Zwischen Hoch und Tief im meteorologischen Niemandsland

Wettermäßig befindet sich Deutschland aktuell in einer eher unspektakulären Lage: zwischen zwei Tiefdruckgebieten, die beide nur am Rande Einfluss ausüben. Tief VIRGINIA liegt über dem Nordatlantik westlich der Britischen Inseln, während sich Tief ULLA I über Süditalien befindet. Deutschland verbleibt damit gewissermaßen in einem „Niemandsland“ zwischen den wetterbestimmenden Systemen.

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Bodenanalyse mit Fronten und Luftdruck, Mittwoch den 15.04.2026 12 UTC. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Diese Konstellation ermöglicht es Hoch STEFAN, vorübergehend die Regie zu übernehmen. Am Mittwoch weitet das Hoch seinen Einfluss auf weite Teile Deutschlands aus. Besonders in der Mitte und im Norden dominiert zunächst sonniges Wetter, während sich im Südosten noch dichtere Wolken halten. Im Laufe des Tages macht sich jedoch von Westen her die Annäherung von Tief VIRGINIA bemerkbar, dessen Wolkenfelder langsam ins Land ziehen. Dennoch bleibt es insgesamt trocken. Die Temperaturen steigen mit Unterstützung der Sonneneinstrahlung auf 16 bis 20 Grad, am Mittel- und Niederrhein lokal bis 21 Grad. An den Küsten bleibt es aufgrund maritimer Einflüsse etwas kühler. Der Wind ist schwach und spielt keine wesentliche Rolle im Wettergeschehen.

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Wetter- und Temperaturkarte, am Mittwoch 15.04.2026. Quelle: Deutscher Wetterdienst

In der Nacht zum Donnerstag verliert Hoch STEFAN zunehmend an Einfluss. Gleichzeitig greifen die Ausläufer von Tief VIRGINIA auf den Nordwesten über und bringen dort dichtere Bewölkung sowie etwas Regen. Auch in den übrigen Regionen zeigt sich der Himmel vielfach wolkig. Die Wolkendecke wirkt dabei wie eine isolierende Schicht, sodass die Temperaturen nicht mehr so stark zurückgehen. Nur im Osten kann es örtlich noch zu leichtem Frost in Bodennähe kommen, ansonsten liegen die Tiefstwerte zwischen 9 und 4 Grad.

Am Donnerstag prägen die Reste dieser Tiefausläufer das Wettergeschehen. Insgesamt überwiegen die Wolken, sonnige Abschnitte bleiben selten. Im Tagesverlauf entwickeln sich einzelne Schauer, vereinzelt auch kurze Gewitter. Mit der südwestlichen Strömung wird mildere Luft nach Deutschland geführt, sodass die Höchsttemperaturen trotz der dichten Bewölkung 17 bis 22 Grad erreichen. Der Wind bleibt abseits von Schauern schwach.

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Wetter- und Temperaturkarte, am Donnerstag 16.04.2026. Quelle: Deutscher Wetterdienst

In der Nacht zum Freitag verstärkt sich der Hochdruckeinfluss erneut. Die Schauer klingen ab, und gebietsweise lockert die Bewölkung auf. In der feuchten Luftmasse kann sich jedoch örtlich Nebel bilden. Insgesamt bleibt es meist frostfrei.

Der Freitag zeigt sich dann überwiegend freundlich. Schauer treten nur noch vereinzelt auf, und die Temperaturen steigen leicht an. Im Südwesten werden bis zu 24 Grad erreicht, sonst liegen die Höchstwerte zwischen 17 und 23 Grad. Auch der Samstag präsentiert sich ähnlich, mit viel freundlichem Wetter und milden Temperaturen. Lediglich im Nordwesten macht sich erneut zunehmende Bewölkung bemerkbar, verbunden mit etwas Regen.

Am Sonntag stellt sich schließlich eine Umstellung der Wetterlage ein. Die Wolken überwiegen, und gebietsweise fällt Regen. Gleichzeitig geht die Temperatur zurück, mit Höchstwerten zwischen 13 und 20 Grad. Zudem frischt der Wind etwas auf und dreht auf nördliche Richtungen.

Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Hinweise auf ungewöhnlich starken El-Niño im Laufe des Jahres

El-Niño wird das Auftreten ungewöhnlicher und unregelmäßig wiederkehrender Veränderungen der Meeresströmungen im ozeanografisch-meteorologischen System des äquatorialen Pazifiks genannt. Das Phänomen tritt in unregelmäßigen Abständen von durchschnittlich vier Jahren auf. Durch veränderte Zirkulationsmuster in der Atmosphäre ändern sich auch die oberflächennahen Meeresströmungen und es kommt großräumig zu höheren Meeresoberflächentemperaturen als im Normalzustand. Weiterführende Informationen zu El-Niño und seinem Gegenstück La-Niña finden Sie unter: Klimalexikon.

In der vergangenen Woche wurde El-Niño in einigen Medien zum Thema gemacht und tatsächlich liefern verschiedene Modelle deutliche Hinweise auf das Auftreten dieses Phänomens im Laufe des Jahres. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch die Komplexität der Datenlage. In Abbildung 1 sind für den September 2026 von verschiedenen Modellen die prognostizierten Abweichungen der Meeresoberflächentemperatur für den relevanten Teil des Pazifiks dargestellt. Für jedes Modell ist dann nochmal die Bandbreite innerhalb des Modells als Farbbereich aufgetragen. Ab +0,5 Grad Abweichung spricht man von einem El-Niño-Ereignis. Die meisten Modellergebnisse konzentrieren sich bei Anomalien um +2 Grad. Die Bandbreite reicht aber von -0,5 bis +4 Grad. Ab +2 Grad Abweichung spricht man von einem sehr starken El-Niño. Das Modell des Deutschen Wetterdienstes ist dabei ein eher „kühler“ Vertreter mit Abweichungen um +1 Grad. Das Modell des Europäischen Zentrums für Mittelfristvorhersage (ECMWF) befindet sich mit etwa +2 Grad Abweichung im Mittelfeld der Modelle.

Hinweise auf ungewoehnlich starken El Nino im Laufe des Jahres 1

Vorhersage der Temperaturabweichung der Meeresoberflächentemperatur für Teile des Pazifiks von verschiedenen Klimamodellen.

Die Signale für einen El-Niño sind sehr deutlich, für einen sehr starken El-Niño ungewöhnlich hoch. Doch wie sicher sind solche Prognosen eigentlich? Das ECMWF hat diesbezüglich einen Artikel veröffentlicht: ECWMF

In diesem Artikel wird auf die Unsicherheiten der Prognose eingegangen. Unter anderem wird auf die sogenannte „spring predictability barrier“ verwiesen. Diese besagt, dass Änderungen des Klimasystems im Frühling schwieriger vorherzusagen sind als im Rest des Jahres. Erst ab Ende Mai oder Juni, wenn die Kopplung zwischen Ozean und Atmosphäre (z. B. schwächer werdende Passatwinde) deutlicher wird, steigt die Zuverlässigkeit der Prognosen.

Als eine Möglichkeit die Vorhersagekraft einzuordnen, wird der Vergleich vergangener Prognosen mit der Wirklichkeit genannt. In Abbildung 2 werden dazu die Prognosen vom 1. April 2023 und 2017 (rote Kurven) mit der Wirklichkeit (blaue Kurve) gegenübergestellt. 2023 lagen die Abweichungen im Herbst etwas höher als im Frühling simuliert. 2017 kam es entgegen der Simulationen nicht zu einem El-Niño, sondern zu einem schwachen La-Niña Ereignis.

Hinweise auf ungewoehnlich starken El Nino im Laufe des Jahres 2

Prognose (rote Kurven) der Meeresoberflächentemperatur für Teile des Pazifiks für 2023 und 2017 und die gemessene Temperatur (blaue Kurve).

Zusätzlich macht der voranschreitende Klimawandel die Prognosen komplexer. Nicht alle Prozesse und Wechselwirkungen im Klimasystem können perfekt dargestellt werden. Systematische Modellfehler könnten nichtlinear mit dem Klimawandel interagieren. Durch den allgemeinen Anstieg der Meerestemperaturen wird es schwieriger, einen „Normalzustand“ zu definieren und Abweichungen davon zu berechnen. Im Hinblick auf die Auswirkungen von El-Niño könnte der Klimawandel zu anderen oder in der Intensität anderen Auswirkungen führen.

Zusammenfassung: Ein El-Niño-Ereignis ist wahrscheinlich, die Stärke noch sehr unsicher und der Klimawandel sorgt für zusätzliche Unsicherheiten in der Prognose eines solchen Ereignisses und im Hinblick auf mögliche Auswirkungen.

M.Sc.-Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Aktions- und Ehrentage mit meteorologischem Bezug

Am gestrigen Sonntag, den 12. April, war in den USA der „Jahrestag des starken Windes“. Seit wann dieser Aktionstag begangen wird und wer diesen ins Leben rief, ist leider nicht bekannt. Bekannt ist hingegen, dass anlässlich des 50. Jahrestags im Jahr 1984 eine Zeremonie im Observatorium des Mount Washington abgehalten wurde.

Vor 91 Jahren, also am 12. April 1934, wurde auf dem Mount Washington (New Hampshire) mit 372 Kilometern pro Stunde die bis dato stärkste mit einem Anemometer gemessene Windböe verzeichnet. Erst am 10. April 1996, also fast auf den Tag genau 62 Jahre später, konnte dieser Wert überboten werden. Während des tropischen Zyklons „Olivia“ wurden auf der westaustralischen Insel Barrow Island 408 Kilometer pro Stunde gemessen. In Deutschland und Europa liegt der Rekord bei 335 Kilometer pro Stunde und wurde am 12. Juni 1985 auf der Zugspitze verzeichnet.

Die höchste jemals aufgezeichnete Windgeschwindigkeit wurde durch ein Dopplerradar bei einem Tornado in der Nähe von Oklahoma City am 03. Mai 1999 registriert. Der Wert beträgt hierbei 496 Kilometer pro Stunde, wobei der Unsicherheitsbereich durch die indirekte Messmethode bei plusminus 33 Kilometer pro Stunde liegt.

In der freien Atmosphäre sind die Windgeschwindigkeiten naturgemäß höher als an der Erdoberfläche, da dort Reibungseffekte keine Rolle spielen. So wurden 1970 bei Messungen in Jetstreams über Japan 650 Kilometer pro Stunde geschätzt.

Hierzulande frischte der Wind in den vergangenen Tagen zwar zeitweise etwas auf, mit Sturm oder mehr hatte das aber natürlich nichts zu tun. Ab und an war eine gelbe Windwarnung (50 bis 64 Kilometer pro Stunde) vonnöten, so wie auch für den heutigen Montag eine für den Erzgebirgskamm ausgegeben wurde. In den kommenden Tagen ist Wind dann aber kein Thema mehr.

Daneben wurde am 13. April 1845, also heute vor 181 Jahren, der deutsche Meteorologe Richard Adolph Aßmann geboren. Beispielsweise ist das Meteorologische Observatorium in Lindenberg nach ihm benannt. Er ist der Entwickler des nach ihm benannten Aspirationspsychrometers nach Aßmann. Ein Psychrometer (griechisch: psychrós = frostig, kalt) ist ein meteorologisches Messinstrument und dient der Bestimmung der Luftfeuchtigkeit (https://www.dwd.de/DE/service/lexikon/begriffe/P/Psychrometer.html). Das Messprinzip eines Psychrometers beruht auf der Abhängigkeit der Verdunstung von den Feuchteverhältnissen der umgebenden Luft. Ein Psychrometer besteht aus zwei Thermometern, wovon eines die Lufttemperatur misst. Das andere ist mit einem feuchten Strumpf überzogen und kühlt sich aufgrund der Verdunstungskälte ab. Die gemessene Temperatur („Feuchttemperatur“) liegt somit unter der Lufttemperatur. Mithilfe der beiden gemessenen Temperaturwerte können anschließend verschiedene Feuchtegrößen berechnet werden.

Am morgigen Dienstag, den 14. April, ist in den USA wiederum der „Schau-in-den-Himmel-Tag“. Die Ursprünge und Hintergründe dieses Aktionstags sind allerdings nicht überliefert. Am Tag der Himmelsbeobachtung steht das Rausgehen im Vordergrund, um zu sehen, was am Himmel so vor sich geht. Ein Vogel, der die Thermik zum Fliegen nutzt; ein Flugzeug, das ein nahes oder fernes Urlaubsziel ansteuert; lustige Wolkenformationen, die über den Himmel ziehen oder bei Dunkelheit die Sterne, die Lichtjahre von der Erde entfernt sind. Scheint die Sonne, verweilt man gerne auch etwas länger im Freien; ist es hingegen bedeckt oder es regnet sogar, beobachtet man den Himmel dann doch lieber vom Fenster aus. Doch wie präsentiert sich das Himmelsbild am morgigen „Schau-in-den-Himmel-Tag“?

Am morgigen Dienstag ist es im Westen und Nordwesten Deutschlands bei Höchsttemperaturen zwischen 15 und 18 Grad heiter, teils sonnig und trocken. In den übrigen Regionen bestimmen viele Wolken das Himmelsbild. Vielerorts tritt zudem leichter Regen auf, der im Tagesverlauf in den Osten und Südosten Deutschlands zieht. Die Höchsttemperaturen liegen meist bei 9 bis 15 Grad, nur an Oder und Neiße können ebenfalls 15 bis 18 Grad erreicht werden.

Nachfolgend nehmen die Sonnenanteile in weiten Teilen des Landes deutlich zu. Bei Höchsttemperaturen zwischen 14 und 21 Grad und schwachen Windverhältnissen kann der „Schau-in-den-Himmel-Tag“ bei einem Spaziergang also durchaus in die Verlängerung gehen.

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Eine Rückschau und eine Vorschau – wie bewölkt ist es über Deutschland

„Start in die neue Woche: Freundlich und im Prinzip störungsfrei“ – Obacht! – so lautete die Überschrift des Thema des Tages vom vergangenen Montag, dem 06.04.2026. Das Sturmtief Rapunzel (international Dave) welches über Britannien und Irland gezogen war, hatte letztes Wochenende mit Sturmböen, einer Kaltfront, sowie rückseitigen Schauern und Gewittern für unbeständiges Wetter in Deutschland gesorgt. Zum Wochenbeginn kündigte sich dann der Wetterumschwung an – von Westen hatte sich Hochdruckeinfluss durchgesetzt und sorgte von Montag bis in den Donnerstag hinein für eine sonnige, teils sehr milde, und trockene Witterung. Sehr eindrücklich zeigt sich die Hochdruckwetterlage im Satellitenfilm für die ersten drei Tage der vergangenen Woche.

Die Animation zeigt eine Abfolge von Satellitenbildern über Europa. Über Deutschland ist es meist wolkenlos, über dem Ostatlantik und über Osteuropa zeigen sich prägnante Wolkenbänder der Tiefdrucksysteme. (Quelle EUMETSAT)

MTG (Meteosat Third Generation) GeoColour RGB Satellitenfilm, mit Messungen von reflektiertem Sonnenlicht im sichtbaren Spektralbereich am Tag, und von der Erdoberfläche und Wolken emittierter Wärmestrahlung im Infrarotbereich in der Nacht. Der Film zeigt stündliche Messungen von Montag dem 06.04.2026 um 00:00 UTC bis Donnerstag dem 09.04.2026 um 00:00 UTC. (Quelle: EUMETSAT)

Das ehemalige Sturmtief Rapunzel/Dave zieht im Satellitenfilm als Wolkenwirbel von Finnland aus südostwärts über Osteuropa hinweg und bleibt dort mit seinem Frontensystem noch einige Tage wetterwirksam, während ein mächtiges Tiefdruckgebiet über dem Nordatlantik Richtung Island zieht (Kerndruck zu Beginn des Satellitenfilms um 960 hPa). Das atlantische Tief selbst, seine Kaltfront (erkennbar an dem von Nord nach Süd ausgerichteten Wolkenband), sowie der darüber liegende Höhentrog (eine im Satellitenfilm nicht direkt ersichtliche, nach Süden gerichtete Ausbeulung der Höhenströmung) kommen nur schwer gegen den Hochdruckeinfluss über Zentraleuropa an und weichen dementsprechend nach Norden und Süden aus. Bereits am Dienstag hatte sich dadurch im Zusammenhang mit einem Abtropfen in der Höhenströmung ein Tief westlich von Portugal ausgebildet (ebenfalls deutlich im Satellitenfilm erkennbar) und insbesondere in Spanien äußerst ergiebigen Regen gebracht.

Über Deutschland ist der Hochdruckeinfluss des vergangenen Wochenbeginns im Satellitenfilm sehr eindrücklich. Bis auf vereinzelte optisch dünne hohe Bewölkung sowie ein Wolkenband aus tiefer Stratusbewölkung am Dienstag im Nordosten waren die Tage verbreitet sonnig und die Nächte klar. Dementsprechend blieb es in ganz Deutschland trocken, tagsüber war es bei Temperaturen über 20 °C teils ungewöhnlich mild, insbesondere im Westen wo zudem wärmere Luft eingeflossen war. Nachts fiel die Temperatur durch die ungehinderte Ausstrahlung gebietsweise unter 0 °C.

Nun der schonungslose Vergleich mit dem morgen anstehenden Wochenbeginn. Dass bis Mittwoch für manche Regionen Deutschlands einiges an Niederschlag erwartet wird, wurde bereits im gestrigen Thema des Tages anschaulich präsentiert. Ein Teil der dort prognostizierten Regenmengen sind zwar bereits am gestrigen Samstag und heute gefallen, dennoch präsentiert sich der Himmel über Deutschland im simulierten Prognose-Satellitenfilm des europäischen IFS Modells im starken Kontrast zum vergangenen Wochenbeginn.

Die Animation zeigt analog zu der vorherigen einen Satellitenfilm über Europa. Das beschriebene Wolkenband überdeckt große Teile Deutschlands. Im gesamten Kartenausschnitt zeigen sich viele prägnante Wettersysteme in den Wolkenformationen. (Quelle ECMWF)

Simulierter Satellitenfilm für die kommenden drei Tage, in 3-Stunden-Schritten, basierend auf der simulierten Reflektivität der Wolken im europäischen IFS Modell, im sichtbaren Spektrum und unter der Annahme dass die Sonne 24/7 im Zenit steht – deshalb hier auch nachts verfügbar. (Quelle: ECMWF)

Das Wolken- und Regenband der gestern Nachtmittag von Westen hereingezogenen Kaltfront liegt heute Nacht (zu Beginn des Prognose-Satellitenfilms) über dem Süden und Osten Deutschlands und wandert – beeinflusst durch die umgebenden Wettersysteme und die Höhenströmung – zunächst vom Osten in den Westen zurück, und schlussendlich zum Mittwoch hin wieder nach Osten aus Deutschland hinaus. Einhergehend damit wandert nicht nur der Niederschlag, sondern es variieren auch die Tageshöchsttemperaturen und die nächtlichen Minimaltemperaturen – und gestalten somit den Wochenbeginn äußerst wechselhaft. Zum Mittwoch kündigt sich dann Wetterberuhigung an, es bleibt trocken und es wird wieder merklich milder – nicht nur örtlich sondern in weiten Teilen des Landes.

Dr. rer. nat. Thorsten Kaluza (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Findet die Trockenheit ihr Ende?

Das Wort Regen oder Schauer las man in den Wetterberichten im bisherigen April in Deutschland sehr selten. Umfangreiche Hochdruckgebiete sorgten hierzulande für eher trockenes und oftmals sonniges Frühlingswetter. Bereits jetzt stehen schon 60 bis 90 Sonnenstunden zu Buche. Dies bedeutet im Schnitt sechs bis neun Stunden Sonne pro Tag. Klimatologisch betrachtet wird die aufgeführte Gesamtsonnenscheindauer erst zum Ende der zweiten Aprildekade erreicht. Während also die Sonne Überstunden leistet, zeigt sich der Niederschlag fast überall von seiner sparsamen Seite. Deutschlandweit fielen seit Beginn des zweiten meteorologischen Frühlingsmonats häufig nur zwischen 1 und 10 Liter pro Quadratmeter (l/qm). Lediglich im Norden und im Umfeld der zentralen und östlichen Mittelgebirge waren es gebietsweise 10 bis 15 l/qm. Etwas aus der Reihe tanzt der Süden und Südosten Bayerns. Dort gab es in der Fläche bereits 10 bis 20, am Alpenrand örtlich bis 30 l/qm. Der meiste Niederschlag fiel dort am gestrigen Freitag.

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Aus Radardaten abgeleitete Gesamtniederschlagsmenge im April bis zum heutigen Samstag

Doch nicht nur der April zeigt sich bisher von seiner trockenen Seite, sondern auch der März fiel in ganz Deutschland trockener aus als im vieljährigen Mittel (weitere Informationen hier). Hervor sticht dabei sicherlich der Osten des Landes. Dort gab es im März regional insgesamt lediglich um 10 l/qm Monatsniederschlag.

Der Vergleich der Niederschläge von Januar bis März in den Städten Hamburg, Berlin, Köln und München zeigt, dass es im Januar und März insgesamt meist trockener war als in den jeweiligen Vergleichsperioden. Anders präsentierte sich der vergangene Februar. Dieser war sehr niederschlagsreich und auch in Berlin wurden die langjährigen Mittelwerte überboten. Dennoch lässt sich konstatieren, dass es besonders in der Bundeshauptstadt in diesem Jahr bisher viel zu trocken ist.

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Gemessene und klimatologische Niederschlagsmengen von Januar bis März für die Städte Hamburg, Berlin, Köln und München

Auch der Bodenfeuchteviewer offenbart deutlich, dass im Osten des Landes zumindest in den oberen Bodenschichten (10 bis 50 cm) ein leichter Trockenstress herrscht. Insbesondere in Sachsen-Anhalt ist dies selbst in tieferen Schichten noch der Fall.

Ob die Trockenheit gelindert werden kann und wie viel Niederschlag in den kommenden Tagen in Deutschland fallen soll, zeigt die folgende Karte. Hier sind auf Basis verschiedener Modelle die zu erwartenden Niederschläge vom heutigen Samstag bis Mittwochfrüh dargestellt.

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Akkumulierte Gesamtniederschlagsmenge in l/qm von Samstag bis Mittwochfrüh auf Basis unterschiedlicher Wettermodelle

Niederschlag zeichnet sich für den Südwesten des Landes ab. Dort sollen nach Lesart aller Modelle 10 bis 30, laut EZMW lokal um 50 l/qm Niederschlag fallen. Ansonsten liegen die Mengen überwiegend zwischen 5 und 15, lokal um 20 l/qm. Allerdings ergibt sich kein einheitliches Bild in der Prognose und die Berechnungen gehen teilweise deutlich auseinander. Lediglich im äußersten Osten und Südosten haben alle Modelle nur wenige l/qm auf der Agenda. Die Trockenheit wird dort also kaum gelindert werden können.

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 11.04.2026
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Von Türmchen, Fasern und Linsen

Jede Wolke ist für sich genommen ein Unikat. Nichtsdestotrotz treten verschiedene Bewölkungsformen immer wieder auf, sodass man eines Tages ein Klassifizierungssystem entwickelt hat, um diese Formen einzuordnen. Dabei hat man sich an der Biologie orientiert und unterteilt die verschiedenen Wolkenformen nach Gattung, Art und Unterart. Daneben gibt es noch bestimmte Zusatzeigenschaften, die an allen Wolkenarten auftreten können.

Grundsätzlich unterteilt man Bewölkung in drei bzw. vier verschiedene Gattungen nach der Höhe ihres Auftretens: Tiefe, Mittelhohe und Hohe Wolken. Neben diesen drei gibt es noch Wolkengattungen, die sich über mehrere oder alle Stockwerke erstrecken. Es existieren insgesamt zehn Gattungen. Zu den hohen Wolken gehören dabei Cirrus (Ci), Cirrocumulus (Cc) und Cirrostratus (Cs). Zu den mittelhohen Wolken gehören Altocumulus (Ac) und Altostratus (As). Stratocumulus (Sc) und Stratus (St) bilden die tiefe Bewölkung. Daneben gibt es mit Cumulus (Cu), Nimbostratus (Ns) und Cumulonimbus (Cb) drei Gattungen mit großer vertikaler Ausdehnung über mehrere Stockwerke.

All diese Wolkengattungen können in Form verschiedener Arten auftreten. Einige interessante davon sind z.B. Castellanus, Lenticularis und Fibratus.

Castellanus

Castellanus (cas) bezeichnet Wolkenarten, die Quellungen in Form kleiner Türmchen aufweisen, die aber an ihrer Basis miteinander in Verbindung stehen. Sie können an Cirrus-, Cirrocumulus-, Altocumulus- oder Stratocumulusbewölkung auftreten. Castellanus-Wolken weisen auf vorhandene Labilität in der Troposphäre hin und können erste Anzeichen bevorstehender Gewitterentwicklungen sein.

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Altocumulus castellanus ( Quelle:Bild: Rüdiger Manig, DWD)

Lenticularis

Lenticularis (len) bezeichnet linsenförmige Wolken. Sie zeichnen sich durch eine laminare Erscheinungsform aus und können mitunter auch wie eine Art „UFO” aussehen. Lenticularis-Wolken treten in erster Linie bei Föhn auf und bilden sich oft auf der Leeseite der Gebirge durch dort entstehende Schwerewellen. Abseits davon können sich Lenticularis auch bei starker Richtungsscherung und dadurch entstehenden Scherungswellen bilden. Sie treten hauptsächlich an Cirrocumulus, Altocumulus und Stratocumulus auf.

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Altocumulus lenticularis (Ac len). (Quelle:Rüdiger Manig, DWD)

Fibratus

Fibratus-Wolken (fib) entstehen vor allem an Cirrus- oder Cirrostratus-Wolken. Dabei bezeichnen sie dem Namen nach einen bestimmten faserigen Charakter, wobei sich diese Fasern mitunter über einen größeren Teil des Himmels erstrecken können. Sie entstehen u.a. durch hohe Windscherung in großen Höhen.

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Cirrus fibratus (Ci fib). (Quelle:Rüdiger Manig, DWD)

Neben einigen Arten gibt es auch noch Unterarten und Spezialformen, die es sich lohnt, näher zu betrachten.

Mammatus

Mammatuswolken (mam)) bezeichnen Wolken mit beutelförmigen Ausbuchtungen nach unten. Am häufigsten kommen diese an den Eisschirmen bzw. dem Amboss von Cumulonimbuswolken vor. Daneben können sie aber auch an fast allen anderen Gattungen auftreten. Der genaue Entstehungsmechanismus von Mammatuswolken ist nicht vollständig erforscht, eine Rolle spielen hohe Windscherung sowie Verdunstungs- und Abkühlungsvorgänge an der Unterseite der Wolke.

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Mammatuswolken über Gotha. (Quelle:Gertraud Vollrath)

Virga

Virga (vir) bezeichnet einen Niederschlagsfallstreifen unterhalb einer Wolke, der aber den Boden nicht erreicht. Meistens handelt es sich dabei um Niederschlag in fester Form (Schnee, Eiskörner, Kristalle, etc.), an tiefer Bewölkung aber auch in flüssiger Form, der in darunterliegenden trockenen Schichten verdunstet, bevor er den Erdboden erreicht.

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Fallstreifen (virga)Im Vorfeld eine rvon Westen heranziehenden Kaltfront

Altocumulus virga (Ac vir). (Quelle:Rüdiger Manig,DWD)

Cirrus virga und Altocumulus virga waren beispielsweise in den letzten Tagen vermehrt im südlichen Hessen zu beobachten, vor allem in der Region zwischen Frankfurt am Main und dem Rheingau westlich von Mainz und Wiesbaden.

Weitere Informationen zu den verschiedenen Wolkentypen finden sich im „International Cloud Atlas” der WMO oder im Karlsruher Wolkenatlas.

M.Sc. Felix Dietzsch (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.04.2026
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Tiefs „Saskia“ und „Tamina“ leiten Wetterumschwung ein

In den vergangenen Tagen verlagerte Hoch „Quirin“ seinen Schwerpunkt über Mitteleuropa hinweg und sorgte hierzulande für sonniges und teils sehr mildes Frühlingswetter. Bei Tageshöchstwerten bis 24 Grad im Südwesten wurde ein Sommertag (Höchstwerte von 25 Grad und höher) nur knapp verfehlt.

Am heutigen Donnerstag schwindet allmählich der Einfluss von Hoch „Quirin„, dessen Schwerpunkt sich mittlerweile über Nordwestrussland befindet. Im äußersten Nordwesten und Westen ziehen ab den Nachmittags- und Abendstunden die Ausläufer des Islandtiefs „Saskia“ auf. Zuvor scheint jedoch noch einmal bei Höchstwerten zwischen 11 Grad im Nordosten und sehr milden 24 Grad im Breisgau vielerorts die Sonne.

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DWD-Vorhersagekarte für den Bodendruck und die Luftmassengrenzen im Bereich von Europa und dem Nordostatlantik für Donnerstag, den 09. April 2026, 12 UTC auf Basis des ICON-Modelllaufs vom 08. April 2026, 00 UTC. Quelle: DWD

Ab dem Abend können dann bereits im Westen und Nordwesten erste Schauer auftreten, die sich im Laufe der kommenden Nacht ost- bis südostwärts ausbreiten und am Freitag schließlich auch den äußersten Osten und Nordosten erreichen. Rückseitig der Ausläufer fließt kühle atlantische Meeresluft nach Deutschland. In dieser sinkt die Schneefallgrenze ab, sodass in den Mittelgebirgen sowie im nachts teils frostigen Osten und Nordosten kurzzeitig etwas nasser Schneefall auftreten kann. Glätte durch Schneematsch ist dabei aber nur gering wahrscheinlich. Ebenfalls gering wahrscheinlich sind einzelne Gewitter, die in der Nacht auftreten können.

Mit der Annäherung des Tiefausläufers nimmt zudem das Luftdruckgefälle über Deutschland etwas zu, sodass der Wind insbesondere an den Küsten stark bis stürmisch auffrischen kann. Im Laufe des Freitags lässt er aber bereits wieder nach.

Tiefs 2

Vorhersage der MOSMIX-Tageshöchsttemperatur für Freitag (links), der MOSMIX-Tiefsttemperatur für die Nacht zum Samstag (Mitte) sowie der 24-stündigen Niederschlagsvorhersage des ICON-D2-Wettermodells von Donnerstag- bis Freitagabend (rechts). Quelle: DWD

In der Nacht zum Samstag und Samstag tagsüber dominiert dann vorübergehender Zwischenhocheinfluss. Mit einer auf Süd bis Südwest drehenden Strömung fließt ein Schwall milderer Luft zu uns. Ausgangs der Nacht zum Samstag tritt in der Osthälfte zunächst aber noch einmal leichter Frost auf, verbreitet muss mit leichtem Frost in Bodennähe gerechnet werden. Zudem bildet sich gebietsweise Nebel aus, der sich am Samstag aber bei vielfachem Sonnenschein rasch wieder auflöst. Die Temperatur steigt tagsüber mit Sonnenunterstützung im Südwesten wieder auf bis zu 25 Grad an.

Tiefs 3

DWD-Vorhersagekarte für den Bodendruck und die Luftmassengrenzen im Bereich von Europa und dem Nordostatlantik für Samstag, den 11. April 2026, 12 UTC auf Basis des ICON-Modelllaufs vom 09. April 2026, 00 UTC. Quelle: DWD

In den Wetterkarten ist bereits heute über dem Nordatlantik eine Störung namens „Tamina“ auszumachen, die sich zügig vertieft und am Samstag der Region zwischen Irland und Island annähert. Im Laufe des Samstags kann dabei der Wind in den Leelagen der westlichen Mittelgebirge sowie im Küstenumfeld stark bis stürmisch auffrischen. Das zugehörige Frontensystem greift ab Samstagabend von Westen her auf Deutschland über und zieht mit teils schauerartigem Regen bis Sonntagabend in den Osten des Landes. Dabei fließt erneut kühlere Atlantikluft zu uns.

Tiefs 4

DWD-Vorhersagekarte für den Bodendruck und die Luftmassengrenzen im Bereich von Europa und dem Nordostatlantik für Montag, den 13. April 2026, 12 UTC auf Basis des ICON-Modelllaufs vom 09. April 2026, 00 UTC. Quelle: DWD

Der tiefe Luftdruck reicht am Sonntag bis zum Mittelmeer und wird am weiteren Vorankommen nach Osten hin von hohem Luftdruck blockiert. Dadurch bleibt uns auch zu Beginn der neuen Woche das wechselhafte Wetter samt kühler Luft erhalten.

MSc.-Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Hana-Matsuri

Schon seit ein paar Wochen sprießen die Blüten an den Bäumen. Jeder Gärtner zittert noch einmal in kalten Nächten. Einige hüllen empfindliche Blüten ein, damit der Frost sie nicht absterben lässt. Zu schade wäre der gleichbedeutende Verlust der Ernte.

In diesem Jahr sind wir mit der Blüte teils recht früh dran. Die Hasel, die den Beginn des Vorfrühlings auf der phänologischen Uhr markiert, hat im milderen Westen Deutschlands bereits Ende Dezember geblüht. Im vieljährigen Mittel liegt ihr Blühbeginn am 09. Februar. Im kälteren Osten hat die Blüte hingegen erst Mitte Februar angefangen. Gemittelt über alle Meldungen ergibt das einen Blühbeginn um den 06. Februar.

Zeitlich nicht ganz so weit auseinander liegt der Blühbeginn der Forsythie. Sie markiert den Erstfrühling. Im Westen lag dieser um den 11. März, im Norden und Nordosten gab es die ersten Blüten hingegen erst Ende März, im höheren Bergland sogar erst Anfang April. Bis zum Vollfrühling, der von der Apfelblüte gekennzeichnet wird, ist es noch etwas hin. Im vieljährigen Mittel liegt ihr Blühstart um den 26. April. Es gab aber in den letzten Tagen schon vereinzelt Meldungen aus dem Westen und Südwesten Deutschlands über blühende Apfelbäume.

Ähnlich wie die Japaner mit ihrem Hana-Matsuri feiern auch die Deutschen ihre Blütenfeste. Allerdings ist der Hintergrund bei uns nicht der Geburtstag einer Gottheit, sondern vielmehr die Freude am Feiern und die Vorfreude auf eine ertragreiche Obstsaison. Einige Baumblütenfeste in Deutschland blicken dabei auf eine über 100-jährige Tradition zurück. In der Regel finden die Feste von Mitte April bis Anfang Mai statt. Dann stehen die meisten Apfel- und Kirschbäume in voller Blüte. Eine sehr milde Witterung kann den Blühbeginn nach vorne schieben. Danach sieht es auch in diesem Jahr aus. In einigen Regionen im Westen und Süden sind bereits erste Kirschblüten zu sehen. Die volle Blüte wird aber noch etwas dauern.

Nähere Informationen zur phänologischen Uhr und wie Sie uns bei der Beobachtung unterstützen können, finden Sie auf den Webseiten des Deutschen Wetterdienstes.

 

Einheitenchaos – Teil 1: Temperatur

Vielen hat es sich wohl im Physik- oder Matheunterricht in den Kopf gebrannt. Der Lehrer stellt eine Rechenaufgabe und plötzlich muss im Stress die Antwort berechnet werden und aus Versehen begeht man den unverzeihlichen Fehler die korrekte Einheit hinter sein Ergebnis zu setzen. Die darauf sofort folgende Frage: „XX was? Äpfel, Birnen, …?“ wurde damals natürlich nur als vorsätzliche Quälerei wahrgenommen. Natürlich war es das nicht, denn es ist durchaus wichtig, die richtigen Maßeinheiten zu verwenden. Leider gibt es in der Meteorologie derart viele, dass man leicht den Überblick verliert. Daher wird es höchste Zeit, ein wenig Licht ins Dunkle zu bringen.

Beginnen wir mit der Temperatur. Das uns übliche vertraute Maß orientiert sich an der Celsiusskala. Anders Celsius, ein schwedischer Astronom, veröffentlichte 1742 die Idee, den Gefrierpunkt und den Siedepunkt von Wasser bei Normaldruck als Ausgangspunkte zu verwenden und den gemessenen Unterschied auf einem Quecksilberthermometer in 100 gleiche Teile zu unterteilen. Ursprünglich war sie jedoch noch umgekehrt definiert, sodass eine Erwärmung dazu führte, dass die Temperatur sank. Erst später wurde eine Invertierung beschlossen, die zu der nun bekannten Skala führte.

Die Kelvinskala wurde circa 200 Jahre später eingeführt. Sie ist der Celsiusskala sehr ähnlich. Der einzige Unterschied ist, dass der Nullpunkt den absoluten Nullpunkt und nicht den Gefrierpunkt von Wasser beschreibt. Das hat zur Folge, dass die beiden Skalen lediglich verschoben zueinander sind und die Umrechnung sehr einfach gestaltet: Zur Temperatur in Grad Celsius muss 273,15 hinzuaddiert werden, um bei Kelvin herauszukommen.

Diese zwei Alternativen sollten eigentlich genügen, aber so einfach ist es leider nicht. Insbesondere in der USA wird ein eigenes Süppchen gekocht und die Einheit Fahrenheit verwendet. Zugegebenermaßen sind wir daran gewissermaßen „selbst schuld“, denn ihr Namensgeber ist der deutsche Physiker Daniel Gabriel Fahrenheit. Er setzte seinen Nullpunkt bei -17,8 °C, da dies die kälteste Temperatur war, die er erzeugen konnte. Den Gefrierpunkt von reinem Wasser definierte er als 32 °F und die Körpertemperatur eines Menschen 96 °F (35,6 °C). Das macht leider die Umrechnung in Celsius komplizierter [°C] = ([°F] – 32) * 5/9. Auf Grundlage dieser Skala wurde außerdem die sogenannte „Rankine-Skala“ definiert. Diese ist so verschoben (um 459,67 Einheiten), dass 0 °Ra dem absoluten Nullpunkt entsprechen. Sie ist somit das Pendant zu Kelvin.

Einheitenchaos

Abb. 1: Darstellung der Celsius- und der Fahrenheit-Skala

Des Weiteren gibt es noch einige weitere historische, heutzutage nicht mehr verwendete Maßeinheiten. So ähnelt beispielsweise die Delisle-Skala, benannt nach dem französichen Astronomen Joseph-Nicolas Delisle, der ursprünglichen Celsiusskala. Der Siedepunkt von Wasser entspricht 0 °De und der Schmelzpunt 150 °De. Auch Isaac Newton entwarf ein eigenes Maß, dabei entsprechen 1 °N in etwa 3 °C, da der Siedepunkt von Wasser bei 33 °N festgelegt ist. Wenn also demnächst jemand die aktuelle Lufttemperatur wissen möchte, sollten Sie nun genügend Optionen haben, um Verwirrung zu stiften.

M.Sc. Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Start in die neue Woche: Freundlich und im Prinzip störungsfrei

Nach einem verbreitet windigen, teils stürmischen Ostersonntag mit zeitweiligem Regen, Schauern und örtlichen Gewittern vor allem im Süden Bayerns, dominiert bereits am heutigen Ostermontag der Einfluss eines umfangreichen Hochdruckgebietes. Hoch QUIRIN liegt mit seinem Schwerpunkt aktuell über Nordfrankreich, Benelux und dem westlichen Deutschland. Dabei gestaltet sich das Wetter überwiegend freundlich, teils sonnig.

Lediglich im Nordosten besteht noch ein gewisser Resteinfluss des Sturmtiefs RAPUNZEL, das sich mittlerweile mit seinem Zentrum über Südfinnland befindet. Das Sturmtief hatte vor allem in Nord- und Nordwesteuropa in den vergangenen Tagen für erhebliche Windgeschwindigkeiten gesorgt und Deutschland am Ostersonntag gestreift. Nun hat es sich bereits abgeschwächt, von Schleswig-Holstein bis zur Lausitz ist es am heutigen Ostermontag aber nochmals sehr windig bis stürmisch, an der Ostsee treten zeitweise Sturmböen auf. Mit weiterer Verlagerung des Tiefs nach Ost/Südost, flaut der West- bis Nordwestwind zum Abend und im Verlauf der Nacht zum Dienstag insgesamt meist ab.

Am Dienstag und Mittwoch dominiert insgesamt ruhiges und meist freundliches Wetter mit großen Sonnenanteilen. Wie es dann in der zweiten Wochenhälfte wettertechnisch weitergeht, ist noch reichlich unsicher. Zumindest nach aktuellem Stand deutet sich ab Donnerstag eher eine wechselhaftere Witterung an.

Interessant sind die recht großen Temperaturgegensätze bzw. Tagesgänge. In den Nordosten des Landes sickert mit einer nördlichen Strömung eine recht kühle, polare Luftmasse. Die Tageshöchstwerte liegen dort meist nur bei 10 bis 14 Grad, direkt an der See mit zeitweise auflandigem Wind um Nord teils auch darunter. Im Südwesten und Westen dagegen dominiert eine deutlich mildere Luftmasse und bei häufigem Sonnenschein werden Höchstwerte von meist 18 bis 22 Grad erwartet, am Oberrhein teils auch darüber. In den kommenden Nächsten muss häufig wieder mit leichtem Nachtfrost gerechnet werden, vor allem im Nordosten und Osten auch mit teils mäßigem Frost in Bodennähe. Das heißt auch, dass Pflanzenliebhaber eventuell bereits im Freien stehende oder ausgepflanzte empfindliche Zöglinge nochmals schützen sollten.

Dipl.-Met. Sabine Krüger
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst