sachsen-Anhalt
    c) Rheinland-Pfalz und Saarland

Frage 8):

Wie hoch sind die höchsten Erhebungen in Schleswig-Holstein?

  1. e) 50-80 m üNN
    h) 80-120 m üNN
    g) 120-170 m üNN

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.03.2026
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Hitzewelle in den USA erreicht vorläufigen Höhepunkt

In unserer Tagesrubrik, exakt an dieser Stelle, wurde genau vor einer Woche in einem ausführlichen Artikel auf eine sehr wahrscheinlich bevorstehende Hitzewelle im Südwesten der USA verwiesen. Diese ist nun eingetreten und erreicht aktuell ihren vorläufigen Höhepunkt. Betroffen ist insbesondere der Südwesten der USA, also primär der Südteil der Bundesstaaten Kalifornien und Nevada sowie große Teile Arizonas. Dort wurden am gestrigen bereits flächendeckend 35 bis 40 °C, an der Grenze zu Mexiko in der Wüstengemeinde Martinez Lake 43,3 °C als Höchstwerte gemessen.

Hitzewelle in den USA erreicht vorlaeufigen Hoehepunkt 1

Temperaturen März 2026 (Messung und Klimatologie) in Phoenix/Arizona. (Quelle: National Weather Service (NOAA))

Zahlreiche Tages- und Monatsrekorde wurden nicht nur gebrochen, so wurden förmlich pulverisiert. Wie hier am Beispiel der Station Phoenix in Arizona zu erkennen ist, wurden als gestrige Höchsttemperatur 105 Grad Fahrenheit gemessen (entspricht 40,6 Grad Celsius). Der vorherige Rekord für den Gesamtmonat März lag bei 100 Grad Fahrenheit (37,8 °C). Es ist bereits der 6. Tag im März 2026 mit einem neuen Tagesrekord an der Station. Doch nicht nur die Maxima, auch die nächtlichen Tiefstwerte sind beachtlich. So sank das Thermometer in den vergangenen 3 Nächten nicht mehr unter 68° Fahrenheit (entspricht 20 °C) in der Region. 3 Tropennächte im März: Allein die Vorstellung dürfte einigen Kälteliebhabern hierzulande sprichwörtlich die Schweißperlen auf die Stirn treiben! Wie anhand der linksstehenden roten Zahl in Klammern zu erkennen ist, die die Abweichungen vom Klimamittel kennzeichnen, bewegt man sich dort aktuell um rund 10 Grad Fahrenheit über dem langjährigen Mittelwert (circa 5 °C entsprechend).

Hitzewelle in den USA erreicht vorlaeufigen Hoehepunkt 2

Warnkarte USA (Quelle: National Weather Service (NOAA))

Beim Blick auf die Warnkarte (Abbildung 2) stechen nehmen der violetten Hitzewarnungen im Südwesten ebenfalls die Magentafarben, von den Great Plains bis in den mittleren Westen reichend, heraus. Dort ist eine extrem erhöhte Waldbrandgefahr gegeben, bei der neben sehr trockene Bedingungen und viel Wind auch die rekordträchtigen Temperaturen ihren Beitrag leisten. Denn nicht nur die Qualität dieser Hitzewelle mit den absoluten Peaks ist beachtlich, sondern auch deren Ausdehnung. Selbst in Nebraska in der Stadt mit dem schönen Namen Scottsbluff und sogar noch weiter nördlich bis nach South Dakota sind mehr als 30 °C gemessen worden am heutigen Freitag.

Hitzewelle in den USA erreicht vorlaeufigen Hoehepunkt 3

Höchsttemperaturen vom Freitag, 20.03.2026 bis 13 Uhr MEZ (links), Abweichung vom Klimamittel (rechts)( Quelle: DWD/EZMW)

Grund hierfür ist ein sogenannter „Heat Dome“, bei dem sich die Atmosphäre innerhalb eines stationären Hochdruckgebietes durch langanhaltendes Absinken sehr stark bis in oberen Schichten der Troposphäre erwärmt. Normalerweise tritt dieses Phänomen vorrangig oder in den Sommermonaten (zumindest aber Sommerhalbjahr auf), ist also speziell für die Jahreszeit ungewöhnlich stark und sehr weit nach Norden ausgedehnt. Auch wenn selbstredend noch keine Attributionsstudien zu der Lage vorliegen, kann man mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass der Klimawandel maßgeblich an den Rekorden beteiligt ist.

Die Behörden empfehlen in den betroffenen Regionen dringend eine vermehrte Flüssigkeitsaufnahme von Wasser oder elektrolythaltigen Sportgetränken, zur Nutzung von Sonnencreme, Tragen leichter Kleidung sowie Anstrengungen im freien zur Mittags- und Nachmittagszeit zu meiden. Verzichten sollte man hingegen auf einen erhöhten Alkohol- und Koffeinkonsum, fettiges oder stark proteinhaltiges Essen und das Zurücklassen von Kindern in Autos.

Hitzewelle in den USA erreicht vorlaeufigen Hoehepunkt 4

Höchstwerte und Rekorde der nächsten Tage im Südwesten der USA (Quelle: National Weather Service (NOAA))

Wie geht es nun weiter? Eine leichte Entspannung kündigt sich zwar an, aber noch keine wirklich nachhaltige Abkühlung. Schwache Kaltfronten, streifen nur den Norden des Landes und gehen vielfach ohne nennenswerte Regenfälle von West nach Ost durch. Im Gegenteil: In der kommenden Woche verdichten sich die Hinweise, dass sich die Hitzeglocke nach kurzer Abschwächung erneut regenerieren kann (siehe auch Abbildung 4). Bleibt zu hoffen, dass zumindest Wald- und Buschbrände ausbleiben.

Dipl.-Met. Robert Hausen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.03.2026
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Das Wetter zum Frühlingsanfang

Am morgigen Freitagnachmittag (20. März 2026, 15:46 Uhr MEZ) ist auf der Nordhalbkugel astronomischer Frühlingsanfang. Dann überquert die Sonne den Äquator und bringt damit der Südhalbkugel den Herbst. An diesem Tag sind überall auf der Welt Tag und Nacht (in etwa) gleich lang, weshalb man auch von der Tag-und-Nacht-Gleiche spricht.

Meteorologisch gesehen ist bereits seit dem 01. März Frühling. Dies hat statistische Gründe. Auswertungen von Jahreszeiten bezüglich Temperatur, Niederschlagsmenge usw. sind einfacher zu erstellen, wenn man hierfür komplette Monate betrachtet, als Beispiel für den Frühling die Monate März, April und Mai. Würde man sich hierbei auf die astronomischen Daten beziehen, so müsste man den jährlich variablen Anfang und das variable Ende der Jahreszeiten beachten, was jede Auswertung unnötig kompliziert machen würde.

Phänologisch beginnt der Vorfrühling mit der Haselblüte, was in diesem Jahr am 07. Februar der Fall war. Seit dem 16. März befinden wir uns nun im Erstfrühling, wobei der Beginn mit der Forsythienblüte einhergeht. Statistisch gesehen war die Haselblüte also zwei Tage früher als im vieljährigen Mittel, die Forsythienblüte hingegen bereits acht Tage früher. Ende April beginnt statistisch gesehen mit der Apfelblüte dann der Vollfrühling.

Das Wetter zum Fruehlingsanfang 1

Phänologische Uhr mit Beginn und Dauer der phänologischen Jahreszeiten, vieljähriges Mittel und aktuelles Jahr 2026 im Vergleich

Doch wie ist das Wetter in den kommenden Tagen? Präsentiert es sich von seiner frühlingshaften Seite oder hat der Winter noch ein paar letzte Pfeile im Köcher?

Hoch LUKAS sorgt am heutigen Donnerstag in weiten Teilen Deutschlands für ruhiges und meist sehr mildes Wetter mit viel Sonnenschein. Die Temperaturmaxima liegen verbreitet bei Werten zwischen 13 und 19 Grad, nur an der Küste sowie südlich der Donau ist es etwas kühler. In den Hochlagen des Südwestens weht dabei ein mäßiger Nordost- bis Ostwind, dieser schwächt sich zum Abend aber weitestgehend ab.

Das Wetter zum Fruehlingsanfang 2

Prognosekarte Bodendruck und Lage der Fronten mit Namen der steuernden Hoch- und Tiefdruckgebiete für den heutigen Donnerstag, den 19.03.2026 12 UTC

In der Nacht zum Freitag wird es im Süden und Südosten sowie in Teilen der Mitte frostig. Trotz des warmen und sonnenscheinreichen Wetters tagsüber sollte man also nicht bereits voreilig empfindliche Pflänzchen nach draußen stellen oder einpflanzen. In besagten Regionen ist Luftfrost zwischen 0 und -5 Grad zu erwarten. Am Boden gehen die Temperaturen allerdings deutschlandweit zurück auf Werte zwischen +2 und -5 Grad, in weiten Teilen von Baden-Württemberg und Bayern ist mit mäßigem Bodenfrost zwischen -5 und -10 Grad zu rechnen.

Währenddessen greift bereits ein schwacher Tiefausläufer auf den Norden und Nordosten Deutschlands über. Dieser hat dichtere Bewölkung sowie etwas Regen im Gepäck und erreicht bis Freitagmorgen die mittleren Landesteile. Dort sorgt er auch am Freitag tagsüber für stärkere Bewölkung und gelegentlich etwas Regen.

Im Süden und Südwesten merkt man erst einmal noch nichts davon. Zunächst scheint die Sonne länger vom Himmel, ehe im Laufe des Nachmittags auch dort die Bewölkung tendenziell dichter werden soll. Dafür lockert dann die Bewölkung im Nordwesten wieder auf und die Sonne kommt etwas häufiger zum Vorschein. Die Höchsttemperatur erreicht dabei Werte zwischen 7 Grad an der See und bis 18 Grad im Südwesten.

Das Wetter zum Fruehlingsanfang 3

Wettervorhersage sowie Vorhersage der Tageshöchsttemperaturen in Deutschland am morgigen Freitag, den 20.03.2026

Am Wochenende sorgt ein sogenannter Kaltlufttropfen – ein Tiefdruckgebiet in höheren Luftschichten mit hochreichend kalter Luft – im Süden Deutschlands für dichtere Bewölkung und insbesondere am Samstag für etwas Regen, in den höheren Lagen der Alpen auch für etwas Schnee. Im Norden und Nordwesten scheint hingegen die Sonne von einem zeitweise wolkenlosen Himmel. Die höchsten Temperaturwerte liegen meist zwischen 11 und 16 Grad, nur an der See, im Alpenvorland sowie im östlichen und südöstlichen Bergland ist es etwas kühler.

Summa summarum präsentiert sich das Wetter in den kommenden Tagen also meist von seiner frühlingshaften Seite, in den Alpen sorgen ein paar Schneeflocken jedoch für einen kurzen Wintergruß.

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.03.2026
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Als Deutschland im Schnee versank: Der strenge Winter 2005/2006

Schon der Auftakt hatte es in sich: Ein stationäres Tief über Westdeutschland sorgte am 25. November 2005 für bis zu 45 cm nassen Schnee. Der Verkehr kam vielerorts zum Erliegen und zahlreiche Strommasten brachen unter der enormen Schneelast zusammen. Dies sollte als das Münster-Schneechaos in die Geschichte eingehen.

Bereits im Dezember stellte sich eine anhaltend winterliche Witterung ein, die sich – nur kurzzeitig unterbrochen – bis in den März hinein fortsetzte. Verantwortlich dafür war unter anderem eine plötzliche Stratosphärenerwärmung Anfang Dezember. Sie begünstigte wiederholt Hochdrucklagen über Nordeuropa, die milde Atlantikluft blockierten und stattdessen kalte Kontinentalluft nach Mitteleuropa lenkten. Charakteristisch für diesen Winter war das Zusammenspiel stabiler Hochdruckgebiete im Norden mit aktiven Tiefdruckgebieten entlang der Frontalzone über Süd- und Mitteleuropa. Das Ergebnis: anhaltende Kälte bei gleichzeitig wiederkehrenden, teils kräftigen Schneefällen.

Die erste markante Frostperiode stellte sich um den Jahreswechsel ein. Besonders in der Südosthälfte Deutschlands traten verbreitet strenge Nachtfröste bis unter −20 °C auf. Zuvor gefallener Schnee sorgte für eine nahezu flächendeckende Schneedecke, die im Nordosten regional bereits eine Höhe von über 30 cm erreichte. Im Bayerischen Wald wuchs sie rasch auf über einen Meter an. Die Schneemassen führten schließlich zur Tragödie von Bad Reichenhall, wo das Dach einer Eissporthalle einstürzte.
Im Januar folgte eine weitere Stratosphärenerwärmung, welche die winterliche Großwetterlage zusätzlich stabilisierte. Eine lang anhaltende Hochdruckphase ließ die Luft in Bodennähe stark auskühlen. Vor allem im Osten und Südosten wurden wiederholt strenge Fröste bis -18 °C gemessen. Zeitweise bildeten sich ausgeprägte Inversionslagen. Selbst größere Seen froren zu. Zwischendurch sorgten Tiefausläufer immer wieder für neue Schneefälle.

Seinen Höhepunkt erreichte der Winter im Februar. In einer Nordwestlage fielen in den Staulagen der östlichen Mittelgebirge innerhalb weniger Tage mehr als ein Meter Neuschnee. Mehr als 1.000 Gebäude in den östlichen Mittelgebirgen waren durch die Schneelast gefährdet. In mehreren Landkreisen, insbesondere in Niederbayern, wurde Katastrophenalarm ausgelöst. Einsatzkräfte von Feuerwehr, Bundeswehr und THW waren im Dauereinsatz, um Dächer von Schnee zu befreien. Dennoch kam es zu Einstürzen. Straßen mussten wegen Schneebruchs gesperrt werden und die Schneehöhen türmten sich mancherorts auf über zwei Meter. Auch in den Nachbarländern Tschechien und Österreich waren Ortschaften zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten.

Während der Übergang zu frühlingshaftem Wetter mit Temperaturen bis 20 °C in diesem Jahr bereits Ende Februar erfolgte, zeigte sich der März 2006 nochmals von seiner winterlichen Seite. Mit einer Nordlage gelangte erneut arktische Kaltluft nach Deutschland, begleitet von atlantischen Tiefdruckgebieten. Es kam verbreitet zu kräftigen Schneefällen. In Norddeutschland wurden bis zu 40 cm gemessen, im Alpenvorland 50 bis 100 cm. Auch sonst war ein Großteil Deutschlands erneut schneebedeckt. Besonders markant war die Lage am 11. und 12. März, als im Erzgebirge über 50 cm Neuschnee fielen. Insgesamt lag das Temperaturniveau im ersten Märzdrittel etwa 4 bis 6 Grad unter dem neuen klimatologischen Mittel.

Erst ab dem 25. März setzte sich schließlich eine nachhaltige Wetterumstellung durch. Mit einer südlichen Strömung gelangten warme Luftmassen nach Deutschland und brachten Tauwetter sowie Temperaturen über 20 °C. In den Hochlagen der östlichen Mittelgebirge hielt sich die Schneedecke jedoch noch bis in den Mai hinein.

Der Winter 2005/2006 bleibt somit als einer der letzten ausgeprägten Kälte- und Schneewinter in Erinnerung.
Die folgenden Bilder entstanden am 12.03.2006 auf dem Aschberg in Klingenthal im oberen Vogtland, das letzte Bild in Carlsfeld von Mitte März 2006.

Als Deutschland im Schnee versank 1

Bereits auf 700 m lag über 1,5 m Schnee.

Als Deutschland im Schnee versank 2

Eingeschneite Ausfahrt mit zugewehtem Auto.

Als Deutschland im Schnee versank 3

Häuser verschwinden unter Schneewehen

Als Deutschland im Schnee versank 4

Die Aschbergstraße auf 800 m unpassierbar.

Als Deutschland im Schnee versank 5

Bis zu 2 m Schnee auf dem Kamm.

Als Deutschland im Schnee versank 6

Eingeschneites Haus in Carlsfeld im Westererzgebirge

Diplom-Meteorologe Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Christian Andreas Doppler

CAD ist nicht nur die Abkürzung für „computer-aided design“, also für ein rechnergestütztes Konstruieren und Arbeiten an (dreidimensionalen) Modellen. Es sind ebenso die Initialen eines berühmten Mannes: Christian Andreas Doppler. Heute jährt sich sein Todestag zum 173. Mal, daher wollen wir in diesem Thema des Tages ihn und seine Entdeckung ehren.

Christian Andreas Doppler war ein österreichischer Mathematiker und Physiker, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts lebte. Er wurde 1803 in Salzburg geboren und studierte in Wien Mathematik und Physik. Das reichte ihm augenscheinlich nicht, denn dazu kam anschließend noch ein Studium der Philosophie in Salzburg.

Christian Andreas Doppler 1

Abbildung 1: Porträtzeichnung Christian Dopplers

Nach einigen anderen Lehrstellen, wurde er schließlich Professor in Prag und später Professor für Experimentalphysik und Direktor des Physikalischen Instituts in Wien. In Prag veröffentlichte er seine Abhandlung mit dem Titel „Über das farbige Licht der Doppelsterne und einiger anderer Gestirne des Himmels“. In diesem Text beschreibt und leitet er theoretisch her, was mit Wellen passiert, wenn sich der Sender oder der Empfänger bewegt. Heute ist uns dieser Effekt zu seinen Ehren als Dopplereffekt bekannt. Das Beispiel des vorbeifahrenden Krankenwagens haben wohl die meisten schon einmal gehört. Wenn das Fahrzeug mit dröhnender Sirene auf uns zufährt, hört sich die Tonlage anders an, als wenn es an uns vorbeigerast ist und sich nun wegbewegt. Das liegt daran, dass die Schallwellen im ersten Fall zusammengestaucht werden und die Wellenlänge kleiner wird – der Ton wird höher. Im zweiten Fall wird die Wellenlänge größer und wir hören tiefere Töne.

Das Prinzip lässt sich nicht nur auf Schall anwenden, sondern auch auf Licht. Doppler wollte dadurch erklären, wieso manche Sterne eine andere Farbe besitzen als andere. Kurioserweise ist für dieses Problem der nach ihm benannte Effekt gar nicht ausschlaggebend. Die Temperatur des Sterns ist hauptverantwortlich welche Farbe er bevorzugt abstrahlt. Für sein Problem hat er also eine Lösung gefunden, die zwar nicht stimmte, jedoch trotzdem eine wichtige Entdeckung darstellt.

Der experimentelle Nachweis des akustischen Dopplereffekts wurde 1844 von Christoph Buys-Ballot erbracht. Dabei spielten Blasmusikanten einen gleichbleibenden Ton in einer fahrenden Eisenbahn. Im Labor konnte Ernst Mach den Effekt erst 1860 und somit nach Dopplers Tod nachweisen. Der Nachweis für Licht erfolgte noch später im Jahre 1876 durch Carl Vogel.

Heutzutage wird der Dopplereffekt in vielen verschiedenen Bereichen genutzt. In der Medizin, kann die Geschwindigkeit des Blutes in unseren Gefäßen gemessen werden. Hierbei sendet man Ultraschallwellen in das Gefäß und misst das reflektierte Echo. Die sich bewegenden Blutkörperchen verändern die Frequenz der Wellen und diese Änderung lässt Rückschlüsse auf die Geschwindigkeit des Blutstroms zu. In der Astronomie kann gemessen werden, wie sich ein Objekt relativ zur Erde bewegt oder ob es um sich selbst rotiert. In der Satellitenkommunikation muss immer berücksichtigt werden, dass sich durch die hohe Geschwindigkeit des Satelliten auch das ausgesandte Signal verändert.

Es wäre natürlich kein Thema des Tages, wenn nicht der Bezug zur Meteorologie hergestellt würde. Hier müssen die Dopplerradare genannt werden, die wichtige Informationen zu der Geschwindigkeit von Gewitterzellen liefern. Auch besonders kräftige Entwicklungen können besser entdeckt werden, denn Superzellen beinhalten eine Rotation. Mithilfe des Dopplereffektes können die engbeieinander liegenden entgegengesetzten Relativbewegungen sichtbar gemacht werden. Wer mehr über dieses Thema lesen möchte, kann sich in vielen vorangegangen Themen des Tages umschauen (siehe Link 1 oder Link 2).
Christian Andreas Doppler 2

Abbildung 2: Gedenktafel zu Ehren Christian Dopplers an dessen Geburtshaus.

Zur Ehrung Christian Dopplers steht im Arkadenhof der Universität Wien eine steinerne Büste von ihm. Außerdem ist sein Name in einer Ehrentafel verewigt und ein Hörsaal nach ihm benannt. Auch in seiner Geburtsstadt Salzburg wurde anlässlich seines 100. Geburtstages eine Informationstafel an seinem Geburtshaus und zu seinem 200. Geburtstag eine Büste in der Christian-Doppler-Klinik aufgestellt.

M.Sc. Meteorologe Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.03.2026
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Nach turbulentem Wochenstart kehrt der Frühling zurück

Die neue Woche startete am heutigen Montag mit klassischem Aprilwetter. Ein mit reichlich Höhenkaltluft angereicherter Trog in 500 hPa, d.h. tiefer Luftdruck und kalte Temperaturen in etwa 5,5 km Höhe, sorgte am heutigen Montag für abwechslungsreiches Wetter. Wir erlebten einen Mix aus etwas Sonnenschein und dichten Wolken. Dazu gesellten sich einige Schauer, teils mit Graupel. Auch das ein oder andere Graupelgewitter war mit von der Partie. Kaum Schauer gab es im Südwesten des Landes und auch im Nordwesten ließen die Schauer bis zum Abend nach. Der Regenschirm half bei den Schauern und Gewittern nur wenig, denn diese waren von starken bis stürmischen Böen begleitet, aber auch abseits von Schauern wehte zeitweise ein lebhafter Wind. Mit 7 bis 12 Grad war es am heutigen Nachmittag auch vergleichsweise kühl.

Nach turbulentem Wochenstart kehrt der Fruehling zurueck 1

Abbildung 1: Bodendruckverteilung und Fronten am morgigen Dienstag, 17.03.2026, 12 UTC (13 Uhr mitteleuropäische Zeit, MEZ).

Bereits in der kommenden Nacht zum Dienstag lassen die Schauer und Gewitter nach und ziehen sich nach Südosten zurück. An den Alpen stauen sich allerdings die Niederschläge. Bis auf 800 m herab schneit es und es wird nochmal weiß. Stellenweise werden 5 bis 10 cm Neuschnee erwartet. Vor allem in den östlichen Bayerischen Alpen halten die Schneefälle bis morgen Nachmittag an und in höheren Lagen können bis zu 30 cm Neuschnee zusammenkommen. Während es abgesehen davon in der Osthälfte Deutschlands meist aufklart, ziehen im Westen schon neue Wolken auf, die auch etwas Regen bringen. Dabei handelt es sich um die bereits erwähnte Warmfront, die uns von Westen erreicht und deutlich mildere Luft im Schlepptau hat. Dort, wo es aufklart, gibt es verbreitet leichten Frost, im Westen unter den Wolken bleibt es hingegen frostfrei.

Nach turbulentem Wochenstart kehrt der Fruehling zurueck 2

Abbildung 2: Wetter (tagsüber) am morgigen Dienstag, 17.03.2026.

Am morgigen Dienstag dehnt sich ein Hochdruckgebiet von Russland und Nordosteuropa weiter zu uns nach Mitteleuropa aus und wird dort LUKAS genannt (Abbildung 1). Dadurch kommen die Niederschläge und Wolkenfelder der Warmfront nicht mehr bis in den Osten voran (Abbildung 2). Auch in der Westhälfte sorgt der steigende Luftdruck dafür, dass die Regenfälle immer schwächer werden und im Tagesverlauf abklingen. Im Westen ist es also morgen noch oft grau und vielleicht auch anfangs regnerisch, während sich im Osten schon häufiger die Sonne durchsetzt. Mit Temperaturen zwischen 8 Grad in Teilen Südbayerns und 16 Grad am Niederrhein wird es schon wieder etwas milder als heute. Trotz der Wolken wird es also im Westen am wärmsten was der wärmeren Luft hinter der Warmfront geschuldet ist.

Nach turbulentem Wochenstart kehrt der Fruehling zurueck 3

Abbildung 3: Bodendruckverteilung und Fronten am Mittwoch, 18.03.2026, 12 UTC (13 MEZ).

Diese Wetterbesserung setzt sich auch am Mittwoch fort (Abbildung 3). Zuvor müssen wir aber nochmals durch eine kalte Nacht. Mit Ausnahme des Nordwestens und entlang des Rheins, fallen die Temperaturen verbreitet unter den Gefrierpunkt. Vor allem von Bayern über Sachsen bis in den Süden Brandenburgs muss in ungünstigen Lagen sogar mit Tiefstwerten um -5 Grad gerechnet werden (Abbildung 4, links). Empfindliche Pflanzen sollten also vor Frostschäden geschützt werden. Tagsüber treibt viel Sonnenschein zusammen mit der wärmeren Luftmasse dann die Temperaturen aber in die Höhe. Am Nachmittag kommen bei strahlend blauem Himmel und Höchstwerten zwischen 12 und 18 Grad wieder Frühlingsgefühle auf (Abbildung 4, rechts). Ähnlich sieht es auch am Donnerstag aus (Abbildung 5). Vielerorts Sonnenschein und Höchstwerte zwischen 13 und 19 Grad dürften der Vegetation einen weiteren Schub geben. Nur im Norden ziehen im Tagesverlauf Wolken auf, die am Abend in Küstennähe etwas Regen bringen könnten.

Nach turbulentem Wochenstart kehrt der Fruehling zurueck 4

Abbildung 4: Tiefstwerte (links) und Höchstwerte (rechts) der Temperatur am Mittwoch (nach MOSMIX), 18.03.2026.

In der Nacht zum Freitag und am Freitag kommen Wolken und etwas Regen weiter südwärts voran. Bei diesem Regenband handelt es sich um eine Kaltfront, die uns von Nord nach Süd überquert. Hinter ihr fließt wieder kühlere Luft ein. Die Temperaturen gehen also – zumindest vorübergehend – wieder zurück. Da sich voraussichtlich über Nordeuropa aber schon das nächste Hoch etabliert, beruhigt sich das Wetter wieder. Die Niederschläge klingen ab und die Sonne kommt am Wochenende auch wieder zeitweise zum Vorschein. Die Temperaturen erreichen aber vorerst nicht mehr das Niveau der Wochenmitte. Die Frostgefahr bleibt in den Nächten weiter bestehen.

Nach turbulentem Wochenstart kehrt der Fruehling zurueck 5

Abbildung 5: Wetter-Aussichten von Mittwoch bis Freitag, 18. – 20.03.2026.

Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.03.2026
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Gezeiten an Nord- und Ostsee, Windstau- und Sturmflutwarndienst und amphidromische Punkte

Das heutige Thema des Tages blickt in die Nachbarschaft der Meteorologie: die Ozeanographie. Zu den eindrucksvollsten Phänomenen, die das Meer einem Betrachter an der Küste bietet, gehören Ebbe und Flut. Diese Änderung des Wasserstandes zeigt sich auch an der Nordseeküste (und in subtiler Variante auch an der Ostsee). Neben astronomischen Ursachen ist auch die Wetterlage verantwortlich dafür, wie stark die Gezeiten ausfallen. Der Deutsche Wetterdienst am Standort Hamburg berät hierbei den Windstaudienst des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) mit Windprognosen, welche dort in die Berechnung der Pegelstände an deutschen Küsten eingehen. Jedoch treten nicht an allen Punkten der Nordsee täglich Hoch- und Niedrigwasser auf. Es gibt drei Punkte, an denen der Wasserstand gleich bleibt, die sogenannten amphidromischen Punkte.

Vergleicht man den Zeitpunkt des Eintreffens eines Hochwassers an der deutschen Nordseeküste, stellt man fest, dass die Flut auf Borkum zu einem anderen Zeitpunkt eintrifft als in Cuxhaven oder Westerland. Dasselbe gilt für das Niedrigwasser, die Ebbe. Warum ist das so? Gezeiten entstehen durch gravitative Anziehung von Sonne und Mond, die jedoch nicht gleichmäßig auf die Erde einwirken, sondern auf der jeweils zugewandten Seite etwas stärker und auf der jeweils abgewandten Seite etwas schwächer ausfallen. Die Unterschiede wirken nach beiden Seiten, wobei diejenigen in und entgegengesetzt zur Mondrichtung etwa doppelt so stark ausfallen wie die in und entgegengesetzt zur Sonnenrichtung. Beobachtet man das Ganze von einem festen Punkt auf der Erde, bspw. von Cuxhaven aus, wird dieser Einfluss mit der täglichen Erdrotation ein periodischer Vorgang, der sich zweimal jeden Tag wiederholt. Da sich der Mond zusätzlich einmal im Monat um die Erde dreht, ist dessen periodischer Einfluss rund 20 bis 30 Minuten länger. Je nach Winkel zwischen Mond- und Sonnenrichtung addieren sich die Wirkungen des dominierenden Mondes und der Sonne. Mit der um die Erdachse rotierenden Streckung der Erde hebt und senkt sich die Oberfläche periodisch. Zwischen den Punkten stärkster Hebung und Senkung der Erde werden horizontale Komponenten der Gezeitenkräfte angeregt, die die stärkste Ursache der Gezeitenströmungen in den Tiefen des Ozeans ausmachen. Diese werden durch die Kontinente und die Corioliskraft beeinflusst. So gibt es Küstenabschnitte mit größeren und kleineren sich ändernden periodischen Wasserständen (Tiden), die bei günstiger Stellung des Mondes (bei Voll- und Neumond) zur Sonne auf einer Linie eine besonders große Tide, die Springtide, und bei rechtwinkliger Stellung von Sonne und Mond (bei Halbmond) eine besonders kleine Tide, die Nipptide hervorrufen.

Unterschiedliche Verteilungen der Landmassen auf dem Globus verhindern eine gleichmäßige Bewegung der Tidenwellen um die gesamte Weltkugel, so dass sich in einzelnen Meeresbecken eine oder mehrere stehende Wellen bilden, die durch die Corioliskraft in Rotation gesetzt werden.

Die Nordsee selbst ist als Randmeer zu klein und flach für die Ausbildung eigener Gezeitenwellen. Die Gezeiten werden durch eindringende Gezeitenwellen aus dem Nordatlantik ausgelöst. Sie laufen vom nordwestlichen Teil der Nordsee an der schottischen und englischen Ostküste südwärts Richtung Straße von Dover. Von dort, vom Südwestteil der Nordsee, werden sie von zur deutschen Nordseeküste ostwärts und weiter zur dänischen Westküste nordwärts gelenkt, wo sie im Skagerrak auslaufen. Dadurch, dass auch Gezeitenanteile durch den Englischen Kanal in die Nordsee einlaufen können und die oben erwähnten Gezeitenwellen hier um einen amphidromischen Punkt (siehe unten) laufen, sind die Gezeiten in den Niederlanden teilweise gesplittet, so dass mehrere kleinere Hoch- oder Niedrigwasser in kürzerer Zeit ablaufen können. Typische Gezeitenunterschiede im Bereich der deutschen Nordseeküste liegen bei 2,5 bis 4 Metern, der größte Tidenhub an der Nordsee zeigt sich im Mündungstrichter The Wash in Ostengland mit 6,8 Metern.

Die Ostsee als ein weitgehend geschlossenes Binnenmeer ist im Vergleich zur Nordsee noch flacher und ihre Verbindung zum Atlantik noch mehr begrenzt. Dementsprechend wirken gravitative Kräfte durch Mond und Sonne weit moderater, so dass typische Änderungen der Wasserstandshöhen hier bei 10 bis 30 Zentimetern liegen. Meteorologische Einflüsse auf Wasserstandsschwankungen sind von größerer Bedeutung: Starkwind kann den Wasserstand um einige Dezimeter anheben oder senken, Luftdruckunterschiede beeinflussen die Wasserhöhe, entsprechende Windrichtungen sorgen für eine Änderung der Wasserverteilung und saisonale Temperaturschwankungen wirken sich auf die Höhe des Wasserstandes aus. Letztere sind durch die Jahreszeiten geprägt: Im Sommer herrschen vorwiegend ruhige Bedingungen, im Herbst und Winter können Sturmtiefs für erhöhte Wasserstände sorgen. Bedeutender sind jedoch windbedingte Veränderungen: Bei anhaltend starkem Nordostwind wird das Wasser der Ostsee im Bereich der deutschen Küste gestaut, was für anhaltenden höheren Wasserstand sorgt. Im umgekehrten Fall sorgen dort anhaltende starke Südwestwinde für niedrigere Wasserstände.

Im Bereich der Nordsee wirken Starkwinde mitunter additiv auf Hoch- oder Niedrigwasser. Besonders die Kombination aus Flut und anhaltendem stürmischem Nordwestwind sorgt für höhere Pegelstände, während längerer stürmischer Südostwind bei Ebbe stärkeres Niedrigwasser an der Nordsee bedeutet.

Gezeiten an Nord und Ostsee Windstau und Sturmflutwarndienst und amphidromische Punkte 1

Hochwasser und Niedrigwasser am Nikolaifleet (Deichstraße) in Hamburg, Quelle: BSH

Vor diesem Hintergrund versorgt der Deutsche Wetterdienst im Rahmen des Seewetterdienstes am Standort Hamburg das Kollegium im Bereich des Windstau- und Sturmflutwarndienstes des BSH mit Windprognosen für die deutschen Küsten, die zu Hoch- und Niedrigwasserterminen in die Berechnungen der Pegelstände einfließen. Für die Nordsee wird im Routinefall hierfür viermal täglich das BSH beraten, für die Ostsee erfolgt zweimal wöchentlich eine Beratung, die dann mehrere Vorhersagetage abdeckt. Im Bedarfsfall, beispielsweise bei einer Sturmflut, wird die Beratung intensiviert und die Häufigkeit erhöht, um die Vorhersage der höchsten Pegelstände der Sturmflut zu optimieren. In einem solchen Fall ist die Ausgabe und nachfolgende Kommunikation von Sturmflutwarnungen durch das BSH wahrscheinlich. Der Deutsche Wetterdienst übernimmt diese Warnungen bei der Kommunikation der Sturm-Wetterlage. Erreicht an der Nordseeküste eine Tide eine Höhe von 1,5 bis 2,5 Meter über dem mittleren Hochwasser, spricht man von einer Sturmflut. Eine schwere Sturmflut hat eine Höhe von 2,5 bis 3,5 Meter über dem mittleren Hochwasser, noch höhere Fluten bezeichnet man als sehr schwere Sturmflut. Beträgt der Wasserstand an der Ostsee 1 bis 1,24 Meter über Normalhöhennull, tritt dort eine leichte Sturmflut auf, bei 1,25 bis 1,49 Meter über Normalhöhennull eine mittlere Sturmflut, bei 1,5 bis 1,99 Meter über Normalhöhennull eine schwere Sturmflut und bei höherem Hochwasser eine sehr schwere Sturmflut.

Nicht in allen Gebieten der Nordsee ändert sich der Wasserstand täglich. Die oben angesprochene Rotation stehender Wellen durch die Corioliskraft in Meeresbecken um einen Punkt herum wird als Amphidromie bezeichnet. An diesen Punkten treffen alle Phasenlinien einer schwingenden Wasserstandshöhe (gleiche zeitliche Phase desselben Wasserstandes, also auch die Linien mit Ebbe (Schwingungstal) oder Flut (Schwingungsberg) zur selben Zeit) zusammen. Damit treten Hoch- und Niedrigwasser zusammen auf, was Schwingungen aufhebt und zu einem permanent konstanten Wasserstand führt. In der Nordsee findet man drei solcher amphidromischen Punkte: einer im Südwestteil der Nordsee zwischen East Anglia (Ostanglien) und Holland, einer im östlichen Zentralteil der Nordsee in der Mitte der Jütlandbank zwischen Nordengland und Jütland sowie einer im Nordostteil der Nordsee vor der norwegischen Küste bei Stavanger.

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Amphidromiezentren in der Nordsee und Tidenzeiten nach Bergen/Norwegen

Auf den Weltmeeren findet man drei solcher amphidromischen Punkte im Bereich des Indischen Ozeans, sechs sind im Pazifik, vier außerhalb der Nordsee im Atlantik und zwei im Bereich des Südlichen Ozeans.

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Gezeiten als in den Weltmeeren umlaufende Wellen, Phasenlinien und amphidromische Punkte

Im Gegensatz zu diesen Punkten, wo es kein Hoch- und Niedrigwasser gibt, findet sich der größte Unterschied zwischen Ebbe und Flut, der größte Tidenhub, mit 13 Metern an der Bay of Fundy zwischen Nova Scotia (Neuschottland) und New Brunswick (Neubraunschweig) vor dem Ostteil Kanadas. Bei Springflut sind es sogar 16 Meter.

Dipl.-Met Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Aprilwetter – der März übt schon mal

Tiefdruckgebiete dirigieren das Wettergeschehen und schicken uns auf eine meteorologische Berg- und Talfahrt in Mitteleuropa. Am heutigen Samstag liegt eine Kaltfront von Südwest nach Nordost quer über Deutschland. Sie trennt milde Luft im Osten von polarer Meeresluft im Westen. Verbreitet kommt es zu Niederschlägen, die meist als Regen, an den Alpen und in höheren Lagen der westdeutschen Mittelgebirge aber auch als Schnee fallen. Länger trocken und zeitweise freundlich ist es im Südosten des Landes. Im Osten und Südosten wird es mit 12 bis 18 Grad auch am mildesten. Der Westen muss sich mit mageren 4 bis 8 Grad begnügen.

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Nutzerbilder vom Morgen des 14.03.2026 aus dem westdeutschen Bergland. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Rollentausch am Sonntag, Westen im Vorteil

Am Sonntag wendet sich das Blatt. Im Westen scheint nach Abzug der Front zeitweise die Sonne und es bleibt meist trocken. Im Osten und Südosten sorgt die Kaltfront dagegen für viele Wolken und hier und da auch für etwas Regen, in höheren Lagen Schnee. Das Temperaturgefälle dreht sich um: mit 8 bis 12 Grad wird es im Westen am mildesten, im Osten und Südosten werden nur noch 6 bis 10 Grad erreicht.

Ruppige Böen und schnelle Schauer: Das Wetter-Karussell nimmt Fahrt auf

Zum Wochenbeginn stattet uns der April einen Besuch ab, zumindest was das Wettergeschehen angeht. In rascher Folge ziehen Schauer und örtliche Gewitter von West nach Ost über Deutschland hinweg. Örtlich mischt sich Graupel unter den Niederschlag. Zwischen den Schauern zeigt sich häufig, aber nur kurz die Sonne. Maximal werden 6 bis 11 Grad erreicht. Der westliche bis südwestliche Wind frischt vor allem in Schauer- und Gewitternähe stark auf, im Bergland gibt es Sturmböen.

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Bodendruck und Bodenfronten von Sonntag, 15.03. bis Dienstag, 17.03. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Die Belohnung nach dem Schauer-Marathon

Am Dienstag setzt Wetterberuhigung ein. Unter zunehmendem Hochdruckeinfluss lassen die Niederschläge meist nach und die Sonne zeigt sich häufiger. Mit Höchstwerten zwischen 9 und 14 Grad wird es wieder milder als zuletzt.

Das Karussell dreht sich weiter, nimmt aber zur Wochenmitte deutlich Fahrt in Richtung Frühling auf. Wer den Montag übersteht, wird mit milden Aussichten belohnt. Vor allem im Westen werden dann wieder häufiger 15 Grad und mehr erreicht.

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Prognostizierte Höchst- und Tiefsttemperatur von Samstag bis Dienstag (14.-17.03.2026). Quelle: Deutscher Wetterdienst

M.Sc. Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Wie wahrscheinlich ist die Hitzewelle im Westen der USA?

Je weiter eine Wettervorhersage in die Zukunft reicht, desto stärker verlässt sie den Bereich der konkreten Einzelprognose und bewegt sich in Richtung statistischer Abschätzung möglicher Entwicklungen. Der Grund dafür liegt in der chaotischen Natur der Atmosphäre: Schon kleine Unsicherheiten in den Anfangsbedingungen können im Laufe der Zeit zu deutlich unterschiedlichen Wetterverläufen führen. Um diese Unsicherheit abzubilden, werden in der modernen Wettervorhersage sogenannte Ensembles verwendet. Dabei wird ein numerisches Wettermodell viele Male mit leicht veränderten Anfangsbedingungen gerechnet. Interessiert man sich dann zum Beispiel für die Wetterentwicklung über Europa in einer Woche, wäre der unmittelbarste Ansatz, sich jeden einzelnen Modelllauf des Ensembles anzuschauen.

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Auf Meeresniveau reduzierter Luftdruck und Temperatur auf 850 hPa der einzelnen Ensemble-Member des europäischen IFS Modells, für Europa und den 19. März 2026.( Quelle : ECMWF)

Während dieser Ansatz sämtliche Information der einzelnen Ensemble-Member erhält, ist er in der Praxis generell weder intuitiv noch übersichtlich. Zusätzlich zeigt Abbildung 1 nur einen Zeitpunkt pro Ensemble-Member. Um sich einen Überblick zu verschaffen ist es also wichtig den Output der vielen Modellläufe zu verdichten, um relevante Informationen über die mögliche Variabilität der Wetterentwicklung herauszufiltern – ein zentraler Aspekt in der heutigen Wettervorhersage.

Ein möglicher Ansatz, der direkt aus Abbildung 1 folgt, ist die sogenannte Cluster-Analyse. Dabei werden die Ensemble-Mitglieder anhand bestimmter Fehlermetriken nach ähnlichen Mustern (hier im 500 hPa Geopotenzial) gruppiert, sodass typische Szenarien in der Wetterentwicklung sichtbar werden. Abbildung 2 zeigt, dass für die Tage um den 19. März 2026 die Reichweite der möglichen Entwicklungen vergleichsweise übersichtlich ist, da sich vier repräsentative Cluster aus den einzelnen Ensemble-Mitgliedern ergeben. Diese Cluster fassen die wesentlichen Varianten der prognostizierten Wetterentwicklung zusammen und erleichtern damit die Interpretation des Ensembles erheblich.

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Cluster-Analyse der Ensemble-Member, aufgeteilt auf vier ähnliche Lösungen der Großwetterlage, basierend auf der Variabilität des Geopotenzials auf 500 hPa. Dargestellt sind je drei Zeitschritte der Entwicklung pro Cluster. (Quelle: ECMWF)

Eine weitere Möglichkeit, die Informationen eines Ensembles zu verdichten, besteht darin, gezielt auf Extremwerte einzelner meteorologischer Parameter zu schauen. Einen solchen Ansatz verfolgt der sogenannte Extreme Forecast Index (EFI) des ECMWF. Der EFI fasst die Ensemble-Informationen zu einem bestimmten Parameter, beispielsweise der Temperatur oder des Niederschlags, in einem einzigen Wert zusammen. Er gibt Aufschluss darüber, wie ungewöhnlich ein wahrscheinlich bevorstehender Wert im Vergleich zur klimatologischen Verteilung ist.

Der EFI wird berechnet, indem die Wahrscheinlichkeitsverteilung der Ensemble-Mitglieder für einen bestimmten Zeitpunkt und Ort mit der entsprechenden Klimaverteilung verglichen wird. Je stärker und konsistenter sich die Vorhersagen des Ensembles von der Klimaverteilung entfernt, desto näher liegt der EFI bei Werten von plus oder minus 1:

– EFI nahe 0: Die prognostizierten Bedingungen liegen im Bereich des für die Jahreszeit üblichen Modellklimas.
– EFI deutlich positiv (z. B. > 0,7): Ein großer Teil der Ensemble-Vorhersagen liegt im oberen Extrembereich oder jenseits der klimatologischen Verteilung – ein Hinweis auf ungewöhnlich hohe Werte.
– EFI deutlich negativ: Die Prognose bewegt sich im unteren Extrembereich, etwa bei ungewöhnlicher Kälte oder sehr niedrigen Werten.

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Extreme Forecast Index (EFI) des ECMWF IFS Ensembles für die 2 m Lufttemperatur über Zentraleuropa. Die rechte Abbildung zeigt zusätzlich den Median der Modellklimatologie der vergangenen 20 Jahre, repräsentativ für den mittleren Zustand in dieser Periode. (Quelle: ECMWF)

Der Vollständigkeit halber zeigt Abbildung 3 den EFI für die Temperatur über Zentral-Europa um den 19. März. Das Signal ist hier insgesamt nicht stark ausgeprägt, was bedeutet, dass die prognostizierten Temperaturen größtenteils im normalen Rahmen für die Jahreszeit liegen. Positive Werte über dem Ärmelkanal und der Biskaya deuten auf höhere Wahrscheinlichkeiten für lokal ungewöhnlich warme Bedingungen hin.

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Extreme Forecast Index (EFI) des ECMWF IFS Ensembles für die 2 m Lufttemperatur über Nordamerika. Die rechte Abbildung zeigt zusätzlich den Median der Modellklimatologie der vergangenen 20 Jahre, repräsentativ für den mittleren Zustand in dieser Periode. (Quelle: ECMWF)

Während über Zentral-Europa um den 19. März nur ein schwaches EFI-Signal für außergewöhnliche Temperaturen sichtbar ist, zeigt sich über dem Westen der USA im selben Zeitraum ein deutlich ausgeprägteres Signal. Der EFI weist hier verbreitet Werte um 1 auf, was auf hohe Wahrscheinlichkeiten für das Auftreten außergewöhnlich warmer Temperaturen für diese Jahreszeit hinweist. Nachdem das robuste Signal mithilfe der abstrakten EFI-Kenngröße identifiziert wurde, lohnt es sich, die zugehörige Wetterlage und konkrete Temperaturen zu betrachten. Das identifizierte Signal hängt mit einem ausgeprägten stationären Höhenrücken zusammen, der sich Ende kommender Woche über dem westlichen Nordamerika etabliert hat (Abbildung 5). Für Los Angeles in Kalifornien werden über mehrere Tage hinweg Temperaturen über 30 Grad erwartet, in Phoenix (Arizona) sogar über 36 Grad. Für weite Regionen im Westen der USA ist das gleichbedeutend mit einer mehrtägigen Abweichung vom klimatologischen Temperaturmittel um mehr als 10 Grad!

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Die Strömung in der mittleren Troposphäre anhand des 500 hPa Geopotenzials, sowie die Temperatur auf 850 hPa, über Nordamerika für den 19. März 2026 um 00 Uhr UTC. (Quelle: ECMWF)

Dr. rer. nat. Thorsten Kaluza (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst