Deutschlandwetter im Dezember 2024

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im Dezember 2024*

Platz

Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Helgoland Schleswig-Holstein 7,0 °C +2,6 Grad
2 Borkum-Flugplatz Niedersachsen 6,4 °C +3,2 Grad
3 Norderney Niedersachsen 6,1 °C +2,9 Grad

Besonders kalte Orte im Dezember 2024*

Platz

Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Oberstdorf Bayern -1,9 °C +0,2 Grad
2 Reit im Winkl Bayern -1,9 °C +1,1 Grad
3 Garmisch-Partenkirchen Bayern -1,8 °C +0,9 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im Dezember 2024**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Baiersbronn-Ruhestein Baden-Württemberg 183,0 l/m² 97 %
2 Baiersbronn-Mitteltal Baden-Württemberg 179,4 l/m² 90 %
3 Todtmoos Baden-Württemberg 179,1 l/m² 79 %

Besonders trockene Orte im Dezember 2024**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Worms Rheinland-Pfalz 17,7 l/m² 42 %
2 Artern Thüringen 17,7 l/m² 51 %
3 Erfurt-Weimar Thüringen 19,9 l/m² 63 %

Besonders sonnenscheinreiche Orte im Dezember 2024**

Platz Station Bundesland Sonnenschein Anteil
1 Kaufbeuren Bayern 96 Stunden 132 %
2 Rheinfelden Baden-Württemberg 93 Stunden 157 %
3 Altenstadt Bayern 93 Stunden 175 %

Besonders sonnenscheinarme Orte im Dezember 2024**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 List auf Sylt Schleswig-Holstein 6 Stunden 13 %
2 Leck Schleswig-Holstein 9 Stunden 26 %
3 Sankt Peter-Ording Schleswig-Holstein 9 Stunden 41 %

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.

Die Sonnenscheindauer wird seit August 2024 teilweise aus Satellitendaten abgeleitet.

* Monatsmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt
(int. Referenzperiode 1961-1990).

** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen
Monatsmittelwertes zum vieljährigen Monatsmittelwert der
jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

Hinweis:
Einen ausführlichen Monatsrückblick für ganz Deutschland und
alle Bundesländer finden Sie im Internet unter

Meteorologe Denny Karran
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Offenbach, 02.01.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Das Jahr 2025 startet turbulent!

Im Süden des Landes bleibt das Wetter vorerst auch im neuen Jahr seinem altbekannten Muster treu. In den Niederungen war heute Früh nach wie vor Nebel vorherrschend. Gleichzeitig startete der Tag an den Alpen und in den Hochlagen der südlichen Mittelgebirge häufig noch sonnig. Der Norden befindet sich dagegen bereits im Einflussbereich von Sturmtief GINETTE. Zwischen GINETTE und einem Hochdruckgebiet über dem Alpenraum hat sich ein passabler Druckgradient etabliert. Dadurch kam es bereits in der Silvesternacht auf der Nordsee zu einem schweren Sturm, welcher das Silvesterfeuerwerk ordentlich durchgewirbelt hat.

Aktuell befindet sich Sturmtief GINETTE vor der Südwestküste Norwegens. Dabei wird die Kaltfront bis zum Abend den Nordwesten Deutschlands erreichen. Im Vorfeld der Front nimmt der Wind noch etwas zu, sodass im Tagesverlauf in der Nordhälfte verbreitet stürmische Böen (Bft 8) und zeitweise auch Sturmböen (Bft 9) auftreten. Vor allem in der Höhe weht der Wind sehr kräftig. In 1,5 Kilometer Höhe werden heute bis zu 160 Kilometer pro Stunde erwartet. Dies macht sich auch auf dem Brocken bemerkbar. Dort treten heute Nachmittag voraussichtlich extreme Orkanböen um 140 Kilometer pro Stunde auf. Da die Luftmasse allerdings recht stabil geschichtet ist, können diese Winde nicht bis in tiefere Lagen heruntergemischt werden.

In der Nacht zum Donnerstag kommt die Kaltfront ins Schleifen. Mit ihr verbunden sind teils kräftige Niederschläge, die gegen Morgen in den zentralen Mittelgebirgen bis auf etwa 500 Meter in Schnee übergehen. Hinter der Front lässt der Wind von Nordwesten rasch nach. Davor gibt es aber dann auch in der Mitte einzelne starke Böen bis in tiefere Lagen. Im höheren Bergland muss mit Sturmböen (Bft 9) gerechnet werden.

DWD Das Jahr 2025 startet turbulent

DWD Das Jahr 2025 startet turbulent 1

Am Donnerstag verlagern sich die Niederschläge in den Süden des Landes. Diese gehen dort im Tagesverlauf bis in tiefere Lagen in Schnee über. Pünktlich zum Feierabendverkehr schneit es dann vom Schwarzwald über die Fränkische Alb bis zum Fichtelgebirge teils kräftig. Damit muss vor allem in den etwas höheren Lagen in diesen Regionen mit erheblicher Glätte gerechnet werden. Ab etwa 600 Metern kommen im Süden bis Freitagfrüh 5 bis 15 cm zusammen. Im Stau des Schwarzwaldes und vor allem an den Alpen örtlich auch um 20 cm.

DWD Das Jahr 2025 startet turbulent 2

In der eingeflossenen Polarluft arktischen Ursprungs kommt es nachfolgend vor allem in der Mitte und im Norden zu weiteren Schauern, die nur noch in den tiefsten Lagen und direkt an der Nordsee als Schneeregen oder Regen fallen. Im Bergland wird es winterlich. Oberhalb von etwa 400 Metern gibt es Dauerfrost. Zum Wochenende sorgt ein Zwischenhoch für vorübergehend ruhiges Winterwetter. In den Nächten tritt dann verbreitet leichter, nach Süden hin auch mäßiger Frost auf. In einigen Tallagen der Mittelgebirge sowie der Alpen kann es auch strenger Frost um -15 Grad geben.

Doch die Ruhe währt nicht lange! Bereits am Samstagabend machen sich im Südwesten des Landes erste Niederschläge einer nahenden Warmfront bemerkbar. Dabei kann es im Übergangsbereich zur kälteren Luftmasse neben Schnee auch gefrierenden Regen mit erhöhter Glatteisgefahr geben. Bezüglich der zeitlichen Abfolge und der Intensität, sowie der räumlichen Ausdehnung gibt es noch einige Unsicherheiten in der Welt der Vorhersagemodelle. Sie können sich deshalb jederzeit über Neuigkeiten auf unserer oder in unserer Warn-Wetter-App auf dem Laufenden halten.

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.01.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Eine Silvesterrally über die Welt hinweg mit dem Blick aufs Wetter!

Es ist mal wieder soweit, ein Jahr ist vergangenen und die Menschen feiern erneut einen Jahreswechsel. Mit einem gefühlten Flügelschlag liegt die Jahrtausendwende nun schon 25 Jahre zurück. Durch die Digitalisierung, Automatisierung und KI dreht sich die Welt immer schneller und nimmt keine Rücksicht auf die Befindlichkeiten des Einzelnen – nur das Wetter bleibt beständig unbeständig bis chaotisch und ja, zunehmend auch extrem. Wer sich für einen netten Rückblick auf das Wetter im vergangenen Jahr interessiert, sind die Themen des Tages vom 28. und 29 Dezember wärmstens empfohlen. Aber auch die Pressemitteilung des DWD lässt das Jahr aus Wettersicht Revue passieren. Wer sich aber lieber schmunzelnd auf das neue Jahr vorbereit anstatt in der Vergangenheit zu wühlen, sollte eher das gestrige Thema des Tages als Lektüre auswählen. Dieses Thema des Tages wird sich nun dem Wetter an Silvester und Neujahr hier in Deutschland, aber auch an anderen Orten der Welt widmen.

Silvester – ein Ereignis rund um die Welt, doch das Wetter und die Bräuche sind unterschiedlich! Die ersten Sektkorken knallen in der Südsee. Um 11 Uhr deutscher Zeit tanzten die rund 7000 Bewohnerinnen und Bewohner des zu Kiribati gehörenden Atolls Kiritimati ins neue Jahr 2025. Bei wechselnder Bewölkung waren der eine oder andere Schauer oder auch ein kurzes Gewitter möglich. Zumindest luden rund 26 Grad dazu ein das neue Jahr im Freien, am Strand oder in einer Bar zu begrüßen.

Um 12 Uhr folgten die Neujahrfeierlichkeiten z.B. in Neuseeland, Samoa und Tonga. In Neuseeland wird dabei das Glück des neuen Jahres mit Hilfe von lauten Schlägen auf Töpfen und Kesseln bestimmt. Bei Temperaturen von 12 und 18 Grad und bei ebenfalls wechselnder Bewölkung traten einzelne Schauer und Gewitter auf.

In Australien wird das neue Jahr im Osten um 14 Uhr begonnen. Ein Hingucker ist wie jedes Jahr das große Feuerwerk über der Oper von Sydney. Zur gleichen Zeit überschreiten auch die Salomoninseln die Schwelle von 2024 zu 2025. Während auf den Salomonen durchaus mal ein Schauer zum Jahresende auftreten kann, stehen die Chancen in weiten Teilen Australien für einen trockenen Jahreswechsel deutlich besser. Allenfalls im äußersten Westen und Nordwesten besteht ebenfalls ein gewisses Schauer- und Gewitterrisiko. In den Bereichen potentieller Niederschläge werden zum Jahreswechsel Temperaturen zwischen 22 und 28 Grad erwarten, in West- und Zentralaustralien stehen dagegen teils heiße 27 bis 35 Grad auf der Agenda. Allenfalls im Südosten von Australien stehen gemäßigtere Temperaturen von 14 bis 20 Grad zu buche.

Um 16 Uhr folgen schließlich z.B. Japan, Südkorea und Palau ins neue Jahr. In Japan wird dabei vielerorts auf großes Feuerwerk verzichtet. Dagegen steht z.B. das Pilgern zum Shinto-Schrein im Fokus, wo für Gesundheit, Glück und Reichtum gebetet wird. Da sich genannte Länder auf der Nordhalbkugel und somit im Winter befinden, sind auch die vorherrschenden Wetterphänomene andere. Während es in Südkorea bei -6 bis +4 Grad weitgehend trocken bleibt, sind in Japan bei -2 bis +7 Grad Schnee- oder Regenschauer zu erwarten.

Am späten Nachmittag um 17 Uhr begrüßen dann z.B. China, die Philippinen und Singapur das neue Jahr. In China werden die Fenster geöffnet, um das Glück ins Haus zu lassen und auf den Straßen ziehen Feuerwerk-, Drachen- und Löwentänzer durch die Straßen. Bei weitgehend trockenen Wetterbedingungen sollten sich die Bürger abseits der Küsten bei Werten von -12 bis +7 Grad doch dick einpacken. An den Küsten reicht bei Temperaturen von 7 bis 19 Grad wohl vielerorts eine Jacke oder ein dickerer Pulli. Auf den Philippinen ist dagegen bei rund 26 Grad eine Regenjacke mehr als sinnvoll.

Zur Abendessenzeit in Deutschland tanzen um 18 Uhr z.B. Teile von Indonesien, Vietnam und Kambodscha bei 18 bis 27 Grad ins Jahr 2025. Schauer und Gewitter stehen vor allem in Indonesien auf der Silvesterordnung. In Vietnam und Kambodscha soll es bei allenfalls geringer Schauerneigung weitgehend niederschlagsfrei bleiben.
Um 22 Uhr deutscher Zeit tauschen z.B. Westrussland, die Türkei und Teile des Nahen Ostens die 24 in eine 25. In Westrussland rieseln dabei regional bei +2 bis -5 Grad Flocken vom Himmel. In der Türkei können die Menschen im Umfeld der Mittelmeerküste bei 10 bis 16 Grad sowie im Binnenland bei -4 bis +8 Grad und wenigen Wolken meist trocken den Jahreswechsel begehen. An der Schwarzmeerküste sind bei rund 6 Grad vor allem im Nordosten der Türkei einzelne Schauer und Gewitter möglich. Im Nahen Osten werden zur Jahresfrist bei einer gewissen Niederschlagsneigung (Syrien, Jordanien, West-Irak) Temperaturen von 3 bis 10, am Mittelmeer bis 16 Grad erwartet.

Und dann sind Teile Europas dran. Den Anfang macht Ost- und Südosteuropa mit Griechenland sowie Teile Afrikas um 23 Uhr MEZ. Um Mitternacht (0 MEZ) steht Deutschland und weitere 45 Staaten im Partyfokus. Um 1 Uhr folgen dann noch Großbritannien, Portugal sowie weitere 25 Länder. Bei einem Silvestergottesdienst, Fondue oder Raclette und Feuerwerk werden die letzten Stunden, Minuten sowie Sekunden heruntergezählt und mit Sekt, Umarmungen und/oder Sprüngen das neue Jahr begrüßt. In weiten Teilen von Europa kann dies auch unter freiem Himmel und ohne Regenschirm erfolgen. Allenfalls von den Britischen Inseln über Dänemark, Teile Skandinaviens und das Küstenumfeld Deutschlands bis in den Ostseeraum werden durch zahlreiche Tiefs um GINETTE teils kräftige Niederschläge den Jahreswechsel begleiten. Ansonsten sorgen die Hochs HERWIG und GÜNTHER in West-, Mittel- und Teilen Südeuropas vielerorts für Nebel oder Hochnebel, welcher sich durch die Feinstaubbelastung weiter verdichtet und so die Beobachtung des Feuerwerks teilweise schwierig gestaltet (siehe Abbildung 1). Bei Temperaturen hierzulande von rund 6 Grad an der Nordsee und bis -6 Grad im Südosten Bayerns sind aber überall Winterjacken mit Mützen sinnvolle Utensilien. Bei ähnlichen Temperaturen gilt dies auch für Frankreich, Österreich und Polen. In Spanien und Italien sind zumindest am Mittelmeer bei Werten von 8 bis 16 Grad freundlichere Outdoor-Feier-Temperaturen zu verzeichnen. Milder wird es auch auf den Britischen Inseln, Dänemark und Südschweden wo bei Regen 5 bis 13 Grad möglich sind. Etwas unterkühlt und mit Schnee bei -19 bis +3, ganz im Süden bis +8 Grad feiern die Norweger ins neue Jahr. Neben dem Niederschlag ist auch der Wind regional ein Thema. Vor allem von den Britischen Inseln und Nordfrankreich über die Nordsee, Benelux, den Norden Deutschlands, Dänemark und Südschweden hinweg bis ins Ostseeumfeld fegen stürmische Böen oder Sturmböen, teils auch schwere Sturmböen über das Land und lassen die Raketenflugbahn chaotisch sowie in einer flachen Parabel enden. Ein kleiner Blick soll natürlich auch nach Afrika gerichtet werden, die sich die Zeitzonen mit den Europäern teilen und somit gleichzeitig auf das neue Jahr anstoßen. Vor allem im südlichen Ostafrika, Teilen des südlichen Afrikas und im Umfeld des westlichen Mittelmeeres werden die Feierlichkeiten aber voraussichtlich durch mehr oder weniger intensive Schauern und Gewittern getrübt.

DWD Eine Silvesterrally ueber die Welt hinweg mit dem Blick aufs Wetter

Wenn sich hierzulande die Silvesterfeierlichkeiten dem Ende nähern, wird um 4 Uhr MEZ der Sand an der Copacabana heiß getanzt und mit einem Cocktail auf 2025 angestoßen. Neben Brasilien begehen z.B. auch Argentinien, Uruguay und Paraguay zu diesem Zeitpunkt das neue Jahr. Bei wechselnder Bewölkung können einzelne Schauer und Gewitter bei Temperaturen von 14 bis 28 Grad das Partyvolk in Teilen Südamerikas aber kaum aus der Feierlaune bringen.

Um 6 Uhr startet das Jahr 2025 z.B. im Osten der USA, auf Kuba und in Peru. Während es im Nordosten der USA bei Regen-, Schneeregen oder Regen und Temperaturen von 0 bis 10 Grad recht ungemütlich werden soll, laden sonst meist trockene Bedingungen und Werte von 6 bis 18 Grad, in Florida bis 23 Grad schon eher zum Anstoßen unter freiem Himmel ein.

Drei Stunden später läuten der Westen der USA und um 11 Uhr schließlich auch Hawaii und Tahiti das neue Jahr ein. Für die Bürger im Nordwesten der USA gelten dabei vergleichbare Wetterverhältnisse wie im Nordosten zuvor. In Zentral-USA wird es dagegen bei -2 bis -15 Grad knackig kalt und auf Hawaii tummeln sich einige Wolken, die den einen oder anderen Schauer bringen können. Aber zumindest ist dort der Regen bei Temperaturen von 21 bis 23 Grad warm.

Den Abschluss der Silvesterrally über die Welt hinweg machen um 13 Uhr MEZ kleinere Amerikanische Außeninseln. Sowohl die Baker- als auch die Howlandinsel gehören zu den neun Kleineren Amerikanischen Überseeinseln.

Auch wenn viele Bundesbürger, die nicht zu der arbeitenden Bevölkerung gehören, den Neujahrtag eher verschlafen oder zumindest sofern möglich ruhend begehen, soll nun noch ein kleiner Wetterausblick folgen. Demnach startet das neue Jahr stürmisch (siehe Abbildung 2). Ausgehend vom Norden wandert das Sturmfeld mit einer Kaltfront unter Abschwächung langsam Richtung Alpen. Dabei gehen die recht starken Niederschläge mit der Zufuhr von Polarluft langsam in Schnee über. Vor allem im Süden kann es in der Nacht zum Donnerstag und am Donnerstag bis in tiefe Lagen schneien. Auch sonst soll es in der Nacht zum Donnerstag und am Donnerstag rückseitig der Kaltfront mit dem Luftmassenwechsel und wieder wintertypischen Temperaturen häufig Schneeschauer geben. Vor allem die Mittelgebirge können dann wieder ein weißes Winterkleid bekommen. Wie nachhaltig der Wintereinbruch ist bleibt noch unsicher, denn zum Donnerstag deutet sich zumindest vorübergehend wieder eine Milderung an.

DWD Eine Silvesterrally ueber die Welt hinweg mit dem Blick aufs Wetter 1

Damit wünschen wir vom Team der Vorhersagezentrale des Deutschen Wetterdienstes allen einen guten Rutsch und ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr 2025 mit etwas Zeit für die kleinen, aber gleichermaßen wichtigen Dinge im Leben.

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 31.12.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Jahresvorausschau 2025

Und schon wieder ist ein Jahr so gut wie Geschichte. 2025 ist kurz davor, seine Schicht anzutreten. Bekanntermaßen soll man seinen Blick ja stets nach vorne richten, also gönnen wir unserer Phantasie doch einfach mal etwas Auslauf und schauen uns an, was das neue Jahr so alles zu bieten haben könnte. Der Ernst wird dabei wie gehabt auf die Auswechselbank verbannt und durch seinen Kollegen „Nonsens“ ersetzt. 😉

Januar:
Da den Text-Wetterberichten immer weniger Bedeutung zugesprochen wird, stellt sie der DWD kurzerhand ein. Mit Hilfe von KI soll stattdessen für jeden Prognosetag ein Symbol entwickelt werden, dass den gesamten Wetterablauf des jeweiligen Tages darstellt.

Februar:
Nach der wochenlangen, hochdruckgeprägten Dauerfrostlage zu Beginn des Jahres folgt ab Mitte Februar ein regelrechter Verschleiß an Tiefdruckgebieten: „Erwin“, „Felix“, „Gilles“, „Heiko“, „Ivo“, „Julian“ und „Kevin“ sorgen für stürmisches und wechselhaftes Wetter. In Südbaden und am Alpenrand wird die 20-Grad-Marke geknackt!

März:
Tief „Orkan“ taucht auf der Wetterkarte auf, müsste, was das Wetter angeht, aber eher Tief „schwache Brise“ heißen: Ein paar Wolken, etwas Regen, mehr nicht… Trotzdem wird „Orkan“ in Sachen medialer Berichterstattung unter den Top-3-Tiefs des Jahres landen.

April:
Kein Aprilscherz: Direkt zum Monatsstart verzeichnet Ohlsbach (Oberrheingraben) den ersten heißen Tag des Jahres mit exakt 30,0 Grad – neuer Deutschlandrekord in Sachen frühester Hitzetag! Der Osterhase stellt seine Produktkette von Eiern auf Kokosnüsse um.

Mai:
150 Jahre Meterkonvention! Zur Feier dieses Ereignisses führen zahlreiche Wetterdienste eine neue Maßeinheit zur Abschätzung der Unsicherheit einer Prognose ein. Auf der zehnteiligen Schmetter-Ling-Skala (benannt nach den beiden Entwicklern Dr. Schmetter und Dr. Ling) bedeutet 1 SL eine sehr sichere Vorhersage, während 10 SL mit freiem Würfeln zu vergleichen ist.

Juni:
Pünktlich zum offiziellen Start der atlantischen Hurrikansaison stellt Hurrikan „Andrea“ einen neuen Rekord auf: Noch nie gab es so früh in der Saison einen Kategorie-5-Wirbelsturm – zum Glück nur über Wasser!

Juli:
Mehrtägige Hitzewelle in Deutschland! Örtlich steigt die Temperatur auf über 40 Grad. Ob es für einen neuen Deutschlandrekord reicht ist allerdings noch unklar. Kein Wunder bei einer Vorhersageunsicherheit von 6 Schmetter-Ling.

August:
Nach einem nassen Monatswechsel mit markantem Kaltfrontdurchgang sorgen besonders im Norden Deutschlands Perseiden und Polarlichter bei klaren Nächten für ein wahres Himmelsspektakel. Da wird es selbst im Matsch zu Wacken richtig romantisch.

September:
Perfekte Bedingungen in Florida für den Start des bemannten Raumflugs zum Mond im Rahmen der Artemis 2 Mission. Uns erreichen nicht nur spektakuläre Aufnahmen des Erdtrabanten, sondern auch von Humberto, dem zweiten Kat.-5-Hurrikan der Saison.

Oktober:
Föhn ohne Ende! Tagelang Höchstwerte über 20 Grad am Alpenrand lassen Wärmeliebhaber in Reit im Winkl vor Freude im Dreieck springen.

November:
Nach 10-monatiger Testphase kommt der DWD zu dem Schluss, dass das sommerliche Sonne-Wolken-Gewitter-Regen-Hagel-Sturm-Hitze-Symbol (kurz: Sowogerehasthi) wie auch das winterliche Sonne-Wolken-Schnee-Regen-Glätte-Sturm-Frost-Nebel-Symbol (kurz: Sowoschreglstfrne) zu Verwirrung und Fehlinterpretation in der Bevölkerung führt. Ein Lösungsansatz: Den Wetterablauf mit einer Aneinanderreihung prägnanter Wörter zu beschreiben, quasi so etwas wie ein Bericht.

Dezember:
Kurzer aber knackiger Wintereinbruch in der ersten Monatsdekade! Dem Nikolaus fällt vor Ungläubigkeit beinahe der Cocktail aus der Hand. Ob er es schafft, seine dicken Winterklamotten wieder aus dem Altkleidercontainer zu fischen?

Nun ja, wie auch immer die Nikolausgeschichte ausgehen mag, der Autor wünscht Ihnen auf jeden Fall und auch im Namen des gesamten Thema-des-Tages-Teams einen guten und vor allen Dingen gesunden Rutsch ins neue Jahr

 

DWD Jahresvorausschau 2025

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 30.12.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Wetterextreme 2024 Teil 2

August: Schwül mit häufigen Gewittern

Auch im August herrschte eine stärker mäandrierende Westwetterlage vor. Frontdurchgänge mit Gewitter, danach kurze Zwischenhochabschnitte anschließende Tiefvorderseiten mit sehr schwüler Subtropikluft und erneuten lokalen Gewittern prägten das Bild. Die erste schwere Gewitterlage trat am 1. August auf. An einer Superzelle am Oberrhein wurden bis zu 5 cm großer Hagel gemeldet. Zudem wurde an einer Station in Nordhessen in Trendelburg innerhalb von nur 12 Stunden über 150 l/qm registriert. Auch der 13.08. brachte lokale Überschwemmungen und größeren Hagel. Die nächste Gewitterlage ließ am 18.08. nicht lange auf sich warten. Betroffen war die Südosthälfte mit lokalen Starkregenspitzen bis 100 mm, die vor allem in Südbayern und Sachsen zu lokalen Überschwemmungen führten. Am 24.08. brachten Gewitter an der Nordsee orkanartige Böen. Großräumige Unwetter blieben jedoch aus. Der August war etwas zu warm, im Nordosten deutlich zu trocken, sonst waren die Niederschlagsmengen normal. Damit war der Sommer im Vergleich zum Klimamittel 1991-2020 eher durchschnittlich, zeitweise recht unbeständig, phasenweise sehr schwül, größere Hitzewellen blieben aber aus und großräumige Schwergewitterlagen blieben die Ausnahme.

September: Nach heißem Beginn, Temperatursturz in den Herbst

Der September begann schwül und heiß mit einer Hitzewelle. Starke Gewitter waren fast tägliche Begleiter. Am 08.09. beendete eine Kaltfront mit heftigen Starkregenfällen vor allem in der Mitte das Sommerwetter. Von da an begann der Herbst mit einer wechselhaften und kühleren Witterungsphase, die von häufigen Tiefdruckgebieten geprägt war. Am 12.09. zog ein Tiefdruckgebiet auf einer Vb-artigen Zugbahn, wurde dabei aber rückläufig und sorgte für verheerende Regenfälle mit großem Hochwasser in Österreich und Tschechien. Der Südosten Bayerns und Sachsens wurde dabei von den stärksten Niederschlägen „nur“ gestreift. Im Berchtesgadener Land fielen teilweise über 140 mm. In der Nacht zum 15.09. sorgte ein Kaltlufteinbruch in der Mitte und im Westen für den ersten Bodenfrost. Der Südwesten und der Alpenrand waren erneut von ergiebigen Niederschlägen betroffen. Oberhalb von 800 m kehrte in den Alpen der Winter ein. In Lagen über 1500 m fiel mehr als ein halber Meter Schnee. Die tiefe Schneefallgrenze verhinderte aber ein größeres Hochwasser. Vom 20. bis 23.09. wurde es wieder deutlich wärmer. Es folgten die letzten Sommertage, die am 24. mit kräftigen Gewittern endeten. Anschließend entwickelten sich am 25.09. in Nordrhein-Westfalen aus vergleichsweise schwachen, aber dynamischen Gewitterzellen gleich 3 Tornados. Die letzten Septembertage waren durchwachsen und herbstlich. Der September ging als etwas zu warmer, aber auch als deutlich zu nasser Monat in die Geschichtsbücher ein.

Oktober: Die erste länger andauernde Hochdruckphase

Im Oktober wechselten sich zunächst Tiefdruckgebiete mit nur kurzen Hochdruckphasen ab. Es blieb zunächst mäßig warm. Am 10.10. brachte ein kleinräumiges Sturmtief im Süden in den Hochlagen einzelne Orkanböen und im Westen Dauerregen. Zur Monatsmitte stellte sich die Wetterlage um. An der Westflanke eines sich immer wieder regenerierenden Hochdruckgebietes wurde für die Jahreszeit ungewöhnlich warme Luft herangeführt. Es war die erste längere Hochdruckphase seit mehr als einem Jahr. Die Nächte gestalteten sich sehr mild und die Höchsttemperaturen lagen häufig über 20 °C. Der wärmste Tag war der 17.10. mit bis zu 25 °C am Alpenrand mit Föhnunterstützung. Damit fiel der Oktober zu warm aus. Allerdings konnte sich die warme Luft nicht überall durchsetzen. Vor allem im Süden bildete sich zunehmend Nebel, der sich tagsüber kaum auflöste. So war der Oktober dort teilweise deutlich zu trüb.

November: Dankelflaute und erster Wintereinbruch

Im November hielt die Hochdruckwetterlage an. Unter dem Hochdruckgebiet lagen weite Teile Mitteleuropas unter einer Hochnebeldecke und es folgten tagelange Dunkelflauten. Die eingeflossene milde Meeresluft kühlte sich nur sehr langsam ab. Erst zur Monatsmitte kippte die Zirkulation auf Nordwest und brachte zunächst den Mittelgebirgen, später auch tieferen Lagen Schnee. Am 22. sorgte das von Frankreich zu den Alpen ziehende Sturmtief RENATE im Süden für kräftige Schneefälle. Dabei fielen rund 20 cm, in den Allgäuer Alpen sogar über 40 cm Schnee. Diese Polarluft wurde aber schon bald auf der Vorderseite eines großräumigen Atlantiktiefs mit einem kräftigen Warmluftvorstoß ausgeräumt. Am Oberrhein, wo wenige Tage zuvor noch Schnee gefallen war, stieg die Temperatur am 25.11. auf bis zu 22 °C und erreichte damit einen Dekadenrekord. Selten gab es Ende November eine so warme Periode. Insgesamt war der November normal temperiert, im Norden zu nass, im Süden zu trocken.

Dezember: Hochdrucklastig und kaum winterlich

Anfang Dezember setzte sich eine stärker mäandrierende Westwetterlage durch. Es blieb unbeständig und nur im höheren Bergland zeitweise winterlich. Am 09.12. schnürte sich ein Tief über Oberitalien ab, sodass von Nordosten kältere Luft einsickerte. In den Mittelgebirgen gab es leichten Schneefall, sonst häufig Frost. Bald setzte sich aber wieder Hochdruckeinfluss mit Hochnebel und bodennaher Kaltluft durch. Vielerorts herrschte Dauerfrost. Ab dem 16. stellte sich eine sehr milde Westwetterlage mit Hochdruckeinfluss im Süden ein. Erst kurz vor Weihnachten brachte eine Nordwestwetterlage am Alpenrand und vor allem in den östlichen Mittelgebirgen etwas Schnee, sodass es dort auch einmal wieder weiße Weihnachten gab. Mit einem nachrückenden Hochdruckgebiet, das sich als Dauerhoch etablierte, setzte sich in der Höhe sehr milde Luft durch, was zu einer ausgeprägten Inversionswetterlage führte. In den Kammlagen der Mittelgebirge stiegen die Temperaturen teilweise über 10 °C. Der Brocken meldete am 28.12. mit 13,1 °C einen neuen Dezemberrekord. Gleichzeitig herrscht in den Niederungen Dauerfrost. Diese Situation wird sich auch in den nächsten Tagen bis Silvester fortsetzen. Auch der Dezember wird zu warm und leicht zu trocken

Das Jahr 2024 wird als das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen in die Geschichte eingehen. 2024 ist auch eines der nassesten Jahre. Von der großräumigen vorherrschenden Wetterlage schlug das Jahr 2024 einen anderen Weg ein als die Vorjahre. Der Trend der letzten Jahre zu hochdruckgeprägten Dürresommern mit längeren Hitzewellen wurde in diesem Jahr gebrochen. Es dominierten überwiegend Westwetterlagen mit häufig südwestlichem Einschlag. Schwere Stürme blieben dennoch fast gänzlich aus.

Dipl.-Met. Christian Herold, M.Sc.-Met. Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.12.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Wetterextreme 2024

Januar – Kurzer Kaltlufteinbruch ansonsten sehr mild

Der Januar begann, wie das Jahr 2023 endete, mit einer milden und lebhaften Westwetterlage, die vor allem im Stau der Mittelgebirge viel Regen brachte und die bereits seit Ende Dezember anhaltende Hochwassersituation in Norddeutschland nochmals verschärfte. Ab dem 6. Januar wagte der Winter einen erneuten Vorstoß. Auf der Südseite eines Skandinavienhochs erreichte uns arktische Kontinentalluft. Schnee fiel nur im Norden und am Alpenrand, in den übrigen Gebieten herrschte Kahlfrost. Es folgte die kälteste Periode des Jahres. Mit Höchstwerten von -7 bis 0 °C trat fast überall Dauerfrost auf, nachts wurde es bis -17 °C bitter kalt. Bereits am 11. wurde es wieder milder, sodass die Temperaturen zumindest tagsüber wieder über 0 °C stiegen. Die Milderung war mit Glatteis durch gefrierenden Sprühregen verbunden. Am 15. und 16. sorgte ein Skandinavientief für einen Kaltlufteinbruch mit etwas Schnee bis in tiefe Lagen. Derweil bildete sich am 17. über dem Westatlantik ein kräftiges Tief, das über Frankreich ostwärts nach Deutschland zog. Es führte mit einer südlichen Strömung sehr milde subtropische Luft nach Norden, die gegen die arktische Kaltluft des Skandinavientiefs anlief. Dadurch bildete sich eine extrem schmale Luftmassengrenze zwischen 14 °C im Süden und etwa – 1 °C in der Mitte und im Norden. Auf der kalten Seite gab es über der nördlichen Mitte ergiebige Schneefälle, auf der warmen Seite im Süden Regen. Im Übergangsbereich kam es zu erheblichem Glatteisregen, der zu Verkehrsbehinderungen führte. Am Folgetag verlagerte sich die Luftmassengrenze nach Süden und brachte verbreitet etwas Schnee. Es folgte eine kurze, mäßig kalte Hochdruckphase, die von einer windigen und sehr milden Westwetterlage abgelöst wurde. Damit war der Winter in den meisten Regionen vorbei. Trotz der kalten Phasen fiel der Januar etwas zu warm und etwas zu nass aus.

Februar – Verfrühter Frühling

Der Februar war für Wärmeliebhaber eine Freude, für Wintersportler hingegen ein Alptraum. Denn wieder war die Westwetterlage mit meist sehr milder Atlantikluft wetterbestimmend. Am 08. und 09.02. fielen erneut ergiebige Niederschläge. Durch die gesättigten Böden kam es in der Mitte und im Norden wieder zu kleinen Hochwassern. Bald verschwand auch der letzte Schnee in den Gipfellagen der Mittelgebirge. Gegen Monatsmitte drehte die Wetterlage auf Südwest, sodass die Höchsttemperaturen am 16.02. fast 20 °C erreichten. Am 23.02. gab es ein kleines Sturmtief namens WENKE, das aber keine größeren Schäden anrichtete. Ansonsten blieb die winterliche Sturmsaison weitgehend aus. Mit 5 K über dem aktuellen Klimamittel war der Februar der wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen und deutlich zu nass. Am Mittelrhein gab es stellenweise sogar gar keinen Frost.

März – Auf in den Vollfrühling

Der März war zunächst geprägt von einem Tief über Westeuropa und einem Skandinavienhoch. Während es im Westen oft regnete, war es im Nordosten unter Hochdruckeinfluss häufig sonnig und meist trocken. Gegen Monatsmitte setzte sich vermehrt Hochdruckeinfluss durch. Dabei war es überwiegend sehr mild. Am 23.03. kam es während einer sehr dynamischen Schauerlage zu einzelnen Gewittern mit einem bestätigten Tornado und mehreren Tornadoverdachtsfällen. Ein kurzer „Kaltlufteinbruch“ zwischen dem 24.03. und 27.03. brachte nur in einigen Mittelgebirgen und im Allgäu etwas Schnee. Danach setzte sich die milde Witterung fort. Ein erster Sommertag im Osten am 30.03. wurde nur knapp verfehlt. Ansonsten verlief der März ohne markante Wettererscheinungen zu warm. Dabei fiel im Westen zu viel Regen, während es im Osten zu trocken war.

April – Vom Frühsommer zurück in den Winter

Auch im April setzte sich das warme Wetter fort. Wechselhaftes, aber mildes Aprilwetter stellte sich zu Beginn des Monats ein. An einer Kaltfront entwickelten sich heftige Gewitter mit gleich 3 Tornados. Danach ging das Aprilwetter direkt in den Sommer über. Ein kräftiges Atlantiktief führte mit einer südwestlichen Strömung für die Jahreszeit ungewöhnlich warme nordafrikanische Luft heran. Diese ermöglichte am 06.04. verbreitet Temperaturen über 25 °C. In Ohlsbach am Rhein wurde mit 30,1 °C der erste heiße Tag registriert. Dies war der früheste Hitzetag seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Während die außergewöhnlich warme Wetterlage im Süden mit kurzer Unterbrechung bis zum 14.04. anhielt, brachten Tiefausläufer im Norden häufig Regen. Eine Kaltfront sorgte dann am 15.04. für eine Abkühlung. An der Front traten teilweise orkanartige Böen auf, die durch die schon belaubten Bäume größere Schäden verursachte. Vom Sommer ging es dann gleich wieder in den Winter mit Schneefällen, von denen besonders der zentraler Mittelgebirgsraum betroffen war. So meldete die Schmücke im Thüringer Wald am 21.04. noch 26 cm Schnee. Aber auch in tieferen Lagen blieb der Schnee vielerorts liegen. Die folgenden Spätfröste bis -6 °C verursachten große Schäden an der bereits weit fortgeschrittenen Vegetation. Erst gegen Ende des Monats wurde es wieder deutlich wärmer. Trotz der sehr warmen Phase war der April nur leicht zu warm und im Norden deutlich zu nass.

Mai – Unbeständig und deutlich zu Nass

Nach warmem Beginn endete das Sommerwetter am 2. Mai mit Gewittern mit Starkregen, Hagel und Überschwemmungen im Südwesten. Danach sorgte schwacher Tiefdruckeinfluss für etwas unterkühltes und leicht unbeständiges Wetter. Zur Monatsmitte setzte sich vorübergehend sommerliches Hochdruckwetter durch, das ab dem 15. durch Kaltlufttropfen über Mittel- und Westeuropa wieder beendet wurde. Diese brachten in den folgenden Wochen fast täglich kräftige Schauer und Gewitter mit Starkregen. Am 17. war die Südwesthälfte betroffen. Regenmengen von bis zu 90 l/m²l/m² in 12 Stunden führten vor allem im Saarland zu größeren Überschwemmungen. Der Höhepunkt dieser Wetterlage war vom 31.05. bis 01.06. Eine Vb-Wetterlage (siehe „Weitere Informationen zum Thema) sorgte für extremen, gewittrigen Dauerregen, der in Schwaben und im Allgäu teilweise über 160 l/m²l/m² Regen brachte. Dies führte erneut zu Hochwasser. Der Mai war insgesamt zu warm und deutlich zu nass.

Juni – Durchwachsen mit teils kräftigen Gewittern

Im Juni ging es unbeständig weiter. Besonders am Alpenrand hielten die Niederschläge auch am 1. Juni weiter an, sodass dort teilweise über 100 l/m²l/m² in 24 Stunden zusammenkamen. Zu viel für die gesättigten Böden. Der Landkreis Rosenheim rief Katastrophenalarm wegen Hochwasser aus. Bis zur Monatsmitte blieb es relativ kühl und leicht unbeständig. Erst danach wurde es zunehmend sommerlich. Dabei kam es immer wieder zu Gewittern. Erwähnenswert ist hier der 18.06., an dem eine dynamische Gewitterlage zahlreiche Superzellen mit Hagel hervorbrachte. In Südniedersachsen bei Heere gab es sogar einen stärkeren Tornado. Am 27.06. wurden die Mitte und der Norden von schweren Gewittern mit Starkregen und größerem Hagel heimgesucht. Gegen Ende des Monats brachte eine Südwestwetterlage eine kurze „Hitzewelle“, die mit einer sehr dynamischen Gewitterlage am 29.06. endete. Eine in der Nacht zum 30.06. über den Westen und Norden hinwegziehende Squallline (siehe „Weitere Informationen zum Thema) verursachte Sturmschäden. Angesichts des großen Unwetterpotenzials verlief diese Lage jedoch vergleichsweise glimpflich. Zusammenfassend war der Juni recht normal temperiert und etwas zu nass.

Dipl.-Met. Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.12.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Feuerwerk-Wetter

Während die Frage nach dem Weihnachtswetter oftmals schon Wochen vor dem Fest gestellt wird, scheint das Interesse am Silvester- und Neujahrswetter vergleichsweise gering zu sein. Ein Grund dafür dürfte die romantische Überhöhung der „Weißen Weihnacht“ sein, etwas Vergleichbares hat der Jahreswechsel auch nicht ansatzweise zu bieten.

Dem Silvesterwetter nähert man sich nüchtern-pragmatisch. Für alle, die selbst gerne mit Feuerwerk hantieren oder einfach nur zuschauen möchten, ist ein wesentlicher Aspekt das Fehlen lästiger Niederschläge. Dabei kann aber subtil unterschieden werden: Während man mit Schnee noch ganz gut umgehen kann, ist Regen verpönt.

Was den Niederschlag während des Feuerwerks angeht, gibt unser ICON-Modell für die größten Teile Deutschlands Entwarnung. Nur im (erweiterten) Küstenumfeld soll es in der Nacht Niederschläge geben, die obendrein überwiegend schwach ausfallen werden. Das ist eine Sichtweise, die von anderen Vorhersagemodellen durchaus gestützt wird, auch wenn die genaue räumliche Verteilung noch etwas unterschiedlich berechnet wird.

DWD Feuerwerk Wetter

Die Abbildung 1 zeigt die oben erwähnten Niederschläge unseres ICON-Modells für die dreistündigen Zeitintervalle von Silvester, 22:00 MEZ bis Neujahr 01:00 MEZ (links) sowie für 01:00 bis 04:00 MEZ an Neujahr (rechts), letzteres für alle, die größere Vorräte an Feuerwerk gehortet haben und entsprechend länger mit dem Abbrennen beschäftigt sind. Die möglicherweise vorhandene vage Hoffnung, dass es sich dabei um Schnee handeln könnte, muss an dieser Stelle schon enttäuscht werden. Die Schneefallgrenze liegt eindeutig zu hoch, als dass mit Flocken zu rechnen wäre. Es hilft also nur wasserabweisende Kleidung – oder einfach eine gewisse Regenresistenz.

Wer die Unterstützung eines Regenschirms ins Auge fasst sollte vorsichtig sein. Denn im Norden und Nordwesten weht ein kräftiger Wind, was das Halten des Schirms erschwert. Dazu verlangen steife oder stürmische Böen, vereinzelt auch Sturmböen überdies eine genaue Berechnung der Raketen-Flugbahn – ein Schicksal, dass die „nordischen“ Feuerwerker mit denen im höheren Mittelgebirge teilen.

Ein weiterer wesentlicher Aspekt des „Feuerwerk-Wetters“ ist die Sichtweite. Genauer gesagt die Sichtweite VOR Mitternacht. Sobald die ersten Böller angezündet sind, wird sich die Sicht ohnehin rasch eintrüben. Vor allem für jene, die aus größerer Entfernung von Aussichtspunkten aus das „Bunte Knallen“ genießen wollen, ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Einige Informationen zur Sichtweite hält Abbildung 2 bereit. Der erste Blick geht dabei auf die rechte Seite, die den sogenannten Spread zeigt. Dabei handelt es sich um den Unterschied zwischen der Lufttemperatur und der Taupunkttemperatur (in Kelvin), wobei letztere als Maß für die Feuchte der Luft fungiert. Ein Spread von null bedeutet, dass beide Temperaturen gleich sind, die Luft ist dann soweit abgekühlt, dass Kondensation einsetzt – und somit kann sich Nebel bilden. Ist die Lufttemperatur dagegen höher als die Taupunkttemperatur, was im Norden Deutschlands der Fall ist (zwei bis vier Grad Unterschied), dann ist die Nebelneigung gering bzw. nicht vorhanden.

Schon aufgrund dieser Aussage lassen sich die potentiellen Nebelgebiete recht gut eingrenzen. So ist in Niederbayern der Spread gering, ebenso am Bodensee und am Hochrhein, aber auch in den westlichen und zentralen Mittelgebirgen.

DWD Feuerwerk Wetter 1

Im linken Teil der Abbildung 2 ist zusätzlich die Nebelwahrscheinlichkeit für die Stunde vor dem Jahreswechsel angegeben. Die Gebiete mit sehr niedrigem Spread stechen auch durch hohe Nebelwahrscheinlichkeiten hervor – so wie man es erwartet. Allzu große Sorgen muss man sich ob dieser Aussage aber nicht machen, schließlich liegt ihr eine internationale Festlegung zugrunde, die Nebel als eine Sichtweite unter 1000 m definiert. Mit anderen Worten: Bis zu einer erheblichen Sichteinschränkung ist es – meteorologisch – noch ein ganzes Stück!

Bleibt noch der Blick auf die Temperaturen. Auf jeden Fall frostfrei bleibt der Glockenschlag zum Jahreswechsel nach aktuellem Stand unter den Wolken im Norden. Mit fünf bis acht Grad ist es dort, wie auch am Niederrhein, vergleichsweise mild. Glühweintauglicher sind da schon die fünf bis null Grad von Eifel und Hunsrück bis an die Neiße. Im Süden muss man sich dann schon richtig „einpacken“. Dort werden null bis minus fünf Grad angepeilt, lokal könnte es sogar noch weiter nach unten gehen mit den Temperaturen.

Und wo ist es jetzt fürs Feuerwerk am besten? Vielleicht in einem Streifen südlichen Niedersachsen bis ins östliche Brandenburg. Trocken, frostfrei, moderater Wind bei guter Sicht – so könnte der Start ins neue Jahr gut gelingen.
Aber entscheiden Sie selbst – wenn Sie nicht ohnehin ortsgebunden sind und es nehmen müssen wie es kommt!

Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.12.2024
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Diabatische Rossbywellen – eine etwas andere Tiefdruckentwicklung

Die Feiertage sind nun fast vorüber und die diesjährige besinnliche Zeit verlief mit Blick auf das Wettergeschehen dank des umfangreichen und langlebigen Hochdruckgebietes GÜNTHER insgesamt sehr ruhig.

Heute vor 25 Jahren sah dies ganz anders aus. Damals beendeten die beiden Orkane LOTHAR (26.12.1999) und MARTIN (27.12.1999) in West- und Mitteleuropa die weihnachtliche Ruhe schlagartig. Die Spitzenböen im Binnenland, die durch LOTHAR auftraten, waren wahrlich beeindruckend: In Baden-Württemberg meldeten die Stationen Stuttgart Schnarrenberg 139 km/h, Lahr 144 km/h und Stötten 176 km/h. Im höheren Bergland wurden gar maximale Böen von 197 km/h auf der Zugspitze oder 259 km/h auf dem Wendelstein gemessen. Auf der Wetterkarte (Abbildung 1) erkennt man farbig dargestellt das in 500 hPa sowie in Form der weißen Linien den Bodendruck. LOTHAR wurde entlang der Südseite des tiefen Geopotenzials zügig vom offenen Atlantik nach Mitteleuropa geführt und weiter westlich stand bereits MARTIN in den Startlöchern.

DWD Diabatische Rossbywellen eine etwas andere Tiefdruckentwicklung

Diese Sturmserie wurde in den folgenden Jahren genau untersucht. Dabei fiel auf, dass sich LOTHAR zunächst nicht klassisch entwickelte, sondern einen bis dahin noch nicht sehr bekannten Entwicklungsweg einschlug. Dieser Werdegang war zwar in den 80-iger und 90-iger Jahren bereits Gegenstand der Forschung, allerdings unter einem anderen Namen und darüber hinaus im Zusammenhang mit der  vor China, Taiwan und Japan.

Im vorliegenden Fall handelte es sich um eine sogenannte „diabatische Rossbywelle“, die sich in der Folge zum Orkan LOTHAR entwickelte. „Diabatische Rossbywellen“ werden manchmal für besonders intensive Tiefdruckentwicklungen verantwortlich gemacht, weshalb wir dieses Phänomen nachfolgend näher betrachten. Aufgrund der Komplexität und der Übersicht halber, tun wir dies jedoch recht oberflächlich:

Die übliche Entwicklung eines außertropischen Tiefdruckgebietes wird meist von der Höhe aus angetrieben. Dies geschieht nicht selten in Form einer Störung (beispielsweise einem kleinräumigen Gebiet mit tieferem Geopotential, umgangssprachlich als „Welle“ oder „Kurzwellentrog“ bezeichnet), die mit einem ausgeprägten Temperaturgradienten interagiert. Dieser vertikale Temperaturunterschied mit der Höhe erstreckt sich über die gesamte Troposphäre. Dort herrscht am meisten Bambule: viel Wind, viel Hebung und Aufsteigen; beste Voraussetzungen für sich entwickelnde Tiefdruckgebiete. Eine „diabatische Rossbywelle“ hingegen entwickelt sich nur in einem vertikal gesehen sehr begrenzten Bereich, beispielsweise in den untersten 1 bis 2 km über Grund, meist innerhalb eines kräftigen Niederschlagsgebietes über dem Meer. Die Definition besagt, dass es sich dabei um eine gut ausgeprägte Störung handelt, die sich in einer feuchten Umgebung (viel Wasserdampf) befindet und in der sehr große horizontale Temperaturgradienten vorherrschen. Der wichtigste Punkt aber ist die Feuchtigkeit. Wenn diese gehoben wird, bilden sich Wolken und dabei wird  freigesetzt. Dies sorgt für rege Wolkenbildung an der Ostflanke der Störung und die Störung baut kontinuierlich nach Osten an – sozusagen ein selbsterhaltender Prozess, bei dem kein externer Antrieb (wie beispielsweise ein Höhentrog) benötigt wird. Durch diesen Prozess gelingt es der Störung schneller zu ziehen, als es die Hintergrundströmung eigentlich erlauben würde (nicht selten 250 km innerhalb von 6h). In solch einer Umgebung herrschen Zustände, die von Wettermodellen häufig nicht gut erfasst werden. Dazu zählen: vertikal stark begrenzte Ausdehnung, viel Freisetzung von latenter Wärme und eine Verlagerungsgeschwindigkeit jenseits dessen, was eigentlich zu erwarten wäre. Kein Wunder, dass es bei dieser Art der Tiefdruckentwicklung nicht selten zu Überraschungen im Bereich der numerischen Vorhersage kommt.

Während der initialen Phase setzt meist kein größerer Druckfall des sich entwickelnden Bodentiefs ein oder anders ausgedrückt: das Tief entwickelt sich vorerst kaum weiter. In der Folge kann sich dann aber die Entwicklung ähnlich der einer „normalen“ Tiefdruckentwicklung vollziehen. Sobald die „diabatische Rossbywelle“ aber mit all ihrer Feuchte als echtes Energiebündel in die Reichweite eines Troges kommt oder den Höhenjet durchquert, erfolgt nicht selten eine rasante Intensivierung des Bodentiefs.

Klimatologisch gesehen entstehen im Nordatlantik jedes Jahr im Schnitt 43 solcher Wellen, von denen sich glücklicherweise nur rund 15 Prozent rasant entwickeln, was in Zahlen ausgedrückt 5 oder 6 Fälle sind . Zwar ist das klimatologische Maximum dieser Wellen zwischen Island und Grönland zu finden, allerdings gelingt es doch immer wieder einzelnen Wellen, das europäische Festland zu erreichen.

Übrigens begann die Entwicklung von LOTHAR bereits am 23. Dezember 1999 nordöstlich von Florida in Form einer solchen Welle, bevor sie sich rund 48 Stunden später über dem Nordatlantik explosionsartig intensivierte und eine Spur der Verwüstung durch West- und Mitteleuropa zog.
Nach so vielen Worten tut es gut, wenn man das Gesagte in Form von Bildern nachvollziehen kann. Dafür verwenden wir einen Fall aus dem Dezember 2005, der sich über dem Nordatlantik zugetragen hat.

DWD Diabatische Rossbywellen eine etwas andere Tiefdruckentwicklung 1

Im Verlauf des 17. Dezembers entwickelte sich über dem Golf von Mexiko eine Störung, die nur in den untersten Bereichen der Troposphäre besser ausgeprägt war (hier nicht gezeigt). Diese Störung zog am Folgetag ostwärts weiter, überquerte Florida und lag am 18. Dezember knapp nordöstlich des Blake Plateaus (Abb. 2: unten, gelber Kasten). Im Satellitenbild erkennt man in dem Bereich rege und hochreichende Konvektion, die seit dem Vortag beständig peripher des Bodentiefs zu finden war.

DWD Diabatische Rossbywellen eine etwas andere Tiefdruckentwicklung 2

Nur 12 Stunden später zog das Bodentief rasch weiter nach Nordosten und weitete sich immer weiter auf. Dabei kam es zu keiner großartigen Intensitätsänderung. Im oberen Bild ist farblich die Abweichung des niederschlagbaren Wassers zur Klimatologie (1991 bis 2020) dargestellt. Die roten Farben heben eine Schliere mit ungewöhnlich hohen Feuchtewerte hervor, die sich vom Golf von Mexiko nordostwärts ausgedehnt hatte und auch den Bereich betraf, in dem das Bodentief lag. Somit war ein wichtiger Punkt für die Entwicklung einer „diabatischen Rossbywelle“ gegeben, nämlich die Feuchte.

DWD Diabatische Rossbywellen eine etwas andere Tiefdruckentwicklung 3

Am 20. Dezember erreichte die Rossbywelle letztendlich einen Bereich, in dem die Höhenwinde dramatisch zunahmen und vor der Ostküste der USA über 130 kt in 200 hPa erreichten (Bild links oben, Legende fehlt). Gleichzeitig näherte sich von den USA ein markanter Höhentrog (blauer Strich im Bild rechts oben, in dem das Geopotenzial in 500 hPa dargestellt ist), der von nun an eine stetige Intensivierung des Bodentiefs unterstützte. Das gelbe Kreuz im Bild rechts oben zeigt grob die Position des Bodentiefs, das in der Folge vom Höhentrog (blauer Strich) eingefangen wurde.

DWD Diabatische Rossbywellen eine etwas andere Tiefdruckentwicklung 4

Das Bodentief entwickelte sich fortan rasant weiter, um letztendlich mit einem Kerndruck von rund 975 hPa als veritables Sturmtief über dem offenen Nordatlantik sein Unwesen zu treiben.

Es ist sicherlich verständlich, dass die Entwicklung dieser „diabatischen Rossbywellen“ weiterhin Gegenstand der Forschung ist, denn sie können nicht nur beeindruckend im Satellitenbild aussehen, sondern gehen beim Landgang bei entsprechender Intensivierung auch mit einem hohen Schadenspotenzial einher.

Mag. rer. nat. Helge Tuschy
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.12.2024
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25 Jahre nach Orkan LOTHAR

Orkan LOTHAR nahm seinen Ursprung als kleine Störung, welche sich am 24.12.1999 vor der amerikanischen Ostküste formierte. Das Tief zog unter mäßiger Vertiefung über den Atlantik und lag am 26.12.1999 um 00 UTC mit einem Kerndruck von 984 hPa noch westlich des Ausgangs des Englischen Kanals. Die weitere Entwicklung des Tiefs war dann nahezu explosionsartig. Innerhalb von nur sechs Stunden lag der Kern des Orkantiefs mit einem Druck von 961 hPa nordwestlich von Paris. Über dem Nordwesten Frankreichs gab es Messstationen die einen Druckfall von über 25 hPa in nur drei Stunden registrierten. In unseren Breiten spricht man bereits von einer Bombogenese, also einer sehr schnellen und starken Tiefentwicklung, wenn der Kerndruck innerhalb von 24 Stunden um 24 hPa fällt. Hier wurden diese Werte also bereits innerhalb von drei Stunden beobachtet.

 

DWD 25 Jahre nach Orkan LOTHAR

Auch in Deutschland kam es zu teils rasanten und starken Luftdruckabfällen. In Karlsruhe beispielsweise fiel der Druck von 1005 hPa am Abend des 25.12.1999 auf 975 hPa am 26.12.1999 um 13 Uhr MEZ(also etwa 30 hPa innerhalb von 12 Stunden). An der Station in Karlsruhe wurden auch die stärksten Böen im Flachland mit 151 Kilometern pro Stunde gemessen. Auf den Bergen Süddeutschlands lagen die Windgeschwindigkeiten noch deutlich darüber. Beispielsweise meldete die Station Weinbiet am 26.12.1999 Spitzenböen von 184 Kilometer pro Stunde, auf dem Feldberg im Schwarzwald wurden 242 Kilometer pro Stunde registriert. Die höchsten Windgeschwindigkeiten traten am bayerischen Wendelstein mit 259 Kilometern pro Stunde auf.

DWD 25 Jahre nach Orkan LOTHAR 1

Durch die extrem hohen Windgeschwindigkeiten traten im Zusammenhang mit Orkan LOTHAR enorme Schäden an der Infrastruktur auf. In Süddeutschland waren viele Haushalte für mehrere Stunden ohne Strom. In Baden-Württemberg wurden große Waldschäden durch den Orkan verursacht. Insgesamt wurde das Dreifache des Jahreseinschlags (30 Millionen Festmeter) in Baden-Württemberg entwurzelt oder abgeknickt. Die Aufräumarbeiten hielten mehrere Jahre an. Der gravierende Einschnitt in den Waldbestand des Schwarzwaldes ist bis heute erkennbar. Nicht nur in Deutschland waren die Auswirkungen des Orkans verheerend, auch in Frankreich, Österreich und der Schweiz kam es neben Sturmschäden an Wald und Infrastruktur auch zu menschlichen Verlusten. Insgesamt mussten 140 Tode (davon 13 in Deutschland) verzeichnet werden. Schätzungen zu Folge beläuft sich der gesamtwirtschaftliche Schaden von Orkan Lothar in Europa auf 11,5 Milliarden Euro.

DWD 25 Jahre nach Orkan LOTHAR

In den Tagen nach dem Orkan mussten die Wetterdienste viel Kritik einstecken. Es sei zu kurzfristig gewarnt und das Ausmaß des Sturms nicht richtig erkannt worden. Fakt ist, dass die Tiefentwicklung von allen Modellen, vor allem aber von der deutschen Modellkette erheblich unterschätzt wurde. Grund dafür war unter anderem, dass der Orkan zu kleinräumig war und sich zu schnell vertieft hatte. Diese Entwicklung konnten die numerischen Modelle nur schlecht erfassen und auch nicht richtig auflösen. Die Frage stellt sich also, ob sich in den letzten 25 Jahren etwas getan hat.

Veränderungen seit Ende der 90er Jahre gab es zum einen bei den numerischen Modellen an sich als auch bei der Datenerfassung (Was ist ein numerisches Modell?). Anfang Dezember 1999 wurde eine damals neue Modellkette im Deutschen Wetterdienst in den operationellen Dienst gestellt. Das numerische Global-Modell GME besaß damals eine Gitterauflösung von 60 Kilometern. Das deutsche Lokalmodell (LME) umfasste von seiner räumlichen Ausdehnung in etwa Europa und besaß eine Maschenweite von sieben Kilometern. Zum Vergleich besitzt das heutige, deutsche Globalmodell ICON eine Maschenweite von 13 Kilometern. Neben einem Lokalmodell gibt es nun mit ICON-D2 auch ein Regionalmodell mit einer Maschenweite von etwa 2,1 Kilometern. Zudem hat sich auch die vertikale Auflösung der Atmosphäre in den Modellen um ein Vielfaches verbessert.

Ende der 90er Jahre wurden im Europäischen Zentrum für Mittelfristvorhersage (EZMWF) die ersten Ensemble-Vorhersagen im operationellen Betrieb gerechnet. Eine Ensemble-Vorhersage dient zur Abschätzung der Unsicherheit von numerischen Simulationen. Dabei werden leicht unterschiedliche Anfangszustände der Atmosphäre herangezogen, und dessen Auswirkungen auf die Simulationen miteinander verglichen. Damals steckte diese Methode noch in den Kinderschuhen. Heutzutage werden am ECMWF 100 Simulationen im Ensemble berechnet. Auch die deutsche ICON-Kette berechnet mittlerweile mehrere eigene Ensemblevorhersagen.

Neben der Auflösung und Bereitstellung von numerischen Wettermodellen hat sich auch die Datenassimilation der Modelle deutlich verbessert. Es werden mittlerweile weit mehr Daten zur Erfassung des Anfangszustandes herangezogen. Auch die Auflösung und Verfügbarkeit von Daten hat sich weiterentwickelt. 1999 beobachtete noch ein EUMETSAT-Wettersatellit der ersten Generation unser Wetter vom All aus. Damals lieferten die Meteosat Satelliten jede halbe Stunde ein Bild mit einer Auflösung von fünf Kilometern direkt unterhalb des Satelliten. Anfang 2004 ging dann der erste Metesoat Satellit der zweiten Generation operationell in Betrieb. Mittlerweile ist der erste Satellit der dritten Generation aktiv. Er sendet alle 10 Minuten Bilder von 16 unterschiedlichen Kanälen auf die Erde mit einer räumlichen Auflösung von ein bis zwei Kilometern. In einem sogenannten „rapid-scan Modus“ sind sogar alle 2,5 Minuten aktuelle Satellitenbilder verfügbar.

All dies führte in den letzten Jahrzehnten zu einer signifikanten Verbesserung der numerischen Wettervorhersage. Die Qualität einer 2-Tages-Prognose Anfang der 80er entspricht in etwa einer 5-Tages-Prognose Anfang der 2000er und ist vergleichbar mit der Vorhersagegüte einer 7-Tages Prognose heute. Diese technische Weiterentwicklung wurde vor allem durch die größere Rechenleistung des Großrechners des Deutschen Wetterdienstes ermöglicht. In den 90ern wurde im Rechenzentrum des DWDs gerade der „Cray YMP“ mit einer Leistung von unter einem GigaFlop pro Sekunde durch eine „Cray T3E“ ersetzt. Aktuell verfügt der Deutsche Wetterdienst über einen leistungsstarken Supercomputer der Firma NEC. Das seit 2020 in Betrieb genommene System NEX SX-Aurora Tsubasa verzeichnet eine Spitzenleistung von bis zu 5,6 Petaflops, das entspricht 5,600‘000‘000‘000‘000 Rechenoperationen pro Sekunde.

DWD 25 Jahre nach Orkan LOTHAR 1

Trotz der Verbesserungen in der numerischen Wettervorhersage und der Datenerfassung wird auch weiterhin nicht alles bis ins Detail vorhersagbar sein. Vor allem sehr kleinräumige Ereignisse wie einzelne Gewitterzellen und Tornados können im operationellen Betrieb nicht von Wettermodellen exakt prognostiziert werden.

M.Sc. (Meteorologin) Sonja Stöckle
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.12.2024
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Milde Weihnachten

Es ist ein Weihnachtsfest, wie wir es in den letzten Jahren häufig erlebt haben, zumindest wettertechnisch. Von Westen strömt milde Luft ein und lässt die letzten Schneehäufchen sowie die Hoffnung auf weiße Weihnachten in den Niederungen schmelzen. Schnee liegt in nennenswerten Mengen aktuell nur in den Lagen oberhalb von 700 Metern sowie am Alpenrand und in Hochfranken. An den Alpen kommt heute im Tagesverlauf auch noch etwas Schnee hinzu. In allen anderen Regionen ist es zu mild, der Schnee schon weg oder gerade im Begriff zu schmelzen.

DWD Milde Weihnachten

Für die Weihnachtsfeiertage ist kein neuer Schnee in Sicht. Hochdruckgebiet GÜNTHER trocknet die Luft von oben her ab und die Niederschläge lassen nach. Die Wolkendecke senkt sich. Aus dichten Wolken fallen hier und da ein paar Regenspritzer oder Sprühregen über der Mitte und im Norden. Im Süden sorgt GÜNTHER am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag für teils sonniges Wetter. Nur an den großen Flüssen können sich Nebel- oder Hochnebelfelder länger halten.

Die Temperatur liegt tagsüber teils deutlich im Plus. Im Westen und Nordwesten werden an den Weihnachtsfeiertagen um 10 Grad erwartet, kühler ist es im Süden und Südosten mit Höchstwerten zwischen 1 und 5 Grad. Frost gibt es nur in den Nächten und meist im Süden. Dort sinkt die Temperatur bei klarem Himmel und über Schnee auch schonmal bis gegen -10 Grad. Sonst werden südlich des Mains Tiefstwerte von 0 bis -5 Grad erwartet. Nördlich des Main ist es überwiegend frostfrei. Nur in der kommenden Nacht, die Nacht zum Mittwoch, kann es auch über der Mitte und im Osten noch leichten Frost geben.

DWD Milde Weihnachten

Wenn es Ihnen wie mir geht, Sie nördlich des Mains wohnen und an Weihnachten der Kühlschrank aus allen Nähten platzt, dann können Sie in den Folgetagen unkritische Lebensmittel auch draußen lagern. Sonne ist keine zu erwarten, die für Verderbnis sorgen könnte. Getränke lassen sich prima auf dem Balkon oder im Garten kühlen. Auch Obst und Gemüse können bei Höchstwerten zwischen 4 und 10 Grad gut draußen liegen. Schauen Sie am besten auf die Lagerhinweise auf Ihren Lebensmitteln.
Ich wünsche Ihnen eine schöne und genussvolle Weihnachtszeit!

Dipl.-Met. Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.12.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst