Deutschlandwetter im März 2025

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland. 

Besonders warme Orte im März 2025* 

Platz  Station  Bundesland  durchschnittliche Temperatur  Abweichung 
1  Bad Bergzabern  Rheinland-Pfalz  8,8 °C  +3,3 Grad 
2  Essen-Bredeney  Nordrhein-Westfalen  8,6 °C  +3,5 Grad 
3  Frankfurt (Main)-Westend  Hessen  8,6 °C  +2,5 Grad 

Besonders kalte Orte im März 2025* 

Platz  Station  Bundesland  durchschnittliche Temperatur  Abweichung 
1  Deutschneudorf-Brüderwiese  Sachsen  2,7 °C  +2,0 Grad 
2  Carlsfeld  Sachsen  3,0 °C  +3,8 Grad 
3  Zinnwald-Georgenfeld  Sachsen  3,3 °C  +4,3 Grad 

Besonders niederschlagsreiche Orte im März 2025** 

Platz  Station  Bundesland  Niederschlagsmenge  Anteil 
1  Marktschellenberg  Bayern  150,2 l/m²  130 % 
2  Anger-Stoißberg  Bayern  144,4 l/m²  104 % 
3  Berchtesgaden  Bayern  144,2 l/m²  170 % 

Besonders trockene Orte im März 2025** 

Platz  Station  Bundesland  Niederschlagsmenge  Anteil 
1  Geldern-Walbeck  Nordrhein-Westfalen  1,4 l/m²  2 % 
2  Kleve  Nordrhein-Westfalen  1,5 l/m²  3 % 
3  Emsbüren-Ahlde  Niedersachsen  1,5 l/m²  3 % 

Besonders sonnenscheinreiche Orte im März 2025** 

Platz  Station  Bundesland  Sonnenschein  Anteil 
1  Celle-Wietzenbruch  Niedersachsen  240 Stunden  229 % 
2  Uelzen  Niedersachsen  240 Stunden  237 % 
3  Bergen  Niedersachsen  240 Stunden  228 % 

Besonders sonnenscheinarme Orte im März 2025** 

Platz  Station  Bundesland  Sonnenscheindauer  Anteil 
1  Oberstdorf  Bayern  137 Stunden  108 % 
2  Elzach-Fisnacht  Baden-Württemberg  139 Stunden  137 % 
3  Oy-Mittelberg-Petersthal  Bayern  144 Stunden  111 % 

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt. 

Die Sonnenscheindauer wird seit August 2024 teilweise aus Satellitendaten abgeleitet. 

* Monatsmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt
(int. Referenzperiode 1961-1990). 

** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen
Monatsmittelwertes zum vieljährigen Monatsmittelwert der
jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent). 

Hinweis:
Einen ausführlichen Monatsrückblick für ganz Deutschland und
alle Bundesländer finden Sie im Internet unter www.dwd.de/presse 

Diplom-Meteorologe Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Offenbach, 02.04.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

Aprilscherze, aber (wohl) nicht beim Wetter!

Jeder kennt sie und viele wurden auch schon von den sogenannten Aprilscherzen „aufs Glatteis“ geführt. Als Aprilscherz bezeichnet man dabei den Brauch, die Mitmenschen zum Start in den April durch erfundene oder verfälschte Geschichten oder Erzählungen in die Irre zu führen. Die Scherze zum 1. April sind deutschlandweit bekannt und haben ihre Ursprünge weit in der Vergangenheit. Diese Tradition konnte sich mit der Zeit sogar über die meisten europäischen Länder sowie auch Nordamerika verbreiten. Als Ausgangspunkt des Aprilscherzes werden Bayern oder aber auch Frankreich überliefert. 

Eine mögliche Erklärung für die Aprilscherze führt uns zurück in das Jahr 1530, in welchem der Augsburger Reichstag für die Vereinheitlichung am 1. April einen „Münztag“ ankündigte, der schließlich viele Spekulanten auf den Plan rief. Da der „Münztag“ jedoch ausfiel und die Spekulanten ihr eingesetztes Geld verloren, wurden sie damals zum Gespött und als Narren ausgelacht. Weil die Redensart vom „in den April schicken“ in einer Quelle erstmals im Jahre 1618 erwähnt wurde und es nach Überlieferungen durchaus eine gewisse Nähe zu dem beschriebenen Ereignis aus Augsburg gibt, könnten die Geschehnisse aus dem Jahre 1530 den Ausgangspunkt für die Aprilscherze in Deutschland darstellen. 

Eine weitere Erklärung führt uns nach Frankreich, wo angeblich die Kalenderreform von Karl IX der Auslöser für die Aprilscherze sein soll. Karl IX verfügte im Jahre 1564, dass der Jahreswechsel vom 1. April auf den 1. Januar vorgeschoben werden solle. Da sich diese Änderung nur zögerlich verbreitete und nicht in alle Regionen seines Reiches vordrang, feierten viele Bürger zunächst weiter zum 1. April den Jahreswechsel und wurden schließlich vom anderen Teil der Gesellschaft verspottet. Diese Geschehnisse waren danach so in den Köpfen der Bürger eingebrannt, dass sie sich über Generationen überlieferten und schließlich als Ursprung für unsere heutigen Aprilscherze in Frage kommen. 

Insgesamt konnte aber bis heute kein genauer Ursprung der Aprilscherze festgehalten bzw. erörtert werden. Gesichert ist dem Theologen M. Becker-Huberti zufolge nur, dass es im Volksglauben seit der Antike eine Vielzahl an angeblichen Unglückstagen gab und gibt, zu denen schließlich auch der 1. April gehört. 

Häufig ist auch das Aprilwetter zu Scherzen aufgelegt. Denn der April ist für manche Wetterkapriolen bekannt. Der Grund in dem häufig wechselhaften Wetter mit Sonne sowie blauem Himmel und Schauern sowie kurzen Gewittern, die bei kühler Witterung auch Schnee oder Graupel bringen, liegt in den recht großen Temperaturgegensätzen zwischen den nördlichen Breiten und den tropischen Gebieten begründet. In den nördlichen Breiten kühlen noch Schnee und kalte Meere, während am Himmel die stärker werdende Sonne die südlichen Regionen und Landflächen schon kräftig erwärmt. Die Temperaturgegensätze zwischen Polregion und Tropen fördert schließlich die Tiefdruckentwicklung und die Erwärmung der Landflächen im Vergleich zur Umgebungsluft stützt die Konvektion. 

Aprilscherze aber wohl nicht beim Wetter teil 1

Prognostizierte Wetterlage vom 1. April 2025 mit Hoch NOEMI über der Nordsee, Tiefdruckgebiete ziehen resultierend über den Mittelmeerraum und das Nordmeer. (Quelle: DWD-TKB) 

Dieses Jahr zeigt sich das Wetter zum Start in den April aber weniger typisch. Insgesamt dominieren analog zum vergangenen März überwiegend kräftige, stationäre Druckgebiete, die meist beständiges Wetter produzieren und allenfalls vorübergehend, wie in den letzten Tagen beobachtet, kurze unbeständige Phasen zulassen. In den ersten Apriltagen ist es also Hoch NOEMI, welches über der Nordsee thront und weiter Teile von Nordwest-, West- und Mitteleuropa mit ruhigem und sonnigem Wetter versorgt (vgl. Abb. 1). Tiefdruckgebiete müssen demnach wieder nach Süden und Norden ausweichen. Entsprechend turbulent und niederschlagsreich kann es in Teilen des Mittelmeerraums sowie der Region von Island bis nach Nordwestrussland zugehen. Hierzulande sorgt das Hoch jedoch für eine anhaltende Trockenheit. Vor allem in der Nordhälfte sind bis Ende März unter Berücksichtigung der aus dem Radar abgeleiteten, aufsummierten Niederschläge meist nur 1 bis 120 l/qm, in der Südwesthälfte 100 bis 300, im Schwarzwald bis 500 l/qm gefallen (vgl. Abb.. 2a). Setzt man diese Mengen jedoch in den klimatischen Kontext der ersten drei Monate des Jahres, wird das Niederschlagsdefizit so richtig deutlich. Demnach fielen nur in Teilen Hessens, von Rheinland-Pfalz sowie des Oberrheins, der Alb und Schwabens normale bzw. leicht überdurchschnittliche Niederschlagsmengen. Im Norden, in Mitteldeutschland sowie Teilen des Westens wurden dagegen nur 30 bis 70 % des üblichen Niederschlags erreicht (vgl. Abb. 2b). 

Aprilscherze aber wohl nicht beim Wetter teil 2

Vom Radar abgeleitete, aufsummierte Niederschlagsmengen von Januar bis Ende März links und prozentuale Abweichung der Niederschlagsmenge bezüglich des vieljährigen Mittels seit Jahresbeginn rechts. (Quelle: DWD-VBZ) 

Bis Freitag wird sich aufgrund von NOEMI, die ihren Schwerpunkt langsam in das Seegebiet westlich von Norwegen verlagert, aber Deutschland dennoch weiter voll im Griff hat, aus Wetter- und Niederschlagssicht nicht viel ändern. Nach Abklingen letzter Niederschläge an den Alpen setzt sich ruhiges, meist sonniges und trockenes Wetter durch. Allenfalls im Südwesten wird der freundliche Wettercharakter von einem ruppigen Wind vorübergehend gestört. Denn dort grüßt für zwei Tage die Bise, welche am Dienstag und Mittwoch sogar recht großräumig daherkommt und von der Eifel bis zum Oberrhein und weiter bis zum Hochrhein und dem Alpenrand für starke bis stürmische Böen, im Schwarzwald auch Sturmböen sorgt (vgl. Abb. 3). Als weitere warnwürdige meteorologische Parameter sind dann wohl nur der lokale Frost und örtlicher Nebel ein Thema. Erst am Freitag sorgt eine schwache Kaltfront evtl. am Erzgebirge sowie im Umfeld von Oder und Neiße für ein paar Tropfen. Nennenswerte Niederschläge stehen aber derzeit erst wieder ab Samstag in der Osthälfte, ab Montag allmählich auch in den restlichen Regionen des Landes auf der Agenda. Bis dahin fließt aber noch viel oder derzeit wohl eher weniger Wasser den Rhein hinab, das bedeutet, die mittel- und langfristigen Prognosen sind noch mit teils größeren Unsicherheiten versehen. 

Aprilscherze aber wohl nicht beim Wetter teil 3

Warnkarte mit den Windwarnungen der großräumigen Bise im Südwesten für den 1. April. (Quelle: DWD) 

Dipl. Met.Lars Kirchhübel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.04.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
 

 

 

Wettercasts

Es ist Montag, der 31. März 2025 um 07:12 Uhr mitten in einer beliebigen Metropolregion in Deutschland. Die S-Bahn ist dicht gefüllt, der morgendliche Berufsverkehr läuft gerade zur Höchstform auf. Zahlreiche Schüler wollen (oder müssen) rechtzeitig den Weg in ihre Klasse finden; Eltern mal wieder mit ein paar Minuten Verspätung die Kleinen in der Kita abliefern und anschließend zur Arbeit hetzen; der ein oder andere Rentner hat einen wichtigen Termin und der Schichtarbeiter freut sich nach anstrengender Nacht, wenn er endlich im heimischen Bett angelangt ist. Was sie alle eint, wenn man den Blick im Zug schweifen lässt: Das Smartphone als ständigen Begleiter vor der Nase. Alle? Nicht ganz. Ein kleines Grüppchen hält es da noch „klassisch“: Liest ein Buch, macht entspannt die Augen zu und döst oder hört Musik. Oder ist es gar keine Musik? Nein ist es ein Interview, eine Debatte oder eine spannende Geschichte, deren Fortsetzung man schon sehnsüchtig erwartet hat. Es handelt sich um einen Podcast. 

Nun wollen wir nicht gleich den Vergleich zu Asterix und Obelix ziehen, denn so klein ist dieses Grüppchen in Wirklichkeit gar nicht, als dass es in das berühmte Gallische Dorf passen würde. Laut den neuesten Zahlen einer ARD/ZDF-Medienstudie aus 2024 nutzt immerhin rund ein Drittel der Bevölkerung ab 14 Jahren regelmäßig das Audioformat (seltener auch Videoformat). Das Wort Podcast setzt sich aus den Wörtern „pod“ (playable on demand = jederzeit auf Abruf abspielbar) und „broadcast“ (Rundfunk-)Sendung zusammen. Einige Quellen bringen auch den ipod, Apples kompaktem MP3-Player, als Namensgeber ins Spiel. Dessen „pod“ bezog sich eher auf die auf die weißen EVA-Pods des Raumschiffs Discovery One aus dem Science-Fiction-Klassiker „2001: Odyssee im Weltraum“ und den Satz „Open the pod bay doors, Hal!“ (Öffne die Türen des Kapseldecks, Hal), an die Entwickler Vinnie Chieco bei dessen Anblick zuerst denken musste. 

Die Nutzerzahlen der abrufbaren Hörbeiträge sind vor allem um das Jahr 2020 herum förmlich explodiert. Zum Vergleich: 2006 nutzen gerade einmal 4 % der Leute regelmäßig Podcasts, heutzutage wie erwähnt rund ein Drittel also circa 33 % der Deutschen ab 14 Jahren und damit rund 23 Millionen Menschen. In jüngster Vergangenheit haben sich die Zahlen auf diesem Niveau konsolidiert. Schaut man sich die unterschiedlichen Altersgruppen einmal genauer an, dann nutzen vor allem jüngere Menschen das vielfältige Medienangebot. Von den 14-29-Jährigen hören 40 % und damit 2 von 5 mindestens wöchentlich Podcasts. Bei den höheren Altersgruppen reduziert sich der Anteil sukzessive, bei den über 70-Jährigen sind es aktuell knapp 5 %. Beim Geschlecht lässt sich dabei keine Präferenz ausmachen, Männer wie Frauen sind als regelmäßige Nutzer in etwa gleichverteilt. Konsumiert wird vorrangig via Smartphone über Plattformen wie Spotify, Audible, Google und Apple Podcasts, die Audiotheken des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und vielen weiteren. Aber auch der Laptop, Smartspeaker oder das Tablet sind willkommene Alternativen. 

Doch was ist das Geheimnis der Podcasts? Was macht sie so attraktiv? Größter Pluspunkt ist wohl die Themenvielfalt bei gleichzeitig maximaler zeitlicher Flexibilität. Aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst und Kultur, Gesundheit, Freizeit und Garten, Sport, Hörspiele für Kinder/Jugendliche und vielen weiteren Themen lässt sich für jeden etwas finden. Diese Form der Informationsweitergabe wird meist sehr konzentriert wahrgenommen, da die „visuelle Ablenkung“ fehlt und die Fantasie angeregt wird. Auch ohne Grafiken lassen sich durch Bildbeschreibungen und Anekdoten beispielsweise komplexe Themen verständlich transportieren. Für die jüngere Generation steht Unterhaltung und Comedy als Inhalt im Vordergrund. Ab 30 Jahren aufwärts gewinnen zunehmend Infosendungen und Wissensvermittlungen an Gewicht. Man steht überraschend doch im Stau und weiß nicht, wann und wie es weitergeht? Mit einem Podcast lässt sich die Wartezeit gut überbrücken. Auch im öffentlichen Nahverkehr, beim Spazierengehen sowie beim Sport ist die Nutzung sehr beliebt. 

Wettercasts teil 1

Logo des Podcasts „Windstärke 12“ der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft (DMG) ( Quelle: DMG) 

Auch im Bereich der Meteorologie wächst das Angebot stetig. So gibt es nicht nur den Klassiker: Wetter und Klima – was ist das eigentlich?“ der Reihe „Was Ist Was“, sondern beispielsweise auch „Wetter, Wissen, Was“ von wetter.com, „Die Wetterpropheten – Wie Meteorologen Sonne und Regen vorhersagen“ von radioWissen oder der „Extrem Wetter Podcast“ mit Frank Böttcher. Auch die Deutsche Meteorologische Gesellschaft (DMG) bietet neuerdings eine Podcastreihe mit dem Namen „Windstärke 12“ an. Darunter eine der 4 Episoden: „Über Wetter und Klima reden: Klimakommunikation“ mit ARD-Meteorologe Karsten Schwanke. Na, neugierig geworden? Probieren sie es doch einfach mal aus, die meisten Podcasts gibt es kostenlos. 

Dipl.-Met. Robert Hausen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 31.03.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Hagelstürme in Europa

Auch wenn das aktuelle Wetter an diesem Wochenende und zu Beginn der kommenden Woche teils noch spätwinterliche Züge aufweist, ist der Frühling nicht mehr aufzuhalten. Mit den steigenden Temperaturen erhöht sich auch die Gefahr von kräftigen Gewittern mit Hagel. Laut Definition handelt es sich bei Hagel um Eiskörner mit einem Durchmesser von mindestens 0,5 Zentimetern. Sind die Eiskörner kleiner, spricht man von Graupel. Gewitter mit Graupel kommen im Winterhalbjahr häufig bei einer ähnlichen Großwetterlagenkonstellation wie am heutigen Sonntag vor. Dabei fließt vor allem in der Höhe polare Kaltluft ein. Dadurch ergeben sich große Temperaturunterschiede zwischen dem Erdboden und der mittleren Troposphäre, wodurch Gewitterwolken entstehen können. Dies kann am heutigen Sonntag stellenweise auch in der Nordosthälfte beobachtet werden. 

Für Hagel sind die Aufwinde innerhalb der Gewitterwolke im Winter aber meist zu schwach. Damit sich dieser bilden kann, benötigt es eine energiereiche Luftmasse mit einem hohen Feuchtegehalt. Ein Maß, das in der Meteorologie dazu verwendet wird, ist die maximale verfügbare potentielle Energie (CAPE). Über diese Größe erhält man eine Abschätzung der Aufwindgeschwindigkeiten innerhalb einer hochreichenden Gewitterwolke. Für die Abschätzung der Hagelgröße ist zudem auch die vertikale Windscherung (Windgeschwindigkeits- und Richtungsänderung mit der Höhe) von großer Bedeutung. Großer bis sehr großer Hagel ist nur in Verbindung mit langlebigen Gewitterzellen möglich. Deshalb tritt Hagel mit Korndurchmessern über 5 cm auch ausschließlich innerhalb von Superzellen in einer Umgebung mit einer hohen vertikalen Windscherung auf. 

Abbildung 1 zeigt die Häufigkeit an Hagelereignissen in Europa. Erwartungsgemäß tritt Hagel in Mittel- und Südeuropa öfter auf als in Nordeuropa, da dort im Jahresverlauf häufiger energiereiche Luftmassen vorherrschend sind. Zudem ist erkennbar, dass vor allem im Bereich der Gebirge Hagelereignisse sehr oft vorkommen. Ein Maximum ergibt sich in Nordspanien rund um die Pyrenäen sowie nördlich und südlich der Alpen. In Deutschland gibt es ein deutliches Süd-Nord-Gefälle. Dies liegt neben dem im Sommerhalbjahr wärmeren Klima auch an der Orographie. Dort bilden sich häufig im Lee der Alpen und der süddeutschen Mittelgebirge wie dem Schwarzwald lokale Konvergenzen aus, die kräftige Gewitter mit Hagel auslösen können. 

Hagelstuerme in Europa teil 1 

Hagelhäufigkeit über Europa für die Periode von 2004 bis 2011. Vor allem im Umfeld großer Gebirge über Mitteleuropa ist ein Maximum zu erkennen. 

Auch bei der räumlichen Verteilung der maximalen Hagelkorngröße spielt die Orographie eine entscheidende Rolle. Vor allem die Anrainerstaaten der Alpen verzeichnen schwere Gewitter mit sehr großem Hagel. Davon ist beispielsweise Süddeutschland, Tschechien oder auch Norditalien betroffen. Erst im Juli 2023 wurde in Venetien in Norditalien ein Hagelkorn mit einem unglaublichen Durchmesser von 19 cm entdeckt (nicht abgebildet). Dies ist bis heute der Europarekord! Aber auch im Mittelmeerraum wie beispielsweise in Mittelitalien oder in Südspanien trat in der Vergangenheit bereits sehr großer Hagel um 10 cm auf. Dort wird dieser allerdings im Gegensatz zu Mitteleuropa aufgrund des Jahresgangs der Wassertemperaturen vor allem im Herbst beobachtet. Diese Daten stammen von Meldungen aus der European Severe Weather Database (ESWD). Da es in ländlichen Regionen prinzipiell weniger Meldungen gibt, können die tatsächlichen Zahlen leicht davon abweichen. 

Hagelstuerme in Europa teil 2

Maximale Größe der Hagelkörner bis 2015 in Europa. Die Daten stammen aus der European Severe Weather Database (ESWD). 

Welchen Einfluss hat die globale Erwärmung auf die Hagelhäufigkeit und die maximale Hagelkorngröße bei schweren Hagelereignissen?
Grundsätzlich erhöht sich mit einer zunehmenden Erderwärmung das Potenzial für Hagel. Allerdings benötigt es für größeren Hagel nicht nur eine warme und sehr feuchte Luftmasse sowie einen Hebungsantrieb. Auch die Änderungen der Strömungskonfiguration und mikrophysikalische Prozesse innerhalb einer Gewitterwolke haben darauf einen entscheidenden Einfluss. Eine kürzlich erschienene Studie zeigt bei einer globalen Erwärmung von 3 Kelvin gegenüber dem vorindustriellen Zeitraum eine Abnahme der Hagelhäufigkeit über Westeuropa und eine Zunahme über Mittel- und Osteuropa. Großer Hagel kommt demnach über weite Teile Europas in Zukunft häufiger vor. Dies würde auch in Deutschland das Gefährdungspotenzial durch Hagel in den nächsten Jahrzehnten deutlich erhöhen. 

Hagelstuerme in Europa teil 3

Trends in der Hagelhäufigkeit (oben) und in der Häufigkeit von großem Hagel (unten) für Europa. Über Deutschland zeigt sich mit Ausnahme des Nordwestens sowohl für die Hagelhäufigkeit als auch für die Häufigkeit von großem Hagel eine Zunahme. 

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 30.03.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Gekonntes Täuschungsmanöver

Am heutigen Samstagvormittag entschied sich der Autor dieses Textes dazu, einen Radar- und Satellitenfilm auf Social Media zu veröffentlichen, der die aktuelle Bewölkungs- und Niederschlagssituation in Deutschland zeigte. Hintergrund war die heute Mittag stattgefundene partielle Sonnenfinsternis, genauer genommen eine Einschätzung, wo man gute und wo schlechte Karten haben wird, das Himmelsspektakel zu verfolgen. Darauf folgte ein Kommentar, dass es laut Radar in der Region des Nutzers gerade regnen würde, dies aber in Wirklichkeit nicht der Fall sei. 

Tatsächlich zeigte das Radarbild etwa von Franken über Westsachsen bis ins südliche Brandenburg recht verbreitet leichte Niederschläge, allerdings meldeten die Wetterstationen keinen Tropfen. Im Süden gab es laut Radar ebenfalls großflächig Niederschlagssignale, die dort dagegen aber durch zahlreiche Stationsmessungen belegt wurden. 

Gekonntes Taeuschungsmanoever teil 1 

Radar- und Satellitenbild sowie einstündige Niederschlagsmenge vom 29.03.2025, 11 Uhr (MEZ). Quelle: DWD 

Was war denn da nun bitte los? Radar kaputt? Niederschlagsmesser defekt? Nein, beides falsch! Den Grund dafür findet man bei Betrachtung der vertikalen Schichtung der unteren Atmosphäre, genau genommen den Verlauf von Lufttemperatur und -feuchtigkeit mit der Höhe. Dafür nutzt man sogenannte Radiosonden. Bei einer Radiosonde handelt es sich um ein Gerät, das mit einem Sender und mehreren Messfühlern ausgestattetet ist. Angebunden an einen mit zumeist Heliumgas gefüllten Gummiballon, steigt die Radiosonde mit rund 300 Metern pro Minute in die Luft auf und misst dabei stetig Luftdruck, -feuchte und -temperatur sowie indirekt durch die Windverlagerung auch Geschwindigkeit und Richtung des Windes. Diese Daten werden über den Sender direkt an die Empfangsstation am Boden übermittelt. Kurz darauf stehen sie schließlich uns Meteorologen grafisch aufbereitet zur Verfügung und liefern zudem neben vielen weiteren Beobachtungsdaten die Basis für die Prognosen unserer Wettermodelle. Weitere Infos zu Radiosondenaufstiegen finden Sie zum Beispiel im Thema des Tages vom 03.07.2020. 

Da im „trügerischen“ Niederschlagsbereich kein Radiosondenaufstieg zur Verfügung steht, schauen wir uns doch einfach einmal einen auf Prognosedaten beruhenden Aufstieg aus dieser Region an, in diesem Fall aus Oberfranken von 11 Uhr. Kurz zur Orientierung: Auf der linken Vertikalachse ist der Luftdruck in hPa und auf der Horizontalachse unten die Temperatur in Grad Celsius aufgetragen. Die Temperatur bleibt dabei entlang der roten Linien, die von unten nach schräg-rechts-oben verlaufen, konstant. Die Null-Grad-Linie ist blau eingefärbt. Den vertikalen Verlauf der Lufttemperatur stellt nun die durchgezogene schwarze Linie dar und der Taupunkt (Maß für die Luftfeuchtigkeit) wird durch die gestrichelte schwarze Linie repräsentiert. Liegen die beiden Linien, also Temperatur und Taupunkt, nah beieinander, ist die relative Luftfeuchtigkeit hoch, sind sie weit voneinander entfernt, ist sie niedrig. 

Gekonntes Taeuschungsmanoever teil 2

Vertikaler Verlauf von Temperatur (schwarze, durchgezogene Linie) und Taupunkt (schwarze, gestrichelte Linie) aus Oberfranken am 29.03.2025, 11 Uhr (MEZ). Quelle: DWD 

Verfolgt man die beiden Linien des Aufstiegs von oben nach unten, stellt man fest, dass sie zunächst relativ nah beieinander liegen, die relative Luftfeuchtigkeit also recht hoch ist. Erst ab etwa 750 hPa beginnen sie stark auseinanderzugehen mit einem Maximalabstand bei etwa 800 hPa (grob 2 km Höhe). Hier ist die Luft also relativ trocken und das ist der entscheidende Punkt: Der Regen, der sich darüber entwickeln konnte, hatte es nicht durch diese trockene Schicht geschafft, sondern ist verdunstet und kam daher nicht am Boden an. 

Durch die Verdunstung konnte diese trockene Luft zwar in den Folgestunden allmählich noch etwas angefeuchtet werden, am Boden kam aber trotzdem nichts mehr an, nun aber hauptsächlich deshalb, weil der Niederschlag mittlerweile abgeklungen war. 

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 30.03.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Neues satellitengebundenes Blitzmesssystem hilfreich für Wetterwarnungen?

Die konvektive Saison mit Gewittern jeglicher Intensität hat bereits begonnen. Vom vergangenen Sonntag bis Dienstag gab es die ersten, teils intensiven Gewitter in diesem Frühling. Die meisten Gewitter treten in Deutschland zwischen Mai und August auf. Eines können wir Vorhersagemeteorologen des Deutschen Wetterdienstes kaum erwarten: die Nutzung der Satellitenbilder und der Blitzdaten der neuen Satellitengeneration Meteosat Third Generation (MTG). Voraussichtlich wird diese Satellitengeneration unsere Gewittervorhersagen und -warnungen in Zukunft verändern. 

Neues satellitengebundenes Blitzmesssystem hilfreich fuer Wetterwarnungen teil 1 1 1

Mammatuswolken und Blitz an einer Superzelle bei Sanderson/Texas, USA im Mai 2023. Quelle: Felix Dietzsch  

MTG ist ein geostationäres Satellitensystem, das – an einem festen Punkt über dem Äquator positioniert – aus 36.000 km Höhe über der Erde Europa, Afrika und deren angrenzende Regionen kontinuierlich im Blick behält. Zwar sind die Produkte des MTG noch nicht operationell im Einsatz, stehen aber für die Evaluierung bei den Wetterdiensten zur Verfügung.
Auf die neuen Satellitenprodukte wurde Mitte Februar in einem Tagesthema unseres Kollegen Christian Herold genauer eingegangen. Mit diesen Bildern ist unter anderem das Verfolgen von Gewittern nahezu in Echtzeit und mit deutlich höherer Genauigkeit möglich. Im heutigen Tagesthema soll aber ein Blick auf das neue Blitzmesssystem geworfen werden.
Mit dem Lightning Imager an Bord von MTG werden seit vergangenem Jahr über Europa und Afrika bis nach Südamerika und in den Nahen Osten Blitzdaten gesammelt. Dies geschieht über vier hochfrequente und sehr empfindliche Kameras. Diese detektieren Blitze als optische Lichtimpulse. Im Grunde „sieht“ der Lightning Imager von oben, dass eine Wolke hell wird und flackert. So können Anzahl, aber auch räumliche und zeitliche Ausdehnung sowie die Intensität der Blitze gemessen werden. Eine solche Art der Detektion ist bereits seit Jahren unter anderem über Nord-, Mittel- und Südamerika und den angrenzenden Ozeanen im Einsatz. Nun gibt es solch ein System auf für diese Seite der Erdkugel.
 

In Europa waren bisher nur bodengebundene Messsysteme im Einsatz. Über zahlreiche Antennen, die in bestimmten Abständen über Europa verteilt stehen, können die elektromagnetischen Impulse der Blitze registriert und über die Laufzeitunterschiede deren Position auf wenige 100 Meter Genauigkeit bestimmt werden. Die gefährlichen Boden-Wolken-Blitze als auch die Blitze innerhalb und zwischen den Wolken können so gut erfasst werden. Nur wenige Blitze werden verpasst. Der satellitengebundene Lightning Imager erfasst ebenfalls alle Blitzarten. Zudem kann die Blitzaktivität von Gewittern nun aber auch über Ozeanen als auch über weite Strecken über Land kontinuierlich überwacht werden, während die Detektion über bodengebundene Messsysteme von der Dichte und Verteilung der Sensoren abhängig ist. Mit dem Lightning Imager kann es allerdings auch passieren, dass Blitze verpasst werden, da die Blitzmessung von einem Satelliten aus von der optischen Dicke der Wolken abhängig ist. Sind Gewitterwolken zu mächtig, kann der Lightning Imager unter Umständen Blitze übersehen. Des Weiteren ist die Detektion der Blitze der Parallaxe unterworfen. Gemeint ist, dass der Lightning Imager an Bord des fest über dem Äquator stehenden Satelliten in höheren Breiten – also unter anderem in Mittel- und Nordeuropa – schräg auf die Erde schaut, wodurch die Position der Blitze dort ungenauer wird. Die Kombination von bodengebundenen und satellitengestützten Blitzmesssystemen ermöglicht eine höhere Effizienz und ist von großem Nutzen. 

Neues satellitengebundenes Blitzmesssystem hilfreich fuer Wetterwarnungen teil 2

Gewitterkomplex im Mai 2023, aufgenommen in Roy/New Mexico, USA. Quelle: Felix Dietzsch 

Wie kann dieses Blitzmesssystem unsere Vorhersagen und Warnungen unterstützen oder verbessern?

Der Umstand, dass nun auch von einem Satelliten aus Blitze erfasst werden, erlaubt uns Vorhersagemeteorologen Gewitter noch umfassender zu erkennen. Zudem ergeben erste Studien folgende Erkenntnisse:
 

In einem sich intensivierenden Gewitter treten in Aufwindregionen sehr viele und insbesondere kurze Blitze auf. Der Lightning Imager kann nicht nur die Anzahl, sondern auch die räumliche Ausdehnung (lange/kurze Blitze) messen. Darüber hinaus kann eine ringförmige Ansammlung von Blitzen um den Aufwindkern in der Nähe von sogenannten „overshooting tops“ (also ein Durchbruch des Aufwinds durch die Tropopause) ein Zeichen für einen extrem starken Aufwind mit einem hohen Potential für großen Hagel und heftigen Starkregen sein. Auch wurde herausgefunden, dass bei in sich zusammenfallenden Gewittern die Blitzlänge zunimmt. Ob uns diese Erkenntnis bei der Erstellung von Warnungen helfen kann, wird die Evaluierung zeigen. 

Forschung wird ebenso hinsichtlich sogenannter „lightning jumps“ (engl. für „Blitzsprünge“) betrieben. Diese beschreiben eine rasche Zunahme der Blitzintensität bzw. der Anzahl an Blitzen und tragen zur Bewertung der Schwere eines Gewitters bei. Solche Blitzsprünge kommen nämlich häufig in schweren Gewittern vor und werden vor allem kurz vor dem Auftreten von (großem) Hagel beobachtet. Unsere Hoffnung ist, dass solche lightning jumps mit dem satellitengebundenen Messsystem noch zuverlässiger detektiert werden können. 

Forschende fanden heraus, dass sich Aufwinde in Gewittern verstärken und auch im Umfang wachsen, kurz bevor die Anzahl an Hagelkörnern innerhalb des Aufwinds sowie die Blitzanzahl zunehmen. Außerdem können in schweren Gewittern mit hohem Schadenspotential häufig mehrere Blitzsprünge beobachtet werden. Also auch die Anzahl an Blitzsprüngen kann einen Hinweis auf die Schwere eines Gewitters geben.
 

Bis es zur operationellen Anwendung der neuen Blitzdaten des Lightning Imagers auf MTG kommt, werden noch einige Monate vergehen. Mit der pre-operationellen Nutzung können wir die neuen Daten aber schon auf Herz und Nieren prüfen. 

Diplom-Meteorologin Julia Tuschy
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.03.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Phantastische Atmosphärenmuster und wo sie zu finden sind

Wer seinen Blick am Abend des vergangenen Montags (24. März 2025) gen Himmel richtete, konnte ein ziemlich ungewöhnliches Phänomen beobachten. Dort war in großer Höhe eine weiß-bläulich leuchtende Spirale zu erkennen. Nun stellt sich natürlich sofort die Frage, wie diese Spirale wohl dort hingekommen sein mag.

Nein, Aliens sind nicht die richtige Antwort. Im Gegenteil, die Antwort lässt sich sogar relativ einfach finden: Verantwortlich ist der Start einer Falcon 9-Rakete der US-Raumfahrtfirma »SpaceX«. Bei dem, was man beobachten konnte, handelte es sich um Rückstände von Raketentreibstoff. Dieser tritt oftmals aus, wenn sich einzelne Stufen der Rakete voneinander trennen. Aber bei weitem nicht immer sind dann diese Rückstände in Form spezieller Muster zu erkennen. Damit man diese beobachten kann, müssen mehrere Bedingungen zusammentreffen.

Damit die Muster überhaupt sichtbar werden, muss der abgelassene Treibstoff gefrieren. Bei diesem handelt es sich um eine spezielle Art von Kerosin, der erst bei bestimmten Temperaturen gefrieren kann. Das wiederum setzt voraus, dass die Atmosphäre an dieser Stelle kalt genug ist, damit der Treibstoff überhaupt gefriert. Im aktuellen Fall wurde die entsprechende Raketenstufe in einer Höhe von etwa 80 km abgetrennt. Dort befindet sich der obere Rand der Mesosphäre mit dem Temperaturminimum bezüglich der vertikalen Ausdehnung der Atmosphäre. Die Temperaturen liegen hier im Durchschnitt bei etwa -90°C, sind allerdings stark jahreszeitenabhängig.

Eine weitere Bedingung für die Sichtbarkeit solcher Erscheinungen ist der entsprechend günstige Sonnenstand. Die gefrorenen Kristalle müssen noch von Sonnenlicht beschienen werden, damit sie überhaupt sichtbar werden. Gleichzeitig muss es am Boden bereits dunkel genug sein, damit die vom Restsonnenlicht beschienenen Kristalle sichtbar sind. Daraus ergibt sich ein begrenztes Zeitfenster in den späteren Abend- bzw. frühen Morgenstunden – je nach Jahreszeit und damit verbundenem Sonnenstand.

Doch warum trat diese Leuchterscheinung in Spiralform auf? Die Erklärung hierfür ist, dass das Raketenteil nach dem Lastabwurf und dem damit verbundenen Impuls um eine seiner Achsen rotierte und der Treibstoff damit kreisförmig verteilt wurde. Und zu guter Letzt noch die Frage, warum diese Spirale bläulich leuchtete. Die Antwort hierfür ist in den Gesetzmäßigkeiten der Lichtstreuung zu finden. Die gefrorenen Partikel sind klein genug im Verhältnis zur Wellenlänge des einfallenden Sonnenlichtes. Dadurch wird der blaue Lichtanteil stärker gestreut als der rote (was auch der Grund ist, warum der Himmel tagsüber blau ist), sodass für unser Auge die entstandene Spirale blau leuchtet. 

Phantastische Atmosphaerenmuster und wo sie zu finden sind teil 1

Abbildung 1: Die Leuchtspirale, aufgenommen am Abend des Montag, 24. März 2025 in Schleswig-Holstein. Quelle: Jens Schaal, mit freundlicher Genehmigung. 

M.Sc. (Meteorologe) Felix Dietzsch
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.03.2025
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Das Wetter zur partiellen Sonnenfinsternis

Bei einer partiellen Sonnenfinsternis wird nur ein Teil der Sonne vom Mond verdeckt. Sie entsteht, wenn sich der Mond zwischen Erde und Sonne schiebt, die Sonne aber nur teilweise verdeckt. Dabei wirft der Mond einen Schatten auf die Erde, der jedoch aus zwei Teilen besteht: dem Kernschatten und dem Halbschatten. Von einer partiellen Sonnenfinsternis spricht man, wenn sich ein Beobachter auf der Erde im Halbschatten befindet, sodass die Sonne nicht vollständig, sondern nur teilweise verdeckt wird. Dies geschieht nur bei Neumond, wenn sich der Mond in einer bestimmten Position zwischen Erde und Sonne auf seiner Umlaufbahn befindet. Während im Kernschatten eine totale Sonnenfinsternis sichtbar wäre, erleben die Menschen im Halbschatten nur eine partielle Verdunkelung der Sonne. Je nachdem, wo man sich auf der Erde befindet, kann die Verdeckung der Sonne unterschiedlich stark ausfallen. Sie kann entweder als eigenständiges Phänomen auftreten oder als Randbereich einer totalen Sonnenfinsternis. 

Das Wetter zur partiellen Sonnenfinsternis teil 1

Uhrzeit der größten Verfinsterung und Bedeckungsgrad der Sonne. 

Sonnenfinsternisse beeinflussen auch unser Wetter. So kann die Temperatur während einer totalen Sonnenfinsternis um bis zu 10 Grad sinken. Der Temperaturrückgang wird am Samstag aber kaum spürbar sein, da die Bedeckung der Sonne nur von etwa 10 % im Südosten Deutschlands bis 22 % im Nordwesten reicht.

Die Sonnenfinsternis sollte nur mit geeignetem Augenschutz wie einer speziellen Sonnenfinsternisbrille beobachtet werden. Andernfalls besteht die Gefahr von Augenschäden. Normale Sonnenbrillen, geschwärzte Gläser etc. sind nicht geeignet. Wer keine geeignete Brille hat, kann die nächste Sternwarte aufsuchen und die Sonnenfinsternis mit professionellen Instrumenten beobachten. Denn am Samstag ist auch der Tag der Astronomie, an dem viele Sternwarten ihre Pforten für die Sonnenfinsternis öffnen.

Leider dürfte das Wetter in vielen Teilen Deutschlands nicht mitspielen, denn eine Kaltfront bringt dichte Wolken. Besonders schlecht sieht es am Alpenrand aus. Dort sorgt eine Nordstaulage für anhaltenden Regen. Aber auch im Süden und in der Mitte bleiben die Wolken meist dicht. Am besten sind die Chancen aus heutiger Sicht im äußersten Norden, in der nördlichen Mitte und teilweise auch im Nordwesten. Dort können größere Auflockerungen die Sonne zum Vorschein bringen. 

Das Wetter zur partiellen Sonnenfinsternis teil 2 

ICON-6 Bedeckungsgrad für Samstag, 29.03.2025 um 12 Uhr 

Dipl. Met. Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.03.2025
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Rekordverdächtiger US-Tornado-Outbreak vom 14. bis 16.03.2025

Im Thema des Tages vom 15.03.2025 stellte unser Kollege Thore Hansen bereits die mitunter extremen Wetterverhältnisse vor, die zu dieser Zeit in weiten Teilen der USA herrschten. Von großflächigen Sandstürmen mit Orkanböen über schwere Gewitter mit zahlreichen Tornados und Großhagel bis hin zu extremen Schneefällen war alles geboten, was die Wetterküche so auf den Tisch zaubern konnte. Im Folgenden wollen wir uns konkret mit dem vor allem im Mittleren Westen und Südosten der USA aufgetretenen Tornado-Outbreak (deutsch: Tornadoausbruch) beschäftigen. Dieser war schon für sich genommen mehr als bemerkenswert – selbst für die „Tornadohochburg“ USA. Es war der zweitgrößte Ausbruch im März seit Aufzeichnungsbeginn. 

Rekordverdaechtiger US Tornado Outbreak vom 14. bis 16.03.2025 teil 1

Beim Storm Prediction Center eingegangene Tornado- (rot), Böen- (blau) und Hagelmeldungen (grün) zwischen dem 14. und 17.03.2025, jeweils 12 UTC. (Quelle: NOAA, SPC) 

Wie obige Abbildung zeigt, gingen beim Storm Prediction Center (SPC) des US-Wetterdienstes zahlreiche Tornadomeldungen aus der Bevölkerung ein (rot). Dazu gab es eine Vielzahl an Meldungen zu Sturm- und Orkanböen (blau) sowie Hagel (grün). Insgesamt registrierte das SPC also 172 Tornadobeobachtungen, wobei die tatsächliche Anzahl durch Mehrfachsichtungen ein- und desselben Tornados ein gutes Stück niedriger liegt. 

Tatsächlich geht man derzeit von mindestens 112 Tornados aus, von denen der größte Teil am 14. und 15.03. auftrat. Etwas mehr als die Hälfte davon (67) wurde dabei aufgrund der aufgetretenen Schäden den beiden „schwächsten“ Kategorien EF0 und EF1 zugeordnet (entspricht Windgeschwindigkeiten bis 177 km/h). Dazu gab es 31 EF2- (178-217 km/h), 11 EF3- (218-266 km/h) und sogar 3 EF4-Tornados (267-322 km/h). Mehr zur EF- und weiteren Intensitätsskalen finden Sie im Thema des Tages vom 11.04.2024. 

Zum Vergleich: Im Klimamittel (1999-2023) kommt es in den USA im März zu insgesamt 95 Tornados! Dieser Wert wurde nun also innerhalb von nur zwei Tagen erreicht bzw. übertroffen. Das gilt auch für den ein oder anderen Bundesstaat. In Arkansas beispielsweise liegt das Märzmittel bei 4 Tornados. Nun gab es rund 15 Tornados innerhalb von 24 Stunden. In Deutschland sind im Mittel übrigens 50 Tornados zu erwarten – im ganzen Jahr wohlgemerkt. 

Rekordverdaechtiger US Tornado Outbreak vom 14. bis 16.03.2025 teil 2

Mittlere Anzahl an Tornados im März pro Bundesstaat von 1999 bis 2023. (Quelle: NOAA, SPC)  

Der stärkste Tornado dieses Ausbruchs trat mit einer geschätzten Windgeschwindigkeit von bis zu 310 km/h (Rotationsgeschwindigkeit wohlgemerkt) im Nordosten von Arkansas in der Nacht vom 14. auf den 15.03. auf. Er existierte 23 Minuten, legte eine Distanz von rund 23 km zurück und wuchs bis zu einem Durchmesser von etwa 1,6 km an. Seine höchste Windgeschwindigkeit erreichte der Tornado, als er durch den kleinen Ort Diaz fegte und dort für katastrophale Schäden sorgte. Trotz seiner enormen Wucht gab es wie durch ein Wunder außer den massiven materiellen Schäden nur zwei Verletzte. 

Insgesamt forderte der Ausbruch leider mindestens 43 Tote und deutlich mehr Verletzte. Hoffen wir, dass künftige Tornadoausbrüche möglichst ohne Todesopfer einhergehen. Denn dass es weitere Outbreaks geben wird, ist sicher. 

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.03.2025
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Erste Frühlingsgewitter samt lokalem Starkregen

Das vergangene vorletzte Märzwochenende war meteorologisch betrachtet deutlich ereignisreicher als die Woche zuvor, die vor allem durch das beständige Hochdruckgebiet „Konstantina“ geprägt war. Verantwortlich dafür war vor allem das Tiefdruckgebiet „Volker“, das sich vom Ostatlantik her auf den Weg nach Mitteleuropa gemacht hat und nun am heutigen Montagmorgen mit seinem Kern über Ostpolen lag. Auf der Vorderseite des Tiefs wurde sehr milde Mittelmeerluft herangeführt, sodass es am Freitag bei in weiten Landesteilen strahlendem Sonnenschein für Höchstwerte über 20 Grad gereicht hat. Spitzenreiter war Rheinstetten (Baden-Württemberg) mit frühlingshaft warmen 24,0 Grad. 

Erste Fruehlingsgewitter samt lokalem Starkregen teil 1

Höchstwerte in Deutschland von Freitag, den 21.03.2025 bis Sonntag, den 23.03.2025 (Quelle: DWD) 

Auch am Samstag und Sonntag war es noch sehr mild, wenngleich die Höchsttemperaturen nicht mehr an das Niveau vom Freitag heranreichten. Dies lag vor allem an der zunehmenden Bewölkung als auch daran, dass der Wind im Norden und Osten des Landes aus östlichen Richtungen wehte. Dieser war besonders am Samstag recht ruppig unterwegs und nordöstlich einer Linie Münsterland-Westerzgebirge reichte es verbreitet bis ins Flachland für steife Böen zwischen 50 und 60 km/h (Bft 7). 

Erste Fruehlingsgewitter samt lokalem Starkregen teil 2

Maximale Windböen in km/h am Samstag, den 22.03.2025 (Quelle.DWD) 

An den Küsten sowie auf den Bergen und vereinzelt auch im Binnenland traten stürmische Böen und Sturmböen zwischen 65 und 80 km/h (Bft 8-9) auf. In den Alpen gab es Föhn. 

Ein besonderes Augenmerk gilt nun noch dem Niederschlag. Besonders in der Südwesthälfte gab es am Samstag, aber insbesondere ab der Nacht zum Sonntag und am Sonntag selbst, schauerartige Regenfälle sowie einzelne Gewitter. Örtlich trat auch Starkregen auf. Von Samstagfrüh bis Sonntagfrüh fielen im Westen 3 bis 10, lokal um 15 l/m². Am Sonntag gab es dann vorrangig in einem Streifen vom Sauerland über Teile der Mitte bis in die Donauregion sowie vom Ammergebirge bis ins Chiemgau gebietsweise 5 bis 15, lokal auch über 20 l/m². Punktuell wurden mittels Radarauswertungen auch noch höhere Mengen von etwa 40 l/m² gemessen. Die höchste gemessene Niederschlagsmenge gab es in Sassendorf, Bad Beusingsen (NRW) mit 25,8 l/m² zwischen Sonntagmorgen und Montagmorgen. 

Erste Fruehlingsgewitter samt lokalem Starkregen teil 3

Aus Radardaten abgeleitete 24-stündige Niederschlagsmenge zwischen Samstagmorgen und Sonntagmorgen (linkes Bild) und zwischen Sonntagmorgen und Montagmorgen (rechtes Bild) (Quelle: DWD) 

Diese kräftigen Niederschläge traten teilweise in Verbindung mit Gewittern auf. Dabei handelte es sich um sogenannte Einzelzellen. Sie sind die kleinsten konvektiven Systeme mit einer relativ kurzen Lebensdauer von 30 bis 60 Minuten und entstehen häufig an Sommertagen durch bodennahe Aufheizung als sogenannte Wärmegewitter. Dabei muss die Auslösetemperatur erreicht werden, damit ein Luftpaket ungehindert aufsteigen kann und es somit zur Quellwolken- bzw. Gewitterbildung kommt. Die Auslösetemperatur ist die Temperatur, die man in Bodennähe benötigt, damit ein Luftteilchen aufgrund seiner geringeren Dichte, verglichen mit der Umgebungsluft, aufsteigen kann. Die vertikale Scherung des Horizontalwindes, die die Richtungsänderung und die Geschwindigkeitsänderung des Windes in unterschiedlichen Höhen beschreibt, ist bei Einzelzellen gering. Zuerst entsteht bei der Zellneubildung ein einzelner Aufwindbereich (der Updraft), in dem bodennahe feuchtwarme Luftmassen aufsteigen. Die Gewitterwolke durchläuft in ihrem Lebenszyklus dabei drei Entwicklungsstadien. Das erste Entwicklungsstadium wird „Cumulusstadium“ genannt. Hier bildet sich ein Cumulus Congestus (eine Wolkenart), in dem es zu starken Aufwinden kommt, was dazu führt, dass feuchtwarme Luftmassen in höhere Luftschichten gelangen. Danach folgt das „Reifestadium“, in dem sich starke Abwinde (der Downdraft), hervorgerufen durch ausfallenden und verdunstenden Niederschlag, entwickeln. Durch das rasche Herabfallen von kälterer Luft aus größeren Höhen, kommt es im Bereich des Downdrafts am Boden zu einem symmetrischen horizontalen Auseinanderströmen und kräftige Böen sind die Folge. Im letzten Stadium, dem „Dissipationsstadium“, stirbt die Gewitterwolke quasi ab. Anfangs ist die Niederschlagsintensität der Zelle zwar am stärksten, aber durch fehlende Windscherung dreht der Downdraft dem Updraft quasi „den Hahn zu“. Damit wird der Nachschub an feuchter und warmer Luft abgeschnitten und die Zelle stirbt. Einzelzellen bringen kurzzeitigen Starkregen und bei stärkeren Entwicklungen auch stürmische Böen oder kleinkörnigen Hagel hervor.

Auch heute und morgen treten vorrangig in der Südwesthälfte noch einzelne Schauer und Gewitter mit punktuellem Starkregen auf.

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.03.2025
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