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Warum ziehen die Gewitter immer an mir vorbei?

17. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

In den vergangenen Tagen und bis zum Wochenende haben wir es mal wieder mit teils kräftigen Gewittern zu tun. Und wie so häufig verteilen sich die Gewitter nicht gleichmäßig über das Land. Einzelne Regionen bekommen kräftige Gewitter, in den anderen passiert fast gar nichts. Manchmal gibt es selbst auf wenigen Kilometern räumlicher Distanz sehr große Unterschiede. Manch ein Gewitter- oder Gartenfan bejammert dabei gerne, dass es an seinem Standort nie „kracht“ oder der Garten wieder einmal nicht gewässert wird. Aber stimmt das auch?

Gewitterverteilung über Deutschland.

In Deutschland gibt es durchaus Gebiete, wo bevorzugt Gewitter vorkommen. Dazu zählen alle Gebirgsregionen. Dort werden die Luftmassen bei der Anströmung durch das Gebirge zwangsweise gehoben und die in Gewitterwolken immer vorhandene Aufwärtsbewegung auf diese Weise verstärkt.

Das lässt sich im Sommer gut beobachten, wenn über den Bergen bereits Quellwolken zu sehen sind, es ringsum aber noch wolkenfrei ist. Da es im Süden Deutschlands mehr Berge gibt als im Norden, sind die Gewitter dort auch zahlreicher. Zusätzlich kommen im Süden Deutschlands häufiger feuchte und warme Luftmassen von Süden her an, die den Norden teilweise gar nicht erst erreichen oder nur in abgeschwächter Form. Damit wird die Entstehung von Gewittern im Süden zusätzlich begünstigt. Gleichwohl kommen aber überall in Deutschland Gewitter vor.

Der „Kulisseneffekt“

Der Eindruck, dass Gewitter an einem bestimmten Standort scheinbar immer vorbeiziehen, lässt sich in den allermeisten Fällen gut erklären. Verantwortlich dafür ist der sogenannte „Kulisseneffekt“.

Der „Kulisseneffekt“ entsteht, wenn rings um einen Beobachtungsort herum mächtige Schauer- und Gewitterwolken zu sehen sind. Diese in mittleren Breiten bis etwa 12 km hohen Wolken lassen sich bis zu einer Entfernung von 50 km und mehr beobachten. Die Wahrscheinlichkeit, an einem Gewittertag um sich herum Gewitterwolken zu sehen, ist damit sehr hoch. Die Gewitterzellen selber bzw. dessen Kerne sind jedoch oft nur sehr klein, was gut im Regenradar zu erkennen ist. Damit ist aber auch die Wahrscheinlichkeit, von dem Gewitter getroffen zu werden, relativ klein. Es entsteht der Eindruck, die Gewitter würden vorbeiziehen, wenn man wieder mal nicht getroffen wurde.

24-stündiger Niederschlag über dem Südwesten Deutschlands am 17. Juli 2026, 8 Uhr MESZ. Südlich von Karlsruhe im Kern einer Zelle 50-60 l/qm Regen, 8 km weiter aber nur 2-5 l/qm. Der weiße Strich zeigt die Entfernung.

Ausnahme Lee von Gebirgszügen

In einigen Regionen kann der „Kulisseneffekt“ in bestimmten Wettersituationen aber nicht als Erklärung für vorbeiziehende Gewitter herhalten. Damit sind Standorte im Lee eines Gebirges gemeint.

Schon kleinere Gebirgszüge können dabei als sogenannte „Wetterscheide“ fungieren. Bei entsprechender Anströmung teilen sich die Gewitter gerne an dem Gebirge und ziehen anschließend an dem Beobachtungsstandort vorbei. Das kann man sich wie bei einem Fluss vorstellen, wo ein aus dem Wasser ragender Stein die Wassermassen umlenkt. Hinter dem Stein ist die Strömung nur schwach, während abseits davon das Wasser mitgerissen wird. Der gleiche Standort kann bei anderer Anströmung natürlich trotzdem von einem Gewitter getroffen werden.

Dass die Gewitter also immer vorbeiziehen, ist eher ein subjektives Empfinden. Beim nächsten Gewitter knallt es dann vielleicht heftig.

Dipl.-Met. Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Warum-ziehen-die-Gewitter-immer-an-mir-vorbei.jpg 768 606 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-17 15:11:442026-07-20 10:20:40Warum ziehen die Gewitter immer an mir vorbei?

Kleines Höhentief, große Wirkung – eine Gewitternachlese

16. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Wer in den vergangenen Tagen auf den lange ersehnten Landregen gehofft hatte, wurde regional zwar nicht enttäuscht, lokal eng begrenzt war es jedoch „zu viel des Guten“. Seit dem vergangenen Montag, den 13. Juli 2026, entwickelten sich in Teilen Deutschlands wiederholt kräftige Gewitter, die lokal erhebliche Schäden verursachten. Überflutete Straßen, vollgelaufene Keller, umgestürzte Bäume, beschädigte Dächer und golfballgroße Hagelkörner prägten das Bild nach einem Schwergewitter. Gleichzeitig blieb es oft nur wenige Kilometer entfernt trocken oder es fielen lediglich einige Tropfen. Gerade diese ausgeprägte Kleinräumigkeit macht sommerliche Gewitter so faszinierend und zugleich so schwer vorherzusagen.

Aus meteorologischer Sicht wirkte die Wetterlage nicht allzu spektakulär. Deutschland lag am Rand eines kräftigen Hochdruckgebietes, das sich vom Atlantik nach Skandinavien erstreckte. Verantwortlich für die Unwetter war vielmehr ein vergleichsweise kleines Höhentief, das sich langsam von Dänemark nach Deutschland verlagerte. In höheren Luftschichten brachte es etwas kühlere Luft mit, wodurch der größere Temperaturunterschied zur bodennah stark aufgeheizten, feuchten Luftmasse die Auslöse von kräftigen Gewittern begünstigte. Gleichzeitig lag eine nur schwache Höhenströmung vor, sodass sich die Gewitterzellen nur langsam verlagerten oder durch rückseitige Neuauslöse wiederholt über denselben Ort zogen und so ideale Voraussetzungen für lokalen Starkregen boten.

Den Auftakt machte am Montagabend eine Gewitterlage im Norden Deutschlands. Bei Hannover sorgte eine kräftige Gewitterzelle für einen sogenannten Downburst (siehe DWD-Lexikon) mit orkanartigen Böen von 105 km/h. Zudem wurde innerhalb kurzer Zeit Starkregen mit 39,9 Litern pro Quadratmeter gemessen. Auch in Teilen Schleswig-Holsteins sorgten Gewitterzellen für Probleme. Besonders betroffen war Elmshorn, wo Starkregen Straßen, Keller und Unterführungen überflutete. Innerhalb von wenigen Stunden fielen dort örtlich 40 bis 60 Liter pro Quadratmeter. Die Feuerwehr musste zahlreiche Einsätze abarbeiten, da die Kanalisation die Wassermengen zeitweise nicht aufnehmen konnte. Auch Hagel spielte am Montag bereits eine Rolle: In Heidenau (Niedersachsen) wurden golfballgroße Hagelkörner (circa 5 Zentimeter) beobachtet, die erhebliche Schäden an Fahrzeugen und Gebäuden verursachten. An anderen Orten fiel deutlich kleinerer Hagel, allerdings in großen Massen. So entstanden Bilder, die eher an Winterlandschaften erinnerten.

Nutzerbilder aus der DWD-WarnWetter-App vom 13. und 14. Juli 2026

Am Dienstag, den 14. Juli 2026, verlagerte sich der Schwerpunkt der Gewitter in die Mitte und den Süden Deutschlands. In der Region Nürnberg entwickelte sich am Abend eine besonders kräftige Gewitterzelle. Um 17 UTC wurde dort eine Orkanböe von 130 km/h registriert, wenig später fielen innerhalb einer Stunde 45 Liter Regen pro Quadratmeter, lokal laut Radarauswertung noch etwas mehr. Die Folge waren überflutete Straßen, vollgelaufene Keller und zahlreiche umgestürzte Bäume. Rund 1.100 Unwettereinsätze wurden in der Region gemeldet.

Auch Thüringen war von schweren Gewittern betroffen. Eine sogenannte Superzelle (siehe DWD-Lexikon) zog über eine Strecke von rund 180 Kilometer vom Eichsfeld und dem Ilm-Kreis bis zum Fichtelgebirge und sorgte mit Starkregen und Hagel für Behinderungen. Hagelkörner verstopften teilweise Abflüsse, wodurch Straßen überflutet wurden. Bei Ilmenau kam es kurzzeitig zu einer weiteren Intensivierung der Gewitterzelle, sodass dort lokal eng begrenzt auch Orkanböen auftraten.

Am Mittwoch (15. Juli 2026) erreichten die Gewitter Baden-Württemberg. In Reutlingen entwickelte sich in den frühen Morgenstunden bereits eine kräftige Gewitterzelle, die lokal große Hagelmassen brachte. Hagelkörner mit einem Durchmesser von bis zu drei Zentimetern bedeckten Straßen und blockierten teilweise die Abflüsse. Die Stadt Reutlingen war den gesamten Tag mit Aufräumarbeiten beschäftigt, Keller mussten ausgepumpt, Straßen geräumt und Schäden beseitigt werden. Zeitweise waren rund 6.000 Haushalte nach einem Blitzeinschlag kurzzeitig ohne Strom.

Animiertes Radarbild in Südwestdeutschland von Mittwoch, den 15. Juli 2026 von 12 Uhr bis 21 Uhr MESZ.

Auch am Bodensee kam es am Mittwochnachmittag zu einem heftigen Unwetter. In Friedrichshafen wurde eine Orkanböe von 126 km/h gemessen. Umgestürzte Bäume blockierten Straßen, mehrere Dächer wurden beschädigt. In Kressbronn stürzte ein Baum auf ein Wohnmobil, die Insassen blieben glücklicherweise unverletzt.

Zudem wurden mehrere Orte im Süden Baden-Württembergs wiederholt von Gewitterzellen getroffen. So verzeichnete die Station in Blumberg-Randen gegen 17:30 UTC satte 60,6 Liter pro Quadratmeter in nur wenigen Stunden.

Radarbild des 72-stündigen Niederschlags von Montagmittag, den 13. Juli bis Donnerstagmittag, den 16. Juli 2026.

Die Ereignisse zeigen erneut, wie groß die Unterschiede bei sommerlichen Gewitterlagen auf kleinem Raum sein können. Während wenige Kilometer entfernt kaum Niederschlag fällt, können einzelne Gewitterzellen innerhalb kurzer Zeit extreme Regenmengen, Hagel und Sturmböen bringen.

Auch am heutigen Donnerstag sind im Südwesten und Süden einzelne kräftige Gewitter vorhergesagt, die lokal eng begrenzt mit Orkanböen bis 130 km/h, Hagel mit Korngrößen um 4 cm sowie Starkregen bis 40 Liter pro Quadratmeter einhergehen können. Weitere Informationen zur aktuellen Warnlage finden Sie unter www.dwd.de oder in der WarnWetter-App.

M.Sc.-Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Kleines-Hoehentief-grosse-Wirkung-–-eine-Gewitternachlese-1.png 582 755 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-16 14:46:472026-07-20 10:20:35Kleines Höhentief, große Wirkung – eine Gewitternachlese

Vom Scheren und schweren Gewittern

15. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

In der Meteorologie stößt man hin und wieder auf Begriffe, die auch in völlig anderen Bereichen auftauchen können. So wurde im Thema des Tages am 01.07.26 das Wörtchen Cape (oder CAPE) als Aufhänger verwendet. Heute ist es das Wörtchen Scherung. Wer zum Beispiel Interesse an Wolle und deren Gewinnung zeigt, der denkt bei diesem Wort wohl an Schafe, die geschoren werden. Geologen verbinden mit dem Wort riesige tektonische Platten, die aneinander vorbeigleiten und Erdbeben auslösen können. Und Meteorologen? Die denken an Windänderungen, Gewitter, Superzellen und Hagel.

Die (Wind-)Scherung beschreibt nämlich in der Meteorologie die Änderung des Windes mit der Höhe. Genau genommen ist die Scherung ein Vektor (oft dargestellt als ein Pfeil). Deshalb sind zwei Angaben wichtig, um ihn vollständig zu beschreiben. Die erste ist der Betrag (die Länge), die zweite die Richtung des Vektors. Normalerweise nimmt der Wind mit der Höhe zu. Je stärker der Betrag der Scherung ist, desto größer ist der Unterschied der Windgeschwindigkeit in Bodennähe zu der in beispielsweise 6 km Höhe. Dagegen beschreibt die „Richtungsscherung“ – der Name sagt es schon – wie sich die Windrichtung mit der Höhe ändert.

Und was hat das Ganze nun mit Gewittern zu tun? Neben Faktoren wie dem CAPE spielt die (Wind-)Scherung eine wichtige Rolle dabei, welche Arten von Gewittern zu erwarten sind. Wenn sich eine Gewitterzelle bei wenig Windscherung (<10 m/s) entwickelt, steigt die Luft an einem Ort auf und bildet bei einsetzender Kondensation Wolken und später Niederschlag. Dieser Niederschlag und die damit einhergehenden Winde fallen am gleichen Ort herab und wirken dem Aufsteigen entgegen. Solche sogenannten Einzelzellen fallen also oft innerhalb einer Stunde in sich zusammen. Hingegen wird bei ausreichender Windscherung (10-20 m/s) die aufsteigende Luft gegenüber dem Ausgangsort verschoben, da in der Höhe stärkere Winde herrschen, sodass Auf- und Abwind zu einander versetzt sind. Das hat zur Folge, dass sich längerlebige Gewitter bilden können. Wenn noch stärkere Windscherung (>20 m/s) und dazu noch eine Richtungsscherung vorliegt, dann ist das Potenzial gegeben für große, rotierende Gewitter (genannt Superzellen) mit heftigen Begleiterscheinungen bis hin zu Tornados.

Und was für Gewitter sind heute in Deutschland möglich?

Für den Süden sind die Scherungsbedingungen heute günstig. Der Hodograph von der Station in Stuttgart von heute 12 UTC zeigt beispielsweise in 6 km Höhe eine Windgeschwindigkeit von etwa 35 Knoten, in Bodennähe jedoch nur von einigen wenigen Knoten. Die Windscherung zwischen 0 und 6 km kann also grob mit 35 Knoten (~18 m/s) abgeschätzt werden. Im Zusammenspiel mit anderen Parametern hatte das zur Folge, dass entschieden wurde, eine Vorabinformation vor schweren Gewittern herauszugeben. Im Laufe des Nachmittags und des Abends können sich ausgehend von der Schwäbischen Alb Superzellen entwickeln. Die Gefahren sind dementsprechend vielfältig. Hagelkorndurchmesser um 5 cm ähnlich dem eines Golfballs, Orkanböen bis 120 km/h und heftiger Starkregen bis 40 l/m² innerhalb kurzer Zeit sind bei den schwersten Gewittern durchaus im Bereich des Möglichen! Daher gilt: Haben Sie immer mal wieder ein Auge auf die aktuellen Warnungen oder auch das Wetterradar. So können Sie abschätzen, ob ein starkes Gewitter gefährlich nahekommt oder ob der Aufenthalt im Freien kein Problem darstellt.

Hodograph der Station Stuttgart von 15.07.26 12 UTC. (Quelle: DWD)

M.Sc. Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Vom-Scheren-und-schweren-Gewittern.png 879 1041 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-15 14:17:562026-07-16 10:27:06Vom Scheren und schweren Gewittern

Vom Höhenei bis hin zu schweren Gewittern

14. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Schwere Gewitter, darunter zeitweise auch rotierende Superzellen, haben am gestrigen Montagabend bis in die Nacht zum Dienstag hinein für Chaos in Norddeutschland gesorgt, bei dem auch die Region Hannover stark betroffen war. Innerhalb kürzester Zeit fielen um und über 25 l/m², was zu größeren Überflutungen führte. Andernorts sorgte Hagel mit 3-5 cm Durchmesser für Schäden an Vegetation, Autos und der Infrastruktur.

Nach den Unwettern ist jedoch vor den neuen Unwettern, denn an der Großwetterlage hat sich bis heute wenig geändert. Beim Blick auf die Bodenwetterkarte fällt das großräumige Hoch LAURENT über dem Nordwesten Europas auf, das bis nach Deutschland ragt. Auf der anderen Seite steht schwacher Tiefdruckeinfluss über Frankreich entgegen, was aber insgesamt nur zu schwachen Luftdruckgegensätzen führt.

Die Bodenwetterkarte zeigt das umfangreiche Hoch LAURENT, dem nur schwacher Tiefdruckeinfluss über Frankreich entgegensteht. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Spannender ist dagegen ein Blick in rund 5,5 km Höhe: Hier sieht man ein umher waberndes Höhentief, dessen Zugbahn von den Modellen nur schwer erfasst werden kann. Es ist ein bisschen wie mit dem Fettauge in der Suppe: Es ist da, aber kleinste Impulse reichen für eine unvorhergesehene Verlagerung. Ebenso könnte man dieses Gebilde auch einfach als Höhenei bezeichnen.

In 5,5 km Höhe (500 hPa) ist deutlich das Höhentief über Mitteleuropa zu sehen, das wie ein Höhenei umher wabert und von den Modellen nur schwer erfasst werden kann. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Dieses Höhentief war es gestern und ist es federführend auch heute, das die notwendige Hebung erzeugt, die zwingend für hochreichende Konvektion erforderlich ist. „Garniert“ wird diese Gemengelage mit CAPE-Werten (siehe hierzu das Thema des Tages vom 01.07.2026) von rund 1.000 bis lokal 2.000 J/kg, die vor allem vom südlichen Niedersachsen bis zu den Alpen überregional zu finden sind. Die größte Feuchte jedoch liegt von der östlichen Mitte bis in den Süden vor, hier erreichen die Werte des niederschlagbaren Wassers bis zu 35-37 mm.

Fehlt zu guter Letzt noch das „i-Tüpfelchen“, nämlich die Windscherung, also die Änderung des Windes mit der Höhe in Richtung und Geschwindigkeit. Hier wird deutlich, dass die besten Scherungsbedingungen vor allem von Hessen/Thüringen bis nach Franken, teils aber auch weiter südlich zu finden sind. Gegen Abend verstärkt sich diese mit einer zunehmenden Nordostströmung sogar noch etwas und erreicht Werte bis 25 m/s.

Die Zutaten für hochreichende, schwere Konvektion sind am heutigen Dienstag durchaus gegeben: Neben Hebung u.a. durch das Höhentief kommt es zu hohen CAPE-Werten über 1.000 J/kg, einem hohen Feuchtegehalt in der Luftmasse (PPW-Werte bis 37 mm) und guten Scherungsbedingungen, vor allem nachmittags und abends. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Ergo kommt auch die Modellwelt zu dem Schluss, dass heute mit hochreichender, schwerer Konvektion sprich (unwetterartigen) Gewittern gerechnet werden muss. Diese bilden sich bereits ab dem frühen Nachmittag zunächst bevorzugt in bergigen Lagen der Mitte, um dann nach Lesart der deutschen Modellkette rund um ICON-D2 und ICON-RUC mehr und mehr in den Osten und Süden zu ziehen. Einzelne „Nachzügler“ sind aber spätabends noch immer über der Mitte möglich.

Die prognostizierte Reflektivität für 18 Uhr zeigt deutliche Hinweise auf schwere Konvektion, vor allem von der Mitte bis in den Süden. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Bei den Begleiterscheinungen steht heute vor allem der Starkregen im Fokus, der lokal bis zu 40 l/m², strichweise sogar zwischen 40 und 60 l/m² erreichen kann. Dazu kommen Sturmböen oder schwere Sturmböen zwischen 70 und lokal um 100 km/h. Vor allem im Initiierungsprozess eines Gewitters kann auch größerer Hagel über 3 cm dabei sein, später ist mit größeren Hagelansammlungen zu rechnen.

Am morgigen Mittwoch beruhigt sich das Wetter zwar über der Landesmitte, dem Süden drohen vor allem nachmittags und abends abermals starke Gewitter bis hin zu ausgewachsenen Unwettern. Mehr dazu im Laufe des Mittwochs.

M.Sc.-Met. Oliver Reuter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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Wie lange hält die hochsommerliche Hitze an?

13. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Viel Sonne und hochsommerliche Temperaturen – so präsentierte sich der gestrige Sonntag in weiten Teilen Deutschlands. Verbreitet lagen die Temperaturen am Nachmittag bei um oder über 30 Grad. Damit herrschte wieder einmal bestes Badewetter. Auch die dritte Juliwoche startet vor allem in der Südwesthälfte des Landes hochsommerlich heiß und sonnig.

Grund dafür ist Hoch LAURENT, dessen Einflussbereich sich bis nach Mitteleuropa erstreckt. Somit dominiert auch am heutigen Montag erneut häufig die Sonne. Ganz störungsfrei verläuft der Tag jedoch nicht überall. Ein Blick auf die Höhenwetterkarte zeigt über Norddeutschland ein kleines Höhentief. Dadurch wird die Luftmasse dort im Tagesverlauf leicht instabil, sodass vereinzelte aber teils kräftige Schauer und Gewitter möglich sind. Am wahrscheinlichsten ist dies von Nordrhein-Westfalen bis nach Schleswig-Holstein. Lokal eng begrenzt ist bei diesen Gewittern heftiger Starkregen möglich.

In der Nacht auf Dienstag und am Dienstag macht sich dann zusätzlich im Süden eine schwach ausgeprägte Tiefdruckrinne bemerkbar. Damit sind bereits in der Nacht im äußersten Süden gewittrige Regenfälle möglich. Im Norden und der Mitte sind ebenfalls weiterhin vereinzelte Gewitter möglich. Tagsüber entwickeln sich dann im Süden und der Mitte des Landes in der zunehmend schwülheißen Luftmasse vornehmlich über dem Bergland teils kräftige Schauer und Gewitter. Dabei besteht lokal Unwettergefahr durch heftigen Starkregen! Im Norden ist die Gewitterneigung aufgrund einer vergleichsweisen recht trockenen Luftmasse deutlich geringer. Vereinzelte Entwicklungen können aber auch hier nicht ausgeschlossen werden.

Vorhersagekarte mit den Druckgebilden und Frontensystemen für Dienstag, den 14.07.2026 um 12 UTC. In den Süden gelangt schwülheiße gewitterträchtige Luft. Auf der Rückseite des umfangreichen Hochs erreicht dagegen kühlere Luft den Nordosten Deutschlands. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Die Höchsttemperaturen erreichen am Dienstag in der Südwesthälfte 30 bis 35 Grad. Aufgrund der höheren Luftfeuchtigkeit wird die Hitze allerdings noch belastender empfunden. Nach Osten hin fallen die Temperaturen etwas niedriger aus, dennoch wird es auch dort verbreitet hochsommerlich warm bis heiß.

Am Mittwoch setzt sich von Nordwesten her wieder häufiger die Sonne durch. Im Süden und Osten treten in der weiterhin schwülwarmen bis heißen Luftmasse erneut Schauer und Gewitter auf. Gleichzeitig gehen die Temperaturen in der Südwesthälfte etwas zurück. Mit der Zufuhr trockenerer Luft aus Nordwesten nimmt dort zudem die Wärmebelastung voraussichtlich etwas ab.

Am Donnerstag verlagert sich der Schwerpunkt des Höhentiefs etwas nach Nordwesten. Gleichzeitig nimmt es Verbindung auf mit einem Höhentrog über Westeuropa. Damit gelangen in den Südwesten erneut wieder etwas heißere Luftmassen, sodass dort am Donnerstag wiederholt Höchstwerte von bis zu 34 Grad erreicht werden können.

Synoptische Übersicht für Samstag, den 18.07.2026 um 12 UTC. Ein Höhentrog befindet sich über Mitteleuropa. Allerdings gibt es noch Unsicherheiten bezüglich der Lage und Ausdehnung. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Am Freitag und zum Wochenende hin verlagert sich der Höhentrog nach Mitteleuropa. Damit nimmt nicht nur die Schauer und Gewittergefahr deutlich zu, sondern es gehen auch die Temperaturen sukzessive zurück. Wie stark die Abkühlung ausfällt ist allerdings noch mit einigen Unsicherheiten verbunden. Während einige Modellösungen einen deutlichen Rückgang der Temperatur sehen, zeigen andere lediglich eine moderate Abkühlung. Entscheidend ist dabei die genau Lage und Ausdehnung des Höhentrogs über Mitteleuropa. Eines zeichnet sich jedoch bereits jetzt deutlich ab: Die langanhaltende, teils auch große Hitze im Südwesten des Landes ist ab dem kommenden Wochenende erst einmal vorbei!

Ensemblevorhersage der Temperatur in 850 Hektopascal, des Niederschlags und des Geopotentials in 500 Hektopascal für Freiburg im Breisgau und Berlin. Zum Wochenende hin ist eine Abkühlung erkennbar. Allerdings gibt es noch größere Unsicherheiten darüber wie stark diese ausfällt. Quelle: Europäisches Zentrum für mittelfristige Wettervorhersagen

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Wie-lange-haelt-die-hochsommerliche-Hitze-an-1.png 854 1199 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-13 18:55:122026-07-14 00:04:51Wie lange hält die hochsommerliche Hitze an?

Geschichte der Meteorologie – Teil 10: Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts (a)

12. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Im letzten Thema des Tages zur Geschichte der Meteorologie wurde die Entwicklung der Meteorologie um das Jahr 1750 beschrieben. In diesem Teil der Serie kommen wir in der Geschichte nur langsam vorwärts. Der Fokus liegt nun in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Neben Beiträgen zur allgemeinen Meteorologie richtet sich der Blick auf das erste größere meteorologische Messnetz sowie auf die Entdeckung der Stoffe in bzw. der stofflichen Zusammensetzung der Luft.

Der kroatische Mathematiker, Naturphilosoph und jesuitische Priester Rugjer Josip Bošković (1711–1787) aus der Republik Ragusa (heute Dubrovnik) verfasste rund 70 Abhandlungen zu zahlreichen Themen, darunter Optik, Astronomie, Gravitation, Meteorologie, Trigonometrie, Geodäsie und Baustatik. Er zählt zu den letzten Universalgelehrten. Bošković führte Beobachtungen der Aurora borealis durch und schätzte die Höhe der Aurora auf etwa 1000 km. Darüber hinaus stellte er einige Hypothesen über die Ursachen der Aurora auf.

Der französische Philosoph und Schriftsteller Denis Diderot (1713–1784) lieferte in der „Encyclopédie, ou Dictionnaire raisonné des Sciences, des Arts et des Métiers“ eine der frühesten Definitionen der modernen Meteorologie. Er schrieb: „Aus der mit den Sinnen durchgeführten Untersuchung von Wind, Regen, Hagel, Donner usw. ging die Betrachtung zur Ermittlung ihrer Ursprünge, Ursachen, Auswirkungen usw. über und brachte die Wissenschaft hervor, die als Meteorologie bezeichnet wird.“ Diderot erörterte auch „Meteore“ (Météores, comme vents, pluies, tempêtes, tonnerres, aurores boréales usw. – „Meteore“, wie Winde, Regen, Stürme, Donner, Nordlichter usw.). In der Sprache jener Zeit bezeichnete der Begriff „Meteor“ allgemein „einen Körper oder das Erscheinen eines Körpers in der Atmosphäre, der aus dort schwebenden Stoffen gebildet wird“. Das heutige Wort „Meteorologie“ hat seinen Ursprung in diesem Sinne des Wortes „Meteor“.

Der französischer Mathematiker Jean-Baptiste le Rond d’Alembert (1717–1783) leistete Pionierarbeit bei der Anwendung partieller Differentialgleichungen in der Erforschung von Strömungsbewegungen. Seine Arbeiten zu diesem Thema erschienen erstmals in einer Studie über Winde mit dem Titel „Réflexions sur la cause générale des vents“ (Überlegungen zur allgemeinen Ursache der Winde), die er 1747 der Berliner Akademie vorlegte. Darin ging d’Alembert davon aus, dass die Winde durch Gezeiteneinflüsse auf die Atmosphäre entstehen und dass die Erwärmung nur eine untergeordnete Rolle spielt. Heute weiß man, dass die Erwärmung durch die Sonne der entscheidende Antrieb für die atmosphärische Zirkulation und die Winde ist. Dennoch war d’Alemberts Arbeit mathematisch fundiert und stellte erstmals die Bewegungsgleichungen einer inkompressiblen Flüssigkeit auf der zweidimensionalen Erdoberfläche dar, dargestellt in sphärischen Koordinaten.

Der preußische Philosoph Immanuel Kant (1724–1804) aus Königsberg gilt als der größte Philosoph der Neuzeit. Er interessierte sich auch für Naturwissenschaften. Er veröffentlichte Werke zur Ästhetik und Ethik sowie zu einer Vielzahl wissenschaftlicher Gebiete, darunter Physik, Astronomie, Geologie, Meteorologie, Anthropologie und Psychologie. In seinem Werk „Logik, Physische Geographie, Pädagogik“ beschreibt er Prinzipien ozeanischer und atmosphärischer Strömungen.

Der kurpfälzische Kurfürst Karl Theodor (1724–1799) gründete 1780 das erste internationale Netzwerk von Wetterbeobachtern, bekannt als „Societas Meteorologica Palatina“ oder „Mannheimer Meteorologische Gesellschaft“ als dritte Klasse der Kurpfälzischen Akademie der Wissenschaften in Mannheim. In der Gründungsurkunde heißt es: „Die Wissenschaften, die einen unmittelbaren Einfluss auf des Menschen Leben und seine tägliche Beschäftigung haben, verdienen eine besondere Beachtung, Aufmerksamkeit und Fürsorge. Aus diesen Gründen haben Seine Kurfürstliche Durchlaucht die Witterungslehre ihres höchsten Schutzes gewürdigt und Anstalten treffen lassen, dass an mehreren wichtigen Orten der kurfürstlichen Erblanden, auch in anderen Gegenden Europas und der übrigen Weltteile künftig mit gleichartigen Instrumenten tägliche Beobachtungen gemacht und eingesammelt werden.“ Erster Sekretär wurde der kurpfälzische Meteorologe, Physiker und Sprachwissenschaftler Johann Jakob Hemmer (1733–1790).

Gründungscharta und Stationen des Messnetzes 1781–1792 der Societas Meteorologica Palatina, Quelle: Peter Winkler, The early meteorological network of the Societas Meteorologica Palatina (1781–1792): foundation, organization, and reception, Hist. Geo Space. Sci., 14, 93–120 (History of Geo- and Space Sciences), 2023

Sämtliche Beobachter wurden auswärtige Mitglieder der Kurpfälzischen Akademie der Wissenschaften. Jeder Beobachter erhielt auf kurfürstliche Kosten einheitliche Messinstrumente, Beobachtungsanleitungen und Formulare zur Erfassung der Daten, um eine Vergleichbarkeit der Messergebnisse zu gewährleisten. Die von Mannheim aus unentgeltlich zur Verfügung gestellten Messinstrumente waren zwei Thermometer, ein Barometer, ein Hygrometer und eine von Hemmer in Mannheim geeichte Deklinationsnadel. Weitere Messinstrumente wie Elektrometer zur Messung der Luftelektrizität, Windmesser, Regenmesser und Verdunstungsmesser sollten vor Ort an den Messstationen selbst hergestellt werden. Sämtliche Messungen sollten zu bestimmten Uhrzeiten erfolgen, täglich um 7, 14 und 21 Uhr, die als sogenannte Mannheimer Stunden bekannt wurden. Darüber hinaus waren phänologische und nosologische Beobachtungen vorgesehen (Austrieb, Blüte und Fruchtzeiten von Pflanzen, Ankunft und Abflug von Zugvögeln, Veränderungen und Krankheiten bei der Bevölkerung). Den Transport der Pakete und Briefe übernahm die kurpfälzische Diplomatenpost. Insgesamt wurden 39 Stationen eingerichtet, die meisten in Mitteleuropa. Die westlichsten Station waren in Bradford und Cambridge (beide Massachusetts) in den Vereinigten Staaten sowie in Godthåb (Nuuk) auf Grönland. Die östlichste Station war in Pyschminsk (in der heutigen Region Swerdlowsk) im Uralgebirge im Russischen Reich. Das Projekt scheiterte 1795.

Der Mathematiker, Physiker, Astronom und Philosoph Johann Heinrich Lambert (1728–1777) aus dem damals zur Alten Eidgenossenschaft gehörenden Mülhausen im Elsass vertrat die Auffassung, dass man in der Meteorologie wie auch schon in der Astronomie zunächst periodische Phänomene beobachten und dann versuchen sollte, ihre Gesetzmäßigkeiten abzuleiten. Nachfolgend sollte schließlich schrittweise die Theorie erweitert werden. Um mehr und bessere meteorologische Daten zu erhalten, schlug Lambert 1771 vor, ein weltweites Netz von Wetterstationen aufzubauen, in denen die verschiedenen Wetterbedingungen (Regen, Bewölkung, Trockenheit …) erfasst werden sollten. Diese Methoden finden bis heute Anwendung. Er widmete sich zudem der Verbesserung der Messinstrumente und der Entwicklung präziser Konzepte für den Fortschritt der Meteorologie. Dies führte zu seinen 1769 und 1771 veröffentlichten Werken über Hygrometrie und Hygrometer.

Der Mathematiker, Astronom und Abolitionist Benjamin Banneker (1731–1806) aus der Provinz Maryland gilt als erster afroamerikanischer Wissenschaftler. Er eignete sich seine naturwissenschaftlichen Fähigkeiten weitestgehend selbst an. Seinem astronomischen Interesse folgend, nutzte er seine mathematischen Fähigkeiten, um alle für einen Almanach notwendigen Berechnungen anzustellen. In seinem ersten Almanach 1792 fanden sich Informationen über Sonnenfinsternisse sowie Sonnenauf- und -untergangszeiten, dazu Wettervorhersagen, erwartete jahreszeitliche Wetterveränderungen und Vorschläge zu wetterbezogenen Themen wie dem Anbau von Nutzpflanzen. Sein Almanach wurde in Nordamerika sehr beliebt und war sogar in England und Frankreich bekannt. Banneker veröffentlichte ihn über einen Zeitraum von zehn Jahren jährlich.

Benjamin Banneker auf seinem Almanach aus dem Jahr 1795, Quelle: Public Broadcasting Service (PBS), Arlington, Virginia, Vereinigte Staaten, über Wikimedia Commons

Der britische Wissenschaftler James Six (1731–1791) ist bekannt für seine Erfindung des Six-Thermometers im Jahr 1780, das allgemein als Maximal-Minimal-Thermometer bekannt ist. Er führte gemeinsam mit dem britischen Geistlichen Sir John Cullum (1733–1785) eine Reihe von thermometrischen Messungen an der Kathedrale von Canterbury durch. Diese Experimente zeigten, dass die Temperatur in Bodennähe nachts, insbesondere in klaren Nächten, kälter wurde als die Luft darüber – ein Phänomen, das heute als Strahlungskühlung des Bodens bekannt ist und das Six als „außergewöhnlich“ bezeichnete.

Der Name des Mathematikers Joseph-Louis Lagrange oder Giuseppe Luigi Lagrangia (1736–1813) aus dem Piemont steht in Verbindung mit einem gängigen Bezugssystem, das in der Strömungsmechanik und der Atmosphärenforschung verwendet wird und als Lagrange-Bezugssystem bekannt ist. In diesem System werden Messungen entlang der Strömungsbewegung vorgenommen, und die Bewegungsgleichungen werden in Bezug auf einen Punkt geschrieben, der sich mit der Strömung bewegt. In der modernen Meteorologie hat sich der Lagrange-Ansatz in Modellen der Atmosphäre im Bereich der numerische Wettervorhersage als sehr nützlich erwiesen.

Die folgenden beschriebenen Wissenschaftler leisteten einen erheblichen Beitrag zum allgemeinen Verständnis des Aufbaus der Luft, wenn auch die erste breit aufgestellte Theorie des Phlogistons sich im Nachgang als Irrtum erwies.

Der britische Physiker und Chemiker Joseph Black (1728–1799) fand 1761 heraus, dass Eis beim Schmelzen Wärme aufnimmt, ohne dabei seine Temperatur zu verändern. Einige Jahre zuvor entdeckte er beim Erhitzen von Kalkstein Kohlendioxid („fixe Luft“) und erkannte, dass es schwerer als Luft war, die Verbrennungsflamme löschte, bei der Atmung entstand und Tiere tötete.

Der britische Physiker und Chemiker Henry Cavendish (1731–1810) aus Nizza Henry Cavendish war ein englischer Physiker und Chemiker. Er führte zahlreiche Experimente mit Gasen durch und war der Erste, der eine grobe Zusammensetzung der Atmosphäre ermittelte: etwa 4/5 „phlogistische Luft“ (nach heutigem Verständnis hauptsächlich Stickstoff) und 1/5 „dephlogistische Luft“ (Sauerstoff). Cavendish zeigte außerdem, dass Wasser aus „entzündbarer Luft“ (Wasserstoff) und dephlogistisierter Luft besteht (Hinweis: zur Phlogiston-Theorie siehe Teil 8 der Serie Geschichte der Meteorologie). Cavendish interessierte sich für angewandte Wissenschaften, darunter verschiedene Aspekte der Meteorologie. Mitte der 1770er Jahre führte er Untersuchungen zur Wärme durch. Unter Verwendung der meteorologischen Instrumente der Royal Society entwickelte er Korrekturen für Thermometeranzeigen, um diese genauer zu machen. 1783 veröffentlichte er eine Methode zur Bestimmung des Gefrierpunkts von Quecksilber (das unter sehr kalten Bedingungen gefrieren kann, wodurch Quecksilberthermometer bei diesen Temperaturen unbrauchbar werden). Bei einem Ballonaufstieg am 30. November 1784 in London wurden mehrere atmosphärische Messungen durchgeführt und zudem Luftproben in verschiedenen Höhen entnommen. Cavendish führte eine chemische Analyse der Proben durch, um die Zusammensetzung der Luft in diesen verschiedenen Höhen zu bestimmen. Cavendish entwickelte eine Theorie der Partialdrücke, veröffentlichte diese jedoch nie. In einer 1790 veröffentlichten Arbeit schätzte er die Höhe der Aurora mithilfe der Triangulation auf 80–112 km. Ihm gelang es 1797 als erstem, in einem Experiment mittels einer Gravitationswaage mit zwei Körpern bekannter Masse ihre gegenseitige Anziehung zu beobachten, aus dem später die Gravitationskonstante bestimmt werden konnte. Indirekt konnte so auch auf die Masse der Erde geschlossen werden.

Der britische Theologe, Philosoph, Chemiker und Physiker Joseph Priestley (1733–1804) untersuchte die Eigenschaften von Gasen und entdeckte mehrere neue Gase, darunter 1774 eines, das er „dephlogistisierte Luft“ nannte. Er war der Ansicht, dass es sich dabei in gewisser Weise um eine besonders reine Form von Luft handelte, untersuchte dessen Eigenschaften jedoch nicht weiter. Heute ist es als Sauerstoff bekannt und damit gilt Priestley als der Entdecker von Sauerstoff.

Der Apotheker und Chemiker Carl Wilhelm Scheele (1742–1786) aus Schwedisch-Pommern führte in einer Apotheke in Uppsala ab 1770 chemische Experimente durch. Ein Jahr nach und unabhängig von Priestley entdeckte er dabei den Sauerstoff und als erster Wissenschaftler Stickstoff als Bestandteile der Luft. Seine Entdeckung veröffentlichte er 1777 in seinem einzigen Buch „Chemische Abhandlung von der Luft und dem Feuer“.

Der französische Chemiker Antoine Laurent de Lavoisier (1743–1794) wird oft als „Vater der modernen Chemie“ bezeichnet. Vorangegangene Experimente mit Luft durch Priestley und Cavendish führten zu der Feststellung, dass Luft zu etwa 80 % aus „phlogistischer Luft“ und zu 20 % aus „dephlogistischer Luft“ besteht (siehe Teil 10 der Serie Geschichte der Meteorologie). Lavoisier wiederum untersuchte einige Eigenschaften dieser beiden Gase: Das eine unterstützt Verbrennung und Oxidation (dephlogistische Luft, die er „Oxygène“, Sauerstoff, nannte), während das andere inert (träge) ist (phlogistische Luft, welche er mit „Azote“, Stickstoff, bezeichnete). Lavoisier führte auch Experimente mit Wasser durch und kam 1782 zu dem Schluss, dass es aus Wasserstoff (Cavendishs „entzündbare Luft“) und Sauerstoff besteht. Er entwickelte zwischen 1777 und 1789 seine Theorie der Sauerstoffverbrennung, nach der bei einer Verbrennung nicht Phlogiston entweicht, sondern Sauerstoff gebunden wird und widerlegte damit die Phlogistontheorie. Lavoisiers zweite wissenschaftliche Leidenschaft galt der Meteorologie. Im Alter von 20 Jahren begann er, in seinem Haus barometrische Beobachtungen durchzuführen, und erweiterte diese Arbeit später um Messungen von Luftdruck, Temperatur, Luftfeuchtigkeit sowie Windgeschwindigkeit und -richtung. Mit einer Idee, die ihrer Zeit weit voraus war, setzte er sich für die Schaffung eines weltweiten Netzwerks von Wetterstationen ein und war an der Gründung eines informellen Netzwerks von Wetterkorrespondenten in Frankreich und anderen Teilen Europas beteiligt. Dieses Netzwerk versorgte das „Journal de Paris“ mit Wetterbeobachtungen, die es ab 1777 zu veröffentlichen begann. „Mit all diesen Informationen“, schrieb Lavoisier, „ist es fast immer möglich, ein oder zwei Tage im Voraus mit einer recht hohen Wahrscheinlichkeit vorherzusagen, wie das Wetter werden wird. Man geht sogar davon aus, dass es nicht unmöglich sein wird, tägliche Vorhersagen zu veröffentlichen, was für die Gesellschaft sehr nützlich wäre“ (Œuvres, 3, 771, veröffentlicht 1865). 1776 stellte Lavoisier fest, dass einige Temperaturwerte, die das 1732 entwickelte Réaumur-Thermometer anzeigte, nicht mit denen übereinstimmten, die mit neueren Instrumenten ermittelt wurden. Er legte daher genaue Regeln für die Herstellung und Skalierung von Thermometern fest und übergab der Akademie der Wissenschaften zwölf Standardmodelle. Lavoisier beschäftigte sich auch mit der atmosphärischen Elektrizität und der Entstehung von Gewittern und wies 1781 mit Kollegen, unter anderem Volta, nach, dass Wasserstoff, Stickstoffmonoxid, Kohlendioxid und Wasserdampf beim Übergang vom flüssigen in den gasförmigen Zustand elektrische Ladungen abgeben, die mit einem Elektrometer gemessen werden können.

Antoine-Laurent Lavoisier, Kupferstich von Louis Jean Désiré Delaistre (1800-1871) nach einer Vorlage von Julien Léopold Boilly (1796-1874), Quelle: „Le Plutarque français“, Band 6, Paris (Langlois et Leclercq) 1847, S. 47, über Wikimedia Commons

Der Physiker Alessandro Volta (1745–1827) aus der Lombardei leistete wichtige Beiträge zur Meteorologie und zur Erforschung von Gasen, insbesondere durch seine Entdeckung des Methans. Im Jahr 1783 zeigte Volta, dass sich Luft bei steigender Temperatur mit konstanter Geschwindigkeit ausdehnt. Er veröffentlichte dieses Ergebnis, doch seine Arbeit wurde ignoriert und geriet in Vergessenheit. Volta ist vor allem bekannt für die Erfindung der Voltaschen Säule, der ersten funktionierenden Batterie. Im Rahmen seiner Forschungen zu Batterien entwickelte Volta mehrere neue Geräte, unter anderem ein Elektrometer zur Messung der atmosphärischen Elektrizität.

Der britische Chemiker und Botaniker Daniel Rutherford (1749–1819) bestätigte 1772 Scheeles Entdeckung von Stickstoff. Mehrere Versuche mit abgeschlossener Luft zeigten, dass diese nach einer erfolgten Verbrennung keine weitere mehr zuließ. Nach seiner Darstellung wurde Phlogiston in die Luft abgegeben, wobei Kohlendioxid gebildet wurde. Sobald das Kohlendioxid später absorbiert war, war die Luft immer noch erfüllt von Phlogiston. Tatsächlich war die Luft nach ihrer Auffassung gesättigt, so dass Objekte nicht mehr brennen konnten. Aufgrund dieser Theorie nannte Rutherford das neu isolierte Gas „phlogistische Luft“. Heute ist es als Stickstoff bekannt.

Das nächste Thema des Tages wird den zweiten Abschnitt zur Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts behandeln.

Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.07.2026
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Supertaifun BAVI

11. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Bereits Ende Juni wurde auf Satellitenbildern die Entwicklung einer Störung über den Marshallinseln erkannt. Zunächst handelte es sich um ein normales Tiefdruckgebiet, das sich erst nordwärts und später westwärts verlagerte. Dabei entwickelte sich aus dem tropischen Tiefdruckgebiet westlich der Marshallinseln rasch ein tropischer Sturm. Anfang Juli wurde das Tief von der japanischen meteorologischen Agentur (JMA) auf den Namen BAVI getauft. Bei niedriger Windscherung (um 15 Kilometer pro Stunde) und hoher Wassertemperatur (knapp 30 Grad) konnte sich das Tief rasch zu einem Taifun und schließlich Supertaifun (Windgeschwindigkeiten über 252 km/h) entwickeln. BAVI ist nach SINLAKU der zweite heftige Taifun der laufenden Saison.

BAVI: bisherige Zugbahn von der Störung bis zum Taifun, erstellt mit Daten des JTWC in google earth (Quelle:JTWC+google earth)

BAVI traf am 05. Juli auf den nördlichen Teil der Insel Rota (zugehörig zu den Marianeninseln) und zog west-nordwestwärts weiter. Die JMA schätzte bei einem Kerndruck von 910 Hektopascal (hPa) die Windgeschwindigkeiten auf 205 Kilometer pro Stunde (km/h). Das Joint Typhoon Warning Center (JTWC) ging hingegen von Windgeschwindigkeiten um 285 km/h und einem Kerndruck von 901 hPa aus. Damit wäre BAVI einer der stärksten Taifune, der auf den Nördlichen Marianen je verzeichnet wurde.

Vom 07. auf den 08. Juli erreichte BAVI philippinisches Hoheitsgebiet und bekam den Namen INDAY. Zunehmende Windscherung und kühleres Wasser sorgten für die Abschwächung des Systems. Ein subtropischer Rücken lenkte es zudem nordwärts ab, sodass die Philippinen nicht getroffen wurden.

Aktuell (11.07.2026, 11 Uhr MESZ) trifft BAVI mit einem Kerndruck unter 984 hPa als Taifun der Kategorie 1 etwa 200 Kilometer südlich der Stadt Hangzhou auf den Südosten Chinas. Die Behörden vor Ort haben schon vor Tagen vor dem Taifun gewarnt. Innerhalb von 24 Stunden ist mit Regensummen zwischen 150 und 250 Liter pro Quadratmeter (l/m²) zu rechnen. Laut einiger Lokalmodelle sind sogar Regensummen um 300 l/m² möglich. Die Windgeschwindigkeiten werden nach Auftreffen auf Land zwar rasch abnehmen, anfangs sind aber vor allem im Küstenbereich Ostchinas Böen bis 220 km/h möglich.

Vorhersage der weiteren Zugbahn des Taifun BAVI, Stand: 11.07.2026 9 UTC (Quelle:JTWC)

Beim Überqueren der südlichen Inseln der japanischen Präfektur Okinawa in den vergangenen 24 Stunden wurden Windböen bis zu 135 km/h registriert. Außerdem fielen an der Station Miyakojima bis Samstagmorgen (mitteleuropäischer Zeit) 157 l/m² an der Station Iriomotejima 123 l/m² in 24 Stunden.

Diplom-Meteorologin Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 11.07.2026
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Trockenheit im Südwesten Deutschlands

10. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Der Südwesten Deutschlands erlebt derzeit eine ausgeprägte Trockenphase. Bereits im Frühjahr sorgten häufige Hochdruckwetterlagen für ein deutliches Niederschlagsdefizit. Zwar folgte auf die erste Hitzewelle Ende Mai vorübergehend eine kühlere und wechselhaftere Witterungsphase mit zahlreichen Schauern und einzelnen Gewittern, die gefallenen Niederschläge reichten jedoch bei weitem nicht aus, um das zuvor entstandene Defizit auszugleichen.

Während der anschließenden außergewöhnlich intensiven Hitzewelle Ende Juni blieb nennenswerter Regen erneut weitgehend aus. Abgesehen von einzelnen, im Flächenmittel wenig ergiebigen Gewittern fiel kaum Niederschlag. Gleichzeitig stieg bei Höchsttemperaturen von örtlich über 40 °C die Verdunstung auf ein sehr hohes Niveau. Mit dem Ende der Hitzewelle zogen zwar größere Gewitterkomplexe über Teile des Südwestens hinweg und brachten regional kräftige Regenfälle. Ein Blick auf die Bodenfeuchte zeigt jedoch, dass das Wasser vielerorts nur die obersten Bodenschichten erreichte und somit lediglich vorübergehend für Entlastung sorgte. Die tieferen Bodenschichten blieben dagegen weiterhin deutlich zu trocken.

Seit einigen Tagen hat sich über Frankreich erneut eine ausgeprägte Hitzeglocke etabliert. Während der Nordosten Deutschlands unter dem Einfluss vergleichsweise kühler Meeresluft wiederholt von Schauern und Gewittern profitierte, blieb es im Südwesten am Rand des Hochdruckgebietes bislang trocken. Die Kombination aus hohen Temperaturen, niedriger Luftfeuchtigkeit und zeitweise lebhaftem Wind ließ die Verdunstung weiter ansteigen und trocknete insbesondere den Oberboden innerhalb kurzer Zeit erneut deutlich aus.

Der Bodenfeuchtemonitor zeigt einen ausgetrockneten Oberboden (0-10 cm) im Südwesten.

Ursache der wiederkehrenden Trockenphasen ist die großräumige Zirkulation über Europa. Seit dem Frühjahr etablierten sich immer wieder blockierende Hochdruckgebiete über West- und Mitteleuropa. Diese unterbrechen oder verlagern die für Mitteleuropa typische West-Ost-Zugbahn der Tiefdruckgebiete, sodass niederschlagsbringende Frontensysteme häufig nach Norden oder Süden abgelenkt werden. Zwischenzeitlich gelangten zwar mit westlichen Strömungen etwas kühlere und feuchtere Luftmassen nach Deutschland, diese gingen jedoch meist nur mit schauerartigem Regen einher und brachten kaum flächendeckende, ergiebige Niederschläge. Auch großräumige Gewitterkomplexe, die im Sommer häufig für eine nachhaltigere Wasserversorgung sorgen, traten bislang nur selten auf.

Auch wenn die derzeitige Wetterlage durchaus Parallelen zum Dürresommer 2018 aufweist, ist die Situation nach aktuellem Stand noch nicht vergleichbar. Dennoch zeigen sich bereits deutliche Auswirkungen der anhaltenden Trockenheit. Viele Pflanzen leiden unter Trockenstress, die Wasserstände zahlreicher Flüsse gehen zurück und die Waldbrandgefahr ist in weiten Teilen des Südwestens hoch.

Der Waldbrandgefahrenindex zeigt fast überall eine hohe Waldbrandgefahr in den nächsten Tagen.

Auch in den kommenden Tagen zeichnet sich zunächst keine grundlegende Änderung der Wetterlage ab. Es ist trocken und im Südwesten auch hochsommerlich heiß. Erst zum Ende der kommenden Woche deuten die Wettermodelle auf zunehmenden Tiefdruckeinfluss hin. Damit würde feuchtere und zunehmend schwüle Luft nach Deutschland gelangen, wodurch das Potenzial für kräftige Schauer und Gewitter ansteigt. Im weiteren Verlauf deutet sich aus heutiger Sicht eine Rückkehr zu einer gemäßigt temperierten Westwetterlage mit zeitweiligen Niederschlägen an, sodass die Trockenheit ab dann voraussichtlich gelindert wird.

Diplom Meteorologe Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.07.2026
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Neue Hitze im Südwesten

9. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Nach der massiven Hitzewelle Ende Juni waren die Temperaturen zuletzt deutlich gesunken, wobei die Abkühlung im Norden stärker als im Süden ausfiel. Während es im Norden gebietsweise mehrere Tage mit Höchstwerten unter 20 Grad gab, blieb es im Südwesten deutlich wärmer. Doch auch dort lagen die Höchstwerte zumindest für wenige Tage unter 30 Grad.

Seit ein paar Tagen werden in den tiefen Lagen Südwestdeutschlands allerdings wieder Hitzetage verzeichnet. In Rheinfelden gab es beispielsweise seit dem 17. Juni 19 Hitzetage, nur an den ersten drei Julitagen blieb die Temperatur, wenn auch teils nur knapp, unter der 30-Grad-Marke.

Anzahl der Hitzetage im Juni und Juli bis einschließlich 08.07.2026

Hitzeschwerpunkt ist aktuell erneut – bzw. man kann auch sagen immer noch – Frankreich. Dort wurden am gestrigen Mittwoch an der Mittelmeerküste mehr als 40 Grad gemessen. In Marseille wurde beispielsweise mit 40,5 Grad ein neuer Allzeitrekord aufgestellt. Noch nie zuvor stieg die Lufttemperatur dort auf mehr als 40 Grad.

Die größte Hitze gibt es in den nächsten Tagen zwar weiterhin in Frankreich. Doch auch in Deutschland steigen die Temperaturen jeden Tag etwas an. Damit werden peu à peu mehr und mehr Regionen in den „Genuss“ von 30 Grad oder mehr gelangen. Im äußersten Südwesten werden am Wochenende auch 35 oder 36 Grad erreicht. Die Luft wird zwar zumindest zunächst nicht so feucht sein wie in der Hitzewelle Ende Juni. Die Wärmebelastung ist gerade im Südwesten in den kommenden Tagen dennoch stark. Dazu tragen auch die allmählich wärmeren Nächte bei. Am Wochenende werden die Tiefstwerte in Ballungsräumen im Südwesten um 20 Grad liegen.

Prognostizierte Tagesmaxima und -minima. Daten: MOS

Mit dem Beginn der neuerlichen Hitze stellt sich für viele sicherlich die Frage, ob denn ein Ende der Hitze schon absehbar ist. Um eine fundiertere Aussage treffen zu können, schauen wir uns nicht nur einen Modelllauf, sondern ein sogenanntes Ensemble an, Abb. 3. Ein und dasselbe Modell wird für denselben Prognosezeitraum dutzende Male gestartet. Der Unterschied ist jeweils ein leicht variierter Anfangszustand. Aus der Vielzahl an Ergebnissen lassen sich statistische Aussagen treffen, die mehr Aussagekraft haben als ein einzelner Modelllauf. Am Beispiel für Frankfurt am Main erkennen wir bei geringer Streuung (hohe Prognosesicherheit) eine Zunahme der Temperatur bis Dienstag oder Mittwoch kommender Woche. Danach zeigt sich bei deutlicher Zunahme der Streuung (abnehmende Prognosesicherheit) ein Rückgang der Temperatur. Zeitgleich nehmen die Niederschlagssignale (grüne Balken) zu, was für eine feuchtere Luftmasse spricht.

Ensemble des ECMWF, Modellauf 09.07.2026 00 UTC. Gitterpunkt für Frankfurt am Main.

Kurz und bündig: Bis Mitte kommender Woche zunehmende Hitze, danach bei steigendem Schauer- und Gewitterrisiko Tendenz zur Abkühlung.

M.Sc .Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
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Offenbach, den 09.07.2026
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https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Neue-Hitze-im-Suedwesten-1.jpg 1049 1488 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-09 14:26:092026-07-14 00:04:34Neue Hitze im Südwesten

Sommersturm an der Ostsee

8. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Das Sturmtief BERNADETTE ist in der Nacht zum Mittwoch von Schweden über die Zentrale Ostsee zum Baltikum gezogen. Der Kerndruck von BERNADETTE fiel dabei auf Werte nahe 985 Hektopascal. An der Süd- und Südwestflanke des Sturmtiefs, also in Richtung des hohen Luftdrucks über Südwesteuropa, gab es die stärkste Drängung der Isobaren. Dort war der Luftdruckunterschied auf kleinem Raum am größten. Das Sturmfeld zog von Südschweden über den Zentral- und Südteil der Ostsee nach Polen und zur russischen Exklave Kaliningrad. Besonders hohe Windgeschwindigkeiten wurden auf Gotland mit Werten bis 110 km/h (Spitzenreiter: Ostergarnsholm) gemessen. Dies entspricht Windstärke 11. Als Folge des Sturms bildete sich über der südöstlichen Ostsee ein Seegang von 4 bis 6 Metern aus.

Animation des Bodendrucks und der Satelliten- sowie Radarbilder vom 08.07.2026 0 bis 10 Uhr MESZ.

Für den Winter wären diese Werte kaum eine Meldung wert, aber im Sommer ist solch ein Ereignis sehr ungewöhnlich. Dies zeigen auch statistische Verfahren, die vom ECWMF (Europäische Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage) angewandt werden, um die Ungewöhnlichkeit von Wetterlagen und Wettererscheinungen abzubilden. Das Ereignis über der südöstlichen Ostsee war demnach ein Ereignis, das zu dieser Jahreszeit außerhalb der üblichen Variabilität lag.

Extreme forecast index und Shift of Tails für Windböen am 08.07.2026

Deutschland war von dem Sturm- bzw. Windfeld von BERNADETTE nur am Rand betroffen. Die stärksten Böen wurden am Dienstag und in der Nacht zum Mittwoch an der Ostsee mit 70 bis 85 km/h (Windstärke 8 bis 9) gemessen. Aber auch im Rest des Landes war es am Dienstag windig, verbreitet wurden Windgeschwindigkeiten zwischen 45 und 60 km/h (Windstärke 6 bis 7) erreicht.

Am heutigen Mittwoch treten nur noch an der Küste und auf den höchsten Gipfeln der Mittelgebirge Windböen und stürmische Böen um 60 km/h auf. Stärker als beim Wind macht sich BERNADETTE heute bei der Temperaturverteilung bemerkbar. Die Höchstwerte liegen zwischen 20 Grad nahe den Küsten und bis zu 31 Grad am südlichen Oberrhein. Eine unterschiedliche Sonnenscheinausbeute kann dafür nicht verantwortlich gemacht werden. Diese ist im Norden und im äußersten Südwesten gleichermaßen gut. Verantwortlich dafür ist das Einfließen mäßig warmer Meeresluft rückseitig einer Kaltfront in den Norden und Nordosten. Den Südwesten Deutschlands erreicht die Kaltfront und damit auch die kühlere Luft nicht. Noch größer waren die Gegensätze am gestrigen Dienstag. Maximal 17 Grad wurden in Flensburg und schweißtreibende 35 Grad in Freiburg erreicht.

Analysekarte vom 08.07.2026 06 UTC, Bodendruck und Fronten

In den kommenden Tagen ist Wind dann gänzlich kein Thema mehr. Stattdessen rückt die Hitze wieder in den Vordergrund. Von Südwesten erreichen die Tagesmaxima allmählich in mehr und mehr Regionen die 30-Grad-Marke. Am Oberrhein werden womöglich ab Freitag, spätestens ab Samstag wieder 35 Grad erreicht. Mehr dazu sicherlich in einem Thema des Tages Ende der Woche.

Master of Science Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.07.2026
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