Hochdruckwetter im Winter

Ein Blick auf die Wetterkarte zeigt zu Wochenbeginn ein kräftiges Hochdruckgebiet mit dem Namen BEATE über Mitteleuropa. Das Hochdruckzentrum liegt direkt über Deutschland. Dadurch gestaltet sich das Wetter nach einem turbulenten Jahresauftakt ruhig und abgesehen von vereinzeltem strengem Frost, vorerst auch ohne markante Wetterwarnungen. Das Hochdruckwetter sorgt aber bei Weitem nicht überall für reichlich Sonnenschein. Vor allem in der Nordhälfte und in einigen Niederungen ist am Montag häufig teils dichter Nebel oder hochnebelartige Bewölkung anzutreffen. Im Südwesten weht dagegen ein frischer Nordostwind, sodass die eingeflossene Luftmasse besser durchmischt wird und sich der Nebel, abgesehen von einzelnen windgeschützten Muldenlagen, größtenteils auflösen wird.

DWD Hochdruckwetter im Winter

Warum bildet sich im Winter in den Niederungen häufig Nebel oder Hochnebel aus?

Vor allem von November bis Februar ist der Einfallswinkel der Sonne tagsüber zu gering um die bodennahe Luftschicht nennenswert zu erwärmen. Diese kühlt sich aber in den langen Nächten sehr stark aus, sodass sich die Luftmasse bis zur Sättigung abkühlen kann. Dann kondensiert der Wasserdampf in der Luft zu winzigen Wassertröpfchen. Es bildet sich Nebel aus! Befinden wir uns nun direkt unter einem Hochdruckgebiet in einem windschwachen Bereich, kann sich der Nebel manchmal sogar über Tage halten. Dann bildet sich an der Wolkenobergrenze eine markante Temperaturinversion aus. Der Nebel löst sich erst auf, wenn mehr Dynamik ins Wettergeschehen kommt und dann vornehmlich zuerst im Lee der Mittelgebirge. Die Nebelobergrenze ist wiederum abhängig von der Lage des Hochs. Befinden wir uns eher am Rande eines Hochs, können leichte Hebungsimpulse dafür sorgen, dass aus Nebel Hochnebel wird. Dies kann dazu führen, dass sonnige Bergkuppen nach einiger Zeit mit der Verlagerung eines Hochs in dichten Nebel gehüllt werden, während sich die Sichtbedingungen in den Niederungen etwas verbessern.

Am Dienstag befindet sich vor allem der Nordosten im Randbereich einer ausgeprägten Hochdruckzone vom Ostatlantik ausgehend bis nach Zentraleuropa. Gleichzeitig verlagert sich ein kleiner von Skandinavien in Richtung Polen und die Warmfront eines Tiefs mit Zentrum über Nordfinnland greift auf den Nordosten über. Dies führt auf der einen Seite zu einer Anhebung der Wolkenobergrenze, auf der anderen Seite aber auch zu leichten Niederschlägen. Bodennah kann sich dagegen voraussichtlich noch die Frostluft halten. Damit ist am Dienstag vor allem im Bereich der östlichen Mittelgebirge stellenweise mit erhöhter Glättegefahr durch gefrierenden Regen zu rechnen. Eine gab es heute vor gut einem Jahr. Damals trat vor allem in der nördlichen Mitte des Landes verbreitetes Glatteis durch länger anhaltenden gefrierenden Sprühregen auf.

DWD Hochdruckwetter im Winter 1

In der zweiten Wochenhälfte gelangt vor allem der Süden und die Mitte des Landes wieder vermehrt unter direktem Hochdruckeinfluss. Dadurch stehen die Chancen auf längeren Sonnenschein auf den Bergen am besten. In den Niederungen breitet sich dagegen der Nebel erneut aus. Damit liegen dort die Höchstwerte bei Dauergrau nur um den Gefrierpunkt, während auf den Bergen bei reichlich Sonnenschein deutliche Plusgrade erwartet werden. In den Alpen herrscht Kaiserwetter!

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.01.2025
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Eisige Nächte

Hinter dem nach Nordosten abgezogenen Sturmtief CHARLY konnte sich landesweit kalte Meeresluft polaren Ursprungs durchsetzen. Bisher hielt sich der Nachtfrost aber noch in Grenzen, was der oft noch dichten Bewölkung und dem teils auch noch starken Wind geschuldet war. Während die Bewölkung die vom Erdboden nach oben gerichtete Wärmestrahlung wieder reflektiert, sorgt der Wind für Durchmischung und verhindert die Ausbildung von flachen Kaltluftseen. Beide Faktoren dämpfen die nächtliche Abkühlung damit sehr effektiv. Im Laufe des Wochenendes und zu Beginn der nächsten Woche kommt die Polarluft unter dem sich breitmachenden Hoch BEATE aber zur Ruhe. Der Wind wird schwächer und die Bewölkung reißt häufiger mal auf. Nun kann sich die Luft in den Nächten deutlich stärker abkühlen. Am stärksten fällt die Abkühlung aus, wenn zudem eine geschlossene Schneedecke vorhanden ist. Denn der Schnee wirkt wie eine Dämmung: Unter der Schneedecke bleibt es wärmer, darüber kühlt die Luft aber umso stärker ab.

Aus den Berechnungen der Tiefsttemperaturen durch das MOS-MIX-Modell des Deutschen Wetterdienstes (siehe Abbildung 1) lässt sich schließen, dass die nächsten Nächte bis einschließlich der Nacht zum Dienstag immer kälter werden. In der Nacht zum Sonntag beschränkt sich mäßiger Frost unter -5 °C noch auf die Berge und den äußersten Süden. In der Nacht zum Montag und Dienstag muss dann verbreitet mit Tiefsttemperaturen zwischen -5 und -9 °C gerechnet werden. Damit stehen in vielen Regionen des Landes die bisher kältesten Nächte des Winters bevor. Über Schnee und bei länger klarem Himmel ist örtlich strenger Frost unter -10 °C wahrscheinlich, in Alpentälern geht es noch deutlich weiter in den Keller. Tiefsttemperaturen um oder unter -15 °C sind dort durchaus möglich. Erst ab der Nacht zum Mittwoch kommt es wegen des wieder zunehmenden Windes und aufziehender Bewölkung von Norden zu einer Frostentschärfung.

 

DWD Eisige Naechte

Vor allem der strenge Frost stellt eine ernstzunehmende Gefahr dar. Ist der menschliche Körper dem Frost längere Zeit und ohne adäquaten Schutz ausgesetzt, droht nicht nur Unterkühlung, die extrem niedrigen Temperaturen sind auch eine große Belastung für das Herz-Kreislauf-System. Um den Wärmeverlust über die Haut zu minimieren, ziehen sich die Blutgefäße zusammen. Zudem werden Stresshormone wie Adrenalin ausgeschüttet. Dadurch steigt der Blutdruck an und die Herzfrequenz erhöht sich. Besonders bei geschwächten Menschen steigt somit die Gefahr eines Herzinfarktes. Schon die Absenkung der Körpertemperatur um wenige Zehntel Grad erhöht darüber hinaus das Thromboserisiko, da die Zunahme der Konzentration an roten Blutkörperchen und Cholesterin das Blut dicker werden lassen. Auch für gesunde Menschen können sehr niedrige Temperaturen indirekt gefährlich werden, da sich die Durchblutung verschlechtert und das Immunsystem geschwächt wird. Vor allem bei Temperaturen von deutlich unter -10 °C sollte man längeren Aufenthalt und Anstrengungen im Freien vermeiden. Wenn man sich draußen aufhält, sollte unbedingt für geeignete Kleidung gesorgt werden. Am wichtigsten: Eine Mütze! Denn über den Kopf verliert der Körper besonders viel Wärme.

Dipl.-Met. Adrian Leyser
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 11.01.2025

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Tief „Charly“ und die Grenzwetterlage – Ein Rückblick

Bereits am Mittwoch (08.01.2025) bereitete Tief „Bernd“ das Feld für eine ansprechende Grenzwetterlage. Auf seiner Westflanke strömte polare Meeresluft in den Norden Deutschlands, die gute Voraussetzungen für winterliche Wettererscheinungen bot. Tief „Charly“ beeinflusste zu diesem Zeitpunkt mit seiner Warmfront bereits den Süden. Dabei traten die Niederschläge in verschiedenen Phasen als Regen, Schneeregen und als Schnee auf. Eine signifikante Schneedecke bildete sich dort jedoch lediglich im Bergland aus. In tieferen Lagen waren die Belagstemperaturen meist zu warm und der fallende Schnee taute rasch wieder weg.

Die Warmfront erreichte am Mittwochabend eine Linie vom südlichen Nordrhein-Westfalen über den Thüringer Wald bis ins sächsische Vogtland. Dabei gingen die Niederschläge auf der „kalten Seite“ der Warmfront nach Norden zu immer häufiger in Schnee über. Selbst im Rhein-Main-Gebiet konnte sich vorübergehend eine dünne Schneedecke ausbilden. Auf der „warmen, südlicheren Seite“ der Front fielen die Niederschläge jedoch als Regen, der die zuvor gefallenen Schneemengen rasch „auffraß“.

DWD Tief Charly und die Grenzwetterlage Ein Rueckblick

Im Verlauf der Nacht zum Donnerstag kam die Luftmassengrenze dann quer über der nördlichen Mitte zum Liegen. Die Schneefälle zogen im Laufe der Nacht über den Osten ab, sonst fiel meist Regen. Durchaus beschaulich waren dabei die Luftmassengegensätze. Während es im Norden gebietsweise leichten Frost gab, wurden in den Frühstunden (!) des Donnerstags am Oberrhein sehr milde 14 Grad gemessen.

DWD Tief Charly und die Grenzwetterlage Ein Rueckblick

Am Donnerstag näherte sich Tief „Charly“ dann von Benelux her an und zog im Tagesverlauf über Hessen und Thüringen hinweg, um am Abend dann die Lausitz zu erreichen. Dabei sorgte „Charly“ für kräftige Hebung, sodass sich die Niederschläge intensivieren konnten. Auf der kalten, nördlichen Seite gingen diese bis in tiefe Lagen in Schnee über. Innerhalb von wenigen Stunden kamen etliche Zentimeter an Neuschnee zusammen. Selbst in Metropolregionen wie dem Ruhrgebiet und in Berlin kam es zu einem Wintereinbruch und der Ausbildung einer Schneedecke. In einigen Staulagen kamen von der Eifel, über das Sauer- und Siegerland bis zum Harz sogar rund 20 Zentimeter an Neuschnee zusammen, lokal dürften es sogar noch etwas mehr gewesen sein. Entsprechend kam es zeitweise zu Einschränkungen der Infrastruktur und glättebedingten Unfällen. Mit dem Durchschwenken der Kaltfront von „Charly“ ließen schließlich auch im Osten die Schneefälle wieder nach.

DWD Tief Charly und die Grenzwetterlage Ein Rueckblick 1

Ein anderes Bild stellte sich dagegen in den südlicher gelegenen Landesteilen – sozusagen auf der warmen Seite von „Charly“ – ein. Insbesondere südlich von Mosel und Main konnten zweistellige Tageshöchstwerte verzeichnet werden. Von Schnee war hier also keine Spur. Die Niederschläge gingen als Regen nieder. Zudem frischte auch der Wind stürmisch auf. Spannend wurde es dort dann mit dem Durchzug der Kaltfront von „Charly“ am Donnerstagnachmittag und -abend. Dabei kam es sogar zu einzelnen Gewittern und einer kurzzeitigen Windverstärkung. Örtliche wurden dabei schwere Sturmböen, lokal sogar orkanartige Böen über 105 km/h gemessen. Diese sorgten teils für umstürzende Bäume und somit für Behinderungen und Straßensperrungen. In Hermeskeil (Rheinland-Pfalz) riss der Wind ein Bushäuschen mit. Dabei wurden drei Menschen verletzt. In einigen Orte in Rheinland-Pfalz kam es darüber hinaus kurzzeitig zu Stromausfällen.

DWD Tief Charly und die Grenzwetterlage Ein Rueckblick 2

Rückseitig der Kaltfront floss polare Kaltluft ein, die die Warmluft im Süden ausräumte und in der Nacht zum Freitag dann den Südosten Deutschlands erreichte. Insgesamt ließen die Niederschläge nach, wenngleich weitere Schneeschauer von Nordwesten hier und da noch für etwas Schnee-Nachschub sorgten.

Am heutigen Freitag und am Wochenende baut sich nun Hoch „Beate“ über Mitteleuropa auf, die für eine Wetterberuhigung sorgt. Zunächst bleibt uns die polare Kaltluft erhalten, sodass es insbesondere in den Nächten nach Süden zu klirrend kalt werden kann. Im Laufe der nächsten Woche stehen die Zeichen jedoch auf einer allmählichen Erwärmung, sodass es dem Schnee wieder an den Kragen geht.

MSc.-Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.01.2025
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Jahresvorausschau 2024 – Ein Rückblick

Eine Luftmassengrenze liegt derzeit quer über der Mitte Deutschlands. Während es am heutigen Donnerstag auf ihrer Nordseite zu mitunter kräftigen Schneefällen kommt, liegt die Temperatur im Süden zunächst noch teilweise im zweistelligen Plusbereich, ehe im Tagesverlauf die Kaltfront von Tief CHARLY dort mit Sturmböen und wieder deutlich kälterer Luft im Gepäck durchziehen wird. Da diese Thematik bereits im gestrigen Thema des Tages ausführlich behandelt wurde und es in den kommenden Tagen an dieser Stelle sicherlich eine Nachlese geben wird, bietet es sich förmlich an, heute über etwas ganz anderes zu schreiben.

Wie Sie wahrscheinlich wissen, gibt es in dieser Rubrik seit einigen Jahren zum Jahresende eine humoristisch „angehauchte“ Vorausschau auf das neue Jahr. Letztes Jahr wurde damit begonnen, diese „Prognosen“ genau unter die Lupe zu nehmen. Die Trefferquote für das Jahr 2023 war dabei eher mäßig – beschönigend gesagt. Mal schauen, ob es in 2024 ein paar Glückstreffer mehr gab.
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Januar 2024:
Wintereinbruch in Teilen Deutschlands. Zur Reduzierung von Materialverschleiß greifen bei der Heim-EM der Handballer einige Teams im Training auf Schneebälle zurück.

Den Wintereinbruch gab es tatsächlich! Während sich zu Beginn des Jahres zunächst nur ganz im Süden sowie im Nordosten und Teilen des Nordens eine mehrtägige Schneedecke ausbilden konnte, waren Mitte des Monats weite Teile des Landes in ein weißes Kleid gehüllt. Ob das jedoch einen Einfluss auf die Trainingsmethoden mancher Handballteams hatte, ist nicht überliefert.
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Februar 2024:
Ob Fastnacht, Fasching, Karneval,
der Name ist doch sch…-egal.
Viel wicht’ger ist, ja sonnenklar:
Das Wetter, das wird wunderbar!

„Wunderbar“ ist natürlich höchst subjektiv. Für den Februar würden sich darunter sicherlich viele sonniges Winterwetter vorstellen. Nun ja… mit der Sonne war es im bundesweiten Durchschnitt nicht weit her. Rund 25 % weniger schien sie im Vergleich zum Klimasoll (1961-1990). Dazu war der Monat sehr nass und extrem mild! Mit einer Mitteltemperatur von 6,6 °C rangiert er in der Top-10-Liste der wärmsten Märze! Winter? Fehlanzeige!
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März 2024:
Der DWD plant den operationellen Einsatz von KI in der Vorhersage für in 5 Jahren. „Das entspricht ja der aktuell erwarteten Restentwicklungszeit!“ wird man in 8 Jahren feststellen.

Dass KI ein großes Thema beim DWD darstellt, steht außer Frage! Die finale Bewertung dieses Punktes erfolgt spätestens in 4 bis 7 Jahren. 😉
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April 2024:
Ein Ruck geht durch Politik und Gesellschaft! Weltweit werden effektive Maßnahmen getroffen, dem menschgemachten Klimawandel gemeinsam und zügig entgegen zu wirken. – April, April…

Super Aprilscherz!
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Mai 2024:
Kühles Schmuddelwetter in Deutschland, noch nie dagewesene Wärme in Nordosteuropa. Beim Eurovision Song Contest in Malmö zeigt das Außenthermometer selbst zu später Stunde noch über 20 °C. Icke Hüftgold holt mit „Klima find ick prima“ sensationell den 3. Platz.

„Kühl“: nein, „Schmuddel“: ja! Der Mai 2024 war der fünftwärmste, aber auch der drittnasseste Mai seit 1881. Am 19.05. lag die Temperatur in Malmö abends tatsächlich noch bei rund 20 °C, allerdings war der ESC eine gute Woche früher. Am Tag der Hauptveranstaltung (11.05.) waren es um 21 Uhr dagegen nur 11 °C. Icke Hüftgold sang (leider?) nicht für Deutschland. Dafür holte Isaak Guderian immerhin Platz 12.
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Juni 2024:
Zu Ehren des 200. Geburtstag des britischen Physikers William Thomson, 1. Baron Kelvin beschließt die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) für ein Jahr sämtliche Temperaturangaben in Kelvin anzugeben.

Auch wenn unser Kollege Markus Übel in seinem Thema des Tages vom 1. April 2024 diesen Scherz nochmals aufgriff, muss dieser Punkt ins Reich der Fabel verwiesen werden.
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Juli 2024:
Extreme Hitzewelle in Deutschland. Vielfach werden Höchstwerte um 313 Kelvin verzeichnet. Das Endspiel der Fußball-EM zwischen Schottland und England in Berlin wird in den kühleren September verlegt.

Zwar gab es immer wieder kurze Hitzeintermezzos, eine anhaltende oder gar extreme Hitzewelle aber nicht. Der Spitzenwert des Monats lag bei 35,4 °C oder besser 308,55 Kelvin (Müllheim am 30.07.). England schaffte es dagegen tatsächlich ins EM-Finale, Gegner waren aber nicht die Schotten, sondern die Spanier. Für eine Verschiebung boten die rund 22 °C zu Spielbeginn keinen Anlass.
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August 2024:
Fortdauer der Hitzeperiode in weiten Teilen Europas. Bei den Olympischen Spielen in Paris kommt es bei den Wasserdisziplinen immer wieder zu Unterbrechungen aufgrund von sogenannten „Plantschern“ (Pendant zu „Flitzer“).

Zumindest phasenweise war es durchaus sehr heiß in Paris. Die höchste Temperatur wurde allerdings noch Ende Juli gemessen mit rund 36 °C. Von den sogenannten „Plantschern“ ist dem Autor allerdings nichts bekannt.

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September 2024:
„Der Laubbläser kommt!“ schallt es durch die Medienwelt. Tatsächlich sorgt der erste Herbststurm in der Nordhälfte verbreitet für (schwere) Sturmböen. Das Endspiel der Fußball-EM wird in den Oktober verlegt.

Naja, wirklich stürmisch war der September nicht. Ende des Monats reichte es aber zumindest über der Mitte und dem Nordwesten für stürmische Böen, an der Nordsee und auf den Bergen auch für schwere Sturmböen. Der Brocken und der Feldberg warteten mit Orkanböen auf. Die Fußball-EM hatten wir ja schon im Juli behandelt. 😉
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Oktober 2024:
Verfrühtes Winterintermezzo im Osten des Landes. Bei Schneematsch und Temperaturen um 273 Kelvin gewinnt Schottland auf nahezu unbespielbarem Platz das Finale der Fußball-EM im Elfmeterschießen mit 1:0.

Noch einmal die Fußball-EM noch einmal wird auf den Juli verwiesen. Ansonsten gilt auch für das Winterintermezzo im Osten eine klare Fehlanzeige. Zwar startete der Monat zunächst ziemlich nass und zu kühl, in der zweiten Monatshälfte gab es dann aber gerade im Osten viel Sonnenschein und es war deutlich zu warm
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November 2024:
Mehrwöchige Hochdrucklage! Die Folge: Auf den Bergen Sonne ohne Ende, im Tiefland dagegen oftmals neblig-trübe Tristesse. Im Rhein-Main-Gebiet und an der Donau verzeichnen Apotheken und Supermärkte einen Rekordumsatz bei Vitamin-D-Tabletten.

Insgesamt zeigte sich der November tatsächlich recht hochdruck- und damit vor allem in den Niederungen teilweise auch nebelgeprägt. Auf den Bergen war es dagegen mitunter sogar ungewöhnlich sonnig. Auf der Zugspitze gab es über 200 Stunden Sonnenschein. Ob die Vitamin-D-Tabletten wirklich zum Verkaufsschlager wurden, ist dem Autor nicht bekannt. 😉
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Dezember 2024:
In einer erneut sehr aktiven atlantischen Wirbelsturmsaison leitet Ex-Hurrikan Tony das traditionelle Weihnachtstauwetter in Deutschland ein. „Problem“: Es gibt gar nichts zum Wegtauen. „Was soll’s…“ sagt man sich auf den zahlreichen Weihnachtsgrillpartys.

Tatsächlich verlief die atlantische Wirbelsturmaktivität leicht überdurchschnittlich, allerdings war bereits bei Buchstabe „S“ Schluss. Einen „Tony“ gab es also nie, sondern „Sara“ war der letzte Tropensturm der Saison und das bereits Mitte November. Das Weihnachtstauwetter trat aber zumindest teilweise trotzdem auf. Kurz vor Weihnachten schneite es zumindest in den Mittelgebirgen und Teilen Süddeutschlands, liegen blieb der Schnee allerdings meist nur in den ost- und süddeutschen Mittelgebirgen und im südlichen Alpenvorland. So oder so: Weihnachtsgrillpartys wird es sicherlich gegeben haben.
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Fazit: Der ein oder andere (Rand-)Treffer war wieder dabei, die Fehlschüsse liegen aber deutlich in der Überzahl. Mal sehen, wie 2025 läuft 😉

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.01.2025
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Grenzwetterlage mit kräftigen Schneefällen erwartet

Tief BERND (international: FLORIANE), das am heutigen Mittwochmittag noch über Südschweden liegt, hat in den vergangenen Tagen den Grundstein für eine Grenzwetterlage am morgigen Donnerstag geschaffen. Rückseitig von BERND ist polare Meeresluft in den Norden Deutschlands gelangt, welche sich am Donnerstag mit signifikantem Wetter auswirken wird. Der Mitspieler steht bereits auf dem Nordostatlantik in Form von Tief CHARLY bereit und wartet auf seinen Einsatz (siehe ).

DWD Grenzwetterlage mit kraeftigen Schneefaellen erwartet

Die Warmfront von CHARLY hat in der Nacht zum Mittwoch bereits den Süden Deutschlands erreicht. Mit der Warmfront gelangt zunehmend subtropische Luft in den Süden des Landes. So sind Mittwochvormittag in Baden-Württemberg, Bayern, im Saarland und in Rheinland-Pfalz Regen-, Schneeregen- und Schneefälle aufgezogen (siehe ). In Teilen Frankens schneit es bis in die Niederungen, wobei die Straßenbelagstemperaturen meist positiv sind und der Schnee nur in Hochlagen liegen bleibt. Südlich der Donau und Richtung Rhein regnet es bereits und von Süden her steigt die Schneefallgrenze in der Subtropikluft bis über die Kammlagen der dortigen Mittelgebirge an. Im Südschwarzwald, in Teilen des Saarlandes und von Rheinland-Pfalz laufen gar Dauerregenwarnungen.

DWD Grenzwetterlage mit kraeftigen Schneefaellen erwartet

Das Niederschlagsgebiet entlang der Warmfront verlagert sich Mittwochnachmittag langsam nordwärts und erreicht am Abend mit der nördlichen Grenze den Süden Nordrhein-Westfalens, Mittelhessen und das Werratal in Thüringen. Konzentrieren wir uns auf den Schneefall: Nördlich der Warmfront liegt die polare Luftmasse, sodass es am Nordrand der Warmfront schneit. Bei zeitweise mäßigem Schneefall kann es vorübergehend sogar im Rhein-Main-Gebiet und entlang des Mittelrheins Schneematsch geben. Dort wird die flüssige Niederschlagsphase aber wohl überwiegen. In höheren Lagen und weiter nördlich reicht es jedoch für eine dünne Neuschneedecke bis 5 Zentimeter. Achtung Glättegefahr!

Im Verlauf der Nacht verlagern sich die Schneefälle über die nördliche Mitte hinweg nach Osten und schwächen sich immer mehr ab. Das erste kleinere Schneefallereignis ist damit abgeschlossen. Nun kommt Tief CHARLY ins Spiel und es wird erst richtig spannend. Donnerstagfrüh liegt die Luftmassengrenze, die Luft aus den polaren Breiten im Norden von Subtropikluft im Süden trennt, quer über der Mitte Deutschlands (siehe).

DWD Grenzwetterlage mit kraeftigen Schneefaellen erwartet 1

CHARLY wird Donnerstagfrüh über BENELUX zu finden sein, mittags über der nördlichen Mitte und abends etwa über der Uckermark. Mit der Annäherung von CHARLY setzt Hebung ein und teils kräftige Niederschläge ziehen auf. Diese fallen auf der Nordseite der Luftmassengrenze als Schnee, nach Süden zu als Regen. Im Übergangsbereich könnte man gefrierenden Regen erwarten, die Vorgeschichte ist aber zu mild und nur ganz vereinzelt in lokalen „Kältelöchern“ des Mittelgebirgsraums kann es zu Glatteis kommen. Der Fokus liegt eindeutig auf dem erwarteten Schneefall. Dass es bis in tiefe Lagen schneien wird, ist recht sicher, wie viel davon liegen bleiben wird, ist aber maßgeblich von der Niederschlagsintensität abhängig. Voraussichtlich werden die Straßenbeläge zunächst leicht im positiven Temperaturbereich liegen. Bei geringen Schneefallraten kann der Schnee zunächst direkt tauen, mit einsetzendem mäßigem Schneefall sinken die Temperaturen dann aber und eine Schneedecke kann sich aufbauen.

Als Schneefallregion kristallisiert sich nach aktuellem Stand ein breiter Streifen vom Rheinland über den Raum Hannover und die Altmark in Sachsen-Anhalt bis nach Nordbrandenburg heraus. Zum Berufsverkehr in den Früh- und Vormittagsstunden wären das Rheinland über Ostwestfalen bis zum Raum Hannover betroffen. Innerhalb von 3 bis 6 Stunden sind durchaus 5 bis 10 Zentimeter Nassschnee zu erwarten. Erhebliche Behinderungen im Straßen- und Schienenverkehr, auch Schneebruch an der Vegetation sind dann Thema! Noch höhere Mengen um 15 Zentimeter können sich vor allem im Bergland akkumulieren. In den Mittags- und Nachmittagsstunden schwächen sich die Schneefälle im Westen bereits wieder ab, dann ist mit den höchsten Intensitäten in Sachsen-Anhalt und Nordbrandenburg zu rechnen. Auch dort können in wenigen Stunden um 5 Zentimeter zusammenkommen.

DWD Grenzwetterlage mit kraeftigen Schneefaellen erwartet 2

In der Südhälfte ist bei Höchstwerten zwischen 6 und 14 Grad von Schnee keine Spur. Dafür lebt dort der Wind verbreitet in Böen stürmisch auf und an der Kaltfront von Tief CHARLY kann es am Nachmittag und Abend in Teilen Baden-Württembergs bei einer nochmaligen kurzzeitigen Windverstärkung blitzen und donnern.

Rückseitig von CHARLY gelangt dann in der Nacht zum Freitag polare Meeresluft auch in den Süden. Da es zuvor noch geregnet hat, kann es auf den Straßen dann durch gefrierende Nässe gefährlich glatt werden. Der frische bis starke Wind sorgt zwar noch für eine Abtrocknung, aber dennoch ist verbreitet mit markanter Glätte zu rechnen.

Nach Abzug von Tief CHARLY, das Freitag bereits das Baltikum erreicht hat, beruhigt sich das Wetter wieder. Im Norden und Nordosten ist noch mit Schneeschauern zu rechnen, nach Süden zu bleibt es meist trocken und auch an den Alpen lassen die Schneefälle allmählich nach.

Dipl.-Met. Julia Tuschy
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.01.2025
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35 Jahre Weltzentrum für Niederschlagsklimatologie

Als Ende der 1980er Jahre die globalen Klimaveränderungen immer deutlicher sichtbar wurden, stieg die Nachfrage nach Computermodellen, die den fortschreitenden Klimawandel sowie dessen Auswirkungen möglichst verlässlich in die Zukunft projizieren konnten. Um die Qualität der Klimavorhersagen überprüfen zu können, werden sogenannte „Hindcasts“ gestartet. Das sind „Nachhersagen“, also Vorhersagen, die in der Vergangenheit gestartet und mit den Beobachtungen verglichen werden. Möglichst lückenlose und qualitätsgesicherte Beobachtungsdatensätze waren also schon damals notwendig. Doch zu dieser Zeit wurde noch kein Niederschlagsdatensatz den Ansprüchen an einen Referenzdatensatz für die Klimamodellierung gerecht. Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) trat in der Folge an ihre Mitgliedsländer mit dem Auftrag heran, ein Datenzentrum für Niederschlag einzurichten. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) übernahm die Verantwortung und rief 1989 das „Weltzentrum für Niederschlagsklimatologie“ (WZN, englisch: Global Precipitation Climatology Centre (GPCC)) ins Leben.

Datensammlung

Erster und wichtigster Baustein des Projektes war das Sammeln von Niederschlagsdaten. Doch dies glich fast einer Sisyphusarbeit. Um an weltweite Daten zu kommen waren vor allem vor dem globalisierten Internetzeitalter mit offenen Datenportalen unzählige Reisen zu Wetterdiensten, Anforderungsschreiben und Ansprachen bei WMO-Besprechungen notwendig. Auch wenn bis heute nicht alle Wetterdienste bereit sind, Daten auszutauschen, enthält die Sammlung des WZN mittlerweile Daten von mehr als 126.000 Wetterstationen. Die beste Datenverfügbarkeit gibt es in dicht besiedelten und gut entwickelten Regionen der Erde bzw. zwischen 1960 und 2010 (siehe Abbildung 1). Davor wird die Verfügbarkeit durch die geringere Stationszahl und die mangelnde Digitalisierung, danach durch noch unvollständige Datenbeschaffung limitiert.

DWD 35 Jahre Weltzentrum fuer Niederschlagsklimatologie

Qualitätsprüfung

Nicht nur die Datenbeschaffung braucht viel Zeit, sondern auch die Qualitätsprüfung, die innerhalb des Projektes einen hohen Stellenwert genießt. Denn es stellte sich früh heraus, dass die beschafften und gelieferten Daten mitunter sehr fehlerbehaftet waren. Typische Fehlerquellen waren falsche Umrechnungen zwischen Maßeinheiten, falsche Zeit- und Ortsangaben oder sogenannte „falsche Nullen“ als Lückenfüller. Um die Qualitätsprüfung zu beschleunigen und zu standardisieren, wurden Routinen und Software entwickelt. Neben automatischer Qualitätssicherung gibt es bis heute auch eine manuelle, von Mitarbeitenden des WZN durchgeführte Sichtung, beispielsweise für besonders extreme Niederschläge.

Von Stations- zu Rasterwert

In Klimamodellen werden Vorhersagen auf einem Raster berechnet und nicht für einzelne Stationen. Unter einem Raster versteht man eine Art Gitternetz, mit dem der Globus in der Simulation überzogen wird. Um die Beobachtungsdaten mit den Ergebnissen der Klimamodelle vergleichen zu können, müssen die Daten der einzelnen Stationen auf ein solches Raster abgebildet werden. So muss auf Basis der Messungen für jedes Segment bzw. jeden „Pixel“ des Gitternetzes eine repräsentative Niederschlagsmenge berechnet werden. Dabei macht man sich komplizierte mathematische Verfahren zunutze.

Datenabgabe und Analyseprodukte

Während die einzelnen Stationsdaten nicht nach außen abgegeben werden, stehen die daraus abgeleiteten, gerasterten Analyseprodukte frei und ohne Registrierung zur Verfügung (siehe beispielsweise Abbildung 2). Der DWD hat für Kunden ein Visualisierungstool entwickelt, mit dem sich die verschiedenen Analyseprodukte individuell konfiguriert darstellen lassen. Der Fokus liegt dabei auf monatliche und jährliche Analysen, wobei diese sich in der Anzahl der genutzten Stationen, dem Aufwand der Qualitätsprüfung, den verfügbaren Datenzeitraum und der Aktualisierungsrate unterscheiden.

DWD 35 Jahre Weltzentrum fuer Niederschlagsklimatologie 1

Ausblick

Das Datensammeln und die Qualitätsprüfung bleiben auch in Zukunft die wichtigsten Bausteine des WZN. Um das Datensammeln zu beschleunigen und Ressourcen zu schonen soll verstärkt auf automatisierte Zugriffe auf die offenen Datenportal gesetzt werden. Bei der Datenprüfung soll untersucht werden, inwiefern Verfahren mit künstlicher Intelligenz (KI) helfen können. Generell stehen die verschiedenen Routinen bei der Erstellung der gerasterten Analyseprodukte stets auf dem Prüfstand und werden bei Bedarf weiterentwickelt oder durch neue ersetzt.

Dipl.-Met. Adrian Leyser
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale

Dr. Markus Ziese
Deutscher Wetterdienst
Globale Niederschlagsüberwachung
Offenbach, den 07.01.2025
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Tief BERND und das Dreikönigswetter

Über das vergangene Wochenende, insbesondere aber am gestrigen Sonntag, war wettertechnisch einiges geboten. Tief BERND, das inzwischen international auf den Namen FLORIANE getauft wurde, lenkte sehr milde Luft subtropischen Ursprungs von Südwesten nach Deutschland. Die Warmfront des Tiefs hatte allerdings länger anhaltende und teils kräftige Niederschläge im Gepäck. Zunächst zogen ab Samstagabend aus Südwesten Schneefälle auf, die nachfolgend in Regen übergingen. In der Übergangsphase war dieser Regen allerdings (teilweise auch über längere Zeit) gefrierend. Hierbei stellten vor allem der zeitliche und räumliche Übergang sowie die Intensitäten der jeweiligen Niederschlagsphasen eine besondere Herausforderung für die Warnmeteorologen dar. Durch den gefrierenden Regen bildete sich Eisansatz an Gegenständen und es bestand erhöhte Glättegefahr. Der zuvor gefallene Schnee milderte die gesamte Lage aber oftmals erheblich ab. Im Laufe des Sonntags zogen die Niederschläge nordostwärts und in der vergangenen Nacht schließlich über die Ostsee hinweg.

Die sehr milde Luft spiegelte sich am gestrigen Sonntag dann auch bei den Höchsttemperaturen wieder. Vor allem im Südwesten und Westen wurden teilweise Werte im zweistelligen Bereich bis 14 Grad erreicht. Im Vergleich dazu lagen die Höchsttemperaturen im Nordosten regional noch bei Werten um 0 Grad. Wie ausgeprägt der Temperaturgradient (teilweise große Temperaturunterschiede auf engstem Raum) war und wie schnell der Temperaturanstieg durch die herangeführte Luftmasse vonstattenging, ist im  nachzulesen.
Auch am heutigen Montag hält Tief BERND noch allerhand Spannendes bereit. Heute allerdings mit und durch seine Kaltfront, die im Laufe des Nachmittags ausgehend vom Westen nordostwärts schwenkt. Im Norden, Westen und Südwesten fällt dann aus meist dichter Bewölkung zeit- und gebietsweise schauerartiger Regen. Bei 8 bis 16 Grad mit den höchsten Werten am Oberrhein wird es verbreitet sehr mild. Eine Ausnahme stellt dabei Niederbayern dar, hier werden „nur“ 3 bis 7 Grad erreicht. Richtung Südosten sowie in Teilen Mitteldeutschlands kann sich dafür die Sonne zeitweise zeigen, was den übrigen Landesteilen gar nicht oder nur kurzzeitig vergönnt bleibt.
Allerdings geht die Kaltfront auch mit lebhaftem Südwestwind einher. Das Sturmfeld zieht im Laufe des Nachmittags und Abends ausgehend vom Westen nordostwärts. In der Nordwesthälfte sind dann Sturmböen bis ins Flachland zu erwarten, auch einzelne schwere Sturmböen sind möglich. Diese sind im Bergland naturgemäß wahrscheinlicher.

 

DWD Tief BERND und das Dreikoenigswetter 1

Rückseitig der Kaltfront wird es allmählich wieder etwas kühler. Dies hat für die Nacht zum Dienstag aber kaum nennenswerte Auswirkungen, denn Frost ist allenfalls auf höhere Berglagen beschränkt.

DWD Tief BERND und das Dreikoenigswetter 2

Am morgigen Dienstag ist es dann hingegen nasskalt bei Höchsttemperaturen von 3 bis 9 Grad. Zudem sinkt die Schneefallgrenze auf 500 bis 700 m ab. Bei auflebender Schauertätigkeit verläuft der Dienstag im Bergland also wieder etwas winterlicher.

DWD Tief BERND und das Dreikoenigswetter 3

Zum Mittwoch zieht dann von Südwesten das nächste Tief heran, das an seiner Nord- und Nordwestflanke gebietsweise kräftige Schneefälle bereithält. Wo hierbei die Schwerpunkte liegen, bleibt noch etwas abzuwarten. In der Südhälfte ist es hingegen nach anfänglichen Schneefällen regnerisch. Bei Höchsttemperaturen von 2 bis 9 Grad kommt zudem der Südwest- bis Westwind an den Küsten und im südwestlichen Bergland stürmisch daher.

Am Donnerstag ist es im Süden vorübergehend erneut teils sehr mild, aber auch sehr windig bis stürmisch, bevor zum Freitag von Nordwesten wieder kühlere Luft herangeführt wird.

DWD Tief BERND und das Dreikoenigswetter 4

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.01.2025
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Eine Warmfront mit Wumms

Die sehr gut ausgeprägte Warmfront von Tief Bernd, das südwestlich von Irland liegt, schwenkt heute nach Nordosten über Deutschland hinweg. Wir blicken auf die Auswirkungen, die zum Teil Erstaunliches offenbarten.

Am gestrigen Samstagabend setzten im Südwesten Baden-Württembergs Schneefälle ein, die sich in der Folge nordostwärts ausbreiteten und dies Stand Sonntagmittag auch weiterhin tun. Nach einer mehrstündigen Schneephase mit meist wenigen Zentimetern Neuschnee ging der Schneefall in Regen über. Verantwortlich dafür war sehr milde Meeresluft, die von Südwesten herangeführt wurde. Diese Warmluft setzte sich aber nicht in allen Höhenschichten gleich schnell durch. In bodennahen Schichten hielt sich die Kaltluft mit südöstlichen Winden wenige Stunden länger. Folglich haben wir eine brisante Gemengelage. Der nun flüssige Niederschlag fiel in eine kalte, meist frostige Grundschicht und auf weiterhin kalte Böden mit Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt. Die Folgen waren Eisansatz an Gegenständen sowie Glatteis auf Wegen und Straßen. Abgeschwächt wurde die Glatteislage durch den zuvor gefallenen Schnee, der zu stumpferen Oberflächen führte, sofern nicht kurz vor Einsetzen des Regens der Schnee geräumt worden war.

DWD Eine Warmfront mit Wumms

Diese eher ungewöhnliche Schichtung der Troposphäre zeigt beispielhaft der Radiosondenaufstieg von Idar-Oberstein vom 05.01.2025 um 07 Uhr MEZ. Zu diesem Zeitpunkt herrschten zwischen etwa 1200 und 2500 m Höhe positive Temperaturen, während in Lagen darunter die Temperatur noch unter dem Gefrierpunkt lag. Die warme Luft war auf die kalte Luft aufgeglitten und hatte diese noch nicht vollständig verdrängt. Im Diagramm erhält der Temperaturverlauf die Form einer Nase, Meteorologen sprechen daher gerne von einer „warmen Nase“. In der Warmluft gab es einen regelrechten Weststurm mit rund 100 km/h. Am Boden wehte dagegen schwacher Ostwind, mit der weiterhin kalte Luft herangeführt wurde.

DWD Eine Warmfront mit Wumms 1

Mild und kalt lagen dabei gebietsweise sehr dicht zusammen. Um 10 Uhr MEZ beispielsweise waren es an der Station Baden-Baden-Geroldsau bereits 11,1 Grad, im nur etwa 25 km nördlich gelegenen Rheinstetten dagegen nur 0,4 Grad. Mehr als 10 Kelvin Differenz auf so kurze Distanz gibt es, abgesehen von Strahlungsnächten und lokalen Kaltluftseen, selten. Ähnlich beeindruckend war dann der folgende Temperaturanstieg in Rheinstetten. Von 10:20 MEZ bis 11:10 MEZ ging es von 1,9 auf 10,0 Grad hinauf: Knapp 8 Kelvin in gerade mal 50 Minuten. Deutlich werden die unterschiedlichen Wetterzustände auch durch die Meldungen der Nutzer der Warnwetter-App, siehe Abbildung 3.

DWD Eine Warmfront mit Wumms 2

Kurzfristig kommt die milde Meeresluft rasch nach Nordosten voran und bis Montagfrüh hat sie auch Vorpommern erreicht. Dann macht das winterliche Wetter vorübergehend Pause. Mit Höchsttemperaturen verbreitet zwischen 8 und 15 Grad wird es am Montag gar vorfrühlingshaft mild. In den Fokus rückt dann der Wind oder besser gesagt Sturm. Allgemein frischt der Wind in der Westhälfte Deutschlands auf, doch besonders stürmisch wird es, wenn am Nachmittag und Abend ein Sturmfeld mit Sturmböen bis in tiefe Lagen von Südwesten her auf das Saarland, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen übergreift. Örtlich kann es sogar zu schweren Sturmböen kommen. In der Folge wandert das Sturmfeld nordostwärts.

M.Sc. Meteorologe Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.01.2025

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Ungemütliches Sternsingen

In diesem Jahr fällt der 6. Januar auf einen Montag. In Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen-Anhalt wird dies sicherlich seit Längerem wohlwollend zur Kenntnis genommen worden sein. Der 6. Januar ist in diesen Bundesländern nämlich ein gesetzlicher Feiertag. Falls es die beruflichen Umstände zulassen, lässt sich dort somit ein verlängertes Wochenende genießen.

An diesem Tag wird der „Tag der Heiligen Drei Könige“ begangen, der auch als „Fest der Erscheinung des Herrn“ oder „Epiphania“ bekannt ist. Der Überlieferung nach kamen die drei Weisen Caspar, Melchior und Balthasar aus dem Morgenland, um dem neugeborenen Kind Jesus in der Krippe im Stall zu Bethlehem zu huldigen. Hierfür hatten sie Geschenke wie Gold, Weihrauch und Myrrhe dabei. Ein Stern wies ihnen dabei den Weg nach Bethlehem.

Nicht nur am 6. Januar selbst, sondern auch bereits an den Tagen zuvor, verkleiden sich Kinder und Jugendliche in den vorrangig katholischen Gebieten als Sternsinger (symbolisch für die Heiligen Drei Könige) und ziehen von Haus zu Haus. Den Menschen, die ihnen die Tür öffnen oder sie einlassen, werden Lieder und kurze Gebete vorgetragen und ihre Häuser werden gesegnet. Hierfür werden mit geweihter Kreide die Buchstaben „C + M + B“ verbunden mit der jeweiligen Jahreszahl auf einen Türbalken geschrieben. „C + M + B“ steht hierbei nicht wie fälschlicherweise häufig angenommen für „Caspar + Melchior + Balthasar“, sondern für „Christus Mansionem Benedicat“ („Christus segne dieses Haus“). Zudem werden in diesem Zusammenhang Spenden für einen guten Zweck gesammelt.

Doch wie gestaltet sich das Wetter bis einschließlich Montag? Ist Petrus den Sternsingern wohlgesonnen?

Zumindest am heutigen Samstag schon, da Hoch ANKE vorübergehend für einen ruhigen Wetterabschnitt sorgt. Abgesehen von einzelnen Schnee-, Schneeregen- oder Regenschauern, die im Küstenumfeld etwas gehäufter auftreten, bleibt es weitgehend niederschlagsfrei. Zudem ist es abgesehen vom äußersten Norden meist windschwach und vorrangig im Süden kann sich auch zeitweise die Sonne zeigen. Allerdings sollten die Sternsinger unter ihren Verkleidungen dicke Pullis und Jacken anziehen, denn die Höchstwerte liegen gerade einmal im niedrigen einstelligen Bereich. In der Südhälfte können die Temperaturwerte gebietsweise auch den ganzen Tag über im Frostbereich verharren.

Ab der Nacht zum Sonntag wird es dann wettertechnisch durchaus unschön. Tief BERND über dem nahen Atlantik schickt sich zwar an, sehr milde Luft aus Südwesten nach Deutschland zu lenken. Dies klingt im ersten Moment vielleicht gar nicht mal so dramatisch. Die dazugehörigen Tiefausläufer haben allerdings länger anhaltende und teils kräftige Niederschläge im Gepäck, die Niederschlagsphase wird hierbei sicherlich für manche Probleme sorgen. Zunächst einmal ist mit teils kräftigem Schneefall zu rechnen, der nachfolgend in Regen übergeht. In der Übergangsphase ist dieser Regen allerdings teils gefrierend und dann besteht erhöhte Glättegefahr. Es bestehen durchaus noch Unsicherheiten, wo die Schwerpunkte liegen. Nach aktuellem Stand sieht es danach aus, dass es neben bevorzugten Tal- und Muldenlagen vor allem der Südosten ist, der beim gefrierenden Regen im Fokus steht. Dort kann sich die bodennahe kalte Luft länger halten und der gefrierende Regen für dementsprechende Auswirkungen auf den Straßen und an der Infrastruktur sorgen. Nicht nur die Sternsinger sollten Vorsicht walten lassen und sich den örtlichen Begebenheiten dementsprechend anpassen.

DWD Ungemuetliches Sternsingen

Im Laufe des Sonntags ziehen die Niederschläge dann weiter nordostwärts. Auch dann ist weiterhin mit Schneefall und gefrierendem Regen zu rechnen, aber die Auswirkungen sollen nach aktuellem Stand nicht mehr ganz so gravierend sein.
Die sehr milde Luft spiegelt sich am morgigen Sonntag dann auch bei den Höchstwerten wieder. In der Südwesthälfte werden 6 bis 13 Grad erreicht, während in der Nordosthälfte -1 bis +5 Grad erreicht werden. Von Südwesten frischt zudem der Südwestwind auf, der insbesondere im Schwarzwald zeitweise stürmisch über die Gipfel pfeifen wird.

DWD Ungemuetliches Sternsingen 2

Am Montag geht es dann insbesondere in der Westhälfte unschön weiter. Aus dichter Bewölkung fällt schauerartiger Regen, der im Stau der Mittelgebirge auch länger anhält. Bei 9 bis 16 Grad wird es zwar sehr mild, allerdings sorgt in Böen stürmischer Südwest- bis Westwind sicherlich für wenig Begeisterung bei den Sternsingern. Im Südosten bleibt es hingegen trocken und windschwach. Zudem kann sich die Sonne zeitweise zeigen, aber bei 4 bis 8 Grad ist es dort temperaturtechnisch nicht ganz so angenehm.
Im Großen und Ganzen lässt sich also sagen, dass es die Sternsinger auf ihren diesjährigen Touren eher ungemütlich haben. Sie würden sich daher sicherlich darüber freuen, wenn ihnen die Türen geöffnet werden und sie sich wenigstens für kurze Zeit in den Hausfluren oder auch Wohnzimmern aufhalten könnten.

M.Sc. Meteorologin Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.01.2025

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Deutschlandwetter im Jahr 2024

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im Jahr 2024*

Platz

Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Waghäusel-Kirrlach Baden-Württemberg 12,7 °C +2,4 Grad
2 Ohlsbach Baden-Württemberg 12,5 °C +2,9 Grad
3 Frankfurt/Main-Westend Hessen 12,5 °C +2,2 Grad

Besonders kalte Orte im Jahr 2024*

Platz

Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Kahler Asten Nordrhein-Westfalen 7,5 °C +2,6 Grad
2 Carlsfeld Sachsen 7,5 °C +3,1 Grad
3 Zinnwald-Georgenfeld Sachsen 7,5 °C +3,2 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im Jahr 2024**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Baiersbronn-Ruhestein Baden-Württemberg 2682,9 l/m² 134 %
2 Ruhpolding-Seehaus Bayern 2351,6 l/m² 105 %
3 Aschau-Stein Bayern 2314,6 l/m² 106 %

Besonders trockene Orte im Jahr 2024**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Prenzlau Brandenburg 443,2 l/m² 88 %
2 Grünow Brandenburg 472,7 l/m² 98 %
3 Trollenhagen Mecklenburg-Vorpommern 478,2 l/m² 89 %

Besonders sonnenscheinreiche Orte im Jahr 2024**

Platz Station Bundesland Sonnenschein Anteil
1 Oschatz Sachsen 2027 Stunden 126 %
2 Berlin-Dahlem Berlin 2007 Stunden 124 %
3 Nossen Sachsen 1998 Stunden 144 %

Besonders sonnenscheinarme Orte im Jahr 2024**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Lüdenscheid Nordrhein-Westfalen 1363 Stunden 101 %
2 Kleiner Feldberg/Taunus Hessen 1397 Stunden 96 %
3 Bad Marienberg Rheinland-Pfalz 1416 Stunden 97 %

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.

Die Sonnenscheindauer wird seit August 2024 teilweise aus Satellitendaten abgeleitet.

* Jahresmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt
(int. Referenzperiode 1961-1990).

** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen
Jahresmittelwertes zum vieljährigen Jahresmittelwert der
jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

Hinweis:
Einen ausführlichen Rückblick für ganz Deutschland und
alle Bundesländer finden Sie im Internet unter

Meteorologe Denny Karran
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Offenbach, 03.01.2025
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