Phänomen Nebel – Teil 3: Verdunstungs- und Mischungsnebel

In den ersten beiden Teilen dieser Themenreihe (Themen des Tages vom 5. und 15. Dezember 2024, siehe Links am Ende des Artikels) erläuterten wir den Strahlungs- und den Advektionsnebel, zwei Arten des Abkühlungsnebels. Wie der Name schon sagt, haben beide Nebelarten gemeinsam, dass sie durch Abkühlung einer Luftmasse unter den Taupunkt (d.h. Sättigungstemperatur, relative Luftfeuchtigkeit 100 %) entstehen. Es gibt allerdings noch weitere physikalische Prozesse, die zur Nebelbildung führen können, die wir im heutigen Thema des Tages beschreiben.

Verdunstungsnebel

Verdunstungsnebel entsteht in der Regel, wenn sehr kalte Luft (niedriger Taupunkt) über deutlich wärmeres Wasser strömt. Infolge des starken Taupunkts- bzw. Feuchtigkeitsgefälles zwischen der Wasseroberfläche und der kalten Luft setzt Verdunstung (d.h. Phasenübergang von Flüssigwasser zu Wasserdampf) des vergleichsweise warmen Wassers ein. Dies führt zu einer Wasserdampf-Anreicherung der wassernahen Luftschicht, die wegen ihrer kalten Temperatur wenig Feuchtigkeit speichern kann. Es kommt schnell zu einer Übersättigung, sodass Kondensation (d.h. Phasenübergang von unsichtbarem Wasserdampf zu Flüssigwasser) einsetzt. So bilden sich Nebeltröpfchen, die aber in der sehr trockenen Kaltluft umgehend erneut verdunsten. Es entsteht der Eindruck einer schwadenförmig rauchenden Wasseroberfläche.

Verdunstungsnebel ist häufig nach kalten Winternächten über Flüssen und Seen zu beobachten, wo er dann als „Flussnebel“ oder „Seenebel“ bezeichnet wird (Abbildung 1). Gerade in der Morgensonne kann er für eine mystische Stimmung sorgen. Auch nach einem sommerlichen Gewitter kann man manchmal Verdunstungsnebel beobachten. Durch die mitunter erhebliche Abkühlung der Luft nach einem Gewitter kann es dazu kommen, dass die Feuchtigkeit des gefallenen Regens vom zuvor stark aufgeheizten Asphalt oder Acker verdunstet und in der kühlen Luft zu Verdunstungsnebel führt.

DWD Phaenomen Nebel Teil 3 Verdunstungs und Mischungsnebel

Jeder von Ihnen hat Verdunstungsnebel auch schon tausendfach gesehen, ohne dass es Ihnen bewusst wurde. Der aufsteigende Dampf von einem Kochtopf ist im Kleinen nichts anderes als eine Form des Verdunstungsnebels. Die Luft in der Küche ist relativ zum kochenden Wasser oder der heißen Speise gesehen deutlich kühler, sodass ein Teil der Feuchtigkeit im Kochtopf verdunstet und als Dampf aufsteigt.

Mischungsnebel

Ein weiterer Nebeltyp ist der Mischungsnebel. Dieser entsteht bei gleichzeitiger Abkühlung der Luft und Erhöhung des Wasserdampfgehalts durch turbulente Durchmischung feuchtwarmer und kalter Luft. Dies ist insbesondere im Bereich von Fronten durch Verdunstung des Niederschlags der Fall. Fällt zum Beispiel an Warmfronten warmer Regen in den bodennahen Kaltluftkeil, steigt durch die starke Verdunstung des frontalen Niederschlags der Wassergehalt der kalten Luft an. In Verbindung mit Hebungsvorgängen oder Turbulenzen kann dieser Prozess dann zu Nebel führen (Abbildung 2). Er wird wegen seiner Entstehungsregion als „Frontnebel“ bezeichnet. Umgekehrt kann sich auch Nebel bilden, wenn eine warme, sehr feuchte bodennahe Luftschicht durch kalten Niederschlag unter den Taupunkt abgekühlt wird. Man spricht in diesem Fall vom sogenannten „Niederschlagsnebel“.

DWD Phaenomen Nebel Teil 3 Verdunstungs und Mischungsnebel 1

Ähnlich wie beim dampfenden Kochtopf können Sie auch Mischungsnebel leicht zuhause mit einem kleinen Experiment nachstellen. Gönnen Sie sich an einem feuchtkalten Tag ein warmes Bad oder eine ausgiebige Dusche. So erzeugen Sie nebenbei in Ihrem Badezimmer eine feuchtwarme Luftmasse. Öffnen Sie anschließend das Badfenster, so vermischt sich die feuchtwarme Badezimmerluft mit der deutlich kälteren Luft von draußen. Die Badezimmerluft wird dabei schlagartig abgekühlt, während die einströmende Außenluft mit Feuchtigkeit angereichert wird. Die erzeugte Mischluft ist rasch gesättigt (d.h. der Taupunkt wird unterschritten). Innerhalb weniger Sekunden ist das gesamte Badezimmer in dichten Nebel gehüllt.

Welche besonderen optischen Erscheinungen bei Nebel auftreten können und welche Prozesse dazu führen, dass sich Nebel wieder auflöst, wird im vierten und letzten Teil dieser Themenreihe erläutert.

Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.01.2025
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Hochdruckphänomene im Winter

Seit nunmehr über einer Woche schiebt das Hochdruckgebiet BEATE sehr verbreitet Nebel- und Hochnebelfelder durchs Land. Das ist eine bei winterlichen Hochdruckwetterlagen recht klassische Situation, auf die auch hier im Thema des Tages schon eingegangen wurde, letztmalig vor noch nicht allzu langer Zeit. Beate verlagert ihren Schwerpunkt nunmehr in Richtung Südosteuropa. Am morgigen Sonntag um die Mittagszeit wird sie in Ungarn erwartet, was auch der Abbildung 1 zu entnehmen ist.

DWD Hochdruckphaenomene im Winter

Bezüglich der Nebelauflösung sollte man heute wie schon vor einer Woche nicht auf allzu viel Sonnenunterstützung hoffen. Immerhin hat sich der Sonnenstand seit der Wintersonnenwende noch nicht allzu sehr verändert. Etwas Hoffnung lässt sich aber, vor allem im Südosten, aus der Windsituation ableiten. Da der Wind dort ein klein wenig zulegen soll, steigen die Chancen auf bessere Durchmischung und entsprechend auf Wolkenlücken. Der zweite Faktor für ein Mehr an Sonnenstunden ist die Tatsache, dass die feuchte Grundschicht von oben immer mehr zusammengedrückt wird. Je dünner diese Schicht ist, desto größer auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Wolken aufbrechen. Letztendlich ergibt sich eine Situation, in der der Sonntag im Vergleich zum heutigen Samstag der etwas freundlichere Tag sein sollte, wobei genaue lokale Aussagen über die Sonne-Wolken-Verteilung nur schwer getroffen werden können.

Diese Aussage gilt zumindest für die Meteorologinnen und Meteorologen. Wettervorhersagemodelle haben diesbezüglich – glücklicherweise – keine Skrupel. Es wird gerechnet und im Anschluss wird ein Ergebnis geliefert. Ein solches Ergebnis, in diesem Fall von unserem DWD-Modell MOSMIX, liefert Abbildung 2. Insbesondere im Norden verspricht der Sonntag im Vergleich zu heute mehr Sonne. Das ist auch nicht verwunderlich, schließlich ziehen dort heute dichte Wolken durch. Aber auch im Süden ist eine Tendenz zu weniger Nebel bzw. mehr Sonne auszumachen.

DWD Hochdruckphaenomene im Winter 1

Außer der spannenden Nebelfrage stellt sich noch eine andere Frage, nämlich die nach den Niederschlägen. Auf den ersten Blick lautet die Antwort natürlich: „Es bleibt trocken“ – und so steht es auch in unseren Wetterberichten! Aber heute Morgen trudelten im Westen hier und da Nutzermeldungen zu Industrieschnee ein. Dieser bildet sich aus tiefem Stratus, wenn lokal, zumeist durch Industrieanlagen (daher der Name), Feuchte in die Atmosphäre eingebracht wird. Zwingend erforderlich für Industrieschnee sind eine windarme Wetterlage sowie eine kräftige Inversion, die nach oben von einer sehr trockenen Schicht gedeckelt wird. Beides ist aktuell gegeben. Die Tatsache, dass Industrieschnee bevorzugt in den Morgenstunden fällt, passt zu den genannten Meldungen. Die Abbildung 3 zeigt den Ausschnitt aus einem Nutzerfoto von heute Morgen. Weiter Infos zu Industrieschnee finden sie auch im Thema des Tages vom 5.2.2018.

DWD Hochdruckphaenomene im Winter 2

Egal ob Sonnenlücken in der Hochnebeldecke oder Industrieschnee – beide Wetterphänomene sind hochdruckgebunden. Für die kommende Woche deutet sich aber von Westen bzw. Nordwesten her eine Wetterumstellung an. Dann wird es wieder etwas turbulenter – und neue Wetterthemen drängen sich in den Vordergrund

Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.01.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Massenbleiche am Great Barrier Reef wird stark von lokalen Wetterbedingungen beeinflusst

Das Great Barrier Reef vor der Küste von Queensland/Australien gehört seit über vier Jahrzehnten zum Weltnaturerbe. Seit etlichen Jahren ist es von wiederkehrenden Korallenbleichen bedroht. In den letzten acht Jahren kam es zu fünf massiven Bleichen, bei denen ein Großteil der Korallen zerstört wurde. Solche großflächigen Bleichen treten während mariner Hitzewellen auf, wenn die Wassertemperatur stark steigt. Allein aufgrund des Klimawandels werden Korallenbleichen immer häufiger beobachtet. Darüber hinaus beeinflussen aber auch großskalige synoptische Prozesse die lokal vorherrschende Meteorologie, die sich wiederum auf die Wassertemperatur auswirkt. Forschende aus Australien sind diesen Zusammenhängen auf den Grund gegangen. Anhand von Daten der Station am Davies Reef im Great Barrier Reef (siehe Abbildung 1) untersuchten sie eine marine Hitzewelle mit Korallenbleiche im Jahr 2022 im Hinblick auf die lokalen Wetterbedingungen und die ihr zugrundeliegende Synoptik.

DWD Massenbleiche am Great Barrier Reef wird stark von lokalen Wetterbedingungen beeinflusst

Das Wetter am Great Barrier Reef wird durch die vorherrschenden Passatwinde bestimmt. Auf der Südhalbkugel sind dies beständige Winde aus südöstlichen Richtungen. Meist herrscht auch eine Inversion vor, die die Bildung von hochreichenden Cumuluswolken unterbindet. Im australischen Winter sind die Passatwinde besonders stark ausgeprägt. Rückt der südhemisphärische Sommer näher, verlagern sich die subtropische Hochdruckzone und die innertropische Konvergenzzone (ITCZ) südwärts, der australische Monsun setzt ein und beeinflusst das Wetter in Nordaustralien bis hin zum Great Barrier Reef. Dies wirkt sich unter anderem auf die Passatwinde aus, die im Sommer meist schwach sind, häufig durch tropische Konvektion unterbrochen werden oder sich sogar vorübergehend ganz abschwächen.

Bislang war bekannt, dass kleine Veränderungen der lokalen Wetterbedingungen (Wind, Bedeckung, Feuchte, Lufttemperatur) zu einer Zu- oder Abnahme der Wassertemperatur führen. Die Bewölkung wirkt sich auf die  aus; die Bodenwinde, die Lufttemperatur und die relative Feuchte wiederum auf die turbulenten Flüsse, das heißt den über der Meeresoberfläche. All dies sind Parameter, die mit einer Abkühlung oder Erwärmung des Wassers einhergehen. Bei wolkenlosem Himmel sorgt ein beständiger, kräftiger Südostpassat hauptsächlich für eine Abkühlung der flachen Gewässer am Great Barrier Reef. Hier ist das Stichwort Verdunstungsabkühlung durch Freiwerden latenter Wärme zu nennen. Während Perioden mit geringer Bedeckung und schwachen Winden werden jedoch viele der Abkühlungsmechanismen des Ozeans gebremst. So können sich die oberen Wasserschichten am Riff schnell sehr stark aufheizen und einen für eine Korallenbleiche kritischen Wert überschreiten. Dies wurde auch bei der marinen Hitzewelle 2022 beobachtet.

Eine weitere Entdeckung der Wissenschaftler war der Einfluss der übergeordneten Synoptik auf das lokal vorherrschende Wetter. Letztlich läuft alles wiederum auf die Passatwinde hinaus: Festgestellt wurde, dass dem Zusammenbruch der Passatwinde meist ein antizyklonales Rossby-Wellenbrechen mit der Ausbildung eines Kaltlufttropfens vorausging oder während der Hitzeperiode vorherrschte. Um dies in einfachen Worten kurz zusammenzufassen: In der Troposphäre, der wetterbestimmenden Atmosphärenschicht, findet auf natürliche Weise ein kontinuierlicher Energieausgleich durch Rossby-Wellen statt. Das letzte Stadium im Lebenszyklus dieser baroklinen atmosphärischen Störungen kann das Brechen dieser sein. Dies mündet nicht selten in einem ) oder einer. Der erwähnte Kaltlufttropfen unterdrückte die Passatwinde über dem Meer und führte gleichzeitig trockene Festlandsluft heran, wodurch es zu einer mehrtägigen Phase der Erwärmung des Oberflächenwassers kam. Nach Abzug des Kaltlufttropfens stellte sich an der australischen Küste wieder Hochdruckeinfluss mit den beständigen Passatwinden ein. Diese bauten sich sogar stärker auf als zuvor, sodass die Abkühlungsmechanismen des Wassers sehr rasch wieder greifen konnten und die marine Hitzewelle schnell zum Erliegen kam.

Überraschend für die Forschenden war auch, dass eine Korallenbleiche auftrat, obwohl 2022 ein La Niña-Jahr war. La Niña geht vor der australischen Ostküste üblicherweise mit viel Bewölkung, Niederschlägen und niedrigeren Wassertemperaturen einher. Bisher traten Korallenbleichen nur während einer neutralen oder in einem El Niño-Jahr auf, wenn es untypisch geringe Bedeckung, wenig Niederschläge und viel Einstrahlung gab, sodass sich das Oberflächenwasser schnell erwärmen konnte. Die Wissenschaftler schlossen daraus, dass eine Korallenbleiche eher von der lokalen Meteorologie als von der ENSO-Phase abhängt.

Die analysierten Zusammenhänge beziehen sich nur auf eine marine Hitzewelle mit Korallenbleiche an einem Ort im Great Barrier Reef. Ob die Erkenntnisse allgemeingültig sind, muss in weiteren Studien untersucht werden.

Dipl.-Met. Julia Tuschy
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.01.2025
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Gefrierender Regen und Glatteis

In der Nacht auf Dienstag machte sich die schwache Warmfront eines Tiefs mit Zentrum über Nordskandinavien von Nordwesten auf den Weg nach Deutschland. Dabei wurden zunächst in der Höhe etwas mildere Luftmassen herangeführt. Diese Milderung machte sich aber anfangs nicht in den tieferen Schichten bemerkbar, sodass es in der Früh bereits im äußersten Norden und Nordosten erste Meldungen von gefrierendem Sprühregen mit Glätte gab. Dies war aber nur stellenweise der Fall, teilweise blieb es anfangs noch trocken, sodass die Glättesituation in dieser Region insgesamt etwas schwächer ausgeprägt war als vermutet. Der Großteil der Niederschläge setzte dort erst im Tagesverlauf mit zunehmendem Wind und einer deutlichen Milderung, auch in den bodennahen Luftschichten, ein.

 

DWD Gefrierender Regen und Glatteis

Am Vortag (Montag) reichte es recht verbreitet für einen, d.h. weitgehend herrschte Dauerfrost. Eine kleine Ausnahme bildeten dabei nur einige Regionen am Niederrhein und teilweise die Küstengebiete von Nord- und Ostsee. Die darauffolgende Nacht brachte gebietsweise mäßigen oder sogar strengen Frost. Damit waren die Böden auch bis in tiefere Schichten recht verbreitet gefroren, da vor allem im Bereich der Mittelgebirge auch in den Nächten zuvor mäßige bis stellenweise strenge Fröste auftraten.

DWD Gefrierender Regen und Glatteis 1

Bis zum Abend verlagerten sich die Niederschläge bis zu den zentralen Mittelgebirgen. Dort kam es teils zu etwas länger andauernden Niederschlägen höherer Intensität, sodass die Auswirkungen gebietsweise auch unwetterartig ausfielen. Im Verlauf der Nacht und vor allem in der Früh lag der Schwerpunkt im nördlichen Baden-Württemberg und Bayern. Während die Niederschläge nach Südosten hin in Bayern teils in Schnee übergingen, gab es in Baden-Württemberg und Südhessen teils längere Zeit leichten gefrierenden Sprühregen. Grund dafür war eine nach Westen stärker ausgeprägte wärmere Schicht. Dadurch hatten die Schneekristalle auf ihrem Weg zum Erdboden genug Zeit zum schmelzen. Deshalb kam es in diesen Gebieten teils zu spiegelglatten Gehwegen und stellenweise auch zu starker Glätte durch gefrierenden Regen mit zahlreichen Unfällen auf den Straßen.

DWD Gefrierender Regen und Glatteis 2

Bei welchen Bedingungen besteht die größte Gefahr durch gefrierenden Regen?

Eine wichtige Bedingung für eine Glatteislage im Unwetter oder sogar im extremen Unwetterbereich ist eine kalte Vorgeschichte. Optimal ist eine ausgeprägte Dauerfrostlage mit strengen Frösten in den Nächten. Dies führt dazu, dass die Böden auch bis in tiefere Schichten gefrieren. Damit wird der Bodenwärmestrom blockiert und der einsetzende Regen bildet sofort eine Eisschicht auf Straßen und Wegen.

Einen weiteren großen Effekt hat die Dauer, die Intensität, sowie die Niederschlagsart. Sind die Niederschläge zu stark, fließt ein Großteil des Wassers vor dem Gefrieren oberflächlich ab. Wenn die Temperaturen zusätzlich auch nur geringfügig unter 0 Grad liegen oder sogar in 2 Meter Höhe schon leicht positiv sind, können sensible Wärmeflüsse eine signifikante Eisablagerung verhindern. Zudem darf die Ausdehnung der warmen Nase nicht zu groß sein. Eine extreme Glatteislage ist nur mit unterkühlten Wassertröpfchen möglich. Diese gefrieren beim Auftreffen auf Oberflächen sofort. Handelt es sich dagegen aber um warmen Regen, hilft auf den Straßen eine präventive Salz-Streuung. Optimal sind deshalb andauernde leichte Niederschläge in Form von unterkühlten Wassertröpfchen bei deutlich negativen Temperaturen und das mit tiefgefrorenen Böden!

Ein weiterer Faktor, vor allem für die Auswirkung auf die Infrastruktur ist der Wind. Treten stärkere Winde auf, können diese für eine zusätzliche Belastung beispielsweise an eisbedeckten Stromleitungen sorgen und diese sogar zum Einsturz bringen. Solche Eisstürme sind bei uns in Deutschland aber glücklicherweise sehr selten!

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.01.2025
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Tornados 2024

Zugegeben, das Thema „Tornados” ist nun keines, was man direkt in Einklang mit der aktuellen Jahreszeit bringen würde. Brandaktuell sind aber die Tornado-Statistiken für das Jahr 2024 erschienen, und das verdient genauere Betrachtung.

Starten wir zunächst mit dem Blick auf ganz Europa. Das ESSL (European Severe Storm Laboratory) sammelt und dokumentiert alle bekannt gewordenen und bestätigten Tornadofälle in einer Datenbank, der ESWD (European Severe Weather Database). Die Auswertung für 2024 ergab hier, dass es insgesamt 1.034 bestätigte Tornadofälle in Europa gab – das stellt einen neuen Rekord dar. Naheliegenderweise stellt sich natürlich direkt die Frage, ob es hier z.B. einen Einfluss des Klimawandels gibt. Eine solche Schlussfolgerung ist tatsächlich ohne großen weiteren Forschungsaufwand nicht zulässig, da auch zahlreiche weitere Faktoren wie z.B. immer besser werdende Beobachtungsmöglichkeiten und Schadensanalysemethoden ebenfalls eine Rolle spielen und diese Zahl beeinflussen.

DWD Tornados 2024

Von den 1.034 bestätigten Fällen bildeten sich 297 über Land, also ein gutes Viertel aller Fälle. Die verbliebenen 737 dokumentierten Tornados bildeten sich dagegen initial über einer Wasseroberfläche. Von den 297 Fällen über Land konnten 245 mit einem sogenannten „Rating” versehen werden, d.h. dass die Stärke des Tornados im Nachgang bestimmt werden konnte. Hierfür wird seitens des ESSL mittlerweile die Internationale Fujita-Skala (IF-Skala) verwendet, die eine objektive Klassifizierung anhand aufgetretener Schäden ermöglicht.

DWD Tornados 2024 1

Hierbei fällt auf, dass der Großteil dieser Tornados eine Stärke bis IF1.5 aufwies. Immerhin 22 starke Tornados (IF2 oder mehr) konnten dokumentiert werden, also ein knappes Zehntel der eingestuften Fälle. Des Weiteren zeigt die Statistik erneut, dass Tornados ein Phänomen sind, das grundsätzlich das gesamte Jahr über auftreten kann und nicht an Jahreszeiten gebunden ist. Nichtsdestotrotz zeigt sich eine nachvollziehbare Häufung während der Sommermonate zwischen Juni und September.

Nun noch der spezifische Blick nach Deutschland. Hierzulande konnten für 2024 insgesamt 48 Tornados bestätigt werden. Diese traten alle in den Monaten März bis September auf, während im Januar, Februar, und von Oktober bis Dezember kein Tornado nachgewiesen werden konnte. Mit einer Anzahl von 11 war der August der Monat mit der höchsten Anzahl an Tornados. Dies ist einer hohen Anzahl von aufgetretenen Tornados über Wasser geschuldet. Über Land lag das Maximum dagegen im Juni mit 9 nachgewiesenen Fällen.

DWD Tornados 2024 2

Bei zwei Dritteln der nachgewiesenen Tornados konnte im Nachgang die Intensität durch eine Schadensanalyse festgestellt werden. Am häufigsten traten demnach Tornados der Stärke IF1 (insgesamt 11) auf, direkt gefolgt von Tornados der Stärke IF1.5 (10 Fälle). Auch ein starker Tornado der Stärke IF2 war darunter. Die restlichen Fälle beschränken sich auf schwächere Intensitäten der Stärke IF0 oder IF0.5 – wobei man sich hier nicht in die Irre führen lassen sollte: Auch vermeintlich „schwache” Tornados sind gefährlich!

M.Sc. Felix Dietzsch
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.01.2025
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Von Kälte und historischen Schneestürmen

Der „Schoolchildren’s Blizzard“ fegte am 12. Januar 1888 über die US-amerikanischen Bundesstaaten der nordamerikanischen Great Plains. Er forderte mindestens 200 Todesopfer, wobei die genaue Zahl eher höher liegen dürfte, da viele Menschen noch in den darauffolgenden Wochen an den Folgen ihrer Erfrierungen starben. Unter den Opfern waren viele Schulkinder, was letztendlich namensgebend für den Schneesturm war. Entweder wurden sie zu Beginn des Schneesturms von den Lehrern nach Hause geschickt oder sie harrten teils unzureichend bekleidet in den schlecht gedämmten Schulgebäuden aus, wo häufig das Heizmaterial ausging.

Bereits wenige Tage zuvor wehte ein Schneesturm über das Land. Der 12. Januar begann hingegen mild und sonnig. Viele Schulkinder wurden daher wieder zur Schule geschickt und die Farmer verrichteten liegengebliebene Arbeiten im Freien. Sie wussten nicht, dass am 11. Januar im Bereich von Alberta (Kanada) ein Bodentief entstanden war. Dieses war nach Montana und nachfolgend in den Nordosten von Colorado gezogen und hatte sich dabei verstärkt. Am 12. Januar gegen 15 Uhr erreichte es den Südosten von Nebraska und gegen 23 Uhr schließlich den Südwesten von Wisconsin. Dessen Warmfront führte zu den milden Bedingungen am Morgen. Der Schneesturm wurde dann durch das Zusammentreffen der (arktischen) Kaltfront mit einer warmen und feuchten Luft aus dem Golf von Mexiko ausgelöst. Die Temperaturen rasten binnen weniger Stunden in den Keller. Es wird davon berichtet, dass auch -40 Grad gemessen werden konnten.

Nachfolgend gab es viele Augenzeugenberichte, wie schnell und wie heftig der Schneesturm aufzog. Ein Augenzeuge beschrieb das Szenario beispielsweise mit großen Baumwollballen, die heranrollten. Sergeant Samuell Glenn, der sich zu diesem Zeitpunkt gerade auf einem Flachdach befand, schilderte, dass „die Luft etwa eine Minute lang völlig unbewegt und die Stimmen und Geräusche von der Straße unten wirkten, als drängen sie aus großer Tiefe herauf“. Zudem sei die Luft binnen kürzester Zeit „mit Schnee so fein wie gesiebtes Mehl gefüllt“ gewesen und man hätte selbst Gegenstände in nächster Nähe nicht mehr gesehen. Viele berichteten, dass dem Sturm ein lautes Geräusch verglichen mit einem herannahenden Zug vorausging. Dies kann möglicherweise damit erklärt werden, dass mit den ersten Böen bereits liegender Schnee nach oben gerissen wurde. Die Sichtweiten waren binnen kürzester Zeit stark reduziert, sodass die Orientierung sofort verloren ging. So wurde beispielsweise eine erfrorene Frau nicht weit entfernt von ihrer Haustür aufgefunden, die den Haustürschlüssel noch in der Hand hatte.

Dieses Ereignis wurde später auch in Literatur, Kunst und Musik aufgegriffen. In dem 1986 veröffentlichten Gedichtband „The Blizzard Voices“ erinnert Ted Kooser an zahlreiche Einzelschicksale. Ein halbabstraktes Wandmosaik im Nebraska-State-Capitol-Gebäude erzählt die Geschichte einer Lehrerin, die ihre Schüler mit einer Wäscheleine zusammenband und sicher durch den Sturm führte. Dieses Mosaik soll die Lehrerin Minnie Mae Freeman Penney darstellen, die als eine Heldin dieses Ereignisses gilt, da sie mehrere Kinder rettete.

Nur zwei Monate später wurden die Oststaaten von einem weiteren schweren Schneesturm heimgesucht. Dieser Schneesturm ging als der „Große Blizzard“ von 1888 in die Geschichte ein.

Am gestrigen Montag wurde in Großbritannien das „Fest des Hilarius von Poitiers“ begangen. Dieses Fest wird auch als der „kälteste Tag des Jahres“ gefeiert. Die Zusammenhänge sind da schnell erzählt: Der 13. Januar ist der Gedenktag für besagten Bischof und Kirchenlehrer und aus Großbritannien finden sich einige historische Berichte, die ein eisiges Temperaturniveau rund um dieses Datum dokumentieren.

Kalt war es in den letzten Tagen auch hier in Deutschland, aber glücklicherweise ganz „ruhig“ und ohne Schneesturm. Regional blieben die Temperaturen ganztägig im Frostbereich. In den Nächten war es dann verbreitet frostig. Teilweise wurden auch Tiefsttemperaturen im strengen Frostbereich (weniger als -10 Grad) erreicht.

In der Nacht zum Mittwoch gibt es bei den Tiefsttemperaturen eine deutliche Zweiteilung in Deutschland. Während es in der Nordhälfte bei 6 bis 0 Grad frostfrei bleibt, gehen die Temperaturen in der Südhälfte erneut in den Frostbereich auf Werte um -10 Grad direkt an den Alpen zurück.

In der Nacht zum Donnerstag bleibt es nördlich des Mittelgebirgsraums abermals frostfrei. Im Süden gehen die Temperaturen dann „nur“ noch auf bis zu -5 Grad zurück, direkt an den Alpen wird es noch etwas kälter.

Zum Wochenende wird dann wieder verbreitet mit frostigen Nächten zu rechnen sein und auch Werte aus dem mäßigen Frostbereich (-5 bis -10 Grad) tauchen wieder vermehrt auf der Vorhersagekarte auf.

 

DWD Von Kaelte und historischen Schneestuermen

MSc. Meteorologin Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.01.2025

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Glatteis am Dienstag

Am heutigen Montag dominiert im Vorhersagegebiet Hochdruckeinfluss mit häufig geringer Bewölkung, gebietsweise scheint länger die Sonne. Auch in der Nacht zum Dienstag ist es überwiegend gering bewölkt, so dass die Temperaturen bis zum Morgen deutlich zurückgehen. Mit Ausnahme des äußersten Nordens wird daher verbreitet mäßiger, teils auch strenger Frost erwartet. Da sowohl in den vergangenen Nächten häufig Frost auftrat als auch am heutigen Montag tagsüber die 0 Grad-Marke vielerorts nicht überschritten wird, konnten und können die unteren Luftschichten und vor allem auch die oberen Bodenschichten deutlich auskühlen.

Im Zusammenhang mit einer Warmfront zieht im Laufe der Nacht zum Dienstag von Norden zunächst Bewölkung heran. Ganz im Norden gehen die Temperaturen daher auch nicht so weit zurück wie im Rest des Landes. In den Frühstunden kommen dann nachfolgend Niederschläge auf. Diese fallen aufgrund der etwas milderen Luftmasse in höheren Luftschichten als Regen, der auf den kalten, teils gefrorenen Böden sowie an kalten Gegenständen wie Treppen, Treppengeländer oder auch Bäumen und Pflanzen gefriert. Auf Straßen und Wegen kann daher gefährliches Glatteis entstehen. Insbesondere im Bereich vom südlichen Schleswig-Holstein und dem nordöstlichen Niedersachsen ostwärts bis nach Vorpommern und Nordbrandenburg besteht in den Früh- und Vormittagsstunden des morgigen Dienstags ein erhöhtes Unwetterpotenzial aufgrund der dort recht niedrigen Frühtemperaturen und voraussichtlich etwas größeren Regenmengen. Nachfolgend wird aufgrund der sich allmählich durchsetzendenden Milderung von Norden die Glatteisgefahr nachlassen und sich eher auf geschützte Tallagen der zentralen und östlichen Mittelgebirgslagen konzentrieren, in denen die Milderung nur zögerlich vonstattengeht. In der Mitte und im Westen sind die Niederschlagsmengen zudem geringer, teils fällt auch „nur“ Sprühregen und vom zeitlichen Ablauf erreichen die leichten Regenfälle die mittleren Landesteile erst mittags/nachmittags, so dass sich die bodennahen Temperaturen häufig schon über dem Gefrierpunkt bewegen sollten. Lokales Glatteis ist dabei zwar nicht ausgeschlossen, die Unwettergefahr ist aus heutiger Sicht in Verbreitung und Ausmaß aber voraussichtlich geringer.

DWD Glatteis am Dienstag 1

DWD Glatteis am Dienstag

Am Abend und in der Nacht zum Mittwoch kann aus dichter Bewölkung im Westen, vor allem im Mittelgebirgsraum, weiterhin etwas Sprühregen auftreten. Auch der Süden wird nachts von den leichten, frontalen Niederschlägen erfasst, die ebenfalls häufig als leichter Regen oder Sprühregen fallen. Dabei kann es streckenweise zu gefrierendem Regen und Glatteis kommen, lokale Unwetter sind dabei nicht ausgeschlossen. Lediglich im Osten, etwa vom Erzgebirge über den Bayerischen Wald bis zum Alpenrand können die Niederschläge in leichten Schneefall übergehen, da dort von Osten her eine kältere Luftmasse einsickert und so die Bedingungen für die Entstehung von Schneefall erfüllt sein werden (siehe u.a. : Von „warmen“ Nasen und unterkühlten Tropfen). Bis Mittwochmorgen sind dann wenige Zentimeter Neuschnee möglich.

Am Mittwoch lassen die Niederschläge in Form von Schneefall, später eventuell wieder eher Sprühregen auch vom Erzgebirge bis zum Alpenrand langsam nach. Aus der häufig noch dichten Bewölkung kann auch in den anderen Mittelgebirgen hier und da etwas Sprühregen fallen. Tagsüber kann in der insgesamt eher milden Luftmasse wahrscheinlich nur stellenweise Glätte auftreten, nachts vor allem in der Mitte und im Süden besteht dagegen ein erhöhtes Risiko.

Im weiteren Wochenverlauf nimmt der Hochdruckeinfluss wieder zu und die Sonnenanteile werden von Südwesten her mehr und mehr zunehmen. Im Bergland ist es häufig sonnig und relativ mild. Gebietsweise können sich dann aber auch wieder Nebelfelder länger halten, dann bleibt es bei Werten um oder sogar leicht unter 0 Grad tagsüber recht kalt. Allgemein gestaltet sich die zweite Wochenhälfte aber aller Voraussicht nach deutlich ruhiger.

Dipl. Met. Sabine Krüger
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.01.2025
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Hochdruckwetter im Winter

Ein Blick auf die Wetterkarte zeigt zu Wochenbeginn ein kräftiges Hochdruckgebiet mit dem Namen BEATE über Mitteleuropa. Das Hochdruckzentrum liegt direkt über Deutschland. Dadurch gestaltet sich das Wetter nach einem turbulenten Jahresauftakt ruhig und abgesehen von vereinzeltem strengem Frost, vorerst auch ohne markante Wetterwarnungen. Das Hochdruckwetter sorgt aber bei Weitem nicht überall für reichlich Sonnenschein. Vor allem in der Nordhälfte und in einigen Niederungen ist am Montag häufig teils dichter Nebel oder hochnebelartige Bewölkung anzutreffen. Im Südwesten weht dagegen ein frischer Nordostwind, sodass die eingeflossene Luftmasse besser durchmischt wird und sich der Nebel, abgesehen von einzelnen windgeschützten Muldenlagen, größtenteils auflösen wird.

DWD Hochdruckwetter im Winter

Warum bildet sich im Winter in den Niederungen häufig Nebel oder Hochnebel aus?

Vor allem von November bis Februar ist der Einfallswinkel der Sonne tagsüber zu gering um die bodennahe Luftschicht nennenswert zu erwärmen. Diese kühlt sich aber in den langen Nächten sehr stark aus, sodass sich die Luftmasse bis zur Sättigung abkühlen kann. Dann kondensiert der Wasserdampf in der Luft zu winzigen Wassertröpfchen. Es bildet sich Nebel aus! Befinden wir uns nun direkt unter einem Hochdruckgebiet in einem windschwachen Bereich, kann sich der Nebel manchmal sogar über Tage halten. Dann bildet sich an der Wolkenobergrenze eine markante Temperaturinversion aus. Der Nebel löst sich erst auf, wenn mehr Dynamik ins Wettergeschehen kommt und dann vornehmlich zuerst im Lee der Mittelgebirge. Die Nebelobergrenze ist wiederum abhängig von der Lage des Hochs. Befinden wir uns eher am Rande eines Hochs, können leichte Hebungsimpulse dafür sorgen, dass aus Nebel Hochnebel wird. Dies kann dazu führen, dass sonnige Bergkuppen nach einiger Zeit mit der Verlagerung eines Hochs in dichten Nebel gehüllt werden, während sich die Sichtbedingungen in den Niederungen etwas verbessern.

Am Dienstag befindet sich vor allem der Nordosten im Randbereich einer ausgeprägten Hochdruckzone vom Ostatlantik ausgehend bis nach Zentraleuropa. Gleichzeitig verlagert sich ein kleiner von Skandinavien in Richtung Polen und die Warmfront eines Tiefs mit Zentrum über Nordfinnland greift auf den Nordosten über. Dies führt auf der einen Seite zu einer Anhebung der Wolkenobergrenze, auf der anderen Seite aber auch zu leichten Niederschlägen. Bodennah kann sich dagegen voraussichtlich noch die Frostluft halten. Damit ist am Dienstag vor allem im Bereich der östlichen Mittelgebirge stellenweise mit erhöhter Glättegefahr durch gefrierenden Regen zu rechnen. Eine gab es heute vor gut einem Jahr. Damals trat vor allem in der nördlichen Mitte des Landes verbreitetes Glatteis durch länger anhaltenden gefrierenden Sprühregen auf.

DWD Hochdruckwetter im Winter 1

In der zweiten Wochenhälfte gelangt vor allem der Süden und die Mitte des Landes wieder vermehrt unter direktem Hochdruckeinfluss. Dadurch stehen die Chancen auf längeren Sonnenschein auf den Bergen am besten. In den Niederungen breitet sich dagegen der Nebel erneut aus. Damit liegen dort die Höchstwerte bei Dauergrau nur um den Gefrierpunkt, während auf den Bergen bei reichlich Sonnenschein deutliche Plusgrade erwartet werden. In den Alpen herrscht Kaiserwetter!

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.01.2025
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Eisige Nächte

Hinter dem nach Nordosten abgezogenen Sturmtief CHARLY konnte sich landesweit kalte Meeresluft polaren Ursprungs durchsetzen. Bisher hielt sich der Nachtfrost aber noch in Grenzen, was der oft noch dichten Bewölkung und dem teils auch noch starken Wind geschuldet war. Während die Bewölkung die vom Erdboden nach oben gerichtete Wärmestrahlung wieder reflektiert, sorgt der Wind für Durchmischung und verhindert die Ausbildung von flachen Kaltluftseen. Beide Faktoren dämpfen die nächtliche Abkühlung damit sehr effektiv. Im Laufe des Wochenendes und zu Beginn der nächsten Woche kommt die Polarluft unter dem sich breitmachenden Hoch BEATE aber zur Ruhe. Der Wind wird schwächer und die Bewölkung reißt häufiger mal auf. Nun kann sich die Luft in den Nächten deutlich stärker abkühlen. Am stärksten fällt die Abkühlung aus, wenn zudem eine geschlossene Schneedecke vorhanden ist. Denn der Schnee wirkt wie eine Dämmung: Unter der Schneedecke bleibt es wärmer, darüber kühlt die Luft aber umso stärker ab.

Aus den Berechnungen der Tiefsttemperaturen durch das MOS-MIX-Modell des Deutschen Wetterdienstes (siehe Abbildung 1) lässt sich schließen, dass die nächsten Nächte bis einschließlich der Nacht zum Dienstag immer kälter werden. In der Nacht zum Sonntag beschränkt sich mäßiger Frost unter -5 °C noch auf die Berge und den äußersten Süden. In der Nacht zum Montag und Dienstag muss dann verbreitet mit Tiefsttemperaturen zwischen -5 und -9 °C gerechnet werden. Damit stehen in vielen Regionen des Landes die bisher kältesten Nächte des Winters bevor. Über Schnee und bei länger klarem Himmel ist örtlich strenger Frost unter -10 °C wahrscheinlich, in Alpentälern geht es noch deutlich weiter in den Keller. Tiefsttemperaturen um oder unter -15 °C sind dort durchaus möglich. Erst ab der Nacht zum Mittwoch kommt es wegen des wieder zunehmenden Windes und aufziehender Bewölkung von Norden zu einer Frostentschärfung.

 

DWD Eisige Naechte

Vor allem der strenge Frost stellt eine ernstzunehmende Gefahr dar. Ist der menschliche Körper dem Frost längere Zeit und ohne adäquaten Schutz ausgesetzt, droht nicht nur Unterkühlung, die extrem niedrigen Temperaturen sind auch eine große Belastung für das Herz-Kreislauf-System. Um den Wärmeverlust über die Haut zu minimieren, ziehen sich die Blutgefäße zusammen. Zudem werden Stresshormone wie Adrenalin ausgeschüttet. Dadurch steigt der Blutdruck an und die Herzfrequenz erhöht sich. Besonders bei geschwächten Menschen steigt somit die Gefahr eines Herzinfarktes. Schon die Absenkung der Körpertemperatur um wenige Zehntel Grad erhöht darüber hinaus das Thromboserisiko, da die Zunahme der Konzentration an roten Blutkörperchen und Cholesterin das Blut dicker werden lassen. Auch für gesunde Menschen können sehr niedrige Temperaturen indirekt gefährlich werden, da sich die Durchblutung verschlechtert und das Immunsystem geschwächt wird. Vor allem bei Temperaturen von deutlich unter -10 °C sollte man längeren Aufenthalt und Anstrengungen im Freien vermeiden. Wenn man sich draußen aufhält, sollte unbedingt für geeignete Kleidung gesorgt werden. Am wichtigsten: Eine Mütze! Denn über den Kopf verliert der Körper besonders viel Wärme.

Dipl.-Met. Adrian Leyser
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 11.01.2025

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Tief „Charly“ und die Grenzwetterlage – Ein Rückblick

Bereits am Mittwoch (08.01.2025) bereitete Tief „Bernd“ das Feld für eine ansprechende Grenzwetterlage. Auf seiner Westflanke strömte polare Meeresluft in den Norden Deutschlands, die gute Voraussetzungen für winterliche Wettererscheinungen bot. Tief „Charly“ beeinflusste zu diesem Zeitpunkt mit seiner Warmfront bereits den Süden. Dabei traten die Niederschläge in verschiedenen Phasen als Regen, Schneeregen und als Schnee auf. Eine signifikante Schneedecke bildete sich dort jedoch lediglich im Bergland aus. In tieferen Lagen waren die Belagstemperaturen meist zu warm und der fallende Schnee taute rasch wieder weg.

Die Warmfront erreichte am Mittwochabend eine Linie vom südlichen Nordrhein-Westfalen über den Thüringer Wald bis ins sächsische Vogtland. Dabei gingen die Niederschläge auf der „kalten Seite“ der Warmfront nach Norden zu immer häufiger in Schnee über. Selbst im Rhein-Main-Gebiet konnte sich vorübergehend eine dünne Schneedecke ausbilden. Auf der „warmen, südlicheren Seite“ der Front fielen die Niederschläge jedoch als Regen, der die zuvor gefallenen Schneemengen rasch „auffraß“.

DWD Tief Charly und die Grenzwetterlage Ein Rueckblick

Im Verlauf der Nacht zum Donnerstag kam die Luftmassengrenze dann quer über der nördlichen Mitte zum Liegen. Die Schneefälle zogen im Laufe der Nacht über den Osten ab, sonst fiel meist Regen. Durchaus beschaulich waren dabei die Luftmassengegensätze. Während es im Norden gebietsweise leichten Frost gab, wurden in den Frühstunden (!) des Donnerstags am Oberrhein sehr milde 14 Grad gemessen.

DWD Tief Charly und die Grenzwetterlage Ein Rueckblick

Am Donnerstag näherte sich Tief „Charly“ dann von Benelux her an und zog im Tagesverlauf über Hessen und Thüringen hinweg, um am Abend dann die Lausitz zu erreichen. Dabei sorgte „Charly“ für kräftige Hebung, sodass sich die Niederschläge intensivieren konnten. Auf der kalten, nördlichen Seite gingen diese bis in tiefe Lagen in Schnee über. Innerhalb von wenigen Stunden kamen etliche Zentimeter an Neuschnee zusammen. Selbst in Metropolregionen wie dem Ruhrgebiet und in Berlin kam es zu einem Wintereinbruch und der Ausbildung einer Schneedecke. In einigen Staulagen kamen von der Eifel, über das Sauer- und Siegerland bis zum Harz sogar rund 20 Zentimeter an Neuschnee zusammen, lokal dürften es sogar noch etwas mehr gewesen sein. Entsprechend kam es zeitweise zu Einschränkungen der Infrastruktur und glättebedingten Unfällen. Mit dem Durchschwenken der Kaltfront von „Charly“ ließen schließlich auch im Osten die Schneefälle wieder nach.

DWD Tief Charly und die Grenzwetterlage Ein Rueckblick 1

Ein anderes Bild stellte sich dagegen in den südlicher gelegenen Landesteilen – sozusagen auf der warmen Seite von „Charly“ – ein. Insbesondere südlich von Mosel und Main konnten zweistellige Tageshöchstwerte verzeichnet werden. Von Schnee war hier also keine Spur. Die Niederschläge gingen als Regen nieder. Zudem frischte auch der Wind stürmisch auf. Spannend wurde es dort dann mit dem Durchzug der Kaltfront von „Charly“ am Donnerstagnachmittag und -abend. Dabei kam es sogar zu einzelnen Gewittern und einer kurzzeitigen Windverstärkung. Örtliche wurden dabei schwere Sturmböen, lokal sogar orkanartige Böen über 105 km/h gemessen. Diese sorgten teils für umstürzende Bäume und somit für Behinderungen und Straßensperrungen. In Hermeskeil (Rheinland-Pfalz) riss der Wind ein Bushäuschen mit. Dabei wurden drei Menschen verletzt. In einigen Orte in Rheinland-Pfalz kam es darüber hinaus kurzzeitig zu Stromausfällen.

DWD Tief Charly und die Grenzwetterlage Ein Rueckblick 2

Rückseitig der Kaltfront floss polare Kaltluft ein, die die Warmluft im Süden ausräumte und in der Nacht zum Freitag dann den Südosten Deutschlands erreichte. Insgesamt ließen die Niederschläge nach, wenngleich weitere Schneeschauer von Nordwesten hier und da noch für etwas Schnee-Nachschub sorgten.

Am heutigen Freitag und am Wochenende baut sich nun Hoch „Beate“ über Mitteleuropa auf, die für eine Wetterberuhigung sorgt. Zunächst bleibt uns die polare Kaltluft erhalten, sodass es insbesondere in den Nächten nach Süden zu klirrend kalt werden kann. Im Laufe der nächsten Woche stehen die Zeichen jedoch auf einer allmählichen Erwärmung, sodass es dem Schnee wieder an den Kragen geht.

MSc.-Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.01.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst