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Stormchasing in den USA 2026

16. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Es war wieder an der Zeit: Die Stormchasing-Saison 2026 in den USA stand in den Startlöchern und so machten sich auch in diesem Jahr wieder zwei Kollegen aus der Vorhersagezentrale des Deutschen Wetterdienstes auf den Weg in die Great Plains, um in der Tornado Alley die größten Gewitter mit den besten Strukturen „zu jagen“.

Los ging es rund um die zweite Mai-Dekade, ab der der statistische Höhepunkt der Tornado-Saison in den USA in der Regel stattfindet. Ausgehend vom Flughafen Denver machten sich mehrere deutsche Teams auf eine abenteuerliche Reise, die zunächst mit einem Besuch in den Rocky Mountains startete, da zu Beginn der Reise noch keine Unwetter anstehen sollten.

Zu Beginn stand ein Blick auf die Rocky Mountains mit schneebdeckten Berggipfeln an, der schon die Fernen des Landes erahnen ließ.

Das änderte sich rund um den 13. Mai, als sich im Abendlicht erste Gewitter entwickelten, die tolle Erdblitze hervorbrachten.
Schlag auf Schlag ging es am 15. Mai weiter, als sich östlich von Omaha in Iowa eine beeindruckende Superzelle bildete, die sogar grünlich leuchtete. Nachts bildete eine Lightshow aus unzähligen Blitzen am Horizont einen genialen Abschluss dieses Tages.

Am 15. Mai gab es in Iowa die erste Superzelle mit toller Wolkenstruktur und einer leicht grünlichen Färbung.

Aber an Durchschnaufen war nicht zu denken, denn bereits am 16. Mai ging es mit einer heftigen HP-Superzelle (HP = High Precipitation) nahe Goodland in Kansas weiter. Aus ein paar unscheinbaren Quellungen bildete sich hier in atemberaubender Geschwindigkeit eine Gewitterzelle, wie sie in Mitteleuropa kaum möglich ist. Grund genug für den lokalen Wetterdienst NWS, um diese auch mit einer amtlichen Tornado-Warnung mittels Cell-Broadcasting zu versehen. Für manche der deutschen Chaser war dies die erste Tornado-Warnung überhaupt – ein absoluter Gänsehaut-Moment. Insgesamt konnte diese Gewitterzelle, die vor allem heftigen Regen, Erdblitze, Großhagel und sogar einen massiven Staubsturm auslöste, über Stunden verfolgt werden.

Am 16. Mai konnte bei Goodland (Kansas) eine sehr starke Superzelle beobachtet werden, die Großhagel, einen Tornado-Verdacht und imposante Wolkenformationen mit sich brachte.

Tags darauf fand man sich in Nebraska, nördlich der Stadt Grand Island, wieder. Erneut war mit Schwergewittern zu rechnen und der Tag sollte sich zum Höhepunkt der USA-Reise entwickeln: Wieder bildete sich aus ein paar unscheinbaren Quellungen rasch eine Superzelle, die zunächst im klassischen Modus daherkam und dann auch den Wandel zur HP-Superzelle vollzog. Das „Highlight“ dieser Zelle bildete neben einer famosen Wolkenstruktur aber ein beeindruckender Tornado, der sich schnell bildete, massiv verbreiterte und als sogenannter Wedge-Tornado leider auch den Ort Saint Libory heftig traf und für große Schäden sorgte. Glücklicherweise ist aber bis hierhin nichts von Toten bekannt geworden. Später wurde der Tornado vom NWS mit einer Stärke von EF-3 (219-265 km/h) eingestuft, was als sehr destruktiv gilt.

Am Folgetag gab es über Saint Libory in Nebraska einen zerstörerischen Tornado.

Für den Folgetag (18. Mai) kündigte das SPC die zweithöchste Warnstufe im Hinblick auf Gewitter an und auch Tornados sollte es an diesem Tag erneut geben. Mittags hat man schon anhand einer sehr starken Schwüle gespürt, dass massiv Energie in der Luft lag. Kurz danach bildeten sich auch mehrere Superzellen, die allesamt mit einer Tornadowarnung versehen wurden und sehr stark rotierten. Leider war die Sicht an diesem Tag aufgrund der hohen Feuchte in der Atmosphäre stark eingeschränkt, sodass man nah an die Gewitterzellen heranfahren musste, um überhaupt etwas zu sehen. Bei Clay Center in Kansas konnten wir dann eine beeindruckende Superzelle erwischen, deren Nachfolgerin später eine Wallcloud (tiefe, abgesenkte Wolkenbasis mit Rotation) bildete, was auf eine unmittelbare Tornadogefahr hindeutete. Sogleich schrillten auch die Tornado-Sirenen in der Kleinstadt – ein weiterer Gänsehaut-Moment. Glücklicherweise blieb der Tornado aus und die Stadt verschont. Generell verlief dieser Tag etwas ruhiger als gedacht und der erwartete Tornado-Outbreak kam nicht zustande.

Am 18. Mai kündigte sich die nächste Schwergewitterlage an, glücklicherweise blieb ein Tornado-Outbreak jedoch aus.

In den weiteren Tagen beruhigte sich das Wetter etwas und der Fokus lag eher auf kleinen, lokalen Gewitterlagen mäßiger Intensität anstatt auf überregionalen Schwergewitterlagen. So konnte man etwa am 23. Mai in Texas oder am 25. Mai in Nebraska tolle Wolkenstimmungen mit unzähligen Blitzen beobachten, einen Teil davon sogar im besten Abendlicht.

Den Abschluss der Tour bildeten etwas schwächere, aber blitzaktive Gewitterzellen im Abendlicht – hier am 25. Mai in Nebraska.

Nach rund 12.000 km in nicht einmal 3 Wochen endete für die DWD-Meteorologen die USA-Tour 2026 am 28. Mai am Flughafen in Denver. Allen Beteiligten war aber schnell klar, dass es definitiv nicht das letzte Mal gewesen sein wird, dass man in den USA chasen war. Vor allem vor dem Hintergrund, dass die Saison 2026 unterdurchschnittlich verlief und damit Steigerungspotential in den kommenden Jahren besteht.

M.Sc.-Met. Oliver Reuter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/06/Stormchasing-in-den-USA-2026-1.jpg 853 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-06-16 16:07:132026-06-16 18:20:16Stormchasing in den USA 2026

Weltwindtag

15. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Wind bezeichnet im Allgemeinen die Verlagerung von Luftteilchen. Da die Teilchen nicht nur ihre Richtung, sondern auch ihre Stärke bei der Verlagerung ändern, ist der Wind eine Vektorgröße. Er wird in verschiedenen Höhen ermittelt, wobei die Angabe des Bodenwindes immer aus Messungen in 10 Metern Höhe erfolgen. In der Meteorologie unterscheidet man den Mittelwind von den Windspitzen. Der Mittelwind wird über 10 Minuten sowohl in Richtung als auch Stärke gemittelt. Die Richtung wird in Grad, die Stärke in Beaufort und die Geschwindigkeit in Deutschland meist in Kilometer pro Stunde angegeben. Die Windspitzen sind auch gemittelt, aber über eine Länge von 3 Sekunden. Ausgegeben werden sie unter anderem als Windspitze des Tages oder der Stunde.

Die Windspitzen können je nach Wetterlage deutlich vom Mittelwind abweichen. Bei einem Gewitter, wo die maximale Böe oft nur wenige Minuten andauert, kann der Unterschied zwischen Mittelwind und Spitze mehrere Beaufort betragen. Daher ist die Dokumentation der Windspitzen hier besonders wichtig.

Nun bewegen sich die Luftteilchen nicht einfach so, sie werden von den auf der Erde herrschenden Luftdruckunterschieden angetrieben. Da die Natur immer ein Gleichgewicht anstrebt, bewegen sich die Luftteilchen vom höheren zum niedrigeren Druck. Es handelt sich um einen Massenstrom mit dem Ziel, den Druckgradienten auszugleichen. Je größer die Druckunterschiede sind, umso schneller bewegen sich die Teilchen und umso höher ist die Windgeschwindigkeit. Dabei übt der Wind auf alles, was in seiner Strömungsrichtung liegt Druck aus – die entstehende Kraft heißt Winddruck oder Windkraft.

Windkraftanlagen machen sich die Windkraft zu Nutze und wandeln die kinetische Energie (Bewegungsenergie) des Windes in elektrische Energie um. Dabei werden die Rotorblätter vom Wind in Bewegung versetzt, was eine Rotationsenergie erzeugt. Die Rotorwelle im Inneren der Windkraftanlage nimmt das Drehmoment auf und leitet es an den Generator weiter. Dieser wandelt die mechanische Energie in elektrische Energie um. Diese Energie gelangt dann über einen Transformator in unser Stromnetz.

Je höher die Windgeschwindigkeit ist, umso stärker ist der Antrieb an den Rotorblättern. Damit erhöht sich das Drehmoment und schließlich auch die elektrische Energie. Die meisten Anlagen schalten sich bei einem Mittelwind von 3 bis 4 Metern pro Sekunde (entspricht etwa 10 bis 15 km/h) ein. Eine automatische Abschaltung erfolgt bei Windgeschwindigkeiten ab etwa 90 km/h. Das schützt die Anlage vor Sturmschäden und das Stromnetz vor Überlastung.

Kommen wir nun zum Weltwindtag. Der geht auf die European Wind Energy Association zurück. Durch sie wurde bereits 2007 der Wind Day ins Leben gerufen, um auf die Bedeutung der Windenergie in der heutigen Zeit hinzuweisen. Seit ihrer Kooperation mit globalen Windenergiekonsortien wurde aus dem ursprünglich europäischen Aktionstag ein weltweiter. Der Auftrag ist aber geblieben: Die Windenergie und ihre Rolle in der Gesellschaft hervorzuheben. Das diesjährige Motto lautet „our wind, our community“ und soll verdeutlichen, dass Windenergie am besten funktioniert, wenn alle mitmachen.

Windkraftanlagen sind nicht unumstritten. Für die einen „verschandeln“ sie die Umgebung, für andere stellen sie eine Gefahr für die Flora und Fauna dar. In der Meteorologie stören Windkraftanlagen häufig Radarmessungen. Da sie sich aber selten bewegen, kann man mit klugen Rechenoperationen die erzeugten Fehlmessungen ausbessern.

Diplom-Meteorologin Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-06-15 22:46:512026-06-15 22:53:40Weltwindtag

Erwartet uns eine intensive Hitzewelle?

14. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Tief SABINA sorgt am heutigen Sonntag vor allem im Nordosten für wechselhaftes Wetter. Im Tagesverlauf treten dort immer wieder Schauer und vereinzelt auch Gewitter auf. Zwischen Hoch FALK über Westeuropa und Tief SABINA stellt sich ein relativ starker Druckgradient ein. Dies hat einen lebhaften Nordwestwind zur Folge. In Schauer- und Gewitternähe sowie in exponierten Lagen sind zudem stürmische Böen bis Stärke 8 Beaufort möglich. Insgesamt ergibt sich damit eher ein frühherbstlicher Eindruck. Der Südwesten befindet sich dagegen bereits unter dem Einfluss von Hoch FALK. Dort scheint heute häufiger die Sonne, und die Temperaturen erreichen frühsommerliches Niveau. Am Oberrhein werden Höchstwerte von bis zu 26 Grad erwartet.

Vorhersagekarte für Sonntag, den 14.06.2026 um 12 UTC. Tief SABINA beeinflusst vor allem den Nordosten mit wechselhaftem und kühlem Wetter. (Quelle:DWD)

In den kommenden Tagen verlagert sich Tief SABINA allmählich nach Nordwestrussland und macht damit Platz für hohen Luftdruck. Allerdings bleibt die Nordhälfte zunächst im Einflussbereich von Frontensystemen, die neben vielen Wolken auch immer mal wieder schauerartige Regenfälle mit sich bringen. Örtlich sind auch Gewitter mit von der Partie. Dies ändert sich aber allmählich zur Wochenmitte. Dann baut sich von Südwesten ein Höhenrücken auf. Dieser ist mit hohem Luftdruck am Erdboden und absinkenden Luftmassen verbunden. Dadurch nehmen die Sonnenscheinanteile auch im Norden zu. Gleichzeitig strömt von Südwesten heiße und zunehmend auch sehr feuchte Luft nach Deutschland.

Am Donnerstag steigen die Temperaturen damit landesweit deutlich an. Dann werden in der Südhälfte in den Niederungen verbreitet Temperaturen um oder über 30 Grad erreicht. Entlang des Oberrheins sind auch bereits Spitzenwerte bis 36 Grad möglich. Auch im Hinblick auf die zunehmende Schwüle und die zunehmend warmen Nächte steigt die Wärmebelastung deutlich an. Am Freitag dehnt sich die Zone der schweißtreibenden Temperaturen noch etwas nach Norden aus. Damit sind dort nun abseits der Küstengebiete verbreitet Höchstwerte um 30 Grad zu erwarten. In der Mitte und im Süden liegen die Höchsttemperaturen voraussichtlich um 35 Grad. Örtlich auch darüber.

Unsicherheiten bezüglich der Spitzenwerte ergeben sich aber vor allem noch dadurch, dass am Freitag im Tagesverlauf hauptsächlich im Westen das Gewitterrisiko steigen wird. Grund dafür ist die sehr energiereiche Luftmasse. Zudem ist die Troposphäre recht labil geschichtet, da der über Mitteleuropa liegende Keil in der Höhe nicht sehr stark ausgeprägt ist. Somit sind vor allem über dem Bergland und im weiteren Verlauf durch einen von Westen heranrückenden Trog auch im Nordwesten kräftige Gewitter möglich. Diese können nicht nur die Höchsttemperaturen etwas dämpfen, sondern auch für Unwettergefahr sorgen!

Modellvergleich der prognostizierten Großwetterlage für Sonntag, den 21.06.2026 um 00 UTC. Die Verlagerung des herannahenden Troges über Nordwesteuropa ist noch mit einigen Unsicherheiten verbunden. (Quelle:DWD)

Für den weiteren Verlauf des Wochenendes wird entscheidend sein, wie schnell ein von Westen heranrückender Trog auf Deutschland übergreift. Dies wird von den Modellen noch sehr unterschiedlich berechnet. Es deutet sich im Norden damit bereits zum Sonntag hin eine deutliche Abkühlung an. Im Süden stehen die Chancen auf eine Fortsetzung der Hitzewelle aber durchaus gut. Damit sind dort in den Niederungen ab Donnerstag sogar mehrere sehr heiße Tage mit Spitzenwerten von über 35 Grad möglich! Eine längere Hitzewelle scheint somit insbesondere im Südwesten sehr wahrscheinlich. Im Norden dürfte die Hitze allerdings maximal nur von kurzer Dauer sein, während es an den Küsten voraussichtlich sogar komplett hitzefrei bleibt.

Ensemblevorhersagen der Temperatur in 1500 Metern Höhe, des Niederschlags und des Geopotentials für die nächsten zehn Tage für Stuttgart und Hamburg. Während im Süden eine längere Hitzewelle recht wahrscheinlich ist, ist die Andauer und Intensität der Hitze im Norden voraussichtlich stark begrenzt. (Quelle:ECMWF)

Damit ist ab der Wochenmitte vor allem in der Südhälfte Schwitzen angesagt. Erschwerend zu den hohen Temperaturen und der hohen Luftfeuchte kommt auch noch der Sonnenhöchststand hinzu. Der Sonnenhöchststand wird zur Sommersonnenwende am 21. Juni erreicht. Dadurch fühlen sich die ohnehin schon sehr hohen Temperaturen bei Aufenthalt in der Sonne noch höher an. Wer der Hitze entfliehen möchte und kann, für den bietet sich ein Ausflug an die Nordseeküste an.

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/06/Erwartet-uns-eine-intensive-Hitzewelle-1.png 910 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-06-14 15:23:522026-06-15 22:49:12Erwartet uns eine intensive Hitzewelle?

Das Vertikalprofil – ein zentrales Analyse-Werkzeug

13. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Liest man dieser Tag den Wetter- oder Warnlagebericht, oder auch speziellere Produkte wie die zweimal täglich vom DWD ausgegebene Übersicht der synoptischen Kurzfristvorhersage, so wird aufgefallen sein, dass relativ konsequent das Gewitterpotenzial besprochen wird – sei es, weil das Potenzial besonders hoch ist, weil Gewitter in bestimmten Regionen nicht ausgeschlossen werden können, oder auch weil das Ausbleiben von Gewittern erwähnenswert sein kann. Auch die teils schweren Gewitterlagen der vergangenen Wochen (beispielsweise am 29.05.2026) haben verdeutlicht, dass wir uns in der Gewittersaison befinden. Das Potenzial für solch hochreichende Konvektion mit elektrischer Entladung als zentrale Begleiterscheinung hängt, eng verknüpft mit der zugrunde liegenden großskaligen Strömung, maßgeblich von der lokalen vertikalen Schichtung der Atmosphäre ab. Spezifischer, von den Vertikalprofilen der Temperatur, der Luftfeuchtigkeit und des Windes in der Troposphäre – jener erdnächsten Atmosphärenschicht in der das allgemeine Wettergeschehen stattfindet.

Ein zentrales Analyse-Werkzeug in der Meteorologie insbesondere in diesem Kontext ist das sogenannte log-p skew-T Diagramm: eine spezielle und zweckdienliche Art den Höhenverlauf der oben genannten zentralen Parameter darzustellen. Zweckdienlich dahingehend, dass das geübte Auge aus dem Profil der Mess- oder Modellgrößen sowie den dargestellten Hilfsparametern eine recht konkrete Abschätzung über das Gewitterpotenzial sowie die Ausprägung der möglichen Begleiterscheinungen – Niederschlagsmenge, Windböen, und Hagelgröße – geben kann.

Abb. 1 Radiosonden-Aufstieg vom meteorologischen Observatorium Lindenberg am vergangenen Donnerstag, dem 11.06.2026 um 12 Uhr. Eingeblendet werden sukzessive die im Text beschriebenen Hilfslinien, sowie im Anschluss die gemessenen Vertikalprofile von Temperatur, Taupunkt, und Wind.

In Abbildung 1 werden zuerst die sich teils gegenseitig bedingenden Koordinaten als Grundlage des log-p skew-T Diagramms sukzessive hinzugefügt. In der vertikalen Achse ist der mit der Höhe exponentiell abnehmende Luftdruck p logarithmisch aufgetragen, daher das namensgebende log-p. Die Isothermen, die Linien konstanter Temperatur sind nicht vertikal aufgetragen, sondern diagonal geneigt – daher das skew („geneigt“) T. Die Isothermen sind in 10 Grad Schritten aufgetragen, die 0 Grad Isotherme ist blau hervorgehoben.

Die Linien, die in der Abbildung als erstes neu erscheinen sind die sogenannten Trockenadiabaten. Sie zeigen, wie sich die Temperatur eines Luftpakets verändert, wenn es aufsteigt oder absinkt, unter der Annahme, dass es keine Wärme mit seiner Umgebung austauscht. Die zweite wichtige Bedingung für diese Temperaturänderung von etwa 1 °C pro 100 m ist, dass die Luft noch nicht mit Wasserdampf gesättigt ist. Das bedeutet, dass keine Kondensation stattfindet und kein Wasser aus der Luft ausfällt.

Denn ebenso wie Energie benötigt wird, um die Bindungen von Wasser im flüssigen Zustand zu lösen – beispielsweise beim Verdampfen von Wasser – wird Energie frei, wenn gasförmiges Wasser wieder in den flüssigen Zustand übergeht. Erreicht ein aufsteigendes Luftpaket Sättigung und beginnt Wasserdampf zu kondensieren, so wird diese sogenannte latente Wärme freigesetzt. Dadurch kühlt sich das Luftpaket mit zunehmender Höhe langsamer ab als im ungesättigten Fall. Der entsprechende Temperaturverlauf ist durch die sogenannten Feuchtadiabaten dargestellt (grüne, als zweites eingeblendete Linien in Abbildung 1).

Die zuletzt eingeblendeten grün gestrichelten Hilfslinien zeigen konstante Wasserdampf-Mischungsverhältnisse an, also wie viel Gramm Wasserdampf in einem Kilogramm Luft sind. Für jeden festen Wert des Wasserdampf-Mischungsverhältnisses gibt es genau eine Temperatur, bei der die Luft Sättigung erreicht. Somit sind diese Linien im Diagramm eindeutig festgelegt. Sie ermöglichen es, sowohl aus dem Temperaturverlauf abzulesen, wie viel Wasserdampf die Luft maximal enthalten kann bevor Sättigung eintritt, als auch aus dem Taupunktverlauf zu bestimmen wie viel Wasserdampf tatsächlich in der Luft vorhanden ist.

Nachdem die beschriebenen Koordinaten und Hilfslinien in Abbildung 1 eingeblendet sind, folgen die eigentlichen Messwerte, von einem Radiosonden-Aufstieg (Wetterballon) vom meteorologischen Observatorium Lindenberg am vergangenen Donnerstag, dem 11.06.2026 um 12 Uhr: zuerst in schwarz der Verlauf der Temperatur mit der Höhe, dann gestrichelt der Taupunkt als absolutes Maß der Luftfeuchtigkeit, und zuletzt die Windfiedern.

Die Auswertung eines aufsteigenden Luftpakets anhand des gemessenen Radiosondenprofils zeigt den Aufstieg der bodennahen Luft entlang der Trockenadiabate bis zur Wasserdampfsättigung, im Anschluss entlang der Feuchtadiabate. Die im Text nicht beschriebenen dargestellten Größen können vorerst getrost ignoriert werden.

An besagtem Tag befand sich ein Höhentrog über Deutschland, eine Auslenkung von Luftmassen aus nördlicheren Breitengraden Richtung Süden. Die bei einem Druckniveau von mehr als 300 hPa verhältnismäßig tief liegende Tropopause deutet im Vertikalprofil darauf hin. Die Luftmasse war tatsächlich mäßig labil geschichtet – „zu“ warme und ausreichend feuchte Luft befand sich in Bodennähe – so dass es zu vertikaler Durchmischung kam und sich relativ verbreitet über Deutschland Schauer und Gewitter bildeten. Die Luft in Bodennähe stieg entlang der Trockenadiabate auf bis Sättigung erreicht war, sprich bis das Mischungsverhältnis des bodennahen Taupunkts die Aufstiegs-Trockenadiabate schnitt. Ab dort kühlte sich die Luft beim weiteren Aufstieg aufgrund der Freisetzung latenter Wärme bei Kondensation und Wolkenbildung weniger ab, und blieb somit bis es die Tropopause erreichte wärmer und leichter als die durch die Temperaturmessung repräsentierte Umgebungsluft.

Falls das Alles zunächst etwas viel Information auf einmal war, ist das kein Grund zur Sorge – das liegt gewissermaßen in der Natur dieser eher unintuitiven, aber sehr aussagekräftigen Diagramme. Beim Lesen und Interpretieren solcher Aufstiegsprofile hilft vor allem Übung. Sollten Ihnen in einer späteren Lektüre, beispielsweise im Thema des Tages, erneut ein solches Diagramm begegnen, können Sie nach der heutigen Einführung (oder Auffrischung) hoffentlich bereits etwas mehr daraus entnehmen – sei es „nur“ der Temperaturverlauf, oder auch Hinweise auf das Potenzial für vertikale Luftbewegungen und Durchmischung in der Troposphäre.

Dr. rer. nat. Thorsten Kaluza (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.06.2026
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Die atlantische Hurrikansaison 2026: Ist-Zustand und Prognosen

12. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Offiziell läuft die alljährliche Hurrikansaison über dem Nordatlantik vom 1. Juni bis zum 30. November. Vor ihrem Beginn erstellen diverse nationale Wetterdienste und weitere wissenschaftliche Einrichtungen stets Prognosen über ihren Verlauf. Prognostiziert wird dabei die Anzahl benannter Stürme, wobei es dabei nicht nur um Hurrikane geht, sondern um alle tropischen und subtropischen Stürme über dem Nordatlantik.

Dabei definieren sich die Wirbelstürme über ihre mittlere Windgeschwindigkeit (1-minütiger Mittelwind). Ab 62 km/h spricht man von einem tropischen Sturm (bzw. je nach Entstehungsregion auch subtropischen Sturm), ab 119 km/h von einem Hurrikan und ab 178 km/h von einem schweren Hurrikan (engl.: major hurricane). Schwere Hurrikane nehmen damit die Kategorien drei bis fünf auf der fünfteiligen Saffir-Simpron-Skala ein. Durchschnittlich entwickelten sich zwischen 1991 und 2020 – also innerhalb der aktuellen sogenannten Vergleichsperiode – pro Jahr 14 tropische Stürme, darunter 7 Hurrikane und darunter wiederum 3 schwere Hurrikane.

Vergleichen wir diese Durchschnittswerte mal mit dem Rekordjahr 2020. Mit 30 benannten Stürmen – so viel gab es noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen – entwickelten sich damals mehr als doppelt so viele Stürme als im Mittel. Davon mauserten sich 14 Stück zu Hurrikanen (Platz 2 nach 2005) und davon wiederum sieben zu schweren Hurrikanen (wie 2005). Letztes Jahr verlief mit 13 tropischen Systemen zwar eher durchschnittlich, von den „nur“ 5 darunter befindlichen Hurrikanen entwickelten sich aber stolze 4 zu schweren Hurrikanen. „Wenn dann richtig!“ könnte man die Saison 2025 also zusammenfassen.

Das Klimaprognosezentrum der US-amerikanischen NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) prognostiziert für 2026 eine unterdurchschnittliche Wirbelsturmaktivität auf dem Nordatlantik (Stand 21.05.2026). Für dieses Szenario ruft es eine 55-prozentige Wahrscheinlichkeit auf. Einer durchschnittlichen Saison räumt es immerhin noch eine 35-prozentige, für eine überdurchschnittliche dagegen nur eine 10-prozentige Chance ein. Als Hauptgrund für diese „Zurückhaltung“ wird die derzeitige Entwicklung von El Nino genannt, der sich unter der Saison weiter verstärken soll. Unter El Nino versteht man kurz und knapp gesagt ein großräumiges Zirkulationsmuster über dem Pazifik. Auch wenn dieses Phänomen auf dem Pazifik beheimatet ist, so hat es doch einen signifikanten Einfluss auf das globale Wettergeschehen – unter anderem eben auch auf die tropische Wirbelsturmentwicklung über dem Atlantik (mehr dazu im Thema des Tages vom 18.05.2026).

Prognose der atlantischen Hurrikansaison 2026 durch die NOAA. Quelle: NOAA

In absolute Zahlen umgemünzt geht das Klimaprognosezentrum dieses Jahr von 8 bis 14 benannten Stürmen aus, wovon 3 bis 6 zu Hurrikanen und davon wiederum 1 bis 3 zu schweren Hurrikanen heranreifen sollen. Quasi ins gleiche Horn stoßen auch viele andere Institutionen mit ihren Prognosen, wie man der nachfolgenden Tabelle entnehmen kann. Als Hauptgrund wird ebenfalls die Entwicklung beziehungsweise Verstärkung von El Nino herangezogen.

Prognose der Anzahl benannter tropischer Stürme für 2026 auf dem Nordatlantik von verschiedenen Institutionen. Dazu das jeweilige Mittel zwischen 1991 und 2020 sowie die höchste und niedrigste Aktivität.

Einzig die University of Arizona wählt einen total anderen Weg und geht von einer überdurchschnittlichen Saison aus. Sie sieht Ähnlichkeiten zu 2023 als trotz sich ausbildendem El Nino eine der aktivsten Wirbelsturmsaisons seit Aufzeichnungsbeginn beobachtet wurde. Grund hierfür war eine ungewöhnlich hohe Meeresoberflächentemperatur, die den dämpfenden El-Nino-Effekt kompensieren konnte. Eine sehr interessante Theorie! Ob es sich dann letztlich wirklich nur um eine Außenseiterlösung gehandelt hat, bleibt abzuwarten.

Aktuell steht der Zähler übrigens noch auf null (Stand: 12.06.2026). Doch die Frage ist nicht ob, sondern wann der erste Wirbelsturm in diesem Jahr auftritt. Dabei ist es letztlich egal, wie aktiv die Saison ausfällt. Denn im Endeffekt reicht schon ein Sturm, der auf dicht besiedeltes Küstengebiet trifft, aus, um selbst aus einem potenziell unterdurchschnittlichen Wirbelsturmjahr ein katastrophales zu machen.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/06/Die-atlantische-Hurrikansaison-2026-1.png 1080 1920 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-06-12 15:40:272026-06-15 22:48:03Die atlantische Hurrikansaison 2026: Ist-Zustand und Prognosen

Nicht so schönes Wochenende?

11. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Aktuell zeigt die Bodenwetterkarte zwar den Einfluss eines Hochdruckgebietes, wer aber aus dem Fenster guckt, der sieht oft dichte und dunkle Wolken oder gar Regen und Gewitter. Dazu ist es recht frisch für fast Mitte Juni. Die Temperaturen liegen am Nachmittag meist zwischen 16 und 20 Grad.

Grund für das wenig sommerliche Wetter ist das Bodentief ROSI über der Norwegischen See. Es ist auch in höheren Luftschichten gut ausgeprägt und die Ausläufer reichen bis nach Deutschland. Dabei gelangt aus Westen subpolare Meeresluft zu uns, die nicht nur kühl sondern auch feucht ist.

links: Karte Europa und Nordatlantik mit Frontenanalyse des DWD vom 11.06.2026 6 UTC; rechts: Vorhersage Höhenwetterkarte aus ICON für den 11.06.2026 12 UTC

An der Konstellation ändert sich auch am morgigen Freitag wenig. Zwar wird ROSI dann unter Auflösungserscheinungen den Weg über Skandinavien ostwärts nehmen. Auf dem Atlantik stehen aber neue Tiefdruckgebiete bereit, um die Wetterregie bei uns zu übernehmen. Aus Westen breiten sich bereits in der Nacht zum Freitag schauerartige Regenfälle zu uns aus, die im Tagesverlauf auch den Osten und Südosten Deutschlands erreichen. In der Nacht zum Samstag ziehen die Niederschläge dann allmählich ostwärts ab. Bis dahin regnet es am Alpenrand recht langanhaltend, sodass regional über 30 Liter pro Quadratmeter in 24 Stunden zusammenkommen.

Am Samstag liegen wir zwischen Tiefdruckgebieten über Skandinavien und einem Hochdruckgebiet, das von der Biskaya bis nach Tunesien reicht, in einer straffen nordwestlichen Strömung. Dabei wird in den Norden und Osten kühle und feuchte Luft geführt, die immer wieder für Schauer und auch Gewitter sorgt. Im Südwesten kommt dagegen trockene und milde Luft an und bei viel Sonnenschein steigt die Temperatur verbreitet auf sommerliche Werte über 25 Grad. Etwas ungemütlich ist der bundesweit frische bis starke Wind, der in Böen auf den Bergen und an den Küsten durchaus stürmisch sein kann. Er dämpft das Wärmeempfinden, wobei im Norden bei Maxima von 16 bis 20 Grad kaum von Wärme gesprochen werden kann.

Karte Europa und Nordatlantik mit der Vorhersage von Isobaren und Fronten für Samstag, den 13.06.2026 12 UTC

Am Sonntag verlagert das Hoch seinen Schwerpunkt nach West- und Nordwesteuropa und der Tiefdruckeinfluss aus Nordosten gewinnt. Damit wird die milde Luft wieder nach Frankreich und in die Schweiz gedrängt und auch im Südwesten setzt sich wieder kühlere Luft durch. Mit etwas Glück werden am Hochrhein noch knapp über 25 Grad erreicht. Da der Anteil an trockener Luft aber überwiegt, sind Schauer zwischen Eifel und Bodensee unwahrscheinlich. Anders sieht es nördlich des Mains aus. Da fließt die kühle und feuchte Luft weiter ungehindert ein und es kommt wiederholt zu Schauern, im Nordosten auch zu Gewittern. Die Höchstwerte liegen zwischen 16 und 20 Grad. Da der Druckgradient dort weiterhin recht hoch ist, ist auch der Wind noch frisch unterwegs. Nach Süden hin fächert der Gradient mit abziehendem Hoch auf und der Wind lässt deutlich nach.

Karte Europa und Nordatlantik mit der Vorhersage von Isobaren und Fronten für Sonntag, den 14.06.2026 12 UTC

Fazit: Wie immer ist die Ansicht des „schönen“ Wetters subjektiv. Für den Fan von Sonne und Wärme lohnt sich am Wochenende ein Ausflug in den Südwesten Deutschlands. Wen dichte Wolken und mindestens zeitweise Nässe nicht stören, der ist im Nordosten gut aufgehoben. Alle, die sich an wechselhaftem Wetter erfreuen, werden dazwischen sicher glücklich.

Dipl. Meteorologin Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 11.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/06/Nicht-so-schoenes-Wochenende-1.png 802 2242 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-06-11 19:18:032026-06-15 22:47:59Nicht so schönes Wochenende?

Das Observatorium auf dem Hohen Sonnblick

10. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Wie schon am gestrigen Dienstag entführt Sie das Thema des Tages in die Berge. Dabei gilt das Augenmerk heute dem Hohen Sonnblick (Höhe 3106 m über der Adria) in der Goldberggruppe der Hohen Tauern. Er liegt auf dem Gebiet des Raurisertals im österreichischen Bundesland Salzburg (Abbildung 1). Zusammen mit seinen Nachbargipfeln, dem 3123 m ü. A. hohen Schareck und dem 3254 m ü. A. hohen Hochgarn, dem höchsten Gipfel der Goldberggruppe, bilden sie einen Teil der Grenze des Bundeslandes Salzburg zum benachbarten Kärnten.

Karte des Bundeslandes Salzburg mit Detailkarte des Raurisertals. Quelle: Google Maps

Wer in der Region unterwegs ist, bewegt sich im Bereich des Tauernfensters, eines geologisch außergewöhnlichen Gebiets, das von seiner westlichen Begrenzung am Brenner bis etwa ins österreichische Lungau recht und von Nord nach Süd eine Ausdehnung von etwa 30 km aufweist. Das Tauernfenster gilt als besonders mineralienreich, im Raurisertal äußert sich diese Tatsache unter anderem in nicht unerheblichen Goldvorkommen.

Bis hierhin hat das Ganze noch nicht viel mit Meteorologie zu tun. Aber bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert wurden in der meteorologischen Community die Stimmen lauter, nach der vermehrt auch in exponierten Höhenlagen Messstationen betrieben werden sollten. Diese Forderung wurde sowohl beim ersten Meteorologenkongress 1873 in Wien als auch beim zweiten Meteorologenkongress 1879 in Rom erhoben. Bei Letzterem wurde sogar die Empfehlung ausgesprochen, es möge doch – bitte schön – ein ganzes Netzwerk von Messstationen werden.

Der Vorteil von Höhenmessungen liegt dabei auf der Hand: Das Beobachtungsgebiet quasi in die dritte Dimension zu erweitern und auf diese Art und Weise Daten zu sammeln, die einen wesentlichen Baustein zum Verständnis atmosphärischer Prozesse liefern. Darüber hinaus konnten die so gewonnenen Daten verglichen werden, einerseits mit den Messungen in tieferen Lagen, andererseits aber auch mit den damals aufkommenden Drachen- und Ballonmessungen. Und, last but not least, war man getrieben von der Hoffnung auf bessere Vorhersagen. Mit anderen Worten: Man wollte den sympathischen Maiöc
(https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2026/6/9.html)
und seine Bauernregeln gerne in Rente schicken – was aber bis heute nicht so ganz geklappt hat.

Wie auch immer, in der Folge wurde eine Reihe von Hochgebirgs-Observatorien eingerichtet. Auf dem Säntis in der Schweiz war man 1882 soweit. Auf der Zugspitze begann man im Jahr 1900 mit den Messungen, so dass der DWD im letzten Jahr das 125. Jahr der Messungen auf Deutschlands höchstem Berg feiern konnte. In Österreich suchte der später sogar geadelte Meteorologe Julius Ferdinand Hann (Abbildung 2), der damalige Direktor der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG, heute Teil von GeoSphere Austria), einen adäquaten Standort. Er landete bei seiner Suche letztendlich im Gebiet des Tauernfensters – und dort wiederum im Raurisertal.

Portraits von Julius Ferdinand Hann (links) und Ignaz Rojacher (rechts). Quelle: wikipedia.de

Und das war durchaus kein Zufall. Denn die Region war für damalige Maßstäbe vergleichsweise hoch industrialisiert. Zur Blütezeit des Tauernbergbaus kamen etwa 10% des weltweiten Goldes aus der Region. Und der Bergwerksbesitzer Ignaz Rojacher (ebenfalls Abbildung 2), dem man nachsagt, er habe neben dem elektrischen Strom und dem Telefon auch die Ski (oder doch die Schi?) nach Rauris gebracht, unterstützte den Bau eines Observatoriums auf dem Hohen Sonnblick. Die Herausforderungen waren enorm, nicht nur finanziell. So mussten die Baumaterialien allesamt entweder getragen oder mit provisorischen Seilbahnen gezogen werden. Hier kam den Erbauern sicherlich das Wissen aus dem Bergbau zugute. Auch die klimatischen Bedingungen waren sehr anspruchsvoll, im vieljährigen Mittel steigt die Temperatur tagsüber nur zwischen Juni und September auf positive Werte (Abbildung 3). Wobei die Angabe der Regentage in Abbildung 3 mit Vorsicht zu genießen ist, handelt es sich dabei doch fast ausschließlich um Schneetage.

Klimatabelle für den Hohen Sonnblick. Quelle: GeoSphere Austria

Eingeweiht wurde das Observatorium letztendlich 1886. Es ist bis heute die höchstgelegene meteorologische Beobachtungsstation Österreichs und wenig überraschend hat sie auch einige Rekorde zu bieten. So wurde z. B. am 9. Mai 1944 mit 11,9 m die höchste in Österreich je gemessene Schneedecke registriert.

Das Aufgabenfeld des Observatoriums auf dem Hohen Sonnblick hat sich im Laufe der Jahre und Jahrzehnte gewandelt bzw. wurde erweitert. Ein Schwerpunkt liegt heute auf der Klimaforschung. Die (vermutlich durchweg männlichen) Teilnehmer der ersten beiden Meteorologenkongresse hatten sicherlich das Thema Klimawandel nicht auf der Agenda und folglich war ihnen vermutlich auch nicht klar, dass der Klimawandel im Hochgebirge noch schneller voranschreitet als in tieferen Lagen.

Temperaturentwicklung auf dem Hohen Sonnblick für die Jahre 1886 bis 2025, jährliche Werte sowie tiefpassgefilterter Trend. Quelle: GeoSphere Austria

Die Abbildung 4 zeigt dies sehr eindrücklich. Für das Zeitfenster von 1886, der Inbetriebnahme des Observatoriums am Hohen Sonnblick, bis zum Jahr 2025 zeigt sie die jährlichen Mittelwerte der Temperatur ebenso wie einen gleitenden tiefpassgefilterten Durchschnitt. Während die Mitteltemperatur auf dem Hohen Sonnblick zu Henns und Rojachers Zeiten noch bei etwa -7°C gelegen hat, nähert sie sich aktuell von unter der -3°C-Marke, was mithin einem Anstieg der Mitteltemperatur von etwa 3,5°C entspricht (HISTALP steht dabei übrigens für Historical Instrumental climatological Surface Time series of the greater ALPine region).

Webcambilder des Goldbergkees, oben vom 06.08.2016, unten vom 09.08.2025. Quelle: GeoSphere Austria / foto-webcam.eu

Diese traurige Realität kann man vom Hohen Sonnblick täglich live erleben, schließlich wartet das Gebiet neben einem beeindruckenden Panorama auch mit dem ein oder anderen größeren oder kleineren Gletscher auf. Einer davon ist das Goldbergkees, von dessen zeitlicher Entwicklung die Abbildung 5 einen Eindruck vermitteln soll. Während das obere Bild vom 8. August 2016 stammt, wurde das untere Bild am 9. August 2025 aufgenommen. Der Masseverlust des Goldbergkees ist dabei deutlich zu erkennen.

Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/06/Das-Observatorium-auf-dem-Hohen-Sonnblick-1.png 612 913 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-06-10 14:08:202026-06-15 22:47:56Das Observatorium auf dem Hohen Sonnblick

Wetterweisheiten aus den Bergen

9. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Wer gern in den Bergen unterwegs ist und erst recht, wenn es in hochalpine Regionen geht, der kommt um einen Blick in die Wetterentwicklung nicht herum – oder sollte es zumindest nicht. Das Wetter in den Bergen ändert sich teilweise sehr schnell und kann gefährlich werden. Von daher sollte schon bei der Planung das Wetter im Blick behalten werden, Touren umgeplant oder angepasst oder im Zweifelsfall auch gar nicht gestartet werden. Dies betrifft sowohl den Winter und Frühling mit Themen wie der Schnee-, Wind- und der damit verbundenen Lawinensituation als auch den Sommer bis in den Herbst mit Gewittern und Starkregenereignissen. In den Hochalpen sind auch Schneefälle im Frühsommer bis in den Juni hinein oder auch bereits wieder Ende August / Anfang September keine Seltenheit.

Foto einer Infotafel aus Casaccia/Maloja, Oberengadin, Schweiz

Bei einer Wanderung im Schweizer Engadin begegnete der Autorin in diesem Zusammenhang eine Infotafel mit meteorologischen und nicht meteorologischen Aspekten zum Thema Bergwetter oder besser gesagt mit einer Auflistung an Merksätzen, Regeln und Zeichen zur Einschätzung der Wettersituation in den Bergen. Einige davon beziehen sich auf die Tierwelt, einige sind meteorologisch erklärbar und bei anderen wiederum regten sich beim Lesen Zweifel an der Verlässlichkeit. Bereits in der Einleitung heißt es: „Schon seine [der auf dem Schild zitierte Bergbewohner Maiöc, Anmerkung der Autorin] Tasse Kaffee am Morgen gibt ihm den ersten Hinweis. Wenn sich die Blasen in der Mitte der Tasse sammeln, wird es schön. Sammeln sie sich hingegen am Rand, wird es Regen geben.“ – Nun ja, eine wirklich meteorologische Erklärung fällt diesbezüglich schwer.

Nachfolgenden hier noch einige Tricks von Maiöc zur Einschätzung des Wetters…

Gut und beständig bleibt das Wetter, wenn:
– Die Wolken aufsteigen.
– Sich früh kräftiger Tau bildet.
– Die Wolken sich im Sommer zusammenballen und anhäufen (Kumulus).*
– Die Schwalben hoch fliegen.
– Die Frösche abends lange quaken.
– Der Himmel mattblau und wolkenarm ist.
– Sich die Kondensstreifen der Flugzeuge schnell auflösen.
– Die Mückenschwärme in der Abendsonne tanzen.
– Sich nachts Reif oder Tau bildet.
– Nachts die Milchstraße deutlich zu sehen ist.

Analog gibt es auch einige Punkte, bei der nun die „Neigung zu schlechtem Wetter“ absehbar ist:

– Die Bienen mitten im Tag aufhören Nektar zu sammeln.
– Wenn sich ein kräftiges Morgenrot auf tiefhängenden Wolken bildet.
– Frühnebel aufsteigt.
– Die Schwalben tief fliegen.
– Die Sterne stark flimmern.
– Der Tau im Sommer ausbleibt.
– Die Ameisen aufgeregt sind und offenbar planlos durch die Gegend laufen.
– Die Katze gähnt.
– Die Geräusche aller Art besonders deutlich und von weither hörbar sind.
– Die Insekten morgens schon lästig sind (Gewitter).

Diese Liste ist nicht vollständig und soll auch nicht im Einzelnen auf meteorologische Wertigkeit geprüft werden. Die komplette Liste findet sich auf beigefügtem Foto der beschriebenen Infotafel. Einzig auf die Weisheit mit der Cumulusbewölkung (*) soll hier kurz eingegangen werden. Danach soll das Wetter gut und beständig bleiben, wenn sich im Sommer die Wolken „zusammenballen und anhäufen“ – das ist tatsächlich insbesondere in den Bergen ein schmaler Grat. Sicher gibt es flache Cumulusbewölkung, die auch als Schönwetter- oder Schäfchenwolken bezeichnet werden. Bei entsprechender, labiler Luftmasse und mit zusätzlichem Hebungsantrieb in den Bergen können aus kleinen Cumuluswolken allerdings schnell hochreichende Cumulus- und damit Gewitterwolken entstehen. Und dann kann es in offenem, hochalpinem Gelände gefährlich werden.

Egal wie, ob mit den oben genannten Aspekten oder vielleicht doch lieber mit einem Blick in entsprechende Wetterberichte oder Apps, bei Aufenthalten im Freien ist es immer ratsam, einen Blick auf die Wetterentwicklung zu richten und gegebenenfalls auch rechtzeitig umzukehren, falls sich wider Erwarten die Umstände doch anders entwickeln. Das betrifft natürlich auch nicht nur Aktivitäten in den Bergen. Manchmal wird man sonst vielleicht einfach nur nass und das ist unangenehm, vielleicht gerät man aber auch in gefährliche oder gar lebensbedrohliche, wetterbedingte Situationen.

Spezielle Berichte für die Alpen, aber auch für die Küsten von Nord- und Ostsee, die entsprechend angrenzenden Seegebiete oder auch den Bodensee gibt es auf unserer Homepage und in unserer WarnWetter-App.

Dipl. Met. Sabine Krüger
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/06/Wetterweisheiten-aus-den-Bergen-1-scaled.png 2560 1516 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-06-09 17:58:312026-06-15 22:48:25Wetterweisheiten aus den Bergen

Die Schafskühle

8. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Nach mäßig warmen aber teils unbeständigen Vortagen lebt der Sommer dank dem scheidenden Hoch EMIL heute nochmals auf: Rund 25 bis 29 Grad sind vor allem im Süden und Osten zu erwarten, in der Mitte und Teilen des Nordens noch um 25 Grad und im Westen „nur“ bis 24 Grad. Hier kündigt sich schon jetzt die herannahende Kaltfront von Tief ROSI an, das als mehrkerniges Tiefdrucksystem von den Britischen Inseln bis nach Island reicht und einen deutlich kühleren Witterungsabschnitt samt Niederschlägen einleitet.

Die Großwetterlage ändert sich: Ausgehend von Tief ROSI zieht eine Kaltfront über Deutschland hinweg und leitet einen kühleren und unbeständigen Witterungsabschnitt ein (Quelle:DWD/Berliner Wetterkarte e.V.)

Während der Montag im Süden und Osten trocken über die Bühne geht, regnet es abends ganz im Westen bereits und auch das ein oder andere kurze Gewitter kann mit von der Partie sein, wobei aber keine Unwetter zu erwarten sind.

Am morgigen Dienstag zieht die Kaltfront langsam in Richtung Süden und Osten des Landes. Vor allem am Alpenrand kommt sie langsam ins Schleifen was bedeutet, dass sie nahezu ortsfest wird und einiges an Regen bringen kann, ganz vielleicht sogar warnwürdigen Dauerregen. Vom Südwesten bis zur Mitte lockert es aber schon wieder auf und es bleibt meist trocken. Anders jedoch in der Nordhälfte, wo einige Schauer und auch Gewitter zu erwarten sind. Bei 18 bis 21, vielleicht lokal 22 Grad ist es deutlich kühler als noch heute, wobei der böige West-/Südwestwind seinen Anteil an dem kälteren Feeling hat.

Am morgigen Dienstag ist das Wetter in Teilen sehr unbeständig mit Schauern, Gewittern oder länger anhaltendem Regen bei gemäßigten Temperaturen. (Quelle:DWD)

Richtig usselig wird es dann am Mittwoch, wenn zahlreiche Schauer und auch Gewitter von West nach Ost ziehen, die dem Tag einen aprilhaften Charakter verleihen. Da passen auch die Temperaturen gut ins Bild, denn bei rund 20 Grad wird Schluss sein. Manche mögen hierbei schon von der Schafskälte sprechen, die um diesen Zeitraum kreiselt, angebrachter wäre vermutlich aber eher eine „Schafskühle“, denn es könnte noch kälter sein.

Auch die Folgetage bleiben temperaturmäßig eher mäßig warm bis kühl und unbeständig mit zeitweiligem Regen oder Schauern. (Quelle:DWD)

Ab Donnerstag nehmen die Prognoseunschärfen wieder zu. Stand heute könnte, zumindest wenn man in der Westhälfte lebt, schwacher Zwischenhocheinfluss für eine vorübergehende Wetterberuhigung sorgen. Ansonsten sind Schauer, weiter im Osten vielleicht sogar Gewitter am Werk. An den Tageshöchsttemperaturen ändert sich nichts, bei maximal 20 Grad, häufig sogar etwas weniger, ist das Ende der Fahnenstange erreicht.

Zu guter Letzt ist in der Nacht zu Freitag und Freitag selbst ein neues Frontensystem aus Westen zu erwarten. Dieses bringt erneut leichte bis mäßige Niederschläge, wenngleich es mit 18 bis 22, am Oberrhein bis 23 Grad wieder etwas milder wird.

„Wann wird es mal wieder richtig Sommer?“ ist dann die passende Frage für das kommende Wochenende. Nach dem heutigen Willen der Wettermodelle setzt sich von Südwesten her Hochdruckeinfluss durch, mit dem die Witterung wieder beständiger wird und auch die Temperaturen wieder deutlich über die 25-Grad-Marke steigen könnten. Ob es am Ende aber so kommt, bleibt zumindest für ein paar Tage noch ungewiss und so muss der Konjunktiv weiter beibehalten werden.

M.Sc.-Met. Oliver Reuter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/06/Die-Schafskuehle-1.png 910 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-06-08 16:46:322026-06-15 22:48:18Die Schafskühle

Die Wettervorhersage für den D-Day

7. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Der „D-Day“ (Decision Day) am 06. Juni 1944 war der erste Tag der Invasion der Alliierten (USA, Kanada, Großbritannien und weitere Verbündete) an der französischen Atlantikküste in der Normandie zur Zeit des Zweiten Weltkrieges. Diese groß angelegte Militäraktion startete unter dem Decknamen „Overlord“ und beinhaltete die Einnahme deutscher Stellungen in der Normandie und die Errichtung mehrerer Brückenköpfe, um den Nachzug weiterer Truppen zu ermöglichen. Von dort aus sollte dann die Befreiung des westlichen Europas von der Naziherrschaft erfolgen.

Da diese Militäraktion die Überquerung des unberechenbaren Ärmelkanals mit teils nur bedingt hochseetauglichen Transportbooten erforderte, war eine erfolgreiche Landung maßgeblich vom Wetter abhängig. Die Prognose eines geeigneten Zeitfensters mehrere Tage im Voraus war zur damaligen Zeit fast nicht möglich, denn bereits die Vorhersage des nächsten Tages gestaltete sich schwierig. Zumal es sich bei dieser Region um eine handelt, in der das Wetter sehr variabel ist. Aufgrund dieser Variabilität ist eine Vorhersage über mehrere Tage auch heute noch nur begrenzt möglich. Es kann also mit Fug und Recht behauptet werden, dass diese Wettervorhersage im Jahr 1944 eine der wichtigsten in der Geschichte werden sollte.

Zumal das Militär mehrere Grundvoraussetzungen festlegte:

– Ebbe, um mögliche Unterwasserhindernisse des Feindes erkennen zu können, aber auch Flut, um nicht bereits weit vor der Küste an Land gehen und sich somit früh im Visier der deutschen Maschinengewehre bewegen zu müssen;
– Trockener und für schwere Fahrzeuge tragfähiger Boden, somit sollte es in den Tagen zuvor wenig bis gar nicht geregnet haben;
– Gute Lichtverhältnisse beim nächtlichen Einsatz von Transportflugzeugen und Bombern, was vor allem bei Vollmond gegeben wäre;
– Kein Morgennebel und kaum Wolken für gute Sichtbedingungen der Fallschirmjäger und
– Auflandiger Wind von maximal 20 km/h, aber keine Windstille.

Im Mai 1944 wurde der D-Day auf den Morgen des 05. Juni terminiert. Anfang Juni war das Wetter sehr wechselhaft, da über dem Atlantik ein Tiefdruckgebiet dem nächsten folgte. Nun sollte der D-Day verschoben werden. Um den Moment eines Überraschungsangriffs nicht zu versäumen, wurde der D-Day aber nur um einen Tag verschoben.

Die Vorhersagen wichen damals stark voneinander ab, sowohl bei den Alliierten untereinander als auch im Vergleich zur deutschen Vorhersage. Für den 05. Juni sollte der Chefmeteorologe Eisenhowers recht behalten, denn eine Kaltfront sorgte für viel Wind und Regen, was die Militäraktion unmöglich gemacht hätte. Hinter der Kaltfront zeichnete sich für den 06. Juni eine vorübergehende Wetterberuhigung im Zusammenhang von Zwischenhocheinfluss ab und somit eröffnete sich ein kurzes Zeitfenster für eine mögliche Invasion. Auf deutscher Seite rechnete man weiterhin mit wechselhaftem und stürmischem Wetter. Dies lag auch daran, dass die Deutschen keine Wetterdaten auf dem Gebiet des Atlantiks zur Verfügung hatten.

Somit wurde am 06. Juni das Überraschungsmoment vonseiten der Alliierten genutzt, auch wenn sich das Wetter tatsächlich erst im Tagesverlauf besserte. Viele Soldaten hatten da bereits ihr Leben lassen müssen, denn insbesondere zu Beginn der Landung waren die Verluste groß.

Ausschnitt aus der Wetterkarte der Zentralen Wetterdienstgruppe (ZWG) des Generalstabes der Luftwaffe vom 6. Juni 1944, 11 DSZ

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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