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Die Kälte zieht weiter

Was war das doch für eine Kälte, die weite Teile Deutschlands noch zu Beginn der Woche fest im Griff hatte? Bei anhaltendem Hochdruckeinfluss gelangte arktische Kaltluft zu uns, die gebietsweise für strengen Frost sorgte. Über Schnee wurden Temperaturen unter -10 Grad registriert, teilweise sankt das Thermometer sogar unter -15 Grad ab. Die Station Deutschneudorf-Brüderwiese (Sachsen) registrierte in der Nacht zum Dienstag sogar -19,7 Grad.

Die Kaelte zieht weiter teil 1

Tageshöchstwerte in Deutschland von Freitag, den 21. Februar 2025 

Mittlerweile ist dies aber schon längst „Schnee von gestern“. Denn die Tiefs „Nico“ und „Orkan“ schalteten zum Wochenende die Warmluftdüse an. Mit einer südlichen Strömung wurde sehr milde Luft aus Südeuropa – sogenannte Subtropikluft – zu uns befördert. Dabei ging es dem in tiefen Lagen vorhandenen Schnee rasch an den Kragen. Bereits am vergangenen Freitag wurde in Metzingen (Baden-Württemberg) eine Höchsttemperatur von 18,9 Grad gemessen. Ein beachtlicher Temperatursprung! Und auch am heutigen Wahltag gestaltet sich das Wetter bei Höchstwerten um 15 Grad vielerorts durchaus frühlingshaft. 

Die Kaelte zieht weiter teil 2 

Tiefstwerte in Mittel- und Südosteuropa in der vergangenen Nacht zum Sonntag, den 23. Februar 2025. Schwarzer Kreis markiert die Station Erzurum in der Türkei. 

Die Kälte der vergangenen Woche hat sich aber keineswegs einfach so aufgelöst. Sie ist weitergezogen. Das zuständige Kältehoch „Finja“ erstreckt sich derzeit von Südost- und Osteuropa bis nach Russland und sorgt nun dort für eisige Temperaturen. So wurde in den vergangenen Nächten im teils verschneiten Rumänien örtlich wiederholt Temperaturen um -20 Grad registriert. Auch weite Teile der Türkei hat die klirrende Kälte fest im Griff. An einer Wetterstation nahe der auf einem Hochplateau befindlichen Stadt Erzurum im östlichen Anatolien wurden auf etwa 1800 über NN in der vergangenen Nacht zum Sonntag sogar Tiefstwerte von -27 Grad gemessen. 

Die Kaelte zieht weiter teil 3

Satellitenbild der Schwarzmeerregion von Sonntag, den 23. Februar 2025, 07 Uhr MEZ. Über dem Schwarzen Meer lassen sich langgezogene Schauerstraßen erkennen. 

Ein weiterer Effekt, den die Kälte der südlichen Schwarzmeerküste beschert, ist kräftiger Schneefall, auch in Kombination mit dem sogenannten „Lake-Effect-Snow“. Neben einem Tief, das in der Schwarzmeerregion für Niederschläge sorgt, strömt die einfließende Kaltluft nämlich von Norden her über das vergleichsweise warme Schwarze Meer. Dabei werden die Luftschichten zusätzlich labilisiert. Zudem nimmt die Luft über dem Wasser vermehrt Feuchtigkeit auf. So können sich über dem Schwarzen Meer sowie im südlichen Küstenbereich Schauerstraßen ausbilden, die lokal für kräftige Schneefälle sorgen. Selbst Istanbul bekam in den vergangenen Tagen etwas Neuschnee ab. 

Die Kaelte zieht weiter teil 4

Vorhersage der 24-stündigen Neuschneemenge am Sonntag, den 23. Februar 2025 im Bereich der südöstlichen Schwarzmeerregion. 

Auch am heutigen Sonntag kann der Lake-Effect-Snow dort noch anhalten, bevor er sich im Laufe des Montags mit Abzug der Kaltluft allmählich nach Georgien verabschiedet. Ungewöhnlich für die Region ist dies jedoch nicht. In den Wintermonaten kann bei Kaltluftvorstößen in der Türkei durchaus auch Schnee fallen. 

M.Sc. (Meteorologe) Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.02.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Update: Winterintermezzo im Süden

Insgesamt herrscht über Deutschland relativ ruhiges, wenngleich auch nicht immer freundliches Wetter. Dafür verantwortlich ist Hoch JASPER über Skandinavien, das einen Großteil der Tiefdruckaktivitäten über Mitteleuropa blockiert. Tiefdruckgebiete tummeln sich über Westeuropa und dem Nordatlantik, auf ihrem Weg nach Osten müssen sie südlich um Hoch JASPER ausweichen und ziehen damit eher über Südeuropa gen Osten.

DWD Update Winterintermezzo im Sueden

Die Schwachstelle in der ruhigen Wetterlage befindet sich daher über den südlichen Landesteilen bzw. noch genauer südlich der Alpen mit Auswirkungen bis ins deutsche Alpenvorland. Über Oberitalien bildet sich eine Zone tiefen Luftdrucks. Mit einer südlichen bis südöstlichen Strömung werden dann feuchtere Luftmassen bis ins Alpenvorland geführt. Diese treffen auf eine etwas kühlere Luftmasse nördlich der Alpen, die auf der Südflanke des Skandinavienhochs aus Ost bis Nordost Richtung Alpen geführt wird. Durch diese gegeneinander geführten Strömungen entstehen Hebungsprozesse und im späteren Tagesverlauf setzen von den Alpen nordwärts ausgreifend Niederschläge ein, die teils bis in den Donnerstag andauern. Die Schneefallgrenze sinkt dabei in der Nacht zum Mittwoch auf 600 bis 800 m, so dass insbesondere in Alpentälern aber auch in Teilen des Alpenvorlandes bis in tiefe Lagen Schnee fällt. Die intensivste Niederschlagsphase wird für die Nacht zum Mittwoch erwartet. Schneien wird es aber bis in die Nacht zum Donnerstag hin. Insbesondere am direkten Alpenrand und Richtung Allgäu sind insgesamt Neuschneemengen bis etwa 20 cm zu erwarten, in Staulagen lokal auch mehr. Die entsprechenden Warnungen  wurden bereits herausgegeben. Zum Donnerstag verliert dann das Tief südlich der Alpen durch seine weitere Verlagerung nach Osten allmählich an Einfluss auf das Wetter am Alpenrand, die Schneefallgrenze steigt langsam wieder an und die Niederschläge klingen in der Nacht zum Donnerstag von Westen allmählich ab.

Und das war es dann auch wieder mit dem Winterintermezzo im Süden. Im Verlauf des Donnerstages dehnt sich das Skandinavienhoch südwärts aus und sorgt für weitgehend trockene und zunehmend freundliche Bedingungen. Auch wenn sich zum Wochenende die westeuropäische Tiefdruckzone langsam annähert und voraussichtlich auch zeitweilig Wolkenfelder von Südwesten über Deutschland hinweg ziehen können, bleibt uns das hochdruckdominierte, weitgehend störungsfreie und dann häufig auch freundliche Wetter zunächst erhalten. Nennenswerte Niederschläge deuten sich nach aktuellem Vorhersagestand frühestens zum Sonntag an. Winterliche Wettererscheinungen sind abgesehen von gebietsweisem Nachtfrost und lokaler Glätte nicht zu erwarten.

Dipl.-Met. Sabine Krüger
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.03.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Jahresvorausschau 2024

Tja, was 2024 mit sich bringt, ist eine gute Frage – insbesondere beim Wetter. Lassen Sie uns an dieser Stelle einfach mal wieder den Verstand ausschalten und vogelwild drauflos spekulieren – natürlich wie immer mit einem dicken Augenzwinkern 😉

Januar:
Wintereinbruch in Teilen Deutschlands. Zur Reduzierung von Materialverschleiß greifen bei der Heim-EM der Handballer einige Teams im Training auf Schneebälle zurück.

Februar:
Ob Fastnacht, Fasching, Karneval,
der Name ist doch sch…-egal.
Viel wicht’ger ist, ja sonnenklar:
Das Wetter, das wird wunderbar!

März:
Der DWD plant den operationellen Einsatz von KI in der Vorhersage für in 5 Jahren. „Das entspricht ja der aktuell erwarteten Restentwicklungszeit!“ wird man in 8 Jahren feststellen.

April:
Ein Ruck geht durch Politik und Gesellschaft! Weltweit werden effektive Maßnahmen getroffen, dem menschgemachten Klimawandel gemeinsam und zügig entgegen zu wirken. – April, April…

Mai:
Kühles Schmuddelwetter in Deutschland, noch nie dagewesene Wärme in Nordosteuropa. Beim European Songcontest in Malmö zeigt das Außenthermometer selbst zu später Stunde noch über 20 °C. Icke Hüftgold holt mit „Klima find ick prima“ sensationell den 3. Platz.

Juni:
Zu Ehren des 200. Geburtstag des britischen Physikers William Thomson, 1. Baron Kelvin beschließt die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) für ein Jahr sämtliche Temperaturangaben in Kelvin anzugeben.

Juli:
Extreme Hitzewelle in Deutschland. Vielfach werden Höchstwerte um 313 Kelvin verzeichnet. Das Endspiel der Fußball-EM zwischen Schottland und England in Berlin wird in den kühleren September verlegt.

August:
Fortdauer der Hitzeperiode in weiten Teilen Europas. Bei den Olympischen Spielen in Paris kommt es bei den Wasserdisziplinen immer wieder zu Unterbrechungen aufgrund von sogenannten „Plantschern“ (Pendant zu „Flitzer“).

September:
„Der Laubbläser kommt!“ schallt es durch die Medienwelt. Tatsächlich sorgt der erste Herbststurm in der Nordhälfte verbreitet für (schwere) Sturmböen. Das Endspiel der Fußball-EM wird in den Oktober verlegt.

Oktober:
Verfrühtes Winterintermezzo im Osten des Landes. Bei Schneematsch und Temperaturen um 273 Kelvin gewinnt Schottland auf nahezu unbespielbarem Platz das Finale der Fußball-EM im Elfmeterschießen mit 1:0.

November:
Mehrwöchige Hochdrucklage! Die Folge: Auf den Bergen Sonne ohne Ende, im Tiefland dagegen oftmals neblig-trübe Tristesse. Im Rhein-Main-Gebiet und an der Donau verzeichnen Apotheken und Supermärkte einen Rekordumsatz bei Vitamin-D-Tabletten.

Dezember:
In einer erneut sehr aktiven atlantischen Wirbelsturmsaison leitet Ex-Hurrikan Tony das traditionelle Weihnachtstauwetter in Deutschland ein. „Problem“: Es gibt gar nichts zum Wegtauen. „Was soll’s…“ sagt man sich auf den zahlreichen Weihnachtsgrillpartys.

Soweit zum nicht wirklich ernstgemeinten Ausblick auf 2024. Ernst wird es dagegen am Dienstag und Mittwoch für einige Teile Deutschlands, wenn teils ergiebiger Dauerregen und Sturm auf der Agenda stehen.

Nun wünscht der Autor Ihnen aber erst einmal – auch im Namen des gesamten Thema-des-Tages-Teams – einen guten und vor allen Dingen gesunden Rutsch ins neue Jahr!

DWD Dipl. Met. Tobias Reinartz

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 31.12.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Was ist dran am „Wintereinbruch“

Zum Ende der Woche bringt eine Kaltfront deutliche Abkühlung. In den Medien finden sich Schlagzeilen von einem „Temperatursturz“ und sogar von „Schnee im Flachland“ war die Rede. Doch was ist dran am kommenden „Wintereinbruch“? Und wie geht es danach weiter?